Die Farben der Insel - Kristín Marja Baldursdóttir - E-Book
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Die Farben der Insel E-Book

Kristín Marja Baldursdóttir

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Beschreibung

Wenn Sie »Die Eismalerin« mochten, dann werden Sie »Die Farben der Insel« lieben! Die Fortsetzung der »Eismalerin« von Kristín Marja Baldursdóttir Die Malerin Karitas lebt allein und zurückgezogen in einem kleinen Dorf an der Küste. Ihre Kinder sieht sie nur selten, Sigmar, ihren Mann, fast gar nicht. Auch ihre künstlerische Karriere will nicht voranschreiten, zu unverständlich und düster wirken ihre Bilder auf die Dorfbevölkerung. Doch Anfang der fünfziger Jahre ändert sich die Lage. Karitas reist nach Paris, um dort neue Inspirationen für ihre Kunst zu erhalten. Zurück in Island findet sie endlich die Anerkennung, die sie verdient. Kann sie Sigmar jetzt auch an ihrem Leben teilhaben lassen?

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Seitenzahl: 896

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Kristín Marja Baldursdóttir

Die Farben der Insel

Roman

 

Aus dem Isländischen von Coletta Bürling

 

Über dieses Buch

 

 

In einem kleinen Dorf an der Küste Islands lebt die Künstlerin Karitas allein für ihre Arbeit. Ihren Mann Sigmar und die Kinder sieht sie selten. Die Dorfbevölkerung ist von der eigenbrötlerischen Malerin genauso irritiert, wie von ihren düsteren Bildern. Doch Karitas glaubt an ihr Talent und unternimmt eine Reise nach Paris, die ihr künstlerisches Schicksal und das ihrer Familie in neue Bahnen lenken wird.

 

 

Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de

Biografie

 

 

Kristín Marja Baldursdóttir ist eine der bekanntesten Schriftstellerinnen und Journalistinnen in Island. Im Fischer Taschenbuch Verlag sind lieferbar:

»Möwengelächter«, »Kühl graut der Morgen«, »Hinter fremden Türen«, »Die Eismalerin«, »Sterneneis«. Dieses Buch wurde für den »Nordic Council Literary Prize« nominiert. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Reykjavík.

 

 

Weitere Informationen, auch zu E-Book-Ausgaben, finden Sie bei www.fischerverlage.de

Impressum

 

 

Covergestaltung: bürosüd°, München

Coverabbildung: ©Ronya Galka / Trevillion Images

 

Erschienen bei FISCHER E-Book

 

Die isländische Originalausgabe erschien 2007 unter dem Titel »Óreida á striga« im Verlag Mál og Menning, Reykjavík.

© Kristín Marja Baldursdóttir 2007

 

Für die deutschsprachige Ausgabe:

© S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2009

 

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.

ISBN 978-3-10-402764-7

 

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Inhalt

[Danksagung]

I

Wallender Dampf versuchte

Karitas. Brunnen 1945. Öl auf Leinwand

»Besitzt du kein Foto

Karitas. Tassen 1945. Öl auf Leinwand

An manchen Morgen

Karitas. Hefte 1947. Montage

Das Chaos bedrängt mich,

Karitas. Haken 1947. Metall und Stoff auf Holz

Die Luft ist regengeschwängert.

Karitas. Mausefallen 1948. Montage auf Holz

Die Brandung ruft mich.

Karitas. Pinsel und Tuben 1949. Öl und Montage auf Holz

Stand ich am Anfang

Karitas. Pariser Tunnel 1949. Öl auf Leinwand

»Ich bin

Karitas. Pariser Dächer 1949. Öl auf Leinwand

Elena malte im Unterrock.

Karitas. Saiten 1949. Tinte und Aquarellfarben auf Papier

»Wussten Sie,

Karitas. Wäscherinnen 1950. Öl auf Leinwand

Wintermorgen

Karitas. Eishöhlen 1950. Öl auf Leinwand

Die lichtscheue Künstlerin

Karitas. Die Zweit 1951. Gemischte Technik

Das Kind

II

Weiße, unbewegliche Wolkenballen

Karitas. Kästen 1961. Aquarell

Ich fuhr mit

Karitas. Ständer 1961. Aquarell

Sie saßen

Karitas. Stimmen 1962. Montage

Der Wasserkocher glänzte so,

Karitas. Atemnot 1963. Gemischte Technik

Hermas Pelzmäntel,

Karitas. Schreie 1964. Montage

Er saß neben mir

Karitas. Selbstbildnis 1966. Öl auf Leinwand

Es kam mir so vor,

III

Die Stadt riecht

Karitas. Raben 1971. Aquarell

Herma war in eine

Karitas. Platz 1971. Aquarell

Ziemlich sauer stapften wir

Karitas. Pflastersteine 1971. Aquarell

In den zwanziger Jahren

Karitas. Türme 1971. Aquarell

Die Interaktion von Verkäufer

Karitas. Brücken 1971. Aquarell

An dem Morgen,

Karitas. Kinder in der Kommode 1974. Installation

»Komm, lass uns die Brandung ansehen«,

IV

Mir fiel zu jener Zeit

Karitas. Schneetreiben 1985. Öl auf Leinwand

Das Wasser.

Karitas. Ohne Titel 1999. Öl auf Leinwand

Mein Dank gilt der Psychologin Odette Belot in Paris und der Journalistin Elín Pálmadóttir in Reykjavík für ihre Auskünfte über das tägliche Leben in Paris in den vierziger und fünfziger Jahren.

I

Wallender Dampf versuchte aus der Küche auszubrechen, und drängte sich an die Fensterscheiben wie eine vollbusige Frau an einen schlanken Mann, aber es gelang ihm nicht. Ich hatte das Fenster zugemacht, denn ich wollte ein Bad nehmen und keine Zugluft haben. Als die Luft so heiß und feucht war, dass sich Wasserperlen auf Tisch und Stühlen bildeten, zog ich mich aus und stieg in den großen Holzzuber, den Frauen für die große Wäsche oder für die Kinder an Samstagen verwenden, er war viel zu klein für eine erwachsene Person. Aber wenn ich die Beine anzog und mich zusammenkauerte, hatte ich Platz genug. Wir haben immer Platz genug, wenn wir es richtig anstellen.

Wasser lässt Erinnerungen wach werden. Solange ich mich erinnere, habe ich auch die Kontrolle über die Vergangenheit.

Kontrolle über mein Leben. Kann es mir gestatten, von großer Helligkeit zu träumen.

Das Wasser und ich wurden eins, ich vergaß alles um mich herum, ich befand mich bereits weit im Süden und wurde von so starken Sonnenstrahlen umschmeichelt, dass ich mir die Hand vor die Augen halten musste; undeutlich sah ich die Fischerboote, die bei Sonnenaufgang in die Bucht hineinfuhren, schemenhaft sah ich die Schwalben, die zwischen den blühenden Bäumen unterhalb des weißen Hauses flogen, genau wie auf dem Bild, das ich in diesem ausländischen Buch gesehen hatte. Und ich hatte auch das Gefühl, als könnte ich den Duft von italienischem Waschpulver und frisch gebackenem Brot zum Frühstück riechen, ich war in meiner wunderschönen Welt, als es an der Haustür klopfte.

Und dann öffneten bereits diejenigen, die draußen standen, die Tür, sie warteten nicht darauf, dass sie hineingebeten wurden, so war es üblich, klopfen und dann gleich die Tür öffnen, in diesem Dorf schloss man das Haus nicht ab, nicht einmal nachts. Ich hörte, wie sie den Flur betraten, ich kannte ihre Stimmen und fragte mich, warum in aller Welt sie immer gerade dann zu Besuch kamen, wenn ich ein Bad nehmen wollte. Und dann standen sie auch schon mitten in der Küche und sagten: »Wie oft badest du eigentlich, Karitas?« Als sei ich ein unmündiges Kind, das man dauernd zurechtweisen müsse. Es schien ihnen aber andererseits vollkommen gleichgültig zu sein, dass ich in dem Zuber saß, deswegen kam mir gleich der Verdacht, dass ihnen etwas anderes und Wichtigeres auf dem Herzen lag. Sie waren gekommen, um mich um einen Gefallen zu bitten, und gaben sich deshalb alle Mühe, nett zu mir zu sein. Und genauso war es: Es ging darum, dass die Kulissen für die Weihnachtsaufführung gemalt werden mussten, und das konnte niemand besser als die Zeichenlehrerin an der Volksschule, die früher einmal in Kopenhagen studiert hatte. Ihretwegen durfte sie deshalb gern in ihrer Anwesenheit ein Bad nehmen.

Sie boten sogar an, mir beim Haarewaschen zu helfen, die eine massierte mir die Kopfhaut mit grüner Seife, während die andere heißes und kaltes Wasser mischte, um damit die Seife auszuspülen. Unterdessen schwadronierten sie über die Bühnendekoration, die Schwippschwägerinnen. Sie fragten allerdings, ob sie das Fenster einen Spalt öffnen dürften, um den Dampf hinauszulassen, damit sie einander erkennen konnten. Ich gestattete ihnen, dass sie sich ausgiebig an mir zu schaffen machten, ich hatte mich sowieso schon immer nach einem dienstbaren Hofstaat gesehnt.

Als ich ihnen erklärte, dass ich nur deshalb in den Badezuber gestiegen war, weil ich so gefroren hatte – was selbstverständlich eine Lüge war, denn ich hatte mich nur danach gesehnt, im heißen Wasser zu sitzen –, reagierten sie sofort, auf dieses Stichwort hatten sie augenscheinlich gewartet. Ihrer Meinung nach war meine Unterkunft unzumutbar, sie hätten mir ja auch schon wer weiß wie oft gesagt, dass dieses Haus im Winter eiskalt sei, sie könnten mir aber jetzt eine warme, gute Unterkunft im Dachgeschoss bei der Schwiegermutter besorgen, dort könne ich gleich nach Neujahr einziehen. Vorausgesetzt, dass ich die Kulissen für sie malen würde. Für mich gab es aber kaum etwas Langweiligeres, als Kulissen für den Laienschauspielverein zu malen. Ich entgegnete, ich würde hierbleiben wollen, das Wohnzimmer eigne sich hervorragend zum Malen, es sei das beste Atelier, das ich je gehabt hätte, es sei nur wichtig, im Kachelofen ordentlich einzuheizen.

Da verdüsterten sich ihre Mienen, sie spülten mir die Haare mit viel Gespritze aus und sagten, ich sei wirklich komisch, ich sei alleinstehend, bräuchte aber immer den meisten Platz: »Warum malst du nicht einfach kleine Bilder?«

»Ich habe Wohnungsprobleme gehabt, seit ich nach Eyrarbakki gekommen bin, ich hätte genauso gut in Reykjavík von einer Wohnung in die andere ziehen können«, sagte ich und stieg aus dem Zuber. Sie drehten rasch die Köpfe weg, schielten aber heimlich zu mir herüber, während ich mich abtrocknete, und fanden mich aber anscheinend zu mager, denn sie fragten mich mit Blick zur Decke, ob ich mir denn nichts zum Abendessen gekocht hätte, es röche ja gar nicht nach Essen. Als ich ihnen erklärte, dass ich keine Lust zum Kochen gehabt hätte, sagten sie, so etwas hätten sie sich schon gedacht, und zogen Mehlpüfferchen aus einer mitgebrachten Tüte. Denen schenkte ich aber keinerlei Beachtung, sondern ging in die Kammer, um mich anzuziehen. Sie spürten, dass ich nicht gut aufgelegt war, und versuchten deshalb, mich zu besänftigen, ihnen war viel daran gelegen, die Kulissen zu bekommen. Sie redeten laut miteinander, während ich mich ankleidete, versuchten die Wohnungsnot im Dorf zu entschuldigen, die aber auf jeden Fall geringer sei als in Reykjavík; daran war natürlich der Krieg schuld und das Militär: »Ja, stell dir vor, Karitas, hier gab es doch in den schlimmsten Zeiten vierzig- oder fünfzigtausend Soldaten, da gab es ganz einfach viel zu wenig Wohnungen, denn wir Isländer sind ja nur hundertdreißigtausend.« Als hätten diese Zahlen etwas mit der Wohnungssituation zu tun, ich wusste ganz genau, dass die Soldaten überall Nissenhütten für sich gebaut hatten. Die Schwippschwägerinnen gruselten sich wegen der Zustände in der Hauptstadt: »Die Leute strömen scharenweise in die Stadt und müssen da zu sechst in winzigen Kämmerchen hausen, manchmal noch nicht einmal mit einem Zugang zur Küche. Aber jetzt ist der Krieg ja Gott sei Dank vorbei, und Island ist eine Republik. Endlich sind wir selbständig.«

»Seit wann sind wir selbständig?«, fragte ich von der Tür aus, jetzt angezogen.

Sie waren einen Augenblick verwirrt, doch dann wechselten sie das Thema, denn schließlich ging es ja um etwas anderes und Wichtigeres als die Unabhängigkeit der Nation. Sie fingen an, über eigentlich bedeutungslose Dinge zu plaudern, und fragten in aller Unschuld, was ich mir denn da morgens am Brunnen gemacht hätte, sie hätten mich zufälligerweise vom Fenster aus gesehen: »War die Wasserleitung bei dir verstopft?« Da ich es jedoch schon seit langem leid war, für alles, was ich unternahm, Erklärungen abgeben zu müssen, deutete ich auf den Zuber und fragte: »Weshalb nehmt ihr nicht ein Fußbad?«

»Ein Fußbad?«, echoten die Schwippschwägerinnen erstaunt, und ich sagte: »Ja, ein Fußbad, sollte man nicht das warme Wasser nutzen?« »Wir möchten aber jetzt kein Fußbad nehmen«, meinten sie, aber als sie meine verdrossene Miene sahen, erinnerten sie sich an die Kulissen und zogen die Strümpfe aus. Ich wischte die Wassertropfen vom Tisch, setzte mich darauf und beobachtete die beiden Frauen beim Fußbad, während ich die Püfferchen verschlang. Sie hatten die Röcke bis zu den Oberschenkeln gelüftet und saßen einander schweigend gegenüber, unsicher wie Gefangene unter strenger Aufsicht. Was sie auch waren. Bis Sveina, vorsichtig und ohne die Blicke von ihren Schenkeln abzuwenden, fragte: »Hast du vielleicht schlechte Nachrichten von deinen Kindern erhalten?«

»Meine Jungen fühlen sich wohl bei meiner Mutter in Akureyri, und meiner Tochter könnte es bei meiner Schwester im Skagafjörður nicht besser gehen«, antwortete ich.

Damit waren sie erst einmal abgefertigt und mussten jetzt heftig und ausgiebig nachdenken, mit welcher Frage sie in ihren Nachforschungen bei mir weiterkommen würden. Sie bewegten die Zehen im Wasser im gleichen Takt, und dann war die Reihe an Ólafía: »Aber dein Ehemann, ist der nicht immer noch in Nordisland, und steht alles zum Besten mit ihm?«

»Der Ehemann ist in Nordisland und in Ostisland und überall, er kauft Schiffe und verkauft sie wieder, fährt über die Ozeane und hat eine gute Haushälterin, die für ihn kocht. Ich kann eure Kulissen nicht malen, denn ich habe vor, im nächsten Herbst eine Ausstellung in Reykjavík zu eröffnen, und bis dahin muss ich noch viele Bilder malen.«

Darauf waren sie offensichtlich nicht vorbereitet gewesen, sie zuckten zusammen, das Wasser spritzte ihnen bis in den Schritt. Sie fingen sich jedoch schnell wieder und warfen sich einen raschen Blick zu. Ólafía nahm die Sache jetzt in die Hand, sie war wohl nach jahrelangem Aufenthalt in einer dänischen Hauswirtschaftsschule der Ansicht, sich mit so etwas auszukennen, und sagte mit der Liebenswürdigkeit, die den Damen da im Ausland wohl beigebracht wird: »Das ist aber schön zu hören, endlich! Und du malst doch so wunderbar, die Leute reden immer noch über die Kulissen von vorigem Jahr. Aber dann brauchst du doch auch wärmere Räumlichkeiten, und das obere Stockwerk im Gemeindehaus ist hervorragend geeignet, mit all diesen Fenstern, die nach Süden zum hellen Meer gehen. Du könntest die ganze Etage für dich haben, und wenn wir im Frauenverein den Raum für Nähkurse oder für einen Leichenschmaus brauchen, kann man die Staffelei ja in das kleine Zimmer hinter der Küche stellen.« Und da Ólafía so gut in Fahrt gekommen war, fuhr Sveina eifrig fort: »Und wir sorgen dafür, dass du die Mansarde bei unserer Schwiegermutter gratis bekommst! Dort ist es mollig warm, das kann ich dir sagen, da wirst du es richtig gut haben.«

Das Wasser im Zuber war abgekühlt, aber sie wollten meine Vorfreude, die sie im Anmarsch wähnten, nicht beeinträchtigen, indem sie die Aufmerksamkeit auf ihre nackten Beine lenkten; sie rutschten ganz langsam auf ihren Hockern vor, zogen erst das eine Bein aus dem Wasser und wollten gerade das andere nachfolgen lassen, als ich befahl: »Nicht bewegen, ich muss meinen Skizzenblock holen.«

Sie würden sich nicht rühren, während ich zeichnete, das wusste ich, so etwas hatte ich schon oft erlebt. Die Menschen waren wie hypnotisiert, wenn ich sie zeichnete, als fürchteten sie, ich würde damit aufhören, wenn sie sich bewegten. Sie tun alles dafür, aufs Papier gebannt und damit unsterblich zu werden. Ich genoss es, sie mit einem Bein im Zuber auf dem Papier zu verewigen, während ich ihnen von der Ausstellung erzählte, die ich im Sommer in der Künstlergalerie in Reykjavík gesehen hatte. Sie sei der Anlass dafür gewesen, dass ich mich entschlossen hätte, selber eine Ausstellung zu organisieren, so könne es einfach nicht weitergehen. Eine solche Ausstellung müsse aber gut vorbereitet werden, ich würde Tag und Nacht malen müssen. Doch damit nicht genug, für jedes Bild mussten Rahmen gefertigt und ein Lieferwagen für den Transport organisiert werden, sobald ein guter Ausstellungsort gefunden worden wäre, und überdies musste auch ein Programmheft zusammengestellt werden.

Trotz ihrer steifen Rücken waren sie nicht auf den Kopf gefallen, Sveina unterbrach mich aufgeregt: »Mensch, du musst Ólafía das Programmheft für dich machen lassen, sie schreibt ja auch unsere Theaterprogrammhefte, und sie macht das immer so toll.« Trotz ihrer allseits bekannten Bescheidenheit tat sich Ólafía schwer damit, zu verheimlichen, wie stolz sie auf ihre Schreibkünste war, das hatte sich, wie sie wusste, bereits herumgesprochen: »Das dürfte gar kein Problem sein, ich brauche bloß einen kurzen Lebenslauf, um die Titel für die Werke wirst du dich wohl selber kümmern, nicht wahr, und wie war das noch in groben Zügen?« Und dann betete sie mein Leben, soweit sie es zu kennen glaubte, wie eine Litanei herunter: »Um die Jahrhundertwende in den Westfjorden geboren, aufgewachsen in Akureyri, studierte an der Kunstakademie in Kopenhagen, lebte eine Zeit lang im Borgarfjörður eystri und anschließend etliche Jahre im Öræfi-Bezirk, ist verheiratet mit, wie heißt er doch noch, Sigmar Hilmarsson, dem Reeder, und sie haben drei Kinder.« Sie machte eine Pause, um Atem zu holen, und ich konnte mich nicht beherrschen, was ich aber später bereute, denn man sollte nie zu viele Auskünfte über sich geben: »Sigmar und ich haben vier Kinder zusammen bekommen, aber eines starb im Säuglingsalter.«

Daraufhin folgte tiefes Schweigen, sie fummelten sich an den Haaren herum und trauten sich nicht, mich anzusehen, die verheiratete Frau ohne Ehemann, die Mutter ohne Kinder.

Sie wagten nicht, das zweite Bein aus dem Zuber zu befreien, sondern hockten krumm und mit gequälten Mienen da, solche Verrenkungen waren nichts für ihre Wirbelsäulen, und ich zeichnete sie, als seien sie gar nicht anwesend, sondern nur Fotografien von ihnen. Schließlich klappte ich den Skizzenblock zu, sah kurz zu ihnen hinüber und sagte, dass sie jetzt gehen könnten.

Froh über die wiedergewonnene Freiheit, trockneten sie sich hastig die Beine ab und wollten sich so schnell wie möglich davonmachen, bevor mir noch schlimmere Stellungen für sie einfielen, doch in ihrer Eile zogen sie die Strümpfe verkehrt herum an und konnten sich gerade noch stöhnend verabschieden, bevor sie zur Tür hinausrannten.

Wozu waren sie eigentlich gekommen?, fragte ich mich und konnte mich in dem Moment nicht mehr daran erinnern.

Karitas

Brunnen 1945

Öl auf Leinwand

Frauen ohne Kopf schießen aus dem Brunnen empor, ähnlich wie Lavabomben bei einer Eruption. Der Brunnen selbst schwebt im leeren Raum, als würde ihn der Wind davontragen wollen. Trotz der weichen und flexiblen Formen, die organisch anmuten, entsteht ein spannungsvoller Kontrast auf der Leinwand, wenn schwarze und weiße Farbe aufeinandertreffen. Der Wind hatte die Künstlerin nach Westen getragen, aber nicht ganz bis nach Reykjavík, wie sie ursprünglich vorgehabt hatte. Wegen der Wohnungsnot in Reykjavík während des Krieges entschied sie sich dafür, ihr Atelier in Eyrarbakki einzurichten, und dort bekam sie neben der Unterkunft auch die Stelle einer Zeichenlehrerin an der Volksschule.

Im Dorf gab es einen formschönen Brunnen, an dem ihr sehr viel lag, er war wie ein Denkmal des alten Island. Deshalb ist das Bild im Grunde genommen symbolisch, denn mit dem Ende des Krieges beginnt nicht nur ein ganz neuer Abschnitt in der Geschichte der Nation, sondern auch eine neue Epoche in der künstlerischen Entwicklung von Karitas. Sie selbst war ein Brunnen voller Ideen, und die große Helligkeit an der Südküste der Insel trug dazu bei, sie aus tiefer Finsternis hochzuhieven. Obwohl das Bild auf den ersten Blick eine Abstraktion zu sein scheint, sind der Brunnen und die Ideen, die aus ihm herausquellen, zugleich gegenständlich, und das macht dieses Werk noch provokativer. Doch das stille Wasser am Grunde des Brunnens war eiskalt, genau wie ihre Erinnerungen, die mit dem Brunnen verbunden waren.

»Besitzt du kein Foto von ihm?«, fragten Ólafía und Sveina an dem Abend, an dem wir so etwas wie Freundinnen wurden, und sie meinten damit ein Bild von meinem Ehemann Sigmar. Ich antwortete, dass ich kein Foto besäße, aber viele Zeichnungen, die mein Bruder Ólafur in Reykjavík aufbewahrte. Ich erwähnte nicht, dass diese Bilder ihn nackt zeigten und aus der Zeit stammten, als wir kaum etwas anderes taten, als uns zu lieben und Kinder in die turbulente Welt zu setzen. Mein Bruder Ólafur, der diese Zeichnungen natürlich gefunden hatte, als er meine Bilder bei sich einlagerte, sagte später einmal zu mir: »Erst als ich die Zeichnungen von Sigmar sah, wurde mir klar, was für eine Künstlerin du bist.« Auch diese seine Worte erwähnte ich nicht, als wir drei an dem Abend oben im Gemeindehaus saßen und uns bis tief in die Nacht unterhielten.

Das war in dem Jahr, als ich die erste Bühnendekoration für sie gestaltete. Sie entstand in allerletzter Minute, und die Schwippschwägerinnen standen kurz vor einem Nervenzusammenbruch, weil sie befürchteten, dass ich sie nicht rechtzeitig vollenden könnte. Deswegen wichen sie nicht von meiner Seite, bis ich fertig war. Aber in dieser Gesellschaft ging mir die Arbeit gut von der Hand; wir unterhielten uns in vertraulichem Ton, wie Frauen es zu tun pflegen, wenn alles still geworden ist und keine Kinder in der Nähe sind. Sie versorgten mich ständig mit Kaffee und frisch gebackenen Plätzchen. Es war kurz vor Weihnachten, und als vorbildliche Hausfrauen waren sie bereits mit allem fertig. Deswegen waren sie guter Dinge und geizten nicht mit Informationen über ihr Leben. Und nachdem sie detailliert geschildert hatten, wie jedes einzelne ihrer Kinder auf die Welt gekommen war, denn andere außergewöhnliche Dinge hatten sich nicht in ihrem Leben ereignet, war die Reihe an mir. Weil ich so einsam gewesen war und es mir an menschlichen Kontakten gefehlt hatte, war ich wahrscheinlich redseliger, als ich es mir im Nachhinein gewünscht hätte. Ich erzählte ihnen von meiner Kindheit in den Westfjorden, von meinen Jahren als Wäscherin in Akureyri, von den Studienjahren in Kopenhagen, dem Heringssommer in Siglufjörður, als ich gerade vom Studium an der Kunstakademie zurückgekehrt war und Geld brauchte, um mir ein Atelier einrichten zu können. »Ich bin nach Siglufjörður gegangen und hatte vor, Unmengen von Heringen einzusalzen und reich zu werden, aber dann kapitulierte ich vor der Liebe, und deshalb klappte es auch nicht mit dem Atelier.« Ich erzählte ihnen, was für ein schöner Mann Sigmar mit seinen seegrünen Augen war, und die beiden lauschten mir wie hypnotisiert. Dabei wollte ich es bewenden lassen, aber sie baten mich inständig darum, mehr zu erzählen. Frauen lieben es, über die Liebe zu reden, und ich bekam Auftrieb durch ihr Interesse und erzählte ihnen von meinen Jahren mit Sigmar im östlichen Borgarfjörður eystri, wie entschlossen er gewesen war, ein reicher Reeder zu werden, und wie ich trotz der drei Kinder versucht hatte zu malen, und dann kam dieser traurige Abschnitt in meinem Leben. Da hätte ich aufhören sollen, aber das konnte ich nicht, der Mensch tendiert unwillkürlich dazu, sich immer wieder die Ereignisse ins Gedächtnis zu rufen, die Narben auf der Seele hinterlassen haben; ich erzählte ihnen von meiner Krankheit, wobei ich allerdings die seelischen Qualen ausließ und stattdessen mehr auf die Magenbeschwerden einging; von Sigmars Abwesenheit und von meiner Schwester Bjarghildur, die eines Tages zu Besuch gekommen war und meine Tochter mitgenommen hatte. Ich war nicht zu bremsen und verstand mich selber nicht. Ich erzählte ihnen davon, dass ich nur mit meinen beiden Söhnen in den Öræfi-Bezirk übersiedelte, wo ich bei einer guten Frau unterkam und wieder gesund wurde. Dreizehn Jahre lang hatte ich dort gelebt, bis schließlich der Krieg ausbrach. Die beiden schwiegen und sperrten wegen eines derartigen Schicksals Mund und Nase auf, doch dann wollten sie noch mehr über die Liebe wissen und fragten nach Sigmar. Er sei doch so schön gewesen, was war aus ihm geworden? Ich erzählte ihnen, dass er etwa um die Zeit, als ich in den Südosten Islands ging, nach Italien gesegelt und erst dreizehn Jahre später zurückgekehrt war. »Und was hat er die ganze Zeit gemacht?«, fragten sie äußerst gespannt. Ich gab vor, nichts darüber zu wissen, ich hätte ihn nie danach gefragt und hätte auch nicht vor, das zu tun. Aber wir lebten getrennt, auch wenn wir nicht geschieden seien. »Und warum habt ihr euch nicht scheiden lassen, wo ihr doch schon all die Jahre nicht zusammenlebt?«, fragten sie verwundert.

Das wollte ich ihnen nicht sagen.

»Hast du denn kein Foto von ihm?«, fragten sie, denn diesen schönen Mann wollten sie unbedingt sehen. Aber da ich kein Foto von ihm besaß, zeigte ich ihnen stattdessen ein Bild von unseren beiden Söhnen Jón und Sumarliði, die jetzt auf der höheren Schule in Akureyri waren, und sie fanden, dass die beiden sehr gut aussahen. Das Foto von meiner Tochter Halldóra, das ich in einem Anhänger um den Hals trug, wollte ich ihnen nicht zeigen, denn dann hätte ich noch mehr von meiner Schwester Bjarghildur erzählen müssen, und das hätte mir die Laune verdorben. Was ungünstig ist, wenn man malen muss. Auf diese Weise wurde ich in der Nacht mit den Kulissen fertig, und seitdem habe ich jedes Jahr bei diesem Aufstand wegen der Bühnendekoration mitmachen müssen. Sie zogen weitere Erkundigungen über meine Familie ein, das kam mir zu Ohren, und sie fanden heraus, dass alle es zu etwas gebracht hatten. Sigmar gehörte zu den reichsten Reedern des Landes, mein Bruder Ólafur war Rechtsanwalt, mein kleiner Bruder Páll war Lehrer, und meine Schwester Bjarghildur war mit einem Abgeordneten verheiratet und außerdem Vorsitzende des Frauenvereins im Norden. Also brachten sie mir einigen Respekt entgegen, obwohl sie es seltsam fanden, dass ich nicht bei meiner Familie in Nordisland lebte. Aber sie gaben mir zu verstehen, dass es gut war, mich in Eyrarbakki zu haben. Vor allem vor den Weihnachtsaufführungen, fügte ich hinzu. Und wieder einmal musste ich mich mit isländischer Landschaft herumquälen, obwohl ich nichts langweiliger fand.

Sie waren in der Küche und beugten sich mit ihren Kaffeetassen in der Hand in der Durchreiche vor. Von der ganzen Frauenschar, die sich abends für die Aufführung abgerackert hatte, waren sie als Einzige übriggeblieben. Unten im Saal war alles klar, die Bühne war geschrubbt, die Kostüme waren fertig, und die Requisiten standen an ihrem Platz, es fehlten nur noch die Kulissen. »Ob sie wohl bis morgen trocken sein werden?«, fragten die Frauen besorgt. Ich antwortete nicht, ich hatte aus dem Fenster geschaut, und es kam mir so vor, als hätte ich weit draußen auf dem Meer ein Licht in der Finsternis gesehen. »Ist das da ein Licht?«, fragte ich und ließ die Pinsel fallen. Sie streckten die Köpfe vor und starrten in die Finsternis hinaus: »Das ist das Licht von einem Schiff, das in voller Fahrt auf den Hafen zuhält.«

Karitas

Tassen 1945

Öl auf Leinwand

Wir spüren die Bedeutung der Tassen wegen ihrer weichen ovalen Linien und ihres weiblichen, rosaroten Kolorits, das in scharfem Kontrast zu dem graublauen Hintergrund steht. Die Tassen dominieren eine rechteckige Fläche in der Mitte, sie scheinen in der Luft zu schweben oder von unsichtbaren Händen gehalten zu werden. Als Karitas die Kulissen für die Weihnachtsaufführung des Laienspielvereins malte, stand ihr der kleine Saal im oberen Stockwerk des Gemeindehauses zur Verfügung. Die Damen des Frauenvereins, die auch die treibende Kraft im Schauspielverein waren, verfolgten gern ihre Arbeit aus der Küche heraus mit, die sich neben dem kleinen Saal befand. Sie waren sehr darauf bedacht, Karitas nicht zu stören, öffneten aber die Durchreiche vorsichtig, wenn sie den Eindruck hatten, dass sie in ihre Arbeit vertieft war, beugten sich mit den Tassen in den Händen vor und beobachteten sie. Karitas tat, als sähe sie sie nicht, aber während sie Landschaften, Vegetation und Zäune als Hintergrundkulisse für das Stück auf große Holzplatten malte, hatte sie einen Rahmen mit Leinwand auf der Staffelei, auf dem sie ihre eigenen Bilder malte, um nicht die Verbindung zur Kunst zu verlieren, wie sie sich selber ausdrückte. Die rosaroten Tassen symbolisieren weibliche Neugier und Indiskretion, sie erzielen auf den ersten Blick einen beinahe komischen Effekt, doch der graue Alltag, der sie umschließt, evoziert Ruhe und gleichzeitig Eingesperrtsein.

An manchen Morgen erwachen Frauen irgendwie verdreht und haben selber keine Ahnung, weshalb. Wirken da böse Träume nach, die noch in der Seele stecken und nicht vom Licht des Tages ausgemerzt wurden, oder sind es die Ereignisse des kommenden Tages, die sich hier ankündigen? Hat das Gehirn nach Hast und Getriebe des vergangenen Tags nicht genügend geruht und protestiert mit dunklen Vorahnungen?

Ich hatte fast bis Mitternacht bei den Damen vom Frauenverein gesessen und ihnen beim Sticken zugeschaut. Sie wollten mich dabei haben, obwohl ich mich nicht mit Handarbeiten abgab, aber sie wussten, dass ich bei solchen Anlässen manchmal zum Skizzenblock griff. Es machte ihnen Spaß, sich zeichnen zu lassen. Ich hatte eine vergleichbare Rolle wie ein Hoffotograf. Ich schenkte ihnen die Porträts, aber die Skizzen behielt ich zurück. Da ich keine Stickerei in der Hand hielt, baten sie mich manchmal, Gedichte oder ein Kapitel aus einem Buch vorzulesen. Patriotische Gedichte gefielen ihnen am besten. Sie sahen selbstverständlich Island im rosigsten Licht, da sie nie im Ausland gewesen waren, mit Ausnahme von Ólafía, die aus diesem Grund für das Amt der Vorsitzenden wie geschaffen war. Sie erklärten, kein Interesse an der Welt außerhalb von Island zu haben, und die liege ja jetzt nach dem Krieg sowieso in Trümmern. Und mit dem Haus voller Kinder wären sie sowieso nie weggekommen. Sie waren im siebten Himmel, dass sie sich an einem Gründonnerstagabend ohne Kinder treffen und in Ruhe sticken, Kaffee trinken und jemanden vorlesen hören konnten. Ich beneidete sie um diese Fähigkeit, sich über solche kleinen Dinge freuen zu können, und zerbrach mir den Kopf darüber, weshalb ich immer so unzufrieden war.

Nun war Karfreitag, und mein Haus war kalt. Ich lag frierend in meinem Bett in der kleinen Kammer hinter dem Wohnzimmer und wünschte mir, ich hätte eine Frau, die den Ofen für mich anzündete, und ich dachte an die schlimmsten Dinge, die mir im Leben passiert waren. Erst gegen Mittag raffte ich mich auf und stand auf. Ich hatte bis tief in die Nacht hinein Früchte des Zorns gelesen, wenig geschlafen, und war etwas deprimiert wegen des Schicksals der Personen im Roman.

Und dann kam ein Pritschenwagen die menschenleere und pfützenreiche Straße entlanggeruckelt, und aus ihm stieg mein Jón.

Wieder einmal konnte ich mich des Gedankens nicht erwehren, dass er, wenn er ausgewachsen war, wohl zu den größten Männern in Island gehören würde. Und immer wieder dachte ich dasselbe, wenn ich ihn nach langer Trennung wiedersah, nämlich dass dieser hochaufgeschossene Junge mit den langen Beinen einmal in meinem Bauch gewesen war. Er war noch gewachsen, seit ich ihn das letzte Mal gesehen hatte, verstand sich aber darauf, das durch seine Kleidung zu kaschieren. Die Wolljacke hatte die richtige Länge, der Hosenschnitt ließ die Beine etwas kürzer wirken; der Anzug aus solidem Stoff und der rotbraune Schal um den Hals korrespondierten gut zu dem hellbraunen Haar, das von der Meeresbrise zerzaust wurde. Mein Sohn war ein ansehnlicher junger Mann, vielleicht ein bisschen zu schlaksig, der Brotaufstrich war bei ihm ganz eindeutig in die Länge gegangen; er war aber erst einundzwanzig und würde hoffentlich noch kräftiger werden. Als er mich am Fenster erblickte, lächelte er das Lächeln seines Vaters, und als ich, immer noch im Nachthemd, ihm die Tür öffnete, küsste er mich auf beide Wangen und sagte: »Bist du immer noch so klein, Mama?« »Ja«, sagte ich, »aber du bist wohl schon größer als dein Vater.« »Im Augenblick stehen wir gleich, aber er meint, dass ich bis dreißig noch zulegen werde«, stöhnte er, als sei seine Größe ihm ziemlich lästig. Er blickte sich aufmerksam um, sah meine bescheidene Küche und das Arbeitszimmer, wo ein ziemliches Durcheinander herrschte. Ich sah, dass er erschrocken war, als er langsam sagte: »Also hier wohnst du jetzt.«

Ich erwiderte, dass ich jetzt endlich einen brauchbaren Raum zum Arbeiten hätte, auch wenn es im Winter kalt sei, und lenkte dann die Aufmerksamkeit auf seine Schuhe, lobte sie und fragte, ob er die in Akureyri bekommen hätte. Einen Augenblick lang vergaß er die Umstände, unter denen seine Mutter lebte, und erzählte ein bisschen selbstgefällig von seinem Schuhkauf; soweit ich es verstand, war nur jemand mit Geschmack imstande, solche Schuhe zu kaufen. Während er mir das erzählte, überlegte ich verzweifelt, was ich für ihn auf den Tisch bringen könnte. Ich hatte mir einige Tage zuvor frisches Lammfleisch besorgt, um daraus einen Fleischeintopf zuzubereiten, der, diverse Male aufgewärmt, bis über Ostern reichen würde, aber in Anbetracht von Jóns Größe und Appetit würde das Fleisch wohl nur für eine Mahlzeit reichen. Ein Mann betrat mein Haus, und das Erste, woran ich dachte, war, was ich ihm zu essen geben könnte. Kein Wunder, dass meine Jungen prächtig gediehen waren.

Ich hatte meinen Sohn zuletzt vor zwei Jahren bei meinem Bruder Ólafur gesehen, und deshalb gab es viel zu erzählen. Nachdem ich mich angekleidet hatte, entfernte ich die Bücher aus dem braunen Sessel im Zimmer, damit er sich setzen konnte, stellte Brot und Kaffee auf den kleinen Tisch daneben, setzte mich selbst auf einen Hocker ihm gegenüber und sah meinen Erstgeborenen bewundernd an. Frauen verlieben sich zuerst in den Mann, von dem sie Kinder haben möchten, und später in ihre Söhne. Wie Andromache stellen sie im entscheidenden Augenblick die Söhne über die Ehemänner. Ich überlegte, ob es Frauen gab, die unter solchen Umständen ihre Töchter den Ehemännern vorzogen.

Jón hatte dieses sensible Profil, für das Künstlerinnen so empfänglich sind. Er spürte meine Bewunderung und freute sich darüber, trotz des Chaos, das uns umgab. Er schwadronierte drauflos, interessierte sich wie alle jungen Leute in seinem Alter am meisten für sich selbst und erzählte mir von seinen Schulkameraden in Akureyri, von der Schule und von seinen Zukunftsplänen. Er wollte im nächsten Herbst zur Universität, um wie sein Onkel Ólafur Jura zu studieren. Ich sagte, ich sei froh, das zu hören, und es würde mich auch nicht überraschen, ich hätte immer gewusst, dass etwas dergleichen aus ihm werden würde. Eine alte Frau hatte mir während der Schwangerschaft gesagt, dass aus unerwünschten Kindern entweder Juristen oder vortreffliche Handarbeiterinnen würden. Das sagte ich Jón natürlich nicht, sondern fragte stattdessen, ob meine Mutter nicht sein Studienvorhaben befördert hätte, und das bejahte er: »Großmutter wollte sogar, dass ich bei Onkel Ólafur wohne, aber ich mag seine Frau nicht, und deswegen möchte ich mir lieber zunächst ein Zimmer mieten.«

Ich war nicht unfroh darüber, dass er meine Schwägerin nicht mochte. Als ich aus dem Öræfi-Bezirk nach Reykjavík gekommen war, fand ich sie so unausstehlich, dass ich mir auch nicht vorstellen konnte, bei ihnen zu wohnen, sondern nach Eyrarbakki floh, als sich mir dort eine Wohnung und eine Stellung boten. Dabei hatte ich mich doch so danach gesehnt, in der Hauptstadt zu leben, trotz all der Soldaten, denn dort gab es hin und wieder Kunstausstellungen. Ich hätte mich so gern mit meinem Jón über die Kunst unterhalten, denn er war so begabt und trotz seines jungen Alters auch sehr beschlagen, aber er war immer noch viel zu beschäftigt mit seinen eigenen Interessen, als dass so etwas möglich gewesen wäre. Jetzt hörte ihm nämlich endlich einmal die eigene Mutter zu, er konnte sich das Herz erleichtern, sich aussprechen über das, was ihm am Herzen lag, und sich ungeniert seiner Erfolge brüsten, denn all das hören Mütter liebend gern. Für einen Augenblick vermisste ich meine Mutter. Obwohl sie ihren Kindern eingebleut hatte, sich nie selber zu loben, hatte sie doch auch selber das eine oder andere Mal mit etwas angegeben, wenn ihr danach zumute war. Zu guter Letzt sah Jón sich nach vielen Schnitten Brot plötzlich veranlasst, über seine Verwandten sprechen zu müssen. Bei seiner Großmutter lief alles in gewohnten Bahnen; das wusste ich aber bereits, denn wir telefonierten manchmal miteinander, und deswegen fragte ich ihn danach, wie es seinem Vater in seinem feinen Haus erginge. Nicht, dass mir das irgendetwas bedeutete, ich wollte nur höflich sein, er war ja schließlich sein Vater. Er antwortete, von ihm sei nur Gutes zu berichten, er lebte allein in seinem Haus mit dieser Wirtschafterin: »Mama, das Haus hat er für dich gekauft, aber er ist selten daheim, denn er besitzt viele Schiffe und steht manchmal selbst auf der Brücke. Aber wenn er zu Hause ist, lässt er uns durch seine Haushälterin holen, sie ist die reinste Bohnenstange, aber sie macht den besten Braten in ganz Akureyri, und dann essen wir zusammen und spielen Schach bis nach Mitternacht.« »Hat er zugenommen?«, fragte ich. Sein Blick wurde kalt, als er sagte: »Er hat genauso wenig zugenommen wie du, ihr beiden seid, wie ihr immer gewesen seid. Sumarliði und ich haben oft darüber gesprochen, wie schön es gewesen wäre, wenn wir bei unseren Eltern hätten aufwachsen dürfen.«

Kinder können grausam sein. »Ach, Jón«, sagte ich. Auf dieses Thema wollte ich nun nicht eingehen und fragte stattdessen, weshalb sein Bruder nicht mit ihm gekommen sei? »Er wollte nach Ostern zur See fahren und Geld verdienen«, sagte Jón kurz angebunden, weil ich nicht mit ihm über die Ehe seiner Eltern reden wollte. Er stand auf, vergrub seine Hände in den Taschen und ging mit griesgrämiger Miene im Zimmer auf und ab, ließ seine Blicke über die Tuben und Pinsel schweifen, die den Arbeitstisch bedeckten, stieß mit den Zehen nach terpentingetränkten Lappen, die auf dem Fußboden herumlagen, beäugte mit schrägen Blicken die Staffelei, die standhaft, aber einsam auf das nächste Bild wartete, blickte mitleidig auf den Diwan, den Kachelofen, die Stühle und aufgestapelten Bücher in der Ecke und sah dann endlich zu den Bildern hinüber, die ich mit dem Rücken zum Betrachter an allen Wänden aufgereiht hatte. Ich wartete darauf, dass er ein Wort darüber verlieren würde, wie viel ich geleistet hatte, aber er interessierte sich mehr für das Haus und die Einrichtung. Er schritt das Zimmer ab, als wollte er sich einprägen, wie lang und wie breit es war, blickte mit fragendem Blick zur Decke, und ich erklärte, oben gäbe es noch zwei kleine, kalte Zimmer, in denen der Hausbesitzer etwas untergestellt hatte. »Aber hier hinter diesem Raum ist auch noch eine kleine Kammer, in der ich schlafe, dort wirst du natürlich schlafen, solange du hier bist, und außerdem gibt es noch eine ordentliche Küche, eine Waschküche und ein Plumpsklo.«

»Großmutter hat schon seit langem ein Wasserklosett«, entgegnete er unwirsch, »und Papa hat zwei Badezimmer.« Er nahm sich Zeit, bevor er fortfuhr: »Ich bleibe nur heute Nacht hier, ich werde morgen früh wieder mitgenommen. Du bist nun schon seit sechs Jahren hier, um in Frieden malen zu können, aber eine Ausstellung hast du immer noch nicht gehabt?«

»Ja, mein lieber Jón«, sagte ich. Ich wollte ihn bei Laune halten. »Ich plane aber für den nächsten Herbst eine Ausstellung.« Ich sprach hastig, damit er mich nicht unterbrechen konnte, und erklärte ihm, welche gewaltigen Veränderungen es in den letzten Jahren in der isländischen Kunstszene gegeben hatte, viele Künstler seien für ihre Arbeiten heftig kritisiert worden, man hatte sie Schmierereien genannt, und ich hätte es für besser gefunden abzuwarten, bis die größte Aufregung verebbt war: »Die Ausstellung läuft mir ja schließlich nicht davon.«

»Nein, aber die Zeit läuft dir davon.«

Jón redete wie ein Erwachsener über die Zeit, mein Sohn war schon seit jeher sehr erwachsen in seiner Ausdrucksweise gewesen. Mir war es aber nie eingefallen, die Zeit mit der Kunst in Verbindung zu bringen. Die Kunst fragt nicht danach, wie die Zeit vergeht. Und er faselte weiter, dieser junge Mann mit den langen Beinen, den ich unter Schmerzen geboren hatte: »Bist du nicht einfach zu alt, Mama, um dich noch mit so etwas abzugeben, hättest du nicht mit dem Malen anfangen müssen, als du vom Studium zurückkamst? Was hast du eigentlich die ganze Zeit gemacht, was hast du dir dabei gedacht?«

»Eigentlich gar nichts, Jón, ich wurde schwanger mit dir, und dann mit deinem Bruder, der starb, und dann habe ich geheiratet und noch zwei Kinder bekommen, ich habe mir nichts Besonderes dabei gedacht.«

Er wiederholte: »Ist es nicht ganz einfach zu spät, Mama?«

»Ich habe gerade erst angefangen, und der Tag ist noch nicht einmal halb herum«, sagte ich. »Es ist nicht zu spät, um dir den Steindamm und die Brandung zu zeigen, die Straßen und die Häuser, die Menschen und die Tiere, und wenn wir Glück haben, sehen wir vielleicht eine Katze. Komm, lass uns einen Spaziergang machen.«

In einem kleinen Dorf am Meer sind am Karfreitag nicht viele unterwegs. Die Menschen langweilen sich nach besten Kräften, schließlich wurde ja an diesem Tag der Erlöser gemartert und gekreuzigt, und das ist nie wiedergutzumachen. Ein leichter Wind spielte um die Häuser, schlug Fenster zu, wenn es sich machen ließ, zerrte neckisch an Gardinen, bis sie außer Puste waren und von jemandem wieder hineingezogen wurden. Jón und ich gingen die Dorfstraße entlang, sie war menschenleer und nach Regen und Schneeregen voller Schlaglöcher, aber ich wusste von Augen hinter kleinen Küchenfenstern, die uns ganz genau beobachteten. Mit Bedacht machte ich vor Sveinas Haus halt, tat so, als würde ich Jón Vögel auf dem Dach zeigen, und wartete darauf, dass sie sich blicken ließ. Und tatsächlich: Sveina öffnete das Fenster und winkte uns zu. Ich sagte: »Hallo, Sveina, das ist mein Jón.« Und ich schob ihn vor, damit sie ihn besser begutachten konnte. Sie streckte die Hand aus dem Fenster und begrüßte ihn unbefangen, ihr war die Erleichterung darüber anzusehen, dass ich mir da nicht einen wildfremden Mann angelacht hatte. Als hätte sie die moralische Verantwortung für die Künstlerin. Und dann lud sie uns zu einer Tasse Kaffee ein, was wir akzeptierten, denn wir hatten ja so viel Zeit. Sie war begeistert von Jón: »Erstaunlich, dass die kleine Karitas einen so stattlichen, großen Jungen hat.« Jón fühlte sich geschmeichelt, und er freute sich darüber, in ein ganz normales Familienleben hineinzukommen, wo der Hausherr Pfeife rauchte, die Kinder herumtollten und die Hausfrau Plätzchendosen aus der Speisekammer holte. Die Eheleute sprachen über Eyrarbakki, das früher einer der bedeutendsten Handelsorte des Landes gewesen war, klärten Jón über Fischfang, Verkehrsverbindungen und die Kommunalpolitik auf. Er gab sich so interessiert, dass ich mich, während ich mit einem Ohr zuhörte, des Gedankens nicht erwehren konnte, dass er am Ende vielleicht Politiker werden würde. Jón hatte genügend Zeit. Sveina als vorbildliche Hausmutter rettete den Tag mit Gastfreundlichkeit und guter Bewirtung, und ich nahm mir vor, ihr das nicht zu vergessen. Als wir wieder an der frischen Luft waren, beschlossen wir, da wir schon einmal einen Spaziergang machten, der Dorfstraße bis zum Ende zu folgen. Ich konnte noch das eine oder andere Fehlende hinzufügen, ich erzählte ihm von der Schule und meinem Zeichenunterricht, mit dem ich meinen Lebensunterhalt verdiente, aber auch mit der Arbeit in der Fischfabrik. Als ich den Fisch erwähnte, wurde er ärgerlich, deswegen wechselte ich das Thema und wies ihn auf das Gefängnis am Ende des Dorfes hin: »Da ist das größte Gefängnis in Island, Jón, alles vergittert, aber so war es nicht zu Anfang. Dieses eindrucksvolle Haus ließen die Mitglieder des Frauenvereins ursprünglich als Krankenhaus bauen, aber dann lief etwas schief, und es wurde ein Gefängnis daraus. Komisch, nicht wahr, dass Frauen ein Gefängnis für Männer gebaut haben. Für sich selbst brauchten sie so etwas nicht zu bauen, sie sind ja sowieso immer eingesperrt.«

Mein Witz gefiel meinem Sohn nicht, er zog den Kopf ein, als würde der Wind ihm entgegenblasen, und stiefelte vor mir her. Er war irgendwie verstimmt. Auf einmal blieb er abrupt stehen und sagte scharf: »Weswegen trägst du nicht wie andere Frauen einen Rock, Mama?« Betroffen sah ich an meiner Hose herunter. Ich hatte nie besonders über sie nachgedacht und nahm die Kritik aber äußerlich mit Gleichmut auf, wie immer, wenn so etwas von den eigenen Kindern kommt, und sagte dann: »Lass uns jetzt umdrehen und auf dem Steindamm zurücklaufen.« Mit der schnaubenden Brandung in den Ohren gingen wir schweigend zurück, und als wir wieder im Haus waren, erklärte ich, ich würde jetzt etwas kochen, er könne unterdessen Radio hören, wenn er Lust hätte, oder Homers Epen lesen, sie seien so unterhaltsam.

Wie erwartet aß er das ganze Fleisch auf und hätte wahrscheinlich noch ein paar Happen mehr verdrücken können. Da er sich entschlossen in Schweigen hüllte, tat ich das auch. Mir war nicht klar, ob er schwieg, um mich zu quälen und dafür zu bestrafen, dass ich nicht wie die anderen Frauen Röcke trug, oder ob ihm ein heimlicher Kummer auf dem Herzen lag, den er sich nicht traute, seiner Mutter gegenüber zu erwähnen. Junge Leute nehmen sich oft Kleinigkeiten sehr zu Herzen, die Erfahrung hat sie noch nicht gelehrt, zwischen bedeutend und unbedeutend zu unterscheiden. Obwohl seine Miene nicht dazu einlud, begann ich trotzdem, Erkundigungen einzuziehen, und fragte rundheraus: »Könnte es sein, Jón, dass du Liebeskummer hast?« Er schien erleichtert zu sein, dass ich endlich den Ernst des Lebens begriffen hatte, und seine Brauen lüfteten sich ein wenig. »Nein, absolut nicht, ich habe nichts mit Mädchen.« »Wirklich nicht?«, sagte ich, »wie ist das möglich bei so einem hübschen Burschen wie dir? Du hast doch bestimmt schon mal ein Mädchen ins Kino oder zum Tanzen eingeladen?« Es dauerte geraume Zeit, bevor er darauf antwortete, doch dann erklärte er mit Nachdruck: »Die Mädchen interessieren sich nicht für so einen langen Lulatsch wie mich.« Der Schmerz in seiner Stimme verriet, dass er seit Jahren unter seinem Wuchs litt. Um ihn zu trösten, verfiel ich darauf, in Orakeln zu sprechen, wie eine Prophetin, die etwas weiter sieht als nur bis zu ihrer Nasenspitze: »Jón, das sage ich dir, und behalte meine Worte in Erinnerung, du wirst einmal eine der schönsten Frauen Islands zur Frau bekommen.« Meine Worte hatten den gewünschten Erfolg, er wurde etwas munterer, und ich ebenfalls, denn ich war überaus froh, dass sein Trübsinn nicht mit meiner Person oder meiner Lebensweise zu tun hatte.

Im kohlebeheizten Arbeitsraum unterhielten wir uns über die Auswirkungen des Krieges auf die Wirtschaft des Landes und die Denkweise der Nation, deren Reaktion auf die ausländischen Einflüsse nicht unähnlich derjenigen der Kühe im Öræfi-Bezirk gewesen war, wenn sie im Frühjahr aus dem Stall gelassen wurden. Meine Arbeit und meine Bilder kamen nicht zur Sprache, und dabei hätte ich sie ihm so gerne gezeigt und seine Meinung und vielleicht sogar ein Lob gehört. Die Eitelkeit nimmt mit dem Alter nicht ab, sondern eher zu. Er achtete aber darauf, nie auch nur in Richtung der Bilder zu schauen, die ihm die Kehrseite zuwandten. Er tat so, als gingen sie ihn nichts an, oder vielmehr, als sei es ein Fehler von mir gewesen, sie zu malen, doch wegen meiner Stellung als Mutter würde er großzügig über diesen Lapsus hinwegsehen. Und ich brachte sie auch nicht ins Spiel, da ich meinem Sohn nicht die Laune verderben wollte; ich fand es besser, seinen Besuch in angenehmer Erinnerung zu behalten. Dieses Wiedersehen war für uns beide nicht einfach.

Trotzdem wurde der Junge jetzt wieder trübsinnig, deswegen ging ich davon aus, dass seine Schlafenszeit gekommen war, er war noch nie ein Abendmensch gewesen. Die Schwippschwägerinnen hatten mir im vergangenen Jahr schöne, mit Blumen und meinem Namen bestickte Bettwäsche mit Spitzeneinsätzen zum Geburtstag geschenkt. Ich war ganz gerührt gewesen, denn ich hatte seit meiner Zeit im Öræfi-Bezirk keine Geschenke mehr zum Geburtstag bekommen, und diese himmlisch schöne Garnitur zog ich auf das Kopfkissen und die Bettdecke auf. Er hatte sich die Socken ausgezogen und saß mit einer Socke in der Hand auf dem Bettrand, als ich ihm einen Gutenachtkuss auf die Wange geben wollte. Dazu kam ich nicht. Er sagte rasch: »Sumarliði war im letzten Sommer mit unserer Schwester Halldóra zusammen.«

Wie kommt es nur, dass Fleisch und Geist Vorahnungen von bevorstehenden Ereignissen haben? Hätte ich nicht gleich wissen müssen, dass ich an diesem Karfreitag schlimme Nachrichten erhalten würde, als ich heute Morgen so verdreht erwachte?

Kaum waren seine Worte heraus, tanzten mir schwarze Punkte vor den Augen, ich spürte, wie sich mein Zwerchfell zusammenschnürte, doch mein Verstand reagierte ablehnend; er negierte diese Worte, die wie Giftpartikel in der Luft schwebten. Ich sagte: »Wie schön, dass die beiden sich endlich getroffen haben, sie haben sich noch nie gesehen, immer haben sie sich verpasst. War Sumarliði nicht mit seinem Vater in den Ostfjorden, als Bjarghildur mit Halldóra nach Akureyri kam, damit sie ihre Brüder begrüßen könnte, und war nicht Halldóra gerade wieder zurück im Norden, als ihr beiden sie in Reykjavík bei eurem Onkel Ólafur treffen wolltet? Seltsam, wie sich die Menschen oft verpassen, als sei es ihnen nicht vergönnt, sich zu treffen. Aber das Schicksal war ihnen diesmal gewogen, ist das nicht schön, Jón, warst du nicht dabei?« »Begreifst du denn nicht, Mama«, sagte er heiser, »sie waren zusammen, sie haben den ganzen Abend zusammen getanzt und sind dann in die Nacht hinein verschwunden, als der Tanz zu Ende war.«

Er erzählte mir alles, und ich lauschte seinen unzusammenhängenden Worten, in denen eine Anklage gegen mich mitschwang, doch in meinem Kopf formten sie sich erst in der Morgenfrühe zu einem Bild, als die Dunkelheit über dem Dorf sich lichtete und das Rascheln oben verstummte. Dann trat ich an das Bett meines schlafenden Sohns und betrachtete seinen Kopf auf dem schön bestickten Bezug.

Eine Sommernacht im Norden.

Augustdämmerung legt sich über das Tal. Die Lichter aus dem Gemeindehaus erleuchten die Wiesen ringsherum, die Tanzmusik dringt zu den Berghängen hoch, wo die Birken immer noch duften. Die Mädchen, die zu Pferde aus dem Skagafjörður kamen, haben sich im Gebüsch umgezogen und sind in ihre Kleider geschlüpft. Die Jungen sind mit dem Auto aus Akureyri gekommen und begnügen sich damit, sich einmal mit dem Kamm durch die Haare zu fahren; sie lassen den Flachmann kreisen. Der Hübscheste, der sich am besten auf Frauen versteht, späht wie ein hungriger Raubvogel umher, bis er seine Beute erblickt. Blond und kräftig in rosarotem Kleid, mit aufreizendem Lächeln, das ihn zum ersten Schritt auffordert. Und den tut er, das Mädchen ist attraktiv und ihm selber sehr ähnlich. Männer begeistern sich am meisten für ihr eigenes Bild. Die beiden tanzen bis tief in die Nacht zusammen. Niemandem gelingt es, sie zu trennen, er wimmelt alle Rivalen ab, sie hält ihn fest bei den Schultern gepackt. Endlich haben sie den Tanzpartner mit dem richtigen Takt gefunden, nach dem sie gesucht haben. Sie lachen über witzige Bemerkungen des anderen und nennen beim Kennenlernen nur ihre Kosenamen. Wenn man jung ist, findet man Formalitäten albern. Und wenn man jung ist, muss die Hitze aus dem Blut heraus. Die Natur ist mächtig. Die duftenden Birken am Hang umfangen sie.

Die Augustnacht verrät niemandem etwas von diesem Beisammensein.

Mein Sohn schlief mit offenem Mund, er hatte gesagt, was zu sagen war, damit die Seele Frieden finden konnte. Seine Augen waren bei dem Engel auf dem Kissenbezug, ich betrachtete sie, bis er sie öffnete. »Jón«, sagte ich, »woher weißt du, was geschehen ist, hat Sumarliði dir das erzählt?«

»Nein«, sagte er, als hätte er gar nicht geschlafen, sondern nur auf ein neues Gespräch gewartet, »niemand hat gesehen, was sie gemacht haben. Sumarliði hat erst in Akureyri davon erfahren, dass dieses Mädchen seine Zwillingsschwester ist. Er rief sie an, wie er versprochen hatte, aber als Tante Bjarghildur an den Apparat kam, ging ihm ein Licht auf. Er lag eine ganze Woche im Bett, ohne etwas zu sich zu nehmen, aber er bestreitet, dass etwas Ernstes zwischen ihnen vorgefallen ist. Nur Küsse, sagte er zu mir. Und dann hat er ein anderes Mädchen getroffen und ist mit ihr gegangen, als sei nichts vorgefallen, doch er hat nie wieder darüber reden wollen. Vor einer Woche hat aber Bjarghildur bei Großmutter angerufen, um ihr zu sagen, dass Halldóra schwanger sei, das Kind werde im Mai oder Juni kommen. Großmutter hat mich gebeten, dir das zu sagen.«

Er kleidete sich entschlossen an wie ein Mann, der sich nach einer aufregenden Liebesnacht aus dem Staub machen will. Ich ging hinaus auf die Treppe, würgte und bat den Wind, mich aufs Meer hinaus zu wehen. Ich stand noch immer dort, als mein Sohn in das Auto stieg, das ihn über den Pass bringen sollte, dorthin, wo das Wetter milder war.

 

Sie kommen mit Saatkartoffeln auf einem Leiterwagen, den sie zu den Kartoffelbeeten im Westen des Dorfes ziehen, sind vergnügt und munter und tragen geblümte Schürzen, plaudern über den Sommer, der praktisch vor der Tür steht, und über die Kartoffeln, die im Sand so schnell sprießen. Sie laden alles vom Leiterwagen ab und schwingen die Spaten, doch dann fallen ihre Blicke auf mich; ich stehe wie ein Gespenst am Zaun, und sie sind sowohl froh als auch erstaunt, mich zu sehen, sie sind wohl überrascht, dass ich mich ungefragt an ihrer Gartenarbeit beteiligen will. Ich unterlasse es, ihnen zu sagen, dass das nicht der Fall ist, ich sage ihnen nicht, dass ich seit dem Morgengrauen am Strand umherirre, sondern ich entledige mich rasch meiner Wolljacke und schnappe mir einen Spaten. Es ist nicht das erste Mal, dass ich ein Kartoffelbeet umgrabe, auch wenn ich den Schwippschwägerinnen nie zuvor geholfen habe; ich fuhrwerke wie wild mit dem Spaten herum, stoße ihn mit voller Kraft in den Boden, reiße ihn wieder heraus, reiße meine Gedanken heraus. Meine Energie hat stimulierende Wirkung auf die anderen, sie arbeiten mit verdoppelter Kraft, und wir rackern uns ab, während sich die Morgensonne für den Tag herausputzt. Die Saatkartoffeln werden aus den Säcken gekippt, die zum Lüften an die Zäune gehängt werden. Und dann setzen wir die Kartoffeln ein, mit den bloßen Händen grabe ich tiefe Löcher, stopfe die Mutterknollen hinein, bedecke sie mit Erde, die ich fest andrücke, damit sie die Sonne nicht wiedersehen. Mich schaudert vor dem Leben in der Erde, ich finde es unerträglich, Erde unter die Nägel zu bekommen, aber ich wühle wie besessen im Erdreich herum, um die scheußlichen Gedanken aus dem Kopf zu vertreiben. Abgekämpft richten sich die Schwippschwägerinnen auf und werfen mir Blicke zu. Sveina sagt, ich würde im Herbst ganz bestimmt etwas von der Ernte abbekommen. »Sie kriegt einen ganzen Sack«, erklärt Ólafía, ohne hochzublicken. Sveina sagt: »Und in deinem kalten Haus da wirst du wohl keine Probleme damit haben, sie den Winter über zu lagern. Selber schuld, dass du nicht in die Mansardenwohnung bei unserer Schwiegermutter einziehen wolltest, als wir dir das Angebot gemacht haben.« »Du kannst die Leute nicht einfach so rumkommandieren, Sveina«, sagt Ólafía, und Sveina antwortet: »Wann habe ich je Leute rumkommandiert, du warst es doch, die vorgeschlagen hat, dass sie oben in die Mansarde ziehen solle? Ich jedenfalls war es nicht, meine Liebe, und deswegen brauchst du einem das auch nicht andauernd unter die Nase zu reiben. Du selber kommandierst nämlich die Leute herum, soweit ich weiß, hast du meiner Tochter befohlen, für dich beim Arzt irgendeine verflixte Mixtur zu holen, nennst du das vielleicht nicht herumkommandieren?« »Ja, das habe ich gemacht«, antwortete Ólafía mit Nachdruck, »aber hast du nicht meine Tochter gestern Morgen in aller Herrgottsfrühe losgeschickt, um Milch für dich zu holen, und wenn du meine Tochter losschickst, darf ich dann nicht auch deine schicken?« Sie zanken sich noch eine Weile um ihre Töchter, wahrscheinlich, damit sie sich eine Weile ausruhen können, dank ihres guten Gedächtnisses können sie sich noch an lange zurückliegende Botengänge erinnern, aber sie hören mit dem Wortgefecht auf, als sie sehen, wie ich die Kartoffeln behandele: »Nein, hör mal, so tief darf man die doch nicht einsetzen, dann kommen sie ja nie hoch!« »Meinetwegen können sie zum Teufel gehen«, sage ich und stampfe die Erde fest. Die Schwippschwägerinnen hören auf zu arbeiten und wischen sich die Hände an den Schürzen ab. Ich setze mich erschöpft auf das Beet und erkläre grantig, dass es auch noch andere gäbe, die Töchter hätten, auch wenn sie sich nicht dauernd über sie ausließen.

Daraufhin nähern sie sich mir langsam wie Katzen, wenn man sanft nach ihnen ruft, sie setzen sich zu mir und fragen, ob ich schlechte Nachrichten von meiner Tochter erhalten hätte. »Nein«, lüge ich, »aber wenn ihr euch so zankt, geht mir unweigerlich das eine oder andere durch den Kopf, beispielsweise der Augenblick, als ich meine Tochter Halldóra nach vierzehn Jahren Trennung zum ersten Mal wiedersah. Meine Schwester Bjarghildur hatte sie in Pflege genommen, als sie nur ein halbes Jahr alt war, und erst vierzehn Jahre später habe ich sie wiedergetroffen. Aber ich trage ein Bild von ihr in einem Anhänger an einer Halskette, ich zeige es euch vielleicht später einmal. Ich war so gespannt, das Mädchen zu sehen, aber ich hatte auch Angst, versteht ihr? Eigentlich wollte ich zu ihrer Konfirmation in den Skagafjörður fahren, aber dann kamen die britischen Soldaten, und alles ging drunter und drüber. Als mein Schwager Hámundur Abgeordneter wurde, davon wisst ihr wahrscheinlich, kam sie mit ihrem Pflegevater nach Reykjavík; ich fuhr in die Hauptstadt und traf sie bei meinem Bruder Ólafur.«

Sie lauschen sehr gespannt, denn so oft rede ich nicht über meine Familie. Eigentlich will ich es dabei bewenden lassen. Das geht sie alles nichts an, aber mein seelischer Zustand war schlecht, seit Jón gekommen und wieder gegangen war, und ich war nicht imstande zu malen, sondern lag nur nächtelang mit unerklärlichen Geräuschen in den Ohren wach; vielleicht kann ich deswegen meinen Ärger jetzt nicht im Zaum halten. »Sie will nichts von mir wissen, sie ließ es mich spüren, dass ich ihr vollkommen gleichgültig bin«, rutscht es mir heraus.

»Das kann doch nicht sein!«, ruft Sveina und hält sich die Hand vor den Mund. Ólafía bedeutet ihr, still zu sein, damit sie die Geschichte nicht unterbricht, und sagt rasch: »Doch, so etwas kann vorkommen, Kinder im Konfirmationsalter können unausstehlich sein, davon kann ich ein Lied singen. Und was hast du gemacht?«

»Ich war zu Hause bei meinem Bruder und hatte mein gutes Kleid angezogen, das die Frauen im Öræfi-Bezirk für mich genäht haben, und ich wartete darauf, dass sie eintraf. Ich zitterte innerlich vor Spannung und Nervosität. Ich bekam keinen Happen herunter, ich hatte die ganze Nacht darüber nachgedacht, was wir einander sagen würden. Ich wollte sie in den Arm nehmen, sie fest drücken, ich hatte so lange davon geträumt, sie in den Armen halten zu dürfen, ihr Herz schlagen zu hören und den Duft ihrer Haut und ihrer Haare zu riechen. Ich wollte ihr sagen: Meine Halldóra, und ich stellte mir vor, dass wir beide zu Tränen gerührt wären, und sie würde sagen: Ich habe auch viel an dich gedacht, Mama, denn sie hat immer gewusst, dass ich ihre Mutter bin. Hámundur hat ihr das gleich gesagt, als sie alt genug war. Und wenn wir uns lange umarmt hätten, würden wir uns zusammensetzen und sie würde mir von ihrem Pferd erzählen und von der Schule, und ich würde ihr von meinen Jahren im Öræfi-Bezirk erzählen und vom Gletscher, vielleicht auch von dem Bild, das ich gerade malte, und auch von euch hier in Eyrarbakki. Darüber hatte ich die ganze Nacht nachgedacht, und dann kam sie mit Hámundur herein, groß und blond, und in so einem schönen Reisekostüm; sie sah mich mit ausdrucksloser Miene an, als ich mich ihr mit ausgebreiteten Armen näherte, reichte sie mir eine schlaffe Hand und sagte: »Guten Tag, Karitas.«

Ólafía schlug die Hände vors Gesicht und senkte den Kopf. Sveina rieb sich die Augen, und wir schwiegen lange. »Wie ging es weiter?«, flüsterten sie schließlich, als sie es nicht mehr aushielten. »Eigentlich überhaupt nicht«, sagte ich, »wir haben uns alle gesetzt, auch Ólafurs Frau Herma, und höflich über das Wetter in Nord- und Südisland gesprochen und Temperaturen und Windrichtungen verglichen. Ich habe Halldóra ein schönes Bild von mir geschenkt, mit einem Mädchen an einem Sandstrand, das ein Pferd am Zaum führt, solche Bilder male ich für meine Familie. Sie nahm es ohne ein Lächeln entgegen und sagte nur danke schön. Und dann schwieg sie weiter und betrachtete gelangweilt die protzige Einrichtung in der Wohnung ihres Onkels, mich blickte sie nie an, nur einmal, als ich sie fragte, wie ihr Pferd hieße. Da sah sie zu mir herüber, als sei ich eine bettelarme Landstreicherin, und fragte: Welches denn? Und dann gingen sie, sie sagte, sie müssten so viel für die Mutter einkaufen. Hámundur verpasste mir zum Abschied einen herzlichen Kuss, aber als ich Halldóra auf die Wange küssen wollte, wich sie mir aus.«

»Das ist einfach ein ungezogenes Mädchen!«, erklärte Sveina.

»Nein, es geschah mir recht, denn ich habe sie einfach Bjarghildur überlassen.«

»Aber du warst krank, meine Liebe, vergiss das nicht, dafür konntest du nichts«, sagte Ólafía.

»Wahrscheinlich war ich nur deshalb krank, weil ich nicht malen konnte. Und jetzt habe ich seit Ostern nicht malen können. Ich schlafe schlecht, und wenn ich einschlafe, habe ich so seltsame Träume. Es ist, als sei das ganze Haus voller Menschen. Möglicherweise spukt es da oben unter dem Dach, ich höre so oft Geräusche oben, das sind bestimmt Gespenster, die da herumspuken.«

»Vor dem Spuk hatte ich dich gewarnt, liebe Karitas«, sagte Sveina, »du solltest wirklich in die Mansarde bei unserer Schwiegermutter ziehen, die wäre froh, jemanden zur Unterhaltung bei sich zu haben, und du könntest auch für sie ans Telefon gehen, wenn der Schwiegervater nicht zu Hause ist, du weißt, was für eine Scheu sie vor dem Apparat hat. Wenn sie allein zu Hause ist und das Ding klingelt, rennt sie immer auf die Straße. Du könntest natürlich das Telefon auch ab und zu benutzen.«

»Ich würde so gerne meine Mutter in Akureyri anrufen und von ihr etwas über Halldóra erfahren. Ich habe geschworen, niemals mehr nach Akureyri oder in den Skagafjörður zu fahren, denn ich möchte weder Bjarghildur noch Sigmar wiedertreffen.«