2,99 €
Ein (hoffentlich) kurzweiliger Versuch, den Heavy Metal der 80er aus der Sicht eines Fans zu beschreiben
Das E-Book DIAGNOSE Infektion Metal wird angeboten von tredition und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Musik, Heavy Metal, Hard Rock, Rock, Konzerte, Konzertfotografie
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 267
Veröffentlichungsjahr: 2021
Diagnose
Infektion Metal
von
Jörg Schnebele
© Jörg Schnebele
Foto-Credits, wenn nicht anders gekennzeichnet: Jörg Schnebele
Verlag und Druck:
tredition GmbH
Halenreie 40-44
22359 Hamburg
ISBN
Paperback: 978-3-347-30068-2
Hardcover: 978-3-347-30069-9
e-Book: 978-3-347-30070-5
Das Werk, einschließlich seiner Teile und Fotos, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung ist ohne die Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Mein Dank geht an meine Frau Claudia für ihre Geduld und an meine Tochter Jenny für ihre Unterstützung an der Umsetzung dieses Buches
An Bands, Clubs und Veranstalter mein Appell, bitte durchzuhalten, bis wieder „normale“ Verhältnisse eintreten und wir uns erneut bei Konzerten sehen können.
„Rock 'n' Roll: Wenn deine Eltern ihn nicht mögen, dann ist er gut….“ (Lemmy)
Ich bitte um Nachsicht….
Als erstes bitte ich an dieser Stelle um Nachsicht.
Ich bin kein Schriftsteller und will es auch gar nicht sein!
Ebenso wenig bin ich Buchautor, auch wenn ich mich daran gewagt habe, eines zu verfassen.
Mein Buch soll kein Nachschlagewerk für die Heavy Metal Musik sein. Eher ein Zeitdokument aus den frühen Achtzigern aus der Sicht eines Fans, der das Bedürfnis hatte, sich über seine Lieblingsmusik mitzuteilen und absolut keine Ahnung hatte, wie man seine Gefühle und Empfindungen zu Papier bringt.
Geboren bin ich 1960 im oberbergischen Waldbröl in der Mitte Deutschlands.
Von den berüchtigten 68ern habe ich leider nur recht wenig mitbekommen, da ich in einem „gut behüteten“ Elternhaus aufgewachsen bin, wo im Radio Schlager liefen, aber bestimmt keine Musik von langhaarigen Gammlern.
Ob meine Vorliebe für den harten Rock ursprünglich eine Rebellion gegen meine Eltern war…. Ich kann es gar nicht mal sagen.
Fasziniert hat mich damals das Cover der Deep Purple „In Rock“, welches ich irgendwo habe stehen sehen.
Dass mir meine Eltern den Weihnachtswunsch erfüllten und mir „In Rock“ unter den Tannenbaum legten, konnten sie sich wohl nie verzeihen.
Obwohl ich keinen Song des Albums kannte (und bewusst vorher auch noch nichts von der Band Deep Purple gehört hatte), schlugen die ersten Töne von „Speed King“ dauerhaft und mit solch einer Wucht bei mir ein, dass ich regelrecht süchtig wurde und von nun an nach ähnlicher Mucke gierte.
Ich habe in den folgenden Jahren nach allem gesucht, was ähnlich klang und eine ähnliche Wirkung auf mich hatte.
In der Schule als auch in der Familie war ich das schwarze Schaf. Meine Mitschüler lächelten mich mitleidig an, wenn ich von Purple, Led Zeppelin, UFO, später von Ted Nugent oder Kiss schwärmte.
Sowohl Klassenkameraden als auch Familienmitglieder waren sich sicher, dass sich dieser Musikgeschmack „auswachsen“ und ich eines Tages wieder auf den „richtigen“ Weg zurückfinden würde.
Aber ich war bereits auf dem RICHTIGEN WEG; und auf diesem Weg sollte es die nächsten Jahre und Jahrzehnte unbeirrt weitergehen.
Im Freundeskreis teilten wir anfangs unseren musikalischen Geschmack; allerdings waren meine Best Friends offensichtlich eher zeitweilige Mitläufer in Sachen härterer Musik, als wirklich mit dem Herzen dabei.
Anfangs besuchten wir noch zusammen Konzerte. Als ich dann, erst wegen der Bundeswehr, dann wegen des Studiums, aus dem beschaulichen Waldbröl wegzog und im „brodelnden Bonn“ landete, waren gemeinsame Konzertfahrten passé.
Voller Unbeschwertheit bin ich 1982 an das Schreiben meines geplanten Buches herangegangen. Heute liest sich Vieles, was ich hier verbrochen habe (zurecht) naiv und dilettantisch.
Man darf aber bitte nicht außer Acht lassen, dass der Metal, so wie er sich damals darstellte und entwickelte, für Leute meines Alters die pure Revolution war.
Ich wollte mich einfach nur äußern, Stellung beziehen, Teil von etwas Großem sein.
Und das, was das Schreiben angeht, ohne irgendwelche fachlich kompetenten Grundlagen.
Den Mut, besser, die Leichtsinnigkeit, die Schreibmaschine in die Hand zu nehmen, könnte meinem damaligen Germanistikstudium geschuldet gewesen sein (was jetzt auch nicht gerade für mich spricht).
Ich hoffe, dass das ursprüngliche Manuskript, ergänzt mit aktuellen Einschätzungen und Kommentaren, eher zum Schmunzeln einlädt, als böse Kritik und einen Shitstorm initiiert.
Damals war für mich alles, was ich niedergeschrieben habe, todernst. Heute eher eine (hoffentlich nette) Sammlung kleiner Anekdoten.
Viele Einschätzungen meinerseits waren rein subjektive Wahrnehmungen; durch nichts und niemanden fundiert oder bestätigt.
Nehmt das, was Ihr hier lest nicht als Manifest, sondern eher als unterhaltsame Darstellung der damals so neuen und spärlichen Szene.
Als ich 1982 anfing, die ersten Sätze meines Buches über die Musik, die mich so faszinierte zu verfassen, gab es in Deutschland noch keine professionelle Lektüre über den Heavy Metal.
Erst ein Jahr später, nämlich 1983, startete der Metal Hammer; im gleichen Jahr entdeckte auch das damalige Fanzine Rock Hard das Licht der Welt.
Ich selbst stieg 1985 beim Bonner Fanzine Live Wire als Schreiber ein, welches 1984 noch als Club Magazin des Hard Rock Clubs Bonn veröffentlicht wurde.
Anfänglich als freier Mitarbeiter wurde ich schnell Redaktionsmitglied, und schließlich übernahm ich das Blatt und wurde der Herausgeber.
Zu dieser Zeit schossen unzählige Fanzines aus dem Boden, um der breiten Masse der Fans eine Plattform an Informationen, Veröffentlichungen und Konzerten zu geben.
Gemacht von Leuten wie mir, die anfänglich keinerlei Ahnung davon hatten, wie man ein Musikmagazin gestaltet.
Über die harte Musik konnte man sich zur damaligen Zeit am besten dadurch informieren, dass man einen Plattenladen aufsuchte, der sich auf Hard Rock und Heavy Metal spezialisiert hatte.
Solche Plattenläden entwickelten sich schnell zu Treffpunkten der Metal Fans; wo sonst sollte man Gleichgesinnte treffen?
Darüber hinaus muss man berücksichtigen, dass so etwas wie Internet, Mails oder WhatsApp noch in weiter Ferne lag und lediglich eine spärliche Mainstreampresse existierte.
Das machte einem das Leben als Metal Fan nicht wirklich einfach.
Anfang aller Metal Gazetten: Music Express Heavy Metal Spezial 1981
Und so begab es sich, dass ich mich in meinem Buch quasi nur mit einer Handvoll Bands auseinandersetze, besser gesagt, auseinandersetzen konnte.
Die meisten Gruppen, mit denen ich mich hier befasse, tauchten im Mai 1981 in einer Sonderausgabe des Musik Express auf, die sich ausschließlich mit Heavy Metal beschäftigte und mir in Bezug auf geile Musik die Augen und Ohren öffnete.
Von hier stammen auch die überwiegenden Informationen zur Szene und zu den Bands.
Das, was man dort zu lesen bekam, saugte man in sich auf wie ein Schwamm.
Bands und Alben, die dort besprochen wurden, standen kurz darauf in den eigenen Plattensammlungen.
Damals nicht unbedingt einfach für die Plattendealer, die selber oft noch nie von den meisten Bands gehört hatten und uns Fans vertrauen mussten, dass Namen und Albumtitel keine Hirngespinste waren, sondern reale Veröffentlichungen, die im Untergrund darauf warteten, gekauft zu werden.
Natürlich sind mir 1982 jede Menge Bands durch die Lappen gegangen, aber das lag in der Tat an der prinzipiell nicht existierenden Szene.
Und am kleinen Geldbeutel; ich hatte als Student kaum Kohle und sparte mir jede Scheibe von meinem Essensgeld ab.
Zwei/drei Jahre später hätte das Ganze aufgrund einer sich schnell entwickelnden Szene deutlich vielfältiger ausgesehen.
Das betrifft nicht nur die hier besprochenen Bands, sondern auch viele meiner Erklärungsversuche zur Szene.
Ich muss selber über das schmunzeln, was ich hier so von mir gegeben habe. Zum damaligen Zeitpunkt dennoch nicht abwegig, durchaus vertretbar und nachvollziehbar.
Wie sehr mich der Heavy Metal gepackt hat, zeigt auch mein späterer Werdegang innerhalb dieses Metiers.
Nebenberuflich war ich wie schon oben gesagt, Herausgeber des Fanzines Live Wire. Fotograf, Redakteur, halt alles, was man so machen musste, um ein Magazin am Laufen zu halten.
Parallel arbeitete ich als Fotograf und Redakteur für das Magazin „Shark“, versuchte mich als Manager diverser Bands, jobbte bei der Plattenfirma Roadrunner.
Nachdem ich das Live Wire 1992 sterben lassen musste, blieb ich der Szene allerdings weiterhin als Fan treu.
Einige Verbindungen zu Managements und Musikern konnte ich aufrechterhalten, so dass mir, als ich 2011 wieder in den Fotograben wollte, die Wege durch meine noch bestehenden Kontakte geebnet wurden.
Seit 2015 ging es dann bei mir wieder in den aktiveren Bereich, indem ich als Redakteur und Fotograf beim Webzine Hellfire (www.hellfiremagazin.de) anheuerte.
TEIL 1
Einleitung
Jeder Mensch hat einen eigenen Geschmack! Gott sei Dank, kann ich nur sagen. Aus diesem Grund werden die Meinungen über mein Buch auseinandergehen.
Der eine Leser wird denken: „Wo ist denn diese oder jene Band geblieben?“ Der andere wird sich darüber aufregen, was ich über die eine oder andere Gruppe zu sagen habe.
Zu Punkt eins: Es gibt sicherlich noch viele Bands, die es wert gewesen wären, inmitten der anderen Bands aufgeführt zu werden.
Aber wollte man alle Heavy Metal Bands berücksichtigen, so machte man eine Lebendsaufgabe daraus. Deshalb musste eine Auswahl getroffen werden.
Punkt zwei: Auch ich habe einen eigenen Geschmack.
Es gibt Bands, die finde ich einfach spitze, andere Combos drücken mir mein Essen aus dem Magen.
Beide Spezies habe ich in meinem Buch berücksichtigt und mich bemüht, so objektiv, so fair wie möglich darüber zu schreiben.
Trotzdem mag es angehen, dass ich mich bei der einen oder anderen Band dazu habe hinreißen lassen, etwas von meinem objektiven Weg abzugehen.
Dazu kann ich nur folgendes sagen: Über ein Thema, wie die Heavy Metal Musik, kann man sich nicht soweit distanzieren, um sie völlig objektiv darzustellen.
Man könnte das nur, wenn man zu der Musik absolut keine Beziehung hat.
Und würde jemand, der keine Beziehung zum Heavy Metal hat, ein Buch darüber schreiben?
Heavy Metal: was ist das?
Es ist sicherlich einfacher, einem Laien die Relativitätstheorie zu erläutern, als den Begriff Heavy Metal eindeutig und klar zu definieren.
Befragt man zehn „Fachleute“ zu diesem Thema, so erhält man bestimmt zehn verschiedene Antworten.
Nicht zuletzt liegt das am unterschiedlichen Geschmack und an der subjektiven Empfindung, die mit dieser Musikrichtung einhergeht.
Und da hätten wir schon einmal das wichtigste Kriterium: Heavy Metal ist eine Musikrichtung!
Aber ist diese Richtung bewusst eingeschlagen worden? War es eine stetige Entwicklung? Oder ist Heavy Metal vielleicht aus einer Art Urknall entstanden?
Fest steht, dass Heavy Metal nicht aus einem Urknall entstanden ist, obwohl Urknall eigentlich eine angemessene Bezeichnung wäre.
Um eine Abgrenzung zu anderen Kategorien der Rockmusik herstellen zu können und die Besonderheit des Heavy Metals darzulegen, ist es notwendig, den Schwermetall musikalisch zu beschreiben.
Der Heavy Metal bewirkt in jedem seiner Anhänger eine Freisetzung seiner Aggressionen durch seinen Drive, seine Power, seine Entladung von Gefühlen.
Obwohl auch einige wenige softere Stücke im Heavy Metal Repertoire zu finden sind, ist im Allgemeinen fordernder, aggressiver, stampfender Sound die Waffe der Heavy Metaller.
An dieser Stelle hat sich dann im Laufe der Jahre und Jahrzehnte herausgestellt, dass auch Balladen sehr wohl zum Heavy Metal gehören. Selbst eine Band wie Manowar attestierte, dass auch Balladen heavy sein können und belegten das gleich mit zwei Songs auf ihrem Album „Kings Of Metal“, nämlich „Heart Of Steel“ und „The Crown And The Ring“.
Schlagzeug und Bass halten einen durchdringenden Rhythmus, der jeden Metal Freak zum Headbangen auffordert.
Die Gitarren, meistens zwei an der Zahl, schreien immer wieder den für den Heavy Metal typischen, einprägsamen Riff heraus.
Gitarren Endlos-Soli sind nicht mehr so gefragt, wie es zum Beispiel bei Deep Purple in der Vergangenheit der Fall war.
Sie würden nur den Spielfluss zerstören.
Auch hier muss man inzwischen das Ganze relativieren. Soli waren nicht grundsätzlich wirklich verpönt.
Was die Endlos-Soli angeht, haben auch Saitenhexer wie Yngwie Malmsteen und Konsorten zum späteren Zeitpunkt bewiesen, dass sehr oft das Ego über songwriterischen Qualitäten stehen kann.
Piano oder Keyboards findet man beim Heavy Metal ziemlich selten. Beides wird auch oft nebenbei von Gitarristen oder Bassisten bedient.
Andere Instrumente sind für den Heavy Metal tabu!
In Bezug auf die Instrumente beim Heavy Metal, lief ich damals offensichtlich extrem in die Irre.
Spätestens mit der aufkommenden Hair Metal Welle bewiesen Bands wie zum Beispiel Bon Jovi, dass die Keyboards durchaus als festes Instrument dazugehören.
Damals versuchten sich übrigens viele Bands, die Keyboards einsetzten, aus der Affäre zu winden, indem sie den Tasteninstrumenten lediglich die Funktion eines „Soundteppichs“ attestierten.
Auf den Covern der Alben tauchte das Wort Keyboards eher versteckt auf.
Hier zerrieben sich einzelne Fangruppen, indem schon mal recht militant ausdiskutiert wurde, ob der Einsatz von Keyboards die Bezeichnung Heavy automatisch ad absurdum führe.
Hätte man damals gewusst, dass irgendwann sehr „atypische“ Instrumente in den Metal Einzug halten würden, hätte man sich weniger den Streitereien, sondern eher dem ausschließlichen Hörgenuss hingegeben.
Bands wie Subway to Sally, Eluveitie…. Damals undenkbar.
Und dass die Speersitze des deutschen Metals, Accept und parallel dazu auch U.D.O., einmal mit einem Orchester auf der Bühne stehen würden…. Blasphemie!!
Vielleicht noch wichtiger als die Instrumente ist aber der Gesang.
Heavy Metal Bands benötigen ein Sprachrohr, welches selbst die kreischenden Gitarren übertönt.
Eine Röhre, die einige Oktaven rauf und runtertanzt, ohne ihre Klarheit und Überzeugungskraft einzubüßen.
Die Bands, die es ohne eine solche Sirene versuchen, sind dem Untergang geweiht, noch bevor sie sich in die Masse der Heavy Metal Bands einreihen konnten.
Eine verwegene Prophezeiung meinerseits. Aus der heutigen Sicht absoluter Bullshit.
Im Gegenteil: die in den Achtzigern typischen „Sirenen“ werden in der heutigen Zeit eher nostalgisch betrachtet. Growls führen bekanntlich in die komplett entgegengesetzte Richtung. Und zwischen Beidem ist jede Menge Spielraum.
Bands, die sich zu Ihren in den Achtzigern liegenden Wurzeln bekennen, wie zum Beispiel die deutsche Combo Stallion oder die Schweden von Bullet, folgen weiterhin gesanglich dem „traditionellen“ Metal.
Bullet (Besprechung weiter hinten im Buch) ist übrigens das Stichwort: Es gab in den Achtzigern in Deutschland eine Band gleichen Namens, die offensichtlich stilistisch den Schweden als Vorlage diente. Oder vielleicht doch nur ein Haufen Zufälle?
Gesanglich hat sich seit 1982 viel verändert; es gibt inzwischen keinen Gesangsstil mehr, der nicht im Metal eingesetzt wird.
Und dennoch: Trotz dieser vagen und knappen Charakterisierung des Heavy Metals ist die Vielseitigkeit dieser Musikrichtung bemerkenswert.
Da bin ich ob meiner damaligen Erkenntnis selbst überrascht.
Geburt und Entwicklung des Heavy Metals
In diesem Teil des Buches fällt mir jetzt erst auf, wie sehr ich zwischen den Begriffen progressive Musik, Hard Rock und Heavy Metal hin und hergesprungen bin.
Hätte mir eigentlich schon damals aufgefallen sein müssen.
Geboren ist der Heavy Metal Anfang der Sechziger unter einem anderen Namen.
Er wurde damals progressiv genannt oder einfach als Hard Rock bezeichnet.
Es muss allerdings erwähnt werden, dass dieser Hard Rock eine lange Entwicklungszeit durchleben musste, um zum Heavy Metal zu reifen.
Auch der Heavy Metal hatte nicht nur gute Zeiten. Er ging erst die sieben fruchtbaren Jahre an, denen die sieben unfruchtbaren folgten, bis er dann in einer Wiedergeburt als der eigentliche Heavy Metal zurückkam.
Im Grundgedanken vielleicht richtig, meine Deutung allerdings ohne wirkliche Belege und rein spekulativ.
Wie gesagt wurde der Vorläufer des Heavy Metal Anfang der Sechziger geboren.
Die Kinks brachten „You Really Got Me“ (1964) heraus, das ausschließlich von einem Riff geprägt wurde.
Zur gleichen Zeit (1963/64) sorgte Eric Clapton mit den Yardbirds für großes Aufsehen. Er wurde später von Jeff Beck abgelöst, der wiederrum durch Jimmy Page ersetzt wurde.
Auch Jimi Hendrix steuerte einiges zur Entwicklung des Heavy Metals bei.
1968 lösten sich die Yardbirds auf und Jimmy Page gründete Led Zeppelin.
Zur gleichen Zeit steckten auch bereits Deep Purple in den Kinderschuhen.
Grand Funk Railroad, Black Sabbath und viele andere Gruppen hatten sich der progressiven Musik verschrieben.
Bis Anfang der Siebziger war für diese Gruppen ein gutes Auskommen gesichert, denn der Erfolg war mehr als offensichtlich.
Doch diese fruchtbaren Jahre gingen langsam ihrem Ende entgegen.
Hier fehlte lediglich die Weitsicht, was dann zu dieser Äußerung führte, die ich heute nicht mehr unterschreiben würde.
Deep Purple hatten innerhalb der Band einen Zwist nach dem anderen auszutragen. Das führte dann schließlich zur Beendigung ihrer Karriere.
Dass Deep Purple 1984 mit einer Reunion am Start waren und bis heute bestens im Geschäft sind, konnte ich natürlich 1982 noch nicht ahnen.
Led Zeppelin brachten lange Zeit kein neues Material auf den Markt, mit denen man an die alten Erfolge anknüfen konnte.
Hier fehlte mir schlicht der Überblick, resultierend aus geringer Pressepräsenz.
UFO erregten 1973 ein kurzes Aufsehen, als sie „Prince Kajuku“ herausbrachten.
Was UFO angeht, vollkommender Quatsch, denn spätestens mit Michael Schenker an der Gitarre (1974-1978) präsentierte sich die Band in absoluter Höchstform und hinterließ der Menschheit aus dieser Periode absolute Perlen harter Musik.
Aber bis zum Ende der Siebziger sah es böse aus mit dem Hard Rock.
Slade, Sweet, T.Rex, Alice Cooper und einige andere Bands ließen die Fans in dieser schweren Zeit, ohne echte mitreißende Songs, nicht alleine.
„Ohne echte mitreißende Songs?!?“ Da habe ich offensichtlich die komplette „Glitter Periode“ verdrängt. Songs dieser Bands werden bis zum heutigen Tag von jeder Menge Metal Bands gecovert; und wenn auch Sweet und Slade nicht mehr in der Originalbesetzung zusammen sind, gehören sie doch bis zum heutigen Tag dazu.
Mal abgesehen von Alice Cooper. Der inzwischen 72-jährige steht immer noch auf der Bühne und war speziell in den Achtzigern erfolgreicher, als zu seiner „School’s Out“ Periode.
Die Zeit des Punks war gekommen. Viele Anhänger des Hard Rock desertierten ins Lager der Punks.
Viele der damals gegründeten Heavy Metal Bands hatten aufgrund des Punk-Booms schwer zu kämpfen, um ihren Kopf über Wasser zu halten.
Während hier in Europa der Punk die absolute Oberhand gewann und sich nur vereinzelte Hard Rock Gruppen wie zum Beispiel Status Quo allgemeiner Beliebtheit erfreuten, war das musikalische Spektrum in den USA etwas breiter gestaffelt.
Kiss zum Beispiel hatten in Amerika keine großen Schwierigkeiten, sich an die Spitze vorzuarbeiten und dort zu halten.
Dass der Weg für Kiss in den Siebzigern in den USA alles andere als leicht war, habe ich mir erst 2019 beim Lesen von Paul Stanleys Buch „Hinter der Maske“ verinnerlichen können.
Ich denke, auch hier war die damalige beschränkte Wahrnehmung irreführend.
In Europa hatten sie es dagegen bedeutend schwerer, einen Fuß auf den Boden zu bekommen.
Jedoch schon 1979 war es mit dem Punk wieder vorbei.
Die Spontanität der Punker war verlorengegangen; die Punks waren von ihrer „No Future“ Einstellung gar nicht mehr so überzeugt, wie zu Beginn ihrer musikalischen Laufbahn.
Das war die Chance für den Heavy Metal, der sich im Untergrund gehalten hatte. Er benötigte deshalb auch keine lange Anlaufzeit, sondern konnte sofort einiges an Material vorweisen und durchstarten.
AC/DC hatten 1978 bereits ihr fünftes Album auf dem Markt.
Motörhead saßen in den Startlöchern.
Gegründet haben sich Motörhead bereits 1975, also nicht mehr so ganz „in den Startlöchern“.
Judas Priest, Saxon, Krokus und Iron Maiden warteten nur darauf, ihre Botschaft herauszuschreien.
Die Wiedergeburt des Heavy Metals war vollzogen.
Wie lassen sich Hard Rock und Heavy Metal unterscheiden?
Dass der Heavy Metal aus dem Hard Rock hervorgeht, ist überhaupt nicht zu leugnen.
Jedoch darf man diese beiden Richtungen nicht gleichsetzen, denn der Heavy Metal ist ja nicht in seiner Entwicklung stehengeblieben.
Vielmehr vollzog er eine Entwicklung, in der er es schaffte, seinen Stil zu verfeinern, ohne jedoch die Grundidee des Hard Rock zu vernachlässigen.
Die Aufgabe der Rhythmus bestimmenden Instrumente Bass und Schlagzeug blieben gleich. Sie sollten, sich gegenseitig unterstützend, den Heavy Metal spezifischen Drive bringen.
Dagegen ist der Einsatz der Gitarren beim Heavy Metal dem Hard Rock gegenüber verändert worden.
Die für den Hard Rock typischen Endlossoli wurden auf ein Minimum gekürzt.
Kamen die Hardrocker mit einer Gitarre aus, so sind bei den Heavy Metallern überwiegend zwei im Einsatz, die sich mit Rhythmus und kurzen Soli abwechseln.
Eindeutiger Tunnelblick meinerseits, der als erste Metal Bands Saxon, Judas Priest, Iron Maiden, Accept oder Krokus wahrnahm. Zu dieser Zeit stimmte die These allerdings (überwiegend).
Beim Hard Rock war der Gesang nicht so wichtig, wie er später beim Heavy Metal sein sollte.
Knappe, einfache Texte wurden ohne Ausflüge in Höhen und Überhöhen dargeboten. Man hatte den Eindruck, dass damit die solofreien Passagen überbrückt werden sollten.
Natürlich gab es auch Ausnahmen.
Ein Anspieltipp dafür ist „Child In Time“ von Deep Purple. Ian Gillan bringt hier schon das, was später beim Heavy Metal Voraussetzung einer Spitzenband sein sollte.
Meine hier angeführte „Ausnahme“ zeigt schon klar und deutlich auf, was für einen Bockmist ich verzapft habe. So habe ich zum Beispiel Sänger wie Robert Plant vollkommen außer Acht gelassen.
Vielleicht hat mich der Gesang von Ozzy dazu bewogen, diesen dämlichen Standpunkt zu vertreten.
Und damit wären wir beim markantesten Merkmal des Heavy Metals: der Stimme!
Jede Heavy Metal Gruppe, die etwas auf sich hält, hat einen Sänger, der jede Sirene in den Schatten stellen könnte.
In der damaligen Zeit durchaus (mit eingeschränktem Weitblick) nachvollziehbar. Die Sänger versuchten sich allesamt in den Höhen zu überbieten. Ein ganz „normaler“ Gesang war eher die Ausnahme.
Halford, Dickinson, Dirkschneider…. Sie legten die Messlatte extrem hoch. Wer Erfolg haben wollte, musste gezwungenermaßen nacheifern.
Im Gegensatz zum Hard Rock verstanden es die Metaller außerdem, ihren Stücken einen persönlichen Stempel aufzudrücken, indem sie Songparts kreierten, die leicht einprägsam und melodisch waren.
Na, den eigenen Stempel versucht(e) wohl jede Band ihren Songs aufzudrücken; andernfalls hätten sie es gleich lassen können. Wer zum Beispiel Deep Purple, Led Zeppelin oder UFO Eigenständigkeit abspricht, hinterlässt nur unverständiges Kopfschütteln.
Mit Hilfe besserer und stärkerer Anlagen brachten es die Metaller fertig, ihren Sound in spitzenmäßigerQualität und mit weit höheren Dezibel Werten als die Hard Rocker sowohl auf Platte als auch im Konzertsaal unter ihre Anhänger zu bringen.
Richtig ist, dass sich mit besseren Anlagen in Konzerthallen und besseren Studios, die Sound-Qualität über die Jahre deutlich verbesserte. Alleine das digitale Mastern analoger Platten machte den Sound schon bedeutend druckvoller.
Aber live? Da bewegte ich mich auf dem Holzpfad und zwar mangels Konzertbesuchen und vor allen Dingen wegen meines Alters.
In vielen Gesprächen mit etwas älteren Hard und Heavy Fans wurde mir glaubhaft versichert, dass zum Beispiel bei Led Zeppelin Konzerten der Putz seinerzeit von den Decken der Hallen gerieselt sein soll. Dichtung oder Wahrheit? Wer weiß.
Unterschiedliche Verbreitung des Heavy Metals in der Welt
Obwohl der Heavy Metal seine Arme über die ganze Welt ausbreitet, heißt das noch lange nicht, dass auch von jedem Erdteil gleichermaßen viele und gute Gruppen auf dem Weg ihrer Mission sind.
Um die Unterschiede etwas deutlicher zu machen, werde ich einzelne Länder auf ihren Gehalt an Heavy Metal Gruppen und ihren Erfolg hin kurz darstellen.
Diesen Abschnitt hätte ich mir damals komplett schenken können; denn wenn man mal so gar keinen Plan hat, was auf der Welt passiert, sollte man besser die Klappe halten.
Aber wie hätte ich auch die nötigen Informationen bekommen sollen? Vereinzelte Berichte in Zeitschriften wie dem „Sounds“ oder „Musik Express“, gaben einen nur sehr limitierten Einblick in die internationale Szene des Heavy Metals.
Aber es geht ja noch weiter: Heavy Metal war gerade für diese Blätter eher eine Subkultur, der man sich und seine Leserschaft überwiegend entzog.
Subkultur war ja nicht falsch, aber damit befassten sich die „seriösen“ Blätter eher selten.
Erst, wenn die Bands verhältnismäßig groß wurden, kam man nicht an einem Bericht vorbei.
So geschehen 1981 im Music Express, als man Peter „Biff“ Byford von Saxon anlässlich der „Denim And Leather“ Veröffentlichung interviewte und der Band einen mehrseitigen Bericht widmete.
England ist sicherlich das Königreich und somit die Hochburg des Schwermetalls. Gruppen wie Judas Priest, Saxon, Iron Maiden oder Motörhead, um nur einige wenige zu nennen, stammen aus dem vereinigten Königreich.
Dort hatten sie die Möglichkeit, sich nach oben zu spielen. Danach war der Sprung auf den Kontinentnicht mehr schwer, und auch nach Übersee bauten sie sich ihre Brücken.
In England wurde dafür gesorgt, dass ein bisschen Mut in alle Welt ging. Mut, eigene Bands ins Leben zu rufen und das, was man bis dahin nur im kleinen Kreis von sich gab, über die eigenen Grenzen, in alle Welt zu schreien.
Als nun die Plattenfirmen sahen, welchem Erfolg sich die Metaller erspielten, waren sie plötzlich auch diesen neuen Bands gegenüber offener eingestellt.
Hier machte sich bei mir wieder Unwissenheit breit, denn die alteingesessenen Plattenfirmen gingen äußert vorsichtig und zögerlich an die neue Szene heran. Unter anderem deswegen, weil bei den Major Companies einfach die „Fachleute“ fehlten.
Zu dieser Zeit schossen Independent Label wie Pilze aus dem Boden. Plattenfirmen von Fans für Fans gegründet.
Hatten diese mit ihren gesignten Bands Erfolg, versuchten die Major Companies im Nachgang mit attraktiven finanzstarken Angeboten, die Bands auf ihre Seite zu ziehen, was für die Bands oft schlecht ausging, weil auch im Bereich Promotion die Labels nicht gerade optimal aufgestellt waren.
Amerika hat sich nicht nur durch seine Entfernung zu Europa ein wenig abgekapselt. Obwohl die europäischen Schwermetaller im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Fuß fassen konnten, war es bei den Ami-Bands ziemlich dürftig.
In Amerika behielt man über die Jahre eher den Kontakt zu den Hard Rockern.
REO Speedwagon, Foreigner oder Ted Nugent sind nur einige Beispiele dafür. Trotzdem geht heute Amerika in Bezug auf Heavy Metal nicht leer aus: Molly Hatchet, Blackfoot oder Mötley Crüe sind Amerikas Heavy Metal Argumente.
In der Tat verzerrte auch in Bezug auf Amerika mein subjektiver Tunnelblick die tatsächliche Entwicklung in den Staaten.
Metallica zum Beispiel veröffentlichten zwar erst 1983 ihr Debüt „Kill em All“, waren aber schon zwei Jahre vorher aktiv. Und so lief es nicht nur in der Bay Area mit vielen anderen Bands.
Das Tapetrading brachte etwas später mehr Licht in die US-Szene und Fanzines streuten die Infos über ihre Independent Kanäle.
Kanada ist genauso weit vom Schuss, wie die USA, hat aber trotzdem äußerst starke Heavy Metal Geschichte vorzuweisen.
Triumph gehören zur kanadischen Heavy Metal Garde genauso, wie Anvil und April Wine.
Aber irgendwie haben die kanadischen Bands den Sprung über den großen Teich noch nicht vermocht zu überspringen.
Offensichtlich ist es einfacher, von Europa nach Amerika zu gehen, als umgekehrt.
Auf dem amerikanischen Kontinent allerdings sind die Kanadier durchaus bekannt und beliebt.
Im Fall von April Wine habe ich tatsächlich gepennt; denn, im März 1981 tourten die Kanadier mit den Schweizern von Krokus als Support durch Europa.
Ich selbst habe sie in Köln gesehen; allerdings hatte man sich mit den Helvetiern die falsche Band im Vorprogramm ausgesucht: Krokus spielten April Wine mit Anlauf an die Wand. Dementsprechend schien die Erinnerungen an April Wine bei mir eher verblasst zu sein.
Australien ist ja noch weiter vom Schuss als die USA. Dennoch finden australische Bands ohne Schwierigkeiten ihren Weg in die Welt.
Dass die Combos aus dem Land der Kängurus qualitativ top sind, beweisen Namen wie AC/DC oder Rose Tattoo.
Mittlerweile sind die australischen Schwermetaller aber in Europa heimischer als auf ihrem Heimatkontinent.
Hat man den Sprung nach oben erst einmal geschafft, so darf man seine Position nicht mehr durch zu große Entfernungen zur Hochburg des Metals riskieren.
Ob die australischen Bands tatsächlich mehr außerhalb Australiens und weniger im eigenen Land unterwegs waren, konnte ich gar nicht beurteilen. Wie denn auch ohne eine allgegenwärtige Metal Presse.
Allerdings halte ich meine Spekulation mit zeitlichem Abstand für durchaus nachvollziehbar.
Deutschland, eigentlich Hochburg der Schnulzen und des Schlagers, konnte im Laufe der Zeit seine eigenen Heavy Metal Bands in die Spitzengruppe des Schwermetalls katapultieren.
Die Scorpions sind wohl die berühmteste deutsche Band, die mit ihrem Album „Blackout“ sogar an die Spitze der amerikanischen Charts vordringen konnte.
Lange Zeit waren sie aber auch schon das Einzige, was Deutschland anzubieten hatte.
Mittlerweile konnten sich auch Gruppen wie Accept und Trance in die (inter)nationalen Spitzenpositionen drängen.
Es war damals tatsächlich so, dass die Scorps, Accept und Trance das deutsche Aushängeschild in Sachen Metal waren.
Es gab zwar bereits Bands wie Running Wild oder Sinner, die machten aber erst ein bis zwei Jahre später auf sich aufmerksam.
Frankreich hatte von jeher ein offenes Ohr für den Heavy Metal; zum Teil bedingt durch den Sprung der Engländer, die den Kontinent stets über Frankreich erreichen mussten.
Es mangelt allerdings an eigener Heavy Metal Ware.
Trust sind so ziemlich die Einzigen, die in Frankreich ihren Beitrag zur Heavy Metal Gemeinschaft beitragen konnten.
Die Aussage, dass Frankreich „von jeher ein offenes Ohr für den Heavy Metal hatte“, war wohl auch eher mein persönliches Statement, um wenigsten einen Zweizeiler zum Thema Frankreich hinzubekommen.
1982 war es wirklich mau um den französischen Metal bestellt.
Bands wie Sortilége existierten zwar schon, hatten aber noch kein Vinyl am Start; das folgte erst 1983.
Die Schweiz ist nicht nur eine Garantie für gute Uhren, leckere Schokolade und sichere Banken, sondern auch Sitz bekannter und sehr guter Heavy Metal Bands.
Die Namen Krokus und Killer sprechen für sich.
Kurz und knapp mein Statement zur Schweiz. Das täuscht allerdings etwas darüber hinweg, dass besonders Krokus ganz nach oben in den Metal Olymp klettern sollten und, mit einigen Unterbrechungen und diversen Umbesetzungen, heute noch sehr erfolgreich sind.
Mit den Alben „Metal Rendez-vous“ und „Hardware“ zeichnete sich schon damals ab, dass mit Krokus weiterhin zu rechnen sein dürfte.
Japan ist ein Land, aus dem bis jetzt keine Heavy Metal Band ihre Botschaft in die Welt verbreitet hat. Trotzdem es mir wichtig, das Land des Lächelns hier zu berücksichtigen.
Denn obwohl Japan auf dem Gebiet des Metal keinen eigenen Beitrag hinzufügen kann, steht es dennoch dem Schwermetall aus aller Welt offen gegenüber.
Viele Bands, die in Europa oder Amerika nicht vermochten, sich eine Fangemeine zu erspielen, schafften dies, nachdem sie im Sturm Japan erobert hatten.
In der Tat ist mir keine Metal Band zu dieser Zeit aus Japan bekannt, die Europa aufhorchen ließ.
Loudness waren zwar schon am Start, mit „Disillusion“ erzielten sie aber erst 1984 Erfolge in Europa.
44 Magnum, bereits seit 1977 in Japan aktiv, schafften es erst Mitte der Achtziger durch die ersten heimischen Metal TV-Kanäle, sich in unseren Breiten mit ihren Videoclips Gehör zu verschaffen.
Anthem starteten 1981, wurden aber erst richtig durch das 1986 erschienene Album „Tightrope“ in Deutschland bekannt.
Die Japanischen Bands konzentrierten sich aufgrund der – sagen wir mal – isolierten geografischen Lage damals hauptsächlich auf ihr Heimatland. Dazu gehörte auch, dass man innerhalb eines Jahres zwei Alben veröffentlichte, um danach gleich wieder mit neuem Material heimische Konzerthallen zu füllen.
Der eine oder andere mag vielleicht Belgien in meiner Auflistung relevanter Länder vermissen. Hier hat sich aber tatsächlich meine Schreiberei und der Start belgischer Metal Bands überschnitten, so zum Beispiel die belgische Ausgabe von Killer.
Zudem machte (aber erst) ab 1986 Belgien durch das Dynamo Open Air auf sich aufmerksam und etablierte ein äußerst wichtiges Festival, welches zum letzten Mal 2005 ausgerichtet wurde.
Wie ist der Heavy Metal nach außen sichtbar?
Voller Spannung warte ich auf den Beginn des Konzertes.
Ich stehe inmitten einer großen Menge in Leder gekleideten Typen. Die meisten tragen über ihren Lederjacken Jeanswesten, die an den Schultern und am Rücken mit Ketten verziert sind.
Der typische Metal Fan: Leder, Nieten, einfach cool…
Rocker? Nein, Heavy Metal Fans.
Sie haben zum Konzert ihre offizielle Garderobe an, welches das kultige Gewand der Metaller ist.
Leder, Jeans, Nieten und Ketten ergänzen sich zu einem einfachen aber eindrucksvollen Heavy Metal Frack.
Heute kaum noch für jüngere Fans nachzuvollziehen, wie sehr das martialische Äußere seinerzeit im Fokus stand. Fans ohne Jeans, und Leder waren kaum vorstellbar.
Heute kräht kein Hahn mehr wirklich danach, was der Nebenmann trägt. Sicher, Lederjacken und Kutten sind auch heute die bevorzugte Kleidung, aber niemand würde sich heute abfällig über jemanden äußern, der in „normaler“ Straßenkleidung auf einem Konzert auftaucht.
Aber wie kommen die Fans dazu, derart uniformiert in Massen aufzutreten?
Ihre Vorbilder stehen nach ein paar Minuten vor uns. Oben auf der Bühne, auch in Leder und Jeans. Nieten an den Kragen ihrer Jacken. Nietenbesetzte Armbänder, nietenbesetzte Gürtel, Ketten und Handschellen an den Hosen.
Ja, diese Sado/Maso Pose ist ihnen eigen. Es sieht eben geil aus: schwarzes Leder und silberne Nieten.
Ob die „Spinner“ auf der Bühne sexuell abartig sind, danach fragt kein Mensch. Es interessiert auch keinen der Anwesenden, denn dieses äußere Erscheinungsbild gehört nun einmal zu ihrer Musik – zu unserer Musik!
Die Glorifizierung all dessen, was damals Metal ausgemacht hat, war 1982 Gang und Gäbe. Aus heutiger Sicht klingen viele Äußerung und Einstellung schon etwas befremdlich.
Das heißt aber nicht, dass die Leute Tag und Nacht in diesen Klamotten herumlaufen.
Rob Halford von Judas Priest dazu: „Natürlich laufe ich nicht den ganzen Tag in Leder herum. Du würdest ja auch von Laurence Olivier nicht erwarten, dass er die ganze Zeit im Hamlet Kostüm herumspaziert. Sie tragen es auf der Bühne, weil es ihre Musik symbolisiert…“ (Quelle: Musik Express, Heavy Metal Special (Hamburg 1981) Seite 46)
Es stellt sich hier natürlich die Frage, ob die Stars da oben ihren Fans da unten ihre Überzeugung einfach nur vorspielen.
