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Der Weihnachtsmann erhält am 1. Dezember einen Relax-Sessel geliefert. Er hat ihn nicht bestellt. Aber Probesitzen tut er trotzdem. Er probiert alle Funktionen aus. Auf einmal wird ihm schwindelig. Er verliert das Bewusstsein. Als er wieder aufwacht, muss er feststellen, dass er eine Zeitreise gemacht hat. Er ist im Mittelalter angekommen. Mitten in einem Schloss. Jetzt hat er ein Problem. Nein, es sind viele Probleme. Wie er die löst, welche Abenteuer er bestehen muss, das steht in 24 Kapiteln, für jeden Tag im Advent eins.
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Seitenzahl: 102
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Guten Tag,
Auch in diesem Jahr gibt es wieder eine Weihnachtsmann-Adventskalender-Geschichte. Erstmals ist sie über das Internet unter
bodo-krischker.de
täglich abrufbar. Die Buchfassung ist für alle die gedacht, die eine Geschichte lieber schwarz auf weiß lesen und solche, die keinen Zugang zum Internet haben (wollen).
Das diesjährige Abenteuer führt den Weihnachtsmann in das Mittelalter. Nicht in das geschichtliche Mittelalter, sondern in das Mittelalter der Sagen und Mythen. Es ist wieder eine Reise mit vielen Fährnissen, die der Weihnachtsmann mit mehr oder weniger Bravour übersteht. Trotz Ritter, Schwertern und Kampfgetümmel kommt die Geschichte wie alle Jahre ohne Mord und Totschlag aus, ist also durchaus auch für Kinder geeignet.
Die tägliche Lektüre soll ein wenig vom vorweihnachtlichen Stress ablenken. Wer sich auf die abenteuerlichen Geschichten des Weihnachtsmannes einlässt muss mit folgenden Punkten leben können:
Es gibt einen Weihnachtsmann
Es gibt ein Christkind
Es gibt einen vorweihnachtlichen Zauber
Es gibt Dinge, die rational nicht erklärbar sind
Es gibt Engel mit den unterschiedlichsten Aufgaben
Es gibt Raum und Zeit, aber die spielen keine Rolle
Es gibt also nix, was es nicht gibt
Viel Spaß beim Lesen
Botho Kirschkern
01 - Abgetaucht
02 - Aufgetaucht
03 - Wer lesen kann ist im Vorteil
04 - Das Dokument
05 - Angeklagt
06 - Auf Wanderschaft
07 - In geheimer Mission
08 - Unter Räubern
09 - Vom Himmel geschickt
10 - Die Kräuterhexe
11 - Am Ziel
12 - Ein heißer Tipp
13 - Der Seher
14 - Hals über Kopf
15 - Glück gehabt
16 - Der Pass
17 - Wilde Wasser
18 - Im Felsenkloster
19 - Unter Gnomen
20 - Enttäuscht
21 - Unerwartet kommt oft
22 - Ein heißer Ritt
23 - Mondstrahlpass
24 - Eine schöne Bescherung
"Ruft mal den Weihnachtsmann“, sagte Engel Technicus zu einem der ratlos herumstehenden Engel.
Der Weihnachtsmann ließ nicht lang auf sich warten.
"Was ist denn los? Geht denn hier gar nichts ohne mich?"
"Ja manchmal bist du halt unverzichtbar. Besonders wenn eine Lieferung direkt an dich adressiert ist und der DHL Engel ein Autogramm von dir möchte"
Brummend quittierte der Weihnachtsmann den Empfang des Riesenpaketes. Auf einen Wink von ihm machten sich einige Engel des Logistikzentrums der Weihnachtsmann GmbH & Co KG an die Arbeit. Vorsichtig lösten Sie die meterlangen Klebebänder und entfernten eine Schicht Packpapier nach der anderen. Endlich nahm die unbekannte Lieferung Gestalt an. Ein schicker Ledersessel der Marke Relax stand im Paketzentrum der Weihnachtsmann GmbH & Co KG.
"Hast du das Monstrum bestellt?" wollte Engel Technicus wissen.
Der Weihnachtsmann schüttelte den Kopf. Misstrauisch umkreiste er das riesige Sitzteil. Einer seiner Mitarbeiter reichte ihm einen Briefumschlag.
"Der war an das Packpapier angeheftet".
Wortlos nahm der Weihnachtsmann das Couvert entgegen. Riss es auf und brummte:
"Eine Bedienungsanleitung".
Er blätterte die vielseitige Bedienungsanleitung misstrauisch durch.
"Chinesisch. Wer braucht schon eine chinesische Bedienungsanleitung!“
"Warum nicht", meinte Engel Technicus, "heute wird alles weltweit geliefert. Wir tun das schließlich auch!"
Der Weihnachtsmann brummte unwillig.
"Aha, Deutsch gibt es auch!"
"Und?"
"Ein Ruhesessel. Nicht schlecht. Mit Massagefunktion. Aber bestellt habe ich das Teil nicht".
"Vielleicht ein Werbegag?" sagte Engel Technicus nachdenklich.
"Oder ein Fehlläufer!“ sinnierte der Weihnachtsmann.
"Guck mal das Bedienungspaneel! Sieht richtig kompliziert aus!"
"Die Bedienungsanleitung ist auch dick genug".
Der Weihnachtsmann betrachtete den Sessel argwöhnisch. Er fasste das Leder an. Es war weich. Angenehm weich. Fast kuschelig.
"Na setz dich doch mal rein. Er wird dich schon nicht fressen!" scherzte Engel Technicus.
Der Weihnachtsmann brummte etwas in seinen Bart und ließ sich mit einem Seufzer in den Sessel fallen.
„Na, wie ist’s?" wollte Engel Technicus wissen.
„Sch…. bequem", sagte der Weihnachtsmann und räkelte sich wohlig in dem Sessel. Neugierig betrachtete er das Bedienungspaneel in der Armlehne.
Er drückte eine Taste. Mit einem leisen Surren glitt die Rückenlehne zurück.
"Fast wie beim Zahnarzt", sagte der Weihnachtsmann und grinste.
Mutig betätigte er eine andere Taste. Das Fußteil hob sich an. „So kann man es aushalten".
"Das glaub ich gleich", sagte Engel Technicus, “gedenkt der Herr Weihnachtsmann auch mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren und sich dem Tagesgeschäft zuzuwenden?"
"Sei doch nicht so hektisch", lachte der Weihnachtsmann, "du bist ja nur neidisch, dass das Teil nicht für dich gedacht ist".
Der scherzhafte Wortwechsel wurde durch einen kleinen Lageristen-Engel unterbrochen.
"Da, diese Fernbedienung haben wir noch im Verpackungsmüll gefunden".
Der Weihnachtsmann nickte dem Engelchen freundlich zu und griff nach der Fernbedienung.
"Es wird immer besser. Jetzt brauch ich mich gar nicht mehr aus der Horizontalen herauszubewegen, um meine Liegeposition zu verändern".
Der Weihnachtsmann betrachtete die Fernbedienung.
"Uff, die Tasten sind aber klein. Man kann ja kaum lesen, was drauf steht. Technicus, reich mir doch mal bitte meine Lesebrille".
Technicus tat wie geheißen.
"Jetzt brauch ich doch noch die Bedienungsanleitung. Da sind ja viele Tasten und Zahlen, mit denen ich nichts anzufangen weiß".
Nachdem er das gewünschte Handbuch erhalten hatte, vertiefte sich der Weihnachtsmann in das Studium der umfangreichen Lektüre. Engel Technicus und die anderen Mitarbeiter der Versandabteilung wendeten sich ihrem Tagesgeschäft zu. Ab und an warfen sie einen Blick auf den Weihnachtsmann der mit kindlicher Freude alle Funktionen des Relax-Sessels ausprobierte. Es dauerte nicht lange da wurde die Versandhalle vom lautstarken Schnarchen des Weihnachtsmannes beschallt. Der Weihnachtsmann war total relaxed in einen tiefen Schlaf gefallen. Irgendwann setzte das Schnarchen aus und alle Engel in der Logistikabteilung genossen die Ruhe.
"Wo ist der Weihnachtsmann abgeblieben?" wollte Engel Technicus nach geraumer Zeit wissen. "Ein dringendes Telefongespräch wartet auf ihn".
Aber kein Engel der Logistikabteilung konnte ihm helfen. Der Weihnachtsmann war verschwunden. Auch auf dem Ort, den sogar Könige zu Fuß und meistens allein aufsuchen, war er nicht zu finden. Selbst in der Kantine, einem seiner Lieblingsaufenthaltsorte, war kein Weihnachtsmann. Engel Technicus machte sich echt Sorgen. Und das nicht zu Unrecht.
"Der Weihnachtsmann ist weg!" rief Engel Technicus aufgeregt.
Tatsächlich in dem Relax-Stuhl, in dem gerade noch der Weihnachtsmann saß, war leer. Der Schrei des Engel Technicus hatte alle Engel des Logistik-Zentrums der Weihnachtsmann G.m.b.H. & Co KG auf den Plan gerufen. Aufgeregt diskutierende Engel standen um den leeren Stuhl. War das mal wieder eines der Witzchen, die der Weihnachtsmann auf Lager hatte?
"Habt ihr denn nichts zu tun?" fragte eine helle Stimme. Das Christkind bahnte sich einen Weg durch den Engelauflauf (Menschenauflauf kann man ja schlecht sagen).
"Gerade saß der Weihnachtsmann noch in dem neuen Stuhl und probierte alle Funktionen aus… Und dann war er auf einmal weg!" stotterte Engel Technicus.
"Habt ihr schon mal in seinem Büro nachgesehen? Vielleicht ist ihm die Spielerei langweilig geworden und er hat sich hinter seinen Aktenbergen verschanzt?"
"Das kann ich mir zwar nicht vorstellen, aber ein Fehler ist es sicher nicht".
Scharen von Engel durchsuchten das Verwaltungszentrum der Weihnachtsmann & Co KG. Nicht einmal die Toiletten wurden ausgelassen. Kein Weihnachtsmann war zu sehen.
Krisensitzung.
Der Weihnachtsmann war wieder mal weg. Wie schon so oft in den letzten Jahren.
"Seine Späßchen mit uns könnte er ja gut und gerne mal auf eine andere Jahreszeit verlegen", meinte das Christkind. "Jetzt ist der schon so alt und noch so ein Kindskopf!"
"Je oller, je doller", pflichtete Engel Technicus bei.
Die Ratlosigkeit der beiden Top-Manager der Weihnachtsmann GmbH & Co KG wurde durch das aufdringliche Klingeln des Telefons unterbrochen.
"Was ist nun schon wieder?" Widerwillig nahm Engel Technicus den Hörer ab.
"Ja," bellte er in die Sprechmuschel.
"Einsatzleitung Abteilung Schutzengelservice" meldete sich eine freundliche Stimme. "Mit wem spreche ich bitte?"
"Engel Technicus, stellvertretender Geschäftsführer der Weihnachtsmann GmbH & Co KG". Er stellte das Telefon auf „Lautsprecher", dass auch das Christkind mithören konnte.
"Das ist gut, dass ich dich an der Strippe habe. Pass mal auf, wir haben da eine kuriose automatische Schutzengel-Anfrage für einen dicklichen, älteren Herrn, weißer Bart, weißes Haar und einem roten Mantel. Nach einem Abgleich der Personenbeschreibung mit unserer Computerzentraldatei müsste das der Weihnachtsmann sein".
"Was?" entfuhr es dem Engel Technicus.
"Ja, und das Irre ist, halte dich fest, die Anfrage kommt aus der Vergangenheit, genauer gesagt dem Mittelalter".
"Das darf nicht wahr sein", stöhnte das Christkind. "Jetzt hab ich aber die Faxen dicke! Fast jedes Jahr das Theater mit dem Weihnachtsmann. Wir haben den zweiten Dezember und der Herr treibt sich in der vergangenen Weltgeschichte herum, und das im wahrsten Sinne des Wortes! Welcher Teufel hat den geritten, dass er auf einen solchen Gedanken kam?"
"Teufel, ein gutes Stichwort", sagte Engel Technicus, "vielen Dank für deine Information", sagte Engel Technicus ins Telefon. "Setz den besten deiner Mitarbeiter auf ihn an, das scheint mal wieder so ein Fall von Sabotage zu sein. Ich klär das ab und meld’ mich wieder."
"Sabotage? Wie kommst du denn da drauf", wollte das Christkind wissen.
"Das liegt doch auf der Hand, der Relax-Stuhl, von dem keiner weiß wo er herkam! Lieferadresse direkt an den Weihnachtsmann! Das wär nicht das erste Mal, dass die Firma "Diabolo - teuflisch gute Geschenke", versucht uns mit unlauteren Mitteln aus dem Weihnachtsgeschäft zu drängen. Hier geht es um Marktanteile. Und denen ist jedes Mittel recht".
Das Christkind schaute überrascht. So viel Hinterhältigkeit konnte es sich nicht vorstellen.
Zurück zum Weihnachtsmann.
Nachdem er die Grundfunktionen des Bedienungspaneels ausprobiert hatte: Lehne vor/zurück, Fußteil rauf/ runter, Sitzhöhe höher/tiefer machte er sich an die anderen Tasten. Die Massagefunktion hatte er schnell schätzen gelernt. Dann war da noch eine Taste "Zeit". Was es mit der auf sich hatte war ihm nicht klar.
"Wahrscheinlich kann man mit ihr die Dauer der Massagefunktion einstellen", brummte er, "aber wie funktioniert das bloß?"
Nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum" hämmerte er auf die Tastatur ein.
„Vielleicht sollte ich doch einmal die Bedienungsanleitung zu Rate ziehen“, dachte er sich und drückte noch einmal die Entertaste.
Auf einmal verspürte er ein Kribbeln. Zuerst in den Fingerspitzen, dann im ganzen Körper. Plötzlich verschwamm alles vor seinen Augen. Ihm wurde schwindelig und er verlor das Bewusstsein.
Der Weihnachtsmann erwachte. Blinzelnd öffnete er die Augen. Er glaubte seinen Augen nicht trauen zu können. Das war doch nicht die Halle des Logistikzentrums der Weihnachtsmann GmbH & CO KG! Wo war er denn gelandet? Verwundert schaute er sich um. Er fand sich zwar in einer Halle, aber die hatte nichts fabrikmäßiges an sich. Sie war länglich. Kostbare Wandteppiche schmückten die aus groben Steinen gemauerten Wände. Er selber saß auf einem gepolsterten, mit reichen Schnitzereien verziertem Holzstuhl. Schön war er, aber nicht bequem. Nicht zu vergleichen mit dem Relax-Stuhl. Apropos Relax-Stuhl! Wo war der denn?
"Was macht er auf dem Stuhl des Königs?"
Der Weihnachtsmann schreckte auf. Ein absonderlich gekleideter Mann kam Wut schnaubend auf ihn zu gelaufen. Ehe der Weihnachtsmann piep sagen konnte, schrie er:
"Wache, Wache! Nehmt diese unverschämte Person fest und werft sie in den Kerker!"
So schnell konnte der Weihnachtsmann gar nicht gucken wie ihn die Wache, vier starke Männer, packten und durch lange Gänge und viele Treppen schleiften. Nur noch Dämmerlicht, das aus schmalen Öffnungen in der Wand drang, erhellte den Gang. Eine schwere eiserne Tür wurde von einem bissig dreinblickenden Mann mit einem großen Schlüssel aufgeschlossen. Der Weihnachtsmann wurde unsanft hineingestoßen. Quietschend fiel die Tür ins Schloss und die Männer der Wache schlurften davon.
Der Weihnachtsmann war allein. Gefangen, in einer kleinen Zelle. Kaum dass er sich aufrichten konnte. Kein Bett. Kein Stuhl. Der Weihnachtsmann sank auf den Boden und sortierte seine Gedanken. Darüber schlief er ein.
Der Weihnachtsmann erwachte aus einem unruhigen Schlaf. Mühsam setzte er sich auf. Alle Knochen taten ihm weh. Kein Wunder nach einer Nacht auf dem kalten, feuchten Boden des Kerkers. Vor der Eisengittertür erschien ein bärtiger Geselle. Hinter ihm standen zwei kräftige Burschen, bis an die Zähne bewaffnet. Knirschend drehte sich der Schlüssel im Schloss. Wortlos stellte der Bärtige einen Krug und einen Zinnteller mit einem Kanten Brot ab. Die Tür fiel ins Schloss. Der Weihnachtsmann war wieder allein. Vor Überraschung hatte er kein Wort herausgebracht. Er nahm einen Schluck aus dem Krug. Das Wasser: kühl. Unter diesen Umständen genießbar. Das Brot: hart, an einer Stelle etwas angeschimmelt. Der Weihnachtsmann versuchte es auf der "guten" Seite.
