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Das weltweit einzige praktische Lehrbuch für Huren und solche die es werden wollen. Hier geht es um die Vermittlung von Techniken und Tips, aber auch darum, dem Leser vor Augen zu halten, wie facettenreich und anspruchsvoll der Beruf einer Hure eigentlich ist. Die "Bordsteinschwalbe" als psychologisch geschulte Kommunikationsspezialistin ist nicht bloss das Motto, sondern der Anspruch den die heutige Kundschaft in der kunterbunten Welt des Rotlichts erhebt. Der Autor richtet sich zwar primär an Prostituierte und behält einen gewissen Lehrbuchstil bei, aber weiss durch den lockeren und humorvollen Schreibstil nebst überraschenden Hintergrundinfos und Tricks im Umgang mit Männern beide Geschlechter sicher zu begeistern. Der Männliche Leser bekommt einen ekrassanten Spiegel seines eigenen Triebverhaltens präsentiert und in allen seinen Mechanismen erklärt. Weibliche Leser lernen eben jenen Mechanismus, sowie das Paarungs und Sexualverhalten des Männlichen Geschlechts auf völlig neuartige Weise erklärt.
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Seitenzahl: 170
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Kaspar Graf von Heumar
Der Weg zur perfekten Hure
Impressum
Copyright: © 2012 Kaspar Graf von Heumar Druck und Verlag: epubli GmbH, Berlin, www.epubli.de
In der Zeit, als ich dieses Buch geschrieben habe, wurde mir klar, dass seine Veröffentlichung sicherlich polarisierend auf die Öffentlichkeit wirkt. Manch einer wird es provokant fin- den. Ein anderer unmoralisch. Gewisse religiöse Fanatiker werden mich wahrscheinlich dafür verfluchen. Doch ich schmore lieber in meiner eigenen Hölle als neben denen im Himmel Harfe zu spielen. Es hat bereits weit vor dem Druck unzählige Personen gegeben, die mich vor einer Veröffentlichung gewarnt haben, es mir ausreden wollten usw. Als es bei Facebook die ersten Leseproben gab, waren unter der Fanpost auch unzählige Drohungen und Beleidigungen. Nun, ich kann für meinen Teil sagen, dass es mich noch nie wirklich geschert hat, was die öffentliche Meinung zu etwas ist. Diese ist sowieso unbeständig und wechselhaft wie das Wetter.
Es gab in meiner Jugend eine Fernsehsendung mit dem Namen „1, 2 oder 3“. Dort traten Schulklassen gegeneinander an und bekamen Fragen gestellt. Auf dem Boden waren drei nummerierte Felder, die den drei Antwortmöglichkeiten zugeordnet waren. Wenn der Moderator die Frage gestellt hatte, sprangen die Kinder wie wild von Feld zu Feld. Sobald sich eine mehrheitliche Tendenz auf einem der Felder zeigte, sprangen fast alle Kinder von den weniger stark gefüllten Feldern auf das, wo die meisten Kinder standen. Einzelne Kinder blieben manchmal dennoch auf ihrem Feld stehen. Natürlich war es sehr oft oder sogar meistens das falsche Feld. Was aber völlig egal ist. Ich bin mir sicher, dass gerade diese Kinder diejenigen sind, die später erfolgreich wurden. Es war die Art von Kindern mit eigenem Kopf und Willen. In der Schule erzählte man meinen Eltern am Schulsprechtag stets, dass ich immer dann, wenn der Lehrer gewisse Lösungswege für Mathematikaufgaben erklärte, versuchte, auf anderen Wegen an die Lösung zu kommen, was mir damals meistens nicht gelang. Heute bin ich geübt darin, neue Lösungswege zu finden. Auch wenn die meisten davon umständlicher sind als die bisher bekannten, so ist von zehn Ideen eine dabei, die sich als nützlich erweist. Und oft reicht eine einzige Idee oder ein einziger Lösungsweg, der besser ist als die bisherigen, etwas Geniales zu schaffen.
Wer nur auf bekannten Pfaden wandert, der verlernt die Fähigkeit, neue zu entdecken. Er wird bequem. Das weiß ich heute. Denn ich war und bin eines von diesen Kindern, die auf ihrem eigenen Feld stehen bleiben. Zur Not auch völlig allein.
Die Frage wird meiner Meinung nach viel zu selten gestellt. Hat ein Buch seine Berechtigung? Gabs das nicht schon mal? Hat da jemand was von? Ich meine, Geld kosten sie ja schließlich alle ...
Bücher über Prostituierte gibt es nämlich wie Sand am Meer. Angefangen von schrecklichen Horrormärchen im autobiographischen Stil, mit und ohne Happy-End, über reine Tagebuchgeschichten bis hin zu fiktiv-reißerischen Dramen. Ein gutes Praxisbuch ist mir allerdings nicht bekannt. Deshalb unter anderem dieses Buch. Die Motivationen, ein Buch zu schreiben, sind sehr vielfältig. In meinem Fall ist es die wahre Liebe zu meinem Beruf und zu der Arbeit mit eben jenen Mädchen, an die sich das folgende Lehrwerk richtet.
Es ist nämlich hauptsächlich für Mädchen aus dem Gewerbe gedacht, die vor haben, in ihrem Job erfolgreicher zu werden und für solche, die einen Einstieg in dieses Metier in Erwägung ziehen. Aber auch für einfach nur Interessierte und Neugierige, egal ob Männlein oder Weiblein, mag es einen tiefer gehenden Blick hinter die Kulissen des „Geschäftes mit der Illusion“ geben. Vielleicht trägt es sogar dazu bei, einige Vorurteile abzubauen oder aufgrund seiner nüchternen Schreibweise diesen Beruf als das zu zeigen, was er ist, nämlich ein Job wie jeder andere auch.
Aber vielleicht bin ich da mit meiner Einschätzung etwas zu optimistisch. Die moralischen Aspekte werden an anderer Stelle bereits zur Genüge diskutiert, so dass wir diese Themen größtenteils außer Acht lassen und höchstens einmal anschneiden. Das auch nur an den Punkten, wo ich sie für die Mädchen als nötig erachte. Ich werde mich in diesem Buch nicht an die Kritiker der Prostitution wenden, sondern an diese Mädchen, die hier eine lang- oder kurzfristige Zukunft sehen. Das Buch ist in mehrere Teile gesplittet. Das ist natürlich fast jedes Buch und besonders jedes Lehrbuch. Das vorliegende allerdings unterteilt sich in recht viele Kapitel und zwei separate Praxisteile. Dies hat einen besonderen Grund.
Mein Buch soll keines der Werke werden, die man durchliest, in den Schrank stellt und vergisst, sondern als ständiger Ratgeber und Nachschlagewerk fungieren. Auch soll man sich leicht darin zurecht finden können. Der theoretische Teil und der erste Praxisteil sind entscheidend für die Anfängerinnen und interessierten Mädels. Der zweite Teil ist für den Berufsanfang nicht zwingend erforderlich.
Da ich aus eigener Erfahrung eine gewisse „Lernfaulheit“ unterstellen darf, habe ich mich bemüht, die Kapitel kurz zu halten. Es ist weitaus sinnvoller, konzentriert und stückweise zu lesen und jedes Unterkapitel einzeln zu verinnerlichen, als diesem Buch eine ganze Nacht zu widmen, in der man es sicher auch überfliegen kann. Derjenige, der hier nur aus reiner Neugierde liest, dem sei das natürlich freigestellt.
Ich hoffe sehr, dass es dem einen oder anderen Mädchen ein guter Ratgeber sein mag und natürlich auch zum geldwerten Vorteil gereicht. Denn wenn ich das so sagen darf, ist dieses Buch zumindest eine gute Geldanlage. Wer mit den Tipps hier praktisch arbeitet, kann bereits am ersten Tag sein investiertes Geld doppelt und dreifach zurückholen. Welche Geld- oder Wertanlage kann das von sich behaupten? Also Daseinsberechtigung darf ich meinem Buch definitiv unterstellen. Ich kleines, arrogantes ... ^^
Grundsätzliche Überlegungen
Grundsätzlich muss diese Frage jeder für sich selbst beantworten. Aber eines ist natürlich zu sagen: Genau wissen kann man es nur durch bloßes Ausprobieren. Fast alle Mädchen, die ich in meiner Zeit als Bordellbetreiber kennen lernen durfte, begannen den Job durch Erzählungen von Freundinnen. Natürlich auch teilweise angelockt von deren dicken Brieftaschen, Neid oder Neugierde. Das ist irgendwo menschlich, und ich möchte niemanden kritisieren. Aber ein paar Grundsatzüberlegungen sollte man sich schon machen. Wir sind uns sicher alle einig, dass ein Vegetarier kein guter Metzger sein kann, ein Holzstauballergiker kein guter Schreiner, und jemand, der nicht gern mit Zahlen umgeht, der sollte auch nicht bei der Bank arbeiten. Worauf will ich also hinaus? Es macht sicher überhaupt keinen Sinn, diesen Job auch nur in Betracht zu ziehen, wenn man grundsätzlich nicht sonderlich viel Spaß am Sex hat. Das erklärt sich, denke ich, von selber und braucht auch nicht weiter erläutert zu werden.
Ich jedenfalls habe mich als Kind schon anders als meine Klassenkameraden nicht für Autos, Flugzeuge oder Technik usw. interessiert. Ich fand ganz einfach Frauen interessant. Und das nicht nur auf der sexuell-körperlichen Ebene, sondern in allem, was sie von Männern unterscheidet. Ich fand ihre Andersartigkeit faszinierend. Ich mochte es, sie zu entdecken und alles über sie zu wissen. Von ihren Interessen angefangen bis hin zu ihren Abneigungen, über ihre Bedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen. Deshalb unter anderem meine Berufswahl. Und am Rande bemerkt: Nein, ich bin nicht schwul! Und ich will auch nicht in Abrede stellen, dass mich die sexuelle Seite am meisten angezogen hat. Denn nirgendwo wird der Unterschied zwischen Mann und Frau deutlicher als dort. In meinem Beruf habe ich die Möglichkeit, immer wieder neue Sachen über euch Mädels zu lernen. Mal schöne, mal weniger schöne Dinge. Dafür bin ich sehr dankbar. Und Gleiches gilt in eurem Job, was die Männerwelt angeht. Diese Seite der sexuellen Dienstleistung ist mithin die interessanteste und findet leider kaum Erwähnung. Denn nirgendwo lernt man Menschen besser kennen, als nackt und auf dem Rücken liegend. Ihr hört deren innerste Geheimnisse, Dinge, die sie weder ihrer Frau noch ihren Eltern oder Freunden und Verwandten erzählen. Eine Hure ist nämlich immer auch Zuhörerin und vielleicht sogar später mal eine Art Psychologin. Natürlich kommt nun die Frage: „Welches Mädchen hat schon Spaß daran, mit ätzenden und hässlichen Männern zu ficken?“ Dies ist aber hier nicht Thema. Denn zum einen sind, man glaubt es kaum, nicht alle Gäste in dieser Branche hässliche alte Männer, und zum anderen spreche ich hier lediglich von einer Grundeinstellung.
Ich habe das mal einem branchenfremden Mädchen in einer Moraldiskussion über unseren Beruf folgendermaßen erklärt: Man stelle sich jemanden vor, der von Kindheit an gern am Computer sitzt. Dieses Beispiel passte recht gut aufgrund meiner und ihrer Generationszugehörigkeit. In jungen Jahren wird er sich mit dem Spielen beschäftigen, so wie jedes Kind. Später beginnt er, sich für das Internet zu interessieren. Ihm gefallen die Grafiken auf diversen Webseiten, und er möchte so etwas selber mal machen können. Also beschäftigt er sich mit der Programmiersprache und fängt eventuell ein Studium der Informatik an. Im Berufsleben macht er das Ganze schließlich zu seinem täglichen Brot. Er arbeitet in einer Firma, die Webseiten erstellt. Natürlich macht er von nun an seltener irgendwelche Grafiksequenzen mit Raumschiffen, Aliens oder Monstern. Meistens sind es relativ langweilige Internetauftritte von der Bäckerei Lüdenscheid oder eines Zulieferbetriebes von Duschvorhangringen. Ab und an aber hat er einen Autohändler als Kunden und darf diesem einen stylischen Wagen als Firmenlogo basteln, mit Flammen aus dem Auspuff und einem Sternenhimmel im Hintergrund. Natürlich ist es nicht genau das, was er sich als Kind erträumt hat. Kaum ein Beruf dieser Welt ist genau so. Das gesamte Leben ist leider nicht genau so, wie wir es als Kind uns einmal ausmalten.
Dennoch kommt sein Beruf oftmals ganz nah an das heran, was er immer schon wollte und was ihn zu begeistern vermag. Das lässt ihn immer wieder spüren, dass er den richtigen Job hat. Die Bäckerei Lüdenscheid und der Zulieferer von Duschvorhangringen in unserem Beispiel entsprechen dem ätzenden und hässlichen Sack. Der Flammen sprühende Wagen im Nachthimmel jedoch einem interessanten netten Gast, von dem man irgendetwas mitnimmt, oder in dessen Persönlichkeit man etwas Neues entdeckt hat, was einen zum Nachdenken bringt. Kein Job ist immer angenehm, und man muss sich manchmal echt selbst in den Arsch treten.
In unserer ach so fortschrittlichen Welt existiert noch immer eine gewisse Doppelmoral in Bezug auf Bordelle, Huren und alles, was damit zusammenhängt. Die Gründe dafür sind verschiedener Natur. Zum einen hat der deutsche Staat erst vor wenigen Jahren begonnen, diesen Beruf offiziell als solchen zu akzeptieren. Zum anderen haben diverse Fernsehkrimis und Bücher ein gewisses Bild gezeichnet. Auch betrachten viele Menschen solche Frauen, die offen Sexualität ausleben, noch immer als minderwertig. Sie brauchen nicht einmal Huren zu sein.
Man stelle sich folgendes Szenario vor: Ein Mann betritt eine Party. Alle Gäste schauen ihn an. Jetzt sagt er: „Alles, was hier Titten hat, sollte besser in Deckung gehen! Papas Klöten stehen nämlich kurz vor der Explosion.“ Was passiert nun? Die meisten Männer werden lauthals lachen. Einige Frauen wahrscheinlich auch. Dennoch wird keine der Frauen auf ihn zugehen und sagen: „Na, dann komm doch mal mit raus! Vielleicht kann ich helfen.“ Sie werden aus Angst um ihren Ruf sogar jedes tiefer gehende Gespräch mit diesem Typen vermeiden. Jeder weiß ja nun, dass er das Sperma in den Augen stehen hat, und schon das Gespräch mit ihm birgt die Gefahr, als „Schlampe“ angesehen zu werden. Ob der Typ attraktiv ist oder cool, interessiert hierbei kaum. Wird eine Frau, die sich nun von diesem Mann angezogen fühlt, den Kontakt mit ihm suchen (wir nennen sie Anna), passiert folgendes:
Jana und Markus beobachten die Szene. Jana wird sagen:
„Guck mal, war ja klar, dass gerade Anna sich sofort an so einen heranschmeißt. Die Schlampe. Das war ja auch nicht anders zu erwarten.“ Markus wird entgegnen: „Echt, so ein Miststück ..., was findet die bloß an so einem?“ Das, was Jana und Markus sagen, ist natürlich nicht das, was sie denken. Jana denkt: „Ich hätte selber nicht den Mut, diesen coolen Typen anzusprechen, vor allem, weil er so offen signalisiert hat, dass er Sex will. Mein Ruf könnte leiden. Jetzt nimmt mir die blöde Anna auch noch die Chance, es morgen heimlich zu tun und schnappt ihn einfach so weg ...“ Markus denkt: „Verdammt nochmal, warum kann Anna nicht einfach mich anbaggern? Ich hätte sehr gern mal Sex mit ihr ...“ Was passiert im umgekehrten Fall? Eine hübsche junge Frau kommt auf die Party:
„Achtung Jungs! Alles mit enger Jeanshose nimmt sich besser in Acht. Mutti hat nämlich schwer Notstand ...“ Wahrscheinlich wird erstmal jedem Partygast die Kinnlade runterfallen. Die Männer werden im Verlauf des Abends mit sabbernden Mäulern an dieser Frau kleben. Am nächsten Tag werden sie sich genau diese Mäuler über sie zerreißen. Die anwesenden Frauen hingegen zerfleischen ihre freizügige (böse) Geschlechtsgenossin bereits am selben Abend. Und zwar deshalb, weil sie eine unschlagbare Konkurrentin ist. Mit diesem Spruch lenkt sie die Aufmerksamkeit aller Männer auf sich und lässt die anderen Frauen traurig und verlassen im Regen stehen. Sie ist eine „Schlampe“. Der Mann in unserem ersten Beispiel ist der „coole, witzige Macho“. Mit etwas Abstand (z. B. einige Tage später) wird die eine oder andere Frau vielleicht sogar unauffällig seine Nähe suchen und sich von ihm vögeln lassen. Auch wenn sie in dem Moment natürlich gesagt haben mag: „Was für ein selbstgefälliger Kerl ...!“ Fakt ist: Männer stehen auf sexuell aktive Frauen. Und Frauen auf sexuell aktive Männer. Aber das gesellschaftliche Rollenverhalten sieht total anders aus. Es sind nämlich Jana und Markus, die den Wunsch aller Menschen nach einer wirklich freien Sexualität blockieren. Und zwar aus fehlendem Selbstvertrauen und falscher Scham.
In Köln gibt es über 100 Bordellbetriebe. Straßenstrich und Escortangebote einmal außen vor. Wir haben ca. eine Million Einwohner. Davon sind 500.000 Männer. Davon wiederum
300.1 im entsprechenden Alter (18 bis 70 Jahre), gesund und zu Bordellbesuchen theoretisch fähig. Wenn jeder von ihnen einmal im Jahr in den Puff ginge, dann sind das bei 365 Tagen im Jahr ca. 8 Gäste pro Tag und Puff. Davon könnte keines dieser Häuser wirklich finanziell existieren. Es gibt gute Bordelle, die einen täglichen Gästedurchlauf von 50 bis 100 Personen haben. Es sind also definitiv mehr Männer, die in den Puff gehen als solche, die es nicht tun. Bei den übrigen Dingen im Leben ist es so: Das, was die meisten Leute gut finden ist „normal“. Ähnlich wie bei der Bundestagswahl. Wessen Meinung vom Großteil der Bürger geteilt wird, der darf regieren. Gäbe es eine Partei der Puffgänger, dann wäre dies die mit Abstand stärkste Fraktion ;). Und in der Demokratie gilt ja schließlich die Entscheidung der Mehrheit.
In der Gesellschaft ist das, zumindest unser Beispiel betreffend, komischerweise anders. Markus geht aller Wahrscheinlichkeit nach selbst heimlich in den Puff. Jana ist mit Thomas verheiratet. Sie hat es aus dem biologischen Instinkt des Schutz suchenden Weibchens getan. Ihr instinktives Unterbewusstsein ließ sie einen Mann wählen (Thomas), der einen guten Job hat und freundlich zu ihr ist. Sie will schließlich Kinder. Das ist Janas Natur. Da Thomas gesellschaftlich akzeptiert ist (hat eine gute Position bei der Bank, spielt Golf, hat ähnlich langweilige aber treue Freunde), ist er eigentlich der richtige Partner für Jana. Er ist ein guter Jäger, der reichlich „Felle“ und „Fleisch“ mit nach Hause bringt. Er kann sie und die Nachkommen auch prima beschützen. Das „Fleisch“ ist natürlich in der modernen Zeit eher der Hummer in Crevettensoße, den Jana sonntags liebevoll zubereitet und den die Familie gemeinsam vor dem Kamin verzehrt. Die „Felle“ sind Janas sündhaft teure Chanelkostüme, die sie mit Stolz ihren Freundinnen präsentiert. Thomas hat aber auch nicht unendlich viel Geld. Und vor allem kauft dieser lieber einen schicken Sportwagen als „Schwanzverlängerung“. Thomas hat nämlich einen ganz kleinen Pipimann ;) ..., der unter anderem ein Grund dafür ist, dass auch er sich nicht traut, solch „böse“ Mädchen wie unsere vorhin erwähnte Anna anzusprechen. Auf jeden Fall geht auch Thomas in den Puff. Vielleicht sogar mit Markus. Sein Geld gibt er jedenfalls nicht gern für Janas Chanelkostümchen aus.
Seit ihre Zwillinge Max und Moritz auf der Welt sind, mag Jana auch gar nicht mehr mit Thomas vögeln. Abends hat sie groooße Kopfschmerzen. Und am Tage ist sie wahnsinnig beschäftigt mit den Kindern, und auch Thomas geht arbeiten. Manchmal träumt Jana heimlich von hemmungslosem Sex mit einem coolen Typen. Aber meistens von neuen Chanelkostümchen und Handtaschen von Louis Vuitton. Damit Thomas ihr sowas kauft, muss sie seinen kleinen Pipimann Sonntagabend dann doch zumindest mal etwas ausführlicher in den Mund nehmen und später ganz lieb fragen. Der Unterschied zwischen Jana und einer professionellen Hure ist folgender:
1. Abends schläft Jana neben dem dickbäuchigen, furzenden Thomas ein.
– Eine Hure schläft allein, oder neben dem, den SIE gerade will.
2. Was Jana und außer ihr natürlich Millionen von Frauen dieser Welt genauso tun, ist zwar heuchlerisch aber „gesellschaftlich ok“. Na, dann ...
– Eine Hure nimmt unmittelbar Geld für Sex. Es wird offen ausgesprochen, dass der Sex in direktem Bezug zu einer Gegen- leistung (nämlich Geld) steht.
Das, was Frauen wie Jana machen, kann man als gesellschaftlich adäquate Prostitution ansehen. Dass es unserem Beispiel folgend dasselbe ist wie die professionelle Prostitution, wird nun deutlich. Ich betone nochmal: In Janas Fall wird das Geschäft, nämlich Sex im Tausch gegen Sicherheit, Geld und Hilfe nur nicht als „Geschäft“ bezeichnet und oft auch von beiden Beteiligten nicht als solches wahrgenommen. Deshalb kann man auch Jana keinen wirklichen Vorwurf machen. Sie handelt nur nach ihrem anerzogenen Instinkt. Aber wie man es dreht und wendet: „Sex gegen Leistung“ gibt es immer und überall. Mal offen und mal versteckt.
Die Gesellschaft hat sich eine verächtliche Meinung zu direkter (professioneller) Prostitution auf die Fahne geschrieben. Diese Meinung resultiert aus Schamgefühl, sexuellen Komplexen und anerzogenen Moralvorstellungen von Leuten wie Thomas, Markus und Jana. Wir werden daran nichts ändern können. Aber wir können diese Ansicht nun einordnen. Wir sehen solche Menschen jetzt mit gänzlich anderen Augen. Mir persönlich tun sie mittlerweile einfach nur leid.
Natürlich stellt sich die Frage, warum Frauen wie Jana nicht selbst professionelle Huren sind? Zum einen will Jana die Erwartungshaltung ihrer Eltern befriedigen. Von Kindheit an hat sie dieses Lebensmodell als erfolgreich und nachahmenswert kennengelernt. Ihre Mutter wird höchstwahrscheinlich ein ähnliches Beziehungsmuster vorgelebt haben. Und dann ist da noch ihr sonstiges Umfeld. Freunde, Arbeitskollegen usw. Anzunehmen ist, dass auch sie nach dem gleichen Muster leben wie Jana. Ihr wurden Märchen vorgelesen, in denen Prinzen (wie Thomas) auf einem weißen Pferd kleine Mädchen heiraten und zu Prinzessinnen machen. Dann lebten sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Mein Gott, was wird mir schlecht! Wenn die Liebe doch so einfach wäre! Alle Janas haben zudem große Angst, alleine zu sein. Darum bauen sie eine Mauer aus „Verantwortung“ um sich herum. Kinder, Heirat, Haustiere, feste Arbeitsstellen, Hobbys und ihre Position als Elternvertreterin in der Schule der Kinder geben ihr Halt und schützen, so glaubt sie, Thomas und sich vor der Trennung. Sie ist tatsächlich der Meinung, dass sie sich dadurch nicht austauschbar macht. Ein Stück weit funktioniert diese Technik sogar. Aber sie ist dadurch nicht mehr das Idealbild sexueller Anziehung für Thomas.
