Die Entdeckung Brasiliens - Pedro Álvares Cabral - E-Book

Die Entdeckung Brasiliens E-Book

Pedro Álvares Cabral

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Beschreibung

Pedro Álvares Cabrals Südatlantik-Expedition war eine logistische Meisterleistung. Aus diesem Grund scheint es aus der Sicht der heutigen Geschichtswissenschaft verwunderlich, die am 22. April 1500 gemachte Entdeckung der brasilianischen Küste einer Unterschätzung der Strömungsverhältnisse und damit dem Zufall zuschreiben zu müssen. Dennoch wurden Stimmen laut, die Cabral den Ruhm der "wahren" Entdeckung Brasiliens absprechen wollen, und meinen, dass das Land bereits damals, zumindest den Umrissen nach, kartiert gewesen sei. Eine finale Antwort auf diese Frage wird wohl niemand geben können. Die akribische Quellenrekonstruktion von Dr. Johannes Pögl bringt jedoch viel Licht ins Dunkel und macht den Leser auf spannende Weise mit einigen der frühesten und aufschlussreichsten Dokumenten der Entdeckungsgeschichte vertraut.

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Seitenzahl: 387

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Über den Autor

Pedro Álvares Cabral (um 1467 – ca. 1526) entstammte einem portugiesischen Adelsgeschlecht. 1478 wurde Cabral an den Hof des Königs berufen. Nachdem Vasco da Gama den Seeweg nach Indien entdeckt hatte, wurde Cabral zum Befehlshaber einer weiteren Indienexpedition ernannt. Nach seiner Rückkehr zog er sich auf sein Landgut in Santarém zurück, wo er zwischen 1520 und 1526 verstarb.

Dr. Johannes Pögl (geb. 1948) ist studierter Romanist und Geschichtswissenschaftler. Er arbeitet am Romanistischen Institut der Universität Salzburg. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist die Geschichte der portugiesischen Seefahrt.

Zum Buch

Vasco da Gama hatte durch die Entdeckung eines Seewegs nach Indien den Grundstein für eine Expansion portugiesischer Präsenz im Südatlantik gelegt. Und so wird dem jungen Adeligen Pedro Álvares Cabral unverzüglich der Auftrag erteilt, sich mit einer gut ausgerüsteten Kriegs- und Handelsflotte in Richtung Südatlantik zu begeben, um dort einen Gewürzhandelsweg aufzubauen. Doch als sich Cabrals Expedition am 22. April 1500 aus bis heute ungeklärten Gründen an der Küste eines unbekannten Landes wiederfindet, erfährt sein Unternehmen eine überraschende Wendung: Cabral hatte Brasilien erreicht.

Pedro Álvares Cabrals Südatlantik-Expedition war eine logistische Meisterleistung. Aus diesem Grund scheint es aus der Sicht der heutigen Geschichtswissenschaft verwunderlich, die Entdeckung der brasilianischen Küste einer Unterschätzung der Strömungsverhältnisse und damit dem Zufall zuschreiben zu müssen. Dennoch wurden Stimmen laut, die Cabral den Ruhm der „wahren“ Entdeckung Brasiliens absprechen wollen, und meinen, dass das Land bereits damals, zumindest den Umrissen nach, kartiert gewesen sei. Eine finale Antwort auf diese Frage wird wohl niemand geben können. Die akribische Quellenrekonstruktion von Dr. Johannes Pögl bringt jedoch viel Licht ins Dunkel und macht den Leser auf spannende Weise mit einigen der frühesten und aufschlussreichsten Dokumenten der Entdeckungsgeschichte vertraut.

DIE 100 BEDEUTENDSTEN ENTDECKER

Pedro Álvares Cabrai

PEDRO ÁLVAREZ CABRAL

DIE ENTDECKUNG BRASILIENS

AUF DER ATLANTIKFAHRT NACH INDIEN ZUR TERRA DA VERA CRUZ

1500 – 1501

HERAUSGEGEBEN VON JOHANNES PÖGL

MIT 18 ABBILDUNGEN UND 6 KARTEN

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

https://dnb.d-nb.de abrufbar.

Es ist nicht gestattet, Abbildungen und Texte dieses Buches zu scannen, in PCs oder auf CDs zu speichern oder mit Computern zu verändern oder einzeln oder zusammen mit anderen Bildvorlagen zu manipulieren, es sei denn mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.

Alle Rechte vorbehalten

Copyright © by marixverlag GmbH, Wiesbaden 2012

Der Text wurde behutsam revidiert

nach der Edition Erdmann Ausgabe Stuttgart und Wien, 1986

Lektorat: Dietmar Urmes, Bottrop

Covergestaltung: Nicole Ehlers, marixverlag GmbH

nach der Gestaltung von Nele Schütz Design, München

Bildnachweis: akg-images GmbH, Berlin/Erich Lessing

eBook-Bearbeitung: Bookwire GmbH, Frankfurt am Main

ISBN: 978-3-8438-0309-0

www.marixverlag.de/Edition_Erdmann

INHALT

Einführung

Dokumente

Die Ernennung des Pedro Álvares Cabral (genannt de Gouveia) zum Kapitän der Armada durch das königliche Dekret

Die nautischen Instruktionen

Berichte

Der Brief des Pêro Vaz de Caminha an König Dom Manuel von Portugal

Der Brief des Bakkalaureus Meister Johannes an König Dom Manuel

Die Fahrt des Kapitäns Pedro Álvares, beschrieben von einem portugiesischen Lotsen

Diplomatische Korrespondenz

Der Brief, den König Dom Manuel an den König von Calicut schrieb

Der Brief des Amerigo Vespucci an Lorenzo de’ Medici

Der Brief des Giovanni Matteo Cretico an die Signoria von Venedig

Die Briefe des Florentiners Bartolomeo Marchioni an die Stadt Florenz

Brief König Manuels an den König und die Königin von Kastilien

Aus den Berichten des Leonardo Ca’ Masser

Historiographische Texte

Aus dem Tagebuch des venezianischen Chronisten Girolamo Priuli

Aus dem Tagebuch des venezianischen Chronisten Marino Sanuto

Aus der »Ásia« des João de Barros

Anhang

Worterklärungen

Geographisches Glossar

Bibliographie

Bildnachweis

EINFÜHRUNG

Als im September des Jahres 1499 Vasco da Gama mit dem Flaggschiff seiner Flotte, der »São Gabriel«, in die Mündung des Tejo einfuhr, war die Nachricht vom Erfolg seiner einmaligen Entdeckungsfahrt bereits längst in aller Munde und der Jubel über diesen so glücklichen Abschluss der beinahe ein Jahrhundert zuvor begonnenen Suche nach einem Seeweg zu den Handelshäfen der westindischen Küste schon wieder verklungen. Auf der Rückfahrt von Indien hatte sich Nicolau Coelho, der Kapitän der »Bérrio«, vom Geschwader getrennt und war vorausgeeilt, um am 10. Juli desselbigen Jahres König Manuel I. von Portugal die Meldung von der Erreichung Indiens zu Schiff zu überbringen.

Die kleine, aus vier Schiffen bestehende Flotte Vasco da Gamas war am 8. Juli 1497 von Lissabon aus in See gestochen, hatte das Kap der Guten Hoffnung umrundet und gelangte nach einer ereignisreichen Fahrt entlang der afrikanischen Ostküste und über das Arabische Meer nach Calicut. Diese Stadt galt als Handelsmetropole des südlichen Vorderindiens und war schon von dem arabischen Weltreisenden und Geographen Ibn Battuta als eine der fünf bedeutendsten Welthafenstädte erwähnt worden. Als Hauptumschlagplatz für den Seehandel im nahöstlichen und südasiatischen Raum reichte ihre Ausstrahlung bis nach Ceylon, Hinterindien, Indonesien, den Molukken und sogar nach China. Welche Bedeutung dieser Stadt zukam, ließ sich bereits aus dem Titel ersehen, den der Fürst von Calicut führte; denn »Raja Samudrin« – von den Portugiesen zu »Samorim« verballhornt – bedeutete so viel wie »Herr des Meeres«.1

Mit der Eröffnung dieses Seewegs nach Indien und Ostasien um den afrikanischen Kontinent herum war ein jahrhundertealter Traum aller seefahrenden Nationen Westeuropas in Erfüllung gegangen. Doch der exzellente Nautiker Vasco da Gama, dessen Reise als eine der wenigen zur Gänze von Erfolg gekrönten Entdeckungsfahrten in der Geschichte der Seefahrt verzeichnet ist, hatte sich als ein schlechter Diplomat erwiesen und war bei dem Versuch, mit den Potentaten der indischen Küstenstaaten gewinnträchtige Handelsbeziehungen anzubahnen, gescheitert. Unerwartet schlecht war der Empfang, den man den Portugiesen in Calicut bereitete; arabische, jüdische und ägyptische Händler hatten seit Jahrhunderten das Monopol des Zwischenhandels mit Spezereien und Luxusartikeln aus dem Fernen Osten nach den Mittelmeerhäfen der Levante inne und nützten ihre machtvolle Position, um die Etablierung der unerwartet erschienenen Portugiesen als unliebsame Konkurrenten durch Störaktionen zu verhindern. Auch fehlte es Vasco da Gama an Tauschartikeln, die bei einem – wie sich alsbald zeigte – den Portugiesen kulturell überlegenen Volk, durch dessen Hände unschätzbare Werte gingen, Anklang gefunden hätten.

So war der große Entdecker gezwungen, seine Rückfahrt mit der Erkenntnis anzutreten, dass die Gewinnträchtigkeit derartiger Unternehmungen nur durch die Unterbrechung des traditionellen Handelswegs aus dem Fernen Osten nach den Häfen Alexandrias und Beiruts und die Verdrängung der Araber aus dem Indischen Ozean gesichert werden konnte.

Diese Erkenntnis und die von Da Gama irrtümlich verbreitete Falschmeldung, bei den Bewohnern der westindischen Küstenstaaten handle es sich um Christen, versetzten den portugiesischen Königshof und die Kaufmannschaft von Lissabon in neuerliche Aufbruchstimmung. Wenig Zeit war zu verlieren, da es galt, die Araber daran zu hindern, ihre durch die Ankunft der Portugiesen und deren Entdeckung eines neuen, weniger kostenträchtigen Handelswegs nach Westeuropa ins Wanken geratene Monopolstellung abzusichern und Vorbereitungen für die Verteidigung ihrer Handelsmacht zu treffen. Auch blieben nur noch wenige Monate bis zum nächsten März, der günstigsten Zeit für die Abfahrt einer weiteren Flotte, die die größte all derer sein sollte, die bisher auf dem Atlantik gesegelt waren.

Selten wurde eine Expedition dieser Art mit größerer Sorgfalt vorbereitet. Auf den Schiffswerften und in den Arsenalen Lissabons herrschte rege Betriebsamkeit, denn dreizehn Schiffe mussten innerhalb kurzer Zeit auf den Weg gebracht werden. Zu diesen zählten erstmals Karavellen, deren Lästigkeit jene der bisher auf den Erkundungsfahrten entlang der afrikanischen Küsten eingesetzten Schiffe bei Weitem übertraf. Man nannte diesen neuen Typ »caravela redonda«, runde Karavelle, da ihr hoher, breiter und bauchiger Bug sowie die riesigen, an Rahen befestigten und vom Wind aufgeblähten Segel diesen Eindruck hinterließen und sie von den niedrigen Galeeren der Mittelmeerschifffahrt und den zuvor nur mit Lateinsegeln ausgestatteten kleinen Karavellen unterschieden.

Auf dieser Flotte von dreizehn Schiffen2 sollten an die zwölfhundert Mann Dienst tun, zu deren Versorgung Ausrüstung und Proviant für einen Zeitraum von eineinhalb Jahren bereitzustellen waren. Die Auswahl dieser Mannschaft und ihrer Offiziere erfolgte mit größter Sorgfalt, und ihre Aufgaben waren klar umrissen.

Das Kommando über die Flotte hatte der König Pedro Álvares Cabral übertragen, einem jungen portugiesischen Edelmann, der zuvor weder zu Lande noch zu Wasser durch außergewöhnliche Taten hervorgetreten war. Aber er entstammte einer der angesehensten portugiesischen Adelsfamilien und schien daher dem mittelbaren Zweck der Expedition, den indischen Herrschern eine Vorstellung von der Größe und politischen Bedeutung des portugiesischen Königreiches zu vermitteln, durch staatsmännisches Auftreten und die Fähigkeit zur Prachtentfaltung zu entsprechen.

Auch die meisten der Kapitäne jener dreizehn Schiffe rekrutierten sich aus Angehörigen des portugiesischen Adels und verfügten nur zum Teil über die notwendigen nautischen Kenntnisse, da ihnen dieses Kommando von König Manuel allein aufgrund ihrer Verdienste zu Hofe übertragen worden war. Demzufolge lag das Schicksal der Flotte in den Händen der Lotsen und Navigatoren, die zu den besten des Landes zählten. Der fähigste Nautiker unter den Kapitänen war zweifellos Bartolomeu Dias, dem es 1488 als Erstem gelungen war, das Kap der Guten Hoffnung zu umsegeln, und der sein eigentliches Ziel, die indische Westküste, nur eines unglücklichen Zusammentreffens widriger Umstände wegen nicht zu erreichen vermochte. Aber auch Mitglieder der Flotte Da Gamas, wie der Schreiber João de Sá oder Nicolau Coelho, der Kapitän der »Bérrio«, nahmen an der Fahrt Cabrals teil, um ihre kurz zuvor erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen in den Dienst dieses neuen Unternehmens zu stellen. Als ein Novum galt die Anwesenheit eines Gelehrten an Bord der Indienfahrer, des Astronomen Meister Johannes, dem die Aufgabe zufiel, den Sternenhimmel des Südens zu erforschen und neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der Navigation praktisch zu erproben.

Die perfekte Organisation der Expedition zeigte sich in der präzisen Aufteilung der Kompetenzen der Führung und der Abstimmung der Flotte auf die ihr zugedachten Aufgaben. Im Gegensatz zur Fahrt Da Gamas, deren Hauptziel die weitere Erkundung des bis dahin nur ein Stück über das Kap der Guten Hoffnung hinaus bekannten Seewegs nach Indien gewesen war, hatte die Flotte Cabrals eine differenziertere Aufgabenstellung zu bewältigen. Wie bereits erwähnt, galt es, den kommerziellen Interessen Portugals in Indien, denen das Handelsmonopol der Erzfeinde des Landes – der Mauren von Mekka, wie die Araber auch genannt wurden – entgegenstand, mit allen zur Verfügung stehenden militärischen Kräften Geltung zu verschaffen. Hierbei vertraute man auf die Schlagkraft der portugiesischen Artillerie, die den von den arabischen Kauffahrern zudem nur selten geführten leichten Eisenbombarden an Feuerkraft weit überlegen war. Ein Teil der Flotte Cabrals dürfte daher aus schwer bestückten Kriegsschiffen bestanden haben, während der andere für die Beförderung der am Bestimmungsort zu erwerbenden wertvollen Gewürzladungen bestimmt war.

Die Anbahnung von Handelsbeziehungen, der Abschluss von Verträgen und die Organisation des Warenaustausches fielen in den Kompetenzbereich des Generalfaktors, der vom König gesonderte Instruktionen erhalten hatte und beauftragt war, in Calicut oder einem anderen Hafen der Malabar-Küste eine Faktorei einzurichten. Für die administrative Bewältigung dieser Aufgabe stand ihm ein umfangreicher Beamtenstab zur Seite. Dieses Amt des Faktors hatte Aires Correia inne, ein reicher Kaufherr aus Lissabon, der bereits für die Expedition Vasco da Gamas ein Schiff, die »Bérrio«, ausgerüstet hatte und der durch seine außergewöhnlichen Sprachkenntnisse für diese Aufgabe in besonderem Maße befähigt schien. Die von diesem Unternehmen zu erwartenden hohen Gewinne hatten auch bewirkt, dass nicht nur der König als Repräsentant des portugiesischen Reiches die Finanzierung der Fahrt übernommen hatte, sondern sich auch private Interessenten wie der Graf Dom Álvaro de Bragança und sogar ausländische Geschäftsleute beteiligten. So wurde das Schiff »Anunciada«, das als erstes von Indien zurückkehren sollte, von dem florentinischen Bankier Bartolomeo Marchioni und einigen seiner in Lissabon ansässigen Landsleute ausgerüstet.

An Bord der Flotte Cabrals, auf die die Bezeichnungen »armada«, Kriegsflotte, und »frota«, Kauffahrerflotte, in gleichem Maße zutrafen, befanden sich aber auch Mönche vom Orden des heiligen Franziskus und Geistliche, die zum Teil in Indien bleiben sollten und deren Aufgabe es war, den christlichen Glauben gemäß der Lehre der römisch-katholischen Kirche in Ländern zu verbreiten und zu festigen, von denen man zu wissen glaubte, dass sie von christlichen Potentaten regiert würden. Es entsprach den Intentionen und Gepflogenheiten der Entdeckernationen jener Zeit, den Völkern fremder Erdteile mit dem Kreuz in der einen und der Waage in der anderen Hand entgegenzutreten, und sie empfanden darin auch keinen Widerspruch, zumal die Waage – mehr noch als das Kreuz – ein Symbol des Friedens war.

Am 9. März des Jahres 1500 verließ Pedro Álvares Cabral mit seiner imposanten Flotte die Tejo-Mündung und nahm Kurs auf die Kanarischen Inseln. Seine Fahrt führte ihn auch vorbei am Kap São Vicente, dem Standort der Seeschule von Sagres. Von hier aus hatte der Infant Dom Henrique (1394–1460), der als Heinrich der Seefahrer in die Weltgeschichte eingehen sollte, fast achtzig Jahre zuvor begonnen, Schiffe nach der bis dahin unerforschten Westküste Afrikas auszusenden, mit dem utopisch anmutenden Ziel, diesen Kontinent, der sich nach den Vorstellungen der damaligen Zeit als riesige Landmasse weit nach Osten erstreckte und den Indischen Ozean wie einen Binnensee umschloss, zu umrunden.

Die Beweggründe dieses einmaligen Vorhabens, dessen Gelingen nicht nur zweifelhaft, sondern darüber hinaus auch in weiter Ferne zu liegen schien, waren vielfältiger Natur.

Die in Portugal bereits Mitte des 13. Jahrhunderts abgeschlossene Reconquista, d. h. die Verdrängung der Mauren aus diesem Reich, und der Fall der an der afrikanischen Nordküste gelegenen maurischen Stadt Ceuta im Jahre 1415 hatten in den Portugiesen das charismatische Selbstgefühl der Auserwählten erweckt, da sie glaubten, von Gott die Aufgabe erhalten zu haben, dem Islam eine endgültige Niederlage zu bereiten. Man besaß in Portugal zu diesem Zeitpunkt bereits Kenntnis von der Existenz christlicher Sekten in Indien und vermutete im Raum des heutigen Abessinien ein riesiges christliches Reich unter der Herrschaft des sagenumwobenen Priesters Johannes. Der Wunsch der Portugiesen, mit dieser vermeintlichen christlichen Macht ein Bündnis einzugehen und so die Mauren von zwei Seiten, in einer Art Zangenbewegung zu bedrängen, mag wohl eine der wichtigsten Triebfedern ihrer unermüdlichen, von bewundernswertem Forscherdrang und ungeheuerer Ausdauer zeugenden Vorstöße in den Südatlantik gewesen sein. Nicht zu übersehen sind jedoch auch wirtschaftliche Beweggründe, vor allem die durch die expandierende Macht der Türken im Mittelmeerraum und durch unerhört hohe Zölle infrage gestellte Versorgung Westeuropas mit Gewürzen und Luxusartikeln aus dem asiatischen Raum, die bislang über den Landweg nach den Levantehäfen gelangt waren.

Heinrich der Seefahrer und der um ihn versammelte Kreis erstrangiger Gelehrter aus ganz Europa wussten bereits, dass Autoren und Kosmographen der Antike die Umschiffbarkeit Afrikas angenommen hatten, sie besaßen aber auch nicht unbedeutende Informationen über den Raum der Sahara und des Sudan und dessen alte Verkehrswege, über die Waren aller Art nach der Nordküste Afrikas gelangten. Deren Ursprung vermutete man in jenen Gegenden, die man durch wiederholte Fahrten entlang der afrikanischen Westküste zu finden hoffte.

Stationen dieses mühsamen und – im Vergleich zu der für die Erkundung der noch verbleibenden Wegstrecke nach Indien benötigten Zeitspanne – langwierigen Vordringens bis an den Golf von Guinea waren die 1434 erfolgte Umseglung des Kap Bojador durch Gil Eanes, die Entdeckung des Senegal durch Nuno Tristão im Jahre 1444 und die Umrundung des Kap Verde, die 1454 Dinis Dias gelang.

Bereits zu diesem Zeitpunkt und noch zu Lebzeiten Heinrichs des Seefahrers ließ sich die ungeheure wirtschaftliche Bedeutung der Entdeckung dieser Gebiete erkennen, als man mit der Gründung von Niederlassungen an der Küste und mit der extensiven Ausbeutung des Hinterlandes begann. Gold von São Jorge da Mina, einem an der Küste Guineas gegründeten befestigten Stützpunkt, Elfenbein, Aschantipfeffer und Zucker begannen bald, wenn auch vorerst nur in geringem Maße, Portugal die Selbstversorgung mit diesen Gütern zu ermöglichen.

Aber schon war das endgültige Ziel des Unternehmens ins Auge gefasst: die Erreichung der indischen Westküste und ihrer Häfen auf dem Seeweg. Heinrich der Seefahrer selbst erfuhr noch durch seinen Vertrauten und Helfer Magister Jacobus, einen von der Insel Mallorca stammenden berühmten Kartographen und Hersteller astronomischer Instrumente, von der wahren Gestalt des afrikanischen Kontinents, nahm aber den Verlauf der Küste bis zum Kap der Guten Hoffnung als viel kürzer an, als er sich hernach auf den weiteren Fahrten in Richtung Süden herausstellte.

In den vierzig Jahren, die nach dem Tod Heinrichs des Seefahrers bis zur endgültigen Aufnahme des Schiffsverkehrs nach Indien noch verstreichen sollten, waren es so herausragende Nautiker wie Diogo Cão, Bartolomeu Dias und Vasco da Gama, die die Voraussetzungen hierzu schufen und jene Kenntnisse erlangten, ohne die derlei Fahrten undenkbar gewesen wären. Bartolomeu Dias hatte bereits 1488 das Kap der Guten Hoffnung – von ihm noch »Kap der Stürme« benannt – umsegelt, war aber durch seine meuternde Schiffsmannschaft an der Fortsetzung der Fahrt entlang der afrikanischen Ostküste gehindert und zur Umkehr gezwungen worden. Die von ihm auf dieser Expedition erworbenen Erfahrungen trugen wesentlich zum Gelingen der von 1497 bis 1499 dauernden und die lange Abfolge der portugiesischen Entdeckungsfahrten so erfolgreich beschließenden Seereise Vasco da Gamas bei.

Bartolomeu Dias war auf seiner mühevollen Fahrt entlang der afrikanischen Küste zu der Erkenntnis gelangt, dass diese Route wegen der dort gegebenen ungünstigen Segelbedingungen als zukünftiger Seeweg nach Indien kaum infrage kommen würde. Vielmehr konnten Hindernisse wie die Kalmenzonen, die den Äquatorbereich im Golf von Guinea kennzeichnen, häufig auftretende Stürme und Untiefen, die höchste Aufmerksamkeit und umständliche Umfahrungsmanöver erfordern, umgangen werden, indem man seinen Kurs weiter draußen, auf dem offenen Meer verfolgte, wo beständigere Winde zu erwarten waren. Dias wies Vasco da Gama auf diese Möglichkeit der Kurswahl hin und kann somit als »Vater der Hochseeroute« bezeichnet werden.

Dem von Pedro Álvares Cabral nach seiner Abreise von Lissabon gewählten Kurs lag nun diese Erfahrung Vasco da Gamas zugrunde, derzufolge die Wegstrecke von den Kapverdischen Inseln nach dem Kap der Guten Hoffnung weitaus mühe- und gefahrloser auf dem offenen Meer zu bewältigen war. Darum hielt sich die Flotte bereits auf ihrem Weg von den Kanarischen Inseln südwärts weitab von der Küste Afrikas. Nachdem man die Kapverdischen Inseln gesichtet hatte, verschwand eines Nachts das Schiff des Vasco de Ataíde und konnte trotz umfangreicher Suchmaßnahmen nicht mehr gefunden werden.

São Jorge da Mina

Was hierauf den weiteren Verlauf der Fahrt bestimmte, gehört zu einem der vielen Rätsel, die den mit der Entdeckungsgeschichte befassten Historikern aufgegeben und bis heute nicht endgültig gelöst wurden. Bisher war die Flotte einer den Lotsen von früheren Fahrten wohlbekannten Route gefolgt. Ab den Kapverdischen Inseln aber schien man, um den bereits erwähnten Kalmenzonen am Äquator auszuweichen, einen in Richtung Südwesten weisenden Kurs eingeschlagen zu haben, auf dem die Schiffe – vielleicht von Strömungen getrieben – nach einer Fahrtdauer von etwa einem Monat an die Küste des südamerikanischen Kontinents gelangten. Ohne sich der Nähe des Festlandes bewusst zu sein, folgte Cabral der Küste, bis am 22. April 1500 endgültig Land in Sicht kam. Brasilien war erreicht.

Die Frage, warum Cabral auf Südwestkurs gegangen war, nachdem er die Kapverdischen Inseln hinter sich gelassen hatte, wurde oft gestellt, doch niemals eindeutig beantwortet; auch die Zweifel darüber, ob er als erster Europäer dieses Land entdeckt und betreten habe, sind niemals verstummt. Zahlreiche Deutungsversuche wurden unternommen und sollen im Folgenden noch ausführlich erläutert werden.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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