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Seitenzahl: 286
Veröffentlichungsjahr: 2017
Benno Janßen Rainer Karremann
Die Fischerprüfung
4., überarbeitete Auflage
Benno Janßen war Lehrgangsleiter des KFV Tübingen, Ausbildungsbeauftragter des LFV Südwürttemberg-Hohenzollern und Referent für Ausbildung in Baden-Württemberg.
Rainer Karremann war Ministerialrat im Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz Baden-Württemberg und dort Rechtsreferent.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
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© 1999, 2017 Eugen Ulmer KG
Wollgrasweg 41, 70599 Stuttgart (Hohenheim)
email: [email protected]
Internet: www.ulmer.de
Lektorat: Werner Baumeister
Herstellung: Thomas Eisele
Einband: Atelier Reichert, Stuttgart
Produktion: Zeilenwert GmbH | v1
ISBN 978-3-8186-0185-0
Die in diesem Buch enthaltenen Empfehlungen und Angaben sind von der Autorin/vom Autor mit größter Sorgfalt zusammengestellt und geprüft worden. Eine Garantie für die Richtigkeit der Angaben kann aber nicht gegeben werden. Autorin/Autor und Verlag übernehmen keine Haftung für Schäden und Unfälle. Bitte setzen Sie bei der Anwendung der in diesem Buch enthaltenen Empfehlungen Ihr persönliches Urteilsvermögen ein.
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In den letzten Jahren wurde die Arbeitszeit immer weiter verkürzt. Bei der Suche nach sinnvoller Freizeitbeschäftigung hat auch die Beschäftigung in und mit der Natur eine große Bedeutung erlangt. Bewahrung der Natur durch Naturschutz und Landschaftspflege, Aufenthalt in der Natur beim Wandern oder Fahrradfahren sowie Nutzung der Naturgüter durch Jagd, Fischerei und Ernten der Wildfrüchte sind wichtige Freitzeitbeschäftigungen geworden. Das Angeln war schon immer sehr beliebt, hat aber heute mehr Freunde denn je.
In fast allen Ländern der Bundesrepublik Deutschland ist die staatliche Fischereiprüfung Voraussetzung für die Ausstellung des Fischereischeins, der als Sachkundenachweis seinerseits eine wesentliche Voraussetzung für die Ausübung der Angelfischerei ist. Diese Sachkunde ist unverzichtbar, weil das erfolgreiche Angeln nicht nur die Beherrschung des Angelgeräts und der Angelmethoden erfordert, sondern weil gerade der Angler seiner besonderen Verantwortung für Natur und Umwelt gerecht werden muss. Allen, die diese Prüfung ablegen wollen, sollen für ihre Vorbereitung durch die nachfolgenden fünf Abschnitte – Allgemeine Fischkunde, Gewässerökologie/Lebensräume der Fische, Fischhege, Fanggeräte und deren Gebrauch sowie Rechtsvorschriften/Gesetzeskunde – die für das Bestehen notwendige Kenntnisse vermittelt werden. Für diejenigen, die diese Vorbereitung durch den Lehrgang eines Fischereiverbandes vertiefen (müssen), soll dieses Buch Nachschlagewerk und Wiederholung des im Lehrgang vermittelten Wissens sein.
Der Mitverfasser der bisherigen Auflagen, Herr Biol. Direktor a. D. Josef Deufel, ist am 8. November 2007 verstorben. Sein kenntnisreicher Beitrag in den vergangenen Auflagen, für den wir ihm sehr dankbar waren, bleibt erhalten. Für die überarbeitete 4. Auflage sind wir nunmehr alleinverantwortlich.
Benno Janßen, Rainer Karremann
im Sommer 2017
Cover
Titel
Impressum
Vorwort zur 4. Auflage
Allgemeine Fischkunde
Körperbau und Körperfunktionen
Haut und Muskulatur
Atmungsorgane und Schwimmblase
Ernährungs-, Verdauungs- und Ausscheidungsorgane
Blutkreislauf
Nervensystem und Sinnesorgane
Fortpflanzung
Fisch als Lebensmittel
Fischkrankheiten
Spezielle Fischkunde
Die für Angler wichtigsten einheimischen Fischarten
Selten auftretende und stark gefährdete Fischarten
Kleinfischarten
Fremde Fischarten
Andere Tiere, die ebenfalls dem Fischereigesetz unterliegen
Seefische
Fischartenschutz – Ursachen der Gefährdung
Gewässerökologie und Fischhege
Gewässerökologie – Lebensräume der Fische
Fischhege – Gewässerpflege
Fanggeräte und deren Gebrauch
Die Angelrute
Die Angelrollen
Die Angelschnur
Die Vorfächer
Die Knoten
Die Angelhaken
Die Bissanzeiger (Posen)
Die Bleie
Wirbel und Einhänger
Die Köder
Einführung in die Angeltechnik
Wichtiges und notwendiges Zubehör
Nützliches Zubehör
Behandlung gefangener Fische
Rechtsvorschriften, Gesetzeskunde
Rechtsvorschriften
Das Recht zur Ausübung der Fischerei
Wie werden das Fischereirecht und die Fischbestände geschützt?
Übertragung des Fischereirechts auf einen Dritten
Ausübung der Fischerei – Wer darf angeln?
Fischereibehörde, Fischereiaufsicht
Fischereibeiräte
Landesfischereiverband Baden-Württemberg e. V
Verfolgung und Ahndung fischereirechtlicher Ordnungswidrigkeiten
Strafrechtlicher Schutz der Fischerei
Grundsätze für die Angelfischerei
Anhang 1
Schonzeiten und Mindestmaße
Anhang 2
Fischerei mit Angeln
Anhang 3
Schonzeiten und Mindestmaße aller Bundesländer
Anhang 4
Fachbegriffe
Adressen der Landesfischereiverbände
Bildquellen
Literatur
Nur wer den Fisch von „innen und außen“ kennt, kann erfolgreich beim Fang sein. Aus diesem Grunde wird das allgemeine Wissen über Körperbau und -funktionen an den Anfang gestellt. Hinzu kommen Ausführungen über den Fisch als Lebensmittel sowie über Fischkrankheiten.
Trotz geringer Gliederung im Vergleich zu anderen Wirbeltieren sind beim Fischkörper 3 Regionen deutlich zu erkennen:
Kopfregion
Rumpfregion
Schwanzregion
Während ihrer Entwicklungsgeschichte haben sich die Fische an die unterschiedlichsten Lebensräume angepasst und dabei die verschiedensten Körperformen entwickelt.
Spindel- oder Torpedoform: Diese ist im Fischreich am weitesten verbreitet. Man findet sie bei Fischen, die in starker Strömung leben (Forellen, Äschen), aber auch in der Freiwasserregion von Seen (Felchen, Laube). Diese strömungstechnisch günstige Körpergestalt erlaubt besonders schnelles Schwimmen.
Hochrückige Form: Schmale und hochrückige Fische (Karpfen, Brachsen) bevorzugen als Lebensraum Zonen mit gutem Wasserpflanzenbestand und nur geringer Strömung.
Bodenform: Am Boden lebende Fische (Flunder, Quappe, Wels, Groppe u.a.) sind unten abgeflacht und gewöhnlich schlechte Schwimmer (Grundfische).
Pfeilform: Ein solcher Körper erlaubt die Beute aus der Lauerstellung heraus zielsicher durch rasches Zustoßen zu fangen (Hecht).
Schlangenform: Fische mit solcher Gestalt (Aal) leben am Gewässergrund und halten sich meist in Schlupfwinkeln auf. Sie sind für Dauerschwimmen gut geeignet.
Man unterscheidet bei Fischen zwischen Kopf-, Rumpf- und Flossenskelett. Zum Kopfskelett zählen die Schädel- und Kiemendeckelknochen, zum Rumpfskelett Wirbelsäule, Rippen und Schwanzstiel.
Die Wirbelsäule ist ein Stützgerüst bestehend aus vielen Wirbeln, deren Anzahl artspezifisch ist. So haben z.B. Forellen 70–100 Wirbel und Brachsen bis 200.
Die Rippen, die an den Wirbeln sitzen, umschließen die Bauchhöhle mit allen wichtigen Organen und enden in der Muskulatur. Ihre Anzahl ist ebenfalls artspezifisch. So haben Karpfen 36 und Regenbogenforellen 61 bis 63 Rippen.
Weiterhin haben die allermeisten Fischarten in der Muskulatur noch Bindegewebsverknöcherungen, auch Zwischenmuskel- oder Fleischgräten genannt. Vielfach sind diese spitz, oft auch y-förmig verzweigt. Mit dem Skelett stehen diese Gräten nicht in Verbindung. Die meisten Gräten haben die Weißfische, besonders viele die Brachsen. Aale haben keine.
Zum Flossenskelett gehören Basisknochen bei Brust und Bauchflossen. Sie haben keine Verbindung mit der Wirbelsäule.
Die Form des Kopfes sowie die Beschaffenheit der Kiefer, Größe der Augen, Maulstellung, Bartfäden usw. weisen auf die Lebensweise der betreffenden Fischart hin und erlauben vielfach schon ihre Bestimmung.
Sind beide Unterkiefer gleich lang, wie z.B. bei Forellen, dann ist das Maul endständig. Unterständig ist es, wenn wie bei der Nase der Oberkiefer länger ist als der untere. Ist der Oberkiefer kürzer als der Unterkiefer wie bei der Laube, dann liegt das Maul oberständig. Von Rüsselmaul spricht man, wenn das Maul wie beim Karpfen oder Brachsen vorstülpbar ist.
Fische mit oberständigem Maul nehmen ihre Nahrung von der Wasseroberfläche auf, solche mit unterständigem oder einem Rüsselmaul vom Boden.
Tab. 1. Fische mit Barteln
Anzahl Barteln
Fischart
1
Dorschartige
2
Schleie, Gründling
4
Karpfen, Barbe
6
Wels, Schmerle, Steinbeißer
8
Zwergwels
10
Schlammpeitzger
Vor dem Maul stehen bei verschiedenen Fischarten an Ober- und Unterkiefer ein bis mehrere Bartfäden (= Barteln), die Tast- und Geschmackssinneszellen tragen.
Abb.3. Zwergwels mit 8 Barteln.
Zähne dienen in erster Linie zum Festhalten und Schlucken der Beute. Die Verdauung beginnt bei Fischen nicht mit dem Zerkleinern und Einspeicheln der Nahrung wie z.B. beim Menschen.
Bei den Knochenfischen sitzen die meisten Zähne auf den Kiefern und zusätzlich auf Gaumen, Pflugscharbein und Zunge.
Die einspitzigen geraden oder leicht gekrümmten Zähne ragen nur wenig aus der Schleimhaut heraus, selbst die größeren Fang- oder Hundszähne der Raubfische. Die kleinen Zähne, die bei allen Fischarten vorkommen außer bei den Weißfischen, stehen häufig in Gruppen zusammen. Man nennt sie Hechel-, Bürsten- oder Samtzähne. Fallen Zähne aus, wachsen sie immer wieder nach. Genannt seien hier auch noch die Reusenzähne (= zähnchenartige Gebilde) an der Innenseite der Kiemenbögen.
Das Pflugscharbein (Vomer) ist ein unpaarer Gaumenknochen im Mundhöhlendach mit breiter, dreieckiger Platte und längerem, schmal auslaufendem Stiel. Seine Bezahnung wird bei Salmoniden auch zur Artbestimmung herangezogen.
Karpfen haben keine Kieferzähne. Sie besitzen aber Schlundzähne auf dem 5. Kiemenbogen. Diese stehen bei allen Weißfischen und auch Schmerlen in 1–3 Reihen. Mit diesen Schlundzähnen zerkleinern sie teilweise die Nahrung vor Eintritt in den Darm. Bei Weißfischen sind ihre Anordnung in Reihen und Anzahl ein sicheres Bestimmungsmerkmal. 3 Beispiele sollen dies zeigen:
Karpfen
113–311
Barbe
235–532
Elritze
052–250
Genannt seien hier noch die Zähne einiger Fischarten:
Wels: nur Hechelzähne,
Aal: kleine Hechelzähne auf Kiefer und Pflugscharbein,
Hecht: Maul in mehreren Reihen stark bezahnt, auch Zungenbein, dazu auf jeder Kieferseite 4–9 große Fangzähne,
Zander: kleine Hechelzähne neben größeren Fangzähnen.
Man unterscheidet paarige Brust- und Bauchflossen sowie unpaare Rücken-, Schwanz- und Afterflossen. Die Flossen bestehen aus Haut und knöchernen bzw. knorpeligen Strahlen. Bei diesen unterscheidet man ungegliederte Stachel- oder Hartstrahlen und gegliederte Glieder- oder Weichstrahlen. Die Fettflosse der Salmoniden und des Zwergwelses ist eine strahlenlose Hautfalte auf dem Schwanzstiel.
Die Stellung der Bauchflossen ist brustständig, wenn sie unterhalb der Brustflossen stehen (Barsch, Groppe), oder bauchständig bei normaler Stellung hinter den Brustflossen (Salmoniden), oder kehlständig, wenn die Bauchflossen vor den Brustflossen stehen (Trüsche).
Bei einigen Fischarten sind die Bauchflossen zu Saugscheiben umgeformt. Mit diesen können sie sich auf Steinen u.a. festsaugen (Grundeln, Groppen). Beim Aal fehlen die Bauchflossen.
Normalerweise haben die Fische eine Rückenflosse, Barsche und Groppen aber haben zwei. Aal, Wels und Trüsche weisen einen Flossensaum auf, wobei beim Aal die Afterflosse in die Rückenflosse übergeht.
Die Schwanzflosse ist stark ausgeschnitten (Karpfen, Felchen), eingebuchtet (Forelle), oder nach außen gerundet (Trüsche). Bei einigen Arten ist sie unsymmetrisch (heterozerk) ausgebildet, wobei der obere Teil größer ist als der untere (Stör).
Bei einigen Fischarten ist auf Grund der Flossenform eine Unterscheidung der Geschlechter möglich. So ist beim Äschenmilchner die Rückenflosse deutlich höher und länger als beim Rogner (Fahne). Bei der Schleie wiederum ist die Bauchflosse beim Milchner größer als beim Rogner und zudem ist der 2. Flossenstrahl stark verdickt.
Ihre Beweglichkeit verdanken die Fische in hohem Maße den Flossen. Die Schwanzflosse dient der schnellen Fortbewegung, die unpaaren Rückenflossen der Stabilisierung des Gleichgewichts, die paarigen Brust- und Bauchflossen der Steuerung und Fortbewegung und auch der Erhaltung des Gleichgewichts.
Die Haut der Fische besteht aus 2 Teilen, der äußeren Oberhaut und der inneren Unterhaut, auch Lederhaut genannt.
Die Oberhaut schützt die Fische gegen äußere Einflüsse. Die in ihr liegenden Becherzellen sondern Schleim ab. Dieser macht die Fische nicht nur schlüpfrig, sondern verringert auch den Reibungswiderstand bei Schwimmbewegungen durch Unterdrückung von Turbulenzen. Der Schleim schützt auch vor Verletzungen, sorgt für schnellen Wundverschluss und verhindert das Eindringen von Krankheitserregern. In der Oberhaut liegen außerdem Kolbenzellen, die bei Gefahr Schreckstoffe absondern, um Artgenossen zur Flucht zu veranlassen. Schließlich sei noch der Laichausschlag vieler Fischarten erwähnt. Es handelt sich dabei um warzenartige Hornbildungen vorwiegend im Kopfbereich.
Abb.6. Schuppe mit 4 Jahresringen.
Abb.7. Otolith eines Aales mit mehreren Jahresringen.
Die Unter- oder Lederhaut besteht aus mehrschichtigem Bindegewebe. Darin liegen die Blutgefäße, Nerven, Farbzellen und Schuppen.
Schuppen sind Verknöcherungen der Unterhaut und von der Oberhaut bedeckt. Sie liegen dachziegelartig übereinander und stecken in sog. Schuppentaschen. Sie sind in regelmäßigen Längs- und Querreihen angeordnet. Ihre Anzahl und die Anzahl der Reihen sind bei den einzelnen Arten konstant. Diejenigen, die entlang der Seitenlinien liegen, sind durchbohrt.
Man unterscheidet folgende Schuppentypen:
Placoidschuppen der Haie. Diese tragen über die Oberfläche hinausragende Zähnchen.
Ganoidschuppen der Störe. Hierbei handelt es sich um feste Knochenplatten.
Plasmoidschuppen. Bei diesen unterscheidet man Rundschuppen mit glattem Hinterrand (bei den meisten Fischarten) von Kamm- oder Ctenoidschuppen (wie bei den Barschen), die mit kleinen Dornen besetzt sind.
Schuppenlos unter den einheimischen Fischen sind Welse, Stichlinge und Groppen. Kleine Schuppen haben Schmerlen, Trüsche und Aal. Sehr große hat der Spiegelkarpfen. Bei Verletzungen verlorene Schuppen werden wieder nachgebildet.
Bei den meisten Fischen kann die Altersbestimmung mit Hilfe der Schuppen erfolgen. Da nicht nur die Fische, sondern auch die Schuppen im Winter langsamer wachsen als im Sommer (oder gar nicht), entstehen sog. Jahresringe, ähnlich denen der Bäume.
Die Altersbestimmung kann aber auch mit Hilfe der Gehörsteinchen, z.B. beim Aal, oder mittels der Kiemendeckel erfolgen. Bei Hecht und Wels schleift man die Wirbelsäule an und kann dann ebenfalls Jahresringe erkennen.
Den größten Teil des Fischkörpers macht die Muskulatur aus, die sich vom Kopf bis zur Schwanzwurzel erstreckt. Sie ist auf beiden Seiten der Wirbelsäule symmetrisch zugeordnet und erlaubt durch ihre Anordnung am Skelett die vielfältigsten Bewegungen. Die Muskulatur ist durch Scheidewände in Segmente (Myomere) getrennt, die tütenförmig ineinander stecken.
Tab. 2. Höchste Schwimmgeschwindigkeit einiger Fischarten auf kurzen Strecken von 5–10m
Fischart
m/sec
Lachs, Forellen
bis 10
Hecht
bis 8
Stör
bis 5
Zander
bis 4
Rotauge, Rotfeder
bis 2
Aal
bis 1,5
Karpfen
bis 1,2
Kleinfischarten
0,8–1,2
Die Rumpfmuskulatur ist quer gestreift. Das erlaubt schnellere Kontraktionen und somit raschere Bewegungen, besonders bei hierfür geeigneter Körperform.
Das Muskelfleisch der meisten Fische ist weiß, da es nur schwach durchblutet ist. Einige schnell schwimmende Arten enthalten aber Muskelhämoglobin, und das Fleisch erscheint dann dunkler oder rötlich. Bei einigen Salmoniden ist das Fleisch mehr oder weniger stark rot gefärbt durch Einlagerung von Carotinoiden wie dem Krebsfarbstoff Astaxanthin, die sie über die Nahrung aufnehmen.
Die sogenannte Eingeweidemuskulatur weist eine glatte Struktur auf. Diese bedingt eine langsame, aber dauerhafte Kontraktion wie z.B. beim Herzschlag oder der Darmbewegung.
Farbzellen oder Chromatophoren sind bei den Fischen über den ganzen Körper in der Unterhaut verteilt. Man kennt Schwarzzellen, Rotzellen, Gelbzellen und sog. Glanzzellen. Die Farbzellen haben eine sternchenförmige Gestalt. Der Zentralkörper darin weist viele Verzweigungen nach allen Seiten auf. Farbwechsel erfolgen durch Zusammenballen oder Ausbreiten der in den Farbzellen enthaltenen Pigmentkörper. Glanzzellen enthalten rundliche oder nadelförmige Kristalle aus Guanidin, die Licht reflektieren.
Liegen Farbzellen mit verschiedenen Farbstoffen übereinander, entstehen Mischfarben:
Schwarzzellen + Rotzellen → braune Färbung
Schwarzzellen + Gelbzellen → olive Färbung
Gelbzellen + Rotzellen → orange Färbung
Schwarzzellen + Glanzzellen → blaue Färbung
Gelbzellen + Glanzzellen → goldene Färbung
Schwarz-, Glanz- + Gelbzellen → grüne Färbung
Schwarz-, Glanz- + Rotzellen → violette Färbung
totale Reflexion des Lichtes → weiße Färbung
Fehlen von Farbzellen → Albinismus
Reichtum an Schwarzzellen → Melanismus
Um sich zu tarnen, sind die Fische in der Lage, ihre Farbe mehr oder weniger rasch zu ändern und dem Untergrund anzupassen. Auch während der Laichzeit kommt es vielfach zu Farbänderungen, wobei meist eine Rotfärbung vorherrscht.
Kranke Fische wiederum und auch blinde sind gewöhnlich dunkel bis schwarz gefärbt. Die Steuerung der Färbung erfolgt über die Augen, die der Laichfärbung über Hormone.
Die heimischen Fischarten besitzen 4 Kiemenpaare, deren Oberfläche durch Hautfalten stark vergrößert ist. Ihre Oberfläche ist rund 60mal größer als die gesamte Fischoberfläche. Auf diese Weise ist eine bessere Ausbeutung des im Wasser gelösten Sauerstoffs möglich.
Die Kiemen sind von außen durch Kiemendeckel geschützt. Auf den Kiemenbögen befinden sich noch Fortsätze in unterschiedlicher Anzahl je nach Fischart. Mit diesen werden kleine Nahrungspartikel aus dem vorbei fließenden Wasser gefiltert und in den Schlund geleitet.
Durch abwechselndes Öffnen und Schließen von Maul und Kiemendeckeln wird entlang der Kiemen ein Wasserstrom erzeugt. Über eine gasdurchlässige Membran nehmen die Kiemen Sauerstoff aus dem sie umgebenden Wasser auf und geben gleichzeitig Kohlendioxid, Ammoniak u.a. ab.
Steigt die Wassertemperatur, werden die Stoffwechselvorgänge im Körper intensiver und der Sauerstoffbedarf steigt. Bei Sauerstoffmangel werden die Bewegungen der Kiemendeckel rascher, um Sauerstoff heranzuführen. Wird der Sauerstoffgehalt im Wasser sehr knapp (z.B. im Sommer), steigen die Fische an die Wasseroberfläche und schnappen nach Luft.
Abb.8. Schematischer Körperbau eines Fisches.
Manche Fischarten können bei Sauerstoffknappheit auch über die feuchte Haut Sauerstoff aufnehmen. So kann der Aal außerhalb des Wassers bis zu 60% des Bedarfs über die Haut decken und der Schlammpeitzger sogar bis zu 70%. Auch zur Darmatmung sind diese beiden Arten in beschränktem Maße befähigt. Aus Luftblasen, die sie geschluckt haben, wird Sauerstoff durch das Blut entnommen. Der Aal kann auch aus der Schwimmblase Sauerstoff zur Atmung entnehmen.
Salmoniden, Weißfische und andere Fischarten haben eine ständige Verbindung zwischen Schwimmblase und Vorderdarm (Luftgang). Durch Luftschlucken können diese Arten leicht die Schwimmblase mit Luft füllen oder Luft abgeben und so das spezifische Gewicht regulieren.
Bei einigen Arten, wie z.B. bei Barsch und Trüsche, wird dieser Kanal rückgebildet. Bei diesen Arten wird die Schwimmblase durch Blutgase über eine in der Schwimmblasenwand liegende Gasdrüse, den „Roten Körper“ mit Gas gefüllt. Über das „Oval“, eine dünne, gasdurchlässige und stark durchblutete Stelle auf der Oberseite der Schwimmblasenwand, kann Gas aus der Schwimmblase an die Venen abgegeben werden. Allerdings kann Gas auf diese Art nur sehr langsam aus der Schwimmblase entweichen. Werden solche Fische sehr rasch aus der Tiefe von Seen hochgezogen, entsteht die „Trommelsucht“, da der Druckausgleich zwischen Schwimmblase und Umgebung zu langsam erfolgt. Die Schwimmblase dehnt sich beim Hochziehen aus und kann aus dem Maul herausragen.
Die Schwimmblase ist einkammrig, wie z.B. bei Salmoniden und Hecht, oder zweikammrig, wie bei den Karpfenartigen. Sie ist gewöhnlich leicht vom umgebenden Gewebe zu lösen, nur bei den Dorschartigen ist sie festgewachsen.
Die Knorpelfische (Haie und Rochen) haben keine Schwimmblase, nur Knochenfische haben im allgemeinen eine. Streber und Groppen haben keine.
Manche Fischarten können auch über die Schwimmblase atmen, ihr Sauerstoffentnehmen. Das Schwimmblasengas besteht aber nicht nur aus Sauerstoff, es enthält auch Stickstoff, Kohlendioxid und Edelgase.
Ausgesprochene Nahrungsspezialisten, d.h. Fische, die ausschließlich nur bestimmte Tier- oder Pflanzenarten aufnehmen, gibt es im Süßwasser nicht. Sie sind weniger wählerisch und lassen sich entsprechend ihrer Hauptnahrung in zwei Gruppen teilen.
Friedfische. Rotfeder und Nase nehmen zwar viel vegetarische Nahrung zu sich, aber auch viele wirbellose Tiere, wie Insektenlarven, Zooplankton usw. Sie sind keine reinen Pflanzenfresser. Zahlreiche Weißfischarten und auch Felchen fressen im wesentlichen Zooplankton.
Raubfische. Diese ernähren sich vorwiegend von Fischen aller Arten. Auch Kannibalismus, vor allem beim Hecht, kommt häufig vor. Daneben fressen sie aber auch, wenn erreichbar, Lurche, Kriechtiere, Jungvögel und sogar Kleinsäuger.
Fische nehmen ihre Nahrung als Ganzes auf und verschlingen sie, ausgenommen Weißfische, die sie im Rachenraum mit den Schlundzähnen zerkleinern. Über den Schlund gelangt dann das Futter in den Magen und von diesem weiter über den Mitteldarm in den Enddarm.
Der stark dehnbare Muskelmagen ist bei den meisten Fischarten u-förmig. Nur bei Hecht und Aal fehlt diese Biegung. Weißfische und auch Schmerlen besitzen keinen Magen. Diesen sowie auch Hecht und Wels fehlen Pylorusanhänge, die am Mitteldarm direkt nach dem Magen sitzen und die Darmoberfläche vergrößern. Die Anzahl der Blindschläuche ist sehr unterschiedlich bei den einzelnen Fischarten. So haben z.B. Felchen 150–200, Forellen 40–50, Äschen 24, Zander 7 und Barsch 5.
Die Darmlänge der Fische hängt von ihrer Hauptnahrung ab. So ist der Darm bei Raubfischen sehr kurz, etwa so lang wie ihr Körper. Bei Weißfischen hingegen ist er lang, mindestens doppelte Körperlänge.
Da Fischen Speicheldrüsen fehlen, beginnt die Verdauung erst im Magen durch Aufschluss der Nahrung mittels der hier gebildeten Salzsäure und dem eiweißspaltenden Pepsin bei niederen pH-Werten, die bei Forellen um 2 und beim Hecht um 4 liegen. Bei Fischen ohne Magen beginnt die Verdauung im Darm im schwach alkalischen Bereich mit der Kohlenhydratverdauung. Der Abbau von Eiweiß ist sehr langsam.
Im Mitteldarm findet die Hauptverdauung und auch der Übergang von Nährstoffen ins Blut statt. Im Enddarm wird dem Nahrungsbrei Wasser entzogen. Im Bereich des Mitteldarms liegen in der Leibeshöhle noch die wichtigen Organe Leber, Pankreas, Niere und Milz.
Wie bei allen Lebensvorgängen spielt die Temperatur bei den wechselwarmen Fischen auch bei der Verdauung eine große Rolle. Je höher diese ist, umso intensiver ist der Stoffwechsel, gleichzeitig aber auch der Sauerstoffbedarf und umgekehrt. Deswegen wird bei niedrigen Temperaturen auch kaum bzw. keine Nahrung mehr aufgenommen.
Die dunkelrot gefärbte Leber ist das wichtigste Stoffwechselorgan der Fische. Sie spielt eine große Rolle sowohl im Eiweiß-, als auch beim Kohlenhydratstoffwechsel. Sie ist auch wichtig bei der Fettverdauung und -speicherung sowie bei der Blutentgiftung. Weiterhin erzeugt sie grüngelb gefärbten Gallensaft, der in der Gallenblase gespeichert und zur Fettverdauung in den Darm abgegeben wird. Bei hungrigen Fischen ist die Gallenblase meist stark gefüllt.
Meist ist die Leber als großlappiges Organ ausgebildet, nur bei Karpfenartigen ist sie in mehrere Abschnitte aufgeteilt, die zwischen den Darmschlingen liegen. Besonders groß ist die Leber der Dorschartigen, bei denen sie wegen des hohen Fettanteils meist sehr hell erscheint.
Die Leber ist aber nicht nur Speicherorgan für Fett und Gallenflüssigkeit, sondern auch für Glycogen und Vitamine.
In dieser wird das Hormon Insulin produziert, das im Zuckerstoffwechsel eine wichtige Rolle spielt. Die Pankreas liegt zwischen Blindschläuchen am vorderen Mitteldarm oder im Fettgewebe eingebettet.
Dieses paarig ausgebildete Organ ist dunkelrot gefärbt und liegt unter der Wirbelsäule. Sie dient der Blutreinigung und der Ausscheidung flüssiger Abbauprodukte des Stoffwechsels. Diese werden über die Harnblase und einen über dem After liegenden Ausführungsgang abgegeben. Ammoniak und Harnstoff werden aber zum allergrößten Teil über die Kiemen ins Wasser ausgeschieden.
Einige Fischarten sind in der Lage, vom Süß- ins Salzwasser zu wechseln ohne Schaden zu nehmen und umgekehrt. Sie sind also fähig, sich an unterschiedliche Salzkonzentrationen anzupassen. Steigen solche Fische vom Meer ins Süßwasser auf, hält die Niere Salze zurück und scheidet vermehrt Wasser aus. Im Meer scheiden solche Fische über die Niere Salz aus.
Bei der Niere unterscheidet man zwischen Rumpf- und Kopfniere. Letztere ist zusätzlich noch von besonderer Bedeutung. In ihr werden sowohl rote als auch weiße Blutzellen gebildet.
Stichlinge bewerkstelligen ihren Nestbau mit Hilfe eines Nierensekrets.
Es besteht aus flüssigem Serum und verschiedenartigen Blutzellen, die vorwiegend in der Kopfniere gebildet werden. Die roten Blutzellen enthalten den Blutfarbstoff Hämoglobin, mit dessen Hilfe sie in den Kiemen Sauerstoff aus dem Wasser aufnehmen und im Körper an die Orte des Bedarfs transportieren. Gleichzeitig wird Kohlendioxid ans Wasser abgegeben.
Den weißen Blutzellen kommt eine Schutzfunktion zu gegen Infektionen durch Bildung von Antikörpern u.a. Die Blutmenge eines Fisches beträgt ca. 2% der Körpermasse.
Das Blut hat folgende Aufgaben: Den Transport von Nährstoffen, Gasen, Stoffwechselschlacken und Hormonen. Weiterhin ist es beteiligt an der Wärmeregulation und hat Abwehrfunktionen gegen Infektionskrankheiten.
Fische haben einen einfachen, geschlossenen Blutkreislauf. Vom kleinen, dicht hinter den Kiemen liegenden Herzen, das wie eine Saug- und Druckpumpe arbeitet und aus einer Vor- und Hauptkammer besteht, wird venöses, sauerstoffarmes Blut zu den Kiemen geführt, wo der Gasaustausch stattfindet. Von den Kiemen aus gelangt es dann mit Sauerstoff angereichert in den Körper zu den Organen und in die Muskulatur. Das arterielle Blut gibt hier im „Tausch“ Sauerstoff ab und nimmt Kohlendioxid auf sowie andere Stoffwechselendprodukte. Von hier wird das Blut dann wieder zum Herzen geführt.
Die Zahl der Herzschläge hängt vor allem von der Wassertemperatur ab, sie ist aber auch artverschieden. Mit steigender Temperatur nimmt ihre Zahl pro Zeiteinheit zu.
Sie ist ein kleines, längliches, dunkelrotes bis fast schwarzes Organ und liegt in der Nähe des Darmtraktes. In ihr werden die Blutzellen abgebaut, aber auch bestimmte weiße Blutkörperchen gebildet, die Krankheitserreger vernichten können. Sie ist somit ein Abwehrorgan gegen Infektionen.
Das Nervensystem der Fische ist ein Bindeglied zwischen ihrer Umwelt und ihren Reaktionen. Sinneszellen bzw. -organe sind die Empfangsstationen. Nerven leiten die Reize weiter zum Gehirn, der Schaltzentrale, wo die Reize verarbeitet werden. Danach werden die Ergebnisse weitergeleitet zum Erfolgsorgan und lösen in diesem bestimmte Reaktionen aus oder führen zu bestimmten biologischen Umsetzungen.
Dieses liegt in der Schädelhöhle und besteht aus 5 Teilen:
Vorderhirn oder Großhirn: Bei Fischen sehr klein und unbedeutend. Es hat aber gut entwickelte Riechlappen. Geruchssinn.
Zwischenhirn: Kleines, gut entwickeltes Organ. Teil des Geruchssinnes. Unterhalb liegt die Hypophyse, die Hormone absondert, die auf Geschlechtsreife, Laichverhalten u.a. einwirken. Teil des Gesichtssinns hier noch vorhanden.
Mittelhirn: Der größte Teil des Fischhirns. Koordination verschiedener Sinneseindrücke, wie Geruch, Geschmack und auch Gleichgewicht. Gesichtssinn.
Kleinhirn: Zuständig für Bewegungsabläufe. Mit Seitenlinie in Verbindung. Orientierung, Gleichgewicht.
Nachhirn oder verlängertes Rückenmark: Stärker entwickelt. Atemzentrum. Relaisstation zwischen Gehirn und Rückenmark, das im Wirbelkanal geschützt liegt.
Das Fischhirn ist im Vergleich mit den übrigen Wirbeltieren und dem Menschen sehr klein, wie folgender Tabelle zu entnehmen ist:
Tab. 3. Verhältnis von Hirngewicht zu Körpergewicht bei Fischen
Fischart
Hirngewicht
zu
Körpergewicht
Wels
1
zu
1800
Hecht
1
zu
1300
Karpfen
1
zu
1000
Forelle
1
zu
1000
Mensch
1
zu
35
Sinne bzw. Sinneszellen sind spezialisiert auf bestimmte Reize und geraten durch diese in Erregung. Man kennt Reize physikalischer Art, wie Berühren, Strömung, Temperatur, Schall, Licht, und chemischer Art, wie Geruch und Geschmack. Empfangsorgane für die entsprechenden Reize sind:
Haut, Barteln → Berührung, Druck
Seitenlinie → Wasserbewegung
Haut → Temperatur
Ohr → Schall, Gleichgewicht
Auge → Licht
Nase → Geruch
Haut, Mundhöhle, Barteln → Geschmack
Zu nennen ist schließlich noch der Schmerzsinn, der in dieses Schema nicht einzuordnen ist.
Gleichgewichtssinn: Das Ohrlabyrinth besteht aus einem häutigen Säckchen und den 3 Bogengängen darin. Das ganze Sinnesorgan ist mit Gewebsflüssigkeit gefüllt. Im oberen Teil des Labyrinths befinden sich Statolithen, die infolge der Erdanziehungskraft auf bestimmte Nervenenden drücken.
Strömungssinn: Die Schuppen in den Seitenlinien besitzen bei allen Fischen Öffnungen. Über diese stehen Sinneszellen mit dem umgebenden Wasser in Verbindung. Mit diesen kann der Fisch die Strömungsrichtung wahrnehmen, selbst die Annäherung von anderen Fischen in trübem Wasser. Dieser Strömungssinn, auch Ferntastsinn genannt, ist besonders bei Raubfischen wie Hecht, Wels und vor allem beim nachtaktiven Aal entwickelt. Diese Sinneszellen können schon geringste Druckschwankungen wahrnehmen, was auch die Orientierung im Fischschwarm erleichtert.
Tastsinn: Entsprechende Sinneszellen sind über die gesamte Körperoberfläche in der Haut verteilt. Gehäuft sind sie am Kopf, auf den Lippenrändern, in der Mundhöhle und auf den Barteln.
Temperatursinn: Man kennt bei Fischen zwar kein ausgeprägtes Organ, und doch ist der Temperatursinn sehr gut ausgebildet. Fische reagieren bereits auf 0,03 bis 0,07°C Differenzen. Solch geringe Unterschiede nehmen sie mit entsprechenden Sinneszellen in der Haut wahr. Diese sind über den ganzen Körper verteilt und reagieren sowohl auf Wärme als auch auf Kälte.
Gehörsinn: Den Fischen fehlt sowohl ein äußerlich sichtbares Ohr als auch ein Trommelfell. Trotzdem können sie mit Hilfe des inneren Ohres, dem Labyrinth, hören. Dieses besteht aus 3 Bogengängen. Im untersten Teil des Labyrinths liegen die Gehörsteinchen, die übrigens beim Aal zur Altersbestimmung herangezogen werden.
Bei vielen Fischarten besteht mit den „Weber’schen Knöchelchen“ eine Verbindung zwischen Innenohr und Schwimmblase. Diese kann als Trommelfellersatz angesehen werden.
Fische mit diesen Knöchelchen, Hammer, Amboss und Steigbügel genannt, hören besonders gut, da die Schwimmblase als Schallverstärker dient. Viele Fischarten wären hier zu nennen, vor allem Weißfische und Welse, nicht aber Meeresfische.
Zur Schallgeschwindigkeit ist noch zu bemerken, dass diese vom umgebenden Medium und von der Temperatur abhängig ist. In der Luft beträgt diese nur ca. 300m/sec, im Wasser hingegen fast 1500m/sec.
Gesichtssinn: In der Netzhaut der Augen befinden sich die Sehzellen in Form von Stäbchen und Zäpfchen. Normalerweise sind die Augen der Fische auf Nahsicht eingestellt, sie können sie aber auch auf Weitsicht umstellen. Fische erkennen auch Farben.
Da die ins Wasser fallenden Lichtstrahlen auf der Wasseroberfläche gegen das Lot gebrochen werden, steht der Fisch tiefer im Wasser als der Fischer ihn wahrnimmt. Der Fisch kann auch aus dem Wasser sehen und sowohl Personen als auch andere Dinge an Land erkennen. Meist flieht er, wenn sich Menschen an Land bewegen.
Der Gesichtssinn spielt beim Beutefang eine sehr große Rolle, weniger aber bei nachtaktiven Fischen. Die am Tag aktiven Fische haben größere Augen und sehen auch besser als nachtaktive wie Aal und Wels.
Geschmackssinn: Dieser liegt bei Fischen in der Mundhöhle, auf den Lippen, in der Kopfhaut und auf den Barteln. Besonders gut ausgeprägt ist er bei den Weißfischen.
Geruchssinn: Auf jeder Seite des Fischkopfes zwischen Augen und Maulspitze befinden sich 2 Nasenöffnungen, die in eine Nasengrube führen. In dieser sind Hautfalten, die mit einer Riechschleimhaut überzogen sind.
Der Geruchssinn ist bei Fischen besser entwickelt als bei höheren Tieren und dem Menschen. Besonders gut ist er beim Aal. Er dient vor allem dem Nahrungserwerb, bei Wanderfischen auch zur Orientierung bei der Suche des Heimatgewässers, zur Erkennung des Geschlechtspartners, aber auch zur Wahrnehmung von Feinden durch artfremden Schleimgeruch. Weiterhin spielt er eine Rolle bei der Schwarmbildung und beim Verhalten im Schwarm.
Schmerzsinn: Schmerz ist ein völlig subjektiver Begriff, der der menschlichen Sinneswelt entstammt und nur individuell zu erleben ist. Wir kennen zwar unsere eigene Sinneswelt, wissen aber von den Fischen diesbezüglich fast gar nichts.
Schmerz ist eine unangenehme Empfindung durch von außen oder innen kommende Reize, die Zellen oder Gewebe schädigen. Ob Fische schmerzempfindlich sind, wird recht widersprüchlich beantwortet. Da das Gehirn der Fische im Vergleich zu höheren Wirbeltieren oder gar dem Menschen recht klein ist, wird teilweise angenommen, dass sie keine oder nur geringe Schmerzen empfinden.
Schmerz ist aber weder objektiv messbar noch naturwissenschaftlich nachweisbar. Zudem reagieren die einzelnen Fischarten recht verschieden auf gleiche Reize, sind also unterschiedlich empfindlich.
Man glaubt aber heute, dass auch bei Fischen ein Schmerzempfinden zwar vorhanden ist, aber nicht stark entwickelt. Diese Annahme verlangt von allen einen tierschutzgerechten Umgang mit den Fischen, d.h. es dürfen auch diesen ohne vernünftigen Grund keine Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden (§1 Tierschutzgesetz).
Alle Fischarten laichen einmal im Jahr je nach Art zu verschiedenen Zeiten. So unterscheidet man:
Frühjahrslaicher. Äsche, Barsch, Hecht, Nase, Groppe u.a.
Sommerlaicher. Karpfen, Barbe, Brachsen, Rotaugen, Wels u.a.
Winterlaicher: Forellen, Felchen, Trüsche u.a.
Die einzelnen Fischarten benötigen unterschiedliche Laichsubstrate, die sie gezielt zur Laichzeit aufsuchen. Man unterscheidet:
Kieslaicher: Die Rogner von Forellen, Äschen, Huchen u.a. schlagen mit dem Schwanz Gruben in Kies- und Sandbänke, in die sie ihre Eier ablegen. Gleichzeitig geben die Milchner Samenzellen zur Befruchtung der Eier ab. Danach wird die Laichgrube wieder zugedeckt. Einige Arten, wie Strömer, Barbe und Nase, bevorzugen stärkere Strömung, weswegen man sie auch Strömungslaicher nennt.
Kraut- oder Haftlaicher: Hierher zählen z.B. Hecht, Karpfen und Schleie. Sie legen ihre Eier an Wasserpflanzen, Wurzeln, Steinen u.a. ab.
Freiwasserlaicher: Felchen z.B. laichen in den obersten Wasserschichten im Freiwasser über großen Tiefen. Die befruchteten Eier sinken langsam in die Tiefe und entwickeln sich auf dem Gewässergrund.
Manche Fischarten legen zu Beginn, teilweise sogar Monate vor der Laichabgabe, mehr oder weniger lange Wanderungen zurück. So wandern z.B. Aale vom Süßwasser in die weit über einige 1000km entfernt liegende Sargassosee. Die Flunder wandert ebenfalls aus dem Brackwasser der Flussmündungen ins Meer. Diese Art der Laichwanderung nennt man katadrome Wanderung. Anadrome Wanderung vom Meer ins Süßwasser führt der Lachs durch.
Viele Fischarten legen zur Laichzeit größere Strecken innerhalb des Wohngewässers zurück, wie Seeforellen in Zuflüsse, Huchen, Nase, Barbe u.a.
Geschlechtsreife Männchen, Milchner genannt, haben paarige Hoden, in denen Samenzellen (Spermien) gebildet werden. Geschlechtsreife Weibchen, Rogner genannt, haben mit Ausnahme der Barsche paarige Eierstöcke (Ovarien), aus denen die Eier bei den meisten Fischarten über Eileiter nach außen abgegeben werden.
Neunaugen haben im Gegensatz zu den Fischen unpaarige Eierstöcke.
Milchner werden meist ein Jahr früher geschlechtsreif als Rogner.
Bei den meisten Fischarten können die Geschlechter rein äußerlich nicht erkannt werden. Besondere Geschlechtsmerkmale findet man nur bei einigen Fischarten. So weisen Milchner der Forellen den sog. Laichhaken auf, ein hakenförmiges Gebilde des Unterkiefers. Milchner der Äschen haben eine längere und höhere Rückenflosse. Milchner der Schleien haben größere Bauchflossen und der Nase größere Brustflossen als Rogner. Stichlingsmilchner sind zur Laichzeit stark rot gefärbt. Bitterlingsrogner bilden zur Laichzeit eine Legeröhre. Bei vielen Fischarten bekommen besonders die Milchner zur Laichzeit einen Laichausschlag, d.h. harte, weiße Gebilde auf der Hautoberfläche. Besonders beim Perlfisch ist dieser stark ausgeprägt.
Bemerkt sei noch, dass Aalmilchner nicht über 50cm lang werden, im Gegensatz dazu Rogner über 1m. Geschlechtsbestimmung ist erst bei Aalen über 40cm möglich.
Die meisten Fischarten überlassen Laich und Brut ihrem Schicksal. Nur einige wenige schützen die Nachkommenschaft. Zander und auch Welse z.B. legen ihre Eier in Nester aus Pflanzen und Gestrüpp ab. Milchner bewachen das Gelege bis zum Schlüpfen der Brut. Die Milchner der Groppe wiederum bewachen die zwischen den Steinen abgelegten und befruchteten Eier.
Noch weiter haben Stichlinge die Brutpflege entwickelt. Sie bauen Nester aus Pflanzenteilen, und die Milchner bewachen Eier und Brut darin.
Die auffallendste Pflege ist beim Bitterling zu beobachten. Der Rogner legt seine Eier über eine Legeröhre in die Teichmuschel ab. Sowohl die Muschel als auch die geschlüpfte Brut wer-
Abb.9. Stichling mit Nest.
Abb.10. Bitterling bei der Eiablage in eine Muschel.
Tab. 4. Eidurchmesser und Eizahlen verschiedener Fischarten
Fischart
Eidurchmesser (mm)
Rognergewicht
Anzahl Eier/kg
Salmoniden
Lachs
6
3000
Bach-, Seeforelle
5
2500
Huchen
5
2000
Seesaibling
4
2000
Äsche
3
6000
Felchen
2,5
30000
Cypriniden
Karpfen, Schleie
1,5
300000
Rotauge, Brachsen
1,5
200000
Rapfen
1,5
90000
Wels
3
30000
Hecht
2,5
40000
Stör
2
125000
Zander, Barsch
1,5
150000
Trüsche
1
1000000
Je nach Fischart legen die Rogner beim Laichen unterschiedlich viele Eier ab. Auch die Eigröße ist von Art zu Art verschieden.
Die Entwicklungszeit der befruchteten Fischeier wird stark von der Wassertemperatur beeinflusst. Je wärmer das Wasser, umso rascher verläuft die Entwicklung. Sie ist aber auch von Art zu Art unterschiedlich.
So benötigen z.B. die Eier der Bachforelle 410 Tagesgrade, die Eier der im Frühjahr laichenden Barsche 140 und die der im Sommer laichenden Karpfen und Schleien nur ca. 70 Tagesgrade. Das bedeutet:
Bachforelleneier:
bei 10° gehalten, schlüpfen nach 41 Tagen
bei 5° gehalten, schlüpfen nach 82 Tagen
Barscheier:
bei 14° gehalten, schlüpfen nach 10 Tagen
Karpfeneier:
bei 20° gehalten, schlüpfen nach 3 Tagen
