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Schwerhörigkeit ist eine der verbreitetsten Zivilisationskrankheiten und keineswegs harmlos: Wer gegen schlechtes Hören nichts tut, erhöht sein Demenz-Risiko um bis zu 400 Prozent! Dieser Band bietet Antworten zu den häufigsten Patientenfragen: Wie funktioniert Hören? Brauche ich ein Hörgerät oder eine Operation? Woher kommen Ohrgeräusche und Tinnitus? Wie teuer ist ein Implantat? Und wie wirkt sich ein Hörverlust auf mein Gehirn aus? Der erfahrene HNO-Arzt Dr. Christian Mozet gibt Auskunft: kompakt, fundiert und praxisnah.
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Veröffentlichungsjahr: 2021
PD Dr. med. habil. Christian Mozet
DIAGNOSE
SCHWERHÖRIGKEIT
Antworten zu
• Ursachen
• Diagnose
• Therapie
Bildnachweis
© Cochlear Limited 2020: Bild14, Bild15; Ulrike Vohla/Grafikdesign Storch, Rosenheim, teils unter Verwendung von Vorlagen von shutterstock: Bild01, Bild02, Bild03, Bild04, Bild05, Bild06, Bild07, Bild08; Erstellt in Anlehnung an Löhler J, Walther LE, Schlattmann P. Der Mini-Audio-Test (MAT). Screening-Fragebogen zur Ermittlung einer relevanten Schwerhörigkeit ab dem 50. Lebensjahr. LRO 2013; 92(12): 815–822. doi: 10.1055/s-0033-1355342: Bild09; KURZ: Bild10; MED-EL. Mit freundlicher Genehmigung durch MED-EL Elektromedizinische Geräte GmbH: Bild11; Signia GmbH: Bild12; Widex Hörgeräte: Bild13.
Mit 9 Illustrationen, 2 Fotografien, 1 Grafik und 4 Tabellen.
Impressum
Umschlaggestaltung von STUDIO LZ, Stuttgart, unter Verwendung eines Motivs von shutterstock.
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© für die Originalausgabe und das eBook: 2021, Herbig in der Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG,
Pfizerstraße 5–7, 70184 Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten
ISBN 978-3-96859-507-8
Projektleitung: Nicole Janke
Redaktion: Ulrike Burgi, Köln
Gestaltungskonzept, Gestaltung und Satz: DOPPELPUNKT, Stuttgart
E-Book Produktion: Satzwerk Huber, Germering
Produktion: Hanna Schindehütte
Reproduktionen: Heartwork Media, Frank Kreyssig, Germering
INHALT
Vorwort
1 Grundlagen
2 Ursachen
3 Diagnose
4 Therapie
5 Hörsystemversorgung
6 Hörtraining, Rehabilitation und Alltagstipps
7 Anhang
VORWORT
Liebe Leserin, lieber Leser,
ob Sie aktuell bereits von Schwerhörigkeit betroffen sind oder nicht, ist unbedeutend – die Wahrscheinlichkeit, eine Schwerhörigkeit im Laufe des Lebens zu entwickeln, ist auch für Sie sehr groß. In Deutschland hört bereits mehr als jeder Zweite in der Altersgruppe zwischen 40 und 60 Jahren nicht mehr uneingeschränkt. In der Altersgruppe 60+ sind 50 % sogar mindestens mittelgradig schwerhörig, aber selten gut versorgt. Wir alle kennen Menschen mit Schwerhörigkeit und wissen, dass es sowohl für Betroffene als auch für deren Angehörige oft sehr anstrengend und frustrierend ist, wenn eine Unterhaltung nur schwerlich möglich ist. Nicht selten führt die Frustration darüber zum Vermeidungsverhalten. Betroffene gehen nicht mehr unter Leute, ziehen sich zurück und vereinsamen. Studien belegen eindeutig, dass die Folgen davon Abbau geistiger Leistungskraft, Depressionen und frühere Sterblichkeit sind. Durch mangelnde Interaktion leiden Schwerhörige aber auch deutlich häufiger unter Demenz – einer gefürchteten Erkrankung im Alter. Aber: Für jede Schwerhörigkeit gibt es eine Versorgungsmöglichkeit!
In diesem Buch finden Sie Antworten auf viele Fragen rund um die Schwerhörigkeit. Dabei sind die rein medizinischen Fragestellungen aufgelockert durch interessante und spannende Fakten rund um den Schall und das Gehör. Wussten Sie zum Beispiel, was man unter einem absoluten Gehör versteht oder was das lauteste jemals gemessene Geräusch war?
Die medizinische, operative und apparative Entwicklung ist mittlerweile so weit vorangeschritten, dass wir HNO-Ärzte in der Lage sind, selbst komplett ertaubte Patienten oder taub geborene Babys (wieder) hören zu lassen. Das ist eine großartige Entwicklung, um die uns viele andere Fachgebiete sehr beneiden.
Ich möchte Ihnen deshalb Mut machen, das »Problem Schwerhörigkeit« zu erkennen, sich Rat zu holen und den Möglichkeiten einer modernen Hörrehabilitation eine Chance zu geben. Oft sind es nämlich die Patienten selbst, die sich ihre Schwäche nicht eingestehen wollen und jegliche Versorgung ablehnen. Sie schaden dabei aber hauptsächlich sich selbst und bringen sich um Lebensqualität und Lebenszeit.
Nach dem Lesen dieses Buches werden Sie wissen, ob Sie vielleicht betroffen sind, welche Untersuchungen sinnvoll sind und welche Versorgungsmöglichkeiten Ihnen zur Verfügung stehen. Nutzen Sie Ihre Chance! Hören und Verstehen bedeuten nichts weniger als Lebensqualität und Lebensfreude bis ins hohe Alter.
Ich wünsche Ihnen eine spannende, aufschlussreiche und persönlich gewinnbringende Lektüre.
Privatdozent (PD) Dr. med. habil. Christian Mozet
SCHWERHÖRIGKEIT: GRUNDLAGEN
1
»Hören« ist körperliche Hochleistung. Die Verarbeitung von Tönen über das Ohr, die Weiterleitung über unsere Hörbahn bis hin zum Gehirn, alles funktioniert rasend schnell und ist ein wichtiger Schutzreflex. Jeder kennt das reflexartige Zusammenzucken bei einem unerwarteten, lauten Geräusch. Dabei ist das Ohr leistungsfähiger als das Auge. Wir sind in der Lage, bis zu 7000 Töne zu unterscheiden und den eintreffenden Schall bis auf eine Abweichung von nur zwei Grad genau zu orten. Dabei bemerken wir Schalllaufunterschiede von Tausendstelsekunden. Doch hören allein reicht nicht aus, wir müssen Gehörtes auch verarbeiten und verstehen. Das ist eine komplizierte Aufgabe, die unser Gehirn übernimmt. Hören ist Grundlage jeglicher Sprachentwicklung, und nicht selten fallen schwerhörige Kinder erst durch eine Sprachentwicklungsverzögerung auf.
1
Wie können wir hören?
Schallquellen geben Töne in Form von Schallwellen ab, die auf das äußere Ohr treffen. Die Schallwellen werden durch die Form und Stellung der Ohrmuschel gebündelt und in den äußeren Gehörgang geleitet. Eine uneingeschränkte Fortleitung vorausgesetzt, trifft der Schall dann auf das Trommelfell, das in Schwingung versetzt wird. Dadurch werden die anhaftenden Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel) im Mittelohr bewegt, die durch ihre anatomische Anordnung sogar zu einer Schallverstärkung beitragen. Da die Gehörknöchelchen über winzige Gelenke miteinander verbunden sind, sprechen wir von einer »Gehörknöchelchenkette«. Das Trommelfell kann nur bei ausgeglichenen Druckverhältnissen optimal schwingen, was durch die Ohrtrompete sichergestellt wird. Die Ohrtrompete verbindet das Mittelohr mit dem Nasenrachen und sorgt für einen ständigen Druckausgleich im Mittelohr. Endeffekt dieser Kettenbewegung ist das Eintauchen der Steigbügelfußplatte im Bereich der ovalen Nische in das Innenohr. Das Innenohr selbst ist flüssigkeitsgefüllt und beherbergt die eigentlichen Hörsinneszellen (Haarzellen). Durch das Eintauchen der Steigbügelfußplatte in das Innenohr wird eine Flüssigkeitswelle ausgelöst, die die Haarzellen in Bewegung setzt. Die Haarzellen sind unsere eigentlichen Hörsinneszellen und sitzen gut geschützt mitten im Felsenbein, das unser Innenohr beherbergt. Die Haarzellen übersetzen den mechanischen in einen elektrischen Impuls, der über die Hörbahn bis zur Hörrinde in unserem Gehirn fortgeleitet wird. So entsteht ein Höreindruck.
2
Was ist der Schall und wie breitet er sich aus?
Als Schall wird die Schwingung in Gasen, Flüssigkeiten und Festkörpern bezeichnet. Diese Schwingungsenergie überträgt sich auf benachbarte Teilchen (Moleküle), die ebenfalls zu schwingen beginnen und den Schall somit fortleiten. Die Fortleitung erfolgt in Form von sogenannten Schallwellen. Vergleichbar ist das mit den kleinen Wellen, die sich ausbreiten, wenn man einen Stein in das Wasser wirft. Die Frequenz des Schalls ist dabei die Schwingung pro Sekunde und wird in Hertz (Hz) gemessen. Hohe Frequenzen empfinden wir als helle Töne und niedrige Frequenzen als tiefe Töne. Schall kann sich in der Luft mit einer Geschwindigkeit von 330 m/s bzw. 1200 km/h ausbreiten. Das ist deutlich langsamer als Lichtgeschwindigkeit (ca. 300.000 km/s). Daraus kann man leicht die Entfernung der Gewitterfront berechnen (in Meter), wenn man die Zeit (in Sekunden) zwischen Blitz und Donner mit 330 multipliziert.
Natürlich breitet sich der Schall in Form von Schallwellen mit einer bestimmten Frequenz auch in Wasser und Festkörpern aus. Im Wasser ist die Schall-Ausbreitungsgeschwindigkeit deutlich höher als in der Luft. Delfine können sich über viele Kilometer im Wasser verständigen, und wir hören den Bohrer des Nachbarn durch die Wand auch über viele Etagen – das kennen wir. Moderne Hörsysteme nutzen sogar diese Eigenschaft der Schallübertragung über feste Materie. Knochenleitungshörgeräte funktionieren deshalb so gut, weil der Schall allein über den Schädelknochen das Innenohr erreicht, ohne dass er über den Gehörgang und das Mittelohr dorthin fortgeleitet werden muss.
3
Warum wird Schall als laut oder leise empfunden?
Schallwellen sind schwingende Moleküle, die sich ausbreiten und irgendwann auf unser Trommelfell auftreffen. Sie üben also einen Druck auf das Trommelfell aus, das in Schwingung versetzt wird. Ist dieser Druck groß, empfinden wir es als laut oder sogar unangenehm schmerzhaft. Ist der Druck klein, ist es leise oder nicht hörbar. Wir Menschen hören nur in einem definierten Druck- und Frequenzbereich optimal, dafür ist unser Ohr ausgelegt. Der kleinste eben noch wahrnehmbare Druck auf unser Trommelfell wird als Hörschwelle bezeichnet. Es ist verständlich, dass zu hoher Druck unangenehm oder sogar gefährlich auf das Ohr wirken kann. Druckwellen, wie sie bei einem Sturz auf die Wasseroberfläche (Kopfsprung) oder bei der Explosion eines Feuerwerkskörpers am Ohr vorkommen, können zum Zerreißen des Trommelfells und zur Zerstörung der Gehörknöchelchenkette führen.
4
Warum ähnelt der Aufbau des Innenohrs einer Klaviertastatur?
In unserer Hörschnecke sitzen die Haarzellen für die Erkennung der Töne unterschiedlicher Frequenz an unterschiedlichen Orten. Sie sind aber nicht zufällig verteilt, sondern folgen einer festen Anordnung, nämlich aufgereiht hintereinander wie die Tasten eines Klaviers. Die Haarzellen, die tiefe Töne erkennen, sitzen am Anfang der Hörschnecke. Haarzellen für hohe Töne sitzen in der Spitze. Diese Erkenntnis ist noch gar nicht so alt, war aber für die Entwicklung der Innenohrprothese (»Cochlea-Implantat«) enorm wichtig. Experten sprechen von der sogenannten Tonotopie, d. h., jede Frequenz wird an einem spezifischen Punkt in der Hörschnecke in ein elektrisches Signal umgewandelt und damit hörbar.
5
Was genau macht unser Hörorgan aus?
Die zahlenmäßig überlegenen äußeren Haarzellen haben keine direkte Hörfunktion. Sie verstärken lediglich leise Töne bzw. dämpfen laute Töne, indem sie die Auslenkung der Wanderwelle beeinflussen. Die eigentlichen Hörsinneszellen sind die inneren Haarzellen, die durch die Auslenkung ihrer Sinneshärchen erregt werden und somit einen Stromimpuls erzeugen. Dieser wird über den Hörnerv bis zur Hörrinde fortgeleitet. »Hören« ist also die Übersetzung des Schalls als mechanischer Impuls in ein elektrisches Signal. Experten sprechen deshalb von einer »mechano-elektrischen Transduktion«. Das ist die wesentliche Aufgabe der inneren Haarzellen. Fällt diese Funktion aus, ist der Mensch taub.
6
Welche Funktion hat die Eustachische Röhre (»Ohrtrompete«)?
Unser Trommelfell und die Gehörknöchelchen müssen den Schall in Form von Schwingung weiterleiten. Dabei kann das Trommelfell aber nur optimal schwingen, wenn im Gehörgang und im Mittelohr der gleiche (atmosphärische) Druck herrscht. Würde ein Unter- oder Überdruck im Mittelohr herrschen, kann das Trommelfell nicht frei schwingen, und wir hören zwangsläufig schlechter. Die Aufgabe des ständigen Druckausgleichs übernimmt die sogenannte Ohrtrompete (Eustachische Röhre). Sie verbindet das Mittelohr mit dem Nasenrachen und lässt Luft zum Druckausgleich in das Mittelohr strömen. Bei jedem Gähnen oder Schlucken öffnet sich die Röhre ein wenig und sorgt für die Luftzirkulation bzw. den Druckausgleich. Besonders wichtig ist diese Funktion zum Ausgleich großer Druckunterschiede, wie sie beim Starten und Landen mit dem Flugzeug oder beim Tauchen vorkommen. Würde die Ohrtrompete die Druckunterschiede nicht schnell ausgleichen, könnte das sogar zu Schäden im Ohr führen.
Anatomie des Ohrs
Wie ist unser Ohr aufgebaut?
Man teilt das menschliche Ohr ein in das äußere Ohr mit der Ohrmuschel, dem knorpeligen und knöchernen Gehörgang und dem Trommelfell, in das Mittelohr und das Innenohr. Die Ohrmuschel hat überwiegend ästhetische Funktion, weniger funktionelle. Sie bündelt den Schall und führt ihn in den äußeren Gehörgang. Die normale Ohrmuschelanlage trägt so zum Richtungshören bei. Der Gehörgang hat einen äußeren, knorpeligen, und einen inneren, knöchernen Anteil. Er trägt Härchen und Drüsen, die Ohrschmalz produzieren. Der Ohrschmalz besteht aus Fett und abgestoßenen Hautschuppen des Gehörgangs. Er hat eine wichtige Schutzfunktion, da er einen sauren pH-Wert im äußeren Gehörgang aufrechterhält und gegen Bakterien und Pilze wirkt. Kaubewegungen und die kleinen Härchen transportieren den Ohrschmalz nach außen. Welche Farbe und Konsistenz der Ohrschmalz hat und welche Mengen produziert werden, ist individuell verschieden. Viele Menschen machen aber große Fehler bei der Reinigung der Gehörgänge (s. Tipp aus der Praxis, hier).
Der Gehörgang endet mit dem Trommelfell, der das äußere Ohr vom Mittelohr abgrenzt. Das Trommelfell ist eine überwiegend straffe Bindegewebsschicht, das gute Schwingungseigenschaften hat. In Normalfall schimmert das Trommelfell grau und ist intakt. Der Raum hinter dem Trommelfell ist das Mittelohr. Dieser Raum beherbergt die Gehörknöchelchenkette. Direkt an das Trommelfell grenzen der Hammer mit seinem Hammergriff von innen, dann der Amboss und als Letztes der Steigbügel. Der Steigbügel ist der kleinste Knochen des menschlichen Körpers. Die Gehörknöchelchen sind über winzige Gelenke miteinander verbunden und übertragen die Schwingung des Trommelfells. Im Mittelohr mündet auch die Eustachische Röhre, die für den Druckausgleich im Mittelohr verantwortlich ist. Der Volksmund nennt diese wichtige Verbindung zum Druckausgleich auch »Ohrtrompete«. Der Steigbügel taucht mit seiner Fußplatte in das Innenohr ein und überträgt so die Schwingungen in das flüssigkeitsgefüllte Innenohr. Im Innenohr selbst sitzen unser Gleichgewichtssinn und unser eigentliches Hörorgan (s. Frage 5).
Dargestellt sind Außenohr mit Ohrmuschel und Gehörgang, Mittelohr mit Gehörknöchelchenkette und Innenohr mit Hör- und Gleichgewichtsorgan.
Was gehört zum Mittelohr?
Das Mittelohr liegt gut geschützt im Felsenbein und beherbergt die Gehörknöchelchenkette. Nach außen zum Gehörgang wird das Mittelohr durch das Trommelfell begrenzt. Unmittelbar mit dem Trommelfell verwachsen ist das erste Gehörknöchelchen – der Hammer mit seinem Hammergriff. Dann folgen Amboss und Steigbügel, die über winzige Gelenke miteinander verbunden sind. Der letzte Teil der Gehörknöchelchenkette ist die Steigbügelfußplatte, die durch die Bewegung stempelartig in der sogenannten ovalen Nische in das Innenohr eintaucht. So wird die Trommelfellschwingung übertragen. Da das Mittelohr durch seine anatomische Lage exponiert liegt, können sich schwere Entzündungen schnell Richtung Schädelbasis und Gehirn oder auch Innenohr ausbreiten. Solche Komplikationen der oft harmlos verlaufenden banalen Mittelohrentzündung müssen früh erkannt und behandelt werden.
Was gehört zum Innenohr?
Das Innenohr sitzt gut geschützt im härtesten Knochen des menschlichen Körpers: dem Felsenbein. Zum Innenohr gehören unser Gleichgewichtsorgan und unser Hörorgan. Beide Organe liegen in unmittelbarer Nachbarschaft. Eine Reihe von Erkrankungen können sowohl das Hör- als auch das Gleichgewichtsorgan betreffen. Die Folgen davon sind Schwindelbeschwerden und Hörstörungen.
