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Positives Denken, Meditation oder Waldbaden: Wir tun so ja einiges, um an den guten »Stoff« zu kommen. In diesem Buch erfahren Sie alles über die Chemikalien und Botenstoffe, die das süchtig machende Glücksgefühl in unserem Körper erzeugen. Wie genau Dopamin, Serotonin, Endorphin und Oxitocin wirken und wie sich die biochemischen Prozesse aktiv beeinflussen lassen, erklärt Loretta Breuning unterhaltsam und anschaulich. Ihre Forschung ergab, dass wir nur ein paar unserer Gewohnheiten ändern müssen, um das Gehirn innerhalb von 45 Tagen so umzuprogrammieren, dass sich die positiven Gefühle langfristig einstellen. Mit ihrer Anleitung und praktischen Übungen ist Glück garantiert!
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Seitenzahl: 308
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Die Übersetzung dieses Buchs erfolgte mit freundlicher Unterstützung des Europäischen Übersetzer-Kollegiums und der Kunststiftung NRW.
1. Auflage 2019
© 2019 by mvg Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Nymphenburger Straße 86
D-80636 München
Tel.: 089 651285-0
Fax: 089 652096
Die amerikanische Originalausgabe erschien 2015 bei Adams Media, an Imprint of Simon & Schuster, Inc. unter dem Titel Habits of a Happy Brain. © 2015 by Loretta Graziano Breuning. All rights reserved.
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Übersetzung: Alfons Winkelmann
Redaktion: Petra Holzmann
Umschlaggestaltung: Laura Osswald
Umschlagabbildung: © shutterstock.com/pikolorante
Satz und E-Book: Daniel Förster, Belgern
ISBN Print 978-3-86882-961-7
ISBN E-Book (PDF) 9 978-3-96121-270-5
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96121-271-2
Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter
www.mvg-verlag.de
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Einführung
1 Ihr inneres Säugetier
2 Lernen Sie Ihre Glückshormone kennen
3 Warum Ihr Gehirn das Gefühl des Unglücklichseins erzeugt
4 Der Teufelskreis des Glücks
5 Wie Ihr Gehirn sich selbst vernetzt
6 Neue Gewohnheiten für jedes Glückshormon
7 Ihr Aktionsplan
8 Hindernisse auf dem Weg zum Glück überwinden
9 Auf Werkzeuge vertrauen, die Ihnen immer zur Verfügung stehen
In Kontakt bleiben
Empfohlene Literatur
Über die Autorin
Für David Attenborough, der die Wahrheit über den Konflikt in der Natur erzählte, und für meinen wunderbaren Ehemann Bill
Wenn Sie sich gut fühlen, schüttet Ihr Gehirn Dopamin, Serotonin, Oxytocin oder Endorphin aus, die sogenannten »Glückshormone«. Naturgemäß wollen Sie sich mehr und öfter gut fühlen, weil Ihr Gehirn so angelegt ist, danach zu streben. Aber Sie bekommen dieses Wohlgefühl nicht immer, und das ist ebenfalls »natürlich«. Denn unser Gehirn schüttet ein Glückshormon erst dann aus, wenn es eine Möglichkeit sieht, einem zum Überleben notwendigen Bedürfnis nachzukommen, wie zum Beispiel dem nach Nahrung, Sicherheit oder sozialer Unterstützung. Aber auch dann erhalten Sie nur einen kleinen Schwall, bevor Ihr Gehirn in seinen Neutralzustand zurückkehrt, damit es auf die nächste »Überlebensgelegenheit« vorbereitet ist. Deswegen verspüren Sie Hochs und Tiefs. So funktioniert das Betriebssystem der Natur!
Viele Menschen haben Gewohnheiten, die sich ungünstig auf das Überleben auswirken. Aber wie ist das möglich, wenn doch unser Gehirn Verhaltensweisen belohnt, die gut für das Überleben sind? – Wenn ein Schwall Glückshormone abgeebbt ist, haben Sie das Gefühl, etwas stimme nicht. Sie suchen dann nach einer zuverlässigen Möglichkeit, sich gut zu fühlen, und zwar schnell. Alles, was zuvor diesbezüglich funktionierte, hat einen Pfad in Ihrem Gehirn angelegt. Wir alle haben Angewohnheiten, die uns glücklich machen: angefangen vom Naschen bis hin zum Trainieren, vielleicht auch Geld-Ausgeben oder Geld-Sparen, Partys-Feiern oder Für-sich-Bleiben, Streiten oder Aussöhnen. Aber keine dieser Angewohnheiten kann uns auf Dauer glücklich machen, weil unser Gehirn so nicht funktioniert. Jeder Schwall Glückshormone wird rasch verstoffwechselt, und wir müssen mehr tun, um mehr zu erhalten. Am Ende können wir des Guten zu viel tun und aus einer glücksbringenden Gewohnheit eine machen, die letztlich ins Unglück führt.
Wäre es nicht großartig, wenn Sie Ihre Glückshormone auf neue Art und Weise einschalten könnten? Wäre es nicht schön, wenn Sie sich gut fühlen, weil Sie etwas tun, was tatsächlich gut für Sie ist? Das können Sie, wenn Sie Ihr Säugetiergehirn verstehen. Dann werden Sie wissen, was die Glückshormone in der Natur auslösen und wie Ihr Gehirn alte Gewohnheiten durch neue ersetzen kann. Sie können eine neue Gewohnheit entwickeln, die Sie glücklich macht, und sie mit Ihren Neuronen vernetzen. Dieses Buch hilft Ihnen, das binnen 45 Tagen zu tun.
Sie brauchen nicht viel Zeit oder Geld, um einen neuen neuronalen Pfad anzulegen. Sie brauchen Mut und Konzentration, weil Sie eine neue Gewohnheit 45 Tage lang wiederholen müssen, ob sie sich gut anfühlt oder nicht.
Warum sollte es sich nicht gut anfühlen, eine neue Gewohnheit anzunehmen? – Ihre alten Gewohnheiten sind wie gut geteerte Autobahnen in Ihrem Gehirn. Neue Gewohnheiten sind schwer zu aktivieren, weil sie lediglich schmale Pfade in Ihrem Dschungel aus Neuronen sind. Unbekannte Pfade erwecken ein Gefühl von Gefahr und sind anstrengend zu begehen, also sind Sie versucht, stattdessen auf Ihren vertrauten Autobahnen zu bleiben. Aber mit Mut und Hingabe werden Sie eine neue Autobahn bauen, und am Tag 46 wird sie sich so gut anfühlen, dass Sie eine weitere bauen werden.
An dieser Stelle eine Warnung: In diesem Buch geht es um Ihr Gehirn, nicht um das anderer Menschen. Wenn Sie die Gewohnheit haben, anderen die Schuld an Ihren neurochemischen Hochs und Tiefs zu geben, werden Sie hier keine Unterstützung finden. Aber Sie müssen sich auch keine Vorwürfe deswegen machen, Sie können Frieden mit Ihrer Säugetier-Neurochemie schließen, statt sich über sie zu ärgern. Dieses Buch zeigt Ihnen den Weg dorthin.
In diesem Buch werden wir die chemischen Substanzen des Gehirns erforschen, die uns glücklich und unglücklich machen. Wir werden sehen, wie sie bei Tieren funktionieren und warum sie eine Aufgabe zu erledigen haben. Dann werden wir sehen, wie das Gehirn Gewohnheiten annimmt und warum schlechte Angewohnheiten so schwer zu ändern sind. Schließlich entwerfen wir einen 45-Tage-Plan, der erklärt, wie man eine neue Gewohnheit auswählt und wie man den Mut und die nötige Konzentration aufbringt, um sie auf jeden Fall zu wiederholen. In dieser Ausgabe des Buchs finden sich viele neue Übungen, die Sie bei jedem Schritt unterstützen. Das Ergebnis wird Ihnen gefallen: ein glücklicheres, gesünderes Ich!
Ihr Gehirn haben Sie von Menschen geerbt, die überlebt haben. Das mag Ihnen offensichtlich erscheinen, aber wenn Sie die gewaltigen Herausforderungen für das Überleben in der Vergangenheit genauer unter die Lupe nehmen, erscheint es wie ein Wunder, dass sämtliche Ihrer unmittelbaren Vorfahren ihre Gene am Leben erhalten haben. Die Folge: Sie haben ein Gehirn geerbt, das auf das Überleben konzentriert ist. Sie glauben vielleicht nicht, dass Sie auf das Überleben konzentriert sind, aber Sie können es erkennen, wenn Sie beispielsweise Sorge haben, zu spät zu einer Konferenz zu kommen oder das Falsche zu essen: Dann ist ihr Überlebens-Gehirn am Werk. Wenn Sie sich darum sorgen, dass Ihre Frisur nicht richtig sitzt, wenn Sie zu einer Party eingeladen sind, dann erkennt Ihr Überlebens-Gehirn darin das Risiko sozialer Ausgrenzung, was für Ihre Vorfahren eine sehr reale Bedrohung dargestellt hatte. Denn seit Sie unmittelbaren Bedrohungen wie Hunger, Kälte und Raubtieren nicht mehr ausgesetzt sind, sucht Ihr Gehirn nach anderen möglichen Bedrohungen. – Es ist nicht leicht, ein Überlebender zu sein!
Natürlich ist Ihnen klar, dass eine schlecht sitzende Frisur keine Bedrohung für das Überleben darstellt. Es ist nur so, dass Gehirne, die »besser« auf ihre gesellschaftliche Umgebung abgestimmt waren, sich in der Evolution durchgesetzt haben. Durch natürliche Selektion wurde ein Gehirn »aufgebaut«, das den Menschen mit einem guten Gefühl belohnt, wenn er eine gute Gelegenheit für das Überleben seiner Gene erkennt, und das ihn alarmiert durch ein schlechtes Gefühl, wenn er eine Gelegenheit verpasst. Er muss auch nicht bewusst die Absicht haben, seine Gene zu verbreiten, damit eine geringfügige gesellschaftliche Zurückweisung sein natürliches Alarmsystem auslöst.
Diese Reaktionen wurzeln im Verlangen unseres Gehirns zu überleben, aber sie sind nicht vorprogrammiert. Wir sind nicht dazu geboren, spezielle Nahrungsmittel zu suchen oder bestimmte Raubtiere zu meiden, wie es bei Tieren oft der Fall ist. Wir sind dazu geboren, uns selbst anhand unserer Lebenserfahrung zu vernetzen. Wir fangen mit der Anlage dieser Vernetzung im Augenblick unserer Geburt an. Alles, was ein gutes Gefühl in uns hervorgerufen hat, legte zu unseren Glückshormonen Pfade an, die uns sagen: »Das ist gut für mich.« Alles, was sich schlecht angefühlt hat, legte Pfade an, die sagen: »Das ist schlecht für mich.« Bis zu unserem siebten Lebensjahr sind unsere Kern-Schaltkreise aufgebaut. Sieben Jahre mag jung erscheinen, da ein siebenjähriges Kind nur wenig Einsicht in seine langfristigen Überlebensbedürfnisse hat. Aber sieben Jahre sind für ein Wesen, das in der Natur praktisch hilflos ist, eine lange Zeit. Am Ende dieser Zeit verfügen wir über neurochemische Kern-Schaltkreise, die allerdings nicht immer mit unseren Überlebensbedürfnissen in Einklang stehen. Kurz gesagt: Unser Gehirn hat ein paar Marotten:
1. Es sorgt sich um das Überleben unserer Gene ebenso dringlich wie um unseren Körper.2. Es vernetzt sich selbst anhand früher Erfahrungen, obwohl sich dadurch nur eine unvollkommene Anleitung für das Überleben als Erwachsener ergibt.Deswegen erscheinen uns unsere neurochemischen Hochs und Tiefs manchmal so wenig sinnvoll.
Das Gefühl, das wir »Glück« nennen, beruht auf vier bestimmten chemischen Substanzen des Gehirns: Dopamin, Endorphin, Oxytocin und Serotonin. Diese »Glückshormone« werden ausgeschüttet, wenn unser Gehirn etwas sieht, was gut für unser Überleben ist. Anschließend versiegt die Quelle wieder, und sie stehen bereit, erneut ausgeschüttet zu werden, wenn uns etwas Gutes widerfährt.
Jedes Glückshormon löst ein anderes gutes Gefühl aus:
• Dopamin ruft die Freude hervor, Dinge zu entdecken, die unseren Bedürfnissen entsprechen – das Gefühl von: »Heureka! Ich hab’s!«• Endorphin erzeugt Vergessen, das Schmerz überdeckt – oftmals Euphorie genannt.• Oxytocin erregt das Gefühl, sich unter anderen Menschen geborgen zu fühlen – heutzutage »Bonding« genannt.• Serotonin verleiht das Gefühl, bei anderen Menschen angesehen zu sein – vergleichbar mit Stolz.»Ich definiere Glück nicht mit diesen Worten«, sagen Sie vielleicht. Das liegt daran, dass neurochemische Substanzen – oder Neurotransmitter – ohne Worte funktionieren. Aber Sie erkennen leicht, wie stark diese Motivationen bei anderen sind. Und die Forschung an Tieren illustriert diese Impulse. Ihnen selbst kann Ihre verbale innere Stimme zunächst vielleicht wie Ihr gesamter Denkprozess vorkommen, jedoch nur so lange, bis Sie die Chemie Ihres inneren Säugetiers kennengelernt haben.
Vier Glückshormone
Dopamin: Die Freude zu entdecken, was Sie suchen
Endorphin: Das Vergessen, das Schmerz überdeckt
Oxytocin: Das Wohlgefühl durch gesellschaftliche Bindungen
Serotonin: Die Sicherheit durch gesellschaftliche Bedeutung
Glückshormone werden von winzigen Gehirnstrukturen kontrolliert, die allen Säugetieren gemeinsam sind: dem Hippocampus, der Amygdala, der Hypophyse, dem Hypothalamus und den anderen Teilen, die man allgemein unter dem limbischen System zusammenfasst. Das limbische System des Menschen ist von einem riesigen Kortex, der Hirnrinde, umgeben. Das limbische System und der Kortex arbeiten stets Hand in Hand, um die DNS am Leben zu erhalten. Beide haben spezielle Aufgaben:
• Ihr Kortex sucht nach Mustern in der Gegenwart, die mit Mustern übereinstimmen, die Sie in der Vergangenheit miteinander verbunden haben.• Ihr limbisches System schüttet Neurotransmitter aus, die Ihrem Körper mitteilen, dass »dieses gut für Sie ist, also gehen Sie hin«, und »dieses nicht gut für Sie ist, also bleiben Sie weg«. Ihr Körper verhält sich nicht immer gemäß dieser Botschaften, weil Ihr Kortex sich darüber hinwegsetzen kann. Wenn der Kortex sich über eine Botschaft hinwegsetzt, erzeugt er eine Alternative, und Ihr limbisches System reagiert darauf. Also kann Ihr Kortex Ihr limbisches System kurzfristig blockieren, aber Ihr Säugetiergehirn ist der Kern dessen, was Sie sind. Ihr Kortex lenkt die Aufmerksamkeit und sichtet Informationen, aber Ihr limbisches Gehirn zündet die Handlung.Ihr inneres Säugetier belohnt Sie mit guten Gefühlen, wenn Sie etwas Gutes für Ihr Überleben tun. Es schüttet Glückshormone aus. Und jedes dieser Glückshormone motiviert einen anderen Typus des Überlebensverhaltens:
• Dopamin motiviert Sie, das zu bekommen, was Sie benötigen, selbst wenn es einige Anstrengung erfordert.• Endorphin motiviert Sie, den Schmerz zu ignorieren, damit Sie die Flucht ergreifen können, wenn Sie verletzt sind.• Oxytocin motiviert Sie, anderen zu vertrauen, Sicherheit in der Gemeinschaft zu suchen.• Serotonin motiviert Sie, Anerkennung zu suchen, was Ihre Gelegenheiten zur Fortpflanzung begünstigt und Ihre Nachkommen schützt.Ihr verbales Gehirn kann sich andere Motive ausdenken, aber Ihr inneres Säugetier entscheidet, was sich gut anfühlt.
Motive zum glücklichen Überleben
Dopamin: Belohnungen suchen
Endorphin: körperlichen Schmerz ignorieren
Oxytocin: soziale Bindungen aufbauen
Serotonin: von anderen Anerkennung erhalten
Das Säugetiergehirn motiviert einen Körper, auf Situationen zuzugehen, die das Ausschütten von Glückshormonen auslösen, und Situationen zu meiden, die Stresshormone – gewissermaßen »Unglückshormone« – auslösen.
Sie können sich selbst daran hindern, auf einen neurochemischen Impuls hin zu handeln, aber dann erzeugt Ihr Gehirn einen weiteren Impuls und sucht die nächstbeste Art und Weise, um Ihrem Überlebensbedürfnis zu entsprechen. Sie sind kein Sklave Ihrer tierischen Impulse, aber Sie handeln auch nicht ausschließlich »selbstständig«, selbst wenn Sie es glauben. Sie sind immer auf der Suche nach einer Möglichkeit, sich gut zu fühlen, aber Sie entscheiden, ob Sie danach handeln, und suchen dann die nächstbeste Möglichkeit, sich gut zu fühlen.
Tiere akzeptieren ihre neurochemischen Impulse, ohne eine verbale Rationalisierung zu erwarten. Deswegen können Tiere uns dabei helfen, unsere eigenen Neurotransmitter zu verstehen. Unser Ziel hier soll allerdings nicht sein, Tiere oder primitive Impulse zu glorifizieren, sondern zu wissen, was unsere Glückshormone auslöst.
So ist zum Beispiel eine hungrige Löwin glücklich, wenn sie ein Beutetier sieht, das in Reichweite ist. Das ist kein philosophisches Glücksgefühl, sondern ein körperlicher Zustand der Erregung, der Energie für die Jagd freisetzt. Löwen missglückt oft die Jagd, also wählen sie ihre Opfer sehr sorgfältig, damit ihnen nicht die Energie ausgeht und sie nicht verhungern. Wenn eine Löwin eine Gazelle sieht, von der sie weiß, dass sie sie erreichen kann, ist sie aufgeregt. Ihr Dopaminspiegel steigt an, was ihren »Motor« hochjagt, sodass sie losspringen kann.
Ein durstiger Elefant ist glücklich, wenn er Wasser findet. Das gute Gefühl, seinen Durst stillen zu können, löst Dopamin aus, das zwischen seinen Neuronen dauerhafte Verbindungen herstellt, was ihm in der Zukunft bei der Suche nach Wasser hilft. Er muss nicht »versuchen« zu lernen, wo Wasser ist. Dopamin legt einfach einen neuronalen Pfad an. Wenn er beim nächsten Mal Anzeichen für ein Wasserloch sieht, schießt ein elektrisches Signal den Pfad zu seinen Glückshormonen ab. Das gute Gefühl sagt ihm: »Hier ist, was du brauchst.« Wenn er erschöpft und dehydriert ist, löst ein Anzeichen für eine sofortige Belohnung das gute Gefühl aus, das ihn antreibt, sich trotzdem zum Wasser zu begeben. Ohne Bemühung oder Absicht fördern Glückshormone also das Überleben.
Aber Glückshormone fließen nicht dauerhaft. Die Löwin erhält nur dann weitere Glückshormone, wenn sie weitere Beutetiere findet, und der Elefant schüttet sie nur aus, wenn er eine Möglichkeit sieht, sein Bedürfnis zu befriedigen. In freier Natur gibt es keine Glückshormone umsonst. Gute Gefühle haben sich entwickelt, weil sie uns dazu bringen, Dinge zu tun, die das Überleben begünstigen.
Tiere treffen Entscheidungen hinsichtlich des Überlebens mit einem sehr kleinen Kortex. Ihr limbisches System reicht für die Entscheidung aus, was für sie gut ist. Es motiviert sie hinzugehen, wenn ein gutes Gefühl ausgelöst wurde, und zurückzuweichen, wenn ein schlechtes Gefühl ausgelöst wurde. Dieses einfache System hat unsere tierischen Vorfahren für Millionen von Jahren am Leben erhalten und funktioniert nach wie vor in uns Menschen.
Die folgende Abbildung zeigt, dass die grundlegende Anlage unseres Gehirns dieselbe geblieben ist, während die Größe der Gehirnteile sich gewaltig verändert hat. Die Natur tendiert dazu, auf bereits Vorhandenem aufzubauen, statt mit einem leeren Blatt neu anzufangen. Säugetiere bauten auf dem Reptiliengehirn auf und menschliche Gehirne auf dem Säugetiergehirn. Wir Menschen haben einen großen Vorrat an zusätzlichen Neuronen, die sich bei einer neuen Erfahrung neu vernetzen können. Reptilien haben einen winzigen Vorrat an Neuronen, also können sie sich selten an neue Erfahrungen anpassen. Aber das Reptiliengehirn ist sehr geschickt darin, die Welt auf Bedrohungen und günstige Gelegenheiten hin zu durchsuchen. Wenn Sie je das Gefühl von Unschlüssigkeit erfahren haben oder jenes, dass Ihre Überlegungen in zwei verschiedene Richtungen gewandert sind, macht es die folgende Tabelle leicht, den Grund dafür zu erkennen.
Ihr großer Kortex unterscheidet Sie von anderen Tieren. Sie können jederzeit neue neuronale Pfade anlegen und auf diese Weise ständig Ihre Bemühungen, Ihre Bedürfnisse zu befriedigen, genau abstimmen. Aber Sie als Mensch leben nicht vom Kortex allein. Sie benötigen Ihr limbisches System, um zu wissen, was gut für Sie ist. Ihr Kortex sieht die Welt als ein Chaos aus rohen Details, bis Ihr limbisches System das Gefühl hervorruft, dass etwas gut oder schlecht für Sie ist. Sie könnten vielleicht die Vorstellung gewonnen haben, dass Ihr limbisches Gehirn der böse Junge und Ihr Kortex der gute Junge sei, aber es hilft Ihnen mehr, wenn Sie wissen, dass beide einander brauchen. Ihr limbisches System benötigt Ihren Kortex, um Ihr Lust- oder Schmerzgefühl sinnvoll einzuordnen. Und Ihr Kortex kann keine Glückshormone produzieren. Wenn Sie ein Glücksgefühl erfahren wollen, müssen Sie es sich aus Ihrem limbischen System holen.
Das limbische System kann keine Sprache hervorbringen. Wenn Sie mit sich selbst sprechen, geschieht das einzig und allein in Ihrem Kortex. Deswegen sagt Ihnen das limbische System niemals mit Worten, warum es Glückshormone oder Stresshormone produziert. Beispielsweise denken Sie vielleicht: »Ich fühle nicht so«, nur weil Sie sich nicht verbal entscheiden hören: »Ich werde mich über sie ärgern«, oder: »Ich fürchte mich, das zu tun« – aber Sie fühlen das tatsächlich so.
Unsere Gefühle sind einzigartig. Sie schalten unsere Glückshormone über neuronale Pfade ein, die aufgrund unserer individuellen Erfahrungen entstanden sind. Deswegen reagieren wir so unterschiedlich auf dieselbe Situation, obwohl wir alle mit derselben grundlegenden Überlebensausrüstung ausgestattet sind.
Glückliche Momente in Ihrer Vergangenheit haben vorhandene Neuronen miteinander verbunden, die bereitstehen, beim nächsten Mal, wenn Sie sich in einer ähnlichen Situation befinden, das Ausschütten weiterer Glückshormone zu zünden. Unglückliche Momente in Ihrer Vergangenheit haben Neuronen miteinander verbunden, die Ihnen sagen, was Sie in Zukunft meiden sollten.
Jedes Mal, wenn Sie eine Erfahrung machen, erfassen Ihre Sinne die Welt und lösen ein elektrisches Signal in Ihrem Gehirn aus. Dieser Strom fließt in Ihrem Gehirn wie Wasser in einem Sturm – er sucht die Wege des geringsten Widerstands. Die Pfade, die Sie bereits angelegt haben, stellen für den Strom einen Weg dar, über den er fließen kann, und das formt Ihre Reaktion auf die Erfahrung.
Neurotransmitter teeren Pfade auf dieselbe Weise, wie Asphalt eine unbefestigte Straße teert. Wiederholung teert Ihre Pfade ebenfalls. Einige Ihrer neuronalen Pfade entwickeln sich zu Superautobahnen, weil Sie sie wiederholt neurochemisch aktiviert haben. So legt beispielsweise ein Kind, das viel Anerkennung bekommt, weil es die Computer seiner Eltern repariert hat, einen Pfad an, mit der Funktion, weitere gute Gefühle darauf zu transportieren, wenn es weiteren Menschen mit ihren Computern hilft. Also wiederholt es das Verhalten, und der Pfad wird gefestigt.
Am Ende verfügen wir über Milliarden solcher Pfade, die unseren Strom leiten können; diese Pfade erlauben uns, die Bedeutung aus der Flut von Eindrücken herzustellen, die unsere Sinne erreichen.
Die Pfade, die Sie bislang in Ihrem Leben angelegt haben, kombinieren sich zu Ihrem neuronalen Leitsystem. Vielleicht ist dieses System keines, das Sie aktuell entwerfen würden, wenn Sie von Grund auf neu anfangen könnten, aber es steuert Ihre Reaktionen auf die Situationen, denen Sie sich täglich gegenübersehen. Ihr inneres Säugetier hat keinen Grund, die eigenen Reaktionen anzuzweifeln, weil sie auf Ihrer tatsächlichen Lebenserfahrung basieren. Sie bemerken Ihr neuronales Leitsystem nicht, weil Sie es ohne bewusste Absicht aufgebaut haben. Deswegen fällt es so schwer, neue Pfade anzulegen: Sie wissen nicht, wie Sie die alten angelegt haben.
Ihre neuronalen Pfade machen es Ihnen leicht, einige Dinge zu mögen und andere nicht zu mögen. Vielleicht ertappen Sie sich dabei, dass Sie Dinge mögen, die nicht besonders gut für Sie sind, und Dinge fürchten, die eigentlich gut für Sie sind. Aber warum sollte ein Gehirn, das zum Überleben gedacht ist, so schrullige Schaltkreise bilden? – Weil wir so angelegt sind, dass wir Erfahrungen aufbewahren, nicht zerstören. Die meiste Zeit bergen Erfahrungen wichtige Lektionen. Sie unterstützen uns dabei, uns allem zuzuwenden, was uns in der Vergangenheit geholfen hat, und alles zu meiden, was uns Schmerzen zugefügt hat. Aber die Pfade der Vergangenheit können auch in die Irre führen. Sie können uns dazu verleiten, dass wir Schmerzen meiden, die es gar nicht mehr gibt, oder dazu, dass wir zu viel von einer guten Sache suchen. So haben wir vielleicht beispielsweise Mathematik gescheut, weil uns ein Kind vor langer Zeit im Mathematikunterricht ausgelacht hat, oder wir essen zu viel Pizza, weil unsere Eltern uns vor langer Zeit beim Pizzaessen Zuneigung gezeigt haben.
Ihr menschlicher Kortex kann allerdings Ihre alten Schaltkreise mit neuem Input regulieren: Sie können Mathematik angehen oder einer Pizza widerstehen. Aber Ihre alten Schaltkreise sind sehr effizient. Sie neigen dazu, sich auf sie zu verlassen, weil die Welt Sie mit Informationen überwältigt und Ihre Superautobahnen dafür sorgen, dass diese Informationen so gut fließen können.
Aber diese Superautobahnen bringen Sie nicht immer an Ihr gewünschtes Ziel. Manchmal landen Sie bei Stresshormonen, wo Sie doch bloß gehofft hatten, sich gut zu fühlen. Sie können mehr Glückshormone genießen, wenn Sie neue Pfade durch Ihren Dschungel von Neuronen brennen. Das mag schwerer als erwartet sein, aber es fällt leichter, wenn Sie Ihre Ausrüstung kennen.
In Ihrer Jugend konnten Sie leicht neue Schaltkreise bilden. Als Erwachsener ist der Aufbau neuer Schaltkreise eine schwierigere Angelegenheit, vergleichbar etwa damit, sich in einem dichten Regenwald einen Pfad zu schlagen. Jeder Schritt erfordert gewaltige Anstrengung, und der neue Pfad, den Sie mit so viel Mühe geschlagen haben, verschwindet wieder im Unterholz, wenn Sie ihn nicht recht bald wieder benutzen. Das Ganze mag sich vielleicht wie eine Zeitverschwendung anfühlen, da Sie doch bereits ein Netzwerk aus Superautobahnen haben, die Sie stattdessen nutzen könnten.
Ihren Neuronen fällt es schwer, elektrische Signale auf einen Pfad zu feuern, den Sie nie zuvor aktiviert hatten. Mit jedem Mal, wenn ein Pfad aktiviert wird, wird das mit dem Feuern allerdings leichter. Wiederholungen entwickeln langsam einen neuronalen Pfad, ebenso wie sich ein Trampelpfad nach Jahren der Benutzung verfestigt. Wiederholungen werden die von Ihnen gewünschten Schaltkreise bilden. Niemand von außen kann sie für Sie aufbauen, und Sie können sie nicht für jemand anderen bauen. Dieses Buch hilft Ihnen dabei, neue Erfahrungen auszuwählen, die Glückshormone stimulieren, und sie zu wiederholen, bis die elektrischen Ströme nur so fließen. Sie fühlen sich dann gut auf eine Weise, die gut für Sie ist.
Auch wenn Sie dem Unglücksgefühl auf immer entkommen möchten: Sie sollten wissen, dass Stresshormone für Ihr Überleben ebenso nötig sind wie Glückshormone. Ihr Gehirn benötigt Stresshormone, um auf Bedrohungen und Hindernisse aufmerksam zu machen, ebenso wie es für gute Gelegenheiten Glückshormone benötigt. Sie als Mensch sind so angelegt, dass Sie dadurch überleben, dass Sie Glückshormone suchen und Stresshormone meiden. Sie sind nicht für Abkürzungen angelegt, mit denen Sie Suche und Vermeiden ausschließen können. Lassen Sie uns sehen, wie diese Abkürzungen in einen Teufelskreis führen können.
Die Suche nach dem guten Gefühl ist der natürliche Motor des Überlebens. Tiere begeben sich auf die Suche nach Futter, um das schlechte Gefühl des Hungers loszuwerden. Sie suchen Wärme, um das schlechte Gefühl der Kälte loszuwerden. Glückshormone fließen schon, bevor ein Säugetier auch nur frisst oder sich aufwärmt, weil das Säugetiergehirn sie ausschüttet, sobald es eine Möglichkeit entdeckt, sein Bedürfnis zu befriedigen. Das menschliche Gehirn tut dasselbe, wird jedoch zusätzlich von einem Kortex angeschoben, der lange Assoziationsketten aufbaut. Wir meiden Hunger, indem wir Getreide anbauen, und wir meiden Kälte, indem wir Brennstoffvorräte anlegen. Wir nehmen schlechte Gefühle vorweg, um sie zu verhindern. Aber wie sehr Sie Ihren Bedürfnissen auch nachkommen, Stresshormone sind weiterhin vorhanden, weil Ihr Überleben bedroht ist, solange Sie leben.
Begibt sich ein Säugetier auf Futtersuche, geht es das Risiko ein, von einem Raubtier gefressen zu werden. Es riskiert soziale Konflikte, wenn es einen Partner sucht, und es riskiert genetische Auslöschung, wenn es diesen Konflikt völlig meidet. Das Säugetiergehirn hört nie auf, nach möglichen Bedrohungen zu suchen. Wenn Sie sicher vor körperlichen Bedrohungen sind, sucht Ihr Gehirn nach sozialen Bedrohungen. Säugetiere überleben, weil das durch Cortisol erregte schlechte Gefühl sie rechtzeitig auf mögliche Bedrohungen aufmerksam macht.
Cortisol vermittelt Schmerz und die Erwartung von Schmerz. Es motiviert Sie, alles Mögliche zu tun, damit das schlechte Gefühl aufhört. Wenn eine grasende Gazelle einen Löwen riecht, motiviert Cortisol das Tier loszulaufen, obwohl es lieber weitergrasen möchte. Gazellen überleben, weil der Geruch nach Löwe sich schlechter anfühlt als das Gefühl des Hungers. Unsere Vorfahren haben überlebt, weil Cortisol ihre Aufmerksamkeit auf eine Bedrohung nach der anderen gelenkt hat.
Auf einen Schwall Cortisol reagieren Sie mit der Überlegung, in welchem Zusammenhang das geschieht. Es könnte niedriger Blutzucker sein oder der Geruch von Gefahr oder sozialer Isolation. Die Lebenserfahrungen bauen eine Unzahl von Schaltkreisen auf, die aufleuchten, wenn sich Ihr Cortisol einschaltet. Manchmal ist die Lösung offensichtlich, wenn Sie zum Beispiel die Hand von einer heißen Herdplatte zurückziehen. Aber oft wissen Sie nicht genau, was den Alarm ausgelöst hat. Sie wissen nicht, wie Sie ihn abstellen können, dennoch fühlt es sich so an, als würde etwas Schreckliches geschehen, wenn Sie nicht sofort »etwas unternehmen«. Ein Beispiel: Während Sie in Ihrem Büro am Schreibtisch sitzen, löst der Gedanke an Ihren Chef ein schlechtes Gefühl aus. Sie möchten das Gefühl loswerden, weil Cortisol Sie so lange stört, bis Sie etwas unternehmen, um es zum Verschwinden zu bringen. Aber Sie wissen nicht genau, was der Auslöser war oder wie Sie Abhilfe schaffen können. Sie wissen aus Ihrer Lebenserfahrung, dass Donuts Ihre Laune heben. Donuts lösen Glückshormone aus, weil Fett und Zucker in der Natur selten sind. Das gute Gefühl lenkt Sie vom schlechten Gefühl ab, sodass es scheint, als wäre die Bedrohung für den Moment vorüber, in dem Sie den Donut essen. Vom Verstand her wissen Sie, dass der Donut Ihre Probleme nicht löst, aber Glückshormone sind Moleküle, die einen neuronalen Pfad anlegen. Wenn Sie das nächste Mal ein ungutes Gefühl wegen Ihres Chefs haben, fließt Strom bei der Überlegung, einen Donut zu verzehren. Wenn Sie einen essen, bauen Sie die Verbindung auf. Sie wissen nach wie vor, dass der Donut Ihr Problem nicht löst und es tatsächlich sogar verschlimmern könnte. Aber wenn Sie dem Strom folgen, verleiht Ihnen das für diesen Moment ein Gefühl von Sicherheit. Wenn das »Tu etwas!«-Gefühl zuschlägt, baut Ihr Gehirn die Vorstellung auf, dass der Verzehr eines Donuts etwas ist, was Sie tun können.
Es wäre schön, könnte man den Cortisolfluss durch eine dauerhafte Lösung eines jeden Problems versiegen lassen. Aber das geht nicht, weil Enttäuschung ebenfalls Cortisol auslöst. Wenn eine Löwin die Gazelle aus dem Blick verliert, die sie beschlichen hat, schaltet sich ihr Cortisol ein. Wenn ein Affe die Nuss nicht knacken kann, an der er arbeitet, schaltet sich sein Cortisol ein. Das Cortisol hilft, auf dem Pfad zur Befriedigung der Bedürfnisse Kurskorrekturen vorzunehmen. Cortisol alarmiert, wenn Plan A nicht funktioniert.
Leider überdauern die Glückshormone nicht lange, auch wenn Plan A funktioniert. Um mehr davon zu bekommen, müssen wir mehr tun. So drängt ein Gehirn unentwegt einen Körper, das zu tun, was er tun muss, um seine DNS am Leben zu erhalten. Glückshormone werden wieder absorbiert, und die Aufmerksamkeit für überlebensbedrohliche Situationen wird wieder geweckt.
Ein Gefühl von »Tu etwas!« beherrscht Ihre Aufmerksamkeit, wenn Sie nicht von Glückshormonen abgelenkt sind. Während Sie nach Methoden suchen, sie wieder hochzuholen – und zwar rasch –, könnten leichte Aktivatoren für Glückshormone Sie in Versuchung bringen.
»Alles, was ich mag, ist illegal, unmoralisch oder macht dick.« Diese alte Redensart birgt einen Kern von Wahrheit in sich, weil alles, was rasch und einfach Glückshormone auslöst, Nebenwirkungen hat. Gute Gefühle wurden wegen ihrer Nebenwirkungen von der Natur selektiert. Das Bedürfnis nach Nahrung wurde diesbezüglich gefördert: Ein Körper wird durch Glückshormone motiviert, alles Nötige zu tun, um Nahrung zu suchen – er fühlt sich dann gut. Auch Sex wurde gefördert: Ein Körper wird durch die Hormone motiviert, alles Nötige zu tun, um einen Partner zu suchen – auch er fühlt sich dann gut. Die Nebenwirkungen von Nahrung und Sex waren in einer Welt der Knappheit wünschenswert. Wir haben uns nicht so entwickelt, um in jedem Moment ein sofortiges Hochgefühl beim Essen und beim Sex zu erfahren. Die Suche nach einem beständigen Hochgefühl kann allerdings in einen Teufelskreis führen.
Teufelskreise gibt es überall.
• Sie beziehen vielleicht äußere Dinge wie Alkohol, Nahrungsmittel, Geld, Sex und Drogen mit ein.• Oder es handelt sich bloß um innere Gedankengänge wie wütend werden, Anerkennung suchen, fliehen, Nervenkitzel suchen, retten wollen.Jede dieser Verhaltensweisen kann dafür sorgen, dass Sie sich in einem Augenblick, in dem Sie sich eigentlich schlecht fühlen, doch gut fühlen. Dadurch bekommen Sie das angenehme Gefühl, die Bedrohung überwunden zu haben, also wiederholen Sie das Verhalten. Über die Zeit hinweg entwickelt sich eine neuronale Superautobahn, und diese Verhaltensweise hellt scheinbar mühelos die Stimmung auf. Aber die Nebenwirkungen sammeln sich an und lösen Stresshormone aus. Dann sind Sie noch mehr dazu motiviert, Glückshormone so auszulösen, wie sie, Ihrer Erwartung nach, funktionieren sollten. Aber das ist wie Fahren mit einem Fuß auf dem Gaspedal und dem anderen auf der Bremse – dieselbe Verhaltensweise löst sowohl Glücks- als auch Unglücksgefühle aus.
Sie können im Nu aus dem Teufelskreis ausbrechen: Widerstehen Sie einfach diesem Gefühl von »Tu etwas« und leben Sie mit dem Cortisol. Das fällt schwer, weil Cortisol um Ihre Aufmerksamkeit bettelt. Es hat sich schließlich nicht entwickelt, damit Sie herumsitzen und es akzeptieren. Aber Sie können die Fähigkeit aufbauen, während eines Cortisolalarms nichts zu tun, selbst wenn es Sie anbettelt, es dadurch zum Verschwinden zu bringen, dass Sie etwas tun. Abzuwarten gibt Ihrem Gehirn die Chance, eine Alternative zu aktivieren. In diesem Augenblick entsteht dann eine positive Dynamik.
Jenen Augenblick zu erfassen, ist einfacher, wenn Sie einen alternativen Schaltkreis zur Verfügung haben. Ihr neuer Schaltkreis fühlt sich anfangs vielleicht etwas unbeholfen an. Ihm mangelt es am Schwung durch den elektrischen Blitz, auf den Sie sich zum Erreichen des Gefühls, dass Sie wissen, was los ist, verlassen haben. Einem alten Schaltkreis zu widerstehen, kann Ihnen das Gefühl geben, als würden Sie Ihr eigenes Überleben bedrohen, wenn Sie genau das Gegenteil tun.
Der Schmerz, einer Angewohnheit zu widerstehen, schwindet, sobald sich eine neue Angewohnheit ausbildet. Das lässt sich in 45 Tagen erreichen, wenn Sie einen neuen Gedanken oder ein neues Verhalten jeden Tag ohne Unterbrechung wiederholen. Wenn Sie einen Tag auslassen, fangen Sie wieder von vorn an. Die neu gewählte Gewohnheit wird Sie nicht am ersten Tag glücklich machen, und sie macht Sie vielleicht auch nicht am 40. Tag glücklich. Sogar am 45. Tag kann sie nicht beständig Glückshormone auslösen. Aber sie wird ausreichend elektrischen Strom auslösen, um Sie aus einem Teufelskreis herauszuholen.
Es ist nicht leicht, ein Säugetier mit einem großen Kortex zu sein. Wir verfügen nämlich über ausreichend Neuronen, um uns Dinge vorzustellen, die nicht existieren – statt uns bloß auf das zu konzentrieren, was real ist. Aber es gibt uns die Macht, uns Lösungen vorzustellen, bevor es zu spät ist. Wir verbessern dadurch unser Leben, aber wir stimulieren auch schlechte Gefühle.
Um uns besser zu fühlen, stellen wir uns eine »bessere Welt« vor, in der das Glücksgefühl mühelos fließt und schlechte Gefühle ausradiert sind. Aber das ist bei dem Gehirn, das wir haben, keine realistische Erwartung. Unser Gehirn löst Glückshormone nur dann aus, wenn wir Schritte unternehmen, um unseren Bedürfnissen zu entsprechen. Wir können am Ende in einen Teufelskreis geraten, wenn wir uns auf das kurzlebige gute Gefühl einer imaginierten Welt konzentrieren und die Wirklichkeit der Welt ignorieren, in der wir leben.
Konzentrieren Sie sich auf Ihre eigenen Pfade
Es ist leicht, Teufelskreise bei anderen zu erkennen. Deswegen sind wir versucht, uns um das Glück anderer Menschen zu kümmern. Aber wir können nicht in das Gehirn eines anderen Menschen hineingreifen und neue Verbindungen für sie aufbauen, auch können die anderen das nicht für uns erledigen. Wenn Sie sich auf die Gehirne anderer Menschen konzentrieren, können Sie dabei versagen, sie glücklich zu machen, und dabei versagen, sich selbst glücklich zu machen. Jeder Mensch muss selbst mit seinem limbischen System zurechtkommen.
Die moderne Gesellschaft ist nicht die Ursache für Teufelskreise. Unsere Vorfahren hatten ihre eigenen Varianten davon. So brachten sie zum Beispiel Menschenopfer dar, um Gefühle von Bedrohung abzuwenden, und wenn sie sich wieder schlecht fühlten, brachten sie weitere Opfer dar. Wir haben bessere Methoden entwickelt, um uns gut zu fühlen, aber die Nebenwirkungen plagen uns nach wie vor, also sollten wir darum bemüht sein, es besser zu machen.
Wahrscheinlich haben Sie schon gehört, dass Liebe der Schlüssel zum Glück sei, aber es ist nützlich zu wissen, wie Glückshormone dieses Gefühl erzeugen. Liebe ist eine gewaltige Woge von Glückshormonen, weil sie absolut relevant für das Überleben Ihrer Gene ist. Gut, Sie denken nicht an Ihre Gene, wenn Sie verliebt sind, aber sie haben Ihre Gene von Menschen geerbt, die das, was zur Fortpflanzung nötig war, erfolgreich taten. Gehirne, die »reproduktives« Verhalten motivierten, stellen am Ende wesentlich mehr »Kopien ihrer selbst« her. Sex ist da nur ein kleiner Teil der Geschichte. Alles, angefangen vom Wettstreit um gesunde Partner bis hin zum Aufziehen gesunden Nachwuchses, ist für das relevant, was Biologen »reproduktiven Erfolg« nennen. Liebe motiviert sämtliche dieser Verhaltensweisen.
Vielleicht fällt es Ihnen schwer, Ihre Gefühle von Liebe mit der natürlichen Selektion zu verknüpfen. Aber in der Tierwelt ist leicht zu erkennen, wie chemische Substanzen im Gehirn das Paarungsverhalten bestimmen. Das Säugetiergehirn ist stark auf den Fortpflanzungserfolg konzentriert. Sobald die unmittelbaren Bedürfnisse für das Überleben eines Säugetiers befriedigt sind, wenden sich seine Gedanken dem Überleben seiner Gene zu. Tiere sind zudem überraschend wählerisch hinsichtlich ihrer Partner. So vermeidet zum Beispiel jede Tierart auf die eine oder andere Weise Inzucht. Ohne bewusste Sorge um Gene motivieren ihre Neurotransmitter eine andere Wahl. Gehirne, die Inzucht hervorbrachten, starben aus, während Gehirne, die anderes Paarungsverhalten motivierten, gediehen.
Jedes Glückshormon belohnt Liebe auf andere Weise. Die bekannten Gefühle von Freude und Kummer der Liebe entsprechen merkwürdigerweise den Impulsen von Dopamin, Oxytocin, Serotonin, Endorphin und Cortisol. (Die Geschlechtshormone, wie Testosteron und Östrogen, sind zentral für die Gefühle, die wir mit Liebe assoziieren, aber ihre Behandlung würde den Rahmen dieses Buches sprengen, weil sie nicht das Glücksgefühl auslösen. Sie lösen stattdessen bestimmte körperliche Reaktionen aus.)
Dopamin wird vom »Jagd«-Aspekt der Liebe stimuliert. Es wird ebenfalls in einem Baby ausgelöst, das die Schritte seiner Mutter hört. Dopamin ist das Gehirnsignal dafür, dass ein Bedürfnis vorliegt, das befriedigt werden muss. Von weiblichen Schimpansen weiß man, dass sie eine Vorliebe für Männchen haben, die nach der Jagd das Fleisch mit ihnen teilen. Protein ist im Regenwald rar, und Weibchen benötigen während der Schwangerschaft und zum Stillen jede Menge davon, also ist Fleisch ein großartiger Dopamin-Stimulator. Beim Menschen ist es so, dass Sie, wenn Sie den Richtigen oder die Richtige finden, ein Dopamin-Hochgefühl erleben. Wie Sie auch definieren mögen, was Sie suchen, Dopamin erregt Sie, wenn Sie sich dem/der Gesuchten nähern.
Oxytocin wird durch Berührung und Vertrauen stimuliert. Bei Tieren gehen Berührung und Vertrauen Hand in Hand. Affen erlauben nur vertrauten Gefährten, sie zu berühren, weil sie aus Erfahrung wissen, dass im Nu Gewalt entstehen kann. Beim Menschen löst alles vom Händchenhalten bis hin zum Gefühl, unterstützt zu werden, Oxytocin aus. Ebenso ein Orgasmus. Sex löst jede Menge Oxytocin auf einmal aus und erzeugt dadurch sehr viel soziales Vertrauen für eine sehr kurze Zeit. Händchenhalten stimuliert eine kleine Menge Oxytocin, aber wenn es über längere Zeit wiederholt wird, wie im Fall eines älteren Paares, baut es einen Schaltkreis auf, der leicht soziales Vertrauen auslöst. Die Geburt löst in Säugetieren einen gewaltigen Oxytocinschwall aus, und zwar sowohl bei der Mutter als auch beim Kind. Auch das Säugen anderer Leute Kinder kann es stimulieren. Freundschaftsbande stimulieren Oxytocin.
Es begünstigt ebenfalls den Erfolg bei der Fortpflanzung. Affen und Menschenaffen mit größeren sozialen Bündnissen haben mehr überlebenden Nachwuchs, und Heranwachsende ziehen gleichfalls eindeutig Individuen mit größeren sozialen Bündnissen vor. Oxytocin steht auf so viele Weise in Beziehung zu Liebe, dass es oft das »Bindungshormon« oder die »Kuschelsubstanz« genannt wird.
