Beschreibung

Das Schicksal machte sich Morgan zum Feind. Nachdem sie von Aithan verstoßen wurde, kehrt sie an den Ort des ursprünglichen Verrats zurück. Yastia. Sie nutzt ihren Hass und den schwelenden Schmerz, um ihren Feind zu enttarnen. Im Palast aus Stein und Glas trifft sie ausgerechnet auf den verwunschenen Gott, der sie dazu zwingt, einen riskanten Auftrag anzunehmen. Dieser bringt sie in größere Schwierigkeiten als zunächst geahnt. Schmugglerin, Wölfin oder Knochenhexe – um die Wahrheit über sich und ihre Vergangenheit herauszufinden, muss Morgan lernen, alles in sich zu vereinen.

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Der verbannte Prinz

Von Göttern und Hexen

Laura Labas

Copyright © 2018 by

Drachenmond Verlag GmbH

Auf der Weide 6

50354 Hürth

http: www.drachenmond.de

E-Mail: [email protected]

Lektorat: Marlena Anders

Korrektorat: Michaela Retetzki

Layout: Michelle N. Weber

Umschlagdesign: Alexander Kopainski

Bildmaterial: Shutterstock

ISBN 978-3-95991-337-9

Alle Rechte vorbehalten

Für Silvana

Inhalt

Komm näher

Prolog

Ein Äpflein

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kaum hatte

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Ganz klein

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Ein golden und silbern Kleid

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Der Wolf

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Und wer den Kristall holt

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Der böse Sturm

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Gretel schob

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Danksagung

Über die Autorin

Bücher von Laura Labas

Komm näher und kriech hinein.

Sieh nur, ob es recht geheizt ist,

um dein Brüderchen zu braten

und ihn gänzlich zu verschlingen.

Prolog

Verfallene Mauern und mit Kletten überwucherte Steine umgaben das Mädchen, als es sich suchend nach seinem älteren Bruder umsah. Sie glaubte nicht, dass er sie allein zurückgelassen hatte, trotzdem schlich sich die Angst in ihren Bauch. Dort wuchs sie zu einem großen Ball heran, der sie beinahe lähmte.

»Bruder, wo hast du dich versteckt?«, rief sie und erhielt als Antwort ihre eigenen Worte, die von den Wänden des heruntergekommenen Tempels widerhallten.

Sie fühlte sich so schrecklich allein. Dabei konnten kaum mehr als ein paar Augenblicke vergangen sein, seit sie ihren Bruder zuletzt zwischen den Steinen des Geröllhaufens gesehen hatte. Wohin war er bloß verschwunden?

Entschlossen ballte sie ihre schmalen Hände zu Fäusten und stapfte über den schmutzigen Mittelgang, der sie direkt ans offene Ende des Tempels führte. Gigantische Steinsäulen ragten links und rechts von ihr auf und schienen von der Zeit unberührt. Der Himmel blitzte weiß und blau hinter der löchrigen Wolkendecke auf.

Das Mädchen wich dem Unrat von Vögeln und Nagern aus, weil es sich an die warnenden Worte seiner Tante erinnerte. Und dass du mir keinen Schmutz nach Hause bringst. Du und dein Bruder – ihr macht mir größere Mühe, als ihr wert seid. Wenn eure Eltern doch nicht schon tot wären …

Kopfschüttelnd vertrieb sie den Gedanken an ihre Tante. Es war nicht die Schuld des Mädchens, dass seine Eltern vorbeiziehenden Dieben zum Opfer gefallen waren. Sie würde außerdem lieber allein mit ihrem Bruder in Katta leben, als sich ein Haus mit ihrer griesgrämigen Tante zu teilen.

»Ich komme jetzt zu dir«, warnte sie ihn vor, nachdem sie das Ende des Ganges erreicht hatte und herausfordernd den mittig platzierten Geröllhaufen anstarrte. Sie würde ihn besteigen und auf der Spitze einen triumphierenden Schrei ausstoßen. Ganz genau so, wie es ihr Bruder vor einer kleinen Weile getan hatte.

Der Berg bestand aus heruntergefallenen Steinen, zwischen denen jahrhundertelang Pflanzen ihre Wurzeln geschlagen hatten und ineinander verwachsen waren, sodass sich nur wenige Brocken lösten, als sich das Mädchen an den Aufstieg machte. Es hielt sich an hervorstehenden Steinen fest und zog sich daran hoch, während es mit seinen Füßen nach neuen Vorsprüngen tastete. Ein kühler Wind kam auf, der ihr ein paar Strähnen ihres strohblonden Haares ins Gesicht wehte. Sie pustete diese ungeduldig zurück.

Angestrengt atmend wischte sie sich mit dem Handrücken über die schweißnasse Stirn, nachdem sie für einen kurzen Moment sicheren Halt mit den Füßen gefunden hatte.

Herausfordernd blickte sie nach oben zur Spitze, die nur noch wenige Schritte von ihr entfernt aufragte. Sie presste die Lippen zusammen, senkte den Kopf und überwand auf diese Weise auch die letzten Steine, ohne sich von der Höhe beeindrucken zu lassen. Diese hatte ihr noch nie etwas ausgemacht. Seit sie laufen konnte, war sie auf Bäume geklettert und hatte laut aufgelacht, wenn ihre Mutter sie dafür getadelt hatte. Als ob sie fallen würde! Als ob die Höhe ihr Feind wäre!

Bloß nach dem Tod ihrer Eltern war sie vorsichtiger geworden, hatte Bäume gemieden und das Klettern aufgegeben. Das war der Grund, wieso ihr Bruder ohne sie vorgegangen war. Sie hatte sich von ihrer Angst beherrschen lassen …

Sie streckte sich, stützte ihre Unterarme auf dem obersten Stein ab, der gefährlich wackelte, und stemmte sich dann nach oben. Der Stoff ihres Kleides blieb an einer Kante hängen und sie hörte sein Reißen, bevor sie das Unheil verhindern konnte.

Für Vorsicht war es nun zu spät und sie überwand den letzten Zoll mit einem weiteren Reißen. Dann endlich stand sie aufrecht auf wackligen Steinen und drehte sich zum offenen Tempel um. Sie ließ einen Schrei verlauten, der tausendfach widerhallte.

Das Echo verursachte ihr eine Gänsehaut.

Lächelnd sah sie auf die halb zerstörten Bankreihen hinab, die damals aus Stein gemeißelt worden waren. Heute besaßen sie in Katta einen anderen Tempel, dessen Bänke aus Holz bestanden. Das Mädchen fand, dass sie viel angenehmer waren, wenn man Stunde um Stunde darauf sitzen und den Worten des Bluthexers lauschen musste. Abgesehen davon stellte sie sich aber gerne vor, wie das Leben in dieser zerfallenen Stadt gewesen sein musste. Hatte es einen großen Markt gegeben, zu dem Leute aus Katta und anderen umliegenden Dörfern angereist waren? Waren die Menschen glücklich gewesen in ihren Steinhäusern und mit den riesigen Brunnen, von denen das Mädchen bereits einige Ruinen erkundet hatte? Hatte es … Magie gegeben, die nicht von Bluthexern bestimmt worden war? Waren Hexen möglicherweise frei gewesen?

Seufzend wandte sie sich von dem weitläufigen Tempel ab, um weiter nach ihrem Bruder zu suchen. Sie kratzte sich gerade einen Streifen Schmutz vom Unterarm, als sie sah, was der Geröllhaufen bisher vor ihr verborgen gehalten hatte.

Ein riesiges Loch klaffte im Boden.

Nein, kein Loch, es war eine Art Zugang. Denn wenn sie die Augen zusammenkniff, konnte sie den Weg erkennen, der hinab in die Erde führte. Immer tiefer, wie es schien, und gerade als sie sich an den Abstieg machen wollte, erschien ihr Bruder vollkommen verschmutzt, aber mit einem breiten Lächeln auf den Lippen in dem Eingang.

»Du glaubst nicht, was ich entdeckt habe, Schwester. Komm schnell!« Er wedelte ungeduldig mit der Hand und verlagerte das Gewicht von einem Bein aufs andere. Sie drehte sich eilig um, damit sie besser hinabklettern konnte.

Das Mädchen brach sich an einem Stein den Nagel ihres kleinen Fingers ab und sie konnte nur schwer einen Aufschrei unterdrücken. Ihre Lippe zitterte, als sie endlich wieder festen Boden unter ihren Füßen hatte. Eigentlich war ihr jegliche Lust auf ein Abenteuer vergangen, jetzt, da der Rausch des Aufstiegs verklungen war und sie sich ihren blutenden Finger in den Mund schieben musste. Er schmeckte nach Dreck und Salz.

»Na komm. Es wird dir gefallen«, versprach ihr der Junge und tätschelte ihre Schulter, als würde er erkennen, dass die Freude sie verlassen hatte.

Sie zwang sich zu einem Lächeln, weil sie ihren Bruder liebte und keine Spielverderberin sein wollte. Davon gab es in ihrem Dorf genügend und die Geschwister machten sich nicht selten über sie lustig. Nie wollten sie ihre Kleider schmutzig machen, nie mit ihrem Ball spielen und erst recht nicht die Ruinen der vergessenen Stadt erkunden.

Nein, sie durfte ihren Bruder nicht im Stich lassen, denn er hatte nur sie und sie hatte nur ihn.

Er nahm sie an der Hand und gemeinsam traten sie in den unheimlichen Tunnel. Das Herz des Mädchens klopfte schnell, als sie von undurchdringlicher Dunkelheit empfangen wurden und sie sich blind zurechtfinden mussten. Allein ihr hektischer Atem drang an ihre Ohren und versicherte ihr, dass sie noch lebte und nicht zu einer Traumgestalt geworden war.

»Pass auf, gleich wird es besser«, beschwichtigte ihr Bruder sie und der Griff um ihre Hand verstärkte sich für einen Moment.

Sie schritten vorsichtig weiter. Ein Fuß nach dem anderen, bis sich die Dunkelheit verflüchtigte. An den Wänden des Tunnels zogen sich nun bernsteinfarbene Adern entlang, die so hell leuchteten, dass das Mädchen mehrere Fuß weit vor und zurück sehen konnte. Ihre Angst verschwand.

»Das ist wunderschön«, flüsterte sie ehrfürchtig. »Magie?«

Mit den Fingerspitzen tastete sie eine Ader entlang. Sanfte Wärme ging von ihr aus.

»Ich glaube schon. Sollen wir weitergehen?« Seine Miene verriet seine Ungeduld. Er wollte diese Höhle erkunden, koste es, was es wolle, aber er würde sie nicht zwingen. Niemals.

Sie nickte und ließ sich von ihm weiterziehen, als hätte er keine andere Antwort von ihr erwartet.

Der Tunnel war breit genug, sodass sie nicht so eng beieinander hätten gehen müssen, doch sie fühlte sich mit ihrem Bruder an der Seite wohler. Außerdem vertrieb seine Nähe die Angst davor, niemals ans Ende zu kommen. Die Wände mit den leuchtenden Adern schienen sich nicht zu verändern, waren immer gleich. Immer dunkel. Allein die Steigung nahm ab, bis der Gang irgendwann nur noch geradeaus verlief, was in dem Mädchen die Hoffnung weckte, bald das Ziel zu erreichen. Was auch immer dieses war.

»Ich bin durstig«, teilte sie ihrem Bruder mit und leckte sich über die trockenen Lippen. »Sollen wir nicht lieber umkehren?«

»Ich glaube, wir sind fast da. Hörst du das?«

Sie spitzte angestrengt die Ohren, bis auch sie das Plätschern von Wasser vernahm. Dies verlieh ihr neue Zuversicht und sie ließ zu, dass sie die Geschwindigkeit erhöhten.

Schon bald wurde ihre Entschlossenheit belohnt, denn der Tunnel öffnete sich zu einer Krypta, die von einem Wassergraben eingefasst war.

Die Geschwister schritten über eine kleine Steinbrücke, deren Pfeiler bereits vom rauschenden Wasser angegriffen und an mehreren Stellen zerfallen waren. Trotzdem hielt sie ihr Gewicht aus und brachte Bruder und Schwester sicher auf die andere Seite.

Der Bruder betrat als Erster den verschmutzten grauen Boden und blickte staunend hoch ins Gewölbe, von dem mehrere steinerne Säulen nach unten wuchsen.

Ein kalter Luftzug ließ das Mädchen erzittern, als es ebenfalls die Plattform betrat. Sie verzog bei dem Geruch von feuchter Erde das Gesicht und dachte sehnsüchtig an den stürmischen Himmel zurück. Am liebsten hätte sie sofort wieder kehrtgemacht, doch sie ahnte, dass sich die Neugier ihres Bruders jetzt nicht mehr zügeln ließ. Also folgte sie ihm mit einem Schritt Abstand unter den glatt verputzten Rundbögen hindurch und ließ die Fingerkuppen über die sandigen Säulen streichen. Die Decke war an einigen Stellen so niedrig, dass das Mädchen fast die Bögen berühren konnte, wenn es sich auf Zehenspitzen stellte und streckte.

Das Licht der Bernsteinadern wurde zunehmend schwächer, bis sie endgültig aus seinem Kreis traten und sich dem Herz der Krypta näherten. Nach einem Moment der vollkommenen Finsternis erwachten mehrere Fackeln zu neuem Leben und erhellten einen steinernen Sarg, der auf einem gewaltigen Podest stand. Jenes Podest, in das mehrere Bildnisse gemeißelt worden waren, umgab ein Graben aus feuchter Erde – daher auch der Geruch.

»Sieh nur, ist das Gold?« Der Junge zupfte an dem Ärmel seiner Schwester und deutete mit der anderen Hand auf den Sarg, der durch ein goldenes Band versiegelt worden war. »Und dort, das sind Juwelen! Richtige Juwelen. Wenn wir davon ein paar mit nach Katta nehmen, können wir uns ein eigenes Haus kaufen!«

Das Mädchen konnte den Bruder nicht aufhalten, als er Anlauf nahm, um über den Graben zu springen. Er lief und lief und sprang und … Sie schrie auf, als vier Arme aus dem Graben herausschossen und ihren Bruder aus der Luft pflückten. Er zappelte und trat um sich, doch obwohl die Arme aus feuchter Erde bestanden, die stetig von ihnen herabrieselte, konnte er ihnen nichts entgegensetzen. Sie ließen den Jungen nicht los. Stattdessen zogen sie ihn in den Graben, obwohl er schrie und versuchte, sich zu wehren. Das Mädchen war unfähig, das Geschehene zu begreifen. So etwas kannte sie bloß von alten Kinderreimen und Volksmärchen.

Als sie sich endlich aus ihrer Starre lösen konnte, folgte sie dem Ruf ihres Herzens und eilte ihrem Bruder hoffentlich noch rechtzeitig zu Hilfe.

»Bruder!«, rief sie und streckte und streckte sich, bis sie seine Hand zu fassen bekam.

Für einen Augenblick glaubte sie, ihn auf die Plattform zurückziehen zu können, dann verstärkte sich der Griff der erdigen Hände jedoch und mit einem Ruck zogen sie ihren Bruder in die Tiefe. Seine Hand entglitt ihr und sie verlor ihr Gleichgewicht, sodass sie neben ihn in den Graben fiel.

Ein weiterer Schrei entfloh ihr. Die Panik setzte sich tief in ihrem Inneren fest, vermischte sich jedoch mit der Gewissheit, dass dies ihr Ende sein würde. Etwas, das nicht zu dem jungen Alter des Mädchens passte, sondern zu der Magie, die in der Luft schwirrte. Die Erde fühlte sich weich und warm an, doch das Gefühl änderte sich, sobald auch das Mädchen in einen Käfig aus Armen gehüllt und nach unten gezogen wurde. Ihre Hände griffen durch die erdigen Körperteile ins Nichts. Zuerst verschwanden ihre Beine, dann ihr Oberkörper und schließlich wurde auch ihr Kopf unter die Oberfläche gezogen.

Sie versuchte, ihren Atem anzuhalten, doch schon bald brannte ihre Lunge derart, dass sich ihr Mund unwillentlich öffnete und sie Erde verschluckte.

Tränen sammelten sich in ihren Augen. Der Schmerz in ihrem Inneren, das nun mit Erde gefüllt war, ließ irgendwann nach.

Ihr Herz hielt inne.

Das Mädchen verschwand jedoch nicht. Sie lebte in ihrem toten Körper, der in der Erde neu geboren wurde.

Beschützen, wisperte eine Stimme ganz nah an ihrem Ohr. Wir müssen ihn beschützen.

Erde auf Erde auf Erde.

Die Ewigkeit verging und das Mädchen hatte vergessen, wer es war und woher es kam. Sie dachte bloß daran, den Sarg zu schützen. Niemand durfte sich ihm nähern. Niemand dürfte ihn öffnen.

Beschütze ihn.

Ein Äpflein für deine Mühen.

Sieh nur, wie glänzend er scheint.

Kein Gift hängt ihm an,

beiß nur hinein.

Kapitel 1

Ich werde dich nicht lieben können. Niemals. Geh, Knochenhexe!

Morgan presste die Hände auf ihre Ohren, in der Hoffnung, Aithans Stimme auszublenden. Doch die Worte kamen nicht von außen. Sie saßen tief in ihr drin und zerrissen ihr Innerstes.

Aithan hatte ihr nicht richtig zugehört. Er hatte nicht … Sie sollte zurückkehren und ihm noch einmal in aller Deutlichkeit sagen, dass sie nur egoistisch gewesen war, weil sie ihn nicht hatte verlieren wollen. Sie hatte ihn nicht betrügen wollen.

Ein paar Kriegern, die es bis zu den Toren des Schlosses geschafft hatten, musste sie ausweichen. Sie wollte nicht entdeckt werden. Wollte mit niemandem reden.

Ihr Herz pochte träge in seinem Käfig, als Morgan den dunklen Wald betrat, der gar nicht mehr so dunkel war. Die Glüher hatten sich verzogen und auch die Stocker, ehemalige Krieger, die aus dem verwunschenen Bach getrunken hatten, ließen sie in Ruhe. Aithan hatte mit dem Kuss der Prinzessin nicht nur ihren Bann gebrochen, sondern damit das Königreich von dem Fluch der Hexe befreit. Nach und nach, so schien es, erwachte es aus seinem Jahrhunderte andauernden Schlaf und vertrieb das Böse, das sich derweil in ihm eingenistet hatte. Selbst in der Dunkelheit der Nacht bemerkte Morgan das berauschende Grün der Baumkronen, die vorher in gedämpftem Braun getaucht gewesen waren. Einzelne Blüten streckten ihre Köpfe bereits gen Himmel in Erwartung der Sonne, die am nächsten Tag sicherlich das erste Mal seit langer Zeit den feuchten Boden mit seinen Strahlen beglücken würde.

Morgan rieb sich über ihre Arme und berührte dabei unwillkürlich die Wunde, die ihr von Cáel mit ihrem eigenen Beil zugefügt worden war. Sie schmerzte kaum, genauso wenig wie ihr gebrochener Wangenknochen oder die Platzwunde an ihrem Hinterkopf. Nur die Kälte machte Morgan zu schaffen. Allem anderen gegenüber war sie vollkommen abgestumpft.

Aithan hatte sie mit seinen verdammenden Worten mitten ins Herz getroffen und sie konnte nicht einmal wütend auf ihn sein. Sie fühlte bloß bodenlose Verzweiflung.

Seufzend setzte sie einen Schritt nach dem anderen über den feuchten Waldboden und blinzelte durch den stetigen Regen hindurch, von dem sie hier unter den Kronen besser geschützt war als noch in der verwunschenen Stadt.

Cáel und sie hatten Aithan den Wunsch gekostet. So sah die Wahrheit aus und ganz egal, wie sehr Morgan sich dagegen sträubte, sie würde sich nicht ändern.

Larkin, der Alphawolf der Schmuggler, sollte recht behalten. Er hatte sie immer davor gewarnt, auf ihre Gefühle zu hören. Sie verschlimmerten jede Situation und verschleierten das Urteilsvermögen eines jeden.

Wenn Morgan Aithan nicht ihr Herz geöffnet hätte, dann hätte sie nicht gezögert, ihm von Cáels Plänen zu erzählen.

Oder du hättest ihm selbst den Wunsch gestohlen, rief die altbekannte Stimme ihr in Erinnerung.

Sie umfasste ihren Oberkörper und überstieg ein riesiges Wurzelgebilde, das sich mehrere Fuß über den Boden erstreckte. Wo sollte sie nun hin? Durch den Wald und dann?

Das Zittern wurde schlimmer, sodass sich zu dem Prasseln des Regens das Klappern ihrer Zähne mischte. Ein Orchester des Versagens.

Ein Rascheln zu ihrer linken Seite ließ sie innehalten. Mit einer Hand wischte sie sich das feuchte Haar aus dem Gesicht und blickte angestrengt in die Richtung, aus der sie eine Gefahr vermutete. Waren doch noch Glüher zurückgeblieben, obwohl die Dunkelheit nicht mehr länger so undurchdringlich war? Würden sie sich nun über sie hermachen, in ihren Kopf dringen und sie Dinge sehen lassen, die nicht Wirklichkeit waren?

Angst zersetzte ihre Entschlossenheit und griff ihren Überlebenswillen an. Mutlos stürzte sie zu Boden, ließ sich auf ihre Knie fallen und grub die Hände in die Erde. Tränen vermischten sich auf ihren Wangen mit kalten Regentropfen.

Wann hatte sie aufgehört, auf ihre geschärften Sinne zu hören, und hatte sich stattdessen von falscher Sicherheit einlullen lassen?

In dem Augenblick, da sie sich entschieden hatte, im Lager an Aithans Seite zu bleiben. Sie war geblieben, anstatt ihre hart erkämpfte Freiheit zu nutzen und nach Yastia, der Hauptstadt von Atheira, zurückzukehren. Sie hatte in Aithans Aufmerksamkeit gebadet, hatte jedes seiner Worte förmlich in sich aufgesaugt, weil er sie gesehen hatte und nicht abgestoßen war. So war es ihr erschienen, bis er ihr seine wahren Gefühle ins Gesicht schmetterte.

Sie stieß einen lautlosen Schrei aus, spürte das Gewicht ihrer Beile auf dem Rücken und das Buch über Knochenmagie, dessen Kanten in ihren Bauch drückten.

Knochenmagie.

Geh, Knochenhexe!

Was hatte sie schon zu verlieren? Sie wusste, dass sie von hier wegmusste und obwohl der Fluch gebrochen war, lauerten noch immer Gefahren auf sie. Allein waren ihre Überlebenschancen gleich null, es sei denn, sie nutzte ihre Magie.

Magie, die nicht aus einer Laune heraus verboten war. Mit jedem weiteren Zauber gab man einen weiteren Teil von sich, seiner Seele auf. Morgan hatte sie bereits mehrmals angewandt und noch immer spürte sie die Auswirkungen. Ein dunkler Fleck, der sich nicht fortwischen ließ.

Sollte sie es trotzdem wagen?

Es wird Zeit, dir einzugestehen, dass die Dunkelheit ein Teil von dir ist.

Sie sprang auf und rannte aus dem finsteren Wald hinaus, stolperte und fiel mehrmals auf den schlammigen Boden, doch nichts vermochte sie aufzuhalten. Sobald sie die Lichtung betrat, auf der die Krieger aus dem Bach getrunken hatten, eilte sie zielstrebig auf den abgehackten Arm zu. Vor ein paar Stunden hatte sie die Macht eines Fingerknochens genutzt, um sie alle vor den Stockern zu retten, und jetzt würde sie die Überreste nehmen, um sich einen eigenen Vorteil zu verschaffen. Um diese verdammten Wälder für immer hinter sich zu lassen!

Der Regen hatte das menschliche Fleisch durchweicht, sodass es sich in ihren Händen glitschig anfühlte, als sie es von den Stofffetzen befreite.

Sich auf den matschigen Boden kniend nahm sie einen ihrer übrig gebliebenen Dolche zu Hilfe und entfernte das Fleisch von den Knochen, die sie ordentlich neben sich legte. Die Elle und Speiche zerkleinerte sie mit ihrem Beil, damit sie problemlos in ihren Mund passen würden, sollte sie diese dafür benötigen. Vorerst legte Morgan sie zusammen mit den anderen Knochen bis auf einen in ihren leeren Proviantbeutel und schnürte diesen fest zu.

Mit Blut und Wasser an den Händen griff sie nach dem Buch der Knochenmagie, das ihre Spuren wie normales Papier aufnahm, um den Schmutz und die Feuchtigkeit dann verschwinden zu lassen. Fasziniert beobachtete sie eine Weile dieses sich wiederholende Schauspiel. Auch wenn sie gewusst hatte, dass dieses Buch besonders war, so hatte sie nicht angenommen, dass in ihm selbst Magie innewohnte.

Es wird Zeit.

Sie nickte zustimmend und las sich noch einmal die Passage durch, die für sie von Wichtigkeit war. Dann steckte sie das Buch zurück. Vorsichtig griff sie nach dem kleinsten Fingerknochen, den sie als einzigen nicht in ihren Beutel getan hatte, und schloss die Augen.

Sie öffnete sich der Knochenmagie, flehte die Hexe in ihr an, sie auszufüllen und zu beherrschen. Nur ein kleiner Teil scheute sich davor, sich selbst aufzugeben. Morgan erkannte wie aus weiter Ferne, dass es derjenige war, der von Cáel berührt worden war. Durch ihn hatte Cáel sie zurück in die Wirklichkeit gezerrt und nun würde sie durch ihn die Kontrolle behalten. Das hoffte sie zumindest.

Als die Hexe ihren Schädel aus der Erde schob, hatte sich die Kälte der Nacht bereits tief in Morgans Körper festgesetzt. Sie zitterte so unkontrolliert, dass sie mehrere Anläufe brauchte, bis sie den Knochen zwischen ihre klappernden Zähne geschoben hatte. Erst dann ließ sie sich in die Umarmung der Erde fallen.

Zum ersten Mal wehrte sie sich nicht, als sich ihre Kehle, ihre Nase und ihre Ohren mit dem Leben der Welt füllten. Ihr Körper reagierte jedoch instinktiv, versuchte sich mit unkontrollierten Bewegungen aus dem unterirdischen Gefängnis zu befreien, ehe sich der Schädel der Knochenhexe über Morgans eigenen legte.

Der Knochen löste sich gemeinsam mit der Erde auf. Morgan nahm einen tiefen Atemzug und dann flossen die Worte wie ein zurückgehaltener Strom aus ihrem Mund.

Zerteil mich. Zerteil mich. Zerteil mich.

Sie spürte, wie die Erde unter ihren Füßen zu beben begann und sie schließlich nach vorne fiel. Doch vor ihr befand sich nichts mehr außer Schwärze. Ihr Körper löste sich auf und wurde vom Wind in die Dunkelheit getragen, die sich in den verwunschenen Wald wandelte, zerteilte und einen anderen Abschnitt zeigte, bis sie zu der Lichtung wurde, auf dem sich ursprünglich Aithans Lager befunden hatte. Dort setzte sich ihr Körper aus den Millionen Teilen wieder zusammen und sie kam hart auf dem Boden auf, rollte zur Seite, ehe sie sich mit ihren zittrigen Armen abstützen konnte. Übelkeit übermannte sie und sie verlor sämtlichen Mageninhalt, ohne Atem schöpfen zu können. Sie glaubte fast, an ihrem eigenen Erbrochenen ersticken zu müssen, bevor der Schwindel und das Würgen nachließen.

Kraftlos fiel sie auf ihren Rücken und genoss das Gefühl des prasselnden Regens auf ihren klammen Wangen. Auf ihrer Zunge haftete noch der bittere Geschmack von Magensäure, aber er ließ sich ignorieren. So sehr war Morgan von der Tatsache abgelenkt, dass ihr Vorhaben beim ersten Versuch geglückt war. Sie hatte die Kraft der Knochenhexe genutzt, um sich von einem Ort zum anderen zu … was genau war es gewesen? Im Buch hatte sie nur einen Teil der Passagen verstehen können, der andere war in einer Sprache verfasst, die sie noch nie zuvor gesehen hatte. Sie erinnerte Morgan weder ans Drarathische noch ans Idrelische. Das Wort, das jedoch wiederholt in mehreren Sprachen vorgekommen war, war zerteilen gewesen. Also nahm sie an, dass es das gewesen war, was sie gerade getan hatte.

Sie hatte sich zerteilt.

Während sie versuchte, sich für ein weiteres Zerteilen zu erholen, sah sie sich auf der verlassenen Lichtung um. Sie entzündete eine zurückgebliebene Fackel, stieg über hastig zusammengeworfene Zeltplanen, die zurückgelassen worden waren, und erreichte den Ort, an dem Cáel seine Erinnerungskiste vergraben hatte. Da diese Stelle des Öfteren von Windwern überquert wurde, achtete Morgan ganz besonders auf ihre Umgebung. Stetig näherte sie sich den roten Kugelkletten.

Schon von Weitem sah sie also, dass Cáel die Kiste bereits ausgegraben hatte. Wahrscheinlich hatte er ein besseres Versteck gefunden oder er hatte den Inhalt mit nach Vadrya genommen. So oder so, es gab für sie keinen Grund mehr, weiter im Regen auszuharren.

Die Knochenhexe regte sich, sobald die Fackel in den Schlamm fiel und mit einem Zischen erlosch. Ein weiterer Knochen, ein weiteres Niedersinken und Morgan ließ den Wald, der das verwunschene Königreich von dem angrenzenden Land Vinuth trennte, endgültig hinter sich zurück. Ihre Kraft ließ erst nach, als sie die Minen Pelias erreichte.

Pelia.

Diesen Ort hatte sie sich nicht bewusst ausgesucht, doch nun, da sie vor dem dunklen Berg stand und zu den Eingängen blickte, erkannte sie, dass es wichtig gewesen war, zurückzukehren. Sie hätte sich bloß etwas bedeckter halten und nicht mitten auf dem Vorplatz landen sollen.

Tagein, tagaus hatte sie in dieser Mine geschuftet. Zusammen mit Missa und Gertha war sie in den Schlund hineingegangen und hatte den Stein zerhauen, ohne jemals den Blick auf einen Diamanten zu erhaschen. Mit jeder weiteren Strafe in Form eines brennenden Eisens auf ihrem Rücken entfernte sie sich weiter von ihrer Menschlichkeit, bis nur noch ein Fetzen übrig blieb. Diesen nutzte sie, um Missa vor einem Verrückten zu retten, der besessen war von ihrem Haar. Als Belohnung musste sie seinen Platz als Tribut einnehmen und kurz darauf machte sie die Bekanntschaft mit den Nebelgeistern.

Noch vom Schwindel und der Übelkeit geschwächt, wankte sie vom Platz zu der Hütte, in der die Kommandantin Dorona wohnte.

Die Knochenhexe zog sich für den Moment zurück, als würde sie Morgans Bedürfnis spüren, sich allein umzusehen.

Morgan stützte sich mit einer Hand an der Wand ab und atmete tief durch die Nase ein und durch den Mund wieder aus, als ein allzu bekannter süßlicher Geruch zu ihr herüberwehte. Der Regen war zu einem leichten Nieseln abgeschwächt, sodass Morgan problemlos dem Geruch folgen konnte.

Das ist der Geruch von Verwesung, schoss es ihr durch den Kopf.

Sie presste ihren schmerzenden Unterarm eng an ihre Mitte. Noch wusste sie nicht, wie sie die Knochenmagie nutzen konnte, um Fleischwunden zu heilen, oder ob dies überhaupt möglich war, aber sie wollte sich nicht in ihrer Situation daran versuchen. Um ihren Wangenknochen müsste sie sich früher oder später allerdings kümmern, denn Schmerz schlich sich wie ein gemeiner Dieb an, um ihr früher oder später Verstand und Durchhaltevermögen zu stehlen.

Sie umrundete das feudale Gebäude und sah sich einer Zerstörung riesigen Ausmaßes gegenüber. Das gesamte Lager war verwüstet, niedergebrannt, auseinandergerissen worden. Überall lagen noch Leichenteile, manche bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, andere aufgedunsen und vergessen. Der Regen vermischte sich mit vergossenem Blut und verflüssigten Innereien.

Morgan würgte, doch ihr Magen war leer und sie musste der Übelkeit anders Herr werden. Sich von den leblosen Körpern abwendend, die auf den Wegen lagen, als hätten sie versucht zu flüchten, stolperte sie zu dem Haus der Kommandantin zurück.

Was war hier nur passiert? Wer war für diesen Massenmord verantwortlich?

Es schien keine Überlebenden zu geben und wenn Morgan richtiglag, musste der Überfall während der Abwesenheit der Wachen stattgefunden haben, die sie in ihrem Lager überrascht hatten. Ein paar von ihnen waren ihnen entkommen und wahrscheinlich hierher zurückgekehrt, aber hatten sie überlebt? Oder hatte das Monster ihnen aufgelauert, um auch sie zu verschlingen?

Kopfschüttelnd überstieg sie die Leiche einer Frau mit fehlendem Schneidezahn und ihr Herz setzte aus, als sie diese erkannte. Gertha. Die gackernde Kriminelle, die Morgan jedoch stets den Rücken freigehalten hatte. Zusammen mit Missa, die in wenigen Monaten freigelassen worden wäre. Auch sie befand sich zu großer Wahrscheinlichkeit unter den Toten.

In Gerthas Brust klaffte eine riesige Wunde, die ihr nur durch ein Schwert oder etwas Ähnliches zugefügt worden sein konnte. Sie musste auf der Stelle tot gewesen sein, der erschrockene Ausdruck noch auf ihrem aufgedunsenen Gesicht, während sie hilflos in den grau verhangenen Himmel starrte.

Morgan beugte sich hinab und schloss Gerthas Augen, bevor sie sich erneut aufrichtete und das Haus der Kommandantin betrat. Hier entzündete sie allein mit ihrer Magie eine Kerze. Sie wäre stolz auf sich gewesen, wenn sie noch etwas anderes außer Angst und Schmerz spüren würde.

Im Inneren herrschte die gleiche Verwüstung wie auf dem Vorplatz. Regale waren eingestürzt, Rechnungsbücher und Namenslisten lagen verteilt auf dem Boden, zerrissen und mit Fußspuren aus Schlamm bedeckt. Menschen. Es hatten also wirklich Menschen die Minen überfallen.

Aber warum?

Und … befand sich noch jemand hier?

Plötzlich von irrationaler Panik ergriffen, presste sie sich eng an die Wand und horchte auf etwas neben ihrem laut klopfenden Herzen. Doch abgesehen davon herrschte weiterhin unheimliche Stille.

Im nächsten Moment atmete sie erleichtert aus.

Die Knochenhexe hätte sie gewarnt, wenn sich ihr etwas näherte, das ihr gefährlich werden konnte. So eng war ihre Verbindung, da Morgan sie jeden Moment nutzen konnte. Sie würde nicht länger als nötig hierbleiben, sondern lediglich … einen Augenblick lang nach Antworten suchen.

Im Vorraum gab es glücklicherweise keine Leichen, nur ein paar Blutspuren, die in ein angrenzendes Schlafzimmer führten. Auf dem breiten Bett mit der mit gelben Blumen bestickten Überdecke lag die Kommandantin auf dem Rücken. Hand- und Fußgelenke waren mit Lederbändern an die Bettpfosten gefesselt worden, auf ihrem Gesicht sowie auf ihren nackten Armen und Beinen zeichneten sich mehrere oberflächliche Schnittwunden ab. Ihr Kleid bauschte sich um ihre Mitte und hatte gemeinsam mit der Decke jegliches Blut aufgesogen, das aus der schweren Wunde in ihrer Brust ausgetreten war.

Morgan harrte aus, betrachtete die Kommandantin und wartete auf die Genugtuung, die sich jedoch nicht einstellte. Sie empfand nichts für diese Frau, die es geliebt hatte, die Sklaven zu erniedrigen und von ihren Wachmännern schänden zu lassen, um sie anschließend den Nebelgeistern zu opfern. So wie Morgan. Nur so hatte sie herausgefunden, dass die Nebelgeister eine von Aithans Erfindungen waren, wodurch er neue Krieger rekrutieren konnte.

Die einzige Frage, die sich Morgan nun stellte, war, warum gerade die Kommandantin gefoltert worden war. Welche Informationen hatte sie preisgeben müssen? Entweder hatte sie ein rachsüchtiger Geist aus ihrer Vergangenheit eingeholt oder es war um die Sklaven innerhalb dieser Mine gegangen.

Als ihr klar wurde, dass Tote keine Antworten geben würden, drehte sie sich herum und schritt in den Vorraum zurück. Sie besah sich willkürlich ein paar Bücher und Listen, doch nichts besaß einen Wert für Morgan. Also verließ sie das Haus und geisterte ein letztes Mal über das Gelände der Minen.

So viele Leichen sie auch erblickte, sie alle waren Teil der Minen gewesen. Es gab keine Opfer seitens der Angreifer. Hatte es also wirklich keine gegeben oder waren sie fortgeschafft worden, um keine Spuren zu hinterlassen?

Es sollte dich nicht kümmern. Denk lieber darüber nach, was du jetzt tun sollst.

Die Stimme hatte recht. Morgan fühlte sich inmitten von Tod und Zerstörung vollkommen verloren.

Seufzend schritt sie durch das herausgerissene Tor, um dem Geruch von Verwesung zu entkommen, als der Regen wieder stärker wurde.

Sie setzte sich auf einen einsamen Felsen am Wegesrand, tropfte etwas Wachs von der Kerze auf den Stein und positionierte die Kerze darauf. Sie würde auch im Regen so lange brennen, wie Morgan es ihr befahl. Anschließend holte sie ein Fragment eines Mittelhandknochens aus ihrem Beutel hervor. Mit geschlossenen Augen legte sie sich dieses in den Mund.

Dieses Mal nutzte sie keinen Zauberspruch aus dem Buch, weil sie das instinktive Gefühl besaß, ihn nicht für ihren eigenen Körper zu brauchen. Sie spürte den gebrochenen Wangenknochen, der ein stetiges Pochen aussandte, das sie mit ihrer Seele einfing.

Die Knochenhexe regte sich, ergriff Morgans Körper, hüllte sie in Erde und bewegte ihren Mund, um Worte auszusprechen, die Morgan noch nie zuvor gehört oder gesagt hatte. Mit den Fingerkuppen strich sie sich über die Wange.

Es war, als würden Haut und Muskeln zerfallen, damit allein der geschundene Knochen zurückblieb.

Ihre Nervenenden brannten lichterloh und der Schmerz brachte Morgan einer Ohnmacht nahe, bis sich der Knochen unter der Anleitung der Hexe richtete. Haut und Fleisch füllten ihr Gesicht auf, der Schädel der Hexe löste sich von Morgans und sie rutschte den Felsen hinab.

Jegliche Kraft war aus ihren Gliedmaßen verschwunden und sie konnte sich nicht gegen die Bewusstlosigkeit wehren. Ihr Kopf sackte nach vorn und noch halb sitzend gab sie sich der Erschöpfung hin.

Kapitel 2

Blinzelnd erwachte Morgan im schwachen Schein der Morgensonne. Ihr Körper fühlte sich klamm und kalt an, ihre Finger waren steif und sie benötigte mehrere Versuche, ehe sie sich aufgerichtet und das verworrene Haar erfolgreich aus dem Gesicht gestrichen hatte. Dabei berührte sie ihre Wange und zuckte dieses Mal nicht vor Schmerzen zusammen. Der Knochen war tatsächlich verheilt.

Morgan lächelte triumphierend und warf den Kopf in den Nacken, doch die Bewegung bescherte ihr einen scharfen Schmerz an ihrem Hinterkopf. Die Wunde hatte sie fast genauso vergessen wie die an ihrem Unterarm. Beide musste sie früher oder später säubern, wenn sie keine Entzündung riskieren wollte. Aber nicht hier.

Überall, nur nicht hier.

Ihr Magen knurrte, als sie sich auf dem Felsen abstützend wieder hinstellte. Weit und breit herrschte kein Leben, nur Tod und Schmerz, die in der Sonne glänzten.

Nur für einen Moment zögerte sie, dann legte sie einen weiteren Knochen in ihren Mund und zerteilte sich erneut, um diesen verfluchten Ort hinter sich zu lassen.

Morgan zerteilte sich noch zwei weitere Male, bis sie sich nur wenige Zoll vor einer Scheunenwand wiederfand. Beinahe hätte sie sich in der Wand selbst materialisiert, so erschöpft fühlte sie sich, trotz der wenigen Stunden Schlaf, die sie vor Morgengrauen gestohlen hatte. Sie wollte sich nicht ausmalen, was passiert wäre. Ihr Körper in einer Wand.

Der Tod hätte sie nicht auf schmerzlose Weise ereilt.

Mit dem Rücken lehnte sie sich gegen das Gebäude, um sich die Umgebung anzusehen. Sie musste sich irgendwo zwischen Krea und Pelia befinden, hier gab es jedoch nichts anderes außer Felder und Weiden. Am Horizont zeichneten sich vereinzelt Bäume und ein paar kleinere Hügel ab, zwischen denen sich schmale Wege schlängelten.

Zu ihrer Linken konnte sie einen Bauernhof erkennen, auf dem sich ein paar Gestalten bewegten. Neben der Scheune, an die sie sich lehnte, gab es noch vier weitere, die in unregelmäßigen Abständen voneinander errichtet worden waren.

Die Sonne schien erbarmungslos auf sie herab, trocknete zwar ihre Kleidung, brachte sie jedoch gleichzeitig ins Schwitzen. Keine einzige Wolke schenkte ihr Hoffnung auf erholsame Schatten.

Sie nutzte die sich ihr bietende Möglichkeit und schlurfte zum Eingang, der nur mit einem Riegel verschlossen war und sich problemlos beiseiteschieben ließ. Eilig schlüpfte sie in die wohltuende Dunkelheit.

Es gab zwei Stockwerke und auf beiden stapelten sich riesige Heuballen. Morgan kletterte die stabil wirkende Leiter in den zweiten Stock hoch, wo sie über mehrere Ballen hinweg nach hinten wankte. Ihre Schritte waren nicht mehr vorsichtig gesetzt und sie stolperte mehrmals. Vor sich sah sie nur einen möglichen Rastplatz, den sie unter allen Umständen erreichen musste. Ganz hinten legte sie ihren Waffengurt mit den Beilen und das Buch ab, bevor sie den letzten Schluck aus ihrem Wasserschlauch nahm. Anschließend legte sie sich vollkommen kraftlos auf einen der Heuballen, zog ihre Gliedmaßen so eng wie möglich an ihren Körper heran und schlief fast augenblicklich ein.

Sie erwachte erst nach Sonnenuntergang durch die Schmerzen an ihrem Unterarm. Die rot geränderte Wunde pochte und eine helle Flüssigkeit, die wohl nichts Gutes zu bedeuten hatte, trat aus ihr aus.

»Verflucht«, zischte sie, bevor sie einen Stoffstreifen von ihrem Unterhemd abtrennte, um ihn sich um den Arm zu wickeln. Anschließend streifte sie sich ihren Waffengurt über, packte das Buch ein und erleichterte sich, nachdem sie nach unten geklettert war. Anschließend flüchtete sie aus der Scheune, um dem Bauernhof einen kurzen Besuch abzustatten. Sie war ein Tier, das vollkommen von seinen Instinkten beeinflusst wurde. Es gab kein Gestern, kein Morgen – nur das Hier und Jetzt und der Wunsch zu überleben.

Sie näherte sich dem hölzernen Zaun auf der rückwärtigen Seite des Wohngebäudes, als sie das Bellen von Hunden vernahm. Für einen Augenblick gefror sie mitten in der Bewegung. Die schmutzigen Hände mit den eingerissenen Fingernägeln auf dem Holzbalken gelegt, harrte sie aus, bis sie bemerkte, dass nicht sie angebellt wurde, sondern ein Mann, der gerade links von ihr durch ein Tor schritt.

Eilig duckte sie sich und hoffte, von der Dunkelheit verschluckt zu werden.

Die drei goldfarbenen Hunde sprangen an dem grauhaarigen Mann hoch, der sie lachend von sich schob. Er zog den Hut von seinem Kopf, bevor er zusammen mit den Hunden in Richtung des Hauseinganges verschwand. Zumindest nahm sie an, dass sich dort die Tür befand. Von ihrer Warte aus hatte sie keinen direkten Blick darauf.

Morgan wartete noch ein paar Momente, bis sie sich sicher war, dass die Hunde nicht sofort zurückkehren würden, dann kletterte sie über den Zaun und rannte geduckt zum hinteren Teil des Hauses. Dort blickte sie durch ein Fenster in ein dahinterliegendes, nicht beleuchtetes Zimmer. Sie konnte die Umrisse eines Bettes und einer Kommode erkennen. Niemand schien sich darin aufzuhalten, also wagte sie es und schob das Fenster hoch.

Glücklicherweise waren die Menschen auf dem Land so vertrauensvoll und brachten keine Schlösser an ihren Fenstern an.

Sie hoffte, dass die Familie gerade ahnungslos beim Essen zusammensaß und dadurch noch einige Zeit vergehen würde, bis sich die einzelnen Mitglieder auf ihre Zimmer zurückziehen würden. Bei allen Göttern, sie brauchte Zeit, um wieder zu sich selbst zu finden, und konnte sich nicht einmal ein Gespräch mit einer anderen Person vorstellen.

In der Kommode fand Morgan die Kleidung eines Mannes, was ihr gelegen kam. Sie musste aus ihren eigenen schmutzigen Sachen raus, wollte sich jedoch nicht in ein Kleid zwängen müssen, das vollkommen unpraktisch gewesen wäre.

Es gab außerdem eine Schüssel und eine Keramikkaraffe mit frischem Wasser darin, das sie nutzte, um ihre Wunden und ihre Haare zu säubern. Nachdem sie den Schnitt an ihrem Arm mit einem frischen Leinentuch verbunden hatte, schüttete sie das schmutzige Wasser aus dem Fenster, um keine Spuren zu hinterlassen. Ihre eigene Kleidung stopfte sie in einen Beutel, den sie in der untersten Schublade der Kommode gefunden hatte. Die Kette mit den Manschettenknöpfen behielt sie weiterhin an ihrem Hals.

Das Wasser, die neue Kleidung und der Schlaf zuvor halfen ihr dabei, sich wieder wie sie selbst zu fühlen und ihr Verstand klärte sich, wurde nicht mehr länger nur von Verzweiflung und Zorn beherrscht. Nur der Hunger nagte noch an ihr.

Behutsam öffnete sie die Zimmertür und blickte sich in dem dämmrigen Flur um. Es gab nur einen Kerzenleuchter, der ihn erhellte.

Noch war Morgan allein.

Nachdem sie aus dem Zimmer getreten war, lauschte sie dem rauen Lachen, das durch das Haus hallte. Anscheinend verstand sich die Familie gut und zog das Beisammensein in die Länge, was Morgan bisher zum Vorteil gereicht war.

Trotzdem wünschte sie sich insgeheim, dass die Familie weniger glücklich war. Es weckte bloß die Sehnsucht in ihrem eigenen Herzen.

Sie fand hinter der zweiten Tür eine Abstellkammer und schlüpfte eilig hinein. Sich in die Ecke des kleinen Raumes hockend, betrachtete sie die unzähligen Spinnweben, die von den Wänden hingen, und schlang die Arme um ihre Knie.

Nachdem Ruhe in ihr Innerstes eingekehrt war, fragte sie sich, warum sie überhaupt nach Yastia zurückkehrte. Wieso machte sie sich nicht auf die Suche nach ihrer Familie?

Wie so oft, nachdem sie sich in der Vergangenheit die Frage gestellt hatte, ertönte sogleich die passende Antwort: Weil du sie nicht mit dem konfrontieren willst, zu was du geworden bist.

Ein Monster.

Eine Hexe.

Seufzend bettete sie die Wange auf ihre Knie und lauschte dem Leben außerhalb ihrer kleinen Kammer.

Stuhlbeine, die über den harten Holzfußboden kratzten. Jemand hustete, Schritte folgten. Schnell, dann langsam. Lachen. Noch eine geraume Weile herrschte reges Durcheinander, bevor die Geräusche nach und nach verklangen.

Die fremde, fröhliche Familie legte sich schlafen.

Zuletzt näherte sich jemand der Kammer und Morgans Herz schlug ihr bis zum Hals. Man würde sie sofort entdecken, sollte die Tür geöffnet werden. Sicherheitshalber nahm Morgan einen Knochen aus ihrem Beutel, lautlos und behutsam, doch da setzte der Unbekannte seinen Weg bereits fort. Eine andere Tür wurde geöffnet und wieder geschlossen.

Morgan atmete erleichtert aus, behielt den Knochen jedoch griffbereit in der äußeren Tasche der Weste, die sie gestohlen hatte. Unter dieser trug sie ein raues Leinenhemd, das sich vorne zuschnüren ließ, dazu hatte sie sich eine braune Wollhose übergezogen, die sie mit einer Schnur am Bund hatte festzurren müssen, damit sie ihr nicht sofort wieder herunterrutschte. In dieser neuen, widerstandsfähigen Kleidung fühlte sie sich gestärkt und wieder wie die Wölfin, die sie war.

Nachdem sie für längere Zeit nichts mehr außer gelegentliches Husten und Schnarchen vernommen hatte, entschied sie, dass nun der beste Zeitpunkt gekommen war. Also erhob sie sich langsam und trat in den dunklen Flur hinaus. Die Kerzen des Leuchters waren wie erwartet gelöscht worden. Niemand wollte in der Nacht von einem Brand in seinem eigenen Haus überrascht werden.

Sie schlich mit einer Hand an der Wand die Flure entlang bis zu der Tür, hinter der sie die Küche vermutete. Immer wieder hielt sie inne, aus Angst, dass einer der Bewohner plötzlich erwachen und durch das Haus geistern würde. Doch sie wurde nicht gestört und erreichte die Küche, wo sie von der Ordentlichkeit überrascht wurde. Dabei hatte ihr das restliche Innenleben des Hauses bereits einen Hinweis auf die Sauberkeit und die Pflege gegeben – nun, bis auf die Abstellkammer. Das Licht des Mondes reichte aus, um sich weiter zurechtzufinden, und sie trat endgültig ein.

Es gab mehrere Küchenschränke, breite Ablagen, einen schwarzen Ofen und diverse Töpfe und Pfannen, die an metallenen Haken von der Decke hingen. Zudem führte eine zweite Tür nach draußen, vermutlich in den Kräutergarten.

Die Familie, die hier lebte, wirkte zwar nicht reich, aber recht wohlhabend, sodass sich Morgans schlechtes Gewissen nicht meldete, als sie sich an dem Brot und dem Käse bediente. Sie schnitt sich von beidem jeweils eine Scheibe ab und schlang sie genüsslich herunter.

Mit geschlossenen Augen konnte sie sich nur gerade so ein Stöhnen verkneifen. Sie hatte fast vergessen, wie gut Käse und weiches Brot schmecken konnten.

Nachdem der erste Hunger gestillt war, füllte sie an einer Karaffe ihren Wasserschlauch auf und nahm auch daraus ein paar Schlucke, ehe sie den zweiten Beutel mit den Fingerknochen mit in Leinentüchern eingeschlagenem Brot, Käse und Äpfeln füllte. Sie wog gerade ein Stück Schinken in der Hand und dachte darüber nach, davon etwas abzuschneiden, als sie das Knarzen von Holzdielen zusammenfahren ließ.

»Wer bist du?«, hörte sie jemanden hinter sich fragen.

Sofort ließ sie den Schinken fallen und drehte sich mit dem Messer in ihrer Hand zu der Stimme um.

Ein junges Mädchen, vielleicht zählte es gerade einmal sieben heiße Jahreszeiten, stand in ein Nachthemd gekleidet vor ihr und rieb sich verschlafen die Augen. Sie wirkte weder ängstlich noch alarmiert, so als würde sie jeden Tag Fremden in der Küche ihrer Eltern begegnen.

»Ich bin … Mor, und du?« Morgan ließ das Messer sinken und setzte ein freundliches Lächeln auf.

»Meranda«, antwortete diese prompt und legte den Kopf schief. Merandas Blick wirkte nun viel wacher, als sie sie aus dunklen Augen musterte. »Trägst du die Weste meines Bruders?«

»Findest du denn nicht, dass sie mir steht?« Morgans Lächeln wurde breiter, als sie den Dolch nun gänzlich wegsteckte und dadurch beide Hände frei hatte, um an dem Saum der Weste zu zupfen.

Sie kicherte, bevor ihr Blick von dem Schinken, der auf den Boden gefallen war, abgelenkt wurde. »Hast du Hunger?«

»Hatte ich, ja, aber jetzt nicht mehr«, gestand Morgan und hob den Schinken auf, um ihn auf den Tisch zu legen.

Meranda ließ sie für keine Sekunde aus den Augen.

»Sind das … Beile?« Wider Erwarten wich sie nicht vor Morgan zurück, sondern trat näher an die Fremde heran.

Morgan konnte nicht umhin, innerlich ihre Eltern zu tadeln. Hatten sie ihrer Tochter denn nicht beigebracht, auf sich aufzupassen? Niemandem zu trauen?

»Ich brauche sie, um … mich zu verteidigen.« Es war das Erste, das ihr in den Sinn kam, um sich nicht als Monster zu erkennen zu geben. »Ich muss jetzt leider gehen, Meranda.«

»Wirklich? Kommst du wieder?« Ihre Unterlippe zitterte. Mittlerweile stand sie so nahe, dass Morgan die geweiteten Pupillen ihrer Augen erkennen konnte.

»Ich …« Morgans Schultern sanken herab. Sie wollte ihre kleine Freundin nicht anlügen, gleichzeitig musste sie vorsichtig sein. Meranda konnte jeden Moment in Tränen ausbrechen und das ganze Haus aufwecken. »Vielleicht. Zuerst muss ich jemanden finden, der mir wehgetan hat.«

»Wirst du ihm auch wehtun?« Merandas Lippe blieb still, als sie den Kopf schief legte. »Cam hat mich an den Haaren gezogen und wenn ich ihn wiedersehe, werde ich ihm auch an den Haaren ziehen.«

Morgan lachte leise, bevor sie es verhindern konnte. Merandas grimmiger Blick verriet ihr jedoch, dass es das Mädchen nicht sonderlich schätzte, ausgelacht zu werden.

»Rache macht nicht glücklich, Meranda«, sagte die Wölfin leise und blickte aus dem Fenster in die Nacht hinaus. »Du solltest Cam nicht verletzen.«

»Warum bleibst du nicht noch etwas?«

»Deine Eltern würden mich nicht willkommen heißen. Es ist das Beste, wenn du ihnen nichts von mir erzählst, Meranda.« Morgan bedachte die Kleine mit einem weiteren Blick. »Pass auf dich auf.«

Sie wartete keine weitere Antwort ab, sondern schritt hocherhobenen Hauptes aus der Küche in den Garten hinaus. Dort legte sie einen Knochen in ihren Mund und beschwor die Knochenhexe.

Einen Wimpernschlag später zerteilte sie sich und verließ den Garten, das Mädchen und den Bauernhof.

Kapitel 3

Morgan benötigte vier weitere Tage, bis sie vor den Toren Yastias stand. Sie wagte es nicht, sich in die Stadt hinein zu zerteilen, aus Angst, im Gemäuer eines Gebäudes stecken zu bleiben.

Mittlerweile hatte sie ihre Fähigkeit gut im Griff, doch die Knochenhexe überraschte sie gelegentlich, indem sie sich dem schwarzen Teil von Morgans Seele bediente und sie vom Weg abführte. Morgan war froh, dass sie die Magie erst einmal nicht mehr einsetzen musste.

Sie hatte in einem Gasthaus außerhalb der Stadt ein paar Kronen und einen dunkelgrünen Umhang ergaunert, dessen Kapuze sie nun tiefer ins Gesicht zog. Um sie herum herrschte reger Trubel, da die Sonne gerade unterging und damit das Ende eines langen Arbeitstages einläutete. Frischer Wind wirbelte Morgans Umhang auf, als sie, ohne von der Stadtwache belästigt zu werden, durch das Tor schritt. Es wurden lediglich diejenigen beachtet, die auf großen Karren unterwegs waren und Ware ins Innere der Stadt lieferten.

Morgan atmete einmal tief durch, als sie die ersten Schritte auf den gepflasterten Steinen Yastias tat. Es fühlte sich an, als wäre sie Jahre fortgewesen und plötzlich wirkten die schief stehenden Häuser, die flachen Dächer der Neustadt und die schwarzen Gaslaternen fremd und Furcht einflößend.

Um den Wölfen nicht sofort in die Arme zu laufen, blieb sie erst einmal in der Neustadt und suchte ein Gastlokal auf, von dem sie wusste, dass es von den Wölfen nicht frequentiert wurde.

Zur Toten Krähe war ein Gasthaus, das sich stets an die Ausschenkregeln hielt und keine Kartenspiele gestattete. Da sich des Öfteren Stadtwachen hierher verirrten, wollte der Wirt keine Schwierigkeiten herausfordern. Kartenspiele waren zwar nicht verboten, aber Männer verloren oftmals dabei ihren Kopf und ließen ihre Fäuste sprechen. Und am Ende musste der Wirt für jedwede Zerstörung die Verantwortung tragen und es kam nicht selten vor, dass er dadurch Verluste einfuhr, da andere Kunden einen großen Bogen um die Ansammlung von Kämpfenden und herbeieilenden Stadtwachen machten.

Sie betrachtete die dunklen Gebäude mit den Spitzbogenfenstern der Universität im Vorbeigehen. Die Fassade war mit mehreren Hundert Statuen besetzt, die allesamt verschiedene Patrone über die Jahrhunderte zeigten. Diejenigen, die am meisten Geld in die Universität hatten fließen lassen, bekamen die höchsten Positionen zugeteilt. Unter den dunkel gekachelten Dächern, über den Eingängen und auch daneben. Jede Statue war mit solch akkuraten Einzelheiten bestückt, dass sie beinahe echt wirken. Ein Mann mit Spitzbart und einem Füller in der linken Hand starrte auf Morgan hinab. Ihr Blick fuhr weiter bewundernd über die nächste Statue. Sie spürte gemischte Gefühle in sich aufsteigen. Sehnsucht nach einem Leben, das ihr aus mehreren Gründen verwehrt geblieben war, und Hass auf die sorglosen Studenten, die auf dem Areal verteilt waren, um ihre Schlafräume oder die Bibliothek aufzusuchen. Das Semester hatte gerade erst angefangen, aber soviel Morgan über das Leben eines Studenten wusste, gab es keinen Moment der Ruhe und Gelassenheit für sie. Wer seine Arbeiten nicht rechtzeitig ablieferte, wurde bestraft.

Eiligen Schrittes wandte sie sich von dem gepflasterten Hof mit den Grünflächen ab und steuerte das Haus Zur Toten Krähe an, das sich direkt an einen Buchladen schmiegte. Der Kontrast hätte nicht größer sein können. Während aus dem einen Geschäft brillentragende und in schwarze Uniformen gekleidete Studenten traten, besuchten Männer mit rauen Händen und lauter Stimme das Lokal.

Der sichelförmige Mond war bereits als blasses Abbild am zartgrauen Himmel zu erkennen, als Morgan das Zur Toten Krähe betrat. Der Geräuschpegel hielt sich in Grenzen, aber das Gasthaus war gut besucht und so achtete niemand auf den Neuankömmling, auch wenn dieser die Kapuze tief ins Gesicht gezogen hatte. Sie würde sich nicht darauf verlassen, keinem Wolf zu begegnen. Es war besser, ihre Identität weiterhin zu verbergen.

Sie musterte den Innenraum, der mit runden Tischen und knarzenden Holzstühlen sowie einer langen Theke, hinter der sich zwei Barmädchen befanden, ausgefüllt war. Im hinteren Teil fand Morgan einen freien Tisch, an den sie sich so setzte, dass sie den Eingang im Blick behielt.

Ihre Kapuze schob sie nur ein kleines Stück nach hinten, damit sie von dem hübschen Ding mit den goldenen Korkenzieherlocken verstanden werden konnte, als sie ihre Bestellung aufgab. Einen Unterarm legte sie auf der zerkratzten Tischplatte ab, die andere Hand hielt sie in der Nähe ihres Dolches, der sich in einer Halterung an ihrem Oberschenkel befand. Ihre Beile waren unter dem Umhang versteckt und in diesem engen Raum an sie zu kommen, wäre zu umständlich.

Sie ließ ihren Blick über die größtenteils männlichen Gäste schweifen. Es gab jedoch auch Ausnahmen. Frauen, die in der Arbeitskleidung von Waschweibern an der Theke saßen und sich ein Bier teilten. Für mehr reichte das magere Gehalt wahrscheinlich nicht, das sie in diesem Arbeitszweig verdienten.

Morgan dachte an Gertha zurück, die vor ihrer Bestrafung auch als Waschfrau gearbeitet und vermutlich eine ähnliche graue Uniform getragen hatte. Nun verweste ihr Körper an einem Ort, den niemand je sehen wollte, und Morgan bekam ein schlechtes Gewissen. Sie hätte sich zumindest die Mühe machen und sie vergraben sollen. Warum hatte sie es nicht getan?

Weil sie schwach und erschöpft gewesen war.

Weil sie wieder einmal nur an sich selbst gedacht hatte.

Das Barmädchen kehrte mit einer dampfenden Schale Fleischeintopf und einem Becher Bier zurück, den Morgan jedoch nicht anrührte. Sie hatte es nur bestellt, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Jeder, der hier Unterschlupf suchte, gönnte sich ein Apfelbier, um dem schweren Arbeitstag doch noch etwas Gutes abzugewinnen.

Obwohl es eine Sache der Auslegung war, dieses Bier als gut zu bezeichnen.

»Das war alles.« Morgan reichte dem Mädchen zwei Silberlinge und scheuchte es mit einer Handbewegung davon. Ihren Blick hatte sie längst wieder auf eine Gruppe Männer gerichtet, die nun lauthals über einen Witz lachte. Der Geruch von Schweiß und Urin wehte zur ihr herüber und sie musste ihre Nase tiefer in die dampfende Schale stecken, um ihre Übelkeit zu unterdrücken.

»… müssen uns auf den Weg machen, wenn wir den Hof noch vor Mitternacht erreichen wollen«, sagte der Mann mit dem grauen Backenbart. Er machte Anstalten, sich zu erheben, griff dann jedoch noch einmal nach seinem Krug, um die letzten Schlucke Bier herunterzustürzen. Als er ihn geleert hatte, knallte er ihn so fest auf den Tisch, dass das andere Geschirr klapperte.

»Du hast recht. Auch wenn ich am liebsten das Bett meiner Frau aufsuchen würde«, stimmte ihm der Jüngere zu und erhob sich schwerfällig.

»Irgendjemand muss ja das Geld nach Hause bringen. Die Ernte bezahlt für dein nächstes Kind, Foley.«

»Bei den alten und neuen Göttern.« Foley zeichnete ein Zeichen zum Schutz in die Luft, indem er mit Daumen und Zeigefinger von Schulter zu Schulter fuhr. »Wenn ich noch ein siebtes Kind bekommen sollte, verlasse ich die Stadt.«

Seine Freunde brachen in Gelächter aus und riefen ihm grölend ein paar Obszönitäten hinterher, als er zusammen mit seinem Freund das Haus verließ.

Morgan schmunzelte wegen dieser Einfachheit.

Diese Menschen gingen unbeirrt ihrem Tagwerk nach, standen auf, arbeiteten, liebten sich und legten sich abends wieder zu Bett. Sie ahnten nichts von den Machtkämpfen, die unter der Oberfläche brodelten und die schon bald Yastia erschüttern würden. Aber nicht durch Aithan, oder? Er besaß nichts mehr, mit dem er seinen Thron erobern könnte. Dafür hatte Morgan gesorgt.

Kopfschüttelnd vertrieb sie diesen Gedanken, schlürfte ihren Eintopf und überlegte, wie sie nun vorgehen sollte.

Eines stand fest: Sie würde sich den Wölfen noch nicht zu erkennen geben. Erst musste sie herausfinden, wer für den Verrat verantwortlich war, der sie zuerst in den Kerker und dann zu den Minen gebracht hatte.

»… der Kopf des Gefängniswärters wurde endlich abgenommen«, hörte sie einen ihrer Nachbarn sagen. Er beugte sich gerade zu seinem Freund vor und wischte sich einmal über das Gesicht, das Morgan allerdings nicht sehen konnte, da er von ihr abgewandt saß.

»Wurde auch mal Zeit. Der arme Schlucker hat sich bestimmt von der falschen Schönheit der Hure einwickeln lassen. Wie soll man ihm die Schuld geben?«

»Weiß man denn, wer dieses geflüchtete Mädchen gewesen ist?« Sein Gegenüber zuckte die Schultern.

»Wahrscheinlich irgendeine Prostituierte. Davon gibt es ja genug …«

Morgan blendete das Gespräch wieder aus und lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück. Der Gefängniswärter … Helmar, wenn sie sich recht erinnerte, war also hingerichtet worden. Er war nicht unfreundlich zu ihr gewesen, aber ihr Mitleid hielt sich in Grenzen.

Als sie sich sicher war, keine weiteren Neuigkeiten mehr zu erfahren, verließ sie das Gasthaus, ohne einen Blick zu erwidern. Auch dies hatte sie während ihrer Ausbildung unter Larkin gelernt, damit sich niemand bei einer Befragung an jemanden wie sie erinnern konnte. Wenn man niemanden ansah, sah auch niemand einen selbst.

Morgan nutzte die langen Schatten und den aufkommenden Nebel, welche die Stadt in vertrautes Terrain wandelten. Endlich flimmerte das Gefühl von Heimat in ihr auf und sie glitt problemlos in die Rolle der Wölfin zurück.

Sie entschied sich dafür, nachdem sie die Brücke über der Thoan in die Altstadt überquert hatte, durch die engen Gassen, auf verlassenen Stiegen und durch mit Müll übersäte Hinterhöfe zu schreiten, bis sie den Henkersplatz erreicht hatte. Von dort aus dauerte es nicht mehr lange und sie betrat das Viertel, in dem sich Cardeas Näherei befand.

Am liebsten wäre sie sofort in den Laden gestürmt, aber ihre alten Gewohnheiten übernahmen die Kontrolle über sie.

Sie schritt von Hauseingang zu Hauseingang, besah sich die Dächer und beobachtete die wenigen Menschen, die sich zu dieser abendlichen Stunde noch auf den Straßen aufhielten. Doch sie konnte weder eine Stadtwache noch einen der Wölfe entdecken, also tat sie einen Schritt aus der Gasse, die dem Hintereingang von Cardeas Laden schräg gegenüberlag. Eine Möwe kreischte und ließ sie zusammenzucken. In der nächsten Sekunde öffnete sich Cardeas Tür, aber an ihrer Stelle trat ein Mann mit dunkelrotem Haar über die Schwelle.

Nein.

Er drehte sich noch einmal um und nun konnte Morgan auch Cardea erkennen, die dem Mann mit einem Lächeln auf den Lippen gestattete, eine Hand an ihre Wange zu legen.

Es war, als würde jemand den Boden unter Morgans Füßen wegziehen. Ihr Atem beschleunigte sich, aber sie fühlte sich gleichzeitig wie gelähmt.

Die Knochenhexe regte sich, geweckt von dem Sturm aus dunklen Gefühlen, der nun in ihr tobte. Morgan drängte sie mit aller Macht zurück. Sie konnte sich noch nicht verlieren, obwohl es – bei den neuen Göttern – so schmerzte, als würde man ihr das Herz bei lebendigem Leib entreißen.

»Kommst du morgen wieder?«

»Ich versuche es«, antwortete … Thomas. Er beugte sich hinab und sie küssten sich. Es war kein kurzer, scheuer Kuss, sondern einer, der Leidenschaft entfachte und Königreiche niederreißen konnte. Atemlos trennten sie sich voneinander und Morgan kam wieder zu Sinnen. In einer fließenden Bewegung schlich sie zurück, um sich gegen die Hauswand in der Gasse zu pressen und mit ihr zu verschmelzen.

Thomas schritt an der Kreuzung vorbei weiter die Straße entlang und sie konnte ihm das Glück durch den schwungvollen Gang ansehen. Auch sein Äußeres hatte sich verändert. Seine Kleidung wirkte sauberer und geflickt. Hatte auch hier Cardea im wahrsten Sinne des Wortes ihre Finger im Spiel?

Sie drehte sich um, eine Hand auf den kalten Backstein legend, und sah um die Ecke, doch Cardea hatte die Tür bereits geschlossen.

Zu ihrer Freundin.

Zu ihrer Vergangenheit.

Wie konnte sie Morgan so hintergehen? Selbst wenn sie dachte, dass sie … tot war. Hatte sie etwa vergessen, wie Thomas sie all die Jahre behandelt hatte? Wie er die anderen Wölfe gegen sie aufgehetzt und ihr immer wieder gesagt hatte, wie wertlos sie war?

Sie stieß sich von der Wand ab und lief in die entgegengesetzte Richtung, um Thomas im Auge zu behalten. Es gab noch immer die geringe Möglichkeit, dass er sie erpresste und von ihr verlangte, dass sie sich ihm hingab.

Das erklärt allerdings nicht ihren verklärten Blick, mit dem sie ihn angesehen hat, erinnerte sie die Stimme und Morgan verfluchte sie dafür.

Thomas machte sich nicht die Mühe, sich bedeckt zu halten. Es ließ in Morgan die Vermutung aufkommen, dass ihm seine Beziehung zu Cardea so egal war, dass es ihn nicht kümmerte, wer davon erfuhr, oder – was noch viel schlimmer wäre – dass jeder bereits davon wusste.

O Götter, was ist während meiner Abwesenheit bloß geschehen?

Sie konnte nicht sagen, ob sie Cardea noch ihr Leben anvertrauen würde. Würde sie das Geheimnis um Morgans Anwesenheit in Yastia für sich behalten oder würde sie es Thomas mitteilen?

Thomas begrüßte einen Bäcker, der gerade seinen Laden abschloss, und blieb sogar stehen, um ein paar Worte mit ihm zu wechseln. Da Morgan zu weit weg in einem Hauseingang stand, damit sie sich nicht verriet, konnte sie nicht sagen, ob das Gespräch freundlich war. Aber sie nahm von dem Wolf nur das Schlechte an, weshalb sie das Lächeln auf den Lippen des Bäckers überraschte. Er berührte zum Abschied seine Stirn, dann schlenderte er weiter und pfiff entspannt eine ihr unbekannte Melodie.

Sie wartete, bis Thomas um die nächste Ecke verschwunden war, dann folgte sie ihm mit großem Abstand. Als er sich jedoch in die Neustadt begab, blieb sie an der Thoan stehend zurück. Was tat sie hier? Er würde sie wohl kaum zu einem geheimen Ort führen, an dem er seine bösen Pläne schmiedete.

Eine ganze Weile schlenderte sie das Ufer hoch und runter und dachte über Cardea und die möglichen Gründe für ihr Verhalten nach. Sie kam nicht dahinter. Vermutlich würde sie dies auch nicht, solange sie nicht das Gespräch mit ihrer Freundin suchte. Das allerdings würde ihr eigenes Leben in Gefahr bringen. Ihr Leben und ihre Freiheit – und beides durfte sie nicht aufs Spiel setzen, solange sie nicht wusste, wer sie verraten hatte.

Also gab es nur einen weiteren Ort, wohin sie gehen konnte, um sich auf das Kommende vorzubereiten. Entschieden schlich sie durch den Nebel ins Viertel der Tuchhändler.

Kapitel 4

Rhea betrachtete die Silhouette Brimstones am westlichen Horizont. Erst vor zwei Tagen hatten sie die Wüstensteppe – das Zuhause der Wanderer – erreicht, doch schon jetzt hatte sich Rhea an den blauen Schimmer gewöhnt, welcher der Dämmerung vorausging. So auch in dieser Stunde, da sie die Stadt betrachtete, von der Helmar ihr die unheimlichsten und schockierendsten Geschichten erzählt hatte.

Helmar. Als sie an sein Lächeln dachte, seine breiten Schultern und die Umarmung, die er ihr stets so freimütig geschenkt hatte, da wurde ihr Herz schwer.

Ihr Kerkermeister und Vaterersatz war gestorben, weil sie geflohen war. Ewen, der neue Gott des Todes, hatte sein Leben genommen, weil Rhea ihn um das ihre betrogen hatte.

Zehn Jahre hatte sie in ihrer Zelle auf den Tod gewartet und als es so weit gewesen war, war sie mit Jeriahs Hilfe geflohen.

»Woran denkst du?«, fragte Taime, der neben ihr auf seinem Pferd aufgetaucht war. Er lächelte sie freundlich an, was im starken Kontrast zu seinem kriegerischen Aussehen stand. Wie fast alle männlichen Wanderer trug er eine ärmellose Weste, die seine gebräunten und muskulösen Arme gut zur Schau stellte. Mehrere Klingen waren überall an seinem Körper befestigt und wirkten auf jeden Gegner einschüchternd. Viel lieber als die Waffen betrachtete Rhea jedoch sein dunkles, seidenglänzendes Haar, das er offen trug, seit sie Yastia verlassen hatten. Es schien, als fühlten sich er und die anderen Wanderer in ihrer Karawane nun freier.