Des Wahnsinns fette Beute - Hella von Sinnen - E-Book

Des Wahnsinns fette Beute E-Book

Hella von Sinnen

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Beschreibung

Hella von Sinnen hat Angst, dass ihre Stofftiere im Koffer ersticken, und Cornelia Scheel kann das Haus nicht ohne eine stattliche Auswahl an Bonbons in den Taschen verlassen. Doch nicht nur die extrovertierte Showfrau und ihre Gattin verfügen über ein ansehnliches Repertoire an Zillen und Ritualen: Manche Menschen regeln Lautstärke unter Ausschluss der Primzahlen oder gehen nicht ohne Schlafsack ins 5-Sterne-Hotel. Solche Schrullen werden oft verschwiegen – leider! Denn kaum etwas dient der Unterhaltung mehr, als zuzugeben, dass man fröhlich einen an der Waffel hat. Es bekennen sich: Dirk Bach, Katrin Bauerfeind, Senta Berger, Alfred Biolek, Bettina Böttinger, Wigald Boning, Howard Carpendale, Gabi Decker, Jürgen Domian, Tommy Engel, Herbert Feuerstein, David Imper, Hannes Jaenicke, Olivia Jones, Ralf König, Gaby Köster, Dr. Manfred Lütz, Ralph Morgenstern, Bastian Pastewka, Peter Plate & Ulf Sommer, Martin Reinl, Jens Riewa, Mary Roos, Werner Schneyder, Barbara Schöneberger, Gayle Tufts, Jürgen von der Lippe, Rosa von Praunheim & Oliver Sechting ... und natürlich: Hella von Sinnen und Cornelia Scheel

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Seitenzahl: 485

Veröffentlichungsjahr: 2011

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Hella von Sinnen • Cornelia Scheel

Des Wahnsinns fette Beute

Macken und Marotten auf der Spur

 

 

 

Über dieses Buch

Hella von Sinnen hat Angst, dass ihre Stofftiere im Koffer ersticken, und Cornelia Scheel kann das Haus nicht ohne eine stattliche Auswahl an Bonbons in den Taschen verlassen. Doch nicht nur die extrovertierte Showfrau und ihre Gattin verfügen über ein ansehnliches Repertoire an Zillen und Ritualen: Manche Menschen regeln Lautstärke unter Ausschluss der Primzahlen oder gehen nicht ohne Schlafsack ins 5-Sterne-Hotel. Solche Schrullen werden oft verschwiegen – leider! Denn kaum etwas dient der Unterhaltung mehr, als zuzugeben, dass man fröhlich einen an der Waffel hat.

Es bekennen sich:

Dirk Bach, Katrin Bauerfeind, Senta Berger, Alfred Biolek, Bettina Böttinger, Wigald Boning, Howard Carpendale, Gabi Decker, Jürgen Domian, Tommy Engel, Herbert Feuerstein, David Imper, Hannes Jaenicke, Olivia Jones, Ralf König, Gaby Köster, Dr. Manfred Lütz, Ralph Morgenstern, Bastian Pastewka, Peter Plate & Ulf Sommer, Martin Reinl, Jens Riewa, Mary Roos, Werner Schneyder, Barbara Schöneberger, Gayle Tufts, Jürgen von der Lippe, Rosa von Praunheim & Oliver Sechting … und natürlich: Hella von Sinnen und Cornelia Scheel

Vita

Hella von Sinnen ist eine vielfach ausgezeichnete Fernsehschaffende und Cornelia Scheel seit fast zwei Jahrzehnten ihre Managerin. Seit 1991 leben die beiden zusammen in Köln, sind ein Liebespaar und engagieren sich für die Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen. Dafür wurde ihnen 2009 der ROSA COURAGE PREIS verliehen.

Impressum

Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Hamburg, November 2011

Covergestaltung ZERO Werbeagentur, München

Coverabbildung Martin Langhorst

ISBN 978-3-644-45191-9

 

Schrift Droid Serif Copyright © 2007 by Google Corporation

Schrift Open Sans Copyright © by Steve Matteson, Ascender Corp

 

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt, jede Verwertung bedarf der Genehmigung des Verlages.

 

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Alle angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Printausgabe.

 

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www.rowohlt.de

«Die können uns alle mal an der Hose riechen.»

Helmut Kemper

«Adel kommt mir nicht ins Haus.»

Mildred Scheel

Vorwort

Oder sollen wir es nicht doch besser Prolog nennen? Prolog ist ein Fremdwort (liebe Grüße an Jürgen von der Lippe), klingt irgendwie wichtiger und hat durch das «Pro» am Wortanfang so was Positives. Vielleicht bringt das ja Glück! Also nochmal von vorne.

Prolog

Liebe Lesenation!

Zuallererst möchten wir Sie ganz herzlich begrüßen und Ihnen beim Lesen der gebundenen AusBEUTE viel Vergnügen wünschen. Wir hatten bei der Jagd nach geeigneten und bereitwilligen Interviewpartnerinnen und -partnern viel Spaß, den wir jetzt endlich mit Ihnen teilen können. Noch heute sind wir völlig aus dem Häuschen darüber, wie viele prominente Zeitgenossen uns einen Einblick in ihr kleines, geheimes Reich der Marotten, Macken, Klatschen, Zillen, skurrilen Phobien und Rituale gewährt haben. Nur ein Kollege hat auf unsere Anfrage mit den Worten «Sorry, das behalte ich dann doch lieber für mich» reagiert, und ein Musiker kam schlicht nicht aus dem Quark. Ein ehemaliger Leistungssportler zog den Schwanz ein – und unser FC ließ uns im Regen stehen. Schade. So werden wir nie hinter das Rätsel des Rasenrotzens kommen.

Mit Aberglauben hat die Spuckerei sicherlich nix zu tun, denn mit Aberglauben kennen wir beide uns bestens aus. Jede von uns hat vor 20 Jahren ihr eigenes Bündel mit in die Ehe gebracht und das Zusammenleben dadurch «bereichert».

Meine (Connys) Mitgift war unter anderem, dass man nicht unter einem Baugerüst langgehen darf.

Deshalb wähle ich (Hella) den weitaus gefährlicheren Umweg über teilweise stark befahrene Straßen, um drohendes Unheil abzuwenden. Ich habe mich allerdings prompt mit zwei grotesken Theorien meiner Freundin Dada gerächt: Erstens: Salz darf niemals von Hand zu Hand weitergereicht werden, wenn man die Streuer nicht abstellt, gibt’s Streit. Zweitens: Spitze oder scharfe Geschenke zerstechen beziehungsweise zerschneiden die Freundschaft und müssen mit mindestens einem Cent käuflich erworben werden. Wir halten uns beide sklavisch daran.

Die Verspannung über den unglücklich in geschlossenen Räumen aufgespannten Regenschirm ist ein gemeinsames Kulturgut aus Kindertagen.

Zusätzlich gibt es im Hause Sinnen/Scheel zwei putzige Reiserituale: Wir können gar nicht oft genug erwähnen, wie anstrengend wir Reisen finden. Spätestens beim Griff zum Koffer überfällt uns flammendes Heimweh. Wir winken bei der Fahrt über die Rheinbrücken dem Kölner Dom tieftraurig hinterher. Bei der Rückkehr in die heißgeliebte Heimatstadt wird das Erahnen der Domspitzen dann untermalt mit den Rufen: «Der Dom!!! Der Dom!!!» Und er wird heftig winkend begrüßt.

 

Wir sind uns sicher, dass uns, wenn wir nicht in unseren eigenen Autos sitzen, s p ä t e s t e n s ab diesem Moment der Taxi- oder Mietwagenfahrer für komplett durchgeknallt hält.

Das andere Reiseritual haben wir meiner (Connys) Mutter zu verdanken. Sie war mal Zeugin, als sich bei einer sehr harten Landung des Fliegers eine Mitreisende die Zunge durchgebissen hat. Aus diesem Grund können Passagiere, die mit uns fliegen, unmittelbar vor der Landung ein aufforderndes «Zunge!!!» aus unserer Sitzreihe vernehmen. Das ist das Kommando, selbige, so gut es geht, vor den Beißwerkzeugen in Sicherheit zu bringen.

Kinder! Wir könnten ein Buch drüber schreiben! Zum Glück hat Süffel-Susi (Susanne Frank) vom Rowohlt Verlag uns darum gebeten. BEDANKT! Du bist eine wunderbare Geburtshelferin und unsere Lieblings-Lektöse!

Unsere größte Aufregung im vergangenen Jahr war, dass die Technik unseres in die Jahre gekommenen Aufnahmegerätes versagen könnte.

Zum Glück hielt es fast so tapfer durch wie Jutta Pachnicke, die Stund um Stund unsre Begegnungen abtippte und uns mit köstlichen Pointen des Verhörens das Redigieren versüßte. So wurde aus Ulla Meineke «Uwe Mallicke», und ich (Hella) mutierte von der «dicken Tante» zur «dicken Schlampe». Danke! Jutta! Sie sind Gold!

Danke auch Barbara Laugwitz vom Rowohlt Verlag für deinen Support.

Danke an Stefanie Lauck fürs Layouten.

Dank an Frau Funck und Fernsehn für die Öffentlichkeitsarbeit.

Danke an Tobias Schumacher-Hernández für die fleißige Finalisierung des Lippe’schen Anhangs.

Danke an Birte Masuch.

Danke an die Damen von Lotto Günther fürs Verschicken der Kassetten.

 

Unser privater Dank gilt:

Karin Jansen, Engel der Emanzen

Franziska Richter, Amazone der Autobahn

 

Und last not least nochmal TAUSEND DANK an unsre Freundinnen, Freunde, Kolleginnen, Kollegen und die andren Stars, die an diesem Buch mitgewirkt haben. Ohne euch wäre «Des Wahnsinns fette Beute» nur ein magerer Fang.

Dr. Manfred Lütz

Scheitel im Wind

Dr. Manfred Lütz wurde am 18. März 1954 in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn geboren. Er studierte Medizin, Philosophie und katholische Theologie in Bonn und Rom. Heute leitet er als Chefarzt das Alexianer-Krankenhaus in Köln und schreibt so ganz nebenbei den einen oder anderen Bestseller.

Wir hatten ihn vor der ersten Begegnung schon in zahlreichen Talkshows erleben dürfen und fanden Spaß an seiner rheinisch entspannten, humorvollen Art. Mit ihm wollten wir dringend unser erstes Gespräch über das Thema dieses Büchleins führen. Zügig bekamen wir einen Termin in seinem Sprechzimmer in Köln-Porz. Wir machten uns an einem Junitag – nervlich ein wenig angespannt – auf in die 9,8 Kilometer entfernte Klinik auf der anderen Rheinseite und verfuhren uns prompt wie die Geisteskranken, da ich (Conny) vor lauter Aufregung kaum geradeaus denken, geschweige denn fahren konnte. Ich (Hella) möchte an dieser Stelle erwähnen, dass ich als Beifahrerin vor lauter Ungeduld gerne mal aus dem Overall zu springen drohe. Als wir vor der imponierenden Eingangspforte der Psychiatrie schnell noch süchtig wie die Bescheuerten Nikotin inhalierten, lagen unsere Nerven blank. Wir hatten beide einen leichten Tremor, da wir uns nicht sicher waren, ob wir uns in zwei Stunden in den unbequemen weißen Jacken in der Geschlossenen wiederfinden würden.

Nachdem Dr. Lütz uns freundlich und aufgeräumt in seinen Räumen willkommen hieß, fiel sämtliche Anspannung spontan von uns ab. Wir führten mit unserem kompetenten Gegenüber ein sehr anregendes Gespräch, und Dr. Lütz machte keine Anstalten, uns zu einem längeren Aufenthalt in seinen heiligen Hallen überreden zu wollen. Wahnsinnig erleichtert und glücklich über unsere erste Beute traten wir anschließend ohne einen Umweg unsere Heimreise an.

ML: Wie lange brauchen wir?

HvS: Hängt von Ihnen ab.

Der Rheinländer redet immer viel. Sie sind auch Rheinländerin, das kann ein Problem werden. Frau Scheel, Sie sind keine Rheinländerin?

CS: Ich komme aus München, ich halte mich zurück.

München. Gut. Kulturell linksrheinisch immerhin, denn der Römer war da!

Herr Doktor, wir wollen unsere Zeitgenossen befragen, was die so alles für Macken, Marotten und Besonderheiten haben und würden gerne direkt mit der Tür ins Haus fallen: Was können Sie uns denn bieten als Leiter der Psychiatrie?

Na ja, ich habe dieses Buch geschrieben «Irre. Wir behandeln die Falschen, unser Problem sind die Normalen», weil ich der Meinung bin, dass die Leute heute viel zu normal sind. Das heißt, es gibt heute viel zu viele Normopathen, also Leute, die so normal sind, dass es weh tut. Und die political correctness sorgt dafür, dass das auch inhaltlich so läuft: Meinungsuniformen, wo man nur hinhört. Eigentlich ist ja jeder Mensch, jeder psychisch Kranke, aber auch jeder sogenannte Normale, außergewöhnlich. Nur die sogenannten Normalen verstecken das hinter all diesen Uniformen. Und diese Uniformiererei, das machen die psychisch Kranken nun mal nicht mit. Die zeigen ihre Außergewöhnlichkeit ganz unmittelbar, und damit sorgen sie aus meiner Sicht dafür, dass die humane Temperatur in unserer Gesellschaft nicht unter den Gefrierpunkt sinkt.

Jetzt glaube ich persönlich aber, dass viele Normopathen einen KNALL haben und den ganzen Tag auch gerne mal groteske Dinge machen. Und nun frage ich mich, wo ist denn da bei euch in der Psychiatrie die Grenze zwischen «Jetzt müsstest du aber mal die eine oder andere Tablette einwerfen» oder «Das ist alles noch im grünen Bereich»?

Die psychische Krankheit beginnt da, wo Menschen unter ihrer Außergewöhnlichkeit leiden. Als ich anfing in der Psychiatrie, habe ich mit einem katholischen Psychiater gesprochen, der fachlich einen hervorragenden Ruf hatte, und der sagte so beiläufig: «Wissen Sie, was ich am Heiligen Franz von Assisi so schätze? Dass der mit seiner Schizophrenie so gut klargekommen ist.» Da war ich ziemlich geschockt und habe gedacht: Wo bin ich denn hier gelandet? Die Jungs machen hier offensichtlich aus allen beeindruckenden Leuten irgendwelche Psycho-Fälle. Da werde ich doch lieber Chirurg oder Schlimmeres. Ich habe mir dann aber ausführlich Gedanken darüber gemacht, ob der Kollege nicht vielleicht doch recht hat. Denn müsste man das nach den Kriterien der Psychiatrie nicht eigentlich so sehen? Franz von Assisi hat in der Kapelle von San Damiano eine Stimme vom Kreuz gehört, die ihm gesagt hat: «Bau meine Kirche wieder auf!» Das hat der junge Mann nicht abstrakt auf die Kirche an und für sich bezogen, sondern ganz konkret, geradezu konkretistisch, wie die Psychiater sagen, verstanden. Und er hat die kleine verfallene Kapelle wieder aufgebaut. Hand aufs Herz! Wenn hier in der Nähe meines Krankenhauses morgen ein junger Mann, der in letzter Zeit immer wieder Krach mit seinem Vater gekriegt hat, Stein für Stein eine alte Kapelle wieder aufbauen würde, die ihm gar nicht gehört, Polizei würde kommen und fragen, was er denn da so mache, und er würde den Beamten mit strahlendem Lächeln erzählen, dass er gerade eine Stimme vom Kreuz gehört habe, die ihm das befohlen habe, dann hätten wir wahrscheinlich bald wieder ein belegtes Bett – oder auch nicht. Denn ich persönlich finde, dass Franz von Assisi nicht die Bohne schizophren war. Die Psychiatrie wäre nie erfunden worden, wenn es nur Leute wie Franz von Assisi gegeben hätte. Der Mann hat gewiss außergewöhnliche Erlebnisse gehabt, aber das ist lange noch nicht krank. Denn er hat darunter nicht gelitten und war auch nicht in seiner Kommunikation mit anderen Menschen gestört, wie das bei Kranken eher die Regel ist. Ganz im Gegenteil! Franz von Assisi hat Tausende von jungen Leuten begeistert bis in unsere Tage hinein. Er war hochkompetent und verfügte über außergewöhnliche kommunikative Fähigkeiten. Unsere psychiatrischen Begriffe sind erfunden worden, weil Menschen gelitten haben. Menschen, die gelitten haben, sind zu uns gekommen, und wir haben diese Worte erfunden, «Schizophrenie », «Depression», «Manie» und was weiß ich alles, um Therapien für diese leidenden Menschen zu organisieren. Diagnosen haben nur den Sinn, Therapien zu organisieren. Daran muss man manchmal auch junge Kollegen erinnern, weil es unter Psychos leider üblich ist, Diagnosen auch auf Leute anzuwenden, die bei einem gar keinen Krankenschein abgegeben haben, insbesondere auf Kollegen. Das ist natürlich ein Missbrauch von Diagnosen. Diagnosen sind nur für leidende Menschen erfunden worden. Wenn man also auf alle möglichen farbigen und schrillen Typen, auf Sie, auf mich, auf jeden irgendwelche Diagnosen anwendet, um die alle sozusagen fein säuberlich in eine Schublade zu stecken, dann ist das ein Missbrauch der Psychiatrie! Ich finde, dass Menschen natürlicherweise außergewöhnlich sind. Aber die Tyrannei der Normalität, von der ich in meinem Buch spreche, führt tatsächlich dazu, dass jeder seine kleinen Macken versteckt, weil er denkt, da kommt irgend so ein Psycho um die Ecke und macht da schnell noch eine Diagnose draus. Doch so etwas wäre inkompetente Psychiatrie. Ich laufe auch nicht durch mein Privatleben und diagnostiziere in der Gegend rum. Wer das als Psychiater tut, der hat – mit Recht – bald keine Freunde mehr.

Jaja, jetzt gibt es ja begriffliche Unterschiede. Wenn wir jetzt mal von Marotten sprechen: Wir haben gestern gegoogelt: Marotte ist die französische Verniedlichung von MARIA und die Bezeichnung für eine auf einem Stab angebrachte Puppe. Früher hat der Narr, der hat so einen kleinen Stab vor sich rumgetragen, und heute sagt man: «Der hat eine Marotte!» Also eine Marotte ist ja nichts zum Diagnostizieren, sondern eine lustige Angewohnheit.

Ja, eine eigenartige Eigenart.

Ja, oder Eigenart, die aber eben manchmal dann auch kippen kann, sag ich mal. Bei Menschen, die überhaupt nichts wegschmeißen können, haste plötzlich ein Messie-Problem. Wann weiß ich, wenn wir jetzt 20, 30 Leute interviewen, oha, der Kollege hat aber ein ernstes Problem, den schicke ich mal zum Dr. Lütz? Woran erkenne ich, ach, das ist noch eine nette Marotte? Ist das nur mit dem Leidensbegriff zu unterscheiden?

Ich glaube ja. Ich glaube, das Leiden ist das Entscheidende. Und wenn man anfängt, das zu vergessen, dann beginnt man die ganze Gesellschaft in Schubladen zu sperren. Das ist in totalitären Diktaturen zum Beispiel der Fall. Also Leute, die nicht passen, die werden dann passend gemacht. In der Sowjetunion zum Beispiel. Die haben eigentlich gar nicht gelitten, die litten dann höchstens unter der Behandlung, aber nicht unter ihrer Eigenart.

Aber was ist denn, wenn ich eine Marotte habe, und ich fühle mich pudelwohl, aber mein Umfeld, also meine engeren Menschen, leiden darunter?

Das kann noch ganz im grünen Bereich sein, wenn Sie ein merkwürdiges Umfeld haben. Dann kann es eine gute Idee sein, mal das Umfeld zu wechseln. Aber wenn Sie merken, es gibt gar kein Umfeld mehr, das mich erträgt, dann beginnen Sie wahrscheinlich zu leiden. Und dann werden Sie, weil der Mensch ein soziales Wesen ist, unter der Vereinsamung leiden. In einem solchen Fall kann eine Behandlung sinnvoll sein. Es gibt allerdings eine Erkrankung, da haben die Leute selber gar keinen Leidensdruck, aber das Umfeld geht am Krückstock, das ist die Manie. Das sind ganz normale Menschen, die haben ab und zu mal eine Phase, da sind sie übertrieben heiter, gehen über Tische und Bänke, was übrigens bei uns im Rheinland gar nicht besonders auffällt, aber in Westfalen sofort stationär behandelt wird. Aber, Scherz beiseite, Maniker leiden vor allem nach ihren Phasen an dem Unsinn, den sie in der Phase so angestellt haben. Deswegen ist es wichtig, sie zeitig zu behandeln.

Wir hatten mal eine Bekannte, die hat in ihrer manischen Phase fünf BMWs gekauft.

Oder man fährt mal gerade eben zum Kaffeetrinken nach Hamburg, weil das ja so schön ist, mit dem Taxi natürlich, denn man wird ja nächste Woche sowieso im Lotto gewinnen.

Das ist natürlich bei Superstars wie beispielsweise Boris Becker in seiner großen Besamerphase dann sehr schwierig einzuordnen. War er vielleicht zu der Zeit manisch?

Schön wärs! Maniker sind oft sehr geistreich und witzig, ziemlich flott im Kopf. Das kann man von unser aller Bobbele leider nicht unbedingt sagen. Keiner meiner Maniker wäre wohl so sehr von allen guten Geistern verlassen, dass er sein ganzes Leben öffentlich abfilmen lassen würde, einschließlich der eigenen Hochzeit. Und sich als Handwerker, denn das ist Boris Becker ja höchstens, dauernd öffentlich zu Fragen nach dem Sinn des Lebens zu äußern, das brächten meine Maniker höchstens in ihrer manischen Phase. Danach wäre ihnen das alles peinlich. Das ist bei unserem Boris ganz anders. Bei Boris gibt es kein Danach. Der Boris ist so, und dagegen kann man gar nichts machen, denn der Boris ist leider normal, unbehandelbar normal.

Darf ich Sie denn nochmal fragen: Wenn wir jetzt mal aus der Psychiatrie rausgehen und wir bei Stinos sind, also bei den Stinknormalen.

Das ist aber eine schöne Formulierung!

Ich glaube, da haben viele Leute kleinere oder größere Macken. Die gehen nicht aus dem Haus ohne irgendein Ritual. Wo ist da der Grenzbereich, beziehungsweise, wie würden Sie das einordnen? Warum braucht der Mensch so viele Hilfsmittel, um durch den Alltag zu kommen?

Der Soziologe Arnold Gehlen hat mal gesagt, der Mensch ist ein Mängelwesen. Wir werden ja auf die Welt geworfen und sind erst mal total hilflos. Das ist bei den Tieren nicht der Fall. Fohlen rappeln sich nach der Geburt sofort auf, und dann schaffen es die ganz eigenständig zur Milchquelle der Mutterstute. Wir Menschen sind von vorneherein und auch später auf Hilfe angewiesen, wir sind soziale Wesen. Ich finde diesen Satz «Ich möchte eines Tages nicht auf Hilfe anderer angewiesen sein» total zynisch. Er diskriminiert letztlich hilfsbedürftige Menschen, und in Wahrheit sind wir ja alle immer auf Hilfe anderer angewiesen. Wir wären nicht bekleidet, wenn es keine Textilindustrie gäbe, die uns das alles zur Verfügung stellen würde, oder jemanden, der uns das alles kauft. Mir muss man zum Beispiel solche Sachen kaufen, ich kann das nicht selber. Meine Töchter können das erstaunlicherweise völlig eigenständig. Wir sind alle auf Hilfen angewiesen, aber jeder unterschiedlich. Und ich finde diese Unterschiedlichkeit eben schön und weigere mich, die unter diagnostische Begriffe zu bringen.

Können Sie uns das an einem Beispiel verdeutlichen?

Es gibt Leute, die sind besonders ordentlich, Frau von Sinnen wahrscheinlich nicht und ich auch nicht, aber das können ganz liebenswürdige Zeitgenossen sein, die alles gerne unter Kontrolle halten und im Stadtarchiv eine steile Karriere machen. So etwas ist nicht krank. Wenn aber jemand tatsächlich einen Kontrollzwang hat, das heißt, wenn der zum Beispiel dauernd kontrollieren muss, ob die Tür abgeschlossen ist, dann kann dieser Kontrollzwang Stunden in Anspruch nehmen und zunehmend ein normales Leben unmöglich machen. Oder wenn jemand einen Waschzwang hat, dann kann allein das morgendliche Waschen sechs Stunden dauern. Das ist dann eindeutig eine Krankheit. Natürlich gibt es da aber ein breites Spektrum. Es gibt auch abgemilderte Formen, die aber auch schon das normale Leben stören können. Dann kann Therapie angesagt sein.

Also, wenn ich zum Beispiel auf eine Autobahnraststättentoilette gehe, dann muss ich danach, wenn ich mir die Hände gewaschen habe, mit dem Papierhandtuch die Klinke runterdrücken. Ich möchte, nachdem ich mir die Hände gewaschen habe, nicht mehr mit der «Siffklinke» in Berührung kommen. Bis ich am Auto bin, habe ich es auch schon wieder vergessen, und diese Klinke kann ich dann wieder normal anfassen. Aber wo fängt es denn an, haarig zu werden? Das ist doch eigentlich schon eine Macke, oder?

Eine leichte Macke, würde ich sagen, aber nichts Diagnostisches. Man kann versuchen, solche Dinge, wenn sie einen sehr stören, verhaltenstherapeutisch wegzubekommen. Für Laien ist das Flooding eine besonders überraschende Methode. Wenn Sie zum Beispiel Angst vor dreckigen Sachen haben, dann müssen Sie therapeutisch mal richtig in Mist reinpacken. Wenn Sie da eine gewisse Zeit lang die Hände drin haben, dann merken Sie, dass diese Angst, die Ihnen das in Ihrer Vorstellung eigentlich macht, in der konkreten Situation zurückgeht. Sie wird physiologisch zurückreguliert. Ähnlich ist es, wenn Sie Höhenangst haben und dann mit einem Verhaltenstherapeuten einen Fernsehturm besteigen. Dann haben Sie erst große Angst, merken aber, dass die erstaunlicherweise zurückgeht. Auf diese Weise kann man sich Ängste abgewöhnen.

Was muss ich denn machen? Ich habe Angst vor Rolltreppen. Ich habe keine Angst vor Höhe und keine Angst vor Bewegung. Aber vor Rolltreppen.

Wahrscheinlich sollten Sie mit einer vertrauten Person oder einem Therapeuten mal ganz viele Rolltreppen hochfahren.

Furchtbarer Gedanke!

Das ist es ja gerade! Der Gedanke ist furchtbar, aber die Wirklichkeit, die Sie ja gar nicht mehr kennen, ist dann mit der Zeit überraschenderweise ganz anders. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass Sie die Benutzung der Rolltreppe schon längere Zeit meiden. Das heißt, Sie wissen gar nicht mehr, wie das wirklich ist, und das steigert die Angst natürlich. Wenn man das dann aber mit einem Therapeuten oder einer vertrauten Person zusammen mehrfach macht, dann geht zwar anfangs erwartungsgemäß der Blutdruck hoch, und Panik kommt auf. Irgendwann spürt man aber, dass der Körper das nicht lange durchhält. Das heißt, der Körper reguliert von selber runter. Und das vergisst man nicht mehr.

Funktioniert das auch bei Flugangst?

Ja.

Sie sagten ja, wir sind alle Mängelwesen. Warum glauben Sie, muss fast jeder Schauspieler dreimal vorher auf Holz klopfen? Oder ein Toi-toi-toichen dabeihaben? Oder warum muss ein Fußballer vor einem Spiel ein Stück Rasen rauszupfen? Das ist ja so eine Mischzone zwischen Ritual und Aberglaube. Hat das was mit Angstbekämpfung zu tun?

Na ja, krank ist das sicher nicht. Es gibt katholische Fußballspieler, die bekreuzigen sich vor dem Spiel. Das ist zum einen ein Glaubensbekenntnis, andererseits rufen sie Gott um Hilfe an. Erst wenn die ohne ein solches Ritual die Panik bekämen, wäre das bedenklich.

Gut, aber wie fängt es denn überhaupt an? Warum sind denn so viele Menschen abergläubisch? Müssen dem Schornsteinfeger über die Schulter schubbern, weil das Glück bringt? Wo kommt das her, und warum brauchen so viele Leute das?

Der Philosoph Martin Heidegger hat darauf hingewiesen, dass der Mensch das einzige Wesen ist, das weiß, dass es stirbt, die anderen Wesen wissen das nicht. Das ist unheimlich und macht Angst. Uns ist dadurch bewusst, dass jeder Moment unwiederholbar ist und dass der Tod jederzeit eintreten kann. Tag für Tag hört man vom Tod anderer Menschen. Man versucht das natürlich zu verdrängen, aber diese Angst prägt nach Heidegger jeden Menschen. Das hat selbstverständlich mit Angsterkrankungen gar nichts zu tun. Man kann diese existenzielle Angst natürlich mit künstlicher Fröhlichkeit übertönen, damit wird man sie aber nicht los. Die Antwort auf diese Angst ist aus meiner christlichen Sicht der Glaube. Wenn einem aber aus welchen Gründen auch immer diese Antwort abhandengekommen ist, dann gilt oft: «Wer nichts mehr glaubt, der glaubt alles.» Das heißt, man geht in einer anderen Form dem Bedürfnis nach Orientierung nach. So klammert man sich an alle möglichen Plastikreligionen, also an allen möglichen Aberglauben, was sehr mühsam ist auf die Dauer. Eines Tages rief bei mir die Redaktion von «Arabella» an. Es ging um Talismane. Da habe ich spontan gesagt: «Talismane? Über so einen Quatsch rede ich nicht.» Dann habe ich mir aber überlegt, das ist ja eigentlich Blödsinn. Im Grunde kann man da mal über das wirklich Wesentliche des christlichen Glaubens reden und nicht dauernd nur über Zölibat, Frauenpriestertum und die üblich verdächtigen Themen. Ich bin also doch hin, und dann stand da so ein Bär von Mann, zwei Meter lang sicher, der hatte eine Bärentatze umhängen und erzählte ganz rührend, er könne ohne die Bärentatze das Haus nicht mehr verlassen. Die Bärentatze würde ihn stark machen. Er könne auch ohne die Bärentatze nicht mit seiner Freundin schlafen, die müsste also immer bei ihm sein. Ganz wichtig! Mir tat der ängstliche Bär leid, und als ich gefragt wurde, was ich von solchen Tatzen halten würde, da konnte ich darüber sprechen, dass das Christentum von dieser «Heiden-Angst» – daher kommt der Begriff – befreit. Als Christ ist man befreit von solchem rührenden Unsinn.

Sie haben wirklich kein Toi-toi-toichen?

Nee, habe ich nicht.

Es gibt auch in Ihrem Leben nicht ein, wie soll ich mich ausdrücken, Ritual oder eine Angewohnheit?

Ich gehe sonntags in die Kirche. Das ist ein Ritual!

Und was passiert, wenn Sie zum Beispiel krank sind? Und Sie können nicht in die Messe gehen?

Dann gehe ich eben nicht.

Und das beunruhigt Sie dann auch nicht?

Wenn der liebe Gott mir Bakterien schickt, dann ist er selber schuld, dann komme ich halt nicht. Ich bin da nicht zwanghaft.

Also ich zum Beispiel gehe nicht ohne meine Pulla aus dem Haus. «Pulla» ist meine kleine Wasserflasche. Auch wenn ich aus der Wohnung runter in den Keller gehe, habe ich immer eine Flasche Wasser dabei.

Seit wann?

Seit wann? Ja, 20 Jahre bestimmt. Ich glaube, das fing mal mit meiner Diabeteserkrankung an, weil ich wirklich immer so viel Durst habe. Ist aber auch eine orale Klatsche. Ich muss auch in der Garderobe, bevor ich in eine Show gehe und auch in der Show immer mein Wasser haben, sonst kriege ich Schweißausbrüche.

Kriegen Sie wirklich Schweißausbrüche, oder ist das nur metaphorisch gemeint? Das ist nämlich genau der Unterschied. Wenn ich auf Dauer wirklich Schweißausbrüche kriegen würde, wenn ich so eine Flasche nicht hätte, wenn die mich wirklich bindet, dann müsste man sich überlegen, ob man das nicht mal therapeutisch angeht.

Also, ich – als völliger Laie – glaube, dass das auch mit der oralen Befriedigung zu tun hat. Ich bin ja auch Raucherin, ich würde gerne immer überall rauchen, was mir ja auch immer mehr verwehrt wird.

Ich bin der einzige lebende Deutsche, der Raucher noch verteidigt.

Aber Sie rauchen doch selber nicht.

Nein, ich bin Nichtraucher. Raucher tun mir aber leid. Sie können doch über Raucher heutzutage Dinge sagen, wenn Sie das über Tiere sagen, kommt der Tierschutzverein. Aber gegen Raucher können Sie jede sadistische Quälerei inszenieren. Da mache ich nicht mit.

Vielen Dank!

Wir hören jede Nacht DOMIAN, da rufen ja viele Leute an, die richtige Probleme haben. Einen gab es, der immer so einen unsichtbaren roten Faden hinter sich herzog. Das bedeutete für ihn, dass er durch die ganze Stadt lief und dieselbe Strecke wieder zurücklaufen musste, um den Faden wieder zu entwirren. Und dann rief auch jemand mit einem Zählzwang an. Der musste alles, alles durchzählen. Oder was man auch aus der Fernsehserie «Monk» kennt: Alles muss symmetrisch sein, es müssen zwei, vier, acht oder sechzehn Dinge sein. Es muss eine gerade Zahl sein. Das mag im Kindesalter lustig anfangen, mit einem spielerischen Gedanken. Wenn ich mit 35 aber immer noch so drauf bin – ist dann im Leben eines Menschen etwas Traumatisches passiert, oder kann aus einer Marotte eine Automatisierung werden?

Zwangserkrankungen, die mit 50 beginnen, gibt es fast gar nicht. Es gibt Zwangsstörungen als vorübergehendes Phänomen, sie können aber auch in der Jugend langsam beginnen und sich immer weiter steigern. Wenn sie stark ausgeprägt sind, sind sie schwer behandelbar. Manchmal muss man sich damit zufriedengeben, den Zustand so zu verbessern, dass ein mehr oder weniger normales Leben wieder möglich ist. Neben der Psychotherapie gibt es bestimmte Medikamente, mit denen Sie das behandeln können. Ich habe eine Lehrerin behandelt, eine sehr nette und gescheite ältere Dame, die hatte immer wieder Angst, sie hätte jemanden überfahren oder jemandem etwas Böses getan. Deshalb musste sie immer wieder zurücklaufen, um zu sehen, ob da jemand im Straßengraben lag. Sie wusste natürlich, dass das in Wirklichkeit nicht der Fall war, aber sie musste das zwanghaft tun. Psychotherapien waren kaum wirksam gewesen, aber eine Medikation hat sie später entlastet. Es gibt im Übrigen nicht nur Zwangshandlungen, sondern auch Zwangsgedanken. Beim Zwang weiß man im Gegensatz zum Wahn, dass das alles eigentlich Quatsch ist. Also diese Menschen müssen immer wieder irgendetwas denken und wissen doch: «Das ist eigentlich völliger Quatsch, was ich da denke!» Der mit dem roten Faden, den Sie da beschrieben haben, hat wahrscheinlich einen Wahn und ist schizophren. Solche Menschen sind manchmal subjektiv mit ihrem Wahn ganz glücklich. Der sagt sich vielleicht: «Den roten Faden gibt es wirklich. Alle, die das nicht wissen, sind wahrscheinlich zu doof dazu. Ich erkläre dem Domian das jetzt mal, damit endlich mehr Leute Bescheid wissen, wo der rote Faden ist.»

Nochmal zu Ihnen, Herr Dr. Lütz. Es muss doch auch irgendwas bei Ihnen geben! Vielleicht denken Sie zum Beispiel: «Ich kann nicht ohne geputzte Schuhe aus dem Haus gehen.»

Oder vielleicht machen Sie ja etwas Eigenwilliges, bei dem Sie denken, da soll mich mal bitte niemand dabei sehen?

Geschlechtsverkehr! Aber das reicht Ihnen jetzt bestimmt auch wieder nicht.

Nein, denn ich würde nichtöffentlichen Geschlechtsverkehr nicht unbedingt unter Macken abbuchen wollen.

Da bin ich aber froh! Meine Frisur ist am Ende eine Macke. Eigentlich ist diese Frisur völlig absurd, ich habe mir irgendwann mal die Haare so frisiert, zur Seite, und dann ist der Scheitel immer weiter auf die Seite gerutscht, als es dünner wurde.

Darf ich mal sehen? Tatsächlich, das ist die Filbingers Hans Frisur.

Könnten Sie nicht vielleicht ein anderes «Vorbild» nennen?

Nein. Doch, Ernst Huberty könnte ich noch sagen. Ich meine, diese Art von Maximalseitenscheitel ist schon ziemlich speziell.

Finden Sie? Wenn man damit mal angefangen hat, kommt man aus der Kiste kaum mehr raus. Wenn man einfach alles abschneidet, erkennt einen keiner mehr, und man braucht einen neuen Personalausweis.

Wie ist das denn, wenn Sie einen Sonntag planen, einen Ruhetag und sagen, heute bleiben wir nur zu Hause unter uns. Machen Sie sich dann auch die Frisur?

Ja, immer!

Richten Sie Ihre Haare auch vorm Schlafengehen nochmal?

Nee, nee.

Also, Ihre Gattin kennt Sie schon verwuschelt.

Ja. Wenn allerdings draußen ein Sturm ist, dann muss ich gegen die Windrichtung gehen. Das sieht dann sicher etwas merkwürdig aus, aber ich sehe das ja nicht, und als Psychiater können Sie sich so was leisten, da Sie ja so schnell nicht irgendwo eingeliefert werden.

Ist das jetzt Ihr Ernst?

Der Rheinländer meint immer alles ernst.

So! Jetzt haben wir ja doch noch eine feine «Beute» gemacht! Sie behaupten also, dass Sie Ihre Gangrichtung nach dem Wind richten müssen, damit die Frisur nicht aus den Fugen gerät? Liebe Lesenation, Sie müssten jetzt sehen, wie Herr Lütz hier durch sein Sprechzimmer geht. Er spielt Sturm, hält den Kopf schief und bewegt sich im Seitwärtsgang auf uns zu. Ein Traum!

Den Scheitel immer in Windrichtung. Jetzt haben wir endlich einen Titel für das Buch: «Scheitel im Wind».

Herr Dr. Lütz, wir sind froh, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben.

Hat Spaß gemacht.

Katrin Bauerfeind

Bei Hühnern wird weitergezappt

Katrin Bauerfeind wurde am 21. Juli 1982 in Aalen geboren. Bei Wikipedia wird sie als deutsche Moderatorin betitelt, was ihrem Talent in keinster Weise gerecht wird. Das «Kattrinngsche», wie wir sie liebevoll nennen, hat weitaus mehr zu bieten!

Wir lernten sie kurz im Anschluss an den «Kölner Treff» kennen, wo sie und ich (Hella) zu Gast waren. In der nicht wirklich einladenden WDR-Kantine des Senders waren wir beide gleichermaßen angetan von Katrins natürlicher und erfrischend unverkrampfter Art.

Zufällig trafen wir sie Jahre später auf dem Kölner Flughafen wieder. Spontan erklärte sie sich bereit, an diesem Buch mitzuwirken, unter der Bedingung, dass ausreichend kaltes Kölsch vorhanden sei. Das mit dem kalten Bier ist eine unserer leichtesten Übungen, da zwei niedrig temperierte Getränkekühlschränke einen nicht enden wollenden Vorrat bieten. Kurze Zeit später besuchte sie uns zu Hause, und es herrschte von Anfang an eine vertraut-fröhliche Stimmung im Wohnzimmer. Das laute, ständig neu aufbrausende Lachen war an diesem Abend mit Sicherheit bis weit hinter Wuppertal zu hören. Das «georderte» kalte Kölsch und kleine orientalische Horsd’œuvres waren lecker, und so bauten wir satt und umgeben von einer Wolke aus Knoblauch und Bier das Mikrophon auf, um unsere jüngste Beute zu befragen. An dieser Stelle hätten wir gerne «unser Beuteküken» geschrieben. Aber das wäre unverantwortlich gewesen. Warum? Bitte, lesen Sie selbst.

HvS: Liebes Kattrinngsche. Du hast dich ganz lieb auf unser Gespräch vorbereitet. Weil du dir sicher warst, du hättest nicht eine Macke, hast du deine Freunde gebeten …

CS: Lass sie doch erzählen …

… dir zu helfen. Und du hast dein iPhone vor dir liegen …

KB: Hier ist schon mal die erste Mail …

Die Freunde haben dich mit Mails geflutet …

Als du deine Nachrichten gelesen hast – hast du gedacht: «Ja, stimmt!» Oder eher: «Nein, das denken die sich ja nur aus!»

Es war so: «Wie konnte ich das bloß vergessen? Stimmt, das ist eine Macke!»

Wir sind gespannt.

Also, eine absolute Wahnsinnsmacke – dass ich das vergessen habe, ist krass – Ketchup, Mayonnaise und Senf in Plastik kann ich nicht anfassen! (Ihre Stimme wird etwas höher.) Weil ich das so ekelhaft finde.

In den Imbissstuben? Diese Riesen-Portionierer?

Egal. Wenn es Plastik ist, bin ich raus. Dieses Plastik, gerne auch in Senffarbe. Oder Mayonnaise! Mayonnaise hat dieses ganz dünne, billige Plastik! Ich kann das nicht anfassen!

Moment, du meinst nicht die Tuben?

Nein! Tuben sind super, Tuben sind gut! Nur dieses Plastik! Zum Drücken! Dieses Prrrrffft, dieses …

(Liebe Lesenation, Katrin Bauerfeind schüttelt sich angewidert.)

Das Geräusch kannst du auch nicht gut hören?

Das Geräusch kann ich gar nicht haben! Wenn die fast leer sind und man aber nichts verkommen lassen will und es so durchsaugt, wenn die Luft wieder zurück in dieses Gespratz schlurcht, das da am Rand so rangetrocknet ist. (Sie schreit jetzt fast.) Ich kann das nicht! Das hat auch zur Folge, dass ich an Imbissbuden – da ist das ja noch fieser! Da gibt’s das ja mit diesen … Zitzen, und ich weiß nicht, mit diesem Eimer, wo sich dann tausend … und das ist immer … UUUUUAAAAHHHH!

(Liebe Lesenation, Sie müssen es Frau Bauerfeind nachsehen, dass sie nicht in ganzen, verständlichen Sätzen sprechen kann. Vor lauter Ekel stehen ihr die Nackenhaare zu Berge. Mit ihrem vor Panik entstelltem Gesichtsausdruck könnte sie sich mühelos bei «NIGHTMARE ON ELM STREET 7» bewerben …)

Ich muss immer jemand fragen, ob mir jemand Senf auf die Wurst macht. (Jetzt brechen alle in Gelächter aus …) Ich bin auf der Kirmes und sage: «Entschuldigung, könnten Sie mir mal Senf auf die Wurst machen?»

Das finde ich entzückend! Glaubst du mir, dass ich das verstehe? Also, es geht nicht nur um dieses ekelhafte Schlurchgeräusch, es geht auch um die Unhygiene? Dass da so viele dran rumgemanscht haben?

Wie ist es bei Zahnpasta?

Das ist kein Problem. Tuben sind ja kein Problem. Es geht um Flaschen mit diesem Rücksaug-Effekt.

Es gibt doch auch Plakafarben in diesen großen Plastikflaschen, wenn man da draufdrückt, da hat man ja auch pfffrrrrrffffft – das Geräusch.

Aber da geht es, vielleicht weil ich es nicht essen muss. Farben sind kein Problem.

Also kannst du kein pfffrrrfffft essen?! Und wieso hattest du das nicht selber auf dem Schirm? Wieso musste deine Freundin dich daran erinnern?

Ich merke das immer nur, wenn die Situation wieder da ist, dass ich denke: «Ach, verdammt! Jetzt werde ich wieder den Leberkäse ohne Senf essen, wenn mir den niemand draufmacht!»

Und das machst du dann auch? Du isst lieber Leberkäse ohne Senf, bevor du mit pfffffrrrrrffft konfrontiert bist?

Ja, immer.

Und diese kleinen Tütchen, die man aufreißt?

Das ist gut. Also, da ist auch ein bisschen Ekel, weil sich im Senf vor allem auch dieses Wasser oben ansammelt. Boooooöööääähhh!

Das kann ich auch hassen! Das finde ich so ekelhaft. Wenn erst das Wasser kommt! Da könnte ich das Essen wegschmeißen! Inzwischen habe ich extra eine Tissue Box am Bett! Damit ich das erste Pffrrtt-Senfwasser aus der Tube ins Papiertuch prökeln kann, damit ich den guten Senf habe. Wenn erst Wasser rauskommt, kann ich den «Strammen Max» auch entsorgen.

Iiih, das ist furchtbar!

Da bin ich bei dir!

Furchtbar!

War das denn schon alles?

Nein. Hühnerphobie.

Danke, lieber Gott, dass du uns dieses Mädchen an den Tisch gekehrt hast! Eine Hühnerphobie!

Ich habe Angst vor Hühnern. Wenn ich nur daran denke, muss ich gerade mal die Füße vom Boden nehmen.

Hör mal, in unserem Gästeklo stehen drei Hühner aus Plastik!

Die müssen aussehen wie echte Hühner.

Aber da steht ein Huhn, was aussieht wie ein echtes Huhn! Dann tue ich das schnell mal raus, bevor du Pipi machst. Geht die Panik denn beim Ei schon los?

Nein. Ei kann ich super essen. Ich kann kein Hühnchen essen, das aussieht wie ein Hühnchen. Ich kann aber super Chicken McNuggets essen, allerdings nur so lange bis jemand, der um meine Phobie weiß, Hühnergeräusche imitiert: «Gackgackgackgackgack.» Dann kann ich es nicht mehr essen.

Kattrinngsche, jetzt sagst du uns, wo das herkommt! Da muss es irgendein Initialerlebnis mit Huhn gegeben haben!

Da so ziemlich alle Enkelkinder der Oma mehr oder weniger Angst vor Hühnern kennen, vermuten wir, dass folgende Geschichte dahintersteckt: Meine Oma – Entschuldigung, Oma! –, die hat früher, wenn wir frech waren, immer gesagt, dass die Polizei kommen würde, wenn wir nicht brav sind. Irgendwann haben wir aber kapiert, dass nie die Polizei kommt, auch wenn wir überhaupt nicht brav sind. Dann ist die Oma eines Tages in den Hühnerstall, mit einem Huhn rausgekommen und sagte: «Wenn ihr jetzt nicht brav seid, dann lege ich euch das Huhn ins Bett!» Und in diesem Moment kriegt das Huhn einen Herzinfarkt und stirbt der Oma in der Hand. Vielleicht kommt es daher.

Mit Sicherheit!

Ich bin keine Psychologin, aber da könnte was dran sein. Haben alle eine Hühnerphobie?

Also vier von fünf auf jeden Fall. Ich kann Hühner noch nicht mal im Fernsehen sehen. Muss ich umschalten, kann ich nicht gucken. Kriege ich einen Weinkrampf auf der Couch.

Und andere Vögel?

Kleine Vögelchen sind ja ganz süß. Aber alles, was größer als kleine Vögelchen ist, finde ich alles schlimm. Wirkliche Angst habe ich nur vor Hühnern. Als Kind schon: Ausflug auf den Bauernhof – da musste ich durchgetragen werden. Auf den Prinzeninseln haben wir mal eine Radtour gemacht, und kurz vor dem Ziel rennen Hühner über die Straße. Da sind die anderen mittagessen gegangen, und ich bin vor dem Restaurant auf dem Fahrrad zwei Stunden im Kreis gefahren. Absteigen war nicht.

Gänse? Schwäne?

Ja. Mag ich alles nicht, aber Hühner … also, wenn ich nur diese Glubschaugen … und dieses unkontrollierte Gestakse … das ist schon ganz furchtbar, ganz ekelhaft. Also, ich hatte ja auch mal so eine Pubertätsangst vor Spinnen. Die ist komplett überwunden. Aber bei Hühnern, keine Chance. Da sehe ich keine Heilungsoption.

Schade eigentlich. Es gibt doch so nette Hühnchen mit Beatlesfrisuren und puscheligen Beinchen. Die find ich total süß.

Ehrlich? Aber warum denn? Das ist doch total fies.

Jeder Jeck is anders. Was gibt’s noch?

Gerüchten zufolge sollte ich niemals den DJ auf Partys machen. Weil ich mich selbst mit meiner Liedauswahl dermaßen begeistere, dass jedes Lied nur eine Minute angespielt wird: «Warte, warte, ich habe noch ein geiles!» Und dann kommt das Nächste: «Das ist super … und das auch!» Ich bin ein ganz aufgeregter DJ.

Und wie machst du das, wenn du bei dir zu Hause Mucke hörst? Wenn Leute da sind?

Ja, ganz schlimm ist natürlich, wenn du mit mir irgendwo hinfährst, und ich hab den iPod. Ich bin dann wie im Rausch: «Ah! Das ist mein Lieblingslied! Das ist mein Lieblingslied!» Dann kommt eine Liste von 50 Lieblingsliedern.

Bist du auch in anderen Dingen ein eher ungeduldiger Mensch?

Total ungeduldig. Total.

Also auch in anderen Lebenssituationen?

Beruflich zum Beispiel. Ich bin schnell von etwas gelangweilt und habe das Gefühl: «So, jetzt haben wir das gemacht, wir haben es kapiert, wo ist hier jetzt die Entwicklung?» Ich habe ganz fix dieses: «Jetzt geht es nicht weiter, jetzt stehe ich auf der Stelle, jetzt muss irgendwas passieren!»

Liebst du Menschen, die gerne Kreuzworträtsel lösen?

Nein.

Das kann ich mir auch nicht vorstellen.

Kannst du Gesellschaftsspiele spielen?

Ja, ich liebe Gesellschaftsspiele, das Problem ist nur, mit mir will niemand spielen. (Kattrinngsche schmeißt sich weg vor Lachen.)

Warum?

Noch eine Macke, die ich vergessen habe. Weil ich da unkontrollierte Wutanfälle kriege. Es gibt ein paar Spiele, die kann ich nicht spielen. «Trivial Pursuit» gehört dazu und «Scrabble». Da könnte ich Mord im Affekt begehen. Da werde ich so sauer.

Aber worüber? Über die anderen?

Ja, über die anderen.

Wenn die gewinnen?

Natürlich bin ich eine total gute Verliererin, alles andere muss man abstreiten, weil es ja so wahnsinnig unsympathisch ist. Ich ärgere mich über die Ungerechtigkeit des Spiels: «Ah, ich habe eine schwere Frage! Die Fragen der anderen hätte ich alle beantworten können!» Stimmt wirklich. Na ja, fängt eigentlich immer ganz lustig an, und irgendwann raste ich aus.

Dann fegst du alles vom Tisch?

Nein, aber man muss dann mit dem Satz rechnen: «Ich glaube, es ist besser, ihr geht jetzt!» Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich in die Küche gehen und ein sehr großes Messer holen …

Jetzt schätze ich dich ja sowohl für deine Ehrlichkeit als auch für deine Reflektiertheit. Glaubst du, es hat etwas damit zu tun, dass du ein Einzelkind bist und nicht gelernt hast, mit Geschwisterchen ein Spiel am Tisch zu spielen?

Das weiß ich nicht. Es gibt auch Spiele, die liebe ich. Und da werde ich auch nicht sauer. Da kann ich auch wirklich sehr gut verlieren. Zum Beispiel «Time’s up» – kennt ihr das?

Nein.

(Im Folgenden erklärt uns Katrin das Spiel und ist sehr enthusiasmiert. Wir laden uns ein, es mit ihr und der netten Freundin, die ihr all die Macken gemailt hat, zu spielen.)

Das kann ich total gut spielen.

Trotzdem behaupte ich jetzt an dieser Stelle, liebe Lesenation, dass wir ein verwöhntes Einzelkind interviewen.

Ich bin überhaupt nicht verwöhnt!

Das geht uns doch genauso. Meine Frau ist eine ganz schlechte Verliererin. Ich bin groß geworden mit einem dreieinhalb Jahre älteren Bruder, gegen den habe ich in allem verloren, wenn ich nicht Glück hatte oder beim «Monopoly» das Geld unterm Spielbrett versteckt habe, damit er nicht mehr wusste, wie groß mein Vermögen war. Ich habe in allem verloren. Ich musste lernen zu verlieren. Aber ich bin eigentlich auch ehrgeizig und verliere nicht gerne. Anders: Ich gewinne lieber.

Das sind wirklich nur diese paar Spiele …

Ich mag kein «Schach».

Das kann ich noch nicht mal. Oder «Mühle». Das sieht schon so langweilig aus.

Was bist du denn für eine Autofahrerin?

(Mit tiefer, sonorer, sehr wichtiger Stimme, süffisant und überbetont:) Eine s e h r gute Autofahrerin.

Aber im Stau kriegst du doch einen Affen?

Nein, nicht im Stau. Ich rege mich eher auf über Leute, die immer auf der Mittelspur fahren. Der Holländer fährt immer nur auf der Mittelspur.

Und Hella. Der Holländer und Hella.

Du bist der jüngste Mensch, mit dem wir sprechen – von allen bisherigen Interviewpartnern. Gibt es Dinge, die du in deiner Kindheit besonders gerne hattest oder die dir ein besonderes Wohlfühlgefühl vermittelt haben? Ich sage jetzt mal, die heiße Tasse Kakao, die du heute auch noch für dich machst, um so eine kindliche Geborgenheit oder Frieden zu finden?

Gerüche – die frischgemähte Wiese, das ist für mich Heimat. Und wenn ich das rieche, dann habe ich Seelenfrieden. Das ist so ein Glücksmoment.

Wie ist es mit deiner Ordnung? Hast du Ordnungsrituale?

Nein, und geputzt wird eigentlich immer nur, wenn ich es ganz eilig habe. Ich bin schon in der Jacke und will los und dann: «Ah, da ist ein Fleck, putz ich nochmal schnell.» Bis dahin war ich gut in der Zeit und wäre pünktlich gewesen. Und dann finde ich immer etwas, was ich jetzt nochmal ganz dringend machen wollte … und bin immer unpünktlich!

Und ich habe eine Theorie dazu. Willst du die hören? Wenn du weißt, du musst losgehen oder hast um acht Uhr einen Termin, dann musst du noch einen Fleck wegputzen, damit das Ganze deinen eigenen Stempel bekommt. Hauptsache, es geht nach deinem Timing.

Ich bin vielleicht doch ein verwöhntes Einzelkind.

Ralph Morgenstern

«Es gibt Tage, an denen meine Initialen gar nicht auftauchen.»

Ralph Morgenstern wurde am 3. Oktober 1956 in Mülheim an der Ruhr geboren.

Er ist Moderator, Schauspieler, Popstar und Gastronom. Für uns ist er ein guter, treuer Freund, mit dem ich (Hella) auch schon diverse Bühnen- und TV-Schlachten gewinnen durfte. Wir spielten mit Dada Stievermann zusammen in der Filmdose «Kaiserschmarrn», saßen gemeinsam bei «Blond am Freitag» (schon, als es noch «Blond am Sonntag» hieß … meiner Meinung nach eine Fehlentscheidung des Zentrums Der Finsternis, die Sendung damals nicht weiter als Alternative zu «Christiansen» laufen zu lassen …) und moderieren immer wieder gerne das eine oder andere schwullesbische-bi-transgender Event zusammen.

Da ich ja die Macke hab, Menschen grundsätzlich neu zu taufen, würde ich ihn wahrscheinlich nur dann «Ralph» rufen, wenn ich ihn vor etwas warnen wollte … Er heißt «Rapaaaala» oder auch «Rappalla», manchmal auch «Rohrfunzel» und seit neustem «Ralle», da er letztens feststellte, dass auf Ibiza die Vogelart «Ibiza-Ralle» ausgestorben ist, sodass er jetzt in seinem Feriendomizil die Erinnerung an den bunten Vogel allein bewässern muss.

Sein hinreißender Freund Oliver muss auch nicht nur mit einem Namen auskommen. Im Freundeskreis wird er neben «Oli» auch «Olive» gerufen und wir nennen ihn zudem «Winnie Puh». Wir haben keine Ahnung, warum. Wenn einer unserer Freunde aussieht wie Winnie Puh, ist es Dicki. Na, vielleicht, weil Oli so süß und lieb ist … oder mal erschöpft «Puuuuh …» gehaucht hat.

Unvergessen ein Karnevalsbesäufnis in der inzwischen renovierten und leider nicht mehr in ihrem Ursprung erhaltenen «Centrumsstuben», in der sowohl der schwule Wirt Hans als auch die sanitären Anlagen aus den 50er Jahren unverändert erhalten geblieben waren. Oli kam irgendwann ol(i)faktorisch gebeutelt an den Tisch zurück und jubelte: «Ich habe das lange verschollene Harnsteinzimmer gefunden!»

Ich (Conny) habe bei Oliver die feste Gewissheit, dass wir bei der Geburt getrennt worden sind. Die Beweisführung geschieht gerne ab dem 15. Bier, wenn wir unsere Hände ineinanderfalten und den anwesenden Kumpanen damit auf die Nerven gehen, welche Finger zu welchem Zwilling gehören. Hat noch niemand rausbekommen. Wie Sie lesen, hamm wir ’ne Püngel Freud miteinander und sollten wirklich mal nach all den Jahren gemeinsam Urlaub machen. Einen weiteren Grund erfuhren wir am Dreikönigsnachmittag, der ab jetzt Vierkönigsnachmittag heißt, da Twiggy, die kleine schwarze Möpsin der beiden, mit an unsrem Tisch saß.

HvS: Lieber Rappalla, du bist für mich heimlich der Pate dieses Projekts! Weil du mir vor vielen Jahren mal erzählt hast, dass du – wenn du im Auto sitzt oder auch über die Straße gehst – auf die Nummernschilder der vorbeifahrenden Autos guckst. Und wenn deine Initialen auf einem Nummernschild sind, dann ist das ein gutes Omen für den Tag.

RM: Ja, genau. Da gibt es allerdings verschiedene Variationen, sogenannte Joker! Das sind zwei XX, wie zum Beispiel K – XX 123. Wenn man die sieht, dann hat man für den Tag einen Joker, der Dinge oder Vorhaben zum Guten wendet. Wenn ich ein RM sehe, dann ist das für den beruflichen Bereich sehr gut. Und wenn ich ein RN sehe, weil ich ja ein geborener Morgenstern-Nolting bin, dann ist das im privaten Bereich ein gutes Omen.

Wie pfiffig.

Und dann gibt es die ganze Nummer natürlich noch mit XM oder XR.

Aber der höchste Joker ist natürlich XX.

CS: Der ist also mehr wert als deine Initialen?

Ja. XX das ist der ABSOLUTE. Deswegen sorge ich immer dafür, dass alle meine Autos XX auf ’m Nummernschild haben. Und dann bringt mir persönlich die «9» am Auto immer sehr viel Glück. Also habe ich immer XX 999 oder RM 9 oder Ähnliches.

Wie praktisch! Wenn du selber das XX-Nummernschild hast, dann brauchst du ja nur einmal um dein Auto rumlaufen und hast gleich einen Joker für den Tag!

Sooooo einfach ist das nicht! Ich muss so ein Joker-Nummernschild im Vorbeifahren entdecken!

Was sind das denn für Joker? Sind das «nur» Glücksjoker oder bekommst du, wenn was verpatzt ist, nochmal eine neue Chance?

Nein, das sind eigentlich nur «Glücksjoker». Nach dem Motto «Alles wird gut» oder es geht jetzt «positiv weiter». Was ich aber auch noch mache: Wenn ich ein Auto zum Beispiel mit euren Initialen, also HS oder CS, sehe, kann ich diese «Joker» an euch «weitergeben». Dann denke ich an euch und schicke positive Gedanken in eure Richtung.

Wie schön ist das denn?!

Ja. Ich muss allerdings auf Zack sein. Auf der Autobahn zum Beispiel muss ich flott die Initialen zuordnen, denn wenn das Auto außer Sichtweite ist, ist auch die Wirkung des Jokers verflogen. Und vor allen Dingen gelten keine stehenden Fahrzeuge. Die Motoren müssen laufen. Also: Die an der Ampel funktionieren. Aber geparkte Nummernschilder gelten nicht.

Okeee …

Und so habe ich immer zu tun, wenn ich unterwegs bin.

Wie bist du darauf gekommen?

Ich weiß nicht, irgendwann … War das Langeweile? Oder Erfahrung? Wenn ich so ein XX gesehen habe, dann dachte ich: «Ach, guck mal! So viele X’e müssen ja Glück bringen …»

Jetzt drängt sich mir aber eine Frage auf: Gibt es irgendein Negativ-Kennzeichen, wo du denkst: «Ach, du grüne Neune! Den Termin verschiebe ich mal besser?»

Nein, gibt es eigentlich nicht. Aber es gibt Tage, an denen meine Initialen überhaupt nicht auftauchen …

Was hast du denn so für Toi-toi-toichen und Rituale, bevor du auftrittst?

Ja, das musste ich irgendwann sehr einschränken … ich wurde ja wahnsinnig! Das ging so weit, dass ich Angst hatte, eine Bühne zu betreten, wenn ich mich nicht 1000-mal bekreuzigt oder irgendetwas bespuckt hatte. Diese ganzen Rituale! Und dann im Fernsehen auch noch. Eines Tages hab ich mir gesagt: «Du musst das mal reduzieren! Du versklavst dich ja!»

Erzähl!

Aaaalso, was ich heute immer noch mache: Unter uns Kollegen schenken wir uns ja meistens zur Premiere die Toi-toi-toichen: kleine Püppchen, Anhänger, Kärtchen und so weiter. Die stehen natürlich alle auf meinem Garderobentisch. Und nach der Vorstellung werden die eingepackt. Wenn ich in einem Theater en suite spiele, kann alles stehen bleiben – und das bleiben sie dann auch bis zur letzten Vorstellung. Oder ich baue alles vor jeder Vorstellung wieder auf. Als ich damals hier am Schauspielhaus sechs, sieben Stücke gleichzeitig gespielt hab, hatte ich sechs, sieben Plastiktüten, wo immer alles drin war. Je nachdem, was abends gegeben wurde, wurde das wieder aufgebaut. Das mache ich heute noch. Also, die Toi-toitoichen bleiben bis zur letzten Vorstellung bei mir.

Toi-toi-toichen sind ja eher putzig. Das machen ja viele, mich eingeschlossen. Was waren denn die rinderwahnsinnigen Aktionen, wo du sagst: «Das war inzwischen so schlimm geworden, ich konnte schon fast nicht mehr auftreten?»

Ich konnte auf der Hinterbühne unter keinem Gerüst durchgehen – unter keiner Leiter. Dann haben Theater ja manchmal verschiedene Ein- oder Ausgänge. Bühnen-Eingänge, Bühnen-Ausgänge, die nebeneinander liegen. Da gibt es eine rote Tür und eine grüne Tür. Oder eine rote und eine blaue Tür. Und ich musste immer die eine Tür, die ich als Erste benutzt habe, auch weiterhin benutzen. Meine Wasserflasche musste immer an der gleichen Stelle stehen – bis das Stück abgespielt war, da ich mir einbildete, nur dann wird der Abend ein Erfolg. Früher konnte ich nicht anfangen, bevor ich nicht sämtliche Kollegen bespuckt hatte. Und es gibt viele Kollegen, die finden das überhaupt nicht toll. Die sagen: «Lass mich bloß in Ruhe!» Ich musste viele Sachen in die Hand nehmen und bespucken. Die «extra» Toi-toi-toichen, die «besonderen», die wollten nicht nur bespuckt, sondern auch geknuddelt werden. Und zwar mit der rechten Hand und nicht mit der linken Hand. Und da habe ich mich weitgehend von freigemacht. Ich sage heutzutage: «Jetzt machen wir mal das Stück, und dann ist gut!» Der Rinderwahn behinderte mich. Der machte mich ja nicht ruhiger, sondern hysterischer. Mich davon zu befreien hat richtig Überwindung gekostet. Und manchmal wird die Vorstellung dann auch nicht so schön, da muss ich ganz tapfer sein und sagen: «Es lag nicht unbedingt an der Madonna, die ich jetzt nicht in der Hand hatte!» Wobei … die Madonna … ich habe von einer meiner Kaffeeklatschfrauen eine handgeschnitzte, kleine Madonna aus der Ukraine geschenkt bekommen, die muss immer dabei sein. Ich dachte, irgendetwas muss es ja sein. Du musst dich jetzt konzentrieren auf ein Teil. Und die Madonna ist es geworden. Ich hatte ja 5000 Püppchen, Eulen, Schweinchen … ich weiß nicht was alles. Damit musste einfach mal Feierabend sein. Und da habe ich einiges entsorgt.

Die Gerüste-Zille haben wir ja auch. Von Connys Mama Mildred geerbt … da kommen wir manchmal aus der Nummer raus, indem wir vorher dreimal spucken. Dann gehen wir drunter her, und nach dem Gerüst müssen wir erneut dreimal spucken.

Wir sind dankbar, dass wir nicht noch drei Flickflacks schlagen müssen.

Ich habe auch mal versucht, mir das abzugewöhnen. Aber wenn irgendwas Wichtiges bevorsteht, gehe ich da lieber nicht drunter her! Weil: Ein Gerüst ist ja nicht nur eine Leiter – da sind ja Tonnen von Leitern oben drauf. Nein, das geht nicht. Oder schwarze Katzen. Früher bin ich ja Kilometer Umwege wegen einer schwarzen Katze gefahren! Das mache ich jetzt nicht mehr. Heute denke ich: «Die Tiere wollen mir ja nichts Böses!»

Ja, so abergläubische, magische Rituale. Wir Künstler haben ja alle einen Spleen. Aber du hast da, glaube ich, nochmal ein Brikett mehr im Ofen als unsereiner.

Ja, aber wie gesagt, diverse Briketts sind ja jetzt schon verbrannt. Ich weiß nicht, von wem ich das habe. Ich bin da sehr anfällig für.

Wie sieht es aus mit Freitag, dem 13.?

Die 13 war immer eine gute Nummer. Aber ich würde nicht im 13. Stock wohnen wollen. Es gibt neumodische Flieger, die haben die Reihe 13 – das gab’s früher nicht. Da möchte ich nicht sitzen.

Gibt es denn richtig schlechte Omen? Was weiß ich, eine tote Krähe?

Nein. Das habe ich komischerweise nicht. Also so schlechte Omen … Omi … Omä … gibt’s da einen Plural?

Wie wär’s mit Omen?

Okay. Nein, das habe ich nicht. Das muss ich ehrlich sagen. Wiewohl: Unken! Das kann ich nicht gut haben. Wenn jemand immer alles schlechtspricht: «Ach, das geht so und so schief! Ach, das weiß ich schon, das wird nix!» Dann sage ich: «Bitte hör auf!» Ich glaube, da ist was dran, Sachen schlechtzureden. Ich glaube, das funktioniert, wenn man Sachen schlechtreden möchte.

Deshalb bist du auch so positiv.

Ja. Negativ zu sein und immer schlecht drauf zu sein, ist mir auch zu anstrengend. Ich bin ungern schlecht gelaunt. Auch weil ich meine, ich ertrage «Unglück» besser, wenn ich gut drauf bin. Wenn ich das nicht so verinnerliche. Ich lasse mir ungern etwas schlechtreden. Ich will es positiv sehen. Das ist wohl wahr.

Hast du eigentlich beim Essen Angewohnheiten, die du eher originell findest, oder die andere Menschen nicht mit dir teilen?

Nein. Abgesehen davon, dass mein Mann Oliver oft sagt, ich kaue zu laut, und dann den Tisch verlässt. Er mag es zum Beispiel überhaupt nicht, wenn ich zu Hause Äpfel esse. Das macht er aber nicht an mir fest, sondern er hasst dieses knackende Geräusch. Ich liebe auch frischgeknackte Nüsse. Da könnte Oli durchdrehen, das ist ihm auch zu laut, er dreht dann meist den Fernseher lauter.

Äpfel und Nüsse?

Nein, ist nicht dran zu denken. Ich darf auch kein Eis mit Schokostückchen drin essen, weil das knackt. Aber wir ergänzen uns da immer ganz gut, weil ich sage: «Ich rauche nicht mehr und muss deinen Zigarettenqualm einatmen, zum Ausgleich darf ich dabei ’ne Tafel Schokolade ‹knacken›.» Ich liebe natürlich Schokolade aus dem Kühlschrank. Und die knackt.

(Lacht.) Das ist so lustig! Die Conny macht auch so einen Krach beim Essen. Die Conny isst überhaupt nichts, was leise ist. Und ich liege im Bett und verstehe mein eigenes Wort nicht, weil so ein Höllenlärm ist. Möhren!

Darf ich auch nicht!

Wenn die Conny eine Möhre schreddert! Da habe ich eine Stunde was von!

Ja, wie bei uns.

Gestern löffelte sie eine Papaya. Dieses Geräusch! Wenn der Löffel in diesem harten Fruchtfleisch stochert …

Die war etwas unreif, die Papaya …

Ich habe mir den Ohrhörer vom Fernseher über die Ohren gezogen, weil ich dachte, ich kriege einen über mich. Das Geräusch! Als würde sie ein Wildschwein ausweiden.

Ich lach mich kaputt!

Ich verstehe Oli sehr gut! Wir sollten gemeinsam in Urlaub fahren! Oli und ich, wir lutschen nur Päppchen und Pudding. Und Conny und du – ihr macht Krach.

Ach, wie lustig. Ja, genau so!

Gibt es was von «früher»? Speisen, Situationen, Feiern, Feste? Wo du heute als großer Mann noch ein Kinder-Glücksgefühl verspürst?

Muss ich überlegen. Ich bin zwar Einzelkind, aber ich bin in einer Riesenfamilie groß geworden. In den 50er Jahren ging man ja nicht essen, es wurde zu Hause gekocht, und alle Familienfeste waren immer riesig. Wir waren immer ganz viele Leute. Es wurde von morgens bis abends gekocht und gegessen und getrunken und gebacken. Ich bin in Küchen groß geworden. Das hat mich sehr geprägt. Ich koche auch gerne. Ich fühle mich in Küchen immer wohl, wenn gekocht, wenn lamentiert wird, wenn Sachen geschnitzelt, Fleisch gebrutzelt oder irgendwelche Eintöpfe gekocht werden. Das bereitet mir ein wohliges Gefühl.

Du bist ja nun auch Caféhaus-Besitzer. Und auch bei dir zu Hause ist alles immer sehr, sehr schön dekoriert. Du legst sehr viel Wert auf schöne Gegenstände, die dich umgeben. Hast du da so Angewohnheiten: «Also, die Lampe, die darf da einfach nicht stehen, sonst kriege ich die Krise!»

Ja, das gibt es. Wir haben uns zu Hause auf ein Zimmer, das Wohnzimmer, geeinigt, wo ich die Flasche da stehen habe, das Glas da, die Tasse hier. Und so soll das bitte auch bis in alle Ewigkeit stehen, bis dann neu dekoriert oder neu eingerichtet wird.

Du hättest das wie Annie Wilkes in «Misery» sofort bemerkt, wenn der Pinguin 15 Grad in die andere Richtung geguckt hätte?

Sofort! Meine Tochter und Oli, die hassen mich dafür. Ich merke sofort, wenn jemand im Zimmer war. Ich bin aber auch ein sehr visueller Typ. Ich merke mir auch jetzt wieder, wo alles bei euch im Regal steht. Ich habe sofort gesehen, dass die Krone, als ich das letzte Mal da war, nicht da war.

Na gut, die ist ja auch nicht wirklich zu übersehen. Liebe Lesenation, wir sprechen von einem 1,20 Meter mal 1,20 Meter großen Bild.

(Lacht.) Ja, gut, nicht gerade dezent, aber, ich meine, diese ganze Wand ist nicht gerade dezent … Nein, aber wenn ich nach Hause komme, dann ist mein Kopf meistens so voll. Ich brauche dann Luft. Ich will mich hinsetzen und nicht darüber nachdenken: «Ich muss da noch aufräumen. Und da auch. Und da müsste ich das noch wegbringen. Und das Kissen muss genäht oder gereinigt werden!» Das hasse ich. Ich will mich hinsetzen und Frieden haben. Und wenn dann meine Augen über die Einrichtung wandern und ich denke: «Ach, guck mal, wie schön alles ist!», dann habe ich meine Ruhe.

Bist du jemand, der sich schnell vor etwas ekelt?

Nein, mir ist nichts Menschliches fremd.