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Nach dem freudlosen Treffen mit ihrem Vater irrt Ackhare im Schloss umher. Sie findet die Bibliothek. Als sie die Regale durchsieht, entdeckt sie ein Buch, das ihre Neugier weckt. Es enthält die Geschichte der Welt Aneba. Nach und nach erschließt sich der Auserwählten die ganze Geschichte von ihren Eltern. Und sie erkennt, warum nach ihrem Leben getrachtet wird.
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Seitenzahl: 35
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Henrik Quedburg
Die Chronik Anebas
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Die Chronik Anebas
Impressum neobooks
Was tat sie nur? Lief durch dunkle Gänge, die ihr vertraut schienen und doch völlig fremd waren.
In ihrem Zimmer hatte sie es nicht lange ausgehalten. Es hatte so kalt, so abweisend, so fremd auf sie gewirkt. In diesem Raum sollte sie aufgewachsen sein? Es erschien ihr unmöglich. Ein Kind war die Auserwählte gewesen, als sie diesen Ort verlassen hatte. Wie sollte sie sich noch erinnern?
Sie war bei ihrem Vater, noch immer konnte Ackhare es nicht fassen. Vor wenigen Stunden war sie mit ihren Freunden unterwegs gewesen, als aus dem Nichts eine schwarze Kutsche aufgetaucht war und sie entführt hatte. Todesängste hatte sie ausgestanden, dass der Namenlose sie wieder in seine Gewalt gebracht hatte. Diese Furcht war ihr genommen worden, als sie aus der Kutsche geschleift und in dieses riesige dunkle Schloss geführt worden war. Und dann hatte sie ihrem Vater gegenübergestanden. Ackhare hatte ihn nicht wiedererkannt. Nur Furcht hatte sie gespürt. Vielleicht war unter dieser Angst etwas Vertrautes gewesen, doch sie hatte es nicht gemerkt.
Anfangs hatte sie nicht gewusst, vor wem sie eigentlich stand, sich nur gefürchtet. Bis die dunkel gekleidete Gestalt ihr verkündet hatte, dass sie ihr Vater sei. Ackhare befand sich auf dem Gebiet des Herrschers der Finsternis. Ein Ort, vor dem ihre Mutter sie gewarnt hatte. Nun war sie hier und wusste nicht, wie sie entkommen konnte.
Ziellos durchstreifte die Auserwählte die Gänge des Schlosses. Ihr war unheimlich zumute, was nicht nur an der Düsternis ihrer Umgebung lag, sondern ebenfalls an der gespenstischen Stille. Kein einziger Elme war ihr bis jetzt begegnet. Es schien, als sei das Schloss ausgestorben. Doch das stimmte nicht. Ackhare hatte bei ihrer Ankunft im Hof das geschäftige Treiben der Soldaten gesehen. Es gab noch mehr Elmen als sie und ihren Vater, dennoch drang der Lärm nicht durch die dicken Mauern zu ihr und in diesem Teil des Gebäudes schien sich niemand aufzuhalten.
Ackhares Streifzug durchs Schloss wurde durch eine dicke Tür beendet.
„Sackgasse“, gab die Auserwählte missmutig von sich. Langsam drehte sie sich einmal im Kreis, ob sie nicht vielleicht einen Gang in der Wand übersehen hatte, doch außer auf- und nebeneinander sauber verlegten Steinen konnte sie nichts entdecken.
„Verdammt!“, entfuhr es ihr.
Schon wollte sie sich umdrehen, als die Tür ihre Aufmerksamkeit erregte. Im Gegensatz zu den anderen bestand diese aus kunstvollen Holzschnitzereien. Drachenkörper schienen durch die Tür zu fliegen. Fasziniert betrachtete die Auserwählte die Figuren und wagte es kaum sie zu berühren. Weitere Abbildungen fielen ihr auf, als sie nähertrat: Eine Elme reichte jemandem seine Hand. Eine unbedeutende Szene, wie es schien. Bei genauerer Betrachtung erkannte Ackhare, dass um beider umfasster Hände ein Strahlenkranz leuchtete der bis zu einer weiteren Figur reichte. Diese stand neben einem Thron und hielt irgendetwas in den Händen. Die Auserwählte konnte nicht erkennen, um was es sich handelte. An dieser Stelle war das Holz beschädigt.
Der Rest der Tür war mit Symbolen verziert, die Ackhare nicht entziffern konnte. Wahrscheinlich standen sie für die Dinge, die sich hinter dieser Tür befanden. In ihren Erinnerungen blitzte eine Bibliothek auf, so kurz, dass sie nicht sagen konnte, was es gewesen war. Doch lang genug, um zu wissen, was sich hinter der Tür befand.
Ackhares Hand ging wie von selbst zur Klinke, umfasste das kühle Metall, und drückte sie herunter. Zu ihrer Überraschung war der Raum nicht verschlossen. Rasch warf die Auserwählte einen Blick über die Schulter, niemand war zu sehen. Sie öffnete die Tür und schlüpfte in den Raum.
Dunkelheit umfing sie. Die einzige Lichtquelle ging von einer Kerze aus, die dem Raum mit ihrer kleinen Flamme nur wenig Licht spendete. Ein muffiger, holziger Geruch hüllte sie ein. Das Aroma war ihr nicht unbekannt, wirkte vertraut. Wo hatte sie diese Mischung zuletzt wahrgenommen? Richtig, jetzt wusste sie es wieder. Es war bei Eritrem, dem Zauberer gewesen. In seinen Regalen hatte sie viele Bücher stehen sehen, doch gegen diesen intensiven Geruch zu dem sich noch der alten Leders und der von Pergament gesellte, wirkte Eritrems Sammlung lächerlich.
