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Von der Ablehnung eigener Kinder zum glücklichen Papa in nur 40 Wochen - ein Leitfaden, geschrieben vom Leben selbst. Die Phase der Schwangerschaft verändert nicht nur die weiblichen Wesen, diese Zeit ist auch die Transformation vom Mann zum Vater. Auf dieser Reise betreten wir wie ein großer Entdecker Neuland, das oft von Freude bestimmt ist, gelegentlich kurios, immer wieder eindrucksvoll und manchmal überfordernd ist. Jede einzelne dieser Wochen ist hier als Momentaufnahme festgehalten, mit allen Gedanken, Gefühlen und Erlebnissen, die das Papa werden mit sich bringen kann. Sei es der erste Besuch beim Frauenarzt oder die persönliche spirituelle Entwicklung, alles was kommt ist eine Chance für die eigene Entfaltung, um letztendlich diese Welt zu einem besseren Ort für unsere Kinder machen zu können. Die Entstehung des Papas - kein Ratgeber, sondern Inspiration aus Erkenntnissen einer wahrhaft existenziellen Reise.
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Seitenzahl: 92
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Für Noah
Willkommen. Willkommen bei dieser Reise, ein Ausflug, der einer der fundamentalsten der Menschheit ist. Es passiert öfter als vier Mal in der Sekunde, ca. 132.675.000-mal pro Jahr, dass ein Kind das Licht der Welt erblickt. Und doch ist jedes dieser Ereignisse einzigartig, jedes dieser Abenteuer hat seine eigene Geschichte, voller Emotionen, die uns wachsen lassen und auch an den Rand der Verzweiflung bringen. Es ist eine neue Begegnung mit dem Leben, die uns die unendliche Liebe deutlich offenbart, uns aber auch manchmal an unsere Grenzen stoßen lässt. Wenn wir es annehmen, beschenkt uns das Universum hier gleich doppelt – mit dem Wunder, das wir Leben nennen, einerseits. Und die Möglichkeit, die sich für uns an den Grenzen bietet – innerlicher Wachstum. So wie durch unser Zutun ein Kind das Licht der Welt erblicken wird, wird uns durch Selbsthingabe die Gelegenheit gegeben, unser wahres Selbst zu erkennen und wie der Phönix aus der Asche emporzusteigen.
All das ist das Wunderwerk des Lebens.
40 Wochen gibt uns die Natur durchschnittlich Zeit, um uns auf den neuen Erdenbürger vorzubereiten, um ihm oder ihr die Ankunft auf der Erde so harmonisch wie möglich zu gestalten. Auf die behagliche Zeit im Mutterleib folgt eine Phase der kalten Gegenwart mit eigenartigen Gesichtern, seltsamen Schauplätzen und merkwürdigen Traditionen. Wir Menschen haben oft schon die größten Schwierigkeiten damit, etwas Neues zu lernen, egal ob es sich dabei um das Erlernen einer Fremdsprache handelt oder das Bedienen des neuen Smartphones. Und jetzt stelle man sich vor, man hat nicht die geringste Ahnung von gar nichts – Sprechen, Gehen, menschliche Gepflogenheiten und noch so viel mehr. Das alles muss erst in einem jahrelangen Prozess erarbeitet werden, bei dem wir als Eltern die Chance haben, unsere Einfühlungsgabe unter Beweis zu stellen. Kein Kind ist wie das Andere, jedes hat seine eigene Gabe, die es in die Welt bringen möchte. Dazu gehört eine Individualität des Wesens, und wir sind dazu eingeladen, diese zu erforschen.
So können wir den anfangs winzigen Geschöpfen Weggefährten auf ihrem Weg zur Berufung, ihrer wahren Natur und ihrem Schöpfergeist sein. Auf ihre Bedürfnisse eingehen und ein wirklich persönlicher Elternteil werden. Und damit meine ich keine antiautoritäre Erziehung oder sonstige Konzepte, die es geben mag, das alles kann niemals eine Begleitung mit Präsenz für den Augenblick ersetzen.
Doch alles über den Haufen zu werfen, was man gelernt hat und auf das man selbst sein ganzes Leben, bewusst oder unbewusst, programmiert wurde, ist einfacher gesagt als getan. Tief in uns selbst ist das alles schon vorhanden. Eine Idee davon, welche Schritte die Menschheit setzen könnte, um den Garten Eden auf der Erde zu bewohnen. Und die größte Hoffnung für einen Paradigmenwechsel dieser Dimension sind die jetzt noch Kleinsten unter uns Menschen – unsere Kinder. Wir haben es mit ihnen in der Hand.
Wenn ich mich vor wenigen Jahren in einer Rolle so gar nicht gesehen habe, dann war das die des Papas. Nun, das Leben hatte, wie so oft, andere Zukunftspläne als meine vertrauten Ideologien. Denn genau dort findet Leben statt, beim Ende der eigenen Grundsätze, des Egos. Als ich vor fast 3 Jahren meine Freundin Astrid kenngelernt habe, lag schon eine kleine Revolution in mir in der Luft, aber dass diese Renovierung des Selbst so kraftvoll ausfällt, hätte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen können. Meine Freundin hat bei diesem Transformationsprozess eine entscheidende Rolle gespielt, dafür bin ich unermesslich dankbar. Es war ein Weg, der anfangs undurchschaubar war und erst mit der Zeit seine Bestimmung offenbart hat.
Es war und ist eine Reise, die mich mehr und mehr dort hinführt, wo ich ursprünglich schon war: bei mir selbst. Der Blick durch den Schleier, der sich im Laufe des Lebens entwickelt, lässt uns das aus den Augen verlieren. Die 40 Wochen, in denen ich Astrid durch die Schwangerschaft begleiten durfte, waren ein Weg für das Erblühen des Lebens. Eine neue Seele für die Welt, die in ihr herangereift ist, und die Entstehung einer Mama und eines Papas. Wie schon William Barclay gesagt hat: Im Leben des Menschen gibt es zwei bedeutende Tage – der Tag, an dem wir geboren wurden, und der Tag, an dem wir erkannt haben warum.
Es war ein harter Tag. Schlecht geschlafen, Stress in der Arbeit, Stau – irgendwie funktioniert heute nichts so richtig. Ich bin einfach nur froh, wenn ich daheim ankommen und auf der Couch liegen kann um wieder zu mir zu finden. Noch ein Blick aufs Smartphone, Astrid hat mir geschrieben. Ob ich nicht doch für eine halbe Stunde zu ihr kommen kann, sie möchte mir unbedingt etwas sagen, heute noch, unbedingt persönlich. Ich mache mich also auf den Weg, die Gedanken kreisen im Kopf, es muss wirklich etwas wichtiges sein, sonst ist das in den zwei Jahren, in den wir uns kennen, noch nie vorgekommen. Sie wird doch wohl nicht…
Während der 20-minütigen Autofahrt ahne ich es schon, aber vielleicht geht es doch um etwas anderes? Innerlich versuche ich mich auf alle Eventualitäten vorzubereiten, wohlwissend, dass es mich kurz nach Ankunft aus den Socken hauen wird.
Aus Sicherheitsgründen nehme ich also auf der weichen Couch Platz. Astrid ist sichtlich nervös und es hat den Anschein, dass dieser Tag nicht spurlos an ihr vorübergegangen ist. Ohne lange um den heißen Brei zu reden, frage ich gerade aus: „was ist los, bist du schwanger?“, noch mit einem Unterton, der vermuten lässt, dass ich diese Frage nicht ganz ernst meine. Stille. Ich schaue ihr in die Augen. Gewissheit. Bumm.
Was in diesen Sekunden in mir vorging, ist kaum in Worte zu fassen. Die menschliche Sprache ist für Gefühle dieser Art untauglich. Ein Feuerwerk der Sinne, es ist als ob man alle verfügbaren Emotionen in diesem Moment abruft, bis kurz danach aus Kapazitätsgründen alles aufhört und man einfach nur glücklich ist, einzigartig glücklich. Man möchte die ganze Welt umarmen, und beginnt bei diesem wunderbaren Menschen, der im Begriff ist, neues Leben in die Welt zu bringen.
Eine Umarmung, die an Warmherzigkeit kaum zu überbieten ist. Ein Gefühl von tiefer Verbundenheit, Liebe und Einheit. Gleichzeitig rasen Gedanken durch den Kopf, alle und keine. Alleine dieser Moment verändert alles. Eine Flut neuer Aufgaben bahnt sich an, mit denen man noch nicht mal ansatzweise in Berührung kam. Und dann ist da wieder die Liebe. Sie gibt die tiefe Überzeugung, was auch kommen mag, man wird jede Situation meistern, egal wie herausfordernd sie auch sein mag. Das muss doch der Schlüssel zu einem glücklichen Leben sein, denn genau dieses Gefühl nimmt einem die Angst, welche uns von einem erfüllten Dasein abhält.
Zwei verbrauchte Schwangerschaftstests haben sich also aussichtsreich gezeigt, doch kann man diesen Hochspannung erzeugenden Teilen zu 100% vertrauen? Um alle Unklarheiten zu beseitigen, soll sich das doch der Arzt mit Ultraschall einmal ansehen.
Die Anspannung und Vorfreude beherrschen den Tag. Auch wenn beide Schwangerschaftstests positiv waren, möchte man keine voreiligen Schlüsse ziehen. So sitze ich in der Arbeit, wenig produktiv, da meine Gedanken heute ganz wo anders sind. Zum Glück stehen heute keine Termine oder für das Unternehmen essenzielle Tätigkeiten an, da diese sonst mit großer Wahrscheinlichkeit in den Sand gesetzt würden. Um halb 4 besteht dann endlich Gewissheit. Nur die Zeit bis dorthin scheint sich in die Länge zu ziehen, dem Zeiger auf der Uhr scheint langsam der Sprit auszugehen, so langsam, wie er sich bewegt. Dann endlich ist es soweit, das alle 10 Minuten aufs Smartphone schauen hat ein Ende. Unser kleines Glück ist wohlauf. Wow. Ein neuerlicher Moment der Freude, der nicht zu beschreiben ist. Es ist als ob in diesem Augenblick alle Synapsen aktiv sind, die Neurotransmitter auf Hochtouren laufen und man die ganze Welt umarmen möchte.
Noch vor einem Jahr konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, ein Kind zu haben. Mehr noch, ich habe mich richtig dagegen gewehrt. Wenn nebenan an Kindergeburtstag stattfand, dachte ich nur, dass mir das hoffentlich erspart bleibt, es war ein fremdartiges Gefühl. Ich war mir auch ziemlich sicher, dass mich dieses Vater-Ding überfordern würde. Als hochsensibler Mensch sind die Aufnahmefilter anders ausgeprägt, man ist schnell überfordert mit dem Alltag, wenn man nicht gut auf sich Acht gibt. Und vor allem kleine Kinder weinen und schreien, das kann doch nicht zusammenpassen. Ohne es damals zu wissen, war meine größte Angst, dass ich dem Kind kein guter Vater sein könnte, der ständig überfordert ist, nicht bei sich
