Die Eifelreise - Katharine Macquoid - E-Book

Die Eifelreise E-Book

Katharine Macquoid

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Beschreibung

Die Eifel vor 100 Jahren – auch damals schon ein Reiseziel für Gäste aus dem In- und Ausland. 'Das Land scheint wie geschaffen für wandernde Touristen, so viele saubere und komfortable Gasthöfe finden sich alle sechs oder acht Meilen, wo dann eine Übernachtung mit Frühstück für etwa zwei Mark zu haben ist.“ So beschreiben Katherine und Gilbert Macquoid 1895 die Landschaft, die sie gerade besucht hatten. Mit dem Zug, per Kutsche und zu Fuß waren sie durch die eigentliche Eifel und das rheinische Umland gereist. Ihre wichtigsten Stationen: Köln, Hillesheim, Gerolstein, Pelm, Lissingen, Birres-born, Mürlenbach, Kyllburg, Daun, Manderscheid, Eisenschmitt, Himmerod, Gillenfeld, Malberg, St. Thomas, Trier, Igel, Bullay, Bad Bertrich, Cochem, Moselkern, Burg Eltz, Münstermaifeld, Hatzenport, Koblenz, Andernach, Plaidt, Rauschermühle, Maria Laach, Tönisstein, Brohl, Köln, Kleve. 'Die Eifelreise' ist für uns Leser von heute eine reizvolle Zeitreise ins vorige Jahrhundert. Vieles scheint vertraut und bekannt – und dennoch sind auch die gewaltigen Veränderungen nicht zu übersehen. Geblieben aber sind die Freunde dieser Landschaft, die heute von der Eifel schwärmen wie Katherine und Gilbert Macquoid vor hundert Jahren, als sie mit ihrem Buch die englische Leserschaft für das Reiseziel in Deutschland begeistern wollten.

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Seitenzahl: 289

Veröffentlichungsjahr: 2011

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© 1995 2. Auflage 1996 eBook-Ausgabe 2011RHEIN-MOSEL-VERLAGBrandenburg 17, D-56867 Zell/Mosel Tel. 06542/5151, Fax 06542/61158 Alle Rechte vorbehalten ISBN: 978-3-89801-802-9

K. S. Macquoid und G.S. Macquoid

Die Eifelreise

Mit Zeichnungen von Thomas R. Macquoid Aus dem Englischen von Dr. Charlotte Houben

Titel der englischen Originalausgabe von 1896: IN THE VOLCANIC EIFEL Hutchinson & Co. London

RHEIN-MOSEL-VERLAG

Zurückgelegte Entfernungen: Meilen, km

Eisenbahn von Köln nach Hillesheim: 63,0; 101,4

Eisenbahn von Hillesheim nach Gerolstein: 6,0; 9,7

Kutsche von Gerolstein nach Pelm: 1,3; 2,0

Kutsche von Pelm nach Kasselburg: 0,5; 0,9

Kutsche von Gerolstein nach Lissingen: 1,3; 2,0

Kutsche von Lissingen nach Birresborn: 3,8; 6,0

Kutsche von Birresborn nach Mürlenbach: 2,5; 4,0

Eisenbahn von Mürlenbach nach Kyllburg: 8,0; 13,0

Kutsche von Gerolstein nach Daun: 13,5; 21,8

Kutsche von Daun zu den Kraterseen: 22,5; 4,0

Kutsche von Daun nach Manderscheid: 10,5; 17,0

Kutsche von Manderscheid zum Mosenberg: 3,0; 4,9

Kutsche von Manderscheid zum Horngraben: 2,5; 4,0

Kutsche von Manderscheid nach Neumühle: 3,0; 4,9

Kutsche von Manderscheid nach Himmerod: 7,0; 11,3

Kutsche von Manderscheid nach Gillenfeld: 6,0; 9,7

Kutsche von Gillenfeld zum Pulvermaar: 1,3; 2,0

Kutsche von Manderscheid nach Wittlich: 12,5; 20,0

Kutsche von Manderscheid nach Eisenschmitt: 7,5; 12,1

Kutsche von Eisenschmitt nach Kyllburg: 7,5; 12,1

Kutsche von Kyllburg nach Malberg: 1,0; 1,6

Kutsche von Kyllburg nach St. Thomas: 3,0; 4,9

Eisenbahn von Kyllburg nach Trier: 28,0; 45,0

Eisenbahn von Trier nach Igel: 7,0; 11,3

Eisenbahn von Trier nach Bullay: 32,5; 52,4

Kutsche von Bullay nach Bad Bertrich über Alf: 5,0; 8,0

Eisenbahn von Bullay nach Cochem: 6,5; 10,5

Eisenbahn von Cochem nach Moselkern: 10,5; 17,0

Kutsche von Moselkern zur Burg Eltz: 4,0; 6,4

Eisenbahn von Cochem nach Hatzenport: 14,0; 22,6

Kutsche von Hatzenport nach Münstermaifeld: 3,5; 5,6

Kutsche von Münstermaifeld zur Burg Eltz: 3,0; 4,6

Eisenbahn von Hatzenport nach Koblenz: 16; 25,8

Eisenbahn von Koblenz nach Andernach: 10,5; 17,0

Eisenbahn von Andernach nach Gerolstein: 58,5; 94,2

Eisenbahn von Andernach nach Plaidt: 4,0; 6,4

Kutsche von Plaidt zur Rauschermühle: 1,0; 1,6

Kutsche von Andernach nach Maria Laach: 9,0; 14,5

Kutsche von Maria Laach nach Tönisstein: 5,5; 8,9

Kutsche von Brohl nach Andernach: 4,5; 7,3

Eisenbahn von Andernach nach Köln: 46,0; 74,0

Die Eifelreise

Einführung

Years ago when we were in the Ardennes, some one said, »Now that you are so near, you should go on to the Volcanic Eifel.«

Vor Jahren, als wir in den Ardennen waren, sagte jemand: »Jetzt, da Sie so nahe sind, sollten Sie die Vulkaneifel besuchen.«

Wir wollten diesen Hinweis gern befolgen, aber unsere Zeit in den Ardennen war zu kurz bemessen, und obwohl die Landkarte uns zeigte, wie nah die beiden Regionen beieinander lagen, wußten wir doch, daß wir nicht einmal für einen flüchtigen Blick auf die Eifel Zeit haben würden, und so gaben wir widerstrebend den Gedanken auf. Heute bin ich sehr froh, daß wir das taten. Der Eifeldistrikt nahe den Luxemburger Ardennen ist, soweit wir das beurteilen konnten, mit der interessanten und schönen Vulkaneifel nicht zu vergleichen, ebenso wenig wie mit der mehr nördlich gelegenen Landschaft, der »Hohen Eifel«, die sich bis nach Remagen am Rhein erstreckt.

Immerhin, vergessen war der Vorschlag unserer Freunde nicht; ein Wunsch, die Eifel zu erkunden, brannte weiter in uns, und als wir herausfanden, daß wir keine genauere Information über diese Region erlangen konnten, daß nach unserem Wissen kein Buch geschrieben worden war, das in gemeinverständlicher Weise diesen Landstrich von Deutschland behandelte, daß eine Art Geheimnis ihn umgab, wandelten sich unsere Entdeckerwünsche in die Entschlossenheit, herauszufinden, ob die Eifel überhaupt einen Besuch wert war.

Einige Jahre vorher bat uns unsere Gastgeberin bei einem Gartenfest, mit einer ihrer Freundinnen zu sprechen, die in Deutschland gelebt hatte.

»Sie ist total begeistert« sagte unsere Gastgeberin, »von einem Dorf, von dem ich nie gehört habe; das würde, glaube ich, gerade Ihnen gefallen.« Als wir den Lobliedern der Freundin über Manderscheid »die Perle der Eifel« lauschten, wären wir am liebsten sofort auf unsere lang verschobene Reise gegangen; aber »der Mensch denkt....«, und erst im August 1895 konnte unser lang gehegter Vorsatz Wirklichkeit werden.

Unsere Reise in die Vulkaneifel ist nun nicht nur eine vollendete Tatsache, sondern sie bleibt ein leuchtender Punkt in unserer Erinnerung; und sollten einige unserer Leser, wenn sie unseren Fußspuren folgen, genau so wie wir bereichert werden durch gestärkte Gesundheit und Energie und den unerschöpflichen Schatz herrlicher Erinnerungen - dann werden wir sehr befriedigt sein, daß wir die Erfahrungen unserer Reise durch dies schöne vulkanische Land niedergeschrieben haben.

Wenige Leute scheinen zu wissen, wo die Eifel liegt; wenn wir davon sprechen, ist die erste Frage: «Wo liegt die Eifel?« Wenn man sie als Reisegebiet empfiehlt, sagt man am besten, daß sie zwischen dem Tal der »Rur« im Westen und dem Moseltal im Osten liegt, oder allgemeiner ausgedrückt, zwischen den Luxemburger Ardennen und dem Rhein zwischen Remagen und Koblenz, sowie der Mosel von Koblenz bis Trier.

Nördlich schließt sie das Ahrtal, das Brohltal und andere Plätze ein; im Süden reicht sie bis Trier. Dieser Südteil, der nördlich bis Gerolstein reicht, ist Vulkan- oder Vordereifel genannt. Und in diesem schönen Landstrich verbrachten wir die meiste Zeit. Wir kehrten durch einen Teil der Hocheifel zurück, und später einmal hoffen wir, diese wieder zu besuchen und über unsere Eindrücke vom Ahrtal und seiner Umgebung zu berichten.

Die Luft der Eifel ist besonders rein und erfrischend; das Wasser ist ausgezeichnet, denn das Land hat eine Fülle von Mineralquellen. Die vielen schäumenden Flüsse und die häufigen Kraterseen bieten Gelegenheit sowohl zum Fischen wie zum Baden. Das Land scheint wie geschaffen für wandernde Touristen, so viele saubere und komfortable Gasthöfe finden sich alle sechs oder acht Meilen, wo dann eine Übernachtung mit Frühstück für etwa zwei Mark zu haben ist. Zwischen den größeren Orten gibt es immer eine Eilpost oder eine Kutsche; mancherorts fährt auch die Eisenbahn, auf der man schweres Gepäck befördern lassen kann. Die Eifel-Eisenbahn führt jetzt von Euskirchen nach Trier, über Gerolstein und Kyllburg; und von Gerolstein aus ist es einfach, über St. Vith nach Aachen zu gelangen. Ebenso führt eine Strecke nach Andernach am Rhein über Daun.

Die Hauptmerkmale der Vordereifel sind, neben ihren vulkanischen Resten und Kraterseen, die schon erwähnten lieblichen Ströme und ihre Täler und die großartigen Wälder. Diese alle, nah beieinander, ergeben eine ununterbrochene Folge von herrlichen Landschaften und bilden einen ausgezeichneten Hintergrund für die Burgruinen, die mit ihren verschiedenen Traditionen in der Eifel allgegenwärtig zu sein scheinen.

Einige der erloschenen Vulkanhügel sind ziemlich hoch, von der Hohen Acht, fast zweitausendfünfhundert Fuß hoch, bei Adenau , bis zum Krufter Ofen nahe dem Laacher See, etwa fünfzehnhundert Fuß über Meereshöhe.

Die bedeutendsten Vulkangebiete des Landes befinden sich zwischen Birresborn nahe Gerolstein und dem Laacher See. Die Landschaft zeigt wundervolle Kraterformen; zwischen Daun und Hillesheim findet der Geologe überall Interessantes; in der Gegend um Kelberg und Adenau, in der Hohen Eifel, gibt es sonderbar geformte Massen von Basaltgestein; Trachyt und Phonolit sind dort ebenfalls zu finden. Ein wundervoller Lavastrom ist aus dem Krater der Falkenley nahe Bertrich geflossen und hat seinen Weg hinunter in das Üßtal gebahnt; dieser Lavastrom soll jünger sein als ein ähnlicher nahe bei Gerolstein; der Gerolsteiner Erguß beginnt an der Öffnung der Papenkaule, sein Weg kann den Abhang hinunter verfolgt werden, bis er das Bett der Kyll kreuzt. Vielleicht der bemerkenswerteste dieser einzigartigen Lavaströme ist im Horngraben zu sehen, nahe Manderscheid; er ist ein Erguß aus einem der Krater des Mosenberges.

Der berühmte deutsche Geologe Leopold von Buch schrieb 1820 von dieser Region: »Die Eifel hat nicht ihresgleichen in der Welt.« Charles Kingsley schrieb folgendes über Gerolstein, wohin er von Manderscheid gereist war: »Der wunderbarste Platz meines Lebens, und während der letzten drei Tage bin ich überwältigt von Staunen. Eingestürzte Berge, die grüne Seen inmitten von Getreideland bilden; Hügel, aufgetürmt zu den wildesten steilen Klippen, und zu Staub verglüht; Krater mit so vollkommenen Rändern, daß ihr Feuer noch vor kaum einem Jahr in ihnen hätte lodern können; Haufen von Schlacke und Asche zweitausendfünfhundert Fuß über Meereshöhe, auf denen nichts wachsen kann, so verbrannt sind sie; Lavaströme, die sich ins Tal ergießen, die Bäche austrocknen, wo sie sie treffen, und die dabei in Klippen aufschäumen und riesige Massen von Trachit weit in alle Vertiefungen ablagern; geheimnisvolle Mineralquellen, sprudelnd mit Kohlensäure, gleich am Straßenrand...«

Die wunderbare Reihe der erloschenen Vulkane scheint im Nordwesten am Goldberg zu beginnen; sie streicht quer über das Land bis nach Bertrich im Nordosten; eine Bergkette, nur durchbrochen durch das Tal der Kyll nahe Gerolstein, durch das Liesertal bei Daun und Manderscheid, durch die Täler der Alf und Üß bei Bertrich. Inmitten dieser Hügel sind die Krater des Goldberg, der Papenkaule, Kalmberg, Dolmberg, Erresberg oder Erensberg, Mosenberg, Mäuseberg, Falkenley und viele andere. Dieser hügelige Bezirk ist das Hauptgebiet der Vulkaneifel.

Die höchsten Eifelhügel liegen in der Ostkette der Hohen Eifel, einer Region, die den Laacher See einschließt. Es sind die Nürburg, die Hohe Acht, Aremberg und Landskron.

Der Rodderberg ist der nördlichste Vulkankrater, er liegt zwischen Rolandseck und Mehlem am Rhein.

Die Kraterseen, wie sie genannt werden, sind besonders interessant, liegen aber, wie man sagt, nicht alle in Krateröffnungen. Der größte und schönste von ihnen ist der Laacher See, nahe Andernach, und dieser füllt kein Kraterbecken; die drei Kraterseen von Daun, gebildet zwischen den Höhen des Mäusebergs, sind die interessantesten. Das Pulvermaar, nahe Gillenfeld, das nächstgroße nach dem Laacher See, ist voll von Hechten und Flußkrebsen und wird viel von Wildvögeln besucht; ein anderer See nahe Gillenfeld, ein kleiner, mit dem Namen Holzmaar, soll ebenfalls viele Fische führen.

Überall gibt es wunderschöne Wälder, wie Seen von winkendem Waldesgrün, und in ihnen sind Laubbäume fast so häufig wie die hohen düsteren Fichten. Wildblumen und Farne, manche von seltener Art, findet man häufig, besonders bei Gerolstein und Manderscheid; ihre strahlende Üppigkeit steht in starkem Kontrast zu den unheimlichen Vulkanen und den Massen von Ablagerungen, die in fantastischen Formen aus einem gebrochenen Kraterrand hervorragen, und zu den zerstörten Burgen, die oft die einst glühenden Hügel krönen.

Viele dieser Burgen stammen aus alter Zeit; bei manchen ist der Ursprung unbekannt. So große Teile des Landes sind entweder bewaldet oder bebaut, daß man sich nur schwer das Chaos vorstellen kann, das in der Eifel herrschte, als die Vulkane hier flammten.

In den rauheren Landesteilen, wo der Boden nicht mit Lava oder Asche bedeckt ist, ist es schieferig, und das macht das Klettern außerhalb der gebahnten Wege ziemlich unsicher und gefährlich. Die Einwohner sind Deutsche und zwar meistens römisch-katholisch; wo immer wir hingingen, fanden wir sie freundlich gesonnen und gefällig und einigermaßen sauber.

Die Luft erschien wunderbar heilkräftig und war das auch für uns, selbst in dem sehr heißen Sommerwetter im letzten Jahr. Überall in der Vulkaneifel sind die Pensionskosten in den Hotels selten höher als drei Mark fünfzig pro Tag für Bett, Verpflegung und alle Extras außer besonderer Bedienung.

Die beste und die schnellste Route in die Eifel führt über Harwich und Hook van Holland, Köln und Euskirchen nach Hillesheim oder Gerolstein. Der Reisende, der mit der Hohen Eifel beginnen will, spart Zeit, wenn er über Harwich und Hook nach Köln und Remagen und dann durch das Ahrtal per Eisenbahn nach Adenau reist; oder er kann von Köln nach Andernach fahren, und von da mit der Eisenbahn über Mayen und Ulmen nach Daun und Gerolstein: von Daun aus kann er zu Fuß oder mit dem Wagen nach Manderscheid gelangen. Die Dampfer nach Hook van Holland sind sehr schöne und ausgezeichnet ausgerüstete Schiffe; sie verlassen Harwich um 10 Uhr abends, und der Reisende erreicht Köln am nächsten Tag fünf Minuten nach zwölf Uhr mittags.

Die Legenden haben wir hauptsächlich einer Sagensammlung der Eifel von P. Stolz entnommen, der sie »von den Lippen der Leute« gesammelt hat.

2. Kapitel

Köln - Gerolstein - Kasselburg

The day we left England for Germany we wondered whether we should find the, to us, new route by The Hook of Holland as pleasant as our old and tried way from Harwich to Rotterdam.

Am Tage, als wir England auf dem Weg nach Deutschland verließen, fragten wir uns, ob wir die für uns neue Route über Hoek van Holland ebenso angenehm finden würden, wie unseren alten und erprobten Weg von Harwich nach Rotterdam. Aber als wir in Hoek v.H. drei Stunden früher an Land kamen, als wenn wir bis Rotterdam auf dem Dampfer geblieben wären, fanden wir die neue Route wundervoll. Es gab ausgezeichneten Kaffee am Buffet am Kai, und wir bestellten einen Lunchkorb für uns in Kleve. Wir hatten eine so glänzende Passage gehabt und fühlten uns so frisch, daß meine beiden Begleiter nach dem Frühstück zu unserem schönen Dampfer, der »Amsterdam«, zurückgingen, um sie bei Tageslicht besser in Augenschein nehmen zu können, als es am vorhergehenden Abend am Parkestone - Kai möglich gewesen war; sie kamen ganz begeistert zurück über all das, was sie gesehen hatten; dann nahmen wir unsere Plätze im Zug nach Köln ein. Es war interessant, so früh am Morgen durch Rotterdam zu fahren - von unserem erhöhten Standpunkt aus konnten wir das Innere des einen oder anderen Hauses erspähen. Das blitzsaubere Aussehen der Häuser bestätigte unseren früheren angenehmen Eindruck der malerischen alten Stadt. In Kleve brachte man einen ausgezeichneten warmen Lunch zu unserem Waggon, und wir rollten gerade um zwei Uhr - deutscher Zeit - in das großartige alte Köln. Das war Anfang August im vorigen Jahr; heute fährt man schneller und erreicht die altertümliche Stadt um zwölf Uhr fünf Minuten. Wir fanden das Hotel Ernst am Dom so bequem und erholsam, daß wir dort länger als geplant blieben; wir hätten in etwas mehr als drei Stunden über Euskirchen nach Gerolstein weiterreisen können.

Dieses Mal waren wir geneigt, mehr von Köln zu sehen, denn bisher waren wir nur hindurchgeeilt. Es fiel uns nicht leicht, uns der Anziehungskraft der prächtigen Kathedrale soweit zu entziehen, daß wir die vielen anderen eigenartigen Kirchen und interessanten Gebäude besichtigen konnten; jedes Mal, wenn wir in den Dom gingen, erschien er uns großartiger und eindrucksvoller. Seine Vollendung hat sich lange hingezogen, aber er ist ein Meisterstück geworden. Der Anblick der Kathedrale vom Fluß aus im Abendlicht ist sehr eindrucksvoll.

Das Rathaus von Köln ist wohl einen Besuch wert, ebenso wie verschiedene der Kirchen; eine Seite des interessanten alten Rathauses grenzt an den Altermarkt. Der Markt war, als wir ihn sahen, dicht gefüllt mit Ständen für Früchte, Gemüse, Geflügel und andere Landesprodukte; die Stände standen rund um den eindrucksvollen Brunnen; dieser ist gekrönt von der ritterlichen und romantischen Figur des tapferen Jan von Werth, eines der Helden des Dreißigjährigen Krieges. Obst- und Gemüsestände erstreckten sich die Straße hinunter, und wir sahen einige amüsante Auseinandersetzungen zwischen Käufern und Verkäufern. Der schöne alte Hansasaal und andere Räume im Rathaus sind sehr interessant, der luftige und malerische Rathausturm stammt aus dem Jahr 1407, aber der Hansasaal ist noch älter; man sagt, daß das erste Treffen der Hanse hier am 19. November 1367 abgehalten wurde. Durch die Restaurierung in den letzten dreißig Jahren hat der Hansasaal nun ein ziemlich neues Erscheinungsbild.

Köln am Rhein

In der Sternenstraße liegt ein interessantes Haus, nahe der St. Peterskirche; lange Zeit hielt man es für den Geburtsort von Rubens; in Wirklichkeit wurde er in Siegen in Westfalen geboren, während des Exils seiner Eltern von Antwerpen. Es scheint aber sicher, daß Maria von Medici in diesem Haus 1642 verstarb. Als wir in den Mittelflur kamen, sahen wir im Raum zur Linken ein schönes Deckengemälde; aber das Haus ist heruntergekommen; zur Zeit wird es als Café und Bierausschank genutzt. Es ist bedauerlich, daß die Obrigkeit ein so bemerkenswertes Haus nicht aus seiner jetzigen Entwürdigung errettet.

In der Komödienstraße wurden wir Zeugen des typisch deutschen militärischen - sagen wir - Selbstbewußtseins. Ein Soldat fuhr mit einem Lastkarren vor die Kaserne und hielt auf den Straßenbahnschienen. Er begann Pakete an einen anderen Mann zu übergeben, der sie in das Gebäude brachte. Im nächsten Augenblick klingelte die Straßenbahn heftig, damit die Strecke frei gemacht wurde. Die Bahn voller Fahrgäste kam angefahren, und wir sahen zu, in der Erwartung, daß der Soldat seinen Wagen aus dem Weg fahren würde. Er achtete auf nichts, sondern fuhr bedächtig fort, seine Pakete auszuladen, zur Entrüstung und Empörung der Leute in der Bahn. Der Fahrer und der Schaffner schienen kaum einen Einwand zu versuchen, aber eine Anzahl der Fahrgäste stieg aus und ging zu Fuß weiter. Schließlich beendete der Soldat seine Arbeit und fuhr langsam davon. Dies war nicht das erste Mal, daß wir sahen, wie im »Vaterland« Soldaten den Zivilisten Verachtung und Unhöflichkeit zeigten.

Die Domtürme kann man von einer Ecke der Komödienstraße aus sehr gut sehen. Wir besichtigten auch die Neustadt, auf welche die Kölner so stolz zu sein scheinen; aber wir konnten vieles Sehenswerte nicht besichtigen, es zog uns fort in die Eifel.

Bei Kall, neununddreißig und eine halbe Meile von Köln, wurde das Land interessant und hatte etwas Eifel-Charakter, hügelig und stark bewaldet, mit gelegentlichen Durchblicken auf ferne Landstriche. Es ging ständig aufwärts auf der ganzen Fahrt nach Schmidtheim, das fast eintausend achthundert Fuß hoch liegt. Die letzte Station davor war Blankenheim. Dieser Name wurde uns vertraut, als wir mehr über die Eifel lernten; er ist mit der Geschichte und den Legenden des Landes so häufig verbunden. Das schöne alte Schloß von Blankenheim, jetzt eine Ruine, liegt einige Meilen von der Eisenbahnlinie entfernt und hat seinerzeit mancher schweren Belagerung widerstanden.

Die Spitzen des Kölner Doms

Es geht die Sage, daß im Mittelalter eine Familie von Heinzelmännchen dieses Schloß bewohnte und sich ganz ergeben dem regierenden Grafen und seiner Familie anschloß. Sie waren sehr klein; sie trugen graue Kleider und rote Kappen, und sie hatten die Kraft, sich unsichtbar zu machen, wenn sie nicht gesehen werden wollten oder ihrer Umgebung nicht trauten.

Graf Richard von Blankenheim nahm diese kleinen Bewohner seines Ahnenschlosses unter seinen besonderen Schutz; er ließ Essen für sie am Abend bereitstellen, und drohte, jeden sehr streng zu bestrafen, der die kleinen Leute störte. Der Graf hatte ein Kind, ein kleines Mädchen. Sophie und der Häuptling der Männchen waren gute Freunde; sie pflegten miteinander zu spielen, und was immer sie sich wünschte, sei es ein Vogel, ein Insekt oder sonst ein Naturprodukt, brachte ihr das Männchen jedes Mal; es schien, als ob er die Gedanken des süßen Kindes erriet, ehe es sie geäußert hatte.

Der Graf von Blankenheim war bekannt für seinen Reichtum und für seine Macht; da er aber ein friedlicher Mann war, hatte er wenig Feinde.

Eines Tages kam ein graubärtiger, gebrechlich wirkender Pilger zum Schloß, er war in ein langes kuttenähnliches Gewand gehüllt. Er bat um ein Abendessen und ein Nachtlager und sagte, er sei vor kurzem erst aus dem heiligen Land zurückgekehrt und sei von Hunger und Durst erschöpft.

Erzählungen aus dem heiligen Land waren damals sehr beliebt, besonders in so entlegenen Schlössern wie Blankenheim. Noch ehe der Pilger drei Tage im Schloß zugebracht hatte, war er der beliebteste Gesellschafter des Grafen geworden. Graf Rudolf saß lange über seinem Wein und hörte den wunderbaren Geschichten zu, die er erzählte. Der Fremde sagte, er sei ein Söldner gewesen, bis seine Wunden und seine Schwäche ihn gezwungen hatten, den Kriegsdienst aufzugeben; er mußte nun sein Leben durch Betteln fristen. Aber er konnte erzählen: von Belagerungen und den Schrecken, die dabei erduldet wurden, von Entkommen um Haaresbreite und verwegenen Taten, bis dem Grafen der Kopf brauste und seine Augen voll Zuneigung für den tapferen Kreuzfahrer leuchteten.

Der Pilger fand bald seinen Weg zum Kinderzimmer, wo ihn auch die kleine Sophie gleich freudig aufnahm; er wußte auch wunderbare Kindermärchen und hielt das Kind im begeisterten Zuhören fest. Wenn sie zur Antwort ihm etwas vorplapperte, konnte er ihre Hinweise auf ihre kleinen grauen Freunde nicht verstehen; denn obwohl Sophie ihr freundliches Männchen klar sehen konnte, blieben es und seine Brüder dem Pilger unsichtbar. Bis jetzt waren die grauen Männlein Sophies einzige Spielgefährten gewesen, und sie waren so eifersüchtig auf ihre Vorliebe für diesen neuen Genossen, daß sie den Pilger von Herzen verabscheuten.

Indessen lächelte der ehrwürdige Mann und sagte sich, daß das Kind ihm über die graugekleideten Freunde Kindermärchen erzählte.

Nach einiger Zeit machte der Graf eine Reise, und eines Tages während seiner Abwesenheit ließ das Kindermädchen der Kleinen seinen Schützling beim Spiel im Garten allein, während es zum Plaudern zu einem der Burschen im Schloßhof ging. Gleich fand der Pilger seinen Weg in den Garten; als er das Kind allein fand, fragte er es, ob es wohl Lust hätte, ein Stückchen mit ihm zu gehen; da würde es ein Geschenk finden, das er für es bereit habe.

»Ja ja,« rief das Kind freudig aus, »ich komme; zeig mir, wo es ist.«

Der Pilger hob Sophie auf und schlug seinen langen schleppenden Mantel um sie, so daß niemand vermuten konnte, was er da verborgen hatte.

Aber die Männchen paßten auf; versteckt bald hinter einer Rosenhecke, bald hinter einem Rosmarinbusch, hatten sie das Verhalten des Pilgers beobachtet; und sie ahnten seine Absicht; sie hatten ihn nie leiden können und mißtrauten ihm, und jetzt war ihre Gelegenheit gekommen.

»Seid flink; er darf den Garten nicht verlassen,« sagte der Häuptling zu seinen Mannen.

In einem Augenblick schwärmte die winzige Schar über Beine und Rücken des nichtsahnenden Pilgers. Er kämpfte heftig gegen seine unsichtbaren Angreifer; Sophie glitt ihm aus dem Arm und er fiel zu Boden. Er war durch seinen Fall so erschüttert und von unzähligen Rutenschlägen auf Gesicht und Kopf so geschlagen, daß er weder hören noch sehen konnte, während feine Stimmchen in seine Ohren kreischten »Dieb! Räuber! Jetzt haben wir dich erwischt!«

Der Mann versuchte vergeblich, sich zu befreien; aber so winzig die Hände waren, die ihn hielten, so zahllos waren sie, und sie hielten fest; sie plagten ihn, bis sie ihm die Perücke und den falschen Bart weggezogen hatten, und bis sie sein schleppendes Gewand zerrissen hatten und seinen Gürtel frei machten, der voller Waffen steckte.

Wenn auch die Männchen von ihrem Opfer nicht gesehen werden konnten, erreichte doch ihr Geschrei das Schloß, und verschiedene Hausleute und die Gräfin selbst rannten schnell herbei, um zu sehen, was da im Garten geschah. Die Gräfin war entgeistert von der Verwandlung, die vorgegangen war: der ehrwürdige Pilgrim war verschwunden, und an seiner Stelle sah sie einen übel aussehenden jungen Mann.

»Sophie! Wo bist du, Sophie?« rief sie.

»Ich bin hier,« und unter dem Schatten eines Lindenbaumes saß Sophie, die ihre Männchen immer sehen konnte, und weinte darüber, wie schlecht diese ihren Freund, den Pilger, behandelt hatten.

»Er sagte, er wolle mich mitnehmen,« schluchzte sie, »er sagte, er hätte ein Geschenk für mich, aber die grausamen kleinen Männchen haben ihm wehgetan.«

Da verstand die Gräfin die Verräterei ihres Gastes, und den guten Dienst, den die Männchen ihrem Kind getan hatten.

Sie ließ den Mann gefangen setzen, bis ihr Mann zurückkehrte.

Am nächsten Tag kam der Graf nach Hause; als sie alles berichteten, war er aufgeschreckt von der Gefahr, die seiner kleinen Tochter gedroht hatte, denn er erkannte in dem Gefangenen einen bekannten Räuber, der schon sein Land gebrandschatzt hatte. Er erriet, daß der Mann sich im Schloß eingeführt hatte, damit er die kleine Sophie stehlen könne, wegen des Lösegeldes, das ihm, wie er wußte, für sie geboten worden wäre.

Im Lauf der Zeit bekam der Räuber seine Strafe: den Galgen. Die Männlein wurden mehr als je geehrt; und als nach manchen Jahren das Geschlecht der Grafen erlosch und das Schloß von Blankenheim zerfiel, konnte man immer noch die Stimmen des kleinen Volkes weinen und klagen hören um den Tod ihres freundlichen Beschützers.

Hinter Schmidtheim senkt sich die Straße auf ihrem Weg nach Jünkerath; die Landschaft hier und etwa bis Hillesheim ist schön, und es lohnt sich, sie zu Fuß zu erkunden.

In Jünkerath gibt es eine Burgruine, in der, wie man sagt, niemals jemand gelebt hat; sie wurde durch einen Blitzschlag zerstört, als sie eben vollendet war. Es scheint, daß die Burg im Tal der Kyll (in das die Eisenbahnlinie hinter Dahlem eintritt) erbaut worden ist durch einen Grafen von Manderscheid und Blankenheim, einen Sproß des mächtigen Geschlechtes, dem anscheinend zu einer Zeit die ganze Eifel gehört hat.

Die Sage berichtet von diesem Grafen, daß er wenig Freude an seinem neu errichteten Bauwerk hatte. Er war sehr stolz darauf und lud Gäste aus allen Teilen des Landes ein, zu kommen und die Vollendung des Baues zu feiern. Ein glänzendes Gastmahl war vorbereitet, und alle Gäste wurden nach Herzenslust bewirtet. Solch eine großartige Festlichkeit war niemals zuvor in der Eifel gehalten worden. Die köstlichsten und teuersten Weine flossen reichlich und begannen bald bei den Trinkern zu wirken. Die neue Halle dröhnte von überschäumender Ausgelassenheit, Musik hallte durch die riesigen Räume, um die Halle und durch die Flure; die Tanzmusik schien die edlen Paare zum Verlassen des Gastmahls zu locken.

Leider waren die Gäste nicht zufrieden mit unschuldigen Vergnügungen; der so verschwenderisch ausgeschenkte Wein erhitzte sie, und die Fröhlichkeit artete schnell in wüstes Treiben aus: lüsterne Blicke wurden gewechselt, und mehr als ein Betrunkener wurde durch die Flure taumelnd gesehen; Appetit wurde zu Unmäßigkeit, und die Flut des goldenen Weines verwirrte die Gäste. Anstatt von der geziemenden Einweihung eines neuen Heimes verkündeten diese Szenen von Ausschweifung und Orgien nichts Gutes für die bisher unbewohnten Zimmer. So verrückt war die Laune der ungezügelten Gesellschaft, daß jeder Augenblick ihre völlige Unbeherrschtheit steigerte.

Plötzlich endete ihr Treiben. Ein fürchterlicher Blitzstrahl flammte durch die Halle, und dann krachte der Donner und rüttelte und spaltete die Burgmauern von oben bis unten. Für eine Weile verbarg schwarzer Rauch die brennenden Räume, dann lohten wilde rote Flammen auf und zerstörten bald das prächtige Bauwerk; nur Haufen verbrannter Trümmer blieben von der Burg Jünkerath und ihren wilden Zechern. Die Legende fügt hinzu: «Was Gott so offensichtlich bestraft und zerstört hat,wagt seitdem niemand wieder aufzubauen.« Die Ruinen bleiben; sie schweigen, aber sie sprechen eine deutliche Sprache.

Als nächstes kamen wir nach Hillesheim, die kleine Stadt soll nach der Kaiserin Helena genannt sein, der Mutter Konstantins des Großen, und liegt ein wenig vom Bahnhof entfernt. Hier scheint die Vulkaneifel zu beginnen, und man sagte uns, Hillesheim sei eine besonders heilkräftige Sommerfrische. Es wird »das Nizza der Eifel« genannt. Große Wälder umgeben es, und in der Nähe liegt ein mächtiger, vulkanischer Hügel, die »Kyller Höhe«, mit einem kleinen ausgetrockneten See; von oben hat man eine gute Sicht über die Vulkaneifel. Hinter Hillesheim wird die Landschaft mehr und mehr interessant, und die Kyll, zuerst ein winziger Strom, wird schnell breiter. Bald sahen wir rechts in der Höhe die malerischen Türme der Casselburg, (mehr als fünfzehnhundert Fuß über Meereshöhe), geschützt durch den benachbarten Buchenwald; links lag das Dorf Pelm. Nach wenigen Minuten erreichten wir unter den unheimlichen Klippen der Munterley den malerischen Bahnhof von Gerolstein, wo wir unsere erste Rast machen wollten.

Dieser Nachmittag ist uns unvergeßlich; es war kurz vor vier Uhr, die Hitze war stark, und da der Sonnenschein auf die ungeschützte Straße niederbrannte, waren wir bestürzt, als der Stationsvorsteher uns erzählte , daß wir - da wir keinen Wagen bestellt hatten - zu Fuß zu unserem Hotel laufen mußten.

Der braungebrannte Träger grinste. »Es ist nicht weit« sagte er ermutigend; schnell lud er unser Gepäck auf seinen schweren Handwagen und ging vor uns her.

Zuerst war die Straße eben, und bald kamen wir zu einer Pappelallee und einer Brücke über die Kyll, an der wir bisher entlang gegangen waren. Von der Brücke aus hatten wir eine sehr malerische Ansicht von Gerolstein, das steil den Hügel über der Kyll emporstieg; aber als der Träger auf unser Hotel zeigte, murrten wir, denn das Posthotel lag fast auf der höchsten Stelle. Hinter dem Bergvorsprung, auf den die Stadt gebaut ist, konnten wir weiter oben den Schloßberg mit der Burgruine sehen.

Wir drehten uns um und begannen langsam die steile Straße von Gerolstein emporzuklimmen. Rechts sahen wir malerische Hütten, vor ihnen lagen Reisigbündel und große Misthaufen; zu unserer Linken stand eine Hecke, aus der hier und da Bäume aufragten, und zwischen ihnen sahen wir die festungsartigen Klippen der Munterlei; noch weiter hinten zur Linken lag der fantastische Fels des Auberg, gekrönt von einer Fahnenstange; davor öffnete sich eine weite Landschaft, und am Fuße des Auberg eine grüne Masse; das war, wie wir erfuhren, die berühmte Linde, der altertümliche Lindenbaum von Gerolstein.

Wir sahen verschiedene, malerische Karren, jeder gezogen von einem Paar Ochsen unter dem Joch; sie hatten die Farbe des Jersey-Rindes und sanfte, große, braune Augen. Die Karren sahen zerbrechlich aus, waren aber offenbar stark genug, schwere Lasten von Steinen oder Holz zu tragen; wir sahen auch Kühe als Lasttiere.

Nahe bei unserem Hotel stand ein offener Schuppen, wo ein Hufschmied einen Ochsen beschlug. Das Tier war an die Pfosten des Schuppens geschnallt, so daß es sich während des Beschlagens nicht bewegen konnte, trotzdem versuchte es zu entkommen, und der Schmied wurde ärgerlich, fluchte und gab dem armen Vieh mehrere schwere Schläge, um es zu beruhigen. Ehe wir Gerolstein verließen, hatten wir ge- lernt, das Klink-Klink der Ochsen-Hufeisen auf den Pflastersteinen der Straße zu lieben.

Die Straße sah malerisch und wunderlich aus, aber ebenso sehr schmutzig. Neben den zahlreichen Misthaufen fand man da Berge von gespaltenem Holz und Bündel von Stöcken, und viele Hähne und Hennen tummelten sich dazwischen.

Der Hufschmied

Uns war das Posthotel empfohlen worden; wir fanden es erträglich sauber und die Leute höflich, aber ich glaube, wir hätten es im Hotel Heck bequemer gehabt. Allerdings ist die Lage der Post vorzuziehen. Die Schlafzimmer an der Rückseite des Hauses haben den Blick auf das reizende Kylltal.