Die drei ??? Kids, 11, Fluch des Goldes (drei Fragezeichen Kids) - Ulf Blanck - E-Book

Die drei ??? Kids, 11, Fluch des Goldes (drei Fragezeichen Kids) E-Book

Ulf Blanck

4,8
5,99 €

Beschreibung

In Rocky Beach bricht der Goldrausch aus. In den angrenzenden Bergen ist Gold gefunden worden und alle Anwohner plündern ihre Sparbücher, um die begehrten Schürfrechte zu kaufen. Die drei Detektive und Onkel Justus sind natürlich mit von der Partie. Doch die Goldsuche wird zu einem abenteuerlichen Unterfangen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 78

Bewertungen
4,8 (18 Bewertungen)
14
4
0
0
0



Die drei ???® Kids

Band 11

Fluch des Goldes

Erzählt von Ulf Blanck

Mit Illustrationen von Stefanie Wegner

KOSMOS

Umschlagillustration von Stefanie Wegner, Hamburg

Innenillustrationen von Stefanie Wegner

Umschlaggestaltung: Atelier Reichert, Stuttgart

Grundlayout: Friedhelm Steinen-Broo, eStudio Calamar

Unser gesamtes lieferbares Programm und viele

weitere Informationen zu unseren Büchern,

Spielen, Experimentierkästen, DVDs, Autoren und

Aktivitäten findest du unter kosmos.de

© 2016, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart

Alle Rechte vorbehalten

ISBN 978-3-440-15320-8

eBook-Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

Millionen

Justus Jonas lehnte sich zurück und wischte seinen Marmeladenmund am Ärmel ab.

»Muss das sein?«, schimpfte Tante Mathilda. »Erst mach ich euch allen Frühstück, und dann darf ich anschließend Essensreste aus den Hemden waschen. Wofür habe ich denn Servietten hingelegt?« Peter und Bob nahmen vor Schreck jeder schnell eine.

»Ihr braucht gar nicht so zu tun. Ihr beiden seid kein bisschen besser als Justus«, lächelte Tante Mathilda.

Die drei ??? saßen schon den ganzen Morgen im Schatten auf der Veranda. Sie hatten sich hier verabredet, um später mit Onkel Titus in die Stadt zu fahren.

»Wobei sollen wir dir eigentlich helfen?«, fragte Justus und trank den letzten Schluck Orangensaft. Onkel Titus blickte von seiner Zeitung auf. »Ich habe einen Auftrag direkt vom Bürgermeister. Die Stadt will, dass die alte Rathausuhr ausgewechselt wird. Das klapprige Uhrwerk macht wohl immer wieder Probleme. Jetzt kommt eine vollelektronische quarzgesteuerte Uhr an die gleiche Stelle.« Tante Mathilda war empört. »Schlimm ist das. Die Rathausuhr kenne ich noch aus meiner Kindheit. Alles, was nicht mehr richtig funktioniert, wird sofort weggeworfen. Wenn das so weitergeht, Titus, dann sind wir auch bald an der Reihe. Und überhaupt, wieso hast du denn gerade den Auftrag bekommen?«

»Ich soll nur die alte Uhr abbauen und entsorgen. Die kommt aber natürlich zu meinen Schrottspezialitäten in den Schuppen. Wäre gelacht, wenn ich den alten Wecker nicht wieder auf Vordermann bringen würde. Was denkst du, Mathilda, sollen wir die Uhr anschließend an unserem Dachgiebel festschrauben?« Onkel Titus strahlte bei dem Gedanken.

»Untersteh dich! Der ganze Schrottplatz ist schon voll mit deinen ›Spezialitäten‹. Wird Zeit, dass du mal etwas davon verkaufst, anstatt jeden Tag neuen Müll anzuschleppen!«

»Das ist kein Müll, das sind alles Wertstoffe. Irgendwann werden die Bodenschätze der Erde aufgebraucht sein. Dann sollst du mal sehen, wie die meinen sogenannten ›Schrottplatz‹ leer kaufen.«

Trotzig nahm er die Tageszeitung und hielt sie dicht vor sein Gesicht. Ein leichter Luftzug wehte unter der Veranda hindurch. Plötzlich sprang Onkel Titus auf und riss dabei den Tisch mit hoch. Teller klirrten zu Boden, und halbvolle Gläser mit Orangensaft ergossen sich über die Tischdecke.

»Ahhhhhhh…« Das war das Einzige, was er herausbrachte. Mit riesigen Sätzen sprang Onkel Titus auf dem Schrottplatzgelände umher. Immer wieder schlug er sich mit der Zeitung auf die Knie, und sein hochroter Kopf schien fast zu platzen.

Tante Mathilda starrte ihn fassungslos an. Atemlos kam ihr Mann zurück, zog einen kleinen Zettel aus seinem Portemonnaie und fiel ihr erschöpft in die Arme.

»Titus, was ist passiert? Hat dich eine Hornisse gestochen?« Endlich kam er zur Ruhe. Mit zittrigen Händen legte er den unscheinbaren Zettel auf den Tisch. »Wisst ihr, was das ist?« Alle schüttelten den Kopf. »Das hier vor mir ist ein Haufen Geld.«

»Dein Onkel ist verrückt geworden«, flüsterte Peter Shaw Justus ins Ohr.

»Ein Berg an Dollars. Mathilda bekommt eine neue Küche, ich kaufe mir eine Schrottpresse, und Justus wird später auf die Universität geschickt.« Tante Mathilda packte ihren Mann an der Schulter. »Nun sag schon, Titus! Was ist das da auf dem Tisch – oder hast du etwa einen Sonnenstich?«

Onkel Titus ließ sich viel Zeit mit seiner Antwort. Dann trocknete er mit einem Taschentuch seine schweißnasse Stirn. »Also, dies hier ist ein Lotterielos. Und auf diesem Los steht eine achtstellige Zahl.« Er machte eine lange Pause. Keiner wagte zu atmen. »Wie ihr weiter erkennen könnt, ist dies in meiner Hand eine Zeitung. Und wie es sich für eine gute Zeitung gehört, werden dort die Losnummern der Gewinner bekannt gegeben.«

»Du hast in der Lotterie gewonnen?«, schrie Justus dazwischen.

Onkel Titus riss die Arme hoch. »Und wie ich gewonnen habe. Eine Million Dollar.«

Seifenblasen

»Eine Million Dollar?«, wiederholte Tante Mathilda fassungslos. Justus Jonas stand der Mund offen. Ungläubig griff er nach dem Lotterielos. Doch in diesem Moment fegte ein heftiger Luftzug den kleinen Zettel vom Tisch.

»Festhalten!«, brüllte Onkel Titus – aber es war zu spät. Wie ein Blatt im Wind flatterte das Papier über den Schrottplatz. Peter sprang als Erster auf und jagte dem Los hinterher. Bob und Justus folgten ihm. Ein paar Mal hätte Peter den Zettel greifen können, doch immer wieder trug ihn ein Windstoß im letzten Moment fort. Es schien, als ob das Lotterielos sie ärgern wollte. Kreuz und quer wirbelte es über das Gelände.

Onkel Titus war verzweifelt. »Das darf doch nicht wahr sein. Da fliegt gerade eine Million Dollar vor meiner Nase in die Luft.« Plötzlich kam Bob Andrews mit einem Gartenschlauch in der Hand angelaufen. »Platz da! Ich hol die Kohle vom Himmel.«

Peter sah ihn verständnislos an. »Bist du verrückt geworden?«, keuchte er. Doch Bob war nicht zu bremsen. Er drehte das Ventil auf und richtete den Schlauch in den Himmel. »Wasser marsch!«, rief er wie ein Feuerwehrmann. Ein scharfer Strahl schoss in die Höhe und verteilte sich in der Luft wie ein Sommerregen. Einige Tropfen trafen das Lotterielos und drückten das nasse Blatt zu Boden. »Volltreffer!«, triumphierte Bob. Behutsam wurde das Millionenlos wieder zurück auf den Tisch gelegt.

Onkel Titus war glücklich. »1345457892. Die Losnummer hat sich in meinem Kopf eingeprägt. Als hätte ich gewusst, dass ich damit gewinnen würde.« Andächtig starrten alle auf den kleinen Zettel.

»Eine Million Dollar«, flüsterte Tante Mathilda ergriffen.

Währenddessen fiel Justus’ Blick auf die Tageszeitung. Die Gewinnnummer stand groß über einem Foto mit gestapelten Goldbarren geschrieben. »Hier steht aber 1345457982.«

Hastig verglichen alle die Losnummern. Onkel Titus’ Gesichtsfarbe wechselte von knallrot auf schneeweiß. »Oh, nein! Das gibt es nicht. Ich habe zwei Ziffern verdreht. Das Los ist wertlos wie ein Stück Klopapier.«

Der Traum von der Million zerplatzte wie eine Seifenblase. Minutenlang war es still.

Tante Mathilda fand zuerst die Worte wieder. Zögernd stand sie auf und räumte die Teller zusammen. »Millionen fallen eben nicht einfach so vom Himmel.«

Onkel Titus zerriss enttäuscht das Los. »Ich hätte es aber gern einmal selbst ausprobiert . Was soll’s, dann muss ich unser Geld wieder mit ehrlicher Arbeit verdienen. Jungs, auf uns wartet eine Rathausuhr!«

Sie zwängten sich zu viert auf den Vordersitz des alten Pick-ups und fuhren nach Rocky Beach.

»Kommt nicht zu spät zum Mittagessen!«, rief ihnen Tante Mathilda hinterher.

In der Stadt herrschte ein reges Treiben. Der Springbrunnen auf dem Marktplatz plätscherte fröhlich vor sich hin, und die alte Uhr am Rathaus stand seit Tagen auf genau zwölf. »In Rocky Beach steht anscheinend die Zeit still«, lachte Onkel Titus. »Bevor ich zum Bürgermeister gehe, muss ich schnell ein paar Besorgungen bei Porter für Tante Mathilda machen.«

Als sie aus dem Wagen stiegen, zeigte ihm Justus sein leeres Portemonnaie. »Kannst du uns nicht einen kleinen Vorschuss geben?« Die drei ??? sollten jeder fünf Dollar für ihre Hilfe erhalten. Onkel Titus schüttelte den Kopf. »Tut mir leid. Ich bekomme auch keinen Vorschuss. Erst die Arbeit, dann der Lohn.«

Vor Porters Geschäft hatte jemand einen grauen Maulesel neben den Fahrrädern festgebunden. Er war bepackt mit schweren Satteltaschen. Zwischen dem Gepäck steckte eine große Axt. Durstig trank das Tier aus einem Wassereimer.

Porter stand wie immer hinter dem Tresen und freute sich über jeden Kunden, der seinen kleinen Laden betrat. »Guten Morgen, Mister Jonas«, begrüßte er sie. »Sie haben ja gleich einen ganzen Kindergarten mitgebracht. Ich hoffe, die sollen helfen, die vielen Einkaufstüten zu tragen.« Dabei musste er so laut lachen, dass ihm der dicke Bleistift hinter seinem Ohr herausrutschte. Die drei ??? fanden das überhaupt nicht lustig.

Onkel Titus zog den Einkaufszettel von Tante Mathilda heraus und suchte die Ware zusammen. Für die Zeit war das Geschäft ungewöhnlich voll. An der Kasse bildete sich sogar ein kleine Schlange.

»Nur die Ruhe! Einer nach dem anderen – jeder wird bei mir das Geld los«, grinste Porter.

Ein alter Mann mit Vollbart legte seinen Einkaufskorb auf den Tresen. Er trug einen zerlöcherten langen Mantel und einen verbeulten Cowboyhut. Bei jeder Bewegung staubte es um ihn herum.

»Dem gehört garantiert der Esel vor der Tür«, flüsterte Justus. Gut gelaunt tippte Porter auf der Registrierkasse die Preise ein. »Das macht genau zwanzig Dollar und fünfundachtzig Cents.«

Nervös zog der Mann mit dem Hut einen dreckigen Lederbeutel aus dem Mantel. Dann holte er vorsichtig ein kleines Steinchen heraus, spuckte drauf und rieb es an seinem Ärmel blank.

»Sorry, Mister, kann ich auch hiermit zahlen? Ich habe im Moment nichts anderes.«

Das Steinchen auf dem Tresen schimmerte etwas, und der Glanz schien sich in Porters Augen widerzuspiegeln. Mit weit geöffnetem Mund hauchte er ein einziges Wort: »Gold…«

Goldrausch

So leise er das Wort auch aussprach – jeder im Geschäft hatte es gehört. Magisch angezogen kamen alle zum Tresen und betrachteten das wundersame Steinchen.

»Wo haben Sie das her?«, fragte Porter, ohne aufzublicken. Der bärtige Mann schien verwirrt. »Reicht es nicht? Tut mir leid, ich habe noch mehr davon. Entschuldigen Sie.«

Porter schüttelte den Kopf. »Nein, nein, das ist mehr als genug. Ich will nur wissen, wo Sie den Brocken gefunden haben.«