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Die Bibel – gibt es die nicht schon? Doch, sie ist mit bis zu fünf Milliarden verkauften Exemplaren das meistverkaufte Buch der Welt. Doch das ist nicht die richtige Bibel. Den Wortlaut der richtigen Bibel hat Schriftsteller Gion Mathias Cavelty am 4. April 2024 von ganz oben empfangen und an seinem Schwamendinger Schreibtisch innerhalb von 24 Stunden zu Papier gebracht (»vom Beginn der 22. Stunde des 4. April 2024 bis zum Ende der 21. Stunde des 5. April 2024«, wie er seinem Verleger André Gstettenhofer in einer E-Mail mitteilte). Er schrieb wie im Wahn und durchlief höchstselbst das bekannte Alte und Neue Testament, nur um festzustellen, dass alles anders war als bisher geglaubt. Ganz anders. Den Höhepunkt der Erkenntnis lieferte ihm Gott mit dem Geständnis: »Ich bin ein Idiot. Entschuldigung für alles.« Was aus diesem Geständnis folgt? Es steht nur in der Bibel, dem Ausgangspunkt einer ganz neuen Sprache, einer ganz neuen Schöpfung.
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Seitenzahl: 83
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Gion Mathias Cavelty
Der Verlag und der Autor danken
Kulturförderung Stadt Chur
Kulturförderung Stadt Zürich
Kulturförderung Kanton Graubünden
Kulturförderung Kanton Zürich
für die Unterstützung dieser Publikation.
Gion Mathias Cavelty
Die Bibel
Offenbarungsschrift
lectorbooks GmbH, Zürich
www.lectorbooks.com
Umschlagbild: Gion Mathias Cavelty
Buchgestaltung: Fabian Frey, Samara Keller, Christian Knöpfel
Transkriptorat: Patrick Schär
1. Auflage 2024
© 2024, lectorbooks GmbH
Alle Rechte vorbehalten
ISBN 978-3-906913-49-0
I – Präambel
II – Ich
III – Paradies
IV – Stimme
V – Idiot
VI – Exodus
VII – Lux
VIII – Kleidung
IX – Nordwand
X – Teppich
XI – Tür
XII – Bottich
XIII – Garten
XIV – Mettigel 1
XV – Mettigel 2
XVI – Mettigel 3
XVII – Steve und Barbara
XVIII – Mokassins
XIX – Verbote 1
XX – Verbote 2
XXI – Hoopaahoopaa-Baum
XXII – Salvator 1
XXIII – Salvator 2
XXIV – Salvator 3
XXV – Salvator 4
XXVI – Jenseits
XXVII – Twistoid und Gwildor
XXVIII – Brady
XXIX – Gottes Flennen
XXX – Archonten
XXXI – Plagen 1
XXXII – Plagen 2
XXXIII – Plagen 3
XXXIV – Plagen 4
XXXV – Babylon 1
XXXVI – Babylon 2
XXXVII – Babylon 3
XXXVIII – Paradiesgärtchen 1
XXXIX – Paradiesgärtchen 2
XL – Norton
XLI – Hure Babylon
XLII – Tempeltänzerin
XLIII – Plan
XLIV – Turmbau
XLV – Aufstieg
XLVI – Schuss 1 und 2
XLVII – Dürrefluch
XLVIII – Schuss 3
XLIX – Koffer
L – Mapother I.
LI – Menschheit
LII – Cliquen
LIII – Konfrontation 1
LIV – Konfrontation 2
LV – Konfrontation 3
LVI – Schlangenwunder
LVII – Trick
LVIII – Waffeln
LIX – Tohuwabohu
LX – Pantli
LXI – Zeichen
LXII – King Zelephan
LXIII – Hilau
LXIV – Schamir 1
LXV – Schamir 2
LXVI – Schamir 3
LXVII – Schreibtisch
LXVIII – Entschuldigung
LXIX – Papierkorb
LXX – Kopf
LXXI – Abyss 1
LXXII – Abyss 2
LXXIII – Abyss 3
LXXIV – TV 1
LXXV – TV 2
LXXVI – TV 3
LXXVII – Vita 1
LXXVIII – Vita 2
LXXIX – Vita 3
LXXX – Wiederkehr
LXXXI – Non Serviam 1
LXXXII – Non Serviam 2
LXXXIII – Gion
LXXXIV – Du
Zum Aufzeichnenden
Prä 1
An meinen vertrauensvollen Leser /
an meine vertrauensvolle Leserin!
Prä 2
Ich schrieb die Bibel
in 24 Stunden nieder:
vom Beginn der 22. Stunde
des 4. April 2024
bis zum Ende der 21. Stunde
des 5. April 2024.
Prä 3
In dieser Zeit schrieb ich
11 × 1111 Wörter.
Prä 4
Keins davon soll gestrichen
oder sonst wie verändert werden,
denn so, wie es dasteht,
ist es im genannten Zeitraum
durch mich aufs Papier gebracht worden.
Prä 5
Der Schreibprozess war
ein beständiges Fließen
durch mich und meinen Stift hindurch.
Prä 6
Respektive waren es drei Stifte, die mir
im Laufe der Session dienten, alles
Stabilo Fineliners Point 88, schwarz.
Prä 7
Zehn grüne Büroline Pressspanhefte,
kariert 4 mm, Format 17.5 × 22 cm,
je 48 Seiten, füllte ich wie automatisch.
Prä 8
Was nun sind Buchstaben und Wörter?
Doch nur Krücken, auf die der Mensch
angewiesen ist, um sich mühselig
durchs irdische Labyrinth
schleppen zu können,
freilich ohne jemals
einen Ausgang daraus zu finden.
Prä 9
Ich habe diese Krücken abgelegt.
Prä 10
Ich spreche jetzt die Neue Sprache,
die ganz ohne Wörter auskommt.
Prä 11
Dass Du, Leser, Leserin, Wörtern
wie den Dir vorliegenden noch bedarfst,
ist ein Unglück, wenn auch ein begrenztes:
Die Neue Sprache ist auch Dir nah!
Prä 12
Freilich kannst Du das nicht spüren,
weil Dir das Neue Organ dafür noch fehlt.
Prä 13
Die 11 × 1111 Wörter der Bibel
sollen Dir die Sprossen der Leiter sein,
die Dich zu mir führt.
Prä 14
Einen anderen Kommunikationsweg
gibt es gezwungenermaßen nicht.
Prä 15
Du wirst sehen: Nach jedem Wort,
das Du hinter Dir gelassen hast,
wirst Du Dich leichter fühlen.
Prä 16
Beginne Deinen Aufstieg
schon so leicht wie möglich!
Prä 17
Faste strikt eine Woche
vor Beginn der Lektüre;
am besten wäre es freilich,
Du hättest nie etwas gegessen.
Prä 18
Lies nichts eine Woche
vor Beginn der Lektüre;
am besten wäre es freilich,
Du hättest nie etwas gelesen.
Prä 19
Nimm generell nichts zu Dir
in der Woche vor der Lektüre.
Prä 20
Wasch Dir drei Tage
vor Beginn der Lektüre
elf Mal am Tag
die Augen aus mit Salzsäure.
Prä 21
Vergiss Deinen Namen;
vergiss Dein Alter;
vergiss Deine Herkunft;
vergiss alles!
Prä 22
Und wenn Du ganz leer bist, lies.
Ich 1
Ich, Gion,
das ist Johannes auf Deutsch,
Ιωάννης auf Griechisch
Ich 2
(und mit diesem Namen
steht man ja
in einer gewissen Tradition),
Ich 3
bezeuge, dass es am Tag
meines 7 × 7 + 1. Geburtstags
zu Folgendem gekommen ist,
Ich 4
und zwar in jenem Dachbodenzimmer
des Hauses an der Dübendorfstrasse 113d
in 8051 Schwamendingen, in dem ich
seit elf Jahren lebte
Ich 5
und das meine ganze Welt darstellte,
die ich schon lange
nicht mehr verlassen hatte:
Ich 6
Eine Stimme ertönte plötzlich
aus dem Nichts.
Par 1
Diese Stimme ertönte,
derweil ich in meinem Bett lag,
wie ich es eigentlich immer tat.
Par 2
Das Bett war mein Paradies,
sein Zahlenwert betrug 400 + 7 × 7.
Par 3
Ich hatte es vor elf Jahren
meinem damaligen Trompetenlehrer
Kenneth Mauersegler
für 165 Franken abgekauft.
Par 4
Dieser Herr war ein grauenhafter Pedant
und Besserwisser gewesen.
Par 5
Das Trompetenspiel hatte ich
in seinem Unterricht nicht erlernt,
weil er mir dermaßen
auf die Nerven gegangen war
mit seiner unsäglichen Beckmesserei.
Par 6
Wie auch immer.
Par 7
Unzählige schöne Stunden hatte ich
in diesem Bett
in meinem Zimmer verbracht.
Par 8
Wenn ich darin meine Augen schloss,
war auf einen Schlag alles weg!
Par 9
Dann gab es nichts,
nur wohltuende Dunkelheit
um mich herum.
Par 10
Hier hatte ich das Sagen.
Par 11
Hier existierte nur,
was ich wollte.
Sti 1
Wohl sechs Tage
hatte ich durchgeschlafen,
da weckte mich am siebten Tag
diese Stimme.
Sti 2
Es war eigentlich ein ganz und gar
lächerliches Stimmchen,
das sich am ehesten beschreiben lässt
als eine Mischung aus den Stimmen von
Johann Lafer, SpongeBob
und Michelle Hunziker,
Personen respektive
Cartoonfiguren der Zeitgeschichte,
um die ich aufgrund
meiner langjährigen Tätigkeit
als Verfasser von Fernsehkritiken
nicht herumgekommen war.
Sti 3
Woher die Stimme kam,
vermag ich nicht zu sagen.
Sti 4
Auf jeden Fall sagte die Stimme:
»Schreib!«
Sti 5
Schlaftrunken erwiderte ich:
»Lass mich schlafen.«
Sti 6
Doch die Stimme insistierte:
»Schreib!«
Sti 7
»Ich mag nicht«, murmelte ich.
Sti 8
Da sprach die Stimme zum dritten Mal:
»Schreib!«
Sti 9
»Wenn du mich danach in Ruhe lässt,
so sei es«, gab ich nolens volens nach.
Idi 1
Die Stimme fuhr fort:
»So hör denn ganz genau zu
und notiere jedes meiner Worte
präzis so, wie ich es dir nun diktiere.
Idi 2
Keinen Buchstaben
sollst du weglassen
oder verdrehen
oder sonst wie verändern,
et cetera.
Idi 3
Wenn du alles aufgeschrieben hast,
wirst du das Festgehaltene
der gesamten Schöpfung kundtun.
Idi 4
Hier nun meine Botschaft:
Idi 5
ICH BIN EIN IDIOT.
ENTSCHULDIGUNG FÜR ALLES.
GOTT.«
Idi 6
Eine Pause entstand;
schließlich räusperte ich mich
und fragte:
»Das ist alles?«
Idi 7
»Das ist alles«, bejahte die Stimme.
Idi 8
»Und das soll ich wirklich aufschreiben«,
hakte ich nach,
»also, dass du ein Idiot bist?«
Idi 9
»Amen«, bekräftigte die Stimme, also Gott.
Idi 10
»Idiot im Sinne von … Schwachkopf?
Trottel? Blödian? Depp?«,
wollte ich auf Nummer sicher gehen.
Idi 11
Doch Gott sagte nichts mehr.
Exo 1
Eine Weile lag ich noch reglos da;
Einbildung war das soeben
sich abgespielt Habende
definitiv nicht gewesen;
ich tat besser daran,
mein Versprechen zu halten
und das Vernommene
auf Papier zu fixieren.
Exo 2
Allein:
Ich hatte nichts zum Schreiben
in der Nähe.
Exo 3
Ich würde mein Bett verlassen
und mich zum Schreibtisch
am anderen Ende
des Zimmers begeben müssen,
wo sich meine Schreibutensilien befanden;
in bemitleidenswert-verstaubtem Zustand,
mutmaßlich, denn ich hatte sie
schon lange nicht mehr benutzt.
Exo 4
So richtete ich mich auf;
nach Osten würde die Reise gehen,
denn im Westen befand ich mich zurzeit.
Lux 1
Allerschönste Nacht herrschte
in meinem Zimmer;
ich würde sie vertreiben müssen,
wollte ich sicher an mein Ziel gelangen.
Lux 2
Das Lämpchen auf dem Nachttisch
funktionierte nicht,
die Glühbirne war kaputt;
es ward kein Licht.
Lux 3
Genau wie die Lampe war der Nachttisch
billigster Schrott; dem Möbel hatte
von Anfang an ein Bein gefehlt; zudem
quietschte es immer ganz schrecklich,
wenn man seine Schublade öffnete.
Lux 4
Dies musste ich nun allerdings tun,
denn in der Schublade lag meine
weiße Taufkerze,
die mir auf meinem Weg
behelfsmäßig leuchten sollte.
Lux 5
Tatsächlich konnte ich mich
der Kerze behändigen wie auch
eines Schächtelchens mit Streichhölzern,
auf das das Logo
der Zürcher Zigarrenlounge
Manuel’s aufgedruckt war;
drei Zündhölzchen
befanden sich noch darin.
Lux 6
Ich entzündete die Kerze
mit dem ersten Hölzchen;
meine Mission konnte beginnen.
Klei 1
