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Dormi und Ackhare sind in einer Höhle gefangen. Der einzige Durchgang ist verschüttet. Je länger sie warten, desto mehr schwindet die Hoffnung auf Rettung. Ackhare und Dormi können sich in der Höhle nicht aus dem Weg gehen und müssen sich ihren Problemen stellen. Es wird für beide eine schmerzhafte Reise in die Vergangenheit. Die Auserwählte beginnt zu begreifen, warum der Namenlose sie vernichten und unbedingt die Herrschaft über Aneba erlangen will. Als die Luft immer knapper wird und Ackhare bereits bewusstlos ist, fasst Dormi einen folgenschweren Entschluss, der sein Leben beenden könnte...
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Seitenzahl: 61
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Henrik Quedburg
Höhle der Erinnerung
Eine Aneba-Kurzgeschichte
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Höhle der Erinnerung
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Impressum neobooks
Langsam öffnete Dormi die Augen, doch konnte er nichts erkennen. Dunkelheit herrschte um ihn, als wäre es stockdustere Nacht.
Sein Arm schmerzte. Er war auf ihn gefallen, als Ackhare ihn mit zu Boden gerissen hatte. Nachdem die Decke des Stollens heruntergekommen war, hatte sie angesichts ihrer ausweglosen Situation das Bewusstsein verloren. Nur mit einiger Mühe gelang es Dormi, sich von ihrem Gewicht zu befreien.
Vorsichtig bettete er Ackhares Kopf auf einen flachen Stein und hielt seine Hand über ihren Mund. Eine leichte Brise kitzelte seine Hand und beruhigte ihn. Ackhare atmete.
Dormi stand auf und tastete sich langsam in der Dunkelheit voran. Seine Augen gewöhnten sich nur allmählich, gaukelten ihm Figuren vor, die es gar nicht gab. Vorsichtig setzte er einen Schritt vor den anderen bis seine Hände etwas ertasteten, dass in den Fels hineingetrieben worden war. Es war die Halterung einer Fackel.
Vor Freude musste Dormi lachen, fasste sich schnell und entzündete nach mehreren Fehlversuchen die Fackel. Sofort wurde die nähere Umgebung in helles Licht gehüllt.
Unter großen Willensanstrengungen zwang er sich mit dem Lachen aufzuhören. Einen klaren Kopf musste er behalten, wollten sie lebend und unversehrt aus dieser Höhle entkommen.
Mit der Fackel in der Hand trat zu dem Haufen aus Schutt und Geröll. Der Gang war komplett mit Steinen aufgefüllt. Hier gab es kein Durchkommen mehr.
Möglicherweise konnten sie die Steine wegräumen, um den Weg nach draußen freizubekommen. Doch Dormi gab sich keinen Illusionen hin. Der Rückweg war versperrt und würde es auch bleiben, egal wie viele Steine sie wegschleppen würden. Die komplette Decke des Stollens war heruntergekommen. Glück hatten sie gehabt, nicht darunter begraben zu werden. Und Pigsy? Hatte ihr Begleiter sich retten können? An ihm hing es nun Hilfe zu holen. Wenn er von dem Schutt begraben worden war, gab es keine Hoffnung auf Rettung. Niemand wusste, dass sie hier waren. Sie würden elendig zugrunde gehen.
Nein, daran durfte er keinesfalls denken. Sie würden hier rauskommen, egal wie. Es gab immer eine Möglichkeit sich zu retten. Sie musste nur gefunden werden.
Nachdenklich entzündete Dormi weitere Fackeln, das der Raum sich langsam erhellte und Ackhares Beschützer sich eine bessere Übersicht verschaffen konnte.
Der Raum war recht groß. Von Seite zu Seite mussten es mehr als fünfzehn, zwanzig Schritte sein. Vor fielen Zeiten musste dieser Raum aus dem Gestein gehauen worden sein.
In die Wände waren Nischen geschlagen worden, die Gegenstände enthalten haben mochten. Nun waren sie leer und verrieten nichts von ihrer Funktion.
Wenigstens konnte Dormi sicher sein, nicht in einer der Geisterhöhlen gelandet zu sein. Bisher hatte er nur von ihnen gehört und war auch nicht wirklich überzeugt, ob sie überhaupt existierten. Diese Geister nahmen die Gestalt des Elmen an, der sich in der Höhle verirrte. Gelang es ihm nicht, rechtzeitig zu fliehen, wurde er selbst einer dieser Geister, während die wahren Gestalten der Höhle sich als Ebenbild ihres Opfers in dessen Leben einfügten und sämtliche Angehörige zu Geistern machten bis die gesamte Familie ausgelöscht war.
Es war schwer, die Geister zu erkennen, aber nicht unmöglich. Wenn man sie tötete wurden die realen Elmen von ihrem Geisterdasein erlöst, oft war es dafür zu spät.
Dormi schauderte bei dem Gedanken. Als Kind hatten Ackhare und er sich vor solchen Gruselgeschichten gefürchtet. Mit der Zeit hatten die Geschichten ihren Schrecken verloren, nun war er wieder ganz nah.
Sein Kopf drehte sich zu der reglos am Boden liegenden Ackhare. Wie es schien, war sie noch immer bewusstlos.
An dem Zustand musste sich schnellstens etwas ändern. Nur gemeinsam würde ihnen gelingen, die Höhle lebend zu verlassen.
Er kniete bei der am Boden liegenden Ackhare und schüttelte sie leicht am Arm. Als sie nicht reagierte, hielt er eine Hand vor ihre Nase. Beruhigt nahm er die Hand von ihrem Gesicht, als er einen leichten Hauch an den Fingern verspürte. Atmen tat sie noch, daran hatte sich seit seinem letzten Test nichts geändert.
Sie lebte.
Blieb nur das Problem, die Auserwählte aus ihrer Ohnmacht zu holen. Hatte er nicht von zu Hause das kleine Töpfchen mitgenommen, das eine wirksame Heilsalbe enthielt? Die Wirkung der Salbe war unübertroffen, genau wie deren beißender Gestank, der Tote zum Leben erwecken könnte, bevor der Geruch sich in der Luft verflüchtigte.
Während Dormi nach dem Tiegel suchte, begann Ackhare sich zu regen, als ahne sie, was ihr bevorstand.
Langsam schlug sie die Augen auf. Ihr erster Blick fiel auf Dormi, der sich erleichternd lächelnd über sie beugte.
"Habe ich geschlafen?", fragte Ackhare ein wenig verwirrt. Sie konnte sich noch erinnern, dass der Stollen eingestürzt war. Dann herrschte in ihrem Kopf eine große Schwärze.
"So ähnlich, Ackhare", antworte ihr Dormi, froh darüber, dass sie wieder bei Bewusstsein war. "Geht es dir gut? Alles in Ordnung mit dir?
Verwundert sah die Auserwählte ihn an. Hatte sie ein Stein getroffen, während sie sich in diesen Hohlraum geflüchtet hatten?
Kopfschmerzen hatte sie keine, eine Beule ebenfalls nicht. Auch ihre Arme und Beine konnte sie problemlos bewegen. Sie musste Glück gehabt haben, dass es so glimpflich abgelaufen war.
Den Umständen entsprechend, muss ich wohl sagen. Gebrochen habe ich mir jedenfalls nichts. Wir wurden wohl von dieser Steinlawine ein wenig durchgeschüttelt. Furchtbar, wie das alles auf einmal von der Decke kam."
Dormi verbiss sich den Kommentar, dass Ackhare selbst schuld war. Wenn sie nicht herumgebrüllt hätte, wäre nichts passiert. Allerdings war auch er nicht ganz unschuldig an der Situation. Ganz so leise hatte auch er sich nicht verhalten.
Ackhare stand langsam mit zittrigen Beinen auf und hob die Hand zum Mund, als sie den zugeschütteten Gang erblickte.
"Ist das der einzige Weg nach draußen?", wollte sie mit zittriger Stimme wissen. Der Schock, diesen Ort nicht lebend zu verlassen, war ihr deutlich ins Gesicht geschrieben. "Bisher habe ich noch keinen weiteren Gang entdecken können. Wie es aussieht, scheint das der einzige Weg nach draußen zu sein. - Leider!"
"Der Weg, den wir gekommen sind, ist zugeschüttet? Vielleicht haben sich nur an dieser Stelle die ganzen Steine angesammelt und dahinter ist alles frei."
Ackhare sah Dormi hoffnungsvoll an, doch sein Blick machte alles zunichte. "Du glaubst, dass der Weg völlig verschüttet ist?"
"Ja, dass trifft mit ziemlicher Sicherheit zu. Es tut mir leid, dir nichts anderes sagen zu können."
Die Auserwählte nickte, dass sie seine Worte zur Kenntnis genommen hatte. Was sie befürchtet hatte, war eingetreten. Sie waren in dieser Höhle gefangen.
Ihr Blick schweifte durch den Raum und suchte in dem Halbdunkel nach einem Anhaltspunkt, der ihren Weg in die Freiheit bedeutet hätte.
Die Fackeln warfen ein diffuses Licht an die Wand und die sich ständig bewegenden Schatten wirkten unheimlich.
"Was hat die Steinlawine ausgelöst?", sprach Ackhare die Worte aus, die Dormi dazu zwangen, sie an ihren Streit zu erinnern.
"Unser Geschrei ist dafür verantwortlich. Wir haben uns nicht flüsternd unterhalten, weil wir unterschiedlicher Meinung waren. - Wieder einmal", fügte er die letzten Worte leise und verbittert hinzu.
Ackhares Beschützer warf einen kurzen Blick auf den Schutthaufen, bevor er sich auf einen größeren Stein setzte.
Er stützte sein Gesicht in beide Hände und starrte ins Leere.
"Wir können froh sein, dass hier die Decke nicht auch runtergekommen ist", sagte er auf einmal in die Stille hinein.
