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Das bewährte Praxisbuch "Die Akupunktur" von Dr. med. Susanne Bihlmaier vermittelt auch in dieser komplett überarbeiteten 3. Auflage die Grundlagen der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), ihrer Anwendung und die Lokalisation der wesentlichen Akupunkturpunkte. Ein ausgefeiltes didaktisches Konzept, zahlreiche Tabellen, Übersichten, Zusammenfassungen und wertvolle Praxistipps erleichtern dabei das Verstehen und Lernen. Das Werk ist die ideale Einstiegslektüre, indem es Lernende und Anwender der Akupunktur sowie alle fachlich Interessierten bei der Umsetzung des Wissens in die Praxis unterstützt. Erfolgreich akupunktieren mit TCM: – in Ost und West ausgewählte, bewährte, praxis- und prüfungsrelevante Akupunkturpunkte – Leichtlern-Didaktik mit Lesetexten, Übersichtstabellen und Quick-Memos, ergänzt durch Verständnisfragen – Farbleitsystem, das die TCM-Funktionskreise verdeutlicht und optisch-didaktisch unterstützt Anwendungsorientiert, praxistauglich, wirksam – dank verständlich aufbereiteter TCM-Grundlagen – dank klarer Anleitungen zur Akupunkturtechnik – dank ergänzender Ohr- und Schädelakupunktur nach Yamamoto (YNSA) Weitere Highlights – Punkte-ABC mit häufigen, praxisrelevanten westlichen Diagnosen, einschließlich Behandlungsempfehlungen – kompakte Einführung in chinesische Diätetik und Arzneimittellehre – wertvolle Praxistipps für erfolgreiches Akupunktieren – Akupunkturpunkte und Meridianverläufe auf Fotos und als Grafiken: Lokalisation, Stichtechnik, Wirkung, Besonderheiten, Indikationsbeispiele
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Seitenzahl: 363
Veröffentlichungsjahr: 2020
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2020 © KVM – Der Medizinverlag Dr. Kolster Verlags-GmbH, ein Unternehmen der Quintessenz-Verlagsgruppe
www.kvm-medizinverlag.de
1. Auflage 2003
2., überarbeitete und korrigierte Auflage 2009
3., überarbeitete und korrigierte Auflage 2020
Projektleitung: Sabine Poppe, Marburg
Fotos: Peter Mertin, Köln
Grafiken: interActive Systems, Berlin Susanne Tischewski, Dr. Günter Körtner, Marburg
Bildquelle S. 317: adobestock.com © aphotostory
Gesamtproduktion: KVM – Der Medizinverlag, Berlin
ISBN (epub): 978-3-86867-526-9ISBN (print): 978-3-86867-492-7
„Die Medizinkulturen verbinden – zum Wohle des Patienten“ – das ist es, was Dr. med. Susanne Bihlmaier in Wort und Tat praktiziert. Grundstein hierzu bildet ihre Dissertation über „universitätskompatibles Studiendesign bei Akupunktur“, die mit einem Wissenschaftspreis dotiert wurde.
Als Ärztin für Naturheilverfahren lehrte Dr. Bihlmaier unter dem Motto „Akupunktur – von Mystik zu Wissenschaft“ an der Universität Tübingen, zudem baute sie eine naturheilkundliche Sprechstunde im Brustzentrum Coburg auf. Sie praktiziert in eigener Praxis mit den Tätigkeitsschwerpunkten westlicher und östlicher Naturheilverfahren, traditionell Chinesische Medizin mit Akupunktur, Phytotherapie und Ernährung mit dem Besten aus Ost und West.
Weitere Schwerpunkte sind die komplementäre Onkologie, Rheumatologie, ganzheitsmedizinisches Stress-Coaching und tiergestützte Therapie sowie die Kooperation mit dem Endometriose-Zentrum der Universitäts-Frauenklinik Tübingen.
Dr. med. Norbert Kuschik: Arzt in eigener Privatpraxis mit den Schwerpunkten Akupunktur und Homöopathie, Tutor der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGFA).
Dr. med. Karl-Heinz Christoph: Facharzt für Innere Medizin, Physikalische und Rehabilitative Medizin; Dozent der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGfA); Sektionsvorstand Naturheilverfahren und Arbeitskreis Akupunktur der Akademie für ärztliche Fortbildung der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Wissenschaftlicher Beirat der Deutschen Akademie für Schmerz- und Neuraltherapie mit Dozententätigkeit im In- und Ausland.
In der gesellschaftlichen und in der akademischen Diskussion sollte sich jede Ärztin und jeder Arzt eine begründete Meinung zu den wichtigsten Methoden der komplementären Medizin gebildet haben. Dieses Buch stellt für mich eine Einladung dar, sich mit den dargaestellten Methoden der Akupunktur und den ihnen zugrunde liegenden Vorstellungen der Traditionellen Chinesischen Medizin gründlich auseinanderzusetzen.
Wer davon fasziniert ist und auf diesem Gebiet weiter arbeiten und Erfahrungen sammeln will, bekommt einen didaktisch exzellenten – weil übersichtlichen – Einstieg. Wer auch nach der Lektüre distanzierter bleibt, wird dann aber beurteilen können, welche Sorgfalt und welche Systematik von guten Anwendern erbracht wird oder erbracht werden sollte und kann somit den suchenden Laien guten Rat geben.
Bleibt zu wünschen, dass weitere geeignete Studiendesigns entwickelt und angewandt werden, die die Wirkungen der Akupunktur evident belegen und damit zur wissenschaftlichen Verankerung in der Ausbildung und an der Universität beitragen.
Prof. Gernot Lorenz
Medizinische Fakultät Universität Tübingen
Tübingen, im März 2009
Als ich vor exakt 20 Jahren aus Frustration über die häufig ausbleibenden dauerhaften Therapieerfolge der westlichen Medizin meine erste Akupunkturnadel in der Hand hielt und beherzt ins Ohr einer Patientin mit chronischen Unterbauchschmerzen stach, ahnte ich nicht, wie diese „chinesisch-okkultistische Methode“ die westliche Medizin des ausgehenden 20. Jahrhunderts beeinflussen würde.
Ich war höchst überrascht angesichts der Wirkungen, die jedoch von den damaligen Lehrern mit physiologischen und endokrinen Regelkreisen zum Teil nur mangelhaft erklärt werden konnten. Die chinesische Philosophie durfte nicht herangezogen werden, wollte man glaubwürdig bleiben. Heute hat die Akupunktur im Westen einen unglaublichen Stellenwert erlangt und es gibt viele Bücher von namhaften Theoretikern und Praktikern, die den Schüler von verschiedenen Seiten an die Akupunktur heranführen. Bisher fehlte jedoch ein Lehrbuch, das die theoretischen Grundlagen der chinesischen Medizin mit den physiologischen Grundlagen aus westlicher Sicht verknüpft und sich an der Praxis orientiert. Die chinesischen Bezeichnungen werden in diesem Buch mit ihrer Aussprache und blumigen Übersetzung einprägsam dargestellt.
Die farblich abgehobenen Übersichten, eingängigen Grafiken, die hervorragende Qualität des Bildmaterials, die eingebauten Verständnis- und Prüfungsfragen machen dem Anfänger den Einstieg leicht und vermitteln Spaß beim Lernen. Auch der in der Akupunktur Erfahrene hat ein Nachschlagewerk für die tägliche Praxis, mit dem er sein aktives Wissen durch Hintergründe, Punktqualifikationen und Indikationen erweitern kann.
Neben der Mühe, die die Autorin auf die Akupunkturdarstellung verwandt hat, macht sie klar, dass die Akupunktur nur ein Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin ist und spricht auch die chinesische Diätetik, die Lebensstiländerung und die chinesische Pharmakotherapie an. Frau Bihlmaier ist es gelungen, nach ihrer preisgekrönten Promotion erneut ein Werk zu verfassen, das inhaltlich, didaktisch und darstellerisch eine Lücke in der westlichen Akupunkturliteratur schließt und für Lernende und Lehrende gleichermaßen ein Genuss ist. Vielleicht gelingt es ja mit Hilfe dieses modernen Lehrbuchs, die Akupunkturausbildung an der Universität hoffähig zu machen.
Prof. Ingrid Gerhard
Universitäts-Frauenklinik Heidelberg
Ambulanz für Naturheilverfahren
Heidelberg, im Mai 2002
Warum DIESES Akupunkturbuch?
3 Punkte sprechen für dieses Buch:
› Wirkkräftige praxis- und prüfungsrelevante Akupunkturpunkte (kein unnötiger Lernballast durch lediglich theoretisch nutzbare Punkte, die in der Praxis so gut wie keine Anwendung finden)
› Leicht-Lern-Didaktik mit eingebauten Wiederholungen und Verständnisfragen
› Aktuelle, westlich erarbeitete Erklärungsmodelle aus Forschung und Wissenschaft ergänzen mystischblumig anmutende chinesische Denkmodelle
Liebe Akupunkturfreundinnen und -freunde,
herzlichen Dank für Ihre bisherige Zustimmung zu meinem Buch! Besonders gefreut hat mich Ihre positive Rückmeldung zur individualisierten Didaktik mit Verständnis aufbauendem Lese-Lerntext, zur tabellarisch-übersichtlichen Aufbereitung und auch zu den superkompakten Wiederholungspiktogrammen. Wenn eine uralte Erfahrungsheilkunde ohne blumige Mystik auskommen kann und westlich übersetzt sogar noch spannender und überzeugender wird, dann habe ich erreicht, was ich erreichen wollte: einen Brückenschlag zwischen den Medizinkulturen und vor allem: Arbeitsfreude und Arbeitserfolg zum Wohle hilfesuchender kranker Menschen. Und jetzt neu für Sie: Weiter ausgearbeitete Erfolgstipps aus der Praxis für die Praxis, die in den lila Kästchen „Praxistipps“ zu finden sind!
Viel Freude beim erfolgreichen Akupunktieren mit TCM!
Dr. med. Susanne Bihlmaier
Tübingen, im April 2009 und Januar 2020
Liebe Leserinnen und Leser,
im Laufe meiner Ausbildung in der Chinesischen Medizin und später in der eigenen Dozententätigkeit wurde ich immer wieder selbst vor die Qual der (Lehrbuch-)Wahl gestellt: jedes hat einen anderen inhaltlichen Schwerpunkt und die lernunterstützende Didaktik kam auch erst nach und nach hinzu. So schleppte ich oft mehrere „Buch-Kilos“ zu den Anfängerkursen, um in dem einen die Grundlagen, in einem anderen die Punktebeschreibung und in einem dritten die gelungenen Abbildungen vorzustellen.
Aus all diesen Punkten kristallisierte sich bei einigen der Akupunkturgesellschaften, bei welchen ich unterrichte, die Anfrage heraus: „Bringen Sie doch mal alles unter einen Hut! Das Ganze ohne mystisches Geschnörkel, sondern chinesisch-medizinisches Denken übersetzt in unser westliches Denken so wie in Ihrem Unterricht“.
Viel Freude beim Kennenlernen einer Therapierichtung, die laut WHO einen Großteil der Menschheit versorgt – und das seit ca. 5000 Jahren!
Dr. med. Susanne Bihlmaier
Tübingen, im Juni 2002
• den Akupunkturgesellschaften NidM und MediKolleg, auf deren Anregung hin dieses Buch entstand,
• dem Kollegen und Verleger Dr. med. Bernard C. Kolster, der Projektleiterin Martina Kunze, der Lektorin Aja Reisewitz und dem Grafiker David Kühn vom KVM-Verlag,
• im Jahr 2009 erneut Herrn Dr. med. Bernard Kolster sowie der Projektmanagerin Sabine Poppe, die in wirtschaftlich spannenden Zeiten die Neuauflage meines Buches erfolgreich durchgesetzt hat,
• meiner Lektorin und Kollegin Susanne Engelhardt sowie der Grafikerin Susanne Tischewski,
• den Dozenten-Kollegen Gabriel Stux (Deutsche Akupunkturgesellschaft) und Norbert Kuschick (DÄGfA), Andreas Höll (Übersetzer der Maciocia-Bücher) sowie meiner Stütze aus der Doktorandenzeit, Christine Mahrla, Sekretärin bei Frau Professor Gerhard für die kritisch-konstruktive Durchsicht,
• dem Kollegen Norbert Kuschik für die Kapitel Ohrakupunktur und Schädelakupunktur,
• Karl-Heinz Christoph,
• Herrn Professor Gernot Lorenz von der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen für seine Offenheit gegenüber der Akupunktur. Ihm sei diese zweite Auflage gewidmet für seine Bemühungen, den Blickwinkel der Medizinstudenten um internationale Heilkundesysteme zu erweitern.
• meinem Mann Armin für die unermüdliche computertechnische Unterstützung und seine Liebe,
• meiner Doktormutter Frau Professor Ingrid Gerhard von der Naturheilkundlichen Ambulanz der Universitätsfrauenklinik Heidelberg für Ihr Geleitwort zur ersten Auflage.
Zu guter Letzt gilt mein besonderer Dank meinen TCM-Lehrern, deren Erfahrungsschatz und Begeisterung für die TCM in dieses Buch eingeflossen sind und an Sie, liebe Leser, weitergegeben werden sollen.
(alphabetisch) Dres.
• Dai, Go und Yin Bai, Rot Kreuz Krankenhaus in Hangzhou, China
• Rainer Dirken, SAGA (Schweizerische Ärztegesellschaft für Akupunktur)
• Prof. Ingrid Gerhard, Universität Heidelberg
• Johannes Greten, DGTCM (Deutsche Gesellschaft für TCM)
• Carl-Hermann Hempen und Rainer Nögel, SMS (Internationale Gesellschaft für Chinesische Medizin)
• Prof. Liu Ke, Shenyang, China
• Giovanni Maciocia, Großbritannien
• Prof. Piao, Guan An Men Hospital, Peking, China
• Francois Ramakers, Niederlande
• Ansgar Römer und Birgit Seybold, Akupunktur Pro Medico
• Radha Thambirajah, Academy of Chinese Acupuncture, Sri Lanka
Praxistipp
Wertvolle Praxistipps der Autorin – aus der Praxis für die Praxis!
„Gebrauchsanleitung“ – für mehr Lerneffektivität und mehr Lernspaß!
Dieses Praxishandbuch der chinesisch fundierten Akupunktur berücksichtigt – besonders in den Hauptkapiteln – die unterschiedlichen Lernstile und verknüpft diese gleichzeitig zu einem didaktischen Lernprogramm mit eingebauten Wiederholungen:
1 › Erfassen Sie die Lerninhalte entsprechend Ihres individuellen Lernstils
Der Lesetext: Lassen Sie sich einführen mit dem ausführlichen, fließenden Lesetext. Ohne „AbKüFi“ (Abkürzfimmel), für den texterfassenden Lernstil.
Die Tabelle: Vertiefen Sie mittels der tabellarischen Aufarbeitung die Lesetext-Inhalte. Für den tabellarisch-knapp-übersichtlichen Lernstil und gleichzeitig schon für die Wiederholung und Festigung des Lesetext-Wissens.
Das Quick-Memo: Hier finden Sie das extrahierte Wissensdestillat aus Lesetext und Tabelle, kombiniert mit Piktogrammen zur visuellen Kurz-Zusammenfassung und Schnell-Wiederholung.
2 › Nutzen Sie die visuelle Unterstützung der Lerninhalte
Die Farbgestaltung richtet sich nach den 5 Wandlungsphasen.
Die Quick-Memos sind mit einprägsamen Symbolen versehen.
Die Meridian-darstellenden Personenzeichnungen zeigen in ihrer Körperhaltung und ihrer Mimik bereits die Hauptaufgaben des jeweiligen Funktionskreises. Moderne Computergrafiken zeigen Ihnen alle wichtigen anatomischen Strukturen zur Punktelokalisation.
3 › Erhöhen Sie Ihre Lerneffektivität mit Hilfe der eingebauten Lernhilfen
Die unterschiedliche Aufarbeitung des Lerninhaltes in Lesetext, Tabelle und Quick-Memo bietet Ihnen Rekapitulationsmöglichkeit.
Die visuelle Unterstützung der Lerninhalte multipliziert und erleichtert die Wissensaufnahme.
Die Verständnisfragen am Ende jeden Kapitels fördern aktive Wissensverarbeitung.
4 › Lassen Sie sich leiten durch den logischen Kapitelaufbau
Die theoretischen Grundlagen am Anfang des Buches bilden ein solides Fundament für die danach folgenden Praxiskapitel, welche wiederum in einem Punkte-Destillat enden.
Am Schluss soll noch Ihre Neugierde für das Gesamtwerk der TCM geweckt werden durch ergänzende Kurzeinblicke in die Diätetik und die Pharmakologie.
› Profitieren Sie von der Erfahrung und den Forschungsarbeiten renommierter internationaler Akupunktur-Institutionen, von der akribischen Auswertung Chinesischer Werke und zu guter Letzt von der praktischen Erfahrung leidenschaftlicher Akupunkteure – um sich mit fundiert ausgewählten Praxispunkten sowohl für die Prüfung, als auch für Ihre Behandlung des Patienten auf das Wesentliche konzentrieren zu können: auf wirksame Akupunktur!
Inhaltsverzeichnis – Theorie
1 Grundlagen
1.1 Akupunktur-Geschichte in Stichworten
1.2 Philosophische Grundlagen und deren Einflüsse auf die Akupunktur heute
1.3 Wissenschaftliche Erkenntnisse
2 Physiologie in der TCM
2.1 Die „Fünf Grundsubstanzen des Lebens“
2.2 Wissenschaftstheoretische Grundlagen
2.2.1 Yin und Yang – ein ganzheitliches Ordnungsprinzip
2.2.2 Wandlungsphasen als synergetisch/ biokybernetisches Modell
2.3 Funktionskreise
2.4 Krankheitsursachen
2.5 Meridiansystem
2.6 Organuhr
3 Punktekategorien in der TCM
3.1 Punktekategorien
3.1.1 Tonisierungs- und Sedierungspunkt
3.1.2 Zustimmungs-Rücken-Shu-Punkte (Bei Shu Xue) und ventraler Alarm-Mu-Punkt (Mu Xue)
3.1.3 Ursprungs-Yuan-Qi-Punkte (Yuan Xue)
3.1.4 Durchgangs-Luo- oder Vernetzungs-Punkte (Luo Xue)
3.1.5 Spalten-Xi-Punkte (Xi Xue)
3.1.6 Acht einflussreiche Chinesische Meisterpunkte (Ba Hui Xue, Zusammenkunfts- oder Einflusspunkte)
3.1.7 Acht Schlüssel-(Einschalt-)Punkte zum Energiereservoir (Ba Mai Jiao Hui Xue)
3.1.8 Gruppen-Luo-Punkte oder „Drei Fliegen mit einer Klappe“ (Luo Xue)
3.1.9 Fünf Antike Punkte (Wu Shu Xue)
3.1.10 Sechs untere Einfluss-He-Punkte (Xia He Xue)
3.1.11 Regionale Meisterpunkte
3.1.12 Europäische Meisterpunkte
Inhaltsverzeichnis – Praxis
4 Diagnostik in der TCM
4.1 Diagnostisches Vorgehen – Überblick
4.2 Die vier Untersuchungsmethoden nach TCM
4.2.1 Allgemeine Anamnese zur Erfassung der vegetativen Grundsituation
4.2.2 Palpation: Pulsdiagnostik
4.2.3 Inspektion
4.2.4 Olfaktion und Auskultation
4.2.5 Konstitution
4.3 Beurteilung der Erkrankungs-symptome
4.3.1 Yin – Yang
4.3.2 Innen – Außen
4.3.3 Kälte – Hitze
4.3.4 Leere (Schwäche/Mangel) – (Über-)Fülle
4.4 Zang-Fu-Disharmonie-Muster
4.5 Analyse der beteiligten pathogenen Faktoren
4.6 Disharmonie-Muster von Qi, Xue und Jing
5 Akupunktieren
5.1 Indikationen und Kontraindikationen
5.1.1 Indikationen
5.1.2 Kontraindikationen
5.2 Aufklärung, Nebenwirkungen, Komplikationen
5.2.1 Aufklärungspflicht
5.2.2 Mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen
5.3 Nadelwahl
5.4 Punktwahl
5.4.1 Konzepte
5.4.2 Beispiele
5.5 Akupunktieren Schritt für Schritt
5.5.1 Vorbereitung, Lagerung
5.5.2 Punktelokalisation
5.5.3 Desinfektion
5.5.4 Einstichtechniken
5.5.5 Stichtiefe, De-Qi-Gefühl, Stichrichtung
5.5.6 Manipulationstechniken
5.5.7 Nadelverweildauer, Nadelentfernung
5.5.8 Behandlungsfrequenz
5.6 Moxibustion
5.7 Weitere Akupunkturformen
6 Praxispunkte der Funktionskreise/Meridiane
6.1 Erster Meridianumlauf Lu-Di-Ma-Mi
6.1.1 Lungen- und Dickdarmfunktionskreise
6.1.2 Magen- und Milzfunktionskreise
6.2 Zweiter Meridianumlauf He-Dü-Bl-Ni
6.2.1 Herz- und Dünndarmfunktionskreise
6.2.2 Nieren- und Blasenfunktionskreise
6.3 Dritter Meridianumlauf Pe-3E-Gb-Le
6.3.1 Perikard- und Erwärmerfunktionskreise
6.3.2 Gallenblasen- und Leberfunktionskreise
6.4 Die Acht außerordentlichen Meridiane Qi Jing Ba Mai
6.4.1 Definition, Schlüssel-(Einschalt-) und Ankopplungspunkte
6.4.2 Konzeptionsgefäß (Ren Mai)
6.4.3 Lenkergefäß (Du Mai)
6.4.4 Chong Mai und Yin Wei Mai
6.4.5 Lenkergefäß und Yang Qiao Mai
6.4.6 Dai Mai und Yang Wei Mai
6.4.7 Konzeptionsgefäß und Yin Qiao Mai
6.5 Tendino-muskuläre Meridiane (Jing Jing)
6.6 Sondermeridiane Jing Bie Xun Xing
6.7 Extrapunkte
6.7.1 Übersicht
6.7.2 Kopf und Hals
6.7.3 Brust und Bauch
6.7.4 Rücken
6.7.5 Arm und Hand
6.7.6 Bein und Fuß
7 Ohrakupunktur
7.1 Einführung
7.2 Indikationen und Kontraindikationen
7.3 Aufklärung, Nebenwirkungen, Komplikationen
7.4 Methoden der Punktbehandlung
7.5 Punktauswahl und Lateralität
7.6 Ohrakupunktur Schritt für Schritt
7.6.1 Indikationsstellung
7.6.2 Therapiekonzept
7.6.3 Vorbereitung, Lagerung
7.6.4 Punktsuche
7.6.5 Desinfektion, Stichtechnik, Manipulation
7.6.6 Nadelverweildauer
7.6.7 Behandlungsfrequenz und -häufigkeit
7.7 Anatomie der Ohrmuschel, Repräsentationszonen
7.7.1 Topographische Anatomie der Ohrmuschel
7.7.2 Innervation der Ohrmuschel
7.7.3 Repräsentationszonen an der Ohrmuschel
7.8 Systematik der Ohrpunkte
7.8.1 Organ- bzw. Korrespondenzpunkte
7.8.2 Segmenttherapie
7.8.3 Analgetisch bzw. antiphlogistisch wirkende Punkte
7.8.4 Psychotrope bzw. vegetativ-ausgleichend wirkende Punkte
7.8.5 Modalitätsspezifische bzw. ergänzende Punkte
7.8.6 Ohrrückseite
8 Neue Schädelakupunktur nach Yamamoto (YNSA)
8.1 Einführung
8.2 Indikationen und Kontraindikationen
8.3 Aufklärung, Nebenwirkungen, Komplikationen
8.4 Methoden der Punktbehandlung
8.5 Punktauswahl und Lateralität
8.6 Neue Schädelakupunktur nach Yamamoto Schritt für Schritt
8.6.1 Indikationsstellung
8.6.2 Therapiekonzept
8.6.3 Vorbereitung, Lagerung
8.6.4 Punktsuche
8.6.5 Desinfektion, Stichtechnik
8.6.6 Nadelverweildauer
8.6.7 Behandlungsfrequenz und -häufigkeit
8.7 Repräsentationszonen am Schädel
8.7.1 Basis-Punkte bzw. -Zonen
8.7.2 Ypsilon-Punkte bzw. -Zonen
9 Aus der Praxis für die Praxis: Punkte-ABC
10 Chinesische Diätetik: Kurzübersicht
10.1 Status der Diätetik innerhalb der Traditionellen Chinesischen Medizin
10.2 Chinesische Klassifizierung von Nahrungsmitteln
10.2.1 Inneres Temperaturverhalten
10.2.2 Geschmack
10.2.3 Funktionskreisbezug
10.2.4 Wirkrichtung
10.3 Einfluss der Zubereitungsart auf die Nahrungsmittelwirkung
10.4 Die häufigsten Ernährungsfehler – Kurzübersicht
10.5 Durchführung einer diätetischen Therapie
11 Chinesische Arzneimitteltherapie: Kurzübersicht
11.1 Status der Arzneimitteltherapie innerhalb der Traditionellen Chinesischen Medizin
11.2 Geschichtlicher Überblick
11.3 Chinesische Arzneimitteltherapie in der Praxis
11.4 Vorgehen in der Praxis
11.5 Weiterführende Informationen zur Chinesischen Arzneimitteltherapie
Anhang
Studienlage und Gesundheitspolitik: Die German Acupuncture Trials – GERAC 2001–2005
Beispiele aus der Akupunktur-Forschung
Chinesische Medizin in China
Literatur- und Quellenverzeichnis
Index
01 Grundlagen
02 Physiologie
03 Punktekategorien
Die Akupunktur als Teil der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) ist eine klassische naturheilkundliche Reiztherapie, welche die Selbstregulationskräfte des Körpers in Gang setzt. Sie zeigt Wirkung auf das gesamte Vegetativum, die Immunabwehr und das Allgemeinbefinden. Zerstörte Strukturen kann sie nicht heilen, jedoch kann sie auch hier noch im Sinne einer ganzheitlichen Therapie psychovegetativ unterstützen und Schmerzen lindern (wie z. B. in Studien zur Kniegelenksarthrose erfolgreich aufgezeigt wurde) oder aber auch psychovegetativ unterstützen. In ihrem Herkunftsland China macht die Akupunktur lediglich etwa 20 % der therapeutischen Maßnahmen im Rahmen der TCM aus. Den Hauptanteil von etwa 80 % bilden die Pharmakotherapie, die Ernährungstherapie sowie die Lebensführung. Sowohl die Pharmakotherapie (in Deutschland fast ausschließlich Heilkräuterabkochungen und Medizinalpilze) als auch die Ernährungstherapie haben den Vorteil, nicht mit den patienteneigenen Regulationsressourcen auskommen zu müssen, sondern von außen Energie zuführen zu können. Dies erklärt, weshalb die Anwendung des gesamten Therapiespektrums der TCM größere Heilungserfolge erzielt als die Akupunktur allein.
• Horn- und Knochennadeln sowie Bambussplitter aus urzeitlichen Grabfunden weisen vermutlich auf die ersten äußerlichen Reizbehandlungen im Sinne der Akupunktur hin.
• Bei der 1991 in den Ötztaler Alpen gefundenen Mumie eines Steinzeitmenschen fand man Tätowierungen an Körperstellen, die uns heute als Akupunkturpunkte des Blasenmeridians bekannt sind. Einige Forscher deuten dies als Hinweis, dass schon 5300 v. Chr. in Europa Schmerzen des Bewegungsapparates reflextherapeutisch behandelt wurden.
• Das Buch „Huang Di Nei Jing“ gilt als das älteste medizinische Werk. Es ist in Dialogform zwischen dem legendären „Gelben Kaiser“ (2697–2596 v. Chr.) und seinen Leibärzten verfasst. Von einigen Forschern wird es allerdings auf das 1.–2. Jahrhundert n. Chr. datiert, da die Akupunktur in den frühesten chinesischen heilkundlichen Schriften, den „Seidenmanuskripten des Mawangdui-Grabes“ von 167 v. Chr., nicht erwähnt wird. Die heute überlieferte Form des „Inneren Klassikers des Gelben Fürsten“ stammt aus dem 13. Jahrhundert.
• In der Schrift „Shiji“ von Sima Quian, 90 v. Chr., wird über die Nadelung durch einen Wanderarzt aus dem 5.–6. Jahrhundert v. Chr. berichtet.
• Die Anwendung von Beifuß (Artemisia vulgaris) zur Wärmebehandlung an Akupunkturpunkten findet sich zuerst beim Philosophen Mengzi im 4. Jahrhundert v. Chr. Der „Systematische Aku-Moxi-Klassiker“ von Huang Fumi, 215–282 n. Chr., ist das erste sicher datierbare Werk.
• Die in China bereits im 10. Jahrhundert eingeführte Buchdruckerkunst sorgte für die Dokumentation weiterer Werke wie z. B. die „Erläuterung der 14 Hauptleitbahnen“ (1341) und die „Untersuchung über die acht unpaarigen Leitbahnen“ von Li Shizhen (1518–1593), einem der bedeutendsten chinesischen Ärzte.
• Im 17. Jahrhundert brachten französische Kaufleute und Missionare die Akupunktur nach Europa und der Arzt der Ostindischen Handelskompanie, Willem Ten Rhyne, verfasste eine der ersten Publikationen. Weitere Veröffentlichungen kamen von dem Arzt Berlioz aus Frankreich (1816) und von Soulié de Morant, 1931, Konsul in China.
• 1958 wurden in China die „westliche Medizin“ und die Traditionelle Chinesische Medizin von Mao Ze-Dong gleichgestellt und damit die TCM zur universitären Heilkunde erhoben – um die medizinische Versorgung des großen chinesischen Volkes gewährleisten zu können.
• In Deutschland wurde die Akupunktur nach dem 2. Weltkrieg bekannt.
Die Akupunktur (und die TCM) sind von zwei grundlegenden philosophischen Richtungen geprägt:
• vom Daoismus, der die innere Entwicklung, die geistige Haltung des Menschen betrifft,
• vom Konfuzianismus, der das sozial-bürgerliche, politische Leben mit Vorbildern aus militärischer Strenge und Traditionspflege regelt.
Gesundheitliche/medizinische Aspekte des Daoismus sind:
• die Suche nach langem Leben, um mehr Zeit zur Meditation zu haben. Dazu gehören die Anwendung gesundheitsfördernder Praktiken und das gesundheitsbewusste Leben; die TCM wurde hauptsächlich als präventive Medizin angewandt,
• das Entsprechungssystem von Yin und Yang: Alles steht in einer polaren Wechselbeziehung, Gegensätze bilden erst gemeinsam das Ganze (s. Yin und Yang, Kap. 2.2.1).
Rational geprägte Staats- und Sittenlehre, die Tradition, Recht und Ordnung betont.
Gesundheitliche/medizinische Aspekte des Konfuzianismus sind:
• die Verehrung der Eltern und vor allem auch der Ahnen, die eine Leichenschau verbietet. Daraus entwickelte sich ein minutiös beobachtendes System zur Erfassung von Befindlichkeit und Befindlichkeitsstörungen,
Die breite Palette der Akupunkturwirkungen ist noch immer nicht vollständig erforscht. Die wissenschaftliche Aufarbeitung konzentriert sich auf die teils spektakuläre analgetische Wirkung. Die Auswirkungen der Akupunktur auf das Hormonsystem bedürfen noch weiterer Studien. Wichtige Forschungsergebnisse werden in Tabelle 1.1 (s. Seite 4) dargestellt.
Die bekannteste und am meisten erforschte Wirkung der Akupunktur ist die Schmerzlinderung durch Endorphin-Freisetzung. Ihr Wirkungsspektrum ist aber breiter gefächert, wie Tabelle 1.2 (s. Seite 5) zeigt.
Erfolgreich nachgewiesen werden konnte der Akupunkturpunkt zudem, in einer heute hochaktuellen Struktur, der Faszie. Bei der Untersuchung von Verstorbenen konnte ein Gefäß-Nerven-führendes Faszienloch identifiziert werden, welches zusätzlich von einem Ring aus von doppelt so vielen Rezepten umgeben wird, wie nur einen halben Zentimeter daneben, siehe Abb.1.1.
Abb. 1.1: Gefäß-Nervenbündel (modifiziert nach H. Heine): Zu 80 % entsprechen die Akupunkturpunkte der Durchtrittsstelle eines Gefäß-Nervenbündels durch die äußere Körperfaszie.
Abb. 1.2: Neurophysiologische Grundlagen (modifiziert nach C.-H. Hempen): Die drei neurophysiologischen Wirkebenen der Akupunktur sind die
• kompetitive aszendierende Hemmung auf Rückenmarksebene
• Hemmung der deszendierenden Fasern im Mittelhirn
• Endorphin-Freisetzung aus dem Hypothalamus
Forschungsgebiet
Forschungsergebnis
Forscher
Embryologie
Haut und Nervensystem entwickeln sich aus dem gleichen Keimblatt (Ektoderm, äußeres Keimblatt).
Ramakers
Neuroanatomie, Körpersegmente
Akupunkturpunkte werden Spinalnerven zugeordnet: kutiviszerale Informationsübermittlung.
König und Wancura
Head-Zonen
Über kutiviszerale und viszerokutane Reflexwege der Rami communicantes albi et grisei existieren Wechselwirkungen zwischen Arealen der Körperoberfläche und den inneren Organen (in der chinesischen Medizin bereits jahrtausendelang bei der Nadelung der Alarm-Mu-Punkte ventral und der Zustimmungs-Rücken-Shu-Punkte dorsal „genutzt”).
Head
Segmente
Akupunkturpunkte in Segmenten müssen genau getroffen werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Experimentell konnte z. B. nur mit Nadelung des Zwerchfell-Zustimmungs-Punktes Bl 17 die Zwerchfellfunktion objektivierbar beeinflusst werden, nicht aber mit anderen Punkten des gleichen Segments.
Bergsmann
Histologie/ Morphologie
80% der Akupunkturpunkte entsprechen der Perforation eines Gefäß-Nervenbündels durch die oberflächliche Körperfaszie.
Heine (s. Abb. 1.1), Benner, Draehmpaehl
Histologie
Akupunkturpunkte haben eine nahezu doppelt so hohe Hautrezeptorendichte wie ihre Umgebung (0,31 versus 0,16/mm2).
Kellner
Elektrophysiologie
Akupunkturpunkte weisen einen niedrigeren Hautwiderstand auf (erklärbar durch die wasserreiche Bindegewebshülle um das Gefäß-Nervenbündel; Heine). Diese Bindegewebshülle enthält Paccini-Körperchen.
Durchschnittlich besteht am Akupunkturpunkt eine 3,4fach höhere elektrische Kapazität als in seiner Umgebung.
Pomeranz
Abele, Dieper, Herrmann Thalmann
Tabelle 1.1: Grundlagenforschung Akupunktur
Forschungsgebiet
Forschungsergebnis
Forscher
Mikrozirkulation
Aus Nervenzellen wird vasoaktives intestinales Polypeptid (VIP) freigesetzt, dadurch nimmt die Mikrozirkulation um die Nadel/Einstichstelle herum zu.
Saig und Mutt
Neurochemie
Akupunktur führt zur Bildung und Freisetzung körpereigener Endorphine, was die Akupunkturwirkung vor allem in der Schmerztherapie erklärt. Sie ist durch den Morphin-Antagonisten Naloxon antagonisierbar.
Pomeranz und Cheng
Humorale Wirkung
Schmerzhemmende humorale Substanzen konnten über das Liquorpunktat von einem akupunktierten, schmerzgereizten Kaninchen auf ein schmerzgereiztes, nicht akupunktiertes Kaninchen übertragen werden. Der Schmerz beim nicht akupunktierten Kaninchen nahm um 2/3 ab.
Zhang Xian Tong
Hormonale Wirkungen
Durch Akupunktur nehmen die Testosteronwerte und die Globalmobilität von Spermien bei männlicher Sterilität zu.
Jung
Nach Akupunktur konnte bei amenorrhöischen Patientinnen ein signifikanter LH-Abfall nachgewiesen werden. Der Rebound-Effekt löste die Ovulation aus.
Kubista
Durch Akupunktur bei hypothalamischer Gestagen-positiver Amenorrhö wurden vergleichbare Schwangerschaftsraten wie durch Hormontherapie erzielt.
Gerhard
Der ACTH-Spiegel im Plasma steigt durch Akupunktur an.
Xie, Masala
Der Kortisolspiegel im Plasma steigt durch Akupunktur an.
Lee, Liao
Neurophysiologie
Das körpereigene Schmerzsystem wird auf drei Ebenen aktiviert:
• Im Rückenmark findet durch die nichtschmerzhaften Reize der Akupunktur eine segmentale Hemmung statt → die aszendierende Schmerzweiterleitung wird über die Transmittersubstanz Enkephalin blockiert.
• Die deszendierende Hemmung der Hinterhornneurone durch Nervenreize von Mittelhirn, periaquäduktalem Grau und Raphekern wird über Monoamine, insbesondere Serotonin, bewirkt.
• Im Hypothalamus werden Beta-Endorphine ausgeschüttet.
Pomeranz (s. Abb. 1.2)
Funktionelle Anatomie
Di 4 hat Anschluss an den kompletten Plexus brachialis, Ma 36 an den Plexus lumbosacralis. Beide stellen so Informationsfilter für alle afferenten und efferenten Bahnen des Rückenmarks dar. Ihr Anschluss an die parasympathischen Kerngebiete in Rückenmark und Gehirnstamm prädestiniert sie zur Kontrolle des Sympathikus.
Heine
Neurophysiologie
Narkotisierten Patienten wurde ein Schmerzreiz verabreicht, dann erfolgte Akupunktur an traditionellen Schmerzpunkten bei 50 % der Probanden. Ergebnis: Eine Abflachung der evozierten Potenziale fand sich nur bei akupunktierten Probanden.
Meissner
Neurophysiologie
Darstellung neuronaler Aktivität mittels fMRI (Stoffwechsel, Durchblutung): Eine deutliche Veränderung in den zugehörigen Gebieten zeigte sich nur bei Verum-Akupunktur an TCM-Punkten.
Litschner, Siedentopf, Bin Yan
GERAC-Studie
s. Seite 318 f.
Tabelle 1.2: Wirkprinzip der Akupunktur
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Akupunktur-Geschichte in Stichpunkten
1. Welcher Klassiker ist das am häufigsten zitierte Buch der chinesischen Medizin?
Philosophische Grundlagen
1. Welchen Einfluss hat der Daoismus auf die chinesische Medizin?
2. Was ist der Grundgedanke des Konfuzianismus?
3. Wie wirkt sich der Konfuzianismus auf die chinesische Medizin aus?
Wissenschaftliche Grundlagen
1. Erläutern Sie die Schmerzlinderung durch Akupunktur und nennen Sie die drei Wirkebenen.
2. Welche anatomisch-histologischen Besonderheiten weisen Akupunkturpunkte auf?
Lange Zeit untersagte der Konfuzianismus die Leichenschau. Dies machte chinesische Ärzte zu minutiösen Beobachtern. Daher ist der chinesische Physiologie-Begriff v.a. durch ein analoges Denken geprägt, bei dem von äußerlich wahrnehmbaren Veränderungen auf Vorgänge im Körperinneren geschlossen wird. Dies spiegelt sich auch in der ausgeprägt bildhaften Sprache wider. Für uns westliche Mediziner ist die chinesische Denkweise oft schwer zugänglich, weil diese mangels tieferen Verständnisses oft unzureichend oder gar verfälschend übersetzt wird.
Beispiele sind
• Aussagen wie: „Die Chinesen kannten damals nur die fünf Grundelemente Holz/Feuer/Erde/Metall/Wasser, mit denen sie alles zu erklären versuchten“, oder
Dass westlich ausgebildete Kollegen mit solchen Erklärungen nur wenig anfangen können und sich deshalb auf die reine Rezeptakupunktur mit Endorphinwirkung beschränken, ist verständlich – aber schade. Neuere Studien zeigen, dass die Akupunktur bei Anwendung der chinesischen Diagnostik und des daraus resultierenden Therapiekonzepts um etwa ein Drittel mehr therapeutische Erfolge erzielen kann.
Der Schritt zur erfolgreicheren Therapie muss deshalb in Richtung einer profunden Übersetzungsarbeit gehen. Essenziell ist dabei die Übersetzung der chinesischen Denkweise und der andersartigen, viel bildhafteren Sprache in ein für westliche Mediziner nachvollziehbares Konzept.
Diese Schritte wurden und werden getan von Sinologen, wie z. B. Porkert und Unschuld sowie von forschenden Ärzten und Ärztinnen wie z. B. (alphabetisch) Focks, Gerhard, Greten, Hempen, Kubiena, Maciocia, Ramakers, Römer, Stux und vielen anderen mehr. In den folgenden Ausführungen sind die zahlreichen Denkmodelle in ein Gesamt-Erklärungsmodell integriert. Diese Synthese soll es erleichtern, sich in die chinesische Medizin einzudenken.
Die „Fünf Grundsubstanzen des Lebens“ bilden die Basis der chinesischen Physiologie und setzen sich jeweils aus unterschiedlichen Anteilen von Substanz und Energie zusammen (s. Tabelle 2.1, Seite 7). Alle sind direkt am Lebensprozess beteiligt.
Die TCM kennt unterschiedliche Formen von Qi. Die wichtigsten:
•Nahrungs-Energie (Gu Qi) entsteht aus der Nahrungsumwandlung und ist demzufolge durch die Nahrungsmittelwahl steuerbar.
•Atmungs-Energie (Zong Qi) entsteht aus der Atmung und kann durch Atemübungen unterstützt werden.
•Grund-Energie oder organspezifische Energie (Zang Fu Qi) wird aus Nahrungs- und Atmungsenergie gebildet und versorgt den gesamten Organismus.
• Das Wahre Qi (Zheng Qi) besteht aus Nähr-Qi (Ying Qi, annähernd mit der Nährfunktion des Blutes übersetzbar) und Abwehr-Qi, welches hauptsächlich außerhalb der Meridiane in Haut und Immunsystem zirkuliert.
Tabelle 2.1: Die Fünf Grundsubstanzen des Lebens (korrekte Aussprache in Klammern)
Quick-Memo
Grundsubstanzen
Qi Summe aller physiologischen, dynamischaktiven Lebensvorgänge, neurovegetative Grundaktivität, individualspezifische aktive Energie
Xue stoffliches Komplement zu Qi, mit Blut übersetzbar
Shen Intellekt, Geist, Bewusstsein
Jing Erbgut, Konstitution
Jin Ye interstitielle Gewebsflüssigkeit und Körpersäfte
Damit eine Medizinrichtung als wissenschaftliche Medizin gilt, müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden:
•eine festgelegte Fachsprache,
•positive Empirie,
•rationale Vernetzung der empirischen Daten bzw. ihre Systematisierung.
Alle genannten Kriterien sind bei der TCM gegeben. Die in der TCM verwendeten Symbole aus der Naturbeobachtung erscheinen nur bei der flüchtigen Erstbetrachtung blumig und überholt. Auch hier ist es Sinologen und Ärzten zu verdanken, dass diese Natursymbole in das westliche Medizinverständnis übersetzt werden konnten. Sie stellen universelle Symbole für die Richtung einer Aktivität im menschlichen Organismus dar.
Quick-Memo
Wissenschaftstheoretische Grundlagen einer wissenschaftlichen Medizin sind:
• eine festgelegte Fachsprache,
• positive Empirie,
• Systematisierung.
Die wissenschaftstheoretischen Grundlagen der chinesischen Medizin sind:
• die Lehre von Yin und Yang,
• die Lehre von den Wandlungsphasen.
Das Ordnungsprinzip von Yin und Yang besagt, dass das gesamte Universum aus Gegensatzpaaren besteht, die zusammen erst eine Ganzheit bilden.
Die wörtliche Übersetzung der beiden Begriffe Yin und Yang zeigt am deutlichsten, was mit ihnen gemeint und wie universell dieses Begriffspaar zu verstehen ist:
Abb. 2.1: Der Berg mit Sonnen- und Schattenseite als wörtliche Übersetzung verdeutlicht die grundlegende Symbolik für Yin und Yang: Yin und Yang sind komplementäre, existenziell voneinander abhängige Komponenten, die erst zusammen eine Ganzheit bilden.
Das Naturphänomen der beiden Bergseiten in Bezug auf die Sonne wurde 400 v. Chr. als Entsprechungssystem Grundlage der daoistischen Philosophie. Es verdeutlicht, dass alle Lebensäußerungen, angefangen von Naturerscheinungen wie Tag und Nacht, Trockenheit und Feuchtigkeit, Bewegung und Ruhe, bis hin zu Mann und Frau, Gegensatzpaare mit zwei polaren aber sich ergänzenden Anteilen darstellen.
Anstatt lange Tabellen der Zuordnung einzuprägen, ist es leichter, sich das Bild des Berges (s. Abb. 2.1) mit Sonnen- und Schattenseite vorzustellen und folgende Fragen zu beantworten:
• Auf welcher Seite des Berges ist es wärmer, auf welcher kälter; wo ist es hell, wo dunkel?
• Auf welcher Seite ist es aufgrund des Klimas trockener; wo kann sich Feuchtigkeit eher halten, sogar ansammeln und damit Vegetation ansiedeln und festigen?
• Auf welcher Seite huscht eine Eidechse (wechselwarm!) flink umher, wo liegt sie starr am Boden? Auf welcher Seite würden Kinder spielen?
Abb. 2.2: Monade
Die Beantwortung dieser Fragen führt zum Prinzip von Yin und Yang und damit auf das Entsprechungssystem zu: vgl. Tabelle 2.2, Seite 9
Siehe Tabelle 2.2, Seite 9
Tabelle 2.2: Yin und Yang: Naturbeobachtung und ihre Entsprechungen
Symbol der Entsprechungslehre ist das Fou-Chi-Zeichen, die Monade (s. Abb. 2.2, Seite 8). Der Kreis steht für Ganzheit, die schwarze Fläche für das Yin, die weiße für das Yang. Die gegenfarbigen kleinen Punkte symbolisieren den Anteil des jeweils Anderen, der in allem enthalten ist (Frauen produzieren auch männliche Hormone wie Testosteron, Männer auch weibliche Hormone wie Östrogene). Die wellenförmige Trennungslinie symbolisiert den ständigen Wandel, den Fluss des Geschehens, die phasischen Zyklen (z. B. Hormonzyklus der Frau, Jahreszeiten).
Die Bewertung eines Menschen und seiner Eigenschaften sowie seiner Symptome nach dem Yin- oder Yang-Charakter ist Grundlage der chinesischen Medizin. Das Grundverständnis dieses Charakters erhöht den Therapieerfolg ebenso, wie eine Nichtbeachtung häufig einen Grund für ein Therapieversagen darstellt. Beispiel: Der Schmerzcharakter bei Arthrose ist statisch (gleichbleibend, anhaltend), hat also Yin-Charakter. Der plötzlich einschießende, bohrende Migräneschmerz hingegen hat Yang-Charakter. Beide Schmerzsyndrome werden völlig unterschiedlich therapiert und sind mit alleiniger Nadelung von so genannten „Schmerzpunkten“ weitaus weniger erfolgreich behandelbar.
Quick-Memo
Yin und Yang repräsentieren polare, gegensätzliche Kräfte, welche erst zusammen ein funktionelles Ganzes bilden. Yin beinhaltet dabei immer auch etwas Yang und umgekehrt.
Yin-Störungen sind hauptsächlich Struktur- bzw. Substanzdefekte, Substanzmangel oder Substanzüberladung, aber auch Mangel an Funktion. Yin-Störungen lassen sich in zwei Gruppen aufteilen:
Yin-Mangel:
Yin-Überfülle:
Überfülle an Substanz und Säften, die sich an falscher Stelle ablagern.
Beispiele: schwere Beine, Übergewicht, Zellulite, Ödeme, aber auch Tumoren als Zusammenballung von Substanz. Die seelisch-geistige Yin-Überfülle manifestiert sich in Niedergeschlagenheit und geistiger Trägheit.
Yang-Störungen sind hauptsächlich Störungen der Funktion und der Regulation. Sie zeigen sich in allen dynamikassoziierten Funktionsbereichen; z. B. der Blutdruck bzw. der Blutkreislauf als Yang-Funktion des Herz-Organs.
Yang-Mangel:
Unterfunktion, Hypodynamik
Beispiele: Kälteempfinden, Müdigkeit, Antriebsmangel.
Yang-Überfülle:
Überfunktion, Hyperdynamik
Beispiele: Hyperthyreose, Hypertonie, Fieber, Entzündungen, Hitzeempfindung, rote Wangen, übersteigerte Aktivität, Zornausbrüche.
Die Lehre der Fünf Wandlungsphasen aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. stellt eine der ältesten Theorien der chinesischen Medizin dar. Sie gehört zu denjenigen philosophischen Konzepten Chinas, die im Westen lange Zeit nicht verstanden wurde und selbst im kommunistischen China als „erklärende Theorie keine bindende Lehrmeinung mehr darstellt“ (T. Kaptchuk).
Die altchinesische Erklärung für die oft irreführenderweise mit „Fünf Elemente“ übersetzte Theorie hört sich für den westlichen Therapeuten zunächst unverständlich und blumig an:
Ein Schmied benötigt für die Herstellung eines Pfluges
•Holz, um ein
•Feuer zu entfachen, in welchem er das aus der
•Erde stammende
•Metall schmiedet, welches er in
•Wasser abkühlt, das er wiederum an den nächsten Baum (Holz) gießt. Der Zyklus beginnt damit von neuem (s. Abb. 2.3, Seite 11).
Abb. 2.3: Kreislauf der Wandlungsphasen
Erste Übersetzungsversuche postulierten, dass die „alten“ Chinesen – wie Menschen aus der Antike – die Funktion der Welt aus dem Verhalten der ihnen aus der Natur vertrauten Grundelemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser zu erklären versuchten (G. Maciocia). Bei näherer Betrachtung aber erweist sich die Tätigkeit des Schmieds als Metapher für ein universelles Regulationsmodell, das sich auf jahreszeitliche Zyklen ebenso anwenden lässt wie auf vegetative Aktivitätstendenzen des Menschen. Erste Grundlagen hierzu finden sich u. a. bei T. Kaptchuk, 1983; S. Das, 1986; G. Bay, 1966; Prof. F. Vester, dem „Vater der Biokybernetik“, 1986; C.-H. Hempen, 1995, J. Greten, 2000 und W.G.A Schmidt, 1993.
Abb. 2.4: Wandlungsphase Holz
Abb. 2.5: Wandlungsphase Feuer
Das Regulationsmodell lässt sich anhand eines einfachen Beispiels erläutern, dem Funktionsprinzip einer Heizungsanlage (modifiziert nach F. Vester, 1986):
Der Brenner einer Heizungsanlage erhitzt Wasser auf eine vorgegebene Temperatur z. B. 60°C. In der Heizanlage befindet sich ein Thermometer. Fällt die Temperatur unter 60°C, schaltet sich die Heizung ein, steigt die Temperatur aufgrund der Heizleistung auf über 60°C, schaltet sie sich wieder aus.
Abb. 2.6: Wandlungsphase Metall
Der vorgegebene Sollwert (60 °C) bewirkt eine gleichförmige Temperaturbewegung (Ist-Wert) um diesen Normwert, die durch den ständigen Wechsel von Erwärmung und Abkühlung eine Sinuskurve ergibt. Sie stellt also Phasen einer zyklischen Regulation dar: Kybernetik (s. Abb. 2.9, Seite 12).
Abb. 2.7: Wandlungsphase Wasser
Die Synergetik (oder auch Biokybernetik) überträgt das recht einfache physikalische Regulationsmodell auf den viel komplizierteren menschlichen Organismus. Die Synergetik erfasst komplexere biologische, d. h. reale Situationen. Dabei werden Energie, Materie, Informationen und Zeit als wichtige Bestandteile des Lebens integriert. Die Synergetik zeigt zyklische Regulationsabläufe in lebenden Organismen.
Abb. 2.8: Wandlungsphase Erde
Abb. 2.9: Kybernetischer Kreislauf – Übertragung auf die Fünf Wandlungsphasen (basierend auf Erklärungsmodellen u. a. von F. Vester, S.-H. Hempen und J. Greten)
Wandlungsphasen
Das Wandlungsphasenmodell zeigt den Ablauf von Regulationsvorgängen im menschlichen Organismus.
Überträgt man die beschriebenen Aktivitätsrichtungen der Wandlungsphasen auf den Menschen, so ergibt sich daraus ein universelles Regulationsmodell. Mit diesem biologischen Regulationsmodell können Vorgänge im Menschen, somatische wie psychische, beschrieben und diagnostiziert werden (s. auch Tabelle 2.3).
Mit Hilfe der Wandlungsphasen ist es möglich, physiologische und pathologische Wechselwirkungen im energetischen Gleichgewicht des Organismus exakt zu beschreiben. Alle Phasen beeinflussen sich ständig gegenseitig.
Tabelle 2.3: Entsprechungen der Fünf Wandlungsphasen – was ist mit ihnen gemeint?
Dabei können – je nach Kräfteverhältnis der Energien – verschiedene Wechselwirkungszyklen beobachtet werden:
Der physiologische Zustand ist das Gleichgewicht der Phasen (Förderungs- und Kontrollzyklus im Gleichgewicht). Wird es gestört, treten krankhafte Veränderungen auf (gestörter Förderungszyklus und Überwältigungszyklus).
Abb. 2.10: Förderungszyklus (Sheng-Zyklus)
Eine Wandlungsphase fördert und unterstützt eine andere (s. Abb. 2.10):
• Holz ist Grundlage für Feuer,
• Feuer ergibt Asche (Erde),
• Erde birgt kristallisiertes Metall (Erz),
• an Metall kondensiert Wasser,
• Wasser lässt den Baum (Holz) wachsen.
Abb. 2.11: Kontrollzyklus (Ke-Zyklus)
Eine Wandlungsphase reguliert und kontrolliert eine andere bzw. steuert dagegen (s. Abb. 2.11):
• Wasser kontrolliert (löscht) Feuer,
• Holz kontrolliert Erde (wo keine Vegetation vorhanden ist, erodiert der Boden),
• Feuer kontrolliert Metall (schmilzt es, bringt es in Form),
• Erde kontrolliert Wasser (Ufer),
• Metall kontrolliert Holz (schneidet es).
Abb. 2.12a: Gestörter Förderungszyklus I
Eine Wandlungsphase ernährt die nachfolgende nicht ausreichend (s. Abb. 2.12b, Seite 14) oder eine Wandlungsphase erschöpft die ihr vorangehende und sie ernährende (s. Abb. 2.12a):
• zu wenig Holz lässt das Feuer erlöschen oder zu heftiges Feuer verbrennt das Holz zu schnell,
• zu wenig Feuer ergibt kaum Asche oder zu viel Asche erstickt das Feuer,
• zu wenig Erde bringt kaum Metall hervor oder zu viel Metallgewinnung erschöpft die Erzvorräte,
• zu wenig Metall lässt wenig Wasser kondensieren oder zu viel Wasser lässt das Metall rosten,
• zu wenig Wasser lässt den Baum (Holz) vertrocknen oder zu viele Bäume verbrauchen das Wasser.
Abb. 2.12b: Gestörter Förderungszyklus II
Abb. 2.13: Überwältigungszyklus (Wu-Zyklus)
Pathologische Aktionen und Reaktionen sind stärker als die physiologischen Abläufe (s. Abb. 2.13):
• Holz überwältigt Metall (hartes Holz macht das Beil stumpf),
• Feuer überwältigt Wasser (zu viel Feuer verdampft das wertvolle Wasser),
• Erde überwältigt Holz (Erde, die flächendeckend auf einen Garten geworfen wurde, erstickt die Vegetation),
• Metall überwältigt Feuer (Kerzenlöscher aus Metall erstickt die Flamme),
• Wasser überwältigt Erde (Fluss tritt über die Ufer, reißt Böschung mit).
Quick-Memo
Wandlungsphasen
Die „Fünf Elemente“ Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser werden korrekterweise und zum besseren Verständnis mit „Wandlungsphasen“ übersetzt.
Wandlungsphasen
• basieren auf Naturbeobachtungen von sich wiederholenden Abläufen z. B. Jahreszeiten,
• übertragen diese Abläufe in eine universelle Gleichung für alle Abläufe des Lebens. Sie stellen damit Symbole für phasisch-zyklische Regulationsabläufe dar,
• entsprechen beim Menschen vegetativen Aktivitätsrichtungen, die sich um Sollwerte herum bewegen (z. B. Körpertemperatur, Hormonspiegel); sie beschreiben Aktivitätstendenzen sowohl somatischer als auch psychischer Art.
Regulationsmodelle machen „Entsprechungstabellen“ nachvollziehbar: Entsprechungen – z. B. in Klimafaktoren, Geschmacksrichtungen, Jahreszeiten – sind demnach gerichtete Aktivitätstendenzen vegetativer Abläufe. Die Synergetik (oder Biokybernetik) erfasst biologisch reale Situationen von Regulationsvorgängen, wobei Energie, Materie, Informationen und Zeit als wichtige Bestandteile des Lebens gesehen werden.
Die westliche Medizin hat ein anatomisch-zelluläres Verständnis des Organismus, der Organe und der Körperfunktionen. Die chinesische Medizin denkt in empirisch-funktionellen Zusammenhängen, in Korrelaten. Diese Denkweise entstand u. a. deshalb, weil der konfuzianische Ahnenkult lange Zeit kein Sezieren von Leichen erlaubte. Die Medizin war daher auf eine minutiöse Beobachtung von äußerlich wahrnehmbaren Abläufen angewiesen. Die chinesische Medizinkunde denkt vielmehr in zusammenwirkenden Funktionen und Aufgaben, die sie zu so genannten Funktionskreisgefügen oder Funktionskreisen zusammensetzt. Dabei werden Organsysteme, Gewebearten, Emotionen, aber auch assoziierte Klimafaktoren und vieles mehr berücksichtigt, die in enger Wechselwirkung miteinander stehen.
Abb. 2.14: Prinzipien der chinesischen Physiologie: Zusammenspiel der Aufgaben aller somatischen Funktionskreise (modifiziert nach C. Focks)
Ein Funktionskreis setzt sich zusammen aus:
• Organ/Organgefüge, bestehend aus einem parenchymatösen „Speicherorgan“ (Zang-Organ) und einem muskulären „Hohlorgan“ (Fu-Organ),
• Hauptfunktion im Organismus,
• Yin- und Yang-Meridian,
• Körpergewebe/Gewebsschicht,
• Sinnesorgan und -funktion,
• Emotion (innerer Faktor),
• Klimafaktor (äußerer Faktor),
• Jahreszeit und
• weiteren Einzelfaktoren, wie bevorzugte Geschmacksrichtung, Farbe usw. (s. a. Tabelle 2.3, Seite 12).
Die Funktionskreise werden mit ihren Meridianen im Kapitel 6 besprochen.
Quick-Memo
Die Summe aller funktionell zusammengehörenden, zusammenwirkenden körperlichen und seelischen Funktionen und Organsysteme einschließlich äußerer Einflussfaktoren entsprechen einer Wandlungsphase und bilden einen Funktionskreis.
Da auch ein Funktionskreis-Teilbereich – z. B. das Speicherorgan Lunge aus dem Funktionskreis Lunge-Dickdarm – lediglich ein virtuelles Organ darstellt (einschließlich der dazugehörenden Faktoren, s. Aufzählung oben), wird im Weiteren auch dieser „halbe Funktionskreis“ als Funktionskreis bezeichnet. Damit soll eine Verwechslung mit dem westlichen Verständnis des Organs „Lunge“ vermieden werden, denn gemäß der chinesischen Physiologie ist das eigentliche Organ nur ein kleiner Teilbereich im oben beschriebenen Gesamtgefüge (s. Abb. 2.14, Seite 15).
In der chinesischen Medizin gibt es keine unidirektionale, monokausale Erkrankungsursache („das Adenovirus verursacht Schnupfen“), sondern immer ein Zusammenwirken von verschiedenen Faktoren:
• äußere (somatische, witterungsbedingte),
• innere (psychische) und
• neutrale (Fehlernährung, Parasiten, Lebensführung) Faktoren.
Die chinesische Medizin stellt also im klassischen Sinne eine ganzheitliche, psychosomatische Medizin dar. Zusätzlich werden Beobachtungen aus den Naturphänomenen der äußeren klimatischen Faktoren benutzt, um pathologische Abläufe zu beschreiben (s.u.).
Klimatische Faktoren, als rein äußere Faktoren, die zu Erkrankungen führen können, sind (s. Abb. 2.15, Seite 18):
• Wind,
• Kälte,
• Hitze,
• Feuchtigkeit,
• Trockenheit.
Assoziativ werden analog des beobachtbaren Charakters der Naturerscheinungen auch Krankheitsabläufe bzw. vegetative Reaktionsmuster beschrieben (s. Tabelle 2.4).
In der chinesischen Medizin sind emotionale Einflüsse als innere Erkrankungsfaktoren im Sinne der Ganzheitlichkeit den anderen Erkrankungsfaktoren gleichwertig. Anders als in der westlichen Medizin wurden sie nie vom Krankheitsgeschehen isoliert gesehen.
Gemäß den Wandlungsphasen werden Gemütsrichtungen nach ihrer Wirkrichtung zugeordnet. Zum besseren Verständnis der chinesischen Denkweise sind die Gefühlsäußerungen entgegen der sonst häufig anzutreffenden einseitigen Darstellung „Wut-Freude-Trauer-Angst-Sorge“ (s. Abb. 2.15) in
Tabelle 2.4: Äußere Erkrankungsfaktoren
Tabelle 2.5: Innere Erkrankungsfaktoren
• neutrale,
• positive,
• negative Aspekte aufgeteilt (s. Tabelle 2.5, Seite 17).
Als neutrale Erkrankungsfaktoren sehen die Chinesen alles, was nicht durch das „äußere“ (Wetter) oder „innere“ (Emotionen) Klima hervorgerufen wird:
• (individuelle!) Ernährungsfehler bzw. Unterernährung,
• Parasiten,
• äußere Traumen,
• Exzesse in Alkohol und Sexualität.
Abb. 2.15: Innere und äußere Krankheitsursachen
Quick-Memo
Erkrankungsfaktoren
Die ganzheitliche Lehre der Krankheitsursachen in der TCM kennt drei Gruppen von Erkrankungsfaktoren:
• die äußeren Faktoren Wind, Hitze, Trockenheit, Kälte und Feuchtigkeit;
• die inneren Faktoren der fünf Emotionen Aggression, Begierde/Hysterie, introvertierte Trauer, Angst vor Neuem und Grübeln;
• die neutralen Faktoren wie Ernährungsfehler, Exzesse in Alkohol und Sexualität sowie Parasiten und äußere Traumen.
Nach chinesischem Verständnis bewegen sich Qi, Xue und alle Körperflüssigkeiten in Leitbahnen, um Nährstoffe und Qi im Organismus zu verteilen. Aufgrund der Längs-Verlaufsrichtung der Hauptleitbahnen wurden sie von europäischen Ärzten entsprechend dem geographischen Längengradsystem „Meridiane“ genannt.
Für die Meridiane fehlt bis heute ein wissenschaftlich nachgewiesenes morphologisches Korrelat. Neuere Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung über TCM weisen immer stärker auf embryologische Zusammenhänge hin (z. B.: F. Ramakers, E. Blechschmidt, J. Greten). Nach Injektion radioaktiv markierter Substanzen in einen Akupunkturpunkt eines Meridians konnte die Ausbreitung der Substanz in der Verlaufsrichtung des Meridians beobachtet werden. Diese Ausbreitung fand nach Injektion in Nicht-Akupunkturpunkte nicht statt.
In der Praxis dienen die Meridiane als Orientierungshilfe zum Auffinden von Akupunkturpunkten.
Das Meridiansystem ist aufgeteilt in
• die Meridiane Jing Mai:
– zwölf Hauptmeridiane mit innerem und äußerem Verlauf (s. u. und Kapitel 6.1–6.2),
– acht außerordentliche Meridiane (s. Kap. 6.4),
– zwölf Sondermeridiane (tiefer verlaufende Abzweigungen der Hauptmeridiane; s. Kap. 6.6),
– zwölf tendino-muskuläre Regionen der zwölf Hauptmeridiane (s. Kap. 6.5),
– zwölf kutane Regionen der zwölf Hauptmeridiane,
• die horizontal verlaufenden
