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Neuer Schwung für den Darm
Verstopfung und Darmträgheit – viele Menschen kennen das, doch manche leiden dauerhaft daran. Der Bauch schmerzt, man fühlt sich aufgebläht, schwer und unbeweglich, der langersehnte Toilettengang wird zur Qual. Und die bange Frage, wann «es» endlich klappt, schränkt den Alltag enorm ein. Doch was tun, wenn Abführmittel und klassische Hausmittel wie Flohsamen und Haferkleie nicht mehr weiterhelfen oder man von den Medikamenten loskommen möchte? Die praktische 4-Wochen-Kur für zu Hause kann hier Wunder wirken.
So bekommen Sie Ihren Darm wieder in Bewegung und fühlen sich wie neugeboren!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 175
Veröffentlichungsjahr: 2025
Dr. med. Constanze Storr, Prof. Dr. med. Martin Storr
1. Auflage 2026
40 Abbildungen
Liebe Leserin, lieber Leser,wenn es um die eigene Gesundheit geht, darf man nichts dem Zufall überlassen. »Für eine bessere Medizin und mehr Gesundheit im Leben«: So lautet das Qualitätsversprechen der Marke Thieme. Ärztlich Tätige, Pflegekräfte, Physiotherapeuten oder Hebammen – sie alle verlassen sich darauf, dass sie von Thieme, dem führenden Anbieter von medizinischen Fachinformationen und Services, die entscheidenden Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort bekommen. So können sie die Menschen, die sich ihnen anvertrauen, bestmöglich unterstützen. Auch Sie können sich auf die TRIAS Ratgeber mit dem Thieme Qualitätssiegel verlassen! Diese Informationsangebote helfen Ihnen dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wenn es um Ihre Gesundheit geht, selbst daran mitzuwirken, gesund zu werden, sich gesund zu erhalten oder das Fortschreiten einer Erkrankung zu vermeiden. Mit einem TRIAS Titel aus dem Hause Thieme überlassen Sie Ihre Gesundheit nicht dem Zufall!Ihr TRIAS Team
Spätestens seit dem weltweiten Bestseller »Darm mit Charme« sollten die Themen Verdauung und Stuhlgang kein Tabu mehr sein.
In unserer täglichen Praxis stellen wir allerdings immer wieder fest, dass Menschen nicht sehr gerne über ihren Stuhlgang und ihre Probleme damit sprechen. Viele Menschen empfinden dieses Thema als unappetitlich, obwohl doch wirklich jeder von uns regelmäßig die Toilette aufsuchen muss und das Thema Stuhlgang jeden von uns mehrmals die Woche trifft oder betrifft. Es ist weiterhin eher ein »Darm mit Scham«. Im Grunde genommen ist das nur allzu verständlich und an sich ja auch nicht weiter schlimm.
Nur, wenn eben nicht alles seinen gewohnten Gang, oder besser seinen zufriedenstellenden Stuhlgang geht, ist es wichtig, offen über dieses Thema zu sprechen. Denn nur im inneren Dialog mit sich selbst kommt man bei Fehlfunktionen des Körpers selten sehr weit.
Im vorliegenden Ratgeber sprechen wir über Stuhlgang und die Probleme, die im Zusammenhang mit dem Entleeren des Darms auftreten können. Sie erfahren etwas über die Ursachen, die Möglichkeiten der Diagnostik und der Therapie. Dabei stellen wir Ihnen ein 4-Wochen-Erfolgsprogramm vor, dass Sie selbst umsetzen können, bevor und nachdem sie professionelle Hilfe aufgesucht haben. Bei aller Eigenaktivität, spätestens, wenn die Verstopfung anhält oder anderen Symptomen einhergeht, sollten Sie einen Arzt konsultieren.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und hoffen, dass Sie durch die vorgeschlagenen Maßnahmen und Rezepte rasche und nachhaltige Erleichterung erfahren.
Dr. Constanze Storr
Prof. Dr. Martin Storr
(Quelle: © Siam/stock.adobe.com)
Mein ballaststoffreicher Tag
Vietnamesischer Chia-Pudding mit Mango und Kokos
Für 2 Portionen
10 Min + 2 Std Kühlzeit
400 ml Kokosmilch6 EL Chiasamen1 TL Ahornsirup1 reife Mango2 EL KokosraspelnKokosmilch mit Chiasamen und Ahornsirup verrühren, 2 Std. kalt stellen.
Mango würfeln, auf Pudding geben, mit Kokosraspeln garnieren.
Nährwerte pro Portion 365 kcal · 5 g E · 24 g F · 28 g K · 13 g B
Vollkorn-Pasta mit Kichererbsen und Artischocken
Für 2 Portionen
20 Min
150 g Vollkorn-Fusilli1 Knoblauchzehe2 EL Rapsöl100 g Kichererbsen (Dose)80 g Artischockenherzen (eingelegt)Chili, Salz1 Handvoll RucolaZitronensaftNudeln nach Packungsanleitung kochen.
Knoblauch im Rapsöl anbraten, Kichererbsen und Artischocken zufügen.
Nudeln unterheben, würzen, mit Rucola und Zitronensaft servieren.
Nährwerte pro Portion 455 kcal · 17 g E · 14 g F · 28 g K · 55 g B
Bunte Reispfanne mit Edamame und Pilzen
Für 2 Portionen
25 Min
120 g Naturreis (roh)1 Karotte1 Frühlingszwiebel100 g Shiitake150 g Edamame (TK)1 EL Sesamöl1 EL SojasauceReis kochen.
Karotte, Frühlingszwiebel und Pilze waschen und in mundgerechte Stücke schneiden.
Karotte und Pilze mit den Edamame im Sesamöl anbraten und mit Sojasauce würzen,
Reis unterheben.
Mit Frühlingszwiebeln toppen.
Nährwerte pro Portion 420 kcal · 18 g E · 12 g F · 55 g K · 12 g B
(Quelle: © A. Rogge & J. Jankovic/Thieme)
Titelei
Vorwort
Einführung
Habe ich Verstopfung?
Verstopfung, medizinisch gesehen
Wann spricht man von Verstopfung?
»Nur« Verstopfung oder ein verstopfungsbetontes Reizdarmsyndrom?
Wie häufig kommt Verstopfung vor?
Leit- und Begleitsymptome
Magenbeschwerden und Lebensmittelunverträglichkeit
Die paradoxe Diarrhö
Die Impaktationsdiarrhö
Verstopfung als Ursache anderer Erkrankungen
Der Vorgang der Verdauung
Funktionierende Verdauung
Die Mundhöhle: Der erste Schritt der Verdauung
Die Speiseröhre: Transport zur Speiseröhre
Der Magen: chemische Verdauung
Der Dünndarm: Ort der Nährstoffaufnahme
Der Dickdarm: Wasseraufnahme und Abfallbildung
Die Ausscheidung: Der letzte Schritt
Steuerung der Verdauung
Der peristaltische Reflex
Der gastrokolische Reflex
Störungen der Verdauung
Akute und chronische Verstopfung
Entleerungsstörung
Slow-Transit-Verstopfung
Sonderfall Anorexie – der Darm im Winterschlaf
Entleerung: Reflexe und Automatismen
Ursachen der chronischen Verstopfung
Primäre Ursachen
Kolonische Faktoren
Entleerungsstörungen
Ernährung
Sekundäre Ursachen
Weitere sekundäre Ursachen
Der Gang zum Arzt
Alarmsymptome
Diagnose Verstopfung
Anamnese
Bauchuntersuchung und rektale Untersuchung
Laborwerte
Stuhl- und Urinuntersuchungen
Ultraschall
Endoskopie (Darmspiegelung)
Radiologie
Besuche bei Fachärzten
Eher seltene Untersuchungen
Kolontransit
Laktulose-Atemtest
Anorektale Funktionsdiagnostik
Ballonexpulsionstest
Defäkographie
Kolonmanometrie
Ganzwandbiopsie
Nicht notwendige Diagnostik
Die 4-Wochen-Kur gegen Verstopfung
Die 4-Wochen-Kur – jetzt geht’s los!
Die Themen der 4-Wochen-Kur
Schnelle Hilfe
Die richtige Position beim Stuhlgang
Der richtige Zeitpunkt für den Stuhlgang
Woche 1: Ernährung und Trinkmenge
Das Ernährungstagebuch
Ballaststoffe
Lösliche Ballaststoffe
Unlösliche Ballaststoffe
Die Mischung machts
Ballaststoffe als Basis der Verstopfungsbehandlung
Warum nicht vegan?
Und was ist mit üblen Gerüchen?
Ausreichende Trinkmenge
Das SMART-Prinzip zur Trinkmenge
Was passiert, wenn ich zu wenig trinke?
Tee
Woche 2: Mikrobiom stärken
Darmmikrobiom
Ausreichende Bewegung
Ausgewogene Ernährung
Einnahmen von Probiotika?
Das eigene Mikrobiom pflegen
Mikronährstoff Magnesium
Woche 3: Aktiv werden
Die Wirkung der Bewegung
Täglich spazieren gehen
Weitere unterstützende Mind-Body-Maßnahmen
Ernährung ab Woche 3: Haferflocken
Yogatherapie
Bestehen Motivationsprobleme?
Atemmeditation in einfacher Sitzhaltung
Girlande
Sitzende Vorwärtsbeuge
Heuschrecke
Windlösende Stellung
Stellung des Kindes
Bogen
Herabschauender Hund
Berg
Stehende Vorwärtsbeuge
Totenstellung
Woche 4: Massagen und Toilettentraining
Bauchmassagen
»I LOVE U«-Massagetechnik
Wohlfühlmassage für Ihren Bauch
Toilettentraining
Durchführung des Toilettentrainings
Weitere Therapieoptionen
Medikamentöse Therapie
Laxanzien
Stimulanzien/Anthrachinone
Prokinetika
Sekretagoga
µ-Opioidrezeptor-Antagonisten (PAMORA)
Zäpfchentherapie bei Verstopfung
Einläufe
Biofeedback
Hintergrund der Entleerungsprobleme
Durchführung von Biofeedback
Akupunktur
Selten angewandte operative Methoden
Ein Besuch beim Frauenarzt
Endometriose
Masterplan der Behandlung
Erstlinientherapie
Zweitlinientherapie
Die Rezepte
Frühstück
Mittagessen
Snacks & für abends
Nachtisch
Getränke
Nachwort
Autorenvorstellung
Sachverzeichnis
Impressum
Impressum
© Kiattisak/stock.adobe.com |
Nahezu jeder hat schon mal Verstopfung gehabt. Erfahren Sie hier, wie unsere Verdauung funktioniert und wie es zur Verstopfung kommen kann.
Jeder hat eine Erwartungshaltung zur Häufigkeit und zur Beschaffenheit des Stuhlgangs und fragt bei Veränderungen nach der Ursache. Wann spricht man von Verstopfung?
Die meisten Menschen erwarten, dass sie einmal am Tag Stuhlgang haben. Obwohl dieses Ziel von einem Stuhlgang am Tag tatsächlich das medizinisches Therapieziel bei der Behandlung von Verstopfungsleiden darstellt, entspricht diese Erwartung nicht dem Normalzustand. In einer gesunden Bevölkerung mit westlich geprägtem Lebensstil haben lediglich 40 % der Männer und 33 % der Frauen tatsächlich einen Stuhlgang am Tag. Aber auch drei Stuhlgänge pro Woche bis zu drei Stuhlgängen am Tag liegen im Normbereich.
Es ist wissenschaftlich bekannt, dass das subjektive Gefühl an Verstopfung zu leiden, nicht immer mit medizinisch messbarer Verstopfung einhergeht. Bis zu 25 % der Frauen und bis zu 10 % der Männer meinen, darunter zu leiden. Bekannt ist auch, dass im Gegenzug viele Menschen, die medizinisch gesehen wirklich eine Verstopfung haben, diese Erkrankung nicht erkennen, weil sie Ihre Beschwerden missinterpretieren und völlig falsche Rückschlüsse ziehen. Medizinisch gesehen liegt bei etwa 15 % der Bevölkerung eine chronische Verstopfung vor. Da chronische Leiden nicht nur zu Symptomen, sondern auch zu einer reduzierten Lebensqualität führen, ist es wirklich wichtig, sich mit diesem Gesundheitsproblem aktiv zu beschäftigen.
Verstopfung, im Fachjargon auch Obstipation genannt, bedeutet, dass man Schwierigkeiten hat, Stuhl abzusetzen. Verstopfung ist beides, eine eigenständige Erkrankung wie bei der chronischen funktionellen Verstopfung und zeitgleich ein Symptom, das bei vielen anderen Krankheiten vorkommen kann.
Diese Situation macht es für den Einzelnen etwas schwieriger, selbst einzuschätzen, ob die eigene Verstopfung einfach nur an der falschen Kostform liegt, ob eine klassische Verstopfungskrankheit vorliegt, oder ob etwas anderes, sogar etwas Besorgniserregendes dahintersteckt. Zu den Ursachen werden Sie später mehr erfahren.
Man unterscheidet zunächst einmal drei Formen der Verstopfungskrankheit:
funktionelle Verstopfung: es liegt keine strukturell organische Ursache (z. B. ein anatomisches Hindernis) für die körperliche Fehlfunktion vor, die Funktion an sich ist gestört
strukturelle Verstopfung: es liegt eine nachweisbare organische Ursache für die körperliche Fehlfunktion vor
Mischform: eine Kombination aus organischen und nicht organischen Ursachen
Eine Verstopfung kann sich im Alltag sehr unterschiedlich äußern:
Stuhlgang zu hart (Bristol-Stuhlformen-Skala Typ 1 oder 2, s. u.)
Stuhlmenge nicht ausreichend
schwierige Entleerung, was sich durch starkes Pressen und in Schmerzen, Blähungen oder in der Verlängerung der Zeit, die man auf der Toilette verbringt, äußern kann
Entleerung des Darms findet seltener als dreimal pro Woche statt
manuelle Manöver zur Unterstützung der Darmentleerung bei mehr als einem Viertel der Stuhlgänge notwendig
Gefühl der analen Blockierung
Kombinationen aus verschiedenen dieser Symptome
Auch bei einer normalen Stuhlfrequenz kann also eine Verstopfung vorliegen! Diese Beschreibung enthält die Leitsymptome der Verstopfung. Später werden Sie aber noch erfahren, dass Verstopfung auch mit ganz anderen, sogar atypischen, Symptomen einhergehen kann. Von Verstopfungskrankheit oder auch chronischer Verstopfung spricht man, wenn die Beschwerden länger als drei Monate bestehen.
Um die Diagnose einer chronischen Verstopfung nach den aktuell gültigen Kriterien stellen zu können, haben wir die Kriterien noch einmal ▶ zusammengefasst. Beachten Sie aber bitte: Die Kriterien betreffen einen Zeitraum ohne Behandlung mit Medikamenten wie Abführmedikamenten oder anderweitigen Maßnahmen wie Ballaststofftherapie oder Magnesiumeinnahme. Besteht schon eine Behandlung der Verstopfung, können die Kriterien zur Diagnosestellung demnach nicht mehr angewendet werden. Natürlich ist es möglich, sie rückwirkend für einen Zeitraum vor Behandlung zu erfassen.
Kriterien für Verstopfung
Die Rom-Kriterien sind ein international anerkanntes System zur Diagnose von funktionellen gastrointestinalen Störungen. Die Kriterien wurden erstmals 1990 von Experten formuliert und werden laufend aktualisiert. Bei der funktionellen Verstopfung müssen folgende Rom-IV-Kriterien in den letzten drei Monaten erfüllt sein und die Symptome mindestens sechs Monate vor Diagnosestellung begonnen haben:
Mindestens zwei der folgenden Faktoren:
starkes Pressen bei > 25 % der Stuhlgänge
klumpiger oder harter Stuhl (Bristol-Stuhlformen-Skala 1–2) bei > 25 % der Stuhlgänge
Gefühl der inkompletten Entleerung bei > 25 % der Defäkationen
Gefühl der Blockierung im Enddarm und After in > 25 % der Defäkationen
manuelle Manöver zur Erleichterung der Entleerung bei > 25 % der Entleerungen
weniger als drei spontane Entleerungen/Woche
Und folgende Bedingungen müssen vorliegen:
ohne Abführmittel (Laxanzien) kein (bzw. selten) weicher, ungeformter Stuhl
diagnostische Rom-IV-Kriterien für ein Reizdarmsyndrom sind nicht erfüllt
Beim Reizdarmsyndrom vom Verstopfungstyp (RDS-O), vom gemischten (RDS-M) oder vom nicht klassifizierbaren Typ (RDS-U) ist die Verstopfung ein Teil der Erkrankung. Auch hier gibt es klar definierte Diagnosekriterien nach ▶ Rom-IV. Beim Reizdarm vom Verstopfungstyp ist die Verstopfung führendes und daher namensgebendes Symptom, bei den Subtypen RDS-M und RDS-U ist sie nur ein Symptom von vielen, denn führend sind beim Reizdarm eher die Bauchschmerzen. Die therapeutischen Strategien unterscheiden sich von der Therapie bei chronischer Verstopfung. Sie finden dazu auf der Buchklappe Hinweise auf Patientenratgeber, die sich mit dieser Erkrankung beschäftigen.
Beachtenswert ist auch, dass in unseren Lehrbüchern die Abgrenzung »funktionelle Verstopfung« gegenüber »strukturelle chronische Verstopfung« gegenüber »Reizdarm vom Verstopfungstyp« recht klar erscheint, so einfach ist es aber meistens nicht. Es gibt wie immer im Leben kein Schwarz oder Weiß. Ein für Ärzte oftmals nicht ganz einfaches Unterfangen.
Kriterien des Reizdarmsyndroms
Um ein Reizdarmsyndrom vom Verstopfungstyp (RDS-O) zu diagnostizieren, müssen folgende drei Punkte erfüllt sein:
Chronische Beschwerden (> drei Monate), die vom Patienten und Arzt auf den Darm bezogen werden und mit Zeichen der Verstopfung/Darmträgheit einhergehen.
Der Patient sucht wegen der Beschwerden Hilfe und wird durch die Beschwerden in seiner Lebensqualität relevant beeinträchtigt.
Es handelt sich bei der Diagnose um eine Ausschlussdiagnose, das heißt es liegt keine andere Krankheit als Ursache der Beschwerden vor.
Sollten diese obenstehenden Kriterien also bei Ihnen erfüllt sein und kein Reizdarmsyndrom vom Verstopfungstyp vorliegen, spricht man von einer chronischen funktionellen Verstopfung. Dies ist die häufigste Form der Verstopfung.
Verstopfung ist in der westlichen Welt ein sehr häufiges Symptom, damit können Sie auch schon ahnen, dass dieses Problem sicher auch mit unserem Lebensstil zusammenhängt. Dazu später aber mehr.
Natürlich gibt es eine große Varianz, wie oben schon erwähnt. Denn es gibt Menschen, die mehrmals am Tag Stuhlgang haben, und auch Menschen, die mehrere Tage keinen Stuhlgang haben. Nochmals, das kann völlig normal sein, vor allem, wenn dies schon immer so war und sich nicht wesentlich verändert hat, dann besteht kein Handlungsbedarf. Werden die Zeitabstände jedoch immer größer, wissen Sie wahrscheinlich aus eigener Erfahrung, dass es immer schwieriger wird, Stuhl abzusetzen. Der Stuhlgang wird zunehmend härter, man muss länger und fester pressen und es stellt sich nicht mehr regelmäßig das Gefühl ein, dass man seinen Darm nun vollständig entleert hat. Dann gilt es zu handeln.
Stuhlformen Die Bristol-Stuhlformen-Skala bildet die Variationen der Stuhlkonsistenz ab. Sollte bei Ihnen Typ 1 oder 2 vorliegen, ist bereits ein Kriterium der Rom-Klassifikation erfüllt.
Stuhlgangsformen
Dauer der Beschwerden Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist die oben schon erwähnte zeitliche Dauer der Beschwerden: Entweder sind die Beschwerden akut, kürzer als sechs Wochen oder chronisch, länger als drei Monate bestehend.
Diese Unterscheidung ist deswegen so wichtig, da vor allem bei einer akuten Verstopfung anders diagnostisch vorgegangen werden muss, als wenn die Probleme schon länger bestehen. Hierzu finden Sie im Kapitel ▶ »Der Gang zum Arzt« weitergehende Informationen.
Im Zusammenhang mit der Erfassung des Symptomenbildes ist die subjektive Verstopfungs-Schweregrad-Skala, die Constipation Rating Scale, ausgesprochen hilfreich bei der Unterscheidung, ob die Beschwerden eher leicht, moderat oder schwerwiegend sind. Diese Verstopfungs-Schweregrad-Skala finden Sie im Kapitel »Diagnose Verstopfung« als ▶ Selbsttest 2.
Wie schon erwähnt, sind in Deutschland schätzungsweise etwa 5 bis 15 % der Bevölkerung von chronischer Verstopfung betroffen. Bei älteren Menschen und bei Frauen tritt das Problem häufiger auf. Das kann unterschiedliche Ursachen haben, beispielsweise, dass Körperfunktionen im Alter langsamer werden und nachlassen, aber auch daran, dass ältere Menschen und Frauen medizinische Leistungen häufiger in Anspruch nehmen als Männer bis 65 und dadurch die Diagnose bei älteren Frauen häufiger gestellt wird.
Es gibt aber viele weitere Gründe, weshalb Verstopfung oft ein Problem bei älteren Menschen ist. Häufig liegt hier eine dauerhafte Medikamenteneinnahme vor, hierbei sind vor allem anticholinerge Medikamente (Antidepressiva und Antipsychotika) und Schmerzmittel (Opiate) zu nennen, die Verstopfung fördern. Eine Zusammenstellung dazu finden Sie im Kapitel ▶ »Weitere sekundäre Ursachen«. Auch eine zunehmende Immobilität, ein sitzender Lebensstil und neurologische Störungen des höheren Alters (Morbus Parkinson, erlittener Schlaganfall) sind Situationen, die eine Verstopfung verursachen oder verschlimmern können. Frauenspezifische Ursachen finden Sie im Kapitel ▶ »Ein Besuch beim Frauenarzt«.
Verstopfung, und vor allem die chronische Verstopfung, ist ein weit verbreitetes und ernstzunehmendes Problem. Eine Internetbefragung von mehr als 11 000 Personen hat ergeben, dass 19 % der Befragten an mehr als zwei Verstopfungssymptomen litten und dass im Schnitt schon seit 4,2 Jahren. Die Belastung in der Gesellschaft ist also beträchtlich.
Chronische Verstopfung stört die Lebensqualität enorm. Nicht nur das körperliche Befinden, sondern auch das psychische Wohlbefinden wird deutlich in Mitleidenschaft gezogen. Unser Darmhirn ist nun einmal evolutionsgeschichtlich weit vor dem Großhirn entstanden und ist ein Spiegel unserer Gefühle. Wenn im Bauch etwas in Unordnung ist und nicht mehr so richtig funktioniert, wirkt sich das auch auf unsere Stimmung aus. Es fällt schwer, sich davon zu distanzieren, man horcht mehr in sich hinein und beobachtet seine Körperfunktionen noch genauer, was oftmals zu einem richtigen Teufelskreis führt. Denn die Angespanntheit und manchmal auch die Angst, dass der Körper nicht mehr so richtig funktioniert, hat wiederum eine erschwerte Entspannung zur Folge, die bei manchen Typen der Verstopfung, vor allem bei den Formen, bei denen der Beckenboden und äußere Schließmuskel involviert sind, dringend notwendig ist. Dazu erfahren Sie in den Kapiteln ▶ »Ursachen der chronischen Verstopfung«, ▶ »Toilettentraining« und ▶ »Biofeedback« mehr.
Die Kriterien, die zur Diagnose »Verstopfung« führen, haben Sie bereits kennengelernt. Aber es gibt noch viel mehr Symptome, die begleitend dazu auftreten können. Wenn es darum geht, den Schweregrad und die Krankheitslast der Verstopfung zu erfassen, geben Ärzte häufig die Stuhlfrequenz an, während Betroffene meist Symptome wie Pressen oder harter Stuhlgang als führend berichten. Die Symptome der Verstopfung sind ausgesprochen variabel und manchen Betroffenen ist anhand Ihrer Symptome gar nicht erkennbar, dass ihr eigentliches Problem Verstopfung, Darmträgheit oder eine Entleerungsstörung ist.
Als Leitsymptom gilt bei gesicherter Verstopfung das Pressen beim Stuhlgang, dass von 79 % der Betroffenen angegeben wird. Auf Platz 2 der Symptomliste berichten etwa 70 % über harten Stuhl und auf Platz 3 über Darmgasprobleme, also Blähbauch und Abgang von Winden (Flatulenz).
In absteigender Häufigkeit werden auch die Begleitsymptome generelles Unwohlsein im Bauch, seltene Stuhlgänge, Gefühl der inkompletten Entleerung, Bauchschmerzen, rektale Schmerzen und plötzlicher Stuhldrang berichtet. Aber auch Völlegefühl, Übelkeit, Brechreiz, frühzeitige Sättigung, Sodbrennen, Appetitlosigkeit, Gefühl von Lebensmittelunverträglichkeiten und sogar Durchfall können Symptome der Verstopfung sein. Sie sehen, es gibt eine breite Palette an Symptomen, die bei Verstopfung auftreten können, nicht immer würde man als Laie gleich an Verstopfung als Ursache denken.
Bei einer nicht oder schlecht behandelten Verstopfung kann es neben den schon erwähnten Symptomen zu weiteren schwerwiegenden Folgen wie Hämorrhoidenblutungen, Schleimhautvorfall/Mukosaprolaps (ein Absenken der Schleimhaut durch den Beckenboden nach außen), Enddarmvorfall/Rektumprolaps (ein komplettes Absenken des gesamten Enddarms durch den Beckenboden nach außen), Darmverschluss und weiteren Komplikationen kommen. Daher muss man diese Krankheitsfolgen als Behandler kennen und ernst nehmen.
Symptome der Verstopfung
Aufgrund der Vielzahl der Symptome entgeht nicht nur dem Betroffenen oftmals das eigentliche Problem, die Verstopfung. Klinischen Studien folgend wird auch dem Arzt, gerade wenn ihm nicht alle Symptome geschildert werden, die richtige Ursache nicht immer erkennbar.
Klassische Magenbeschwerden wie Völlegefühl, Übelkeit, Sodbrennen, Gefühl von Lebensmittelunverträglichkeiten mögen an dieser Stelle etwas für Überraschung sorgen, lassen sich aber sehr einfach erklären. Wenn der Abfluss eines Waschbeckens verstopft ist, läuft das Waschbecken über, unabhängig davon was hineingegeben wird. Wenn also der Abfluss im Dickdarm beeinträchtigt ist, staut sich Darminhalt zurück, und dieser Rückstau verursacht weiter oben, im Magen, Symptome wie Übelkeit, Völlegefühl und Sodbrennen. Und wenn der Abfluss verstopft ist, ist es gleichgültig, welche Lebensmittel gegessen werden, alle Lebensmittel verursachen dann Beschwerden. Dies entspricht dann aber keiner Unverträglichkeit, sondern einem Abflussproblem. Dies erklärt auch, weshalb in dieser Situation gleiche Lebensmittel an manchen Tagen Beschwerden auslösen und an anderen Tagen nicht.
Verstopfung an verschiedenen Orten im Magendarmtrakt verursacht Symptome.
Auch das Auftreten von Diarrhö (Durchfall) als Verstopfungssymptom lässt sich erklären. Wenn es ein paar Tage nicht zu Stuhlgang kommt, dann staut sich Darminhalt auf und führt zu übermäßiger Vergärung im Darm, bis der Druck durch das entstehende Gas im Darm so groß wird, und sich zunächst harter Stuhl wie ein Korken entleert. Dieser Eröffnung des Abflusswegs folgt dann reichlich vergorener matschiger Stuhlgang, vielfach auch mit kurz hintereinander folgenden Entleerungen, je nachdem wieviel Inhalt sich eben angestaut hat. Dieses Phänomen ist ein Verstopfungssymptom und wird medizinisch paradoxe Diarrhö, also »widersprüchliche Verstopfung« genannt. Manchen Betroffenen ist bei diesem Phänomen die Verstopfungspause weniger gut spürbar, sie empfinden aber die paradoxe Diarrhö als sehr belästigend und berichten nur diese.
Nach einer solchen paradoxen Entleerung beginnt der Kreislauf dann aufs Neue und der Darm entleert ein paar Tage nichts, bis er dann wieder »explodiert«. Die paradoxe Diarrhoe ist in der Tat häufig und kommt in allen Altersgruppen vor. In der Kinder- und Jugendheilkunde wird beim Symptom der paradoxen Diarrhö oftmals schneller reagiert. Da bei Kindern öfter mal etwas daneben geht, bemerken die Eltern die Problematik an der verschmutzten Unterwäsche und suchen einen Kinderarzt auf. Bei älteren Menschen verhindert die vermeintliche Scham den Arztbesuch.
Kotstein im Rektum, der zu Aufstau von weichem Stuhl führt.
Ist die Diarrhö hingegen eher schleimig wässrig, dann kann ein anderes Verstopfungsphänomen, das Impaktationsphänomen, zugrunde liegen. Wenn sich im Enddarm Stuhlgang so stark und hart verfestigt, dass der so entstandene Kotstein/Skybala nicht mehr ausgepresst werden kann, kann im schmalen Zwischenraum zwischen Kotstein und Darmwand nur noch sehr dünner, schleimig-flüssiger Stuhl passieren, der als Impaktationsdiarrhö bezeichnet wird.
Der Kotstein kann aufgrund von Härte und Größe nicht entleert werden, wohingegen Schleim und Flüssigkeiten aus dem Enddarm frei austreten können. Dieser Reflex ist beim gesunden Menschen dafür da, Gase entweichen zu lassen, ohne dass feste Bestandteile mit ausgeschieden werden. In dieser Situation sind auch Schmerzen beim Wasserlassen oder auch Harnverhalt häufige Begleitsymptome.
