Gegafft - Siegfried Mau - E-Book

Gegafft E-Book

Siegfried Mau

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Beschreibung

Dieses Mal muss das Kriminalteam des ersten Hauptkommissars Kubischenko eine Mordserie an Anglern aufklären. Wieder entführt uns dieser Kriminalroman an bekannte Orte an der Nordseeküste. Sicher wird der eine oder andere Angler nach dem Lesen dieses Kriminalromans seine Angelgewohnheiten verändern. Dies ist der vierte Roman des Schriftstellers Siegfried Mau aus der Reihe seiner Friesenkrimis, und wieder schafft es der Autor, den Leser an den Ermittlungen der eingerichteten SoKo teilhaben zu lassen. Fiebern Sie also mit, bis der Täter oder die Täterin überführt ist, wenn die »SoKo Fischermann« diesen Fall lösen kann. Anmerkung: Alle Namen sind frei gewählt und erfunden und haben keinen Bezug zu lebenden Personen. Auch hat sich der Kriminalfall so nie ereignet und alle Orte wurden rein zufällig ausgewählt. Wieder liegen die Schauplätze im Norden von Deutschland und der Kriminalroman ist angelehnt an die drei vorherigen Bücher »Das doppelte Venussymbol«, »Der Zahn des Wolfes« und »Straßentod«, wobei es sich aber jedes Mal um abgeschlossene Episoden handelt. Auch hier schafft es der Autor Siegfried Mau, Jahrgang 1958, den Leser wieder an bekannte Orte entlang der Nordseeküste mitzunehmen und sich in die Ereignisse hineinzuversetzen.

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Seitenzahl: 172

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

http://dnb.ddb.de abrufbar.

Hergestellt in Deutschland • 1. Auflage 2023

© Heimdall Verlag, Devesfeldstr. 85, 48431 Rheine,

www.heimdall-verlag.de

© Alle Rechte beim Autor: Siegfried Mau

Satz und Produktion: www.lettero.de

Coverbilder: © Adobe Stock

Gestaltung: © Matthias Branscheidt, 48431 Rheine

ISBN: 978-3-946537-73-1

Weitere Bücher

als E-Book, Print- und Hörbuch unter:

www.heimdall-verlag.de

www.meinaudiobuch.de

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Zum Buch

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Zum Buch

Dieses Mal muss das Kriminalteam des ersten Hauptkommissars Kubischenko eine Mordserie an Anglern aufklären. Wieder entführt uns dieser Kriminalroman an bekannte Orte an der Nordseeküste.

Sicher wird der eine oder andere Angler nach dem Lesen dieses Kriminalromans seine Angelgewohnheiten verändern.

Dies ist der vierte Roman des Schriftstellers Siegfried Mau aus der Reihe seiner Friesenkrimis, und wieder schafft es der Autor, den Leser an den Ermittlungen der eingerichteten SoKo teilhaben zu lassen.

Fiebern Sie also mit, bis der Täter oder die Täterin überführt ist, wenn die »SoKo Fischermann« diesen Fall lösen kann.

Anmerkung: Alle Namen sind frei gewählt und erfunden und haben keinen Bezug zu lebenden Personen. Auch hat sich der Kriminalfall so nie ereignet und alle Orte wurden rein zufällig ausgewählt. Wieder liegen die Schauplätze im Norden von Deutschland und der Kriminalroman ist angelehnt an die drei vorherigen Bücher »Das doppelte Venussymbol«, »Der Zahn des Wolfes« und »Straßentod«, wobei es sich aber jedes Mal um abgeschlossene Episoden handelt.

Auch hier schafft es der Autor Siegfried Mau, Jahrgang 1958, den Leser wieder an bekannte Orte entlang der Nordseeküste mitzunehmen und sich in die Ereignisse hineinzuversetzen.

Kapitel 1

Obwohl noch so viel Nebel über den Feldern steht, ist ja heute schon ein fast frühlingshafter Morgen und das Anfang April, denkt sich Oberkommissar Heidenreich. Ich lebe schon in einer schönen Gegend. Wo kann man sonst an einem Montag, an dem alle denken, jetzt fängt die stressige Woche wieder an, so nah an seinem Wohnort, schon vor dem Dienst, einfach mal an einen Fluss fahren und für ein-, zwei Stunden einfach mal den Haubentauchern bei ihrem Balzgehabe zuschauen und sich an ihren Riten erfreuen? Eigentlich hätten sie ja schon ein schwimmendes Nest gebaut haben müssen, in denen schon das eine oder andere Ei liegen müsste, aber dieses Pärchen, über das er im Wasservogel-Internetforum gelesen hatte, ist halt ein wenig später dran. Es kann sein, dass es sich noch um zwei junge Exemplare handelt, das Wetter noch nicht so ganz passt oder sich die zwei einfach noch nicht gefunden haben. Diese Fragen wird mir wohl keiner beantworten, aber spannend ist das ja schon, denkt er so für sich weiter.

Jetzt geht er auf jeden Fall beladen mit seinem riesigen Feldstecher, einem Klappstuhl und einen Tarnumhang, den er sich extra noch für diese Beobachtung im Internet bestellt hatte, in Richtung Harle. Er überquert gerade die Straße und sucht schon mal mit den Augen nach einem gut getarnten Beobachtungsplatz im abgetrockneten Schilfgras des Vorjahres, genau an der Stelle, wo die Harle gerade anfängt, ein wenig breiter zu werden, da wird die Stille durch einen entsetzlich grellen, weiblichen Schrei förmlich zerrissen. Ungefähr zweihundert Meter links von ihm sieht er eine Frau, direkt am Uferrand, zwischen dem hohen Schilfgras stehen, die sich über etwas beugt, was er von seinem Standort aus wegen der dichten Vegetation noch nicht erkennen kann. Er legt seine Beobachtungsutensilien sofort auf den Boden und geht dann schnellen Schrittes auf die Frau zu. Als er dort angekommen ist, sieht er, dass sie sich weinend und zitternd über einen leblosen Körper beugt, der auf einem Anglerstuhl sitzt und obwohl sie diesen Körper mit ihren Händen kräftig an den Schultern schüttelt, regt sich diese Person nicht mehr.

Als die Frau ihn bemerkt, sagt sie immer noch weinend zu ihm: »Mein Mann bewegt sich nicht mehr, schauen Sie, überall ist Blut und er hat dieses Ding da im Hals stecken, wir müssen einen Krankenwagen rufen und die Polizei verständigen! Bitte, bitte, bitte helfen Sie ihm doch. Er bewegt sich nicht mehr.«

Oberkommissar Heidenreich geht auf den leblosen Körper zu und will an der Halsschlagader den Puls fühlen, kann es aber nicht, weil an dieser Stelle ein gebogener Eisenhaken steckt, der an einer zirka zwei Meter langen Holzstange befestigt ist und eine riesige blutende Wunde am Hals verursacht hat. Deshalb nimmt er die Hand der toten Person und versucht, den Puls am Handgelenk zu fühlen. Aber da ist nichts mehr zu fühlen und die Hand der leblosen Person fühlt sich auch schon sehr eisig kalt an. Auch kann er keinerlei Atmungsaktivitäten mehr bei dieser Person feststellen. Er dreht sich zu der immer noch weinenden Frau um und sagt: »Ich bin Polizist, ich werde mich um alles kümmern«, und während er sein Mobiltelefon aus seiner Tasche zieht, sieht er, wie die Frau sich wieder über den leblosen Körper beugt und immer noch unter Tränen an seinem Oberkörper wackelt und immer wieder »Klaus, bitte werde wach, mach bitte, bitte deine Augen auf« ruft. Aber da ist keine Reaktion mehr, was Heidenreich auch nicht erwartet hat, bei der Menge an Blut, das über den Körper, den Anglerstuhl entlang seiner Hose auf den Boden getropft ist. Er weiß, dass er die Frau eigentlich von dem toten Körper fernhalten sollte, damit keine Spuren verwischt werden, aber das bringt er in diesem Moment einfach nicht über das Herz. Dann greift er zu seinem Mobiltelefon, geht einige Meter vom Tatort weg, damit die Frau, die er vorgefunden hat, das Gespräch nicht mithören kann und ruft die Einsatzzentrale an. Es meldet sich auch sofort der diensthabende Polizist, nennt seinen Namen, wünscht ein frohes »Moin« und fragt nach dem Standort und Namen des Anrufenden.

Oberkommissar Heidenreich erwidert den Gruß und sagt dann: »Hier spricht Oberkommissar Heidenreich, ich bin hier an der B 461, da wo die Brücke einige hundert Meter hinter dem Caroliner Kreisel die Harle kreuzt, direkt so ungefähr zweihundertfünfzig bis dreihundert Meter weiter, unten am Fluss. Ich habe ein Schild gesehen, wo ich das Auto von meiner Freundin geparkt habe. Darauf stand Carolinengroden O, falls das eine Hilfe ist. Ich brauche hier sofort einen Rettungswagen für eine stark blutende Person, obwohl der wohl nicht mehr geholfen werden kann, dann brauche ich zum Absperren zwei Streifenwagenbesatzungen und außerdem die Spurensicherung. Ich werde meinen Chef, den ersten Hauptkommissar Kubischenko und meine Kollegin Hauptkommissarin Kralle selbst verständigen, obwohl die eigentlich erst um acht Uhr im Dienst sind. Darum brauchen Sie sich nicht zu kümmern. Ach ja, wir haben doch jetzt diesen seelsorgerischen Dienst. Wäre schön, wenn Sie den auch benachrichtigen könnten. Am Tatort befindet sich eine Frau, die diesen Dienst wohl in Anspruch nehmen müsste.«

»Okay, bleiben Sie bitte kurz am Telefon«, erwidert der diensthabende Kollege in der Leitstation. Nach einigen Sekunden meldet er sich dann wieder. »Der RTW und die Kollegen zum Absperren sind unterwegs. Die Spurensicherung und den seelsorgerischen Dienst werde ich sofort nach unserem Gespräch informieren. Höre ich da raus, dass Sie schon wieder einen Toten gefunden haben, Herr Oberkommissar? Interessant, interessant. Das glaubt mir wohl keiner. Ach ja, sorgen Sie bitte dafür, dass bis zum Eintreffen der Kollegen niemand den Tatort betritt, aber das wissen Sie ja sicher. Ich habe Ihre Mobiltelefonnummer gespeichert, falls noch etwas sein sollte, dann melden wir uns noch einmal. Rufen Sie mich auf jeden Fall zurück, wenn Sie Ihren Chef nicht erreichen. Und bitte schalten Sie Ihr Telefon nicht ab.«

Nach dem Gespräch schüttelt der Oberkommissar den Kopf und denkt sich, nur weil ich einmal nicht dafür gesorgt habe, dass einige Schaulustige sich nicht zu dicht an einen Tatort angenähert haben, streichen mir die Kollegen von der Schutzpolizei das immer wieder aufs Brot. Ich will mal sehen, was die so machen, wenn die mal eine Leiche oder ein Körperteil finden, aber egal, ich rufe jetzt erst einmal mein Team an. Dann nimmt er sein Mobiltelefon ein weiteres Mal, schaut in seine Telefonadressliste und ruft seinen Chef, den ersten Hauptkommissar Kubischenko, an.

Nachdem dieser sich noch etwas verschlafen am Telefon meldet, erklärt er ihm den Sachverhalt:

»Moin Herr Kubischenko. Hier ist Oberkommissar Heidenreich. Entschuldigen Sie, dass ich sie schon vor dem Dienstbeginn anrufe. Es gibt hier wahrscheinlich einen Leichenfund. Der Rettungsarzt ist noch nicht eingetroffen, deshalb ist der Tod noch nicht bestätigt worden, aber die Person hat einen großen Eisenhaken im Hals stecken und enorm viel Blut verloren. Ich konnte kein Lebenszeichen mehr feststellen. Am Tatort habe ich ebenfalls eine Frau vorgefunden, die wohl irgendwie mit der gefundenen Person in Beziehung steht, wahrscheinlich die Ehefrau. Ich wollte mit der Befragung erst anfangen, bis Sie und Frau Kralle eingetroffen sind, wenn das möglich ist. Sie scheint aber unter Schock zu stehen. Könnten Sie Frau Kralle anrufen? Ich gehe mal zur Straße hoch, um die Kollegen und den RTW einzuweisen. Einen Moment mal bitte.«

Er nimmt kurz das Telefon vom Ohr und ruft der Frau am Tatort zu: »Ich gehe kurz hoch zur Straße, um den Rettungswagen einzuweisen. Der wird sofort da sein.« Und während er sich vom Tatort entfernt, gibt er seinem Chef die genauen Standortdaten durch und sagt ihm, dass die Leitstelle schon die Spurensicherung und den seelsorgerischen Dienst informiert hat.

In der Ferne hört er schon den RTW, der dann auch kurze Zeit später an der Straße beim Oberkommissar anhält. Als die Sanitäter und der Rettungsarzt aussteigen, zeigt der Oberkommissar in die Richtung des Opfers und ruft dem Notarzt noch zu: »Eine stark blutende Person und eine Person, die wahrscheinlich unter Schock steht.«

Dieser hat sich aber schon mit den beiden Sanitätern und seiner Notfallausrüstung in die Richtung des Tatortes aufgemacht.

Der Oberkommissar beobachtet aus einiger Entfernung das Geschehen, kann aber aus der Gestik des Notarztes und daran, dass sie den Körper komplett mit einer Decke abdecken, erkennen, dass sie dem Opfer nicht mehr helfen können. Einer der Sanitäter stützt die noch weinende Frau und bringt diese zum Rettungswagen.

Der Notarzt geht auf den jungen Oberkommissar zu und sagt: »Hallo, wir kennen uns ja schon, sie sind doch Oberkommissar Heidenreich. Ja, der aufgefundenen Person konnten wir leider nicht mehr helfen. Wahrscheinlich an dem enormen Blutverlust gestorben, wenn nicht schon vorher das Gehirn nicht mehr mit Blut versorgt wurde. Übrigens sieht man noch eindeutig eine stumpfe Gewalteinwirkung auf dem Hinterkopf des Opfers, aber das stellen sicher Ihre Kollegen von der Polizeiforensik fest. Sorry, ich muss mich noch um die Frau kümmern. Ich werde ihr ein Beruhigungsmittel spritzen müssen.«

Dann ist er auch schon wieder in Richtung des Rettungswagens unterwegs.

Der Notarzt ist gerade weg, da stehen auch schon vier Polizisten fragend vor ihm.

Der junge Kommissar sagt nur: »Moin, wir haben einen Tötungsdelikt. Eine Person geht in diese Richtung, einhundert Meter flussaufwärts und eine Person einhundert Meter in diese Richtung, flussabwärts. Keinen außer unsere Leute durchlassen. Wer trassiert den Tatort ab? Okay, das machen Sie«, auf einen Beamten zeigend, »und Sie, hoch an die Straße, unser Personal einweisen und mögliche Gaffer zum Weiterfahren auffordern.«

Dann wartet er auf die Dinge, die geschehen.

Es ist wieder das Forensik-Team, welches zirka fünfundzwanzig Minuten vor seinem Team eintrifft und mit seiner Arbeit beginnt.

Dann endlich treffen auch sein Chef, der erste Hauptkommissar Kubischenko und seine Kollegin die Hauptkommissarin Kralle ein.

Diese werden von Heidenreich mit einem »Moin« begrüßt und dann erklärt er ihnen den Sachverhalt.

Der erste Hauptkommissar entschuldigt sich erst einmal, dass sie so spät am Tatort angekommen sind, was aber dem Umstand geschuldet ist, dass ihr neuer Dienstwagen noch nicht ausgeliefert wurde, obwohl er längst da sein sollte und sie erst einmal ein anderes Fahrzeug besorgen mussten. Dann hört er seinem jungen Kollegen zu und als dieser mit seinen Ausführungen fertig ist, sagt Kubischenko zu ihm: »Ich geh dann mal eben zu Angelika … äh ich meine zu unserer Forensikerin Frau Doktor Schall-Berger und schaue mir den Tatort an. Mal sehen, ob sie schon etwas sagen kann. Ich sehe, Frau Kralle ist ja schon da und macht Fotos. Die schick ich mal direkt zur Befragung der Frau am Rettungswagen. Heidenreich, begleiten Sie die Hauptkommissarin und nehmen Sie die Personalien der Frau auf. Wäre schön, wenn Sie direkt eine DNA-Probe von ihr abnehmen könnten. Die brauchen unsere Forensiker mit Sicherheit.«

Dann geht er an den Tatort, um diesen zu begutachten.

Am Tatort wird er freundlich von Frau Doktor Schall-Berger mit den Worten begrüßt: »Moin Kojambo, wir sehen uns ja ziemlich häufig in letzter Zeit«, wohl auch ein wenig auf ihre weit mehr als nur berufliche Beziehung anspielend.

»Okay, der Körpertemperatur nach ist das Opfer schon länger als sechs Stunden tot. Seine Schädelplatte wurde durch stumpfe Gewalteinwirkung zertrümmert. Das Tatwerkzeug ist wohl dieser Gegenstand hier, wahrscheinlich zum Fische erschlagen, wenn diese gefangen werden. Dann ist da noch dieser Eisenhaken in seinem Hals, der die Hauptschlagader durchtrennt hat, mit einhergehendem starkem Blutverlust. Was jetzt ausschließlich zum Tod geführt hat, kann ich noch nicht sagen. Dafür muss ich ihn erst auf meinem Tisch haben. Ich denke, du kannst morgen so gegen zehn Uhr zu einer Tasse Tee in die Kriminaltechnik kommen, dann kann ich dir mehr sagen. Übrigens, beim Toten haben wir so einen blauen Angelausweis mit Lichtbild gefunden. Da steht drauf, dass er Klaus Janzen heißt, wohnhaft in Wittmund, Friesengang fünfzehn. Also bis morgen früh, es sei dann wir zwei machen noch etwas zusammen heute Abend.«

Der Hauptkommissar lächelt Frau Doktor Schall-Berger an und sagt dann: »Angelika, ich würde gerne heute Abend noch ein wenig mit dir spazieren gehen, aber du weiß doch selbst, dass wir beide nicht sagen können, wie lange das heute alles dauert. Das verschieben wir besser aufs Wochenende. So, ich kann hier eh nichts mehr machen, ich komme dann morgen früh zu dir. Ach, Oberkommissar Heidenreich bringt dir gleich noch eine DNA-Probe von der Frau, die ihn hier gefunden hat. Die braucht du sicher.«

Dann entfernt er sich nachdenklich vom Tatort, steckt sich dabei erst einmal eine seiner filterlosen Zigaretten in den linken Mundwinkel und steckt diese an. Als er am Rettungswagen ankommt, wo die Frau gerade vom dem seelsorgerischen Dienst versorgt wird, sagt er nur noch zu seinem Team:

»Besprechung nach der Mittagspause, Heidenreich, denken Sie daran, der Frau Doktor die DNA-Probe zu geben. Frau Kralle, Sie beide halten hier die Stellung und fahren dann mit einer der beiden Streifenwagenbesatzungen zurück zum Kommissariat. Ich fahr dann schon mal zurück, ich kann hier eh nichts mehr machen. Also, dann bis um dreizehn Uhr.«

Dann steigt er in den alten Dienstwagen und entfernt sich vom Tatort in Richtung Wittmund.

Kapitel 2

Pünktlich um dreizehn Uhr sitzen der Oberkommissar Heidenreich und seine Kollegin, die Hauptkommissarin Kralle am Besprechungstisch ihres Chefermittlers, des ersten Hauptkommissars Kubischenko. Dieser kommt dann auch einige Minuten später, stark nach Zigarettenrauch riechend, dazu und entschuldigt sich sofort für sein Zuspätkommen.

»Moin und sorry für meine Verspätung«, sagt er sofort. »Ich hatte noch kurz etwas zu erledigen.«

Das bringt natürlich sofort ein Lächeln auf die Lippen seiner Teammitglieder. Wissen doch alle dort Anwesenden, dass er einmal wieder seiner Tabaksucht frönen musste. Dann redet er weiter.

»Ich sehe, jemand hat sich die Mühe gemacht und uns einen guten Kaffee eingeschenkt. Aber mit dem Kaffeetrinken ist es heute wohl ein wenig verhext. Erst gibt es keinen zum Frühstück, weil wir noch vor Dienstbeginn zu einem Tatort mussten und jetzt müssen wir ihn leider auch stehen lassen, da uns Staatsanwalt Rupens sofort nach unserer Mittagspause sehen möchte. Ich hatte ihn vorhin schon angerufen und ihn über den neuen Fall informiert. Er meinte, er müsse deshalb noch mit dem Innenministerium telefonieren, aber wir sollen sofort nach der Pause auf seiner Matte stehen. Also, schnell einen kurzen Schluck aus der Tasse und dann sofort ab.«

Leider müssen die drei Ermittler wieder die Treppe ins Obergeschoss nehmen, da der alte Aufzug ausgebaut ist.

»Mist«, sagt der erste Hauptkommissar. »Der neue Aufzug ist noch nicht da. Ich dachte, der sollte schon längst eingebaut sein. Bewilligt worden ist der doch, haben die wenigstens bei der letzten Alko, ich meine natürlich Abteilungsleiterkonferenz gesagt. Wahrscheinlich steckt der in einem der Container, die in Hongkong wegen Corona nicht abgefertigt werden können. Mal sehen, ob der noch vor meiner Rente eingebaut wird. Na wenigstens ist der alte Schrottaufzug schon weg. Der hat ja nie funktioniert.«

Ein wenig außer Puste betreten die Drei das Büro des Staatsanwaltes Rupens, natürlich ohne anzuklopfen. Wie immer sagt nur der junge Oberkommissar Heidenreich zaghaft »Moin«. Der Staatsanwalt ist gerade dabei, die letzten Pommes frites von einer der vielen Pappschalen, die auf seinem Schreibtisch liegen, zu essen und schaut die Drei beim Kauen ein wenig verstört an. Dann schaut er demonstrativ auf seine Uhr und sagt noch mit halbvollem Mund:

»Ah ja, endlich. Wurde auch Zeit. Zuerst einmal, seit wann entscheiden Sie, Herr erster Hauptkommissar Kubischenko, welches Kriminalteam einen Fall übernimmt? Das mache ja wohl immer noch ich. Ich wünsche mir in Zukunft solche eigenmächtigen Entscheidungen nicht mehr, ist das klar?«

Aber der erste Hauptkommissar Kubischenko tut so, als wenn er diese Äußerung gar nicht gehört hat, denkt sich aber, wünschen darf der sich alles und um noch einen daraufzusetzen, geht er zu einem der Bürofenster und öffnet es mit den Worten: »Sorry, Herr Staatsanwalt, aber hier riecht es wie in einer Pommesbude. Ich muss mal ein Fenster öffnen.«

Mit gekräuselter Stirn, ohne auf Kubischenko einzugehen, redet der Staatsanwalt dann weiter: »Heidenreich, was zum Teufel machen Sie um diese Zeit an solch einem Ort und warum sind Sie schon wieder dabei, wenn eine Leiche gefunden wird? Das sollten Sie mir wirklich mal erklären.«

Etwas stotternd antwortet der junge Oberkommissar: »Herr Staatsanwalt, Sie wissen doch, dass mein Hobby die Ornithologie ist. Ich interessiere mich besonders für unsere Wasservögel. Im Wasservogel-Internetforum hatte ich gelesen, dass sich an der Stelle, wo die Leiche gefunden wurde, ein Haubentaucher-Pärchen wohl zum Paaren eingefunden hat. Das sind wirklich sehr interessante Vögel. Sie gehören anders als die meisten unserer Wasservögel zu den Lappentauchern, weil sie nicht diese typischen Schwimmhäute an den Füßen haben, wie die meisten Wasservögel hier, sondern lappenartig verbreiterte Vorderzehen und ich glaube, er ist sogar die größte Art ihrer Gattung hier. Viele kennen diesen Vogel nur, weil sie schon einmal von ihrem sogenannten Pinguin-tanz während der Balzzeit gehört haben oder weil sie ihre Küken auf dem Rücken tragen. Die Balz, in der man immer wieder ihre Kraorrr-Rufe hört, ist aber viel umfangreicher. Da ist erst das Kopfschütteln, gefolgt vom Scheinputzen und dann kommt das Präsentieren von Nistmaterial und endet dann in den Geister-, Pinguin- oder Katzenposen …«

»Stopp«, unterbricht ihn der Staatsanwalt. »Ich will gar nicht wissen, was dann passiert. Dafür schon vor Dienstbeginn an einen Fluss zu fahren, ist mir eigentlich unverständlich. Wenn Sie Jäger wären und dahin fahren würden, weil sie einen guten Braten haben wollten, dann könnte ich das ja noch verstehen. Na ja, aber das ist ja Ihre Privatsache.

Warum habe ich Sie zu mir bestellt? Als Herr Kubischenko mich über den Leichenfund informiert hat, sind bei mir sofort alle Lampen angegangen. Es gibt eine Verschlusssache des Innenministeriums, aus der hervorgeht, dass im Falle solch eines Leichenfundes sofort das Ministerium zu informieren ist und dass absolut keine Informationen nach außen gelangen dürfen. Da ist absolute Nachrichtensperre angesagt. Dafür sind Sie verantwortlich, Herr erster Hauptkommissar Kubischenko, ist das klar?«

Leider wartet er vergeblich auf eine Antwort oder ein Kopfnicken. Stattdessen schaut ihn der Chefermittler einfach nur weiter emotionslos an.

Dann fährt der Staatsanwalt fort: »Wissen Sie eigentlich, wie viele Angler als Touristen in unsere Region zum Angeln kommen? Wenn die ausbleiben würden und es spräche sich herum, dass unsere Angelplätze nicht sicher sind, ja man sogar um sein Leben fürchten müsste, nicht auszudenken. Dann würden auch sicher die EU-Fördergelder nicht mehr so fließen, wie sich das unser Innenministerium wünscht. Also, ich fasse mich kurz. Der Staatssekretär des Innenministers hat mich beauftragt, sofort eine Sonderkommission einzurichten. Natürlich hat er darauf bestanden, dass Sie und Ihr Team, Herr Kubischenko, diese Kommission bilden. Der hat ja, wie wir alle wissen, einen Narren an Ihrem Team gefressen. Das zeigt auch, dass wir im Moment Gelder für alles Mögliche bekommen, auch wenn ich mit der Antragstellung sehr viel Arbeit hatte. Ab sofort sind Sie von allen anderen Aufgaben freigestellt und nennen sich SoKo Fischermann