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Trading kann eine anstrengende und nervenzerrende Tätigkeit sein, die viele mentale und emotionale Fallen bereithält. Mitunter gilt die Tradingpsychologie daher als noch wichtiger für den Erfolg, als jede Handelsstrategie. Was wäre also, wenn es einen Trading-Lehrer gäbe, der weiß, wie man diese Fallen vermeidet, und der jedem lehren könnte, von einem Ort der inneren Ruhe und des Seelenfriedens aus zu traden? Peter Castle handelt seit fast 30 Jahren erfolgreich an den Finanzmärkten. Aber er ist auch ein Zen-Mönch. Seine einzigartige Perspektive gibt ihm einen unvergleichlichen Einblick darin, wie die Weisheit des Zen dazu befähigen kann, den Geist zu beherrschen und so als Trader an den Märkten erfolgreich zu sein. Dabei stützt sich Castle nicht auf kryptische esoterische Zitate sondern nutzt seine jahrzehntelange Erfahrung und zahlreiche Beispiele aus dem wirklichen Leben. Er lehrt den Leser, wie man ·Ablenkungen einschränkt und die Aufmerksamkeit fokussiert ·sich von problematischen Emotionen löst und sich selbst treu bleibt ·die unbegrenzten Möglichkeiten nutzt, die sich im beruflichen und privaten Leben bieten. Jeder der diesen Weisheiten folgt, kann ein Zen-Trader werden.
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Seitenzahl: 213
Veröffentlichungsjahr: 2023
PETER CASTLE
DER ZEN-TRADER
PETER CASTLE
DER ZEN-TRADER
Wie alte Weisheiten Ihren Geist und Ihr Portfolio ins Gleichgewicht bringen
FBV
Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen
Originalausgabe
1. Auflage 2023
© 2023 by Finanzbuch Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Türkenstraße 89
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Originally published in the UK by Harriman House Ltd in 2022, www.harriman-house.com.
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Übersetzung aus dem Englischen von Silvia Kinkel.
Redaktion: Ulrich Wille
Korrektorat: Petra Sparrer
Umschlaggestaltung: Karina Braun in Anlehnung an das Original-Design von Harriman House
Umschlagabbildungen: Shutterstock: shutter_tonko, Alex Tsuper, My Life Graphic, Smith1979; DesignCuts: Greta Ivy; CreativeMarket: Ramey Type Foundry
Satz: Röser MEDIA GmbH & Co. KG, Karlsruhe
eBook by tool-e-byte
ISBN Print 978-3-95972-638-2
ISBN E-Book (PDF) 978-3-98609-222-1
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-98609-223-8
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Dieses Buch möchte ich meinen Eltern widmen.
Meiner Mutter, Rona Mary Castle, die schon früh erkannte, dass sie ihre Rolle als Mutter am besten erfüllte, indem sie mir vertraute und mich der Mensch sein ließ, zu dem ich werden wollte. Und meinem Vater, Kevin Charles Castle, der mir – obwohl konservativ, streng und misstrauisch gegenüber dem Aktienmarkt – 1999 zu Weihnachten das Buch Market Wizards schenkte und als Widmung hineinschrieb:
Für Pete,
mögest du eines Tages ein Market Wizard sein.
In Liebe, Dad
INHALT
VORBEMERKUNG
VORWORT
EINLEITUNG
1 DIE ZWEI HINDERNISSE FÜR IHREN TRADING-ERFOLG
2 ZEN IST DIE LÖSUNG FÜR DAS ZWEITE HINDERNIS
3 LOGISCHE HINDERNISSE
4 BUDDHA HATTE EIN SYSTEM
5 EMOTIONALE ANHAFTUNGEN ERKENNEN
6 DAS ZEN-GEHEIMNIS DER NICHT-ANHAFTUNG
7 DAS ZIEL VON ZEN
8 ACHTSAMKEIT ALLEIN IST NICHT ZEN
9 KONTROLLE HABEN UND ANGST UNTERDRÜCKEN IST KEINE LÖSUNG
10 DAS ZEN-SYSTEM FÜR SEELENFRIEDEN UND PROFIT
11 MEDITATION, DIE WICHTIGSTE REGEL DES ZEN-SYSTEMS
12 SEELENFRIEDEN MESSEN
13 IDENTITÄT, DAS ICH UND DAS EGO
14 ICH WILL GELD – KEIN ZEN
15 IHR ZUM GELDVERDIENEN ERFORDERLICHER ZEITPLAN
16 ZEN HAT DIE ANTWORT AUF NICHTWISSEN
17 EINFACHE ÜBUNGEN FÜR KOMPLIZIERTE PROZESSE
18 EIN ABSCHLIESSENDES WORT ZUR MEISTERSCHAFT
BIBLIOGRAFIE
DANKSAGUNG
HAFTUNGSAUSSCHLUSS
Peter Castle ist seit 27 Jahren Aktienhändler, davon 22 Jahre hauptberuflich.
Peter Castle (Taishin Shodo) ist auch ordinierter Zen-Priester.
In diesem Buch, seinem zweiten über Trading, erklärt Peter die Zen-Psychologie und ihre Relevanz für die Trading-Mentalität. Um erfolgreich zu traden und ein glückliches und erfülltes Leben zu führen, brauchen Sie innere Ruhe und Seelenfrieden. Dann haben Sie die Basis, um zu verstehen, was es bedeutet, wirklich eins zu sein mit dem Markt.
Nachdem er viele Jahre in Asien (Vietnam, Thailand, Taiwan und Japan) den Buddhismus studierte und zwei Jahre lang in einem Kloster lebte, um dort die tibetanische Kadampa-Tradition zu erlernen, wurde Peter im Zen-Orden in der Tradition des Unendlichen Weges (Mugendo Zen Kai) als Zen-Priester ordiniert. Diese Tradition ist offiziell anerkannt und verbunden mit der Rinzai-Zen-Tradition Japans.
Ich habe wenig persönliche Erfahrung mit Zen. Zu meinem unmittelbarsten Kontakt mit Buddhismus kam es vor zehn Jahren, als sich ein benachbartes Reihenhaus in Manhattan als buddhistisches Kloster entpuppte. Ich besuchte ein paar seiner öffentlichen Veranstaltungen. Der »Chef« dort, ein Amerikaner, hatte ein Auto, eine Freundin, besaß eine Farm in einem Nachbarstaat, genoss sein Steak und seinen Wein. Sehr angenehme Leute, wenngleich weit entfernt vom Kanon der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams.
Als ich Peters Manuskript las, erkannte ich sofort, dass sein Schwerpunkt auf der Psychologie des Tradens liegt - dem wesentlichen Faktor für den Erfolg oder das Scheitern eines jeden Traders. Die entscheidende Rolle der Psychologie ist vielen erfahrenen Tradern und den meisten Anfängern nicht bewusst.
Die technische Seite des Tradens ist ziemlich einfach. Beim Analysieren der Märkte haben wir es mit lediglich fünf Zahlen für jeden Balken oder jede Kerze zu tun: dem Eröffnungs-, Höchst-, Tiefst- und Schlusskurs sowie dem Volumen. Eine Handvoll technischer Indikatoren hilft Ihnen, diese Zahlen zu analysieren und vernünftige Schlussfolgerungen darüber zu ziehen, ob ein Handel überhaupt infrage kommt, und wenn ja, ob er von der Long- oder Short-Seite aus erfolgen soll. Derlei Dinge kann ich jedem durchschnittlich intelligenten Menschen in weniger als einer Woche beibringen.
Eine solide Trading-Philosophie zu entwickeln, dauert sehr viel länger. Möglicherweise Jahre. Um sich die erforderlichen Denkweisen und Fähigkeiten anzueignen, gibt es verschiedene Wege. Sie müssen sich einen Weg aussuchen, der Sie emotional anspricht, und auf diesem bleiben. Peters Zen ist eine Möglichkeit.
In meinem ersten Buch schrieb ich darüber, wie man die Prinzipien der Anonymen Alkoholiker auf das Traden anwenden kann - vor allem, um Verluste zu vermeiden. In den vergangenen Jahren habe ich zunehmend betont, wie wichtig es ist, »Buch zu führen«, damit Sie aus Ihren Erfahrungen lernen können. Ich sage: »Zeige mir einen Trader mit sorgfältigen Aufzeichnungen und ich zeige dir einen erfolgreichen Trader.«
Auf einer Konferenz in Texas begegnete ich einer alten Dame, einer ehemaligen Schulbibliothekarin, die sich zu einer aktiven und äußerst erfolgreichen Traderin entwickelt hatte, nachdem sie in den Ruhestand gegangen war und geerbt hatte. Sie war sehr gläubig und betrachtete sich als Verwalterin des Gelds des Herrn. Vor einem Aktienhandel betete sie und wenn ein Handel sich auch nur geringfügig zu ihrem Nachteil entwickelte, stieg sie sofort aus, denn es »war nicht ihr Geld«, das sie riskierte.
Der Punkt ist, dass jeder erfolgreiche Trader seine Psychologie straff organisiert. Jeder von uns muss seinen Weg zum Erfolg finden. Mit der Entscheidung für Peters Buch gehen Sie einen entscheidenden Schritt in die richtige Richtung. Wenn Sie sein fesselndes und persönliches Buch lesen, werden Sie herausfinden, ob sein Zen-Ansatz auch für Sie der richtige Weg ist.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg
Dr. Alexander ElderSpikeTrade.comNew York, 2021
Dieses Buch wurde zu einem bestimmten Zweck geschrieben: Um die Methoden des Tradens mit den Zen-Techniken zu vergleichen und zu verbinden. Es geht darum, wie Sie durch das Integrieren von Zen in Ihr Trading und Leben nicht nur Ihre finanzielle Situation verbessern, sondern Ihr Wohlbefinden und Glück steigern.
Jedes Kapitel zieht Vergleiche zwischen Trading und Zen, demonstriert, inwiefern ein Zen-Ansatz Ihre Performance als Trader (oder Investor) steigern wird und mehr Wohlbefinden und Profit in Ihr Leben bringt.
Viele professionelle Händler reden über ihre Erfolgsstrategie. Diese kann zum Beispiel ein Trading-System sein, das auf mathematischer Wahrscheinlichkeit beruht. Eine andere Strategie macht sich Marktanomalien zunutze, bei wieder einer anderen werden nicht korrelierende Märkte gehandelt, um das Risiko zu streuen und die Volatilität zu reduzieren. Das sind nur drei Beispiele von vielen. Dieses Buch bietet Ihnen jedoch die beste Strategie von allen: eine Zen-Mentalität.
Ein Hauptziel meines Tradings bestand stets darin, so risiko- und problemlos wie möglich Geld zu verdienen, ohne komplizierte, zeitfressende Methoden.
Ein ebenso wichtiges Ziel war, möglichst stressfrei zu traden.
Und wie habe ich das als Vollzeit-Trader 20 Jahre lang geschafft? Zu überleben, Gewinn zu machen und nicht den Verstand zu verlieren? Nun, es ist mir gelungen, und andererseits auch nicht. Wenn sich das paradox anhört, ist es das vielleicht auch. Zen kann so sein.
Lassen Sie es mich erklären.
Einer meiner ersten Trading-Lehrer behauptete, dass sich viele Menschen aus den falschen Gründen zum Trading hingezogen fühlen. Ich nahm an, keiner dieser Menschen zu sein. Es folgte jedoch die Erkenntnis (leider sehr viel später, als mir lieb war), dass auch ich in diese Kategorie fiel.
Als aufstrebende Trader glauben wir, uns selbst gut genug zu kennen, aber viele von uns tun das nicht.
Derselbe Lehrer warnte mich, dass mich der Markt wie eine wärmesuchende Rakete anvisieren und jede emotionale Schwäche von mir aufspüren würde. Seine Meinung nahm ich als Herausforderung. Aber trotz einer Vorahnung glaubte ich ihm nicht. Im Nachhinein betrachtet war es eine meiner ersten Lektionen, einsehen zu müssen, dass ich mich längst nicht so gut kannte, wie ich dachte - und nicht auf meine Intuition hörte.
Als ich im Jahr 1995 mit dem Traden anfing, war ich körperlich fit, belesen, viel gereist, selbstsicher, erfolgreich in meinem Job und Besitzer einiger Immobilien. Trotz meines jungen Alters kannte ich mich gut genug, um zu wissen, dass Trading nicht vorrangig eine finanzielle und fachliche Herausforderung darstellte, - sondern vor allem eine emotionale. Ehrlich gesagt hatte ich keinen Schimmer, auf was ich mich da einließ.
Hauptberuflich zu traden, war taff. Ich begann im Januar 2000: Es war eine Feuertaufe. Im März 2000 stürzten die US-Tech-Aktien ab und trieben weltweit alle Märkte nach unten. Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 brachen die Märkte erneut ein und erholten sich nicht bis zum Jahr 2003, als die erste Bombe auf Bagdad fiel und der Irakkrieg begann.
Das war eine meiner ersten wichtigen Lektionen darin, dass die Märkte Unsicherheit hassen. Sobald die US-geführte Koalition entschied, in den Irak einzumarschieren, und damit eine große politische Unsicherheit beseitigte, stiegen die Märkte wieder. Von da an ging es für die Märkte nach oben, bis im Jahr 2007 die ersten Subprime-Gerüchte aufkamen, die ihren Höhepunkt im Crash der globalen Finanzkrise von 2008 fanden. Ich verpasste den frühen Marktaufschwung von 2003 bis 2005, es gelang mir jedoch, einen großen Teil der Börsenrally zwischen 2006 und 2007 mitzunehmen.
Während der Höhen und Tiefen fuhr ich gelegentlich Gewinne ein und überlebte. Aber ich weiß noch, dass ich oft dachte: »Wenn jemand weiß, was er macht, kann er an der Börse viel Geld verdienen.«
Etwa um diese Zeit begann ich mich zu fragen, warum ich mich nicht an meine Systeme halten konnte oder wollte. In mein Trading hatten sich schlechte Gewohnheiten eingeschlichen. Ich war ein guter Analyst, ein visueller und kreativer Mensch, konnte mir Dinge wie Chartmuster, die Volatilität oder das Kursverhalten einer Aktie einprägen und erkannte, dass viele Trends auf dieselbe Art und Weise einsetzen. Aber ich konnte einfach nicht bei einer Strategie bleiben. Ständig änderte ich meine Meinung, suchte nach anderen Techniken und Methoden. Hatte ich eine Methode entwickelt, dann ließ ich mich leicht von ihr ablenken, um sie später doch wieder aufzugreifen und festzustellen, wie gut sie sich bewährt hätte.
Die Analyse war nicht das Problem; meine Entscheidungen resultierten in einer guten Gewinnquote. Einmal, als ich mehrere Monate lang eine Trading-Strategie verfolgte, bei der ich mit Optionen handelte, verdiente ich trotz einer Gewinnrate von 90 Prozent kein Geld, einzig und allein wegen meiner mangelnden Disziplin beim Erteilen von Verkaufsaufträgen. Schlechte und widersprüchliche Modelle bei der Bestimmung der Trade-Größe waren auch nicht hilfreich. Das Problem lag tiefer und ich war entschlossen, es zu finden.
Auf meiner Reise als Trader stieß ich auf einen ungewöhnlichen Wegweiser: die Anonymen Alkoholiker.
Anfang 2003 zog ich in ein Häuschen auf dem Land und begann, es zu renovieren. Ich war müde, frustriert, deprimiert und brauchte dringend eine Pause vom Börsenhandel. Während ich das Haus strich, hörte ich den Lokalsender im Radio und es lief immer wieder Werbung für die Treffen der Anonymen Alkoholiker. Ich musste an die Empfehlung des Trading-Coachs Dr. Elder denken, an so einem Meeting teilzunehmen (obwohl ich sicher war, kein Alkoholiker zu sein). Meine kurze Verbindung mit den Anonymen Alkoholikern war meine erste echte spirituelle Erfahrung, denn dort lernte ich, dass es sich bei dem Zwölf-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker um eine spirituelle Methode der Rehabilitation handelt. Mir wurde klar, was Dr. Elder mir beizubringen versucht hatte. Ich hatte ein paar Probleme, an denen ich arbeiten musste - und mein Hauptproblem war meine Abhängigkeit vom Markt und dem Traden.
Ich war zwar kein Alkoholiker, aber ein Spieler.
Und dann fiel mir eine Eigenart bei den Trading-Coachs und vielen anderen auf, über die ich las. Dr. Elder war ein Fan der Anonymen Alkoholiker und ihrer spirituellen Botschaft. Ed Seykota, bestens bekannt für seine Vorgehensweise, dem Trend zu folgen, widmete viele Seiten seiner Website seiner persönlichen Art von Spiritualität, einer Mischung aus Buddhismus und amerikanisch-indianischen Philosophien. Mark Douglas’ Arbeit wurzelte in der fernöstlichen Philosophie und der modernen Psychologie, zum Ausdruck gebracht in seinem Buch Trading in the Zone1. Dr. Van Tharp war praktizierender Anhänger der Oneness-Organisation aus Chennai, Indien - einer in den spirituellen Traditionen des Hinduismus verwurzelten Organisation. In Australien sprach der Trading- und Anlage-Coach Colin Nicholson oft (wenn auch ohne unmittelbaren spirituellen Bezug) über die Notwendigkeit von Dankbarkeit, emotionaler Intelligenz und Belohnungsaufschub - allesamt spirituelle Konzepte alter Weisheiten.
Und dann gibt es da noch mich und mein Interesse an Zen. Was unterscheidet Zen nun von diesen anderen Denkweisen - insbesondere als Vorteil beim Traden?
Meiner Meinung nach stehen dem erfolgreichen Traden zwei Hindernisse im Weg. Zen kann beide beseitigen.
In meinem ersten Buch Mindful Trading using Winning Probability2 erklärte ich, wie sich diese beiden Hindernisse gestalten:
Trader haben kein Trading-System oder keine Trading-Methode.Wenn sie eine Methode haben, halten sie sich nicht daran.Mein erstes Buch widmete sich dem ersten Problem und erklärte detailliert eine sehr einfache Methode, dem Trend zu folgen. Dieses neue Buch schlüsselt das zweite Hindernis auf, das beinahe jeden Trader betrifft, und ein großes Hindernis für den Erfolg auf dem Börsenmarkt ist. Während dieses Prozesses werden wir tief in die Zen-Philosophie eintauchen und erforschen, warum man dieses wirkungsvolle Hilfsmittel unbedingt in seiner Trading-Werkzeugkiste haben sollte.
Aber wenn wir Zen als Trading-Werkzeug nutzen wollen, wie lässt sich das mit der Philosophie des Zen-Buddhismus in Einklang bringen, wo beides doch auf den ersten Blick scheinbar in völligem Widerspruch zueinander steht?
Meine Beweggründe, überhaupt mit dem Traden anzufangen, waren in erster Linie eigennützig. Ich hatte Ziele, die ich erreichen wollte, - und dazu brauchte ich Geld. Abgesehen vom Geld war einer der wichtigsten Beweggründe, dass ich nicht mehr so weiterleben wollte wie bisher. Ich war der täglichen Plackerei als Inhaber einer gut laufenden Kfz-Werkstatt müde und sehnte mich nach mehr Ausgewogenheit in meinem Leben. Mir war seit Beginn meiner Trader-Laufbahn bewusst, dass die ständige Weiterentwicklung meiner Persönlichkeit eine große Herausforderung sein würde. Spiritualität, Buddhismus und schließlich Zen wurden mir aus meinem Interesse und Wunsch heraus wichtig, mich als Persönlichkeit zu entwickeln. Mein Lebensweg - vom Verlassen des Privatinternats im Alter von 16 Jahren, um mich als Autolackierer selbstständig zu machen, dann Kleinunternehmer/Aktienhändler/Lehrer und schließlich ordinierter Zen-Priester - hat mich selbst vermutlich noch mehr als alle anderen überrascht.
Zu den vielen Gemeinsamkeiten zwischen Traden und Zen gehört auch, dass man denkt, sich auszukennen, sobald man etwas gelernt hat. Blickt man jedoch, möglicherweise erst viele Jahre später, auf diese Lektion zurück, erscheint sie plötzlich in einem ganz anderen Licht. Bevor ich dieses Buch veröffentlichte, gab ich es ein paar meiner erfahreneren Klienten zum Lesen. Das Feedback fiel einhellig aus: Zu ihrer Zeit als Anfänger hätten sie den Inhalt nicht so sehr geschätzt oder verstanden, wie sie es nun tun. Wenn Sie also Anfänger sind, sollten Sie, wenn Sie dieses Buch gelesen haben, später darauf zurückkommen und es erneut lesen. Wenn Sie als Trader schon einige Erfahrung haben oder sogar sehr erfahren sind, werden Sie zustimmend nicken und zudem auf neue Möglichkeiten und Erkenntnisse stoßen.
In diesem Buch wird oft davon gesprochen, innere Ruhe und Seelenfrieden zu erlangen. In der hektischen und zeitweise verrückten Welt, in der wir heutzutage leben, sind diese Eigenschaften selten geworden. Als ich dieses Buch geschrieben habe, befand sich die Welt mitten in der Covid-Krise - ein perfektes Beispiel dafür, wie unvorhersagbar und unsicher das Leben schnell werden kann. In meiner zwei Jahrzehnte währenden Tätigkeit als Trader, während der ich auch zehn Jahre lang als Trading-Lehrer tätig war, habe ich die Erfahrung gemacht, dass innere Ruhe und Seelenfrieden genau jene Eigenschaften sind, die den meisten Tradern fehlen. Als Zen-Praktizierender mache ich darüber hinaus die Erfahrung, dass diese Eigenschaften auch einigen derjenigen fehlen, die auf dem Zen-Weg unterwegs sind. Dieser Weg kann einfach sein, aber aufgrund unserer menschlichen Komplexität gestalten wir sowohl das Traden als auch Zen schwierig. Wir müssen die Dinge irgendwie vereinfachen.
Wir Menschen bringen unsere Stärken und Schwächen in jede Lebenssituation ein. Wie wir im Zen sagen: »Wohin du auch gehst, du nimmst deine Geisteshaltung immer mit.« Bis es Ihnen gelingt, in all dem Chaos, das Sie umgibt, die Ruhe zu bewahren, und Sie die Geistesgegenwart besitzen, entsprechend zu handeln, werden sich Ihnen seelisches Gleichgewicht und Profite immer wieder entziehen.
Wir leben in einer Welt voll unglaublichen Wissens und Ressourcen. Es gibt Tausende Bücher, Kurse, Coachs, Computerprogramme und Webinare über das Traden; die Liste ist nahezu endlos. An technischem Know-how herrscht kein Mangel.
Es gibt auch Tausende von Büchern über Mindset und Meditation. Psychologen und Psychiater haben Methoden und Selbstentwicklungskurse für Trading entwickelt. Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und sogar Aufputschmittel sind verfügbar, um den aufstrebenden Trader zu unterstützen.
Aber trotz alledem ist die Erfolgsquote der Trader weiterhin niedrig.
Ist das alles zu schwierig? Ist es überhaupt machbar? Oder suchen wir vielleicht alle an der falschen Stelle?
Ich tippe auf Letzteres. Dieses Buch wird das Traden mit Zen angehen: einer Denk- und Lebensweise, die bekannt ist für ihre Ruhe und Klarheit. Wenn erfolgreich zu sein bedeutet, erfolgreiche Methoden oder Persönlichkeiten zu erschaffen, dann ist das Entwickeln einer Methode, die zu innerer Ruhe und Seelenfrieden führt, genau das, was nötig ist, um ein guter Trader zu werden. Wir alle haben mit dem Traden angefangen, um mehr Möglichkeiten und Freiheiten in unser Leben zu bringen - und nicht mehr Leiden.
Die Parallelen zwischen Trading und Zen sind immens - sowohl persönlich als auch beruflich. Beides sind einfache Verfahren, aber nicht unbedingt einfach zu befolgen. Als Trader und auch als Menschen, die sich entwickeln und verbessern wollen, müssen wir uns Methoden ansehen, die funktionieren. Methoden, die wertvoll sind und sich langfristig bewährt haben. Zen ist eine solche Methode.
__________
1 Douglas, Mark (2000): Trading in the Zone: Master the Market with Confidence, Discipline, and a Winning Attitude, New York: Penguin.
2 Castle, Peter: Mindful Trading using Winning Probability, easy share trading, https://www.easysharetradingsystems.com.au/products-and-services/e-books/mindful-trading-using-winning-probability-download.
Meiner Meinung nach ist das Traden einfach, aber wir machen es schwierig. Wir machen es uns schwer, weil wir beim Streben nach Erfolg auf zwei Hindernisse stoßen. Ich erwähnte sie bereits in der Einleitung, aber sie sollten hier noch einmal wiederholt werden:
Trader haben kein Trading-System oder keine Trading-Methode.Wenn sie eine Methode haben, halten sie sich nicht daran.Wie in der Einleitung erwähnt, geht es bei vielen Trading-Methoden um Wahrscheinlichkeit, es werden oft Systeme mit festgelegten Regeln verwendet, um sich einen mathematischen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Dieser Vorteil muss nicht komplex sein. Er bedeutet lediglich, dass die Wahrscheinlichkeitsverteilung Ihrer Methode konstant mehr Profite als Verluste generiert. Ein rechnerischer Trading-Vorteil kann auf vielen verschiedenen Wegen erlangt werden und es gibt zahlreiche unterschiedliche Methoden, die einen Vorteil bieten. Für die meisten Händler reicht ein rechnerischer Vorsprung jedoch nicht aus, um das Problem zu überwinden, dass sie sich aufgrund ihrer starken Emotionen nicht an eine Methode halten.
Mein erstes Buch Mindful Trading using Winning Probability konzentriert sich auf Methode und Wahrscheinlichkeit und zeigt, wo die Vorteile eines robusten Trading-Systems liegen und warum. Das System hat eine Gewinnrate von etwa 50 Prozent und ein Gewinn-Verlust-Verhältnis von fast vier zu eins. Ein solches System werde ich zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Buch besprechen. (Ich rate Ihnen, jetzt nicht zu blättern, denn wenn Sie das tun, begehen Sie einen der typischen Fehler scheiternder Trader - Sie sind ungeduldig!). Da die gewinnbringenden Trades das Vierfache der verlustbringenden ausmachen, sollte für Sie ersichtlich sein, dass das System langfristig äußerst profitabel ist - wenn Sie dabei bleiben.
Viele Trader haben kein auf Wahrscheinlichkeiten basierendes System, sie beginnen mit dem Traden, ohne überhaupt eine vernünftige Methode zu haben. Vorzugsweise sollten sie eine Methode anwenden, die so einfach wie möglich ist und es angehenden Tradern ermöglicht, die ersten Schritte auf dem Weg zur Trading-Meisterschaft zu gehen. Den meisten angehenden Tradern wird zu Beginn ihrer Ausbildung keine einfache Methode beigebracht. Sie probieren häufig zu viele Methoden aus oder ihnen werden komplexe und verwirrende Methoden beigebracht, was das Beibehalten von Vorgehensweisen erschwert.
Ein Beispiel für ein einfaches Training findet sich in dem Film Karate Kid. Der japanische Kampfkunstmeister lehrt seinen Schüler, Autos zu polieren: Auftragen mit der einen Hand und Polieren mit der anderen Hand - ein scheinbar banaler und langweiliger Vorgang. Erst später, als er sich während eines Wettkampfs verteidigen muss, erkennt der Schüler, wie wichtig es ist, sich wiederholende und koordinierte Handbewegungen zu beherrschen.
Ich weiß aus meiner Trading-Erfahrung und durch das Beobachten von Kollegen und Schülern, dass viele Trader nicht nur Mühe haben, auf mein System zu vertrauen und es zu implementieren, sondern jede Methode infrage stellen - selbst wenn diese von ihnen selbst entwickelt und noch so einfach ist.
Dass sie nicht bei einer Methode bleiben können, nehmen viele Trader gar nicht als Problem wahr. Anfänger brauchen mitunter ein paar Jahre, bis sie realisieren, dass sie ihre Performance sabotieren. Wie logisch, rational, überzeugend oder scheinbar stark ein Trading-System auch immer sein mag, ob es manuell, automatisiert oder unter Anleitung eines anderen betrieben wird, der Gesamterfolg der Strategie wird durch die Fähigkeit des Traders bestimmt, mit seinen Emotionen umzugehen, die wiederum aus seiner Interpretation der Marktvolatilität resultieren.
Es gibt so viele Methoden, wie es Trader gibt, und wie bereits erwähnt ist der Prozentsatz der erfolgreichen Trader sehr gering: Er liegt bei nur 5 bis 10 Prozent. Offenkundig gibt es also neben der Notwendigkeit, sich eine einfache Trading-Methode mit mathematischem Vorteil anzueignen, noch ein weiteres Hindernis für den Trading-Erfolg.
Der Grund, warum Sie (oder andere Trader) nicht bei einer Methode bleiben, ist alles andere als kompliziert. Die simple Antwort lautet: Angst. Die Angst vor einem unerwünschten Ergebnis, gepaart mit komplizierten und oft verwirrenden Gefühlen, die aufsteigen, sobald Händler mit Unsicherheiten konfrontiert sind.
Viele Trading-Experten haben ihre Meinung über die Psychologie beim Traden kundgetan. Im Folgenden liste ich die vorherrschenden Ratschläge und Meinungen auf - ich bin sicher, dass Sie auf die meisten schon selbst gestoßen sind oder bereits davon gehört haben.
Verluste ehrlich zu akzeptieren ist der Heilige Gral des Handelns.Bewahren Sie innere Ruhe und Seelenfrieden, aber schlagen Sie bei Bedarf schnell zu.Garantiert ist beim Traden nur, dass Sie verlieren werden.Die wichtigste Eigenschaft ist das Akzeptieren von Verlusten.Es geht nicht um die perfekte Methode, sondern um die perfekte Geisteshaltung.Wiederholen Sie nichts, das nicht funktioniert hat.Ihre Regeln sind nur so stark wie die Emotionen, die diese Regeln aufgestellt haben.Ihr Unterbewusstsein steuert Ihr Verhalten.Beim Trading dreht sich alles um Ihre unterbewusste Programmierung.Das Unterbewusstsein bestimmt, wie viel Geld Sie gewinnen oder verlieren.Selbst clevere Leute verlieren wegen ihrer Gefühle und ihres Unterbewusstseins.Wenn sich ein Trade gegen Sie richtet, werden Sie nervös und verkrampfen. Sie können nicht mehr klar denken.Der Markt arbeitet, indem er das Geld von den emotionalen Tradern nimmt und es den gelassenen Tradern gibt.Meister-Trader verlieren oft.Meister-Trader nehmen Verluste nicht persönlich.Meister-Trader trennen ihr Ego und ihre Identität von ihrer Trading-Leistung.Meister-Trader machen sich nicht verrückt, wenn sie verlieren.Meister-Trader haben kein Bedürfnis nach sofortiger Belohnung.Meister-Trader haben kein Bedürfnis nach externer Belohnung ihrer Identität.Trading ist Glücksspiel.Zu verlieren ist Ihnen peinlich.Wenn Sie verlieren, fühlen Sie sich weniger als Mann (oder als Frau, aber die Mehrheit der Trader sind Männer).Der Handel gibt Ihnen sofort die Rückmeldung, dass Sie versagt haben.Ihre Gedanken zerstören Ihre Handelsergebnisse.Sie haben das Gefühl, nicht gut genug zu sein.Wenn Sie sich wie ein Verlierer fühlen, wird Ihr nächster Handel in einem Verlust enden.Machen Sie sich wegen Verlusten nicht selbst fertig, akzeptieren Sie diese einfach.Die Herausforderungen, mit denen das Traden Sie konfrontiert, spiegeln die Schwächen Ihrer Persönlichkeit wider.Um ein guter Trader zu sein, brauchen Sie viel Mumm.Mit dieser Liste könnte man nahezu endlos fortfahren, aber ich bin sicher, Sie haben jetzt ein Bild von der Komplexität der Emotionen, die das Traden begleiten. Daher ist es verständlich, warum viele Trader selbst nach jahrelangem Studium und möglicherweise teuren Trainings nicht erfolgreich traden können. Irgendetwas ist faul an dem, was Tradern beigebracht wird, um nicht nur mit Problemen umzugehen, sondern auch Erfolg zu haben - und schließlich die Dämonen erledigen zu können, die ihre Trading-Performance beeinträchtigen.
Deshalb müssen wir herausfinden, warum Trader es so schwierig finden, bei ihrer gewählten Methode zu bleiben, sei diese Methode nun systematisch oder willkürlich. Wenn ein Großteil der Herausforderungen beim Trading wirklich in Angst besteht, wie kann Zen dieses Hindernis beseitigen?
Die Lösung für ein Problem kann einfach sein, aber wir scheinen nach komplizierten Antworten zu suchen. Im Zen sind viele Lösungen von Problemen simpel. Ich werde Ihnen zeigen, warum Zen die Lösung ist - eine simple Lösung. Das Beherrschen der Techniken mag nicht ganz einfach sein, aber ich versichere Ihnen, dass hierin die Antwort liegt, um zu verhindern, dass Angst Ihren Erfolg ausbremst.
Wenn du das Problem lösen kannst, warum sich dann sorgen?
Wenn du es nicht lösen kannst, was bringt es dann, sich zu sorgen?
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