Straßentod - Siegfried Mau - E-Book

Straßentod E-Book

Siegfried Mau

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Beschreibung

Es war so eine schöne Beförderungsfeier für den jungen Oberkommissar Heidenreich, die er aber sicher nicht so schnell vergessen wird. Ausgerechnet er findet auf dem Nachhauseweg wieder eine Frauenleiche im Straßengraben, als er sich wegen des hohen Bierkonsums kurz erleichtern möchte. Die Dinge nehmen ihren Lauf und schnell wird klar, dass die tote Frau in eine Serie von Morden passt, die bislang nicht geklärt werden konnte. Aus dem Innenministerium kommt die Anweisung, dass jetzt sein Chef, Hauptkommissar Kubischenko und sein Team eine Sonderkommission bilden sollen, um den Täter oder die Täterin endlich dingfest zu machen. Schnell gerät eine Person in den Kreis der Verdächtigen, aber ist die SoKo wirklich auf der richtigen Spur? Anmerkung: Alle Namen sind frei gewählt und erfunden und haben keinen Bezug zu lebenden Personen. Auch hat sich der Kriminalfall so nie ereignet und alle Orte wurden rein zufällig ausgewählt. Wieder liegen die Schauplätze im Norden von Deutschland und der Kriminalroman ist angelehnt an die zwei vorherigen Bücher »Das doppelte Venussymbol« und »Der Zahn des Wolfes«, wobei es sich aber jedes Mal um abgeschlossene Episoden handelt. Auch hier schafft es der Autor Siegfried Mau, Jahrgang 1958, den Leser wieder an bekannte Orte entlang der Nordseeküste mitzunehmen und sich in die Ereignisse hineinzuversetzen.

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Seitenzahl: 136

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

http://dnb.ddb.de abrufbar.

Hergestellt in Deutschland • 1. Auflage 2023

© Heimdall Verlag, Devesfeldstr. 85, 48431 Rheine,

www.heimdall-verlag.de

© Alle Rechte beim Autor: Siegfried Mau

Satz und Produktion: www.lettero.de

Coverbilder: © Adobe Stock

Gestaltung: © Matthias Branscheidt, 48431 Rheine

ISBN: 978-3-946537-72-4

Weitere Bücher

als E-Book, Print- und Hörbuch unter:

www.heimdall-verlag.de

www.meinaudiobuch.de

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Zum Buch

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Zum Buch

Es war so eine schöne Beförderungsfeier für den jungen Oberkommissar Heidenreich, die er aber sicher nicht so schnell vergessen wird.

Ausgerechnet er findet auf dem Nachhauseweg wieder eine Frauenleiche im Straßengraben, als er sich wegen des hohen Bierkonsums kurz erleichtern möchte. Die Dinge nehmen ihren Lauf und schnell wird klar, dass die tote Frau in eine Serie von Morden passt, die bislang nicht geklärt werden konnte. Aus dem Innenministerium kommt die Anweisung, dass jetzt sein Chef, Hauptkommissar Kubischenko und sein Team eine Sonderkommission bilden sollen, um den Täter oder die Täterin endlich dingfest zu machen. Schnell gerät eine Person in den Kreis der Verdächtigen, aber ist die SoKo wirklich auf der richtigen Spur?

Anmerkung: Alle Namen sind frei gewählt und erfunden und haben keinen Bezug zu lebenden Personen. Auch hat sich der Kriminalfall so nie ereignet und alle Orte wurden rein zufällig ausgewählt. Wieder liegen die Schauplätze im Norden von Deutschland und der Kriminalroman ist angelehnt an die zwei vorherigen Bücher »Das doppelte Venussymbol« und »Der Zahn des Wolfes«, wobei es sich aber jedes Mal um abgeschlossene Episoden handelt.

Auch hier schafft es der Autor Siegfried Mau, Jahrgang 1958, den Leser wieder an bekannte Orte entlang der Nordseeküste mitzunehmen und sich in die Ereignisse hineinzuversetzen.

Kapitel 1

»Danke, dass du mich hier abholst, Marisella«, sagt Klaus Heidenreich, leicht angesäuselt vom leckeren Küstenbier zu seiner Lebensgefährtin, als sie mit dem Auto auf dem Weg von Werdum zurück nach Wittmund fahren.

»Werdum ist ja echt abgelegen, aber das Küstenbrauhaus ist wirklich nett, nur leider am Arsch der Welt. Das war aber eine richtig nette Beförderungsfeier. Ich habe die Hauptkommissarin Kralle und meinen Chef, den ersten Hauptkommissar Kubischenko, noch nie so locker erlebt. Ich fand es auch so toll, dass Frau Doktor Schall-Berger, die Chefin von unserer Forensik, mitgekommen ist. Ich glaube, die hat was mit unserem Chef, dem ersten Hauptkommissar Kubischenko. Die zwei haben sich immer so angeschaut, halt so wie sich Verliebte anschauen. Oberkommissar Heidenreich, dass klingt doch wirklich gut. Kojambo, wie die alten Kollegen meinen Chef nennen, hat mindestens zwanzig Mal gesagt, dass ich das verdient habe. Ich sei hundert Mal besser, als die anderen Jungpfeifen, die sonst auf sie losgelassen werden. Auch die Kralle hat gesagt, dass wir die letzten Fälle nicht so schnell gelöst hätten, wenn ich nicht dabei gewesen wäre. Zuerst hat die Kralle gedacht, dass ich den Posten bei denen nur bekommen habe, weil mein Onkel Polizeirat sei, aber Onkel Rudi hat sich noch nicht einmal bei irgendetwas eingemischt, was unsere Ermittlungen betraf. Deshalb findet sie das jetzt voll in Ordnung, dass ich im Team bin und sie hat sogar gesagt, so wie ich möchte sie auch mit dem Computer umgehen können. Auch Frau Doktor Schall-Berger hat gesagt, dass sie meine Kombinationsgabe bei den Fallanalysen echt erstaunlich findet.

Ich kann es gar nicht oft genug hören, Oberkommissar Heidenreich. Das klingt ja so gut. Da hat der Innenminister wohl echt Wort gehalten, mit der schnellen Beförderung. Na ja, du lernst meine beiden Kollegen und Frau Doktor ja bald genauer kennen. Wenn demnächst alle Kartons bei uns ausgepackt und die Gardinenstangen aufgehängt sind, dann lade ich sie mal in unsere neue Wohnung in Wittmund ein, das habe ich denen vorhin versprochen.

Ist doch gut, dass wir eine so schöne Wohnung in Wittmund gefunden haben. Jetzt sind wir auch immer ruckzuck am Meer und ich kann mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren.

Mann, ich habe glaube ich echt zu viel von dem leckerem Küstenbier getrunken. Das drückt ganz schön auf die Blase. Dabei war ich doch noch kurz vor der Abfahrt pinkeln. Fahr doch mal eben kurz rechts ran, bitte.«

»Mann, Klaus, muss das jetzt sein? Die Fahrt nach Hause dauert doch gerade mal zwanzig Minuten. Kannst du nicht einhalten? Hier ist nirgendwo ein Parkplatz. Da muss ich an der Hauptstraße halten und das auch noch mitten in der Nacht. Ah, da ist eine Bushaltestelle, da hast du echt Glück gehabt, Oberkommissar«, antwortet Marisella leicht amüsiert über ihren leicht angetrunkenem, im Moment echt redseligen Freund.

Dann hält sie mit ihrem alten roten Kleinwagen rechts auf der Bushaltestellenspur und Heidenreich versucht, schnell auszusteigen, was aber nicht so zügig geht wie er gedacht hat, da erstens das Auto nicht gerade groß ist und er sich leider vor dem Aussteigen noch nicht abgeschnallt hat, was wieder zu einem Lächeln im Gesicht seiner Freundin führt.

Als er es endlich geschafft hat, geht er einige Meter von der Bushaltestelle entfernt an den Straßengraben damit er sich endlich erleichtern kann. Dabei stolpert er mehr oder weniger über etwas, was halb aus dem seitlich von der Straße liegenden Wassergraben herausragt, sich aber beim Gegentreten irgendwie weich anfühlt. Er nimmt sein Mobiltelefon aus der Tasche, um die Taschenlampenfunktion zu aktivieren. Als er es endlich geschafft hat, beleuchtet er dieses Etwas und erstarrt fast zum Eisblock. Vor ihm liegt eine ziemlich arg verunstaltete tote von Blut überströmte Frau. Sofort fasst er an ihre Halsschlagader, um ihren Puls zu fühlen. Aber er fühlt nur Kälte und keinen Puls mehr. Da ist leider keinerlei Leben mehr im Körper zu erkennen.

Langsam, mit erstarrtem, kreideweißem Gesicht geht er zu dem Wagen seiner Freundin zurück, die mehr als verwundert ist, dass er sich jetzt doch nicht erleichtert hat.

»Da liegt eine tote Frau im Graben«, sagt Heidenreich aufgeregt zu seiner ungläubig ausschauenden Lebensgefährtin. »Ich rufe mal schnell Hauptkommissar Kubischenko an«, was er dann auch sofort macht.

Dieser geht auch direkt an sein Telefon und hört sich die Geschichte an. Dann sagt er aber nur: »Hör mal zu, Junge. Wir haben frei und alle haben viel getrunken und fahren können wir sowieso nicht mehr. Ruf einfach die Zentrale an. Die kümmern sich dann darum. Wir haben heute frei. Wir sprechen dann morgen darüber, okay?«

Dann beendet er einfach das Gespräch.

»Was hat er denn gesagt?«, fragt seine Freundin Marisella, die sich im Moment doch schon etwas fürchtet und den Verriegelungsknopf an der Fahrerseite ihrer Autotür schon heruntergedrückt hat.

»Er hätte frei und zu viel getrunken. Er will morgen erst darüber sprechen. Ich soll die Zentrale informieren.«

Das macht er auch sofort und wählt die Eins Eins Null, obwohl er erst vor kurzem alle Dienststellennummern in sein Mobiltelefon eingepflegt hat. Aber jetzt hat er überhaupt keine Lust, erst einmal lange in seinem Kontaktverzeichnis zu suchen.

Da meldet sich auch schon die Leitstelle mit den Worten: »Die Polizei Wittmund, Polizeimeister Lünne, nennen Sie bitte Ihren Namen und den Standort, von dem aus Sie anrufen!«

»Ja, Moin, hier ist Kommissar, quatsch, Oberkommissar Heidenreich. Ich rufe an von … Moment, ich muss mal was nachschauen.«

Er beugt sich in das Auto seiner Freundin hinein und schaut auf das Navi. »Das ist hier der Ortsteil Osterhusen, nicht weit von Wittmund entfernt, die Straße heißt auch Osterhusen, ich sehe von hier aus ein Hinweisschild, Richtung Funnixer Siedlung.«

»Hallo, Oberkommissar Heidenreich, Sie ermitteln noch so spät mitten in der Walachei? Sie haben doch nicht schon wieder zufällig eine Leiche entdeckt, oder? Ich hatte doch gehört, dass Ihr Team heute ein paar Bier auf ihre Beförderung zischen wollte, das ist doch jetzt kein Kollegenscherz, oder?«, antwortet der Polizeimeister ein wenig ungläubig.

»Es hört sich jetzt wohl ein wenig dumm an, aber genauso ist es, hier liegt tatsächlich eine weibliche Leiche neben der Fahrbahn. Das ist absolut sicher«, antwortet der Oberkommissar.

»Okay, ich schicke dann erst einmal einen RTW und das diensthabende Kriminalteam mit der Spurensicherung zu Ihnen. Bitte nichts anfassen und keine Fremdpersonen an den Tatort lassen, das wissen Sie ja«, fügt er noch an, wohl wissend, dass Heidenreich in seinem ersten Fall wohl diese Kleinigkeit vergessen hatte. Aber dieser Makel wird ihm sicher noch in zehn Jahren anheften. Dann geht er erst einmal einige hundert Meter in Richtung Funnixer Siedlung, um sich endlich zu erleichtern, denn eins möchte er wahrlich nicht, den Tatort mit seiner DNA verunreinigen.

Es dauert gar nicht lange, da erscheint auch schon der erste Streifenwagen, der sich mit eingeschaltetem Blaulicht direkt hinter den alten roten Kleinwagen seiner Lebensgefährtin stellt. Die beiden Kollegen steigen aus und gehen auf Heidenreich zu.

»Moin, was ist denn los, Herr Oberkommissar? Wir haben gehört, dass Sie schon wieder einmal eine Leiche gefunden haben. Ich sehe hier nichts und übrigens, Sie haben eine ziemliche Bierfahne. Sie sind doch nicht etwa Auto gefahren?«, fragt einer der beiden Streifenpolizisten.

»Ne, ne«, antwortet der junge Oberkommissar, »ich meine doch, ich habe bestimmt eine Bierfahne, aber ich bin nicht gefahren. Schauen Sie, meine Freundin Marisella sitzt am Lenker ihres Autos. Sie hat mich abgeholt. Die Leiche liegt ein Stück von hier entfernt. Schauen Sie selbst.«

Die beiden Streifenpolizisten begleiten Heidenreich zu der Leiche. Dann leuchten sie mit ihrer starken Taschenlampe erst den Fundort aus und dann die nähere Umgebung.

»Der RTW wird hier wohl nicht mehr gebraucht. Die Tote ist ja echt schlimm zugerichtet. Dann bestellen wir mal noch Verstärkung und fordern bei der Straßenmeisterei einen Absperrtrupp an«, sagt dann einer der Streifenpolizisten.

Dann gehen die zwei zu ihrem Streifenwagen zurück, um die Aufgaben zu erledigen.

Sie sind noch nicht ganz am Streifenwagen, da trifft auch schon der Rettungswagen ein. Der Notarzt läuft sofort zu Heidenreich und der Toten, untersucht sie kurz und geht dann kopfschüttelnd wieder in Richtung des RTW‘s. Am Kleinwagen von Heidenreichs Freundin bleibt er kurz stehen und fragt durch die geöffnete Beifahrerscheibe hindurch, ob es ihr gut ginge. Diese erwidert aber nur kurz, dass mit ihr alles okay sei und schon geht der Notarzt zurück zur RTW-Besatzung. Dann fährt der Krankenwagen wieder davon, wohl wissend, dass hier nur noch die Spurensicherung tätig werden kann.

Schon ist auch ein zweiter Streifenwagen da, der die gegenüberliegende Straße absperrt und fast zeitgleich treffen zwei Beschäftigte der Straßenmeisterei ein, die sofort nach Weisung durch die Streifenwagenbesatzung beide Fahrtrichtungen komplett sperren und Umleitungsschilder aufstellen.

Kurze Zeit später ist dann auch die Spurensicherung vor Ort mit dem Hauptkommissar Mehl von dem Kommissariat zwei. Dieser schaut sich den Fundort ebenfalls an und befragt dann Oberkommissar Heidenreich, wie es zum Fund gekommen ist, was dieser natürlich genauestens erklärt.

Plötzlich hält ein Taxifahrzeug vor der Absperrbake und der erste Hauptkommissar Kubischenko steigt mit der Kollegin Kralle und Frau Doktor Schall-Berger aus und die Drei gehen ebenfalls zu der aufgefundenen Leiche.

»Kubischenko, was macht ihr denn hier? Hätte ich gewusst, dass ihr hier seid, dann hätte ich gar nicht zu kommen brauchen. Wer hat das denn wieder geplant?«, fragt der Hauptkommissar Karl Mehl.

»Moin, nö, nö. Wir Zwei sind nicht im Dienst, Karl. Frau Doktor Schall-Berger übrigens auch nicht. Wollten nur mal schauen und fragen, ob du uns nicht kurz durchwinken kannst. Dann brauchen wir mit dem Taxi nicht so einen großen Umweg zu fahren. Aber ich sehe schon, Verkehrsunfall mit Fahrerflucht, wir machen den Umweg und sind dann auch schon wieder weg, Heidenreich, wir sehen uns morgen im Büro, aber nicht vor neun Uhr dreißig. War echt super heute Abend, also dann bis morgen.«

Dann gehen die beiden Kollegen aus Heidenreichs Team und die Chefin der Polizeiforensik zu dem Taxi zurück, welches inzwischen vom Fahrer gewendet wurde, winken noch kurz Marisella zu, steigen ein und verlassen dann den Tatort.

Kapitel 2

Es ist neun Uhr fünfunddreißig. Der erste Hauptkommissar Kubischenko betritt als letzter sein Büro im Kommissariat Wittmund. So richtig frisch sieht er heute aber gar nicht aus. Die Spuren der letzten Nacht haben da wohl ihre Wirkung hinterlassen. Mit einem brummigen »Moin« setzt er sich zu dem Kollegen Oberkommissar Heidenreich und der Kollegin Hauptkommissarin Kralle, die heute auch alles andere als frisch wirken, an den Besprechungstisch.

Die Kollegin Kralle kippt sich und ihren beiden Kollegen erst einmal einen großen Pott Kaffee ein mit den Worten:

»Der ist heute mal etwas stärker als sonst, damit unsere Lebensgeister schneller zurück sind.«

Der erste Hauptkommissar Kubischenko lächelt ein wenig und meint dann eher kurz:

»Ah, Lebensgeister nennt man das heute. Wir haben früher immer gesagt, damit der Kater sich schneller verp … ja verpinkelt. Nun gut, Sie wissen auf jeden Fall, was ich jetzt brauche. Übrigens Heidenreich, ich habe am Eingang schon mit Polizeihauptwachtmeister Ringel gesprochen. Der meinte, dass alle Kollegen von der Einsatzpolizei richtig amüsiert sind. Die meinen, Sie sollten sich versetzen lassen zu der Hundestaffel. Sie würden angeblich mehr Leichen finden, als der beste Leichenspürhund, den die dort haben. Er meinte, er hätte auch schon den Spitznamen ›Oberkommissar Bello‹ gehört. Also, nicht wundern, wenn da der eine oder andere hohle Spruch herüberkommt. Da müssen Sie jetzt drüberstehen. Ja, aber es ist ja wirklich ein Zufall, dass immer genau Sie in solche Fälle hineinschlittern. Aber wenigstens hat sich der Taxifahrer einen Ast abgefreut. Von Werdum nach Wittmund ist es schon nicht billig. Aber dann hat er auch noch das Taxameter am Tatort weiterlaufen lassen und durfte zur guten Letzt noch einen riesen Umweg fahren. Neunundvierzig Euro. Das war nicht gerade günstig. Gut, dass Frau Kralle, Angelika, äh … ich meine Frau Doktor Schall-Berger und ich uns das teilen konnten.«

»Jo, auch von mir Moin. Das ist schon wirklich seltsam«, schaltet sich die Hauptkommissarin Kralle ein. »So hätte der Abend eigentlich nicht enden sollen. Echt blöd. Ich hätte da noch gerne zwei, drei Fotos gemacht, aber da war es echt zu dunkel zum Fotografieren. Da gibt es ja nicht mal Laternen.«

»Okay, meine Freundin Marisella hat auch schon gesagt, dass das unglaublich ist. So etwas kann rein statistisch gar nicht passieren. Das würde ihr kein Mensch glauben, wenn sie das erzählen würde. Sie meinte, ich kriege demnächst zwei Augenklappen aufgesetzt, wenn wir mal wieder in diese Ecke fahren. Aber so ist es nun mal. Ach übrigens, der Kaffee erweckt wirklich alle Lebensgeister. Schmeckt echt gut, wie immer. Man merkt gar nicht, dass er heute stärker aufgebrüht ist als sonst, oder heißt es gebraut?«, ergänzt Oberkommissar Heidenreich.

Plötzlich geht die Tür zum Büro des ersten Hauptkommissars auf und Polizeihauptwachtmeister Ringel steckt seinen Kopf mit den Worten durch die Tür:

»Moin, Kojambo«, so nennen ihn die alten Kollegen, »du sollst deinen Hintern mit deinen Leuten zusammen sofort zu Staatsanwalt Rupens schieben. Der hatte um neun Uhr schon auf allen euren Telefonanschlüssen angerufen und keiner hat das Gespräch angenommen. Und seine Mails hat bislang auch noch keiner beantwortet. Also, hurtig!«

»Ja, danke«, antwortet der erste Hauptkommissar, »alles klar. Das geht bestimmt um die Sache von gestern Abend.«

Dann verschwindet Ringel wieder, wie er gekommen ist. Zwischenzeitlich hat der Oberkommissar Heidenreich schon in den PC geschaut, um herauszufinden, was denn der Staatsanwalt so früh von ihnen wollte. Dann sagt er ein wenig verblüfft: »Oh, wir sollten heute Morgen schon um neun Uhr fünfzehn bei Rupens sein. Es geht um eine Fallbesprechung.«

»Okay«, antwortet Kubischenko, »dann müssen wir wohl den guten Kaffee stehen lassen und mal direkt zu dem Dicken hochfahren.«

»Nicht hochfahren, hochgehen. Seit gestern hängt wieder ein Störungsschild am Fahrstuhl«, ergänzt die Hauptkommissarin Kralle.

Keiner aus dem Team gibt noch einen Kommentar ab. Über diesen Fahrstuhl ärgert sich schon lange keiner mehr. Alle stehen fast gleichzeitig auf und alle drei machen sich auf den Weg zu dem Staatsanwalt.

Ohne anzuklopfen öffnet der erste Hauptkommissar Kubischenko die Tür des Büros des Staatsanwaltes und er und sein Team treten unaufgefordert ein und stellen sich vor den Schreibtisch des Staatsanwaltes. Nur Heidenreich sagt beim Eintreten in das Büro zaghaft Moin. Der Staatsanwalt frühstückt gerade ausgiebig einige Mettbrötchen und schaut demonstrativ auf seine Armbanduhr.

»Eigentlich müsste ich Sie nun draußen warten lassen, weil ich jetzt gerade frühstücke«, sagt Rupens mit vollem Mund zu den Dreien.