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Johanna hat als Mitarbeiterin in einem Strukturvertrieb Höhen und Tiefen erlebt. Es kommt zum Burnout. Die Kurzgeschichte erzählt die Bemühungen ihrer Seele, Johanna wieder in ein zufriedenes Leben zu führen und mit den Enttäuschungen umzugehen, die ihr wiederfahren sind.
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Seitenzahl: 24
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Susanna Wilke
Die Seele Jo
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Die Seele Jo
Impressum neobooks
Da saß sie und weinte. Ein schreckliches Gefühl lag auf ihrer Brust, wie ein Stein. Irgendetwas schnürte ihr den Hals zu, es schmerzte am Kehlkopf, als würde er verkrampfen. Es wollte nicht aufhören, immer wieder schluchzte sie und lies ihren Tränen freien Lauf. Sie liefen über ihre Wangen, den Hals entlang und langsam wurde der Kragen des Pullovers feucht. Sie konnte es nicht stoppen. Es war, als hätte jemand eine Schleuse geöffnet.
In ihrem Kopf hämmerte es und schmerzte. Sie konnte sich auf nichts konzentrieren. Sowie sie an irgendetwas dachte kamen neue Heulattacken. Das ging nun schon 2 Stunden so. Johanna hatte das Gefühl, als könnte sie nichts beruhigen. Sie ging an den Schrank und nahm eine Kopfschmerztablette. Sie zog die Vorhänge zu, nahm die warme Decke und legte sich auf die Couch.
Johannas Körper wurde müde und sie begann zu frieren. Langsam fiel Johanna in einen unruhigen Schlaf.
Jo war zufrieden. Endlich hatte Johanna begriffen. Es konnte so nicht weitergehen. Schließlich war Jo nicht nur zum traurig Sein in Johannas Körper, sie wollte Schönes erleben, Freude fühlen, lachen. Sie wollte doch auch, dass Johanna glücklich ist und ein zufriedenes Leben führte. Was war das, ein zufriedenes Leben? Glück? Jo hatte immer wieder versucht, sich daran zu erinnern. Sie wusste, dass sie es schon erfahren hatte.
Jo litt schon viele Jahre darunter. Sie hatte immer wieder gekämpft und Johanna Zeichen gegeben, doch sie hatte sie nicht verstanden. War es wirklich Johanna, die nicht so wollte wie sie? Eigentlich wollte Johanna auch immer nur Schönes erleben. Aber da war der Verstand. Im Gegensatz zu Jo, die nur durch Gefühle auf sich aufmerksam machen konnte, hatte der Verstand einen Vorteil. Alles, was Johanna erlebte, ob Gutes oder Schlechtes, war in seinem Archiv gespeichert. Wie z.B. ein Computer eine Festplatte hat, so hat der Verstand das sog. Unterbewusstsein. Jo nannte ihn immer „Proff“ von Professor, denn er hielt sich für besonders klug und oberschlau.
Wie oft hatten sie sich gezankt? Und meistens hatte der Proff gewonnen.
Jo ging es dann immer schlecht, sie fühlte sich gedemütigt und fragte sich, wozu sie denn noch da sei, wenn Johanna sie nie beachtet. Es gab aber Zeiten, da bekam sie viel Aufmerksamkeit von Johanna, das waren die besten Erinnerungen. Johanna und Jo hatten viel gemeinsam erfahren in den vielen Jahren, in denen sie zusammen waren. Es gab schöne Gefühle also Freude aber auch schlechte, nämlich Schmerz, Angst, Trauer.
