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Die Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist eine fortschreitende Erkrankung der Netzhaut, bei der die Sinneszellen im zentralen Bereich des Sehens (Makula) nicht mehr funktionieren und schließlich zugrunde gehen. Die AMD ist die häufigste Ursache für den Verlust des zentralen Sehens bei Menschen über 50 in Mitteleuropa. Von dem Moment der Diagnose an hat die AMD ihre Auswirkungen und Herausforderungen. Nun bietet der Augenarzt Dr. Sönke Baumüller Betroffenen einen verständlichen Überblick über diese Erkrankung und die vorhandenen Therapien. Darüber hinaus erfahren Sie wichtige Informationen und Tipps, wie Sie die alltäglichen Aufgaben mit abnehmender Sehkraft bewältigen können. Die Altersabhängige Makuladegeneration: ein Leitfaden für Betroffene ist eine wichtige Ressource für alle, die eine fundierte, aktive Teilnahme am Verlauf Ihrer Erkrankung wünschen.
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Seitenzahl: 197
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Einleitung
1 Was ist die AMD?
Die Besuche beim Augenarzt
Ihr soziales Umfeld
2 Wie Ihr Auge aufgebaut ist
Das retinale Pigmentepithel
Die Bruch Membran
3 Wie Sie Ihr Sehen kontrollieren können
Selbsttestung
4 Nahrung für Ihre Augen
AREDS 1
AREDS 2
Lutein und Zeaxanthin
Omega 3
Zink
Beta-Carotin und Vitamin A
B-Vitamine und Folsäure
Vitamin E
Vitamin C
Kurzfassung
5 Schützen Sie Ihre Augen
Sonnenschutz
Rauchen und Makuladegeneration
Augenuntersuchungen
6 Vergrössernde Sehhilfen
7 Die emotionale Belastung
Ein gutes Netzwerk
8 Kräuter gegen die AMD?
Heidelbeeren und Brombeeren
Ginko
Safran
9 Alternative Medizin
Fokussieren Sie sich auf die Fakten
10 Die Behandlung beim Augenarzt
Fragen für Ihren Augenarzt
11 Den Alltag meistern
Lesen und Schreiben
Essen und Trinken
Das persönliche Erscheinungsbild
Reisen
Die Einnahme von Medikamenten
12 In den eigenen vier Wänden
Beleuchtung
Telefon
Fernsehen
Im Beruf
13 Mobilität
14 Sich selbst schützen
15 Umwege
Appendix
Nützliche Adressen
Deutschland
Österreich
Schweiz
Glossar
Studienverzeichnis
Bei Ihnen wurde die Altersabhängige Makuladegeneration kurz AMD festgestellt. Das bedeutet, dass Sie einen Teil Ihrer Sehkraft verlieren könnten. Dieses Buch wurde geschrieben, um Ihnen zu helfen, die AMD zu verstehen und damit umzugehen. Indem Sie jede Facette dieser Erkrankung kennenlernen, wird vieles einfacher. Indem Sie lernen damit umzugehen, können Sie Ihre vorhandene Sehkraft bestmöglich einsetzen und Ihre Unabhängigkeit bewahren.
Da die meisten Menschen eine volle Sehkraft haben, gehen sie automatisch davon aus, dass auch alle anderen Menschen eine volle Sehkraft haben. Bei ihrem Kontakt mit anderen Menschen verwenden sie daher ihren Gesichtsausdruck und ihre Gestik zum Kommunizieren. Auch unsere Gebäude, Städte und Strassen wurden unter der Annahme entworfen, dass jeder gut sehen kann. Daher merken Betroffene ständig, dass ein Teil ihrer Sehkraft beeinträchtigt ist, aber für die Menschen in ihrem Umfeld ist das nicht so. Wer eine AMD hat sieht äusserlich so aus, wie er immer ausgesehen hat. Wenn er Augenkontakt aufnimmt, sehen seine Augen so aus, wie sie immer aussehen haben. Familie und Freund könnten denken, dass alles normal sei, und unterschätzen die Auswirkungen des Sehverlustes. Oder sie könnten die Bedeutung überschätzen und überfürsorglich werden. Um die Situation für Aussenstehende noch schwieriger zu machen, mindert die AMD zwar das zentrale Sehvermögen, aber gleichzeitig bleibt das periphere Sehen voll funktionsfähig. Das periphere Sehen liegt aussen um das herum was wir direkt anschauen. Es bewahrt uns beispielsweise beim Gehen durch eine Menschenmenge vor Zusammenzustössen mit anderen. Wir können einen grossen Teil unseres peripheren Sehens verlieren ohne überhaupt etwas davon zu merken, aber wir merken sofort, wenn etwas in unserem zentralen Sehfeld nicht stimmt. Denn unser zentrales Sehfeld ist wichtig für das Lesen, das Erkennen von Gesichtern und das Autofahren. So kommt es, dass jemand mit einer AMD zwar einen Stift auf dem Fussboden liegen sieht, aber nichtsdestoweniger ein Gesicht auf der anderen Strassenseite nicht mehr erkennen. Das ist für Aussenstehende kaum zu begreifen. Sie können nicht nachvollziehen, warum Sie sich nicht einfach eine neue Brille machen lassen. Die Altersabhängige Makuladegeneration: ein Leitfaden für Betroffene möchte Ihnen, Ihre Familie und Ihren Freunde ein besseres Verständnis Ihre Erkrankung und Ihrer Bedürfnisse näher bringen. Um die kommenden Herausforderung zu meistern, brauchen alle Beteiligten ein gutes Verständnis von der AMD, kreative Strategien bei der emotionalen Bewältigung, Techniken und Werkzeuge, um das Bestmögliche aus dem verbliebenen Sehen herauszuholen, Informationen über das Spektrum an Unterstützungsmöglichkeiten und die Unterstützung von Menschen, die ähnliches erlebt haben. In diesem Buch wurden daher das Wissen und die Erfahrungen von Patienten und Spezialisten zusammengestellt, um Ihnen ein Rüstzeug für alle diese Etappen mit an die Hand zu geben. Basierend auf dem typischen Ablauf der Bedürfnisse von Betroffenen leitet dieses Buch Sie durch die Zeit nach der Diagnose. Die ersten Kapitel widmen sich den Dingen, die für Sie direkt von Interesse sind. Dabei geht es zunächst um ein Verständnis für die neue Situation und die ersten Anpassungen im Alltag. Darauf folgen Informationen, um die Lebensqualität zu erhalten und zu verbessern. Das hauptsächliche Ziel dieses Buches ist es, dass niemand mit dieser Erkrankung allein gelassen wird. Kein neu diagnostizierter Patient sollte aus der Praxis seines Arztes gehen ohne zu wissen was Ihn erwartet, was er selbst tun kann und was andere für Ihn tun können. Die AMD ist nicht lebensbedrohlich und nicht schmerzhaft. Millionen Menschen teilen Ihr Schicksal und Wissenschaftler arbeiten angestrengt an einem Heilmittel. Die AMD schreitet in der Regel sehr langsam voran und Ihr peripheres Sehen wird Ihnen immer erhalten bleiben. Blindheit ist ausgeschlossen. Die Altersabhängige Makuladegeneration: ein Leitfaden für Betroffene ist mehr als ein Buch über die AMD. Es ist vielmehr als Referenz für Sie gedacht, die Ihnen bei allen Aspekten der Erkrankung helfen soll. Sie können und sollen das Buch auch an die Menschen in Ihrer Umgebung weitergeben. Wenn Ihre Familie und Ihre Freunde ebenfalls informiert sind, kann das eine starke Unterstützung für Sie sein und alle Beteiligten werden komfortabler mit der Situation umgehen können.
Ihr Leben ändert sich und hoffentlich hilft Ihnen dieses Buch, es zum Bessern zu verändern. Vertrauen Sie auf das, was Sie bereits wissen: nichts ist so schlimm, wie man zunächst denkt. Viele Menschen haben zu dem beigetragen, was Sie auf den folgenden Seiten finden. Sie sind nicht allein. Der erste Tag ist der schwerste, aber bald werden Sie es viel leichter nehmen.
Die Makula ist ein Teil der Netzhaut an der Rückseite des Auges. Sie ist nur so groß wie ein Reiskorn und doch verantwortlich für unser zentrales Sehvermögen, die ausgiebige Wahrnehmung der Farben und feinster Details. Die umliegende Netzhaut verarbeitet unser peripheres Sehen. Mit Altersabhängiger Makuladegeneration oder kurz AMD bezeichnet man eine Krankheit der Makula, die im späteren Leben erscheint. In der Regel sind Menschen über dem 60ten Lebensjahr betroffen, wenngleich die Krankheit in Ausnahmefällen auch früher auftreten kann. Es gibt die trockene (oder atrophische) und die feuchte (oder exsudative oder neovaskuläre) Form. Haben Sie die AMD auf einem Auge, kann in einigen Jahren auch das andere Auge erkranken.
Die trockene Form der AMD verursacht eine allmähliche Verschlechterung der Makula. Hierbei dauert es oft Jahre bis die Betroffenen Veränderungen bemerken. Rund 10 bis 15% der Menschen mit einer trockenen AMD entwickeln die feuchte AMD. Wenn Sie also die trockene AMD haben und eine plötzliche Änderung in Ihrem Sehvermögen bemerken, kontaktieren Sie umgehend Ihren Augenarzt. Sie sollten dann nicht zu Ihrem Hausarzt oder Optiker gehen. Dadurch können unnötige Verzögerungen entstehen.
Bei der feuchten AMD wachsen abnormale Blutgefäße in die Makula. Diese Blutgefäße geben Blut oder Flüssigkeiten ab, die Vernarbungen der Makula und plötzliche Verschlechterungen des zentralen Sehvermögens herbeiführen. Die feuchte AMD kann sich sehr schnell entwickeln. Sie kann gut behandelt werden, wenn die Behandlung frühzeitig eingeleitet wird. Eine zeitnahe Vorstellung bei einem Spezialisten ist entscheidend.
Es gibt eine Reihe von Faktoren, die bei der Entwicklung der AMD eine Rolle spielen. Da die genaue Ursache nicht bekannt ist, können Sie leider auch die Krankheit bekommen, selbst wenn Sie keine Risikofaktoren haben.
Das
Alter
ist der wichtigste Risikofaktor. Wenn wir älter werden, reduziert sich die Zellregeneration. Dadurch erhöht sich das Risiko für die Entwicklung der Krankheit.
Rauchen
schädigt die Blutgefäße und die Struktur des Auges. Raucher entwickeln bis zu vier Mal häufiger eine Makuladegeneration als Nichtraucher.
Eine schlechte
Ernährung
mit wenig Obst und Gemüse kann das Risiko für eine AMD erhöhen. Antioxidantien in Obst und Gemüse schützen den Körper vor den Auswirkungen der "freien Radikale". Dies sind instabile Moleküle, die Zellen beschädigen oder die Reparatur der Zellen verhindern. Alkohol zerstört Antioxidantien. Übergewicht und eine Ernährung mit vielen tierischen Fetten erhöhen ebenfalls das Risiko für die AMD.
Menschen mit hohem
Blutdruck
haben zweieinhalbmal häufiger eine AMD als Menschen mit normalem Blutdruck.
Die Zellen der Makula reagieren empfindlich auf Ultra violette (UV) Strahlung und den blauen Anteil des sichtbaren Lichts, die beide von Natur aus im
Sonnenlicht
vorkommen. Zellschäden aus diesen Lichtanteilen können zu einer Verschlechterung der Makula führen.
In manchen
Familien
treten Makuladegeneration gehäuft auf.
Bei
Frauen
wird die AMD häufiger diagnostiziert als wie bei Männern.
Ihre eindringlichste Frage lautet vermutlich: „Wie lange dauert es, bis ich mein zentrales Sehvermögen verliere?“ Innerhalb von fünf Jahren betrifft das 12,7% der Augen. Es hängt aber natürlich von der Ausgangslage ab. Wenn nur kleine Veränderungen vorhanden sind, beträgt das Fünfjahresrisiko 1,3%. Bei fortgeschrittenen Veränderungen steigt es auf 18%. Ist bereits ein Auge von einem schweren Sehverlust betroffen, liegt das Fünfjahresrisiko für das Partnerauge bei 26%. Dabei hängt ein Sehverlust in einem hohen Maβe von der Beteiligung des Sehzentrums ab. So nimmt das zentrale Sehen bei manchen Menschen innerhalb von Monaten ab, bei anderen dauert es Jahre und wieder andere erreichen nie ein so fortgeschrittenes Stadium. Daher ist der beste Rat, dass Sie viel über die Erkrankung lernen sollten, die Ratschläge der Ärzte einhalten sollten und eine positive Lebenseinstellung haben sollten. Indem Sie dieses Buch lesen haben Sie bereits einen sehr wichtigen Schritt getan. Selbst im schlimmsten Fall wird Ihnen Ihr peripheres Sehen immer erhalten bleiben.
Wenn Sie die trockene Form haben, wird sich ihr zentrales Sehvermögen langsam verschlechtern. Sie werden ausreichend Zeit haben, um sich sowohl praktisch als auch emotional darauf einzustellen. Sie werden nicht eines Morgens als blinde Person aufwachen.
Wenn Sie die feuchte Form entwickeln, kann sich Ihr Sehen schnell verschlechtern. Gehen Sie dann zügig zu Ihrem Augenarzt und lassen Sie sich behandeln. Die Chancen der Behandlung und das Ihr Sehen gerettet werden kann sind gut.
Wenn Sie das End-Stadium erreichen, werden Sie ohne vergrössernde Sehhilfen nicht mehr lesen können. Auch wird es schwierig werden Farben zu unterscheiden, Gesichter auf der anderen Strassenseite zu erkennen oder sicher ein Auto zu fahren. Sie werden sich aber unabhängig und frei bewegen können, so dass Sie anderen nicht sagen müssen, dass Sie sehbehindert sind, ausser wenn Sie das möchten oder es für Sie von Vorteil ist.
Wenn Sie allein leben und weiterhin allein leben möchten, ist es nötig Ihr häusliches Umfeld anzupassen. Im ganzen Buch finden Sie dazu Tipps.
Ihr Augenarzt vor Ort wird nun ein wichtiger Partner für Sie werden. Jeder Augenarzt untersucht etwas anders, aber im Allgemeinen beginnt die Untersuchung mit einem Gespräch. Hier lohnt es sich die neusten ärztliche Berichte dabei zu haben, insbesondere wenn Sie zu einem neuen Arzt gehen oder ein anderer Arzt eine neue Diagnose gestellt hat oder Ihre Medikamente geändert wurden. In der Regel wird danach Ihre Sehkraft getestet und überprüft, ob Ihre Brille noch stimmt und keine weitere Augenerkrankung vorliegt. Anschliessend erhalten Sie Augentropfen zum Erweitern der Pupille, damit Ihr Arzt die Rückseite des Auges untersuchen kann. Diese können Ihr Sehen vorübergehend unscharf und lichtempfindlich machen, daher ist es ratsam in Begleitung zu erscheinen. Die Netzhaut kann dann auch mit verschiedenen Methoden fotographiert werden. Die Fotographien sind teilweise sehr hell, aber allesamt harmlos für Ihr Auge.
Wenn der Verdacht auf eine feuchte AMD besteht, werden häufig zusätzliche Untersuchungen gemacht. Zu diesen Untersuchungen gehört die Fluoreszein-Angiographie. Dabei wird der Farbstoff Fluoreszein in ein Blutgefäss am Arm gespritzt. Bei 5% der Menschen tritt darauf eine kurzzeitige Übelkeit auf. In dem Fall sollten Sie mehrere Male tief Luft holen. Ein Erbrechen ist sehr selten. Der Farbstoff gelangt vom Arm in das Auge und in die Blutgefäße der Netzhaut, wo er gezielt fotografiert wird. Der Farbstoff verlässt Ihren Körper durch den Urin, den er vorübergehend verfärbt. Wenn die feuchte AMD bestätigt wird, sollte Ihnen eine Behandlung angeboten werden.
Stellt Ihr Augenarzt die Diagnose einer trockenen AMD, steht Ihnen derzeit noch keine aktive Behandlung zur Verfügung. Aber selbst wenn Sie die trockene Form haben oder Vernarbungen vorliegen kann jedem, der es möchte, auf irgendeine Art und Weise geholfen werden. Ihnen sollte niemals gesagt werden, dass man nichts mehr tun kann. Wenn Sie das hören, lassen Sie es direkt ausser Acht. Das bedeutet nicht, dass verlorene Sehkraft wiederhergestellt werden kann, aber ein gewisses Niveau an Unabhängigkeit, wie klein auch immer, kann stets erreicht werden. Wenn es für Sie beispielsweise schwierig ist einzelne Buchstaben zu erkennen, ist es nichtsdestoweniger oft möglich mit einer vergrössernden Sehhilfe und etwas Übung wieder zu lesen. Dieses Lesen ist dann langsam und es kann sein, dass Sie nur ein oder zwei Wörter gleichzeitig sehen und Zeit brauchen, bis Sie einen ganzen Absatz gelesen haben.
Es ist wichtig stets daran zu denken, dass Ihnen auf die eine oder andere Weise immer geholfen werden kann.
Selbst wenn jemand blind ist, also überhaupt kein Licht mehr wahrnimmt, können immer noch Hörbücher oder Vorlesegeräte nützlich sein. In manchen Fällen ist das, was die Ärzte Ihren Patienten anbieten, für die Patienten nicht von Interesse, aber diese Entscheidung sollte immer beim Patienten selbst liegen. Manchmal beruhigt es schon zu wissen, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt, auch wenn man sich zunächst entscheidet, davon keinen Gebrauch zu machen. In jedem Fall sollten Sie Informationen über Ansprechpartner für Sehbehinderte in Ihrer Nähe bekommen. Im Appendix dieses Buches finden Sie ein Verzeichnis mit wichtigen Adressen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Geschichten von überarbeiteten Ärzten, die keine Zeit haben, um auf die Bedürfnisse Ihrer Patienten einzugehen, gibt es leider immer wieder. Da Ihr Augenarzt nun jedoch ein Weggefährte für Sie wird, folgen einige Fakten, um ihn besser zu verstehen. Ihr Augenarzt hat vermutlich zu viele Patienten. Die Bevölkerung wächst schneller als es Studienplätze für Medizin gibt und in der Folge rücken kaum Ärzte nach. Während ihres Studiums werden die Ärzte darin ausgebildet Krankheiten zu erkennen und wissenschaftliche Behandlungen einzuleiten. Wenn Sie mehr als das erwarten, könnten Sie enttäuscht werden. Ist Ihr Arzt einer dieser besonderen Menschen, die einen Schritt weiter gehen und zusätzliche Zeit mit Ihnen verbringt und Ihnen Trost spendet und Sie ermutigt, dürfen Sie sich glücklich schätzen. In jedem Fall dürfen Sie aber von Ihrem Arzt eine klare Kommunikation über ihre Erkrankung erwarten und Hinweise auf weiterführende Informationen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Kommunikation zu kurz kommt, empfiehlt es sich eine Liste mit Fragen zur Untersuchung mitzunehmen.
Zusätzlich zu Ihrem Arzt, der sie nun auf wissenschaftlicher Basis untersucht und berät, ist es von Vorteil, wenn Sie den Menschen in Ihrem Umfeld zu verstehen geben, was gerade mit Ihnen geschieht. Die AMD ist eine versteckte Erkrankung. Für andere Menschen werden Sie auch in Zukunft normal aussehen. Ihre Augen werden rein äusserlich so aussehen, wie sie immer ausgesehen haben. Wie soll ein alter Bekannter, der Ihnen von der anderen Strassenseite aus freudig zuwinkt, wissen, dass Sie sein Gesicht nur verwaschen wahrnehmen? Daher ist es wichtig, wenn Sie es möchten, dass Sie andere wissen lassen, dass Sie sehbehindert sind. Sie könnten beispielsweise einen gewöhnlichen Gehstock nehmen und weiss anmalen. Ein weisser Gehstock wird von vielen als Symbol für eine Sehminderung erkannt. Fast jeder kennt diese Bedeutung, also warum sollten Sie sich das nicht zunutze machen? Auch wenn Sie eigentlich keinen Gehstock brauchen, kann es doch in vielen Situationen nützliche sein einen dabei zu haben. Jeder, der es möchte, darf einen solchen Gehstock tragen. Diesbezüglich gibt es keine gesetzlichen Vorschriften. Gehen Sie offen mit Ihrer Sehbehinderung um. Sie werden erstaunt sein, wieviel Respekt Ihnen die Menschen entgegenbringen für Ihren Mut und Ihre Offenheit.
Nachdem Sie anderen Menschen Ihre Sehbehinderung offengelegt haben, folgt im nächsten Schritt ein Gespräch darüber, was das in Ihrer konkrekten Situation für Sie und die anderen bedeutet. Sie wissen natürlich, was mit Ihrem Sehen anders ist, aber wie vermitteln Sie das Ihre Familie und Ihren Freunden? Was haben Sie Ihnen schon darüber erzählt? Warum scheuen sie sich vielleicht vor einem ausführlichen Gespräch? Welche Aspekte sind für Aussenstehende nur schwer zu verstehen und sollten daher besonders ausführlich besprochen werden? Was sagen Sie zu anderen Menschen, wenn die Ihnen ihre Hilfe anbieten? Was sagen Sie zu Ihren Enkeln, wenn die fragen, warum Sie kein Auto fahren? Was sagen Sie zu der Kassierin im Supermarkt, wenn Sie das Wechselgeld nicht zählen können? Da man Ihnen rein äusserlich keinerlei Veränderung ansieht, rechnen andere Menschen nicht damit, dass Sie möglicherweise sehbehindert sind. Und sobald sie es erfahren sind viele dann unsicher, wie sie mit Ihnen umgehen sollen. Je nach Ihrer Situation kann es hilfreich sein, wenn Sie den anderen Menschen sagen, dass Sie es gut fänden, wenn die anderen sich stets mit Namen vorstellen. Ihr Gesprächspartner sollte sich Ihnen beim Sprechen direkt zuwenden und natürlich sprechen. Es ist nicht notwendig laut oder langsam zu reden. Es dürfen auch ruhig visuelle Wörter wie „sehen“ und „schauen“ verwendet werden. Auch das Wort „blind“ ist keine Beleidigung. Wenn Ihr Gesprächspartner sieht, dass Sie in eine gefährliche Situation kommen, sollen Sie ruhig bleiben und einfach „Stopp“ sagen. Das ist jedenfalls besser als „pass auf“. Wenn jemand denkt, dass Sie Hilfe benötigen, sollen sie Sie bitte vorher fragen und nicht automatisch annehmen, dass Sie Hilfe wollen. Es ist und bleibt Ihre Entscheidung.
Mit anderen über Ihre Situation zu sprechen und wie Sie sich fühlen ist gut, aber wie erklären Sie was sie sehen (oder nicht sehen)? Das ist gar nicht so einfach, aber notwendig damit andere Sie besser verstehen und auf Sie eingehen können. Manche Menschen begreifen beispielsweise nicht, wie Sie ein Geldstück auf dem Fussboden sehen können, aber das Auto auf der Strasse nicht. Sie können nicht nachvollziehen, warum Sie sich nicht einfach eine neue Brille machen lassen, wenn Sie nicht gut lesen können. Für sie ergibt es keinen Sinn, dass Sie zuhause helles Licht brauchen und draussen eine Sonnenbrille tragen. Vielleicht helfen Ihnen die folgenden Sätze in einigen Situationen:
„Ich habe eine Makuladegeneration, die zu einer Behinderung des Sehens führt“
„Meine Sehkraft kann mit einer normalen Brille nicht verbessert werden“
„Die Makuladegeneration ist eine Erkrankung der Netzhaut, die zu einem zentralen Sehverlust führt, aber ich bin nicht blind.“ (Blind würde bedeuten, dass die gesamte Netzhaut kein Licht mehr wahrnimmt)
Sie können die Sätze sogar ausdrucken oder aufschreiben und dann bei Bedarf aushändigen. Hier ist eine Übung, die anderen beim Verstehen Ihrer Situation helfen könnte. „Schliessen Sie ein Auge und halten eine geschlossen Faust 20cm vor das andere.
Schauen Sie ununterbrochen geradeaus direkt „durch“ die Faust und versuchen dann ein Buch zu lesen oder durch einen Raum zu laufen.“
Die Kommunikation mit Ihrem Umfeld braucht Zeit, sowohl für Sie als auch für Ihr Umfeld. Es erfordert einen kontinuierlichen Arbeitsaufwand, aber es wird Ihre Lebensqualität langfristig verbessern. Der beste Weg mit der emotionalen Belastung einer Sehbehinderung fertig zu werden ist durch Verständnis. Das betrifft sowohl Sie selbst als auch das Umfeld in dem Sie leben.
Viele der folgenden Begriffe sind für Sie nützlich, wenn Sie mit Ihrem Augenarzt oder anderen Fachleuten über Themen rund um das Auge reden wollen. Wenn Sie die Begriffe kennen, wird es für Sie auch leichter neue Informationen einzuordnen. So können Sie leichter auf den neusten Stand bleiben und sich beispielsweise über die neusten Forschungsergebnisse informieren und die dann mit anderen besprechen.
Wenn wir die Augen von aussen betrachten, dann schützen als erstes die Augenlider die Augen. Sie verteilen bei jedem Lidschlag den Tränenfilm auf der Oberfläche des Augapfels. Die Haut der Augenlider selbst ist sehr dünn und enthält keine Unterhautfettgewebe. Jedes Lid hat etwa 30 bis 40 Drüsen, die ein Öl in den Tränenfilm abgeben, das verhindert, dass die Tränenflüssigkeit zu schnell verdunstet.
Der Augapfel hinter den Lidern ist eine erstaunliche Struktur. Er ist lediglich so gross wie ein Tischtennisball und doch eine direkte Erweiterung unseres Gehirns. Der dort sichtbare Sehnerv ist der einzige Nerv des Körpers, den wir in Echtzeit am lebenden Menschen betrachten können (mit einem Augenspiegel). Das Weisse ist die Lederhaut oder Sklera. Sie bildet die Außenwand des Augapfels und geht im vorderen Bereich kontinuierlich in die klare Hornhaut oder Cornea über. Die Hornhaut ist klar, weil sie kaum Flüssigkeit enthält und die Fasern dort sehr regelmässig angeordnet sind. Die Hornhaut hat keine Blutgefässe und erhält daher ihre Nährstoffe aus der Tränenflüssigkeit auf der Außenseite, aus dem Kammerwasser im Inneren und aus den Blutgefäßen der Lederhaut. Die Hornhaut-Luft-Schnittstelle hat die stärkste Brechkraft unserer Augen. Über der Lederhaut liegt die Bindehaut oder Konjunktiva. Wenn Sie den "weißen Teil" der Augen betrachten, sehen Sie durch die halb-transparente Bindehaut auf die darunter gelegene weiße Lederhaut. Von dort erstreckt sich die Bindehaut bis zur Innenseite der Augenlider und bildet eine Tasche, die verhindert, dass Objekte wie Wimpern oder Kontaktlinsen hinter Ihr Auge rutschen. Die Bindehaut ist auch elastisch genug, um die volle Beweglichkeit Ihre Augen zu ermöglichen. Die meiste Tränenflüssigkeit wird von Drüsen produziert, die sich auf der Bindehaut befinden. Die Tränendrüse selbst produziert hauptsächlich den wässerigen Anteil der Tränenflüssigkeit. Die Tränenflüssigkeit verteilt sich auf der Vorderseite des Auges und fliesst von dort zu den Tränenpünktchen auf den Lidern. Die Tränenpünktchen sind zwar klein, können aber mit dem bloßen Auge gesehen werden. Vom Tränenpünktchen aus fließen die Tränen über den Tränenkanal in die Nase. Über diesen Weg gelangen bis zu 80% der Medikamente, die als Augentropfen in das Auge gegeben werden, zur Nasenschleimhaut. Dort werden sie aufgenommen und gelangen so direkt in den Blutkreislauf ohne in der Leber verstoffwechselt zu werden, wie das sonst bei Medikamente geschieht, die als Tablette eingenommen werden. Augentropfen können daher eine Wirkung auf den gesamten Körper haben. Patienten können diesen Effekt minimieren, indem sie nach dem Tropfen auf die Tränenpünktchen drücken und die Augen für ein paar Minuten schließen, da der Lidschlag als Pumpmechanismus wirkt und den Abfluss über die Tränenpünktchen zusätzlich fördert.
In seinem Inneren gliedert sich der Augapfel in drei Kammern. Die Rückwand der Vorderkammer bildet die Regenbogenhaut oder Iris. Sie ist der farbige Teil des Auges und ihre Hauptfunktion besteht darin sich wie die Blende einer Fotokamera zu erweitern und zu verengen, um so die einfallende Lichtmenge zu steuern. Auf ihrer Rückseite liegt der Ziliarkörper. Seine Muskelfasern können die Form der Linse beeinflussen, damit das Auge in verschiedenen Distanzen scharf sehen kann. Ausserdem produziert er das Kammerwasser, welches durch die Pupille nach vorne in die Vorderkammer fliesst und das Auge durch den Kammerwinkel verlässt, der am Übergang der klaren Hornhaut in die weisse Lederhaut liegt. Ist dieser Abflussweg blockiert, kann der Augeninnendruck ansteigen und sich ein grüner Star entwickeln.
Hinter der Regenbogenhaut befindet sich die Linse. Die Linse ist einzigartig, da sie weder Nerven noch Blutgefässe hat. Sie bezieht ihre Nährstoffe ausschließlich aus der wässrigen Flüssigkeit, die um sie herumfliesst. Die Linse hat auch die höchste Proteinkonzentration aller Gewebe des menschlichen Körpers (65% Wasser, 35% Protein). Die Kapsel der Linse ist dünn und trägt das eigentliche Gewebe der Linse. Im Laufe des Lebens entstehen Trübungen in der Linse, die irgendwann zum grauen Star oder Katarakt führen. Bei der Katarakt-Operation wird die Kapsel belassen und trägt anschliessend die künstliche Linse so wie sie vorher die natürliche Linse getragen hat.
Hinter der Linse liegt die Glaskörperkammer, in der sich der Glaskörper befindet. Der Glaskörper ist eine gelartige Substanz, in der sich kleine Trübungen bilden, die wir Menschen als Mückentanzen wahrnehmen können, wenn wir auf eine ganz weisse Fläche schauen.
Jetzt sind wir an der Rückwand des Auges angekommen, wo sich die Netzhaut befindet. Diese verfügt über ca. 132 000 000 Sehzellen. Das sind spezialisierte Zellen, die das einfallende Licht wahrnehmen und Signale an das Gehirn senden. Sie kleiden die gesamte Rückwand des Auges aus, ausser am Sehnervenkopf. Hier verlassen etwa 1 Millionen Nervenfasern die Netzhaut in Richtung Gehirn. Da sich hier keine Sehzellen befinden, hat jeder Mensch einen „Blinden Fleck
