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Der neue Fall des Kriminalteams, den der Erste Hauptkommissar Kubischenko mit seinem Team lösen muss, führt wieder an die bekannten Orte an der friesischen Nordseeküste und den vorgelagerten Nordseeinseln. Viele Nordsee-Urlauber werden sich deshalb beim Lesen dieses spannenden Kriminalromans in ihren Gedanken an den verschiedenen Tatorten wiederfinden. Nach dem Scheitern eines Sonderkommandos der Kriminalpolizei scheint sich die neue Innenministerin an die Ratschläge ihres Vorgängers zu erinnern und übergibt diese ungelösten Fälle an das Team aus Wittmund. Schließlich geht es um Morde an Feuerwehrleuten der freiwilligen Feuerwehr. Dass gerade diese Menschengruppe, die oftmals ihr Leben für die Menschen von Niedersachsen riskiert, Opfer eines Serientäters oder einer Serientäterin werden, ist für unsere Gesellschaft nicht hinnehmbar. Doch wird die neu eingerichtete SOKO "Eingescharrt" mehr Erfolg haben als ihre Vorgänger? Eins ist sicher: Es wird nicht einfach werden, und die Lösung des Falles ist auf keinen Fall garantiert, zumal es auch zu Rückschlägen kommt. Dies ist der fünfte Kriminalroman aus der Serie der Friesland-Krimis von Siegfried Mau. Deshalb wird die Spannung und Unterhaltung wohl garantiert sein.
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Seitenzahl: 211
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
http://dnb.ddb.de abrufbar.
Hergestellt in Deutschland • 1. Auflage 2024
© Heimdall Verlag, Devesfeldstr. 85, 48431 Rheine,
www.heimdall-verlag.de
© Alle Rechte beim Autor: Siegfried Mau
Satz und Produktion: www.lettero.de
Coverbild: © www.lettero.de
Gestaltung: © Matthias Branscheidt, 48431 Rheine
ISBN: 978-3-946537-80-9
Weitere Bücher
als E-Book, Print- und Hörbuch unter:
www.heimdall-verlag.de
www.meinaudiobuch.de
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Zum Buch
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Zum Buch
Der neue Fall des Kriminalteams, den der Erste Hauptkommissar Kubischenko mit seinem Team lösen muss, führt wieder an die bekannten Orte an der friesischen Nordseeküste und den vorgelagerten Nordseeinseln.
Viele Nordsee-Urlauber werden sich deshalb beim Lesen dieses spannenden Kriminalromans in ihren Gedanken an den verschiedenen Tatorten wiederfinden.
Nach dem Scheitern eines Sonderkommandos der Kriminalpolizei scheint sich die neue Innenministerin an die Ratschläge ihres Vorgängers zu erinnern und übergibt diese ungelösten Fälle an das Team aus Wittmund. Schließlich geht es um Morde an Feuerwehrleuten der Freiwilligen Feuerwehr. Dass gerade diese Menschengruppe, die oftmals ihr Leben für die Menschen von Niedersachsen riskiert, Opfer eines Serientäters oder einer Serientäterin werden, ist für unsere Gesellschaft nicht hinnehmbar.
Doch wird die neu eingerichtete SoKo »Eingescharrt« mehr Erfolg haben als ihre Vorgänger? Eins ist sicher: Es wird nicht einfach werden, und die Lösung des Falles ist auf keinen Fall garantiert, zumal es auch zu Rückschlägen kommt.
Dies ist der fünfte Kriminalroman aus der Serie der Friesland-Krimis von Siegfried Mau. Deshalb wird die Spannung und Unterhaltung wohl garantiert sein.
Anmerkung: Alle Namen sind frei gewählt und erfunden und haben keinen Bezug zu lebenden Personen. Auch hat sich der Kriminalfall so nie ereignet und alle Orte wurden rein zufällig ausgewählt. Wieder liegen die Schauplätze im Norden von Deutschland und der Kriminalroman ist angelehnt an die vier vorherigen Bücher »Das doppelte Venussymbol«, »Der Zahn des Wolfes«, »Straßentod« und »Gegafft«, wobei es sich aber jedes Mal um abgeschlossene Episoden handelt.
Auch hier schafft es der Autor Siegfried Mau, Jahrgang 1958, den Leser wieder an bekannte Orte entlang der Nordseeküste mitzunehmen und sich in die Ereignisse hineinzuversetzen.
Kapitel 1
»Oh, was für ein herrlicher Frühsommertag«, sagt der junge Oberkommissar Heidenreich zu seiner Freundin Marisella. »Endlich mal ein paar Tage ausspannen und einfach nur am Strand sitzen und aufs Meer schauen. Mann, wir haben es schon gut. Warum machen wir das eigentlich nicht öfter? Spiekeroog ist doch wirklich nur ein Steinwurf von Wittmund entfernt. Außerdem kann ich hier wunderbar Wasservögel beobachten. Schau mal, auch das ist ja wohl ein super Glücksfall. Der eingezäunte Bereich dort. Den Zaun hat der Nationalpark-Ranger aufgestellt, um das Sandregenpfeiferpaar, welches dort brütet, vor freilaufenden Hunden zu schützen. Das sind wirklich seltene Vögel. Manche Hundebesitzer sehen es einfach nicht ein, dass sie in der Brutsaison ihre Hunde anleinen sollen, und schon ist so ein Gelege zerstört. Dabei gibt es doch auf den meisten Inseln einen Hundestrand, und der von Spiekeroog ist ganz in der Nähe und auch noch besonders schön, finde ich wenigstens. Aber zum Glück sind ja nicht alle Hundebesitzer gleich. Mal sehen, vielleicht habe ich ja in den fünf Tagen, in denen wir hier Urlaub machen, die Gelegenheit, mal mit dem Ranger zu sprechen. Der kann mir bestimmt einen Rat geben, wo ich hier am besten Vögel beobachten kann, wenn du mich dann ein paar Stunden entbehren kannst.«
»Du und deine Vögel«, antwortet seine Freundin Marisella. »Kannst du nicht mal einfach nur so am Strand sitzen, dir die Sonne auf die Haut scheinen lassen und die Seele baumeln lassen? Lies doch einfach mal ein Buch und genieße die Stille. Na ja, richtig still ist es ja gerade nicht. Die Jungs, die dort herumtollen, sind schon ein wenig laut. Gut, dass es gleich in den Jugendherbergen Mittagessen gibt. Dann ziehen die bestimmt ab, und die Ruhe ist wieder perfekt. Ich verstehe da auch deren Betreuer nicht so ganz. Der Strand hier ist so riesig. Müssen die mit den Kiddies denn genau dorthin gehen, wo schon Leute liegen, die ihre Ruhe haben wollen? Na ja, das ist ja allgemein bekannt, dass Sozialarbeiter ein wenig anders denken als der Rest der Bevölkerung. Das merke ich schon an einer meiner Mitspielerinnen aus meinem Handballverein. Die arbeitet in einer Jugendeinrichtung. Die kann nicht mal sagen, das fand ich kacke. Sie würde höchstens sagen, den Konflikt müsste man von allen Seiten betrachten und sicher gibt es Argumente für beide Seiten, aber eventuell können wir ja gemeinsam daran arbeiten, dass so eine Konfliktsituation in Zukunft gar nicht erst wieder entsteht. Na ja, lieb ist sie aber trotzdem. Wir machen zwar immer Witze über sie, aber wir mögen sie eigentlich alle.«
Marisella hatte gerade zu Ende geredet, da standen drei von den Jungs vor dem Pärchen, und einer von ihnen sagte ganz unverblümt: »Kann mir mal einer von euch beiden sein Handy geben? Wir kriegen unsere erst immer nach dem Abendbrot wieder, weil unsere Betreuer meinen, wir würden sonst nicht richtig an den Gruppenaktionen teilnehmen und nur mit den Dingern rummachen.«
»Nein«, ist die prompte Antwort des Oberkommissars. »Mobiltelefone gibt man nicht so einfach aus der Hand und erst recht nicht an Unbekannte. Außerdem habt ihr ja eine ganz klare Anweisung von euren Gruppenleitern bekommen. Da kann ich euch absolut nicht helfen. Da könnte ich nur in einem absoluten Notfall eine Ausnahme machen. Da fragt mal besser den Betreuer, der gerade mit euch hier ist. Wo ist der eigentlich gerade?«
»Der holt gerade Getränke von der Strandbar für uns alle ab. Damit wir nicht austrocknen, oder wie er sagt dehydrieren oder so ähnlich. Aber ich glaube, es ist ein Notfall. Wir wollen nämlich die Polizei anrufen«, antwortet der Junge, der auch schon nach dem Handy gefragt hatte.
»Da habt ihr aber Glück. Ich bin von der Polizei. Was gibt es denn für ein Notfall?«, fragt Heidenreich neugierig nach.
»Wir haben nur so im Strandsand gebuddelt und dabei eine Hand, nein, besser gesagt, einen Teil von einem Toten ausgegraben, denn an der Hand scheint noch der ganze Körper dranzuhängen. Das wollen wir jetzt der Polizei melden, damit sie kommt. Aber leider haben wir ja kein Handy.«
Wie vom Blitz getroffen, springt der junge Oberkommissar von seinem Handtuch auf und bittet die Jungs, ihm doch den Fundort zu zeigen. Diese laufen sofort los, und der Oberkommissar folgt ihnen, bis sie am Fundort angekommen sind. Schon aus einiger Entfernung sieht er ein Stück des Arms und die Hand aus dem Sand herausragen. Er kniet sich sofort neben dem Arm nieder und versucht, etwas panisch, den Kopf des Körpers freizulegen, in der Hoffnung, noch ein Lebenszeichen feststellen zu können. Aber als der Kopf freigelegt ist, merkt er sofort, dass keine Atemtätigkeit mehr vorhanden ist. Auch die Überprüfung des Pulses am Hals der ziemlich blassen Leiche zeigt keinerlei Lebenszeichen mehr. Inzwischen knien und stehen ungefähr zwanzig Jungs um den Leichnam herum, ebenso einige Strandwanderer und weitere Personen, die zuvor ebenfalls die Sonne auf dem warmen Strand von Spiekeroog genossen haben.
Der junge Oberkommissar blickt auf, und dann schießt es ihm durch den Kopf: Mist, sollten Fundorte von Leichen nicht frei von Gaffern gehalten werden? Mann, da kriegt die Spurensuche aber wieder eine Krise. So viele DNA-Spuren, wie jetzt hier entstehen, können die niemals auswerten, geht ihm durch den Kopf. Er steht auf, schaut einmal in die Runde und sagt dann laut und bestimmt: »So, Herrschaften. Bitte alle fünfundzwanzig Meter zurücktreten. Mein Name ist Oberkommissar Heidenreich. Dies ist eine polizeiliche Anweisung. Dies gilt auch für die Kinder. Also, bitte zurücktreten. Und sollte ich sehen, dass hier irgendjemand auch nur ein Handyfoto macht, gibt es direkt eine Anzeige, und Ihr Handy wird beschlagnahmt. Ach, du Kleiner, der eben zu uns gekommen ist, sag doch mal bitte meiner Freundin, dass sie mir mein Handy bringen soll. Danach schickst du mal bitte euren Betreuer zu mir. Ich müsste unbedingt mit ihm reden.«
Kurze Zeit später steht seine Freundin Marisella mit seinem Handy neben ihm, schaut auf den teilweise ausgegrabenen Körper und sagt nur: »Nein, das ist doch nicht möglich. Das kann doch wirklich nicht sein. Musst du denn überall Tote finden? Es gibt zehntausende von Polizisten, aber ausgerechnet du musst immer wieder über irgendwelche Toten stolpern. Das kann doch nicht wahr sein. Na ja, dieser Tag ist wohl im Eimer.«
»Ich kann da wirklich nichts für. Ich habe die Leiche auch nicht gefunden, sondern wurde von den Jungs auf den Toten aufmerksam gemacht. Das ist ja wohl ein großer Unterschied«, versucht sich der Oberkommissar zu entschuldigen.
Dann fordert er die Leute, besonders die Kinder, die immer noch zu nah am Fundort der Leiche sind, erneut auf, endlich Abstand zu halten. Dieser eindringlichen Bitte scheinen aber einige nur widerwillig folgen zu wollen, obwohl Heidenreich jetzt sehr streng blickt und eindeutige Gesten macht. Dann hält er inne und überlegt kurz. Wie erreicht man eigentlich die Inselpolizei, und ist die Stelle hier auf der Insel überhaupt gerade besetzt? Welche Polizeiinspektion ist hier eigentlich zuständig?
Schließlich entschließt er sich, einfach die Zentrale seiner Polizeidienststelle in Wittmund anzurufen, deren Nummer er in seinem Mobiltelefon gespeichert hat.
Nachdem er die Nummer gewählt hat, meldet sich die Stimme eines Polizeibeamten, der freundlich fragt, wie er denn helfen könne.
»Ja, Moin, hier spricht Oberkommissar Heidenreich. Ich befinde mich gerade am Strand von Spiekeroog, allerdings nicht dienstlich, sondern ganz privat. Ich versuche mal, den Standort zu bestimmen. Von meinem Standort aus kann ich die Aussichtsplattform des Hauptstrandes sehr gut sehen, und wenn ich in die andere Richtung blicke, dann erkenne ich ein Volleyballnetz sehr deutlich.«
»Ja, Moin, Oberkommissar Heidenreich. Schön, dass Sie auch mal Urlaub machen, aber was ist denn jetzt der Grund für Ihren Anruf? Ist Ihnen vielleicht die Sonnencreme ausgegangen?«, fragt der Polizist der Leitstelle nach.
»Ach ja, ich möchte einen Leichenfund hier am Strand melden. Ich benötige Absperrpersonal und ein Spurensicherungsteam. Aber ehrlich gesagt, ich weiß nicht, wer hierfür verantwortlich ist. Die Verantwortlichen müssten Sie dann informieren.«
Am anderen Ende des Telefons hört er leises Gelächter und bekommt mit, wie der Kollege in den Raum hineinruft: »Hey, Jungs, der Kommissar, nein, er ist ja jetzt Oberkommissar, Bello hat wieder eine Leiche gefunden. Ich gehöre zu den Gewinnern.«
Diesen Spitznamen hat Heidenreich den Kollegen von der Schutzpolizei zu verdanken, weil er schon mehr Leichen gefunden hat, als der Polizeihund Bello von der Leichenspürhundestaffel.
Dann spricht der Kollege am anderen Ende aber wieder mit Heidenreich und sagt: »Herr Kollege, Sie kennen ja das Prozedere. Lassen Sie keine Schaulustigen an die Leiche heran. Ich schaue mal, wer verantwortlich ist. Ich melde mich sofort wieder bei Ihnen.«
»Ja, ist okay«, antwortet der junge Oberkommissar. Aber ihm ist klar, dass sein Kollege von der Schutzpolizei das mit den Schaulustigen nur gesagt hat, weil er bei dem Fund eines menschlichen Oberschenkels einmal nicht dafür gesorgt hatte, dass die Schaulustigen vom Fundort fernbleiben. Das werden ihm die Kollegen wohl noch in hundert Jahren nachtragen.
Inzwischen ist auch der Betreuer der Jugendgruppe zum Fundort der Leiche gekommen und betrachtet den leblosen Körper mit verzehrtem Gesichtsausdruck. »Da habe ich eben noch fast neben gesessen«, sagt er mit sehr blassem Gesicht zu Heidenreich. »Das ist ja richtig unheimlich. Aber Sie wollten mich sprechen?«
»Ja«, antwortet Heidenreich. »Gleich werden wohl Kollegen von mir kommen und die Untersuchungen einleiten. Ich müsste schon einmal Ihre Kontaktdaten und die Kontaktdaten Ihrer Jugendgruppe haben, weil ja einige Jungs aus Ihrer Gruppe die Leiche gefunden haben. Die Kollegen werden sicher noch Fragen an Sie haben.«
Der Leiter der Jugendgruppe greift in seine Brieftasche, holt eine Visitenkarte heraus und gibt sie Heidenreich. »Mein Name ist Jens Krüger. Ich arbeite für das evangelische Jugend- und Familienhilfswerk in Essen. Ich bin mit der Jugendgruppe im Evangelischen Jugendhof hier auf Spiekeroog untergebracht. Wir sind erst gestern angekommen. Also sind wir noch die nächsten fünf Tage hier.«
»Okay, ich muss meine Gruppe jetzt zum Mittagessen führen. Danach setze ich mich sofort hin und schreibe alle Kontaktdaten auf. Die bringe ich dann sofort hier zum Strand. Aber ich muss auch meinen Dienstgeber anrufen. Sicherlich müssen alle Eltern der Kinder über den Vorfall informiert werden, und sie müssen sicherlich auch zustimmen, dass Sie mit ihnen reden dürfen. Wenn ich noch helfen kann, dann rufen Sie mich bitte an. Meine Mobilnummer steht auf der Visitenkarte.«
Nachdem Heidenreich genickt hat, ruft Herr Krüger seine Jugendgruppe zusammen, und sie verlassen den Strand in Richtung ihrer Unterkunft.
Da klingelt auch schon sein Handy, und der Kollege von der Leitstelle meldet sich. »So, es gibt einen Inselpolizisten, Polizeihauptmeister Basjung. Der ist aber heute leider mit seinem Dackel Hubertus auf dem Festland und kommt erst mit der Abendfähre zurück. In Aurich meinten sie, er sei beim jährlichen Schießtraining. Für Spiekeroog ist die gemeinsame Polizeiinspektion Aurich-Wittmund zuständig. Deshalb können wir da tätig werden. Unsere Teams können aber auch erst mit der Abendfähre da sein, deshalb habe ich die Wasserschutzpolizei in Oldenburg um Unterstützung gebeten. Die schicken sofort zwei Polizeiboote nach Neuharlingersiel und nehmen dort das Spurensicherungsteam und einige Schutzpolizeibeamte zur Unterstützung auf. Das kann aber auch noch etwas dauern, weil gerade Niedrigwasser ist. Sie müssen also vor Ort erst einmal alles selbst regeln. Und bitte denken Sie daran, keine Gaffer an die Fundstelle heranzulassen. Wenn noch etwas sein sollte, dann melden Sie sich bitte wieder bei mir. Also, bis dann.«
Dann legt er auf, und Heidenreich ist auf sich allein gestellt.
Kapitel 2
Jetzt sitzt Oberkommissar Heidenreich schon über drei Stunden unweit des im Sand eingescharrten Körpers am Strand von Spiekeroog, den er anhand des Gesichts als männlich und unter dreißig Jahre alt einschätzt. Er hat den Körper jetzt mit seinem Handtuch abgedeckt, sehr zum Protest seiner Freundin. Sie hat ihm klargemacht, dass er es nicht wagen solle, dieses Handtuch wieder mit ins Hotel zu nehmen. Er könne es gleich in der nächsten Mülltonne entsorgen. Seine einzige Aufgabe scheint nun zu sein, irgendwelche Gaffer dazu aufzufordern, doch genügend Abstand zu halten und keine Fotos zu machen.
Marisella, seine Freundin, ist sogar zwischendurch ins Inseldorf gegangen, um sich ein Fischbrötchen zu kaufen, weil sie schon etwas Hunger hatte. Eigentlich hatten sie beim Frühstück abgesprochen, dass die beiden zu Mittag die Fischplatte für zwei Personen im Restaurant »Meeresfrüchtchen« bestellen würden, um mal wieder richtig Fisch zu genießen.
Aber das war wohl ein Satz mit X, das war wohl nix, denkt sie sich. Na ja, ein Fischbrötchen in der Hand ist besser als gar nichts.
Jetzt sitzt sie wieder auf ihrem Handtuch am Strand, liest in einem Buch und wartet auf das, was noch kommen mag.
Dabei hatte der junge Oberkommissar noch kurz gedacht, er könne den Tatort einfach übergeben und sich dann dezent aus dem Geschehen zurückziehen. Dieser Gedanke schien auch kurz aufzugehen, als etwa zwanzig Minuten nach seiner Alarmierung an die Leitstelle ein Hubschrauber der Wasserschutzpolizei in einiger Höhe über dem Wasser nahe der Fundstelle kreiste. Vom Strand aus signalisierte er durch Winkbewegungen mit seinen Armen, wo sich der Leichnam befand. Doch statt zu landen, drehte der Hubschrauber wieder ab und verschwand dann aus dem Blickfeld. Wahrscheinlich landet ein Hubschrauber in solchen Fällen nicht, um keinen Sand aufzuwirbeln und die Arbeit der Spurensicherung nicht noch mehr zu erschweren. Oder er kam nur, um die Koordinaten festzustellen, damit die Kollegen genau wissen, wo sie hinmüssen, denkt er so bei sich.
Es war zumindest eine kleine Erleichterung, dass der Betreuer der Jugendgruppe, Jens Krüger, inzwischen die Liste mit den Kontaktdaten seiner Schützlinge vorbeigebracht hatte. Er hatte sogar mitgedacht und die Namen der drei Jungs, die den Toten gefunden haben, mit einem Signierstift gelb markiert. So konnte Heidenreich sich wenigstens noch kurz mit ihm unterhalten, was die Wartezeit ein wenig verkürzte. Auch die Tatsache, dass er sich von seiner Freundin Marisella sein Fernglas hatte bringen lassen, mit dem er immer mal wieder zu der brütenden Sandregenpfeiferhenne in ihrem abgezäunten Gatter schaute – die eigentlich nur reglos auf ihrem Nest saß, ein Anblick, der für Nicht-Vogelliebhaber wohl eher unspektakulär ist –, sorgte bei ihm für etwas Zeitvertreib.
Dann endlich kam Bewegung in die Situation. Zuerst erschienen am Strand ein paar uniformierte Kollegen von der Schutzpolizei, die er durch Winken direkt zum Fundort lotste. Kurz darauf folgte eine ganze Schar von Kollegen der Spurensicherung und, überraschenderweise, auch sein Chef, der Erste Hauptkommissar Kubischenko, der von seinen alten Kollegen liebevoll Kojambo genannt wird, sowie seine Kollegin, die Hauptkommissarin Kralle.
»Moin, Oberkommissar Heidenreich«, begrüßt ihn sein Chef, während seine Kollegin, die Hauptkommissarin Kralle, gefühlt hundert Bilder der Umgebung und des sichtbaren Teils des Opfers macht. »So schnell sieht man sich wieder«, fährt er fort. »Sorry, dass wir erst jetzt da sind. Aber der Hafen liegt genau auf der anderen Seite der Insel. So ein Pech. Und es gibt nicht einmal eine Busverbindung. Es ist ja unglaublich, dass Sie schon wieder bei einem Leichenfund dabei waren, oder besser gesagt, ganz in der Nähe waren. Auf der Dienststelle in Wittmund lachen sich die Kollegen schon kaputt. Ihr Spitzname Oberkommissar Bello wird sich jetzt wohl verfestigen. Aber Kopf hoch, ich lebe auch schon lange mit meinem Spitznamen, nur weil ich wenig Haare habe, beim Nachdenken ein wenig den Kopf zur Seite halte und rauche, halt so wie ein bekannter Fernsehermittler. Aber jetzt erst einmal die unerfreuliche Nachricht: Der Staatsanwalt Rupens hat mich beauftragt, Ihnen mitzuteilen, dass er Ihren Urlaub mit sofortiger Wirkung storniert. Sie sollten eigentlich sofort mit uns zurückfahren, wenn wir hier fertig sind. Ich konnte aber noch für Sie aushandeln, dass Sie erst morgen Mittag die Fähre zum Festland nehmen, damit Sie hier Ihre Zelte in Ruhe abbrechen und noch einmal gemeinsam mit Ihrer Freundin frühstücken können. Ich habe das damit begründet, dass unsere Forensik sowieso erst die Autopsie an der Leiche machen muss. In Ihrer Haut möchte ich übrigens nicht stecken, wenn Sie das Ihrer Marisella erklären müssen. Aber wie hat der Staatsanwalt gesagt: ›Das ist ein Fall von übergeordneter Präsenz und äußerster Wichtigkeit für das Allgemeinwohl und eine intakte Gesellschaft‹ über deren Hintergründe er uns bei der Falleinweisung unterrichten wird, was wohl so viel heißt, dass wir den Fall an die Backen gehängt bekommen, obwohl wir ja über Arbeit nicht klagen können.«
Dann ruft er seine Kollegin Kralle herbei, die inzwischen die Schutzpolizei hinsichtlich der Absperrung instruiert hat. Sie begrüßt jetzt ihren Kollegen Heidenreich ebenfalls mit einem freundlichen »Moin« und die beiden lassen sich von den jüngeren Kollegen über den Sachverhalt informieren.
Anschließend trennen sich ihre Wege. Klaus Heidenreich geht mit gesenktem Kopf davon, um seiner Freundin die unerfreuliche Nachricht zu überbringen, dass sein Urlaub am morgigen Tag nach dem Frühstück endet. Der Erste Hauptkommissar Kubischenko und seine Kollegin, die Hauptkommissarin Kralle, begeben sich hingegen zum Tatort, um diesen genauer in Augenschein zu nehmen. Natürlich kann es sich die Hauptkommissarin nicht nehmen lassen, noch einmal gefühlt hundert Handybilder zu machen.
Dann nähert sich Kubischenko der Leiterin der Polizeiforensik, Frau Doktor Angelika Schall-Berger, zu der er eine mehr als freundliche Beziehung unterhält. Inzwischen wissen eigentlich alle Kollegen und Kolleginnen, dass die beiden ein Paar sind. Er fragt sie: »Na, Angelika, kannst du mir schon etwas über deinen ersten Eindruck sagen?«
Diese schaut ihn an, lächelt und antwortet dann mit freundlicher Stimme: »Sag mal, Kojambo, wir sind doch zusammen hier angekommen. Ein wenig Zeit müsstest du mir schon geben. Morgen Abend habe ich die Leiche obduziert, die wohl männlich ist und noch nicht einmal vollständig ausgegraben wurde. Auch sonst kann ich noch nichts zur Spurenlage sagen. Hier sind ja wohl jede Menge Menschen herumgelaufen, die den Tatort verunreinigt haben. Dazu liegt der Tote im Strandsand, wo ständig der Wind drüber weht und alle Spuren unsichtbar macht. Also, kein Spaß. Wenigstens hat Rupens noch dafür gesorgt, dass der Tote noch heute in unsere Forensik kommt. Normalerweise wäre die Leiche erst morgen früh in der Kühlkammer der Fähre nach Neuharlinger Siel gekommen und hätte dann noch vom Hafen aus zu uns überführt werden müssen. Aber Rupens hat durch Kontakte dafür gesorgt, dass wir den Leichnam nachher mit einem Seenotretter nach Harlesiel bringen lassen können und ein Bestattungsunternehmen ihn dann sofort zu uns in die Forensik bringt. Der Fall scheint ja doch sehr wichtig zu sein, wenn die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger sofort für so etwas ein Boot bereitstellt. Also, du kommst morgen Abend um siebzehn Uhr zu mir, und dann bekommst du alles, was wir herausgefunden haben, und sogar schon getippt als Bericht, dank unserer Sekretärin, die wir ja jetzt endlich haben. Also, dann bis morgen.«
Kubischenko sagt nur noch »Okay«, dreht sich um und wendet sich dann an seine Kollegin Kralle: »Frau Kralle, Sie regeln das hier. Wir sehen uns um achtzehn Uhr fünfzehn an der Fähre. Ich kann hier sowieso nichts mehr ausrichten. Ich gehe zurück in den Hafen, um die Rückfahrten für alle zu buchen und zu schauen, ob der Seenotrettungskreuzer schon eingetroffen ist. Dann kümmere ich mich auch darum, wer den Sarg des Toten in den Hafen bringen kann. Sollte ich früher fertig sein, erkunde ich das Dorf und gönne mir noch einen leckeren Kaffee, obwohl ich nicht glaube, dass sie den hier so gut hinbekommen wie Sie. Hier wohnen bestimmt nur Teetrinker, wie im Rest von ganz Nordfriesland. Also, bis dann.«
Kaum hat er die letzten Worte ausgesprochen, steckt er sich auch schon eine seiner filterlosen Zigaretten in den Mundwinkel, zündet sie an und macht sich auf den Weg zum Hafen, um die geplanten Aufgaben zu erledigen.
Kapitel 3
Pünktlich um achtzehn Uhr fünfzehn sind alle Polizeibeamten an der Fähre im Hafen von Spiekeroog versammelt und besteigen das Boot. Der Sarg mit dem Leichnam hatte den Hafen bereits mit dem Seenotrettungskreuzer verlassen. Glücklicherweise konnte der Erste Hauptkommissar Kubischenko arrangieren, dass die freiwillige Feuerwehr der Insel den Sarg vom Strand zum Schiff der Seenotretter transportiert hat. Er war ziemlich beeindruckt von der Schnelligkeit, mit der so etwas möglich ist. Am Ticketschalter der Fähre hatte er den Schalterbeamten lediglich kurz gefragt, wie sie es handhaben würden, einen Sarg vom Strand zum Hafen zu bringen. Natürlich wollte der Mitarbeiter am Schalter zunächst wissen, was geschehen sei, obwohl sich die Nachricht über das Ereignis auf der Insel längst verbreitet hatte. Nachdem Kubischenko bestätigt hatte, was der Schalterbeamte bereits gehört hatte und seine Erleichterung darüber ausdrückte, dass nun ein im Fall beauftragter Polizist die ganze Geschichte bestätigte, griff dieser zum Telefon. Es dauerte nur etwa zwanzig Minuten, bis ein Fahrzeug der freiwilligen Feuerwehr mit fünf Feuerwehrleuten im Hafen bereitstand, und der Wehrführer ließ sich vom Ersten Hauptkommissar in die Situation einweisen.
Er brauchte seine Kollegin Kralle nur noch kurz per Telefon darüber zu informieren, dass der Trupp gleich den Leichnam übernimmt. Überrascht war er von der Frage, ob die Leiche denn schon eingesargt sei, oder ob sie vorher einen Zinksarg vom Insel-Bestatter holen müssten. Diese Frage konnte er nicht beantworten. Deshalb rief er auch sofort seine Freundin, Frau Doktor Angelika Schall-Berger, an. Diese war ebenfalls erstaunt, dass sie gar keinen dabei haben, und antwortete, dass sie den Toten notfalls in einem Leichensack transportiert hätten, der zu ihrer Ausstattung gehört. Einen Sarg bringen sonst immer nur die Bestattungsunternehmer mit, die mit dem Transport der Leiche zur Forensik beauftragt sind. Dass sie hier auf einer Insel sind und der vertragliche Bestatter erst mit Fahrzeug und Sarg auf einer Fähre hätte anreisen müssen, daran hatte auch bei der Forensik keiner gedacht. Nun ja, auf dem Festland scheint alles um einiges leichter zu sein, selbst das Sterben.
Aber das war jetzt ebenfalls kein Problem mehr, denn der Wehrführer wollte dann den Sarg direkt vom Bestatter holen, der übrigens auch ein Mitglied der freiwilligen Feuerwehr ist. Die Rechnung schickt er dann zu ihrer Polizeiinspektion nach Wittmund. Unterschreiben brauchen sie nichts. Hier auf der Insel geht alles nach Treu und Glauben. Und schon gab er den Befehl zum Aufsitzen und verschwand mit dem Feuerwehrfahrzeug in Richtung Friedhof, wo der Bestatter sein Materiallager hat.
Na ja, da werde ich wohl wieder eine seitenlange Begründung schreiben müssen, warum der Sarg nicht von dem Vertragsbestatter aus Wittmund zur Verfügung gestellt wurde, und wahrscheinlich kann ich mir dann wieder das Geschwafel von unserem übergewichtigen Staatsanwalt Rupens anhören, dass ich mich jetzt zum wiederholten Male über geltende Verordnungen hinweggesetzt habe und er so etwas in Zukunft auf keinen Fall mehr dulden werde und letztendlich alles nur auf ihn zurückfallen würde, was seiner Karriere bestimmt nicht dienlich ist. Aber das geht mir, auf Deutsch gesagt, wie immer, links am Arsch vorbei. Das ist einfach nur das Gelaber von Vorgesetzten, die zur Gattung der Schnecken gehören: Kein Rückgrat und enorm langsam, wenn es um eigene Entscheidungen geht, denkt der Erste Hauptkommissar noch so für sich. Aber das alles scheint ihm so ziemlich egal zu sein.
Mit nur sieben Minuten Verspätung legt die Fähre dann auch ab, und das Team der Polizei hat endlich mal die Gelegenheit, sich ein wenig zu entspannen und einfach nur die Ausfahrt der Fähre aus dem Hafen zu genießen. Die Hauptkommissarin Kralle sitzt ihrem Chef an einem Fensterplatz der Spiekeroog Zwei gegenüber, und es dauert ein wenig, bis sich ein Gespräch entwickelt, weil beide ein wenig in sich selbst versunken sind. Die Ruhe der Insel scheint sich jetzt doch auf sie abzufärben.
