Die drei ???, Das Geheimnis der Diva (drei Fragezeichen) - Astrid Vollenbruch - E-Book

Die drei ???, Das Geheimnis der Diva (drei Fragezeichen) E-Book

Astrid Vollenbruch

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5,99 €

  • Herausgeber: Kosmos
  • Kategorie: Krimi
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2011
Beschreibung

Seltsame Vorkommnisse überschatten die Proben der Laienspieltruppe "Die Masken" im alten Stadttheater von Rocky Beach: Kulissen verschwinden, eine Schauspielerin wird hinter der Bühne von einem grässlichen Phantom angegriffen, und die Souffleuse scheint entführt worden zu sein. Wer oder was treibt sein Unwesen in dem verwinkelten Theatergebäude? Hängen die Ereignisse mit der international bekannten Schauspielerin Helena Darraz zusammen, die in wenigen Tagen nach Rocky Beach kommen will? Sofort nehmen die drei ??? die Ermittlungen auf. Und es wird gefährlich ...

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Seitenzahl: 153

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Das Geheimnis der Diva

erzählt von Astrid Vollenbruch

Kosmos

Umschlagillustration von Silvia Christoph, Berlin

Umschlaggestaltung von eStudio Calamar, Girona, auf der Grundlage der Gestaltung von Aiga Rasch (9. Juli 1941 – 24. Dezember 2009)

Unser gesamtes lieferbares Programm und viele weitere Informationen zu unseren Büchern, Spielen, Experimentierkästen, DVDs, Autoren und Aktivitäten finden Sie unter www.kosmos.de

© 2002, 2008, 2011, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart

Alle Rechte vorbehalten

Mit freundlicher Genehmigung der Universität Michigan

Based on characters by Robert Arthur.

ISBN 978-3-440-12898-5

Satz: DOPPELPUNKT, Stuttgart

eBook-Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

Also was denn nun?

»Vorsicht, Peter!«, schrie Justus Jonas und sprang nach vorne.

Es war schon zu spät. Das linke Drittel des Sherwood Forest neigte sich, legte sich immer stärker zur Seite und rutschte von der Gabel des Gabelstaplers hinab. Mit einem schauerlichen Geräusch zersplitterte das bemalte Sperrholz, als das ganze riesige Gemälde auf dem Boden aufschlug. »Willkommen in unserem kompetenten Fachteam«, kommentierte Bob Andrews trocken. »Peter, sagtest du nicht gerade eben, du könntest mit einem Gabelstapler umgehen?«

»Bis gerade eben dachte ich das eigentlich auch.« Peter Shaw, der Dritte im Bunde, beugte sich aus dem Führerhaus des Gabelstaplers und schaute sich das Unheil betreten an. Zwei Teile der drei mal neun Meter langen, auseinandergeschraubten Theaterkulisse lagen noch auf der Ladefläche des gemieteten Lastwagens. Das noch fehlende Drittel hatte sich soeben in einen Haufen praktisches Brennholz verwandelt. »Hoffentlich hat dein Onkel das nicht bemerkt, Just.«

Justus warf einen Blick zu dem Schuppen hinüber, in dem das Büro seines Onkels Titus Jonas untergebracht war. Dort rührte sich nichts. »Dann wäre er jetzt schon hier. Vielleicht haben wir Glück – wenn er über der Buchhaltung sitzt, hört und sieht er normalerweise nichts.«

»Aber was machen wir jetzt?«, fragte Peter nervös. »Können wir das Teil irgendwie verschwinden lassen?«

»Und wo?«, fragte Bob. »Hier?« Seine weit ausholende Handbewegung umfasste den gesamten Hof des Gebrauchtwarencenters mit seinen Bergen von Trödel und Schrott. »Oder in unserer Freiluftwerkstatt, die so vollgestopft ist, dass wir nicht mal mehr unsere alte Druckerpresse wiederfinden? Oder vielleicht in der Zentrale – als Wandgemälde, an dem wir uns bei jeder Bewegung irgendwelche Schlagadern aufreißen?«

»Vielleicht im Wohnzimmer deiner Eltern.« Justus grinste. »Deine Mutter hat doch etwas für Kunst übrig.«

»Auf jeden Fall. Vor allem für ein Rudel überdimensionierter röhrender Hirsche in ihrem Wohnzimmer. Nein danke. Wenn irgendwer das Teil entsorgen muss, dann doch bitte Peter – er hat es ja schließlich auch kaputt gemacht.«

»Von wegen!«, rief Peter hitzig. »Wenn ihr es anständig festgehalten hättet, wie ich es gesagt hatte –«

»Wir räumen es erst einmal zur Seite«, unterbrach Justus. »Der Lastwagen ist noch halb voll. Also weiter, Kollegen.«

Zu dritt schleppten sie die zerbrochene Kulisse quer über den Hof und lehnten sie – hinter dem Schrottberg und außer Sichtweite von Onkel Titus’ Büro – gegen den hohen Bretterzaun, der das Gelände umgab. Dann machten sie sich daran, die restliche Ladefläche des Lkws abzuräumen.

Vor drei Tagen hatte Justus’ Onkel erfahren, dass das alte Stadttheater von Rocky Beach Teile seines Kulissen- und Requisitenbestandes zum Verkauf anbot. Als ehemaliger Zirkusmitarbeiter konnte Titus Jonas an nichts vorbeigehen, das nach Theater, Bühne oder Manege roch. Also hatte er kurzerhand den gesamten Krempel gekauft und heute abgeholt. Und so kamen beim Entladen des Lastwagens einige seltsame Dinge zum Vorschein: Heldenbüsten aus Pappmaschee, Flaschen mit Sollbruchstellen, Schneiderpuppen in uralten Kostümen, mottenzerfressene Bärenfelle als Kaminvorleger, unzählige alte Taschen, Bücher ohne Inhalt und viele andere Gegenstände, die jahrelang im Requisitenkeller des Stadttheaters gelegen hatten und entsprechend muffig rochen. Und dazu kamen noch weitere sechs Kulissen aus Sperrholz und bemalter Leinwand: ein römisches Amphitheater, ein alter Kaiserpalast, das Innere eines Zirkuszeltes, ein bürgerliches europäisches Wohnzimmer, ein tobendes Meer und eine brennende Stadt. All diese Dinge wuchteten Justus, Peter und Bob unter der sengenden Sonne Kaliforniens vom Lastwagen, der auf der Straße stand und mit seiner sperrigen Ladung den Verkehr behinderte. Zum Glück war hier oben in den Seitenstraßen des am Berg gelegenen Küstenortes Rocky Beach nie besonders viel los.

Es war harte Arbeit, und nur der Gedanke an die Entlohnung machte sie einigermaßen erträglich. Onkel Titus hatte den drei Jungen fünfzig Dollar versprochen, die sie dringend für eine Reparatur an Bobs Auto brauchten.

Sie hatten gerade die vorletzte Kulisse von der Ladefläche gehoben, als ein blauer Lieferwagen um die Ecke bog. Zielstrebig fuhr er auf den Lkw zu. Kaum zehn Meter entfernt trat der Fahrer hart auf die Bremse und brachte den Wagen zum Stehen. Fahrer und Beifahrer sprangen fast gleichzeitig aus dem Auto, und der Beifahrer rief laut: »Stopp! Sofort aufhören! Nicht abladen!«

Justus, Peter und Bob setzten vorsichtig die Kulisse ab und wandten sich den beiden Männern zu. Der blonde Fahrer war nur ein paar Jahre älter als sie selbst und trug einen grauen Arbeitsanzug mit der Aufschrift ›Stadttheater Rocky Beach‹. Der Beifahrer war Mitte vierzig und sah mit weißem Hemd, Krawatte und grauer Tuchhose so aus, als hätte man ihn gerade aus einer Managerkonferenz geholt. Beide Männer waren typische Kalifornier: braun gebrannt, kräftig und sportlich, und beide sahen wütend aus.

»Kann ich Ihnen helfen?«, fragte Justus höflich.

»Ich will den Besitzer sprechen!«, schnaubte der Büromensch. »Und zwar dalli!«

»Mein Onkel ist leider im Moment beschäftigt«, sagte Justus. »Vielleicht können Sie mir sagen, um was es –«

»Um was es geht?« Der Mann holte weit aus, und eine Sekunde lang glaubten die drei ???, er wolle Justus eine Ohrfeige verpassen. Aber er schwenkte den Arm zu einer weiten Geste über den Lastwagen, die Kulissen und den Berg von Gegenständen, die sie gerade erst abgeladen hatten. »Um das hier geht es! Das ganze Zeug hier, das gehört uns! Und ihr packt das jetzt auf der Stelle wieder auf den Wagen und bringt es sofort zurück ins Theater!«

»Wie bitte?«, fragte Justus verblüfft. »Das muss ein Irrtum sein. Mein Onkel hat die Sachen ordnungsgemäß gekauft!«

»Nichts hat er!«, schnauzte der Mann ihn an. »Ihr packt das Zeug augenblicklich wieder auf den Wagen, oder ich ziehe andere Saiten auf und komme mit der Polizei zurück!«

»Solche Drohungen können Sie sich sparen«, gab Justus scharf zurück. »Diese Sachen standen sehr wohl zum Verkauf. Mein Onkel hat mit einem Mr Pritchard telefoniert, der ihm genau gesagt hat, welcher Raum geleert werden sollte. Und die dreihundert Dollar hat er vor drei Tagen auf das Theaterkonto überwiesen, wie es mit Mr Pritchard abgesprochen –«

»Ich bin Pritchard!«, bellte der Mann. »Und zu keinem Zeitpunkt habe ich mit deinem Onkel telefoniert, wer immer das auch ist! Sehe ich vielleicht so dämlich aus, dass ich eine Woche vor Probenbeginn unsere Kulissen und Requisiten verhökere? Steven! Auf der Stelle rufst du die Polizei an!«

»Jetzt warten Sie doch mal, Mr Pritchard«, sagte der jüngere Mann stirnrunzelnd. »Ich glaube, der Junge sagt die Wahrheit – soweit er sie kennt.«

Mr Pritchard lief rot an. Bevor er wieder losbrüllen konnte, sagte Justus: »Ich glaube, hier liegt ein Missverständnis vor, Mr Pritchard. Ich hole meinen Onkel. Warten Sie bitte hier.«

»Darauf kannst du dich verlassen!«, schnaubte Mr Pritchard. »Ich rühre mich nicht von der Stelle, bis ich unser Eigentum wiederhabe! Ihr da! Gafft nicht so blöd! Packt das Zeug auf den Wagen, los!«

»Meinen Sie uns?«, fragte Bob, der den Mann schon gründlichst verabscheute. »Wir möchten lieber erst hören, was Mr Jonas dazu sagt. Komm, Peter.«

Sie hockten sich auf die Motorhaube eines alten Chevrolets und warteten ab, was nun passierte. Mr Pritchard stand zähneknirschend und wutschnaubend da, während der junge Mann namens Steven, dessen Ärger verflogen zu sein schien, sich interessiert im Hof des Gebrauchtwarencenters umschaute.

Justus und Onkel Titus kamen aus dem Büroschuppen. »Was ist denn hier los?«, fragte Onkel Titus irritiert. »Was ist mit dem Verkauf nicht in Ordnung?«

»Gar nichts ist in Ordnung!«, schnaubte Mr Pritchard. »Sie sind der Besitzer? Wer hat Ihnen das Zeug verkauft?«

Erstaunt blickte Onkel Titus ihn an. »Wenn Sie Mr Pritchard sind, dann haben Sie es mir verkauft. Vor drei Tagen. Erinnern Sie sich nicht? Sie haben mich angerufen und mir einen ganzen Berg Requisiten und ein paar Kulissen zu einem Spottpreis angeboten. Das waren Ihre eigenen Worte.«

»Das ist eine Lüge!«, brüllte Mr Pritchard los. »In meinem ganzen Leben habe ich noch keine solche Frechheit erlebt! Wie können Sie behaupten, Sie hätten mit mir gesprochen?«

Onkel Titus war kein großer Mann, aber jetzt wuchs er vor Empörung um ein paar Zentimeter, und sein schwarzer Schnurrbart sträubte sich. »Wie bitte? Was erlauben Sie sich? Sie unterstellen mir, dass ich lüge?«

»Onkel!«, rief Justus beschwörend. »Das ist doch bestimmt ein Missverständnis. Bist du ganz sicher, dass der Mann, der dich angerufen hat, Mr Pritchard war? Erkennst du seine Stimme wieder?«

»Nein, aber wenn mich jemand anruft und sich mit ›Pritchard vom Stadttheater‹ meldet, dann gehe ich davon aus, dass er auch so heißt«, antwortete Titus Jonas verärgert.

»Ich habe Sie nicht angerufen«, knirschte Pritchard. »›Pritchard vom Stadttheater‹ – lächerlich! So würde ich mich nie melden! Mit wem haben Sie im Theater gesprochen, Jonas?«

»Das heißt Mr Jonas für Sie«, sagte Onkel Titus böse. »Da war ein Arbeiter – nicht der junge Mann da –, der mir beim Aufladen geholfen hat. Und wenn ein Arbeiter vom Theater mir hilft, wird es ja wohl seine Richtigkeit haben!«

»Unmöglich!«, schnaubte Mr Pritchard. »Alle im Theater wissen, dass bald die Proben losgehen! Wie hieß der Mann, der Ihnen geholfen hat?«

»Brown. Oder Berg. Irgendein kurzer Name mit B, ich habe ihn mir nicht gemerkt. Ein junger Kerl mit Sommersprossen. Fragen Sie ihn doch, er kann es bestätigen.«

»Und ob ich ihn fragen werde«, knirschte Mr Pritchard. »Mr Jonas, ich zahle Ihnen das Geld zurück. Aber die Sachen nehme ich wieder mit – jetzt sofort. Wir brauchen das Zeug! Nächste Woche fangen die Proben an!«

»Wie Sie meinen.« Onkel Titus war noch nicht besänftigt – wenn er etwas wirklich übel nahm, dann den Vorwurf, ein Geschäft nicht ordentlich durchgeführt zu haben. »Ich hoffe, Sie wissen auch genau, was Ihnen gehört. Kommt, Jungs, ihr habt für heute genug gearbeitet. Tante Mathildas Kirschkuchen wartet.«

»Sollen wir nicht helfen, die Sachen –«

»Durchaus nicht«, sagte Onkel Titus eisig. »Guten Tag, Mr Pritchard. Und Ihnen auch.« Er nickte Steven zu und drehte sich auf dem Absatz um. Die drei ??? folgten ihm. Als Justus einen Blick über die Schulter warf, sah er, wie Steven anfing, die alten Taschen einzusammeln. Mr Pritchard rührte keinen Finger, um ihm zu helfen. Steven tat Justus leid, aber Onkel Titus hatte ja nun ausdrücklich jede Hilfe verboten. Und außerdem war auch Justus noch reichlich wütend über die Unverschämtheit, mit der dieser Pritchard hier aufgetreten war.

Ein paar Minuten später saßen sie auf der Veranda des Jonasschen Wohnhauses und aßen Kirschkuchen. Als Onkel Titus kurz im Haus verschwand, meinte Peter: »Glaubt ihr das, was dieser Kerl gesagt hat? Dass er euch das Zeug gar nicht verkauft hat, sondern irgendwer unter seinem Namen? Ich glaube ja kein Wort davon. Der hat einfach Mist gebaut und wollte es jetzt vertuschen. Also schiebt er es auf den großen Unbekannten. Oder auf diesen Typ mit B.«

»Ich weiß nicht«, sagte Bob. »Er ist zwar ein Ekel, aber ich hatte den Eindruck, dass er meinte, was er sagte.«

»Ich frage mich, was dahintersteckt.« Justus schaute zu den beiden Männern hinüber. Steven schleppte gerade eine schwere Kiste zum Wagen, und Mr Pritchard stieg ins Führerhaus und warf die Tür zu. »Es könnte sich lohnen, ein paar Erkundungen anzustellen.«

Wenig später kam Onkel Titus zurück, und nach ein paar Kuchenstücken fand er auch seine normale Gutmütigkeit wieder. »Also schön, ihr könnt rübergehen und ihm helfen. Ich wollte ja eigentlich diesem Pritchard eins auswischen – dieser Bühnenarbeiter da hat mir ja nichts getan. Was für eine Lumperei, ihn die ganze Arbeit machen zu lassen!«

Also kehrten Justus, Peter und Bob auf den Hof zurück und halfen Steven, die restlichen Sachen in den Lieferwagen zu stopfen. Am Schluss blieben die sieben Kulissen übrig.

»Danke für die Hilfe«, sagte Steven. »Die Kulissen hole ich morgen früh, die passen nicht in den Wagen. Könnt ihr den Lastwagen ein Stück zur Seite fahren, damit ich daran vorbeikomme?«

»Sehr gern«, sagte Justus. »Allerdings ist uns da leider vorhin ein kleines Missgeschick passiert. Eine der Kulissen wurde beschädigt, als wir sie vom Wagen gehoben haben.«

Steven pfiff leise durch die Zähne. »Verflixt. Wie groß ist der Schaden?«

»Leider müssen wir von einem Totalschaden ausgehen. Sie ist vom Laster gefallen und zersplittert.«

Steven wurde plötzlich blass und schaute ihn einen langen Moment nur wortlos an. Dann sagte er: »Jetzt sag mir nur nicht, dass es der europäische Salon war.«

»Nein, es war der Sherwood Forest.«

Steven atmete leise aus. »Gut. Glück gehabt. Den Salon brauchen wir nämlich für die Proben. Und so schnell lassen sich keine neuen Kulissen zaubern.«

»Welches Stück führen Sie denn auf?«, fragte Bob neugierig.

»Einen Klassiker«, antwortete Steven. »Miss Challengers Erben von Berenice Henry. Und es darf wirklich nichts mehr schiefgehen.« Das klang jetzt fast beschwörend.

»Sagen Sie, Steven«, fragte Justus, »wer könnte ein Interesse daran haben, Mr Pritchard oder dem Theater zu schaden?«

»Niemand, hoffe ich«, erwiderte Steven. »Warum fragst du?«

»Berufliches Interesse – sozusagen.« Justus zog eine Visitenkarte aus der Tasche und reichte sie ihm. »Wir sind Detektive.«

»Mhm«, machte Steven. »Sieht ja spannend aus. Aber ich glaube, Detektive brauchen wir nicht. Ich vermute, dass es ein dummer Irrtum war. Jemand hat sich einfach vertan.«

»Glauben Sie das wirklich?«, fragte Bob. »Er gibt ganz aus Versehen am Telefon einen falschen Namen an?«

Steven zögerte, warf einen raschen Blick zum Führerhaus und zuckte die Achseln. »Ihr habt ihn ja erlebt«, sagte er und senkte dabei die Stimme. »Vielleicht wollte irgendjemand ihm einfach eins auswischen. Er ist nicht besonders beliebt im Theater.«

»Was ist er denn?«, fragte Peter. »Der Regisseur oder so?«

»Viel schlimmer, er ist der Buchhalter.« Steven grinste schief. »Derjenige, der uns den Lohn kürzt, wenn mal irgendwas kaputtgeht.« Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. »So, ich muss los. Nochmal danke für die Hilfe, Jungs.«

Er stieg ins Führerhaus.

»Na endlich!«, ranzte Mr Pritchard ihn an, noch bevor er die Tür schließen konnte. »Ich bezahle Sie nicht fürs Quatschen und Faulenzen, klar? Und jetzt fahren Sie endlich los!«

Peter fuhr den Lastwagen zur Seite. Steven gab Gas, und der Lieferwagen rollte davon.

Justus stand am Tor, schaute ihm nach und knetete seine Unterlippe. Als Peter den Lkw geparkt hatte und zu ihm und Bob zurückkam, sagte der Erste Detektiv: »Wisst ihr was? Ich finde, wir sollten mal wieder etwas für die Kultur tun. Wir sind schon seit Ewigkeiten nicht mehr im Theater gewesen.«

Das Stadttheater

Als Steven am nächsten Morgen die Kulissen abholte, waren die drei ??? in der Schule, und als Justus am Nachmittag nach Hause kam, teilte ihm sein Onkel kurz und verärgert mit, dass man sich über die zerbrochene Kulisse geeinigt hatte. Mr Pritchard würde fünfzig Dollar vom ursprünglichen Kaufpreis einbehalten. »Und beim nächsten Mal, wenn ihr etwas kaputtmacht, sagt ihr mir gefälligst sofort Bescheid, bevor ich wie ein Trottel vor dem Kunden stehe!«

»Es tut mir leid, Onkel Titus«, sagte Justus zerknirscht. »Wir bezahlen dir die fünfzig Dollar. In unserer Notfallkasse –«

»Ach was«, sagte Titus Jonas unwirsch. »Es geht mir nicht um das Geld. Es geht mir nur darum, dass ihr Bescheid sagt!«

Justus gelobte Besserung, sortierte zum Zeichen seines guten Willens noch dreiundzwanzig alte Uhren und nahm sechs davon zum Reparieren mit in seine Freiluftwerkstatt. Dort trafen ihn Peter und Bob, als sie durch den geheimen Eingang im Bretterzaun des Geländes schlüpften.

»Hallo, Justus«, sagte Peter und betrachtete neugierig die zerlegten Uhren. »Was ist das? Ein neuer Fall?«

»Nur ein Fall von tätiger Reue. Onkel Titus war ziemlich sauer über die zerbrochene Kulisse.«

»Tut mir leid«, meinte Peter. »Reparierst du sie? Soll ich das übernehmen?«

»Lieber nicht«, sagte Justus. »Ich würde dir ohne Zögern mein Auto überlassen, wenn ich mal wieder eins hätte, aber das mit den Uhren mache ich lieber selbst. Aber du könntest einen anderen Beitrag zur Wiedergutmachung leisten und die Hamburger holen, die Tante Mathilda gerade eben für uns gemacht hat. Bob, was hast du über das Stadttheater erfahren?«

»Das erzähle ich, sobald Peter zurückkommt.«

Kurze Zeit später hockten die drei ??? auf den uralten Hockern in der Werkstatt und gönnten sich ein zweites Mittagessen, und Bob erzählte, was er herausgefunden hatte.

»Das Stadttheater von Rocky Beach wurde 1921 gebaut und während seines Bestehens sowohl für Theater- als auch Filmvorführungen genutzt. Es hatte aber nie so richtig Erfolg, weil die großen Stars lieber das prunkvollere Los Angeles Theater in der Stadt für ihre Premieren nutzten. Nachdem die Glanzzeit des Hollywoodfilms zu Ende gegangen war, fanden nur noch lokale Theateraufführungen statt. Dann hörte selbst das auf, und das Theater stand jahrelang leer und wurde nur von einem Hausmeister betreut. In den letzten Jahren stand immer mal wieder in der Zeitung, dass es abgerissen und einem Bürohaus Platz machen sollte, aber irgendwie kam es nie dazu. Seit einiger Zeit wird es von einem ehrenamtlichen Theaterverein wieder instandgesetzt, und sie halten dort ihre Proben ab. Zu dieser Truppe gehört unser Mr Pritchard, er ist der Kassenwart des Vereins.«

»Und Steven? Oder dieser Arbeiter, der mit B anfängt?«

»Weiß ich nicht. Ich habe im Internet eine Homepage des Vereins gefunden, aber dort stehen nur Probentermine, ein paar Schauspieler und die Namen der Verantwortlichen – also Produktionsleitung, Regie, Leitung der Technik und so weiter. Ich habe die Namen und Termine aufgeschrieben.« Er wischte sich die fettigen Finger an einem Lappen ab, zog einen Zettel aus der Hosentasche und reichte ihn Justus. »Hier. Der Verein nennt sich ›Die Masken‹. Schön dramatisch, aber die Mitglieder und Schauspieler sind alle nur in ihrer Freizeit aktiv. Berufsschauspieler sind nicht dabei.«

»Klingt alles ganz legal«, meinte Peter. »Warum sollte jemand der Theatertruppe so einen blöden Streich spielen?«

»Wie Steven sagte: vielleicht möchte sich da jemand an Mr Pritchard rächen … wofür auch immer. Oder es war doch nur ein blöder Scherz – der uns allerdings gerade fünfzig Dollar gekostet hat.« Justus las den Zettel und steckte ihn ein. »Die nächste Probe ist heute Abend ab acht. Solche Proben sind oft auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich. Ich schlage vor, wir schauen sie uns mal an.«