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Eine Dokumentation über einen "Marathon" 42 Tage im Trading. Die Autorin hat lange im Trading geübt. Sie ist der Meinung, wenn man bestimmte Regeln befolgt, kann jeder im Trading erfolgreich sein. Allerdings braucht man Kraft, Energie und starke Nerven. Es ist gesundheitlich nicht ungefährlich.
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Seitenzahl: 115
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Susanna Wilke
Der Trading-Marathon
Jeder kann die Börse verstehen
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Impressum neobooks
Wie ich zum Trading kam
Vor einigen Jahren hatte ich ein Rekrutierungsgespräch mit einem jungen Mann. Er war 32 Jahre auf dieser wunderschönen Erde. Er machte auf mich einen unglaublich ausgeglichenen Eindruck, aber auch ein wenig arrogant oder vielleicht selbstsicher? Er berichtete mir, er sei Broker. Wow, dachte ich, das wäre ja genau der richtige Geschäftspartner für mich. Allerdings vertrat er diese Meinung nicht. Im Gegenteil, meine Tätigkeit wäre nichts für ihn, Abhängigkeit, zu viel Verpflichtungen und Verantwortung für andere. In seiner Tätigkeit hat er die Verantwortung nur für sich selbst. Dabei fährt er gut, kann überdurchschnittlich davon leben und er entscheidet, wie viel er verdienen will.
Angeber, dachte ich damals, und lies ihn gehen.
Zu dieser Zeit war ich für einen Berliner Strukturvertrieb im Finanzbereich tätig. Unser Schwerpunkt war die Altersvorsorge. Ein harter Job. Auf und ab, hoch und nieder, himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt. Mehr will ich dazu nicht sagen.
Dieser Mann damals ging mir nie aus dem Kopf. Ich beneidete ihn, wenn ich ehrlich bin. Versuchte mir aber immer seine Aussagen schön zu denken, na, vielleicht stimmt das ja gar nicht. Erzählen kann man ja viel. Er blieb in meinem Unterbewusstsein fest verankert, da konnte ich machen, was ich wollte.
Eine große Aufgabe, in der Planung meiner Firma, war die Zielsetzung, das Motiv. Was will ich erreichen und noch wichtiger, warum will ich es erreichen. Meine größte Motivation war die Freiheit. Ich wollte immer frei sein, selbst entscheiden, wann und wie viel ich tat, aber natürlich auch, was. Ich glaubte tatsächlich, im Strukturvertrieb ist das so. Was für ein Quatsch. Nach 13 Jahren erkannte ich, dass dies alles nur eine Lüge war.
Das einzige, was da wirklich stimmte, war die Motivation. Ich hatte ein Ziel, ich hatte ein Motiv. Und ich bin gerannt, solange, bis ich erkannte, dass ich in einem Hamsterrad sitze und mich tot renne. Es ist der falsche Weg gewesen. Wie kann man denn, wenn man so viel Verantwortung hat für Mitarbeiter, in Freiheit leben? Und was habe ich davon, wenn ich mich bis zum Burnout durchboxe und dann krank bin? Mit Freiheit hatte das wenig zu tun.
Der Gedanke, Broker zu sein, liess mich nie mehr los. Ich stellte mir immer vor, dass ich mir jeden Tag mein Geld an der Börse mache, was ich so zum Leben brauche und vielleicht noch ein kleines Vermögen aufbaue. Die Visionen von den Millionen habe ich mit der Zeit abgelegt, ich will sie nicht mehr.
Ich war einmal auf einem Vortrag von dem Lebenslehrer Kurt Tepperwein. Der sagte: „Wissen Sie, 1 Million zu erarbeiten ist gar nicht so schwer, wenn man sich mal richtig ins Zeug legt, viel schwerer ist es, diese Million zu behalten.“ Da ist was Wahres dran! Und seien wir doch mal realistisch, ne halbe Million reicht doch auch. Kommt drauf an, wie lange man davon leben will und wie man leben will.
Aufgrund der Krise in Europa wurde die Arbeit an der Börse aktueller und der kleine Mann, die kleine Frau fing an, sich immer mehr dafür zu interessieren. Vielleicht empfand ich das auch nur so. Wir kennen das ja, wenn man sich ein rotes Auto kaufen will dann sieht man diese roten Autos überall. Oder die Angelegenheit mit der Schwangerschaft. Seien Sie mal schwanger, was glauben Sie wie viel schwangere Frauen Sie treffen. Ok, oder Sie sind Mann einer Schwangeren.
Eigentlich habe ich mich schon immer für die Börse interessiert. Finde ich total spannend und bewundere die Leute, die das alles verstehen. Also nicht nur die Begriffe, sondern auch die Zusammenhänge. Ich habe ja auch Bankkauffrau gelernt und das auch noch bei einer Hypothekenbank. Wirklich damit gearbeitet habe ich nicht. Nur ansatzweise im Zusammenhang mit fondgebundenen Versicherungen. Mein Mann hatte vor Jahren auch mal größere Summen in Fonds investiert und nach dem 11.9.2001 große Verluste gemacht. Er hatte danach nicht auf mich gehört, sonst hätte er ein Jahr später alles zurück bekommen und noch Gewinn gemacht.
Ich habe ein gutes Gefühl für die Börse aber auch eine Schwäche. Ich bin ungeduldig.
Als die Informationen über Aktien, Fonds etc. immer mehr wurden, war auch ich infiziert und konnte nicht mehr anders, als mich „schlau“ machen. Wow, was man da alles so lesen kann! Zwischen “ Millionär werden“ oder vielmehr „reich werden“ bis zu „Haus und Hof verlieren“ kann man grundsätzlich im Internet alles über Börse oder Trading finden.
Es gab und gibt sog. Trading-Module, in denen man mit gar nicht viel Geld ein Vermögen aufbauen kann. Ja, das stimmt sogar. Die Betonung liegt aber bei „kann“, denn wenn das so einfach wäre, würde es dann nicht jeder machen? So etwas spricht sich doch schnell rum.
Stimmt gar nicht, so etwas spricht sich nicht schnell rum aber wenn jemand alles verloren hat, das spricht sich schnell rum. Wir lieben ja die negativen Geschichten. Ist ja auch langweilig, wenn man lesen würde und das täglich, dass schon wieder jemand reich geworden ist.
Aller Anfang ist schwer, oder?
Ich suchte im Internet Module, bei denen ich Trading lernen konnte. Es gibt einige mit Sitz im Inland aber auch diverse im Ausland. Ich kannte damals den Unterschied nicht. Was ist daran gut oder schlecht. Also entschied ich mich für eines und kann Ihnen noch nicht einmal sagen warum. In Google ist es weit vorn und es bot mir ein sog. Demokonto an. Das fand ich ja super. Ich bekam ein „Spielkonto“ da waren 25.000,-- € drauf und ich konnte mit dem Geld „spielen“ jedoch mit den Originalzahlen der Börse. Also, ich konnte kaufen und verkaufen, mit virtuellem Geld aber mit der Originalbörse. Wie cool war das denn.
Wenn andere im Internet Krieg spielen, so spiele ich an der Börse. Ich probierte alles aus. Rohstoffe, wie Gold, Silber, Öl, Fonds wie Deutschland 30 (DAX) USA500, alle Europafonds, Frankreich, Italien, Spanien. Ich war fasziniert, mit Griechenland konnte ich richtige Gewinne machen. Was war denn Forex, darüber hatte ich mir nie Gedanken gemacht. Aah, Devisen, ja das war mir auch noch ein Begriff aus meiner Bankerzeit. Das machte ja richtig Spaß!
Aber ich verlor auch Geld und das ging schneller, als ich dachte. Dazu fiel mir ein Spruch ein, den meine Mutter manchmal sagte: „Wie gewonnen, so zerronnen“. Und das stimmte erst recht.
Irgendwann wurde ich dann mutig und glaubte, dass ich genug Wissen hatte und Übung, um nun in das Realkonto umzusteigen. Ich bekam einen Startbonus von 25,-- € und durfte nur kleine Positionen öffnen. Dann machte es einmal „Peng“ und mein Geld war weg. So schnell konnte ich gar nicht schauen. Naja, war nicht so schlimm, war nicht wirklich meins. Und ich hatte ja noch mein Demokonto. Klick, und ich konnte weiter spielen.
Ich fand heraus, was ich so falsch machte und worauf ich achten muss. Dann wollte ich natürlich meine Erkenntnisse in die Realität umsetzen. Und so startete ich mein Realkonto mit meinen ersten 100,-- €. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich, dass ich nicht zu viel auf einmal investieren darf und wenn die Kurse unten sind muss ich kaufen und verkaufen, wenn ich Gewinn habe, wie hoch die auch immer sein mögen.
Ich weiß nicht, warum ich mir ein Ziel setzen musste. Macht der Gewohnheit? Ich nahm mir vor mein Kapital jeden Monat zu verdoppeln. Dann hätte ich zum Jahresende rd. 200.000,-- € Gewinn gemacht. Wow, hörte sich gut an. Ich war total heiß, Adrenalin pur schoss durch meine Adern und ich lief nur noch happy durch die Gegend. Und ich machte jeden Tag Gewinne. Immer nur klein aber Gewinn. 2,45 €, 1,75€, 0,50€, usw. Ich konnte ja nicht so viel investieren. Es gingen ja immer nur 50,-- €. Und trotzdem schaffte ich es, ich verdoppelte meine 100,-- bereits nach 3 Wochen. Es funktionierte! Das war ja vielleicht ein Gefühl.
Zuerst behielt ich mein Wissen für mich, denn ich traute mich irgendwie nicht, darüber zu reden. Hatte Angst, meine Freunde halten mich für verrückt. Aber dann begann ich von meinen Erfolgen zu erzählen und siehe da, ich war gar nicht allein. Es gab auch andere, die sich so ihr Taschengeld aufbesserten aber niemand sprach darüber. Nun, ich fand einen Verbündeten, mit dem ich mich austauschte.
Allerdings gab es auch die, die den Zeigefinger hoben. Risiko, gefährlich, macht süchtig, aufpassen, ich kenne jemanden, der………
Natürlich weiß ich, dass hier ein Risiko drin steckt, so blöd bin ich doch auch nicht. Ich finde es ja auch nett, wenn sich die Menschen Gedanken machen um mich zu schützen wollen. Und meine Freunde wollen natürlich nur mein Bestes. Das glaube ich auch.
Dass hier Gefahren sind ist mir hinreichend bekannt, sonst hätte ich ja schon vor Jahren damit begonnen. Diese Gefahren konnte ich schon bald selbst spüren. Ich hatte mittlerweile mehr als 300,-- € auf dem Konto wobei das nur Gewinne waren, die investierten 100,--€ hatte ich bereits abgezogen.
Das war etwas, was ich mir von Beginn an vorgenommen hatte. So wie ich Gewinne machte, mit denen ich allein investieren konnte, zog ich mein eingesetztes Geld raus und handelte nur noch mit den Gewinnen weiter.
Und es kam der Tag, an dem plötzlich aus heiterem Himmel alle Fonds in den Keller gingen. Wie gelähmt saß ich vor dem PC und schaute auf ein Restkapital von 24,-- €. Meine schönen Gewinne waren futsch. Das musste ich erst mal verkraften.
Was war denn passiert? Warum war denn die Börse in den Keller gegangen? Irgendwo hatte wieder einmal ein Land einen Krieg in der Planung und schon bekommen die Anleger Angst. Sie ziehen lieber schnell ihr Geld ab, bevor es stürzt. In der Regel bleibt es dann eine Weile so, bis es wieder Entwarnung gibt.
Manchmal ist auch irgendwo ein Meeting der Weltbanken angesagt, die wieder eine ihrer unglaublichen Entscheidungen treffen. Das kann natürlich auch in die andere Richtung gehen.
Einmal hatte ich im DAX investiert, die niedrigste Menge, als ich irgendwann auf den Bildschirm schaute war ich um 265,-- € reicher. Was war passiert? Amerika hatte mal eben seine Schuldengrenze nach oben erweitert und alle profitierten davon. Das sind dann die Momente, an denen das Herz Luftsprünge macht.
Die Gefahr ist leider, dass man übermütig werden kann. Wenn man diese Momente erlebt, glaubt man alles zu schaffen. Und es kann auch für eine Weile so sein. Aber die Börse ist unberechenbar, jedenfalls für den normalen Investor. So wie es in die eine Richtung geht, geht es auch ganz schnell in die andere Richtung, wenn wir nicht Ruhe bewahren.
Ich sag immer, es ist die Gier. Ich weiß nicht, ob das so stimmt. Aber ich habe mich immer geärgert, wenn ich diese Hektik in mir hatte und nicht stoppen konnte. Da habe ich so schön Gewinne eingefahren und musste noch mehr haben. Anstatt es an diesem Tage gut sein zu lassen. Wir genießen den Adrenalin-Schub. Die meisten von uns haben das zu selten. Dieses Freudegefühl, das Kribbeln im Bauch, davon wollen wir mehr. In dem Moment setzt der Verstand aus und zwar solange, bis wir wieder einen Dämpfer bekommen.
Zum Jahresende las ich immer über die sog. Weihnachts-Rally. Ich wusste nicht, was das bedeutete. Allerdings merkte ich nichts davon. Ich war auch ängstlicher geworden, habe nicht mehr so schnell gekauft. Allerdings konnte man in dieser Zeit gute Gewinne machen, denn die Menschen kaufen viel, es wird viel investiert. Es war ein Tag vor Weihnachten. Es ging mir zu diesem Zeitpunkt finanziell nicht gut. Ich hatte noch rd. 200,-- € verfügbares Kapital auf meinem Tradingkonto. Über Weihnachten haben die Börsen geschlossen für ein paar Tage. Doch ich entdeckte, dass Japan noch aktiv war.
Mit Japan hatte ich schon ganz tolle Erlebnisse und Ergebnisse. Die sind ja in der Nacht aktiv, was für mich nicht infrage kommt, ich brauche meinen Schlaf. Aber ich hatte mal am Abend bevor ich schlafen ging eine Position gekauft und „bei Gewinn schließen“ 30,-- € eingegeben. Und siehe da, als ich am Morgen erwachte, war ich um 30,-- € reicher. So schaute ich immer abends, wie stand Japan, waren die im Minus, hab ich gekauft. Und am nächsten Tag hatte ich mein Taschengeld erhöht.
Diesmal, also Weihnachten, war die japanische Börse, die einzige, die geöffnet hatte und sie stand auch recht niedrig. Ich kaufte eine Position. Als ich am Heiligabend das Konto anschaute war ich fassungslos. Mein Konto hatte geschlossen bei einem Gewinn von 385,-- €. Das war ein Weihnachtsgeschenk. Da war die Freude groß.
Leider gab es auch die anderen Szenarien, bei denen man böse Lehrgeld zahlt. Einmal hatte ich mehr als 500,-- € verloren. Ich konnte es einfach nicht stoppen, ich wusste auch nicht, was ich tun sollte. Machtlos schaute ich zu, wie die Verluste stiegen. Ich schloss meinen Laptop, bloß nicht hinsehen! Ich ging in mein Zimmer und betete. Ja ich betete, doch es half nichts. Nach kurzer Zeit war mein Kapital futsch. Das, was ich mühselig erkämpft hatte, war alles wieder weg. Nach diesen Ereignissen brauchte ich dann erst mal etwas Abstand und legte Pause ein.
Im Durchschnitt kann ich sagen, hab ich mir aber mit dem Trading so manchen Monat meinen Lebensunterhalt verbessert. Ich habe es nie wirklich berechnet, aber es waren schon so 100,-- bis 200,-- € manchmal. Wenn man nicht übermütig wird, ist das auch machbar.
Deshalb hatte es mich auch nie ganz los gelassen. Immer wieder habe ich versucht, den Durchbruch zu erreichen. Meine Erkenntnisse habe ich mir notiert. Ich bin davon überzeugt, dass man mit der notwendigen Disziplin und den entsprechenden Regeln ein Vermögen aufbauen kann.
