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"Der Stürzende Ikarus - Von der Idee bis zur Fertigstellung einer Plastik" ist das erste Buch der Autorin. Die hier vorgestellte Plastik "Stürzender Ikarus" sowie der Text über deren Entstehung sind Teile ihrer Abschlussarbeit nach einem mehrteiligen Studium der Bildhauerei am Institut für Ausbildung in Bildender Kunst und Kunsttherapie (IBKK) in Bochum. Für die Veröffentlichung des Buches wurde der Text leicht nachbearbeitet. Absicht der Autorin ist es, anhand einer detaillierten Fotodokumentation darzustellen, welche Schritte in ihrer künstlerischen Arbeit erforderlich sind, um das innere Bedürfnis, eine neue Figur zu schaffen, in die Realität einer dauerhaften Plastik umzusetzen.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 28
Veröffentlichungsjahr: 2021
Vorwort
von der Idee hinter dem Vorhaben
Die Entstehung der Plastik – zur Vorbereitung
Das Urmodell
Fertigung der Gießform
Ausgießen in Kunstharz
Die Oberfläche
Die farbige Fassung
Stil und Thema der Arbeit
Schluss
Literaturverzeichnis
Die Bewegung des Fallens in einer bildhauerischen Arbeit darzustellen, ist gleichzusetzen mit einer außerordentlichen Herausforderung. Abhängig vom Material werden sogleich Grenzen aufgezeigt, und dennoch haben zahlreiche Bildhauer in der Geschichte der Verlockung nicht widerstehen können, diesen statisch eigentlich nicht fassbaren Moment in ihrer Gattung darzustellen. Das Motiv des Ikarus-Sturzes wurde schon mehrfach aufgegriffen. Auguste Rodin und Georg Kolbe sind nur zwei Namen in der Kunstgeschichte.
In der griechischen Mythologie versuchte Ikarus mit seinem Vater Dädalus mittels selbstgebauter Flügel aus Federn und Wachs vor König Minos von der Insel Kreta zu fliehen. Trotz der Warnung seines Vaters flog der übermütige Ikarus zu hoch, das Wachs seiner Flügel schmolz in der Hitze der Sonne, die Flügel fielen auseinander und er stürzte ins Meer.
Ikarus, jung und voller Lebensfreude, ist kein Held im klassischen Sinne – im Gegenteil. Tatsächlich war es auch nicht der Mythos, der auch mich dazu bewegte, das Motiv des stürzenden Ikarus aufzugreifen. Es war die Herausforderung hinter der Geschichte, in der Umsetzung. Und, sind Herausforderungen in der Kunst nicht Antrieb genug?
In der vorliegenden Arbeit soll nun dargestellt werden, welche Schritte in meiner künstlerischen Arbeit erforderlich sind, um mein inneres Bedürfnis, eine neue Figur zu schaffen, in die Realität einer dauerhaften Plastik umzusetzen.
von der Idee hinter dem Vorhaben
Meine Leidenschaft ist es, den Körper – ob Mensch oder Tier – zu erforschen. Ich arbeite figurativ, zumeist jedoch ohne Modell und beziehe mich vorzugsweise auf grafische Anatomiedarstellungen, was mir die Freiheit erlaubt, über die Realität der Natur hinaus den Körper zu sehen und zu formen. In meinen Werken liegt eine Spannung, wie sie auch für mich als Griechin in Deutschland immer wieder erlebbar ist. Sowohl in meinem Leben als auch im Blick auf die Geschichte beider Orte ergeben sich immer wieder Bedürfnisse und Notwendigkeiten, Unterschiedliches oder sogar Gegensätzliches miteinander zu verbinden.
Für meine bildhauerischen Arbeiten ziehe ich Anstöße hauptsächlich aus der Vielfalt der griechischen Geschichte. In den Heldensagen und Mythen finden sich zahlreiche spannende Motive, die ich versuche, in meinen Skulpturen und Plastiken wiederzugeben. So ist auch das Motiv des Ikarus nicht zu weit entfernt, um in den Bereich meiner „will ich unbedingt machen“-Arbeiten zu gelangen.
Eine aufstrebende, beflügelte Figur als Sinnbild von Freiheit oder von „alles ist möglich, wenn man es nur will“ ist absolut nicht uninteressant, doch fehlt ihr die Dramatik und Tragik des Absturzes. Die Idee eines stürzenden Ikarus ist eher langsam gereift. Meine Arbeit sollte nicht den Tod darstellen, den der Sturz letztlich zur Folge hat.
Es ist dieser eine Moment des sich Ergebens, der Erkenntnis, dass das eigene Schicksal nicht mehr umkehrbar ist. Ikarus ist noch im Fallen begriffen, seine Schultern berühren bereits den Boden (oder die Wasseroberfläche, was sich bestimmt nicht sanfter angefühlt haben kann), doch er fühlt keinen Schmerz, er ist nicht einmal erstaunt darüber. Dieser Moment zwischen Leben und Tod ist der, der mich gereizt hat, dieses Thema anzugehen und zu versuchen, es mit bildhauerischen Mitteln umzusetzen. Ich hoffe, mit meiner Arbeit die Dramatik und Spannung dieses Übergangs auch dem Betrachter vermitteln zu können und ihn zu eigenen Betrachtungen anzuregen.
