Der Zahn des Wolfes - Siegfried Mau - E-Book

Der Zahn des Wolfes E-Book

Siegfried Mau

0,0

Beschreibung

Der junge Kommissar Heidenreich fährt seine Freundin Marisella mit ihren Freundinnen in einem Bulli nach Harlesiel, wo sie einen Mädelsnachmittag im Wattkieker verbringen wollen. Um sich die Zeit zu vertreiben, begibt sich Heidenreich mit Fernglas und Klappstuhl an die Uferzone der Nordsee, um Wasservögel zu beobachten. Doch was liegt dort in dem ablaufenden Wasser? Etwas Dunkles und Bewegungsloses ... und es ist keine tote Robbe, sondern ein menschliches Wesen ... Nach inzwischen vier erfolgreichen Büchern mit Kurzgeschichten für Kinder ist dies nun der zweite Fall für das Ermittlerteam des Ersten Kommissars Kubischenko. Siegfried Mau, Jahrgang 1958, lebt mit seiner Familie in der schönen Emsstadt Rheine.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 97

Veröffentlichungsjahr: 2022

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

http://dnb.ddb.de abrufbar.

Hergestellt in Deutschland • 1. Auflage 2022

© Heimdall Verlag, Devesfeldstr. 85, 48431 Rheine,

www.heimdall-verlag.de

© Alle Rechte beim Autor: Siegfried Mau

Satz und Produktion: www.lettero.de

Coverbild: © Adobe Stock

Gestaltung: © Matthias Branscheidt, 48431 Rheine

ISBN: 978-3-946537-69-4

Weitere Bücher

als E-Book, Print- und Hörbuch unter:

www.heimdall-verlag.de

www.meinaudiobuch.de

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Zum Buch

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Zum Buch

Der junge Kommissar Heidenreich fährt seine Freundin Marisella mit ihren Freundinnen in einem Bulli nach Harlesiel, wo sie einen Mädelsnachmittag im Wattkieker verbringen wollen. Um sich die Zeit zu vertreiben, begibt sich Heidenreich mit Fernglas und Klappstuhl an die Uferzone der Nordsee, um Wasservögel zu beobachten.

Doch was liegt dort in dem ablaufenden Wasser? Etwas Dunkles und Bewegungsloses … und es ist keine tote Robbe, sondern ein menschliches Wesen …

Nach inzwischen vier erfolgreichen Büchern mit Kurzgeschichten für Kinder ist dies nun der zweite Fall für das Ermittlerteam des Ersten Kommissars Kubischenko.

Siegfried Mau, Jahrgang 1958, lebt mit seiner Familie in der schönen Emsstadt Rheine.

Kapitel 1

Boah, endlich Ruhe. Das hätte ich nicht viel länger ausgehalten, denkt der junge Kommissar Klaus Heidenreich so für sich. Dieses Geschnatter von sieben Frauen über eine halbe Stunde lang ertragen zu müssen, sich dabei männerfeindlichen Witzen nicht entziehen zu können, ihnen beim Prosecco trinken zuschauen zu müssen, ohne auch nur selbst einen Schluck trinken zu dürfen, um sich die Situation eventuell ein wenig erträglicher zu machen, das ist ja wohl mehr als Hardcore. Wie kann man so lange über einen neuen Lippenstift diskutieren, so hingebungsvoll über die gerade laufende Fernsehsendung Shopping Princess diskutieren, diesen exzentrischen Modeschöpfer Mano Maria Kretschmayer so anhimmeln, als säße er gerade selbst als Fahrgast in dem Vereinsbully des Handballvereines seiner Freundin, vom Handballclub HV-Aurich und mitten unter ihnen, oder was ist an seiner neuen Handtaschenkollektion so besonders? Heidenreich hatte gar nicht gewusst, dass man eine kleine flache Handtasche auch Klatsch nennt und die ganze Zeit gerätselt, was das wohl sein könnte, aber zum Schluss doch herausgehört, dass die Verschlüsse jetzt noch dekorativer und noch mehr Glitzersteine a la Swarovsky aufgetragen sind als bei den Vorjahresmodellen.

Nein, nochmals wird er sich bestimmt nicht bereit erklären, den Bully freiwillig zu fahren, auch wenn seine Freundin Marisella ihn noch so bittet, damit sie und ihre Handballfreundinnen einen schönen Mädels-Nachmittag, wie sie es selbst nennen, verbringen können.

Jetzt sind sie auf dem Weg nach Harlesiel, wo sie im Außenpavillon der Gaststätte Wattkieker gerade diesen Mädels-Nachmittag verbringen wollen und nicht damit hinter dem Zaun halten, ihre Vorfreude auf die guten Aperol Spritz Drinks, die es dort angeblich geben sollte, mehrfach zu äußern.

Auch dieses Ablästern über ihre Trainerin und die eine oder andere Spielerin, die gerade nicht das Glück hatte, ebenfalls der munteren Gesellschaft angehören zu dürfen betreffend Haarfrisuren, Kleidungsstücken, Art des Schminkens oder ihrer intimen Verhältnisse zu Heidenreich völlig unbekannten Männern oder auch Frauen, ist er so aus Treffen mit männlichen Freunden oder Kollegen nicht gewohnt.

Teilweise scheint es ihm sogar peinlich zu sein, als einziger Mann dort anwesend zu sein, aber er fährt ja nur den Bully und tut so, als höre er all diese Kommentare überhaupt nicht und konzentriert sich einfach auf den Straßenverkehr.

Nun ja, vielleicht muss man einfach eine Frau sein, um so etwas verstehen zu können, redet er sich zumindest ein.

Wenn ich die in vier Stunden auch noch etwas bis hoch angesäuselt nach Hause fahren muss, dann kann das ja nur noch schlimmer werden. Aber da muss ich jetzt wohl durch. Das habe ich ja schließlich Marisella versprochen und deshalb mache ich das auch, denkt er weiter so für sich.

Endlich am Außenhafen von Harlesiel angekommen, parkt er den Vereinsbully auf dem Parkplatz vor der Gaststätte Wattkieker, genau vor der rostigen Möwenskulptur am Hafen und verabschiedet sich von der freudig erregten Frauengruppe, die es anscheinend sehr eilig hat, zu dem besagten Getränkepavillon zu kommen, da einige der Frauen sich schon ohne ein Zeichen des Dankes oder der Verabschiedung erheblich weit in diese Richtung entfernt haben.

Nicht einmal seine geliebte Freundin Marisella scheint ihn mehr wahrzunehmen, denn auch sie gehört zu der Gruppe von Frauen, die eilig in diese Richtung laufen. War wohl nichts mit einem Abschiedskuss, denkt er weiter für sich, na ja, Mädels-Nachmittag ist ja nicht so oft. Sollen sie doch ruhig mal etwas Spaß haben und auf den Putz hauen.

Er schaut auf die Uhr und denkt weiter so für sich, so jetzt erst einmal tief die gute Nordseeluft einatmen, sich den Blick über das Meer auf die Inseln Spiekeroog und Wangerooge gönnen, schnell ein Parkticket ziehen, dann das Fernglas und den Klappstuhl aus dem Kofferraum nehmen und schnell ab in die Uferzone der Nordsee, um Wasservögel zu beobachten. Vier Stunden Zeit, vier Stunden Ruhe, einfach nur herrlich.

Nachdem er das Ticket gezogen und es hinter der Windschutzscheibe platziert hat, öffnet er den Kofferraum und nimmt seine Beobachtungsutensilien heraus. Diese hängt er sich über die Schulter und geht über den Deich, am Campingplatz vorbei in die bewachsene Grünzone neben dem dort endenden weißen Touristenstrand.

Dort stellt er im hohen Schilfgras seinen Hocker auf, setzt sich und öffnet die Staubkappen seines Fernglases.

Er hört den trillernden Teichrohrsängern und den Rufen der Möwen zu, genießt die erholsame Stille, die Frische des leichten Windes und atmet den Wohlgeruch des Nordseewassers tief ein. Dabei schaut er auf das ablaufende Wasser der Nordsee und freut sich, den einen oder anderen Wasservogel in den Fokus seines Fernglases zu bekommen.

Komisch, in dem linken Bereich des vom Wasser freilaufenden Watts scheint es heute überhaupt keine Vögel zu geben, denkt er so für sich und sucht die Fläche systematisch mit seinem Fernglas ab.

Aber was ist das?, fragt er sich wieder selbst. Ist da eine tote Robbe nicht von dem ablaufenden Wasser mit in das tiefere Wasser gezogen worden oder was liegt da Dunkles und Bewegungsloses im Watt?

Na, warte ich mal, bis das Wasser noch weiter abgelaufen ist. Dann werde ich es wohl besser erkennen können. Dann schwenkt er aber mit dem Fernglas nach rechts, um ein paar Austernfischer zu beobachten, die mit ihren langen roten Schnäbeln im Watt nach Würmern suchen.

Zirka fünfundzwanzig Minuten später schwenkt er wieder mit seinem Fernglas nach links, um sich den mysteriösen Gegenstand nochmals anzuschauen, der inzwischen nicht mehr vom Wasser bedeckt ist.

Aber was ist das? Das ist doch keine tote Robbe. Das könnte doch ein totes menschliches Wesen sein, welches durch den Rückgang des Wassers ans Tageslicht befördert wurde. Schnell steht er von seinem Klapphocker auf und geht neugierig einige Meter ins Watt, dem leblosen Körper entgegen und stellt sein Fernglas noch einmal scharf.

Einwandfrei, das ist ein menschliches Wesen. Ich erkenne ganz klar einen Arm und die passende Hand dazu.

Instinktiv nimmt er sein Handy, um das diensthabende Kommissariat in Wittmund anzurufen. So ein Mist, denkt er sich. Ich habe immer noch nicht die Direktwahlnummern unserer Dienststellen abgespeichert, während er sich über sich selbst ärgert.

Dann geht es halt wieder über die Leitstelle und schon wählt er die Eins, Eins, Null.

Nach nur kurzer Zeit meldet sich der Kollege der Leitstelle mit den Worten »Polizei Wittmund, nennen Sie bitte Ihren Namen und die Stadt, von der aus Sie anrufen.«

»Kommissar Heidenreich, ich rufe aus Harlesiel an«, ist die direkte Antwort des jungen Kommissars.

»Moin Kollege Heidenreich, haben Sie mal wieder Sehnsucht nach uns? Was gibt es denn heute wieder Aufregendes in Harlesiel? Wieder irgendwelche Toten im Hafenbecken? Wo ermitteln Sie denn heute wieder, oder ermitteln Sie wieder nicht?«

»Nein, nein, oder ja, ja ich ermittle nicht. Ich bin wieder nur als Tourist hier, rein zufällig und ja, es scheint wieder einen oder eine Tote zu geben. Diesmal aber im Watt, vor dem Campingplatz am Meer in Harlesiel. Wir brauchen hier die Spurensicherung und die sollen sich Gummistiefel anziehen, weil dieses leblose Wesen, wie schon gesagt, im Watt liegt. Ja, und bitte informieren Sie auch die Wasserschutzpolizei, obwohl, es ist ja gerade Ebbe und mit dem Boot können die hier eh nichts machen, aber egal, einfach mit unterrichten.«

»Okay, Kollege Heidenreich, bleiben Sie bitte zur Einweisung der Kollegen vor Ort und bitte sorgen Sie dafür, dass nicht wieder so viele Touristen wie das letzte Mal den Tatort betreten«, antwortet der Kollege am anderem Telefonapparat.

Diesen Kommentar hätte er sich wirklich sparen können, denkt sich der junge Kommissar. Nur weil das letzte Mal nicht alles so gut gelaufen ist, braucht man ihm das ja nicht nachzutragen. Außerdem ist hier weit und breit kein Mensch zu sehen.

Es dauert nicht lange, da fliegt ein Hubschrauber der Wasserschutzpolizei über die beschriebene Stelle, bleibt kurz in der Luft über dem Fundort der Leiche stehen, schwenkt dann kurz in Richtung des Festlandes, um die Uferregion abzufliegen und entfernt sich dann in Richtung des tieferen Wassers, wohl nach Indizien für einen Bootsunfall, weiteren Toten oder Ähnlichem zu suchen.

Mann, die Jungs sind auf Zack, gerade angerufen und schon am Einsatzort, davon könnte sich die Schutzpolizei mal eine Scheibe abschneiden, denkt der junge Kommissar weiter so für sich.

Es dauert noch ungefähr fünfzehn Minuten, da trifft der erste Streifenwagen und noch einmal fünfzehn Minuten später auch sein Chef, der Erste Hauptkommissar Kubischenko, genannt Kojambo, zusammen mit der Spurensicherung ein. Alle winkt Heidenreich zu sich und alle wollen erst einmal durch sein Fernglas schauen, um sich zu vergewissern, ob es nicht eventuell doch nur eine tote Robbe ist, welche dort im Watt liegt.

»Moin Heidenreich, was machen Sie denn hier? Können Sie denn nicht einmal nach Harlesiel fahren, ohne dass Sie direkt wieder eine Leiche finden? Und so ein Mist, da versau ich mir auch noch meine Schuhe. Ah ja, unter dem Wattkieker ist ja eine öffentliche Toilettenanlage. Da geh ich mal zuerst hin. Das Reinigungspersonal dort kann mir sicher ein paar Gummistiefel leihen. Und halten Sie hier die Stellung, bis ich wieder da bin«, sagt sein Chef zu ihm.

Dann dreht er sich um, um geradewegs zu der Toilettenanlage zu gehen. Nach ein paar Metern dreht er sich nochmals um und ruft Heidenreich zu: »Ach Heidenreich, rufen Sie bitte mal Hauptkommissarin Kralle an. Die ist gerade in der Stadt Norden, um Kaffeebohnen zu kaufen. Die soll hier sofort antanzen und ihre Gummistiefel mitbringen!«

Dann dreht er sich wieder um und geht schnellen Schrittes in Richtung Wattkieker, natürlich nicht, ohne sich vorher eine seiner filterlosen Zigaretten in den linken Mundwinkel zu stecken.

Ebenfalls ist das Team der Spurensicherung wenig erfreut darüber, dass sie noch einige Meter durchs Watt laufen müssen, um die gefundene Leiche zu untersuchen, nicht nur wegen der schlechten Lage des Fundortes, sondern auch wissend, dass an Wasserleichen immer sehr schlecht Spuren zu finden sind und dass sie nicht lange dort bleiben können, denn irgendwann kommt ja die Flut und mit ihr das Wasser zurück.

Heidenreich schaut auf seine Uhr. So ein Mist, bald muss ich Marisella und ihre Frauengruppe abholen. Die können sicher aus dem Pavillon heraus sehen, dass irgendetwas hier im Watt los ist. Das Blaulicht des Streifenwagens, der oben auf dem Deich steht, ist ja nicht zu übersehen. Nicht dass die denken, dass mir etwas passiert ist. Ich ruf da gleich mal an.

Gesagt getan. Er wählt ihre Nummer und erklärt ihr, dass sie zur verabredeten Zeit nicht zum Auto gehen sollen, er wäre jetzt mehr oder weniger im Dienst und er erkläre ihr das nachher. Wenn er fertig wäre, dann komme er sie im Pavillon abholen.