Die flattern höchstens mal ein bisschen - Agnes Kather - E-Book

Die flattern höchstens mal ein bisschen E-Book

Agnes Kather

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Beschreibung

Wie kommt man auf die Idee, sich Hühner als Haustiere anzuschaffen, wenn man nicht auf dem Bauernhof lebt? Auf humorvolle Art schildert das Buch, wie der Hühnerlaie in den Umgang mit dem Federvieh hineinwächst: von der Entstehung der Idee über die Umsetzung bis zum (vermeintlichen) Alltag. Geschrieben aus der Perspektive der "Hühnermutter" streuen doch die Hauptakteure selbst immer mal wieder einen Kommentar zum Geschehen ein. "Rezeptideen" für Hühnerfutter und einfache "Heilmittel" ergänzen das Sachbuch aus der Sparte des Landliebe-Trends, ebenso ein Bauplan für ein Hühnerhaus.

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Seitenzahl: 230

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Agnes Kather

Die flattern höchstens mal ein bisschen

So sind wir auf‘s Huhn gekommen

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

1. Ein Hund oder ich

2. Ehrenamt Wildvogelhilfe

3. Warum nicht Hühner?

4. Beschluss: Wir bekommen Hühner

5. Das Bauprojekt: Planungsphase

5b. Das Bauprojekt: Es wird konkret

5c. Das Bauprojekt: Die letzten Feinheiten

5d. Das Bauprojekt: Der Zaun

5e. Das Bauprojekt: Alles für das leibliche Wohl

5f. Das Bauprojekt: Das Nestchen

6a. Huhn ja, aber welches?

6b. Plan 1: Seramas

6c. Plan 2: Bresse-Hühner

6d. Plan 3: Weder Seramas noch Bresse-Hühner

7. Heute kaufen wir Hühner

8. Der erste Tag

9. Die flattern höchstens mal ein bisschen …

10. Das Schutznetz

11. Wasser im Stall

12. Der Alltag kehrt ein

13. Stallzeiten

14. Die Nachtruhe

15. Eier von glücklichen Hühnern

16. Das Impfen

17. Das kranke Huhn

18. Der Speiseplan

19. Das Meisenküken

20. Das gerupfte Huhn

21. Die Hackordnung aufs Neue

22. Der Hühnererlebnispark

23. Eier gut versteckt

24. Der Stall wird aufgefrischt

25. Die Ausreißer

26. Hühnerfutter

27. Lieblingsspeisen

28. Quellen und Hinweise

29. Bauplan Penelopes Hühnerstall

Impressum neobooks

1. Ein Hund oder ich

Die flattern höchstens mal ein bisschen

So sind wir auf‘s Huhn gekommen

von Agnes Kather

Illustrationen D. T.

Für wohl jede (deutsche) Familie stellt sich früher oder später die Frage nach einem Haustier. Deutschland liegt bei der Anzahl der Haustiere im europäischen Vergleich auf Platz zwei, wobei Katzen und Hunde den größten Teil ausmachen. Und später ist dann im Zweifelsfall der Zeitpunkt, an dem die Kinder ihren Wunsch nach einem Haustier kundtun, weil ja „alle anderen auch ein Haustier haben“.

In unserer Familie war von Anfang an klar, dass es kein Haustier gibt: Alle Kleintiere wie Hamster, Kaninchen, Meerschweinchen, Wellensittiche etc. müssen in einem mehr oder weniger kleinen Käfig gehalten werden, der nichts mit unserer Vorstellung von artgerechter Tierhaltung zu tun hat.

Frei laufen lassen kann man Katzen und Hunde. Sie sind die klassischen Haustiere und können am ehesten artgerecht gehalten werden. Bei Katzen habe ich Vorbehalte; sie stellen aus meiner Sicht eine Bedrohung für die Gartenvögel und auch Amphibien dar. Außerdem haben unsere Nachbarn schon eine süße Katze, die auch viel bei uns unterwegs ist, weil die Gärten nicht voneinander abgetrennt sind (war auch praktisch für die Kinder) und weil wir sie auch ab und zu versorgen. Bliebe also noch ein Hund, auch wenn das für die Nachbarskatze schon eine Herausforderung bedeuten würde, aber man hat ja auch schon von innigen Katze-/Hund-Freundschaften gehört.

Bliebe ein Hund. Er ist als domestizierter Menschenbegleiter eigentlich ideal. Und ein Hund wäre auch schon toll, der ist ganz anhänglich und kann viel Liebe geben, er kann mit den Kindern spielen, man kann ihn im Haus und teils auch draußen frei laufen lassen und hat durch ihn überhaupt auch viel Kontakt zu seinen Mitmenschen. Prima, wir könnten uns also einen Hund anschaffen. Die Kinder und ich sind uns einig. „Das könnt Ihr gern machen“, sagt das Familienoberhaupt dazu, „aber ich ziehe dann aus. Entweder ein Hund oder ich.“

Dieses Argument hat sich auch bei erneuten Vorstößen nicht erweichen lassen und so ist es lange dabei geblieben, denn die vorgeschlagene Option ist natürlich nicht gangbar: Der Hauptverdiener der Familie zieht aus, das könnte Nachteile mit sich bringen. Wir haben also halt kein Haustier. Hat ja auch den Vorteil, dass mein bei Regenwetter nicht vor die Tür muss und nicht mit dekorativen Sch…-beuteln am Hundehalsband herumläuft und in Urlaubszeiten keine Sorgen hat, wer sich um den Vierbeiner kümmert bzw. wohin man ihn mitnehmen kann. Es reicht ja auch schon, dass der Garten im Sommer von den Nachbarn versorgt werden muss, da haben die schon genug mit zu tun.

Aber ein wenig schade ist es schon und es gibt zugegebenermaßen so süße Hunde!!!!

2. Ehrenamt Wildvogelhilfe

So haben wir uns einige Jahre mit dem tierlosen Leben arrangiert. Wenn auch jeder süße Hund, jedes Kälbchen oder Lämmchen auf dem Bauernhof die Diskussion neu angeregt hat. Auch ein Pferd oder Esel wäre schön, schließlich hat der Nachbar oberhalb von uns ein riesiges brachliegendes Grundstück, das man für solche Weidetiere prima nutzen könnte. Aber das sind natürlich Spinnereien. Doch die Liebe zu den Tieren ist da.

Vor drei Jahren stieß ich dann bei meiner Suche nach einer anregenden ehrenamtlichen Tätigkeit auf die Wildvogelhilfe der Region. Sie beherbergt eine Wildvogelstation, zu der Mitbürger kranke oder verletzte Wildvögel bringen können. Diese bekommen dort Hilfe. In den Frühjahr- und Sommermonaten ist dort Stoßzeit für verlassene Vogelküken: aus dem Nest gefallen, Vogeleltern von Katzen angefallen, Nester bei Bauvorhaben beschädigt, …

Bei der Beschreibung der Tätigkeit war mir sofort klar, dass ich das machen möchte, auch wenn ich ganz umweltunfreundlich eine halbe Autostunde bis dorthin zurücklegen muss.

Die Station bietet auch vielen Dauergästen immerwährende Unterkunft. Denn nicht alle Vögel können nach ihrer Behandlung wieder ausgewildert werden. Einige sind einfach zu zahm und würden in der freien Wildbahn nicht überleben können, andere möchte niemand (mehr) haben. Das gilt in besonderer Weise für (Brief-)Tauben, an denen die Züchter kein Interesse haben, weil sie die gewünschten Anforderungen nicht erfüllen. Wieder andere gefiederte Artgenossen haben sich durch die dichte Besiedlung so sehr an den Menschen gewöhnt, dass sie ihre natürliche Scheu verloren haben. Das gilt für viele Elstern und Krähen, die diese Angstfreiheit dazu nutzen, Kindergartenkindern die Brote aus der Hand zu fressen oder in den Hausgärten die gedeckten Tische zu plündern. So ist die Wildvogelstation ein halber Vogelzoo: Krähen, Raben, Stare, Schwalben, Tauben, Möwen, Fasane, Singvögel, Enten, Gänse, Hühner.

Die Station ist auf ehrenamtliche Mitarbeiter angewiesen, insbesondere im Frühling und Sommer. Die Arbeit ist so faszinierend, weil man plötzlich ganz nahen Kontakt zu Tieren hat, die man zwar täglich sieht, denen man aber in der Regel nicht zunahe kommt. Und die Vogelküken sind natürlich besonders ansprechend, denn sie hört man im Garten höchstens in ihrem Nest nach den Eltern rufen oder sieht die unbeholfenen Amseln im Garten herumhüpfen, wenn sie schon flügge sind. Kurz gesagt, mit der Tätigkeit bei der Wildvogelhilfe tun sich in punkto potenzielles Haustier ganz neue Perspektiven auf …

3. Warum nicht Hühner?

Da sind zum Beispiel auch die Entenküken. Die sind so putzig und wahnsinnig flauschig! Eine wilde Wuselei, aber auch eine schöne Matscherei, denn sie laufen durch alles hindurch, auch durchs Futter. Da ist der Stall oder der Auslauf schön schnell ein richtiges Drecksnest, denn die Entenküken erleichtern sich auch häufig und nirgendwo gezielt, sondern eher wahllos. Eine Mitarbeiterin erzählte mir, dass sie eine Zeitlang ein Entenküken hatte, das ihr überallhin gefolgt ist! Was sie nachts mit ihm gemacht hat, habe ich nicht gefragt, vielleicht hatte sie ein Körbchen direkt neben ihrem Bett stehen?

Und ausgewachsene Enten, so habe ich in der einschlägigen Fachliteratur gelesen, sind auch tolle Tiere für den Garten, weil sie gern Schnecken mögen. Das ist eine Freudensnachricht für jeden geplagten Gartenbesitzer. Frage ist halt nur, ob die Kehrseite der glänzenden Medaille, nämlich die großzügig verteilten Entenausscheidungen, diese Freude über dezimierte Schneckenbestände nicht schnell zunichte macht.

Letztes Jahr haben wir dann „unser“ Haustier gefunden; bei einem Ausflug zu einer Klosteranlage, die unweit eines Sees gelegen ist. Vom Parkplatz aus läuft man über Wiesen- und Weideflächen bis zum Seeufer. Neben Kühen und Pferden entdeckten wir auf einer Wiese auch eine Schar Hühner, vielleicht ungefähr 15 Tiere. Sie hatten mitten auf der riesigen Wiese einen mobilen Stall stehen. Das ist einer auf Rädern, den man also problemlos verschieben kann, um die scharrfreudigen Gesellinnen ganz unkompliziert auf neuen Austobflächen unterzubringen (wenn man so viel Platz hat). Die Hühner liefen eifrig in einem nicht sehr großen Umkreis um den Stall herum, scharrten, pickten, gingen mal in den Stall und machten einen höchst friedlichen Eindruck. Wie die Pferde und Kühe also auf sich allein gestellt.

„Ach, wie schön, Hühner, das ist ja ungewöhnlich - das haben wir so noch nicht gesehen“. Witzig.

Wir machten unseren Ausflug, besuchten das Kloster und hatten einen schönen Tag. Auf der Rückfahrt kamen wir wieder auf die Hühner zu sprechen. „Hühner gingen ja auch …“, sagte Katharina. Als Haustiere meinte sie damit - das muss man in unserer Familie schon gar nicht mehr hinzufügen, jeder weiß, was gemeint ist bei „ginge ja auch“.

Und wir fingen an, ins Blaue zu denken: Die Hühner könnten im Vorgarten einziehen, dann hätte man sie gut im Blick und der Garten bliebe haustier- und exkrementfrei. Mit dem Stück Land vorm Haus machen wir sowieso nichts weiter: Das Gelände ist leicht abschüssig und grenzt an das Grundstück das Nachbarn, der sein Land brach liegen lässt und maximal zweimal im Jahr kommt, um die dann einen halben Meter hohe Wiese zu mähen. Die Brombeeren und das ganze Unkraut und nicht zu vergessen die dort beheimateten Schnecken gucken auch gern mal auf der anderen Seite des Zauns vorbei, was dann bei uns ist. Daher ist es sinnlos, diese Fläche mit schönen Blumenbeeten bestücken zu wollen und wir haben uns dazu entschieden, dort Beerensträucher, Brombeerranken am Spalier und einen Apfelbaum anzupflanzen. Das wäre ein ideales Terrain für Hühner. Und dort ist auch noch Platz für ein Hühnerhaus, angrenzend an den Fahrradunterstand. Den hat der Papa gebaut und das Hühnerhaus kann er auch bauen, da hat er gleich ein handwerkliches Ferienprojekt - so etwas braucht mann, damit ihm nicht langweilig wird und frau muss sich bei so einem doch schon recht großen Projekt nicht ständig neue Beschäftigungsmöglichkeiten für ihn einfallen lassen.

Vielleicht können die Hühner auch ohne Zaun leben, bei der Wildvogelhilfe tun sie das auch. Dort gibt es niedliche und hübsch gefiederte Serama-Hühner, das sind Zwerghühner, die momentan ganz putzige und flauschige Küken haben. Die laufen auf dem ganzen Grundstück herum und sind höchst ausgeglichen.

Und Hühner sind nicht anspruchsvoll: Man muss nicht mit ihnen spazierengehen, sie jagen keine Gartenvögel, verspeisen ganz im Gegenteil (sicher) auch Schnecken und brauchen ansonsten nur Körner. Sie sind „winterhart“, leben also auch im Winter draußen. Noch dazu legen sie Eier und zahlen somit quasi Miete in Form von Naturalien. Wenn wir verreisen, können sich leicht die Nachbarn um die Hühner kümmern, da diese ja pflegeleicht sind und wir im Gegenzug ja schon seit Jahren deren Katze hüten und früher auch schon Hasen und Meerschweinchen versorgt haben. Die würden also nichts dagegen haben und dann zur Belohnung auch noch die Eier nehmen können.

Wir überlegen so hin und her und stellen fest, dass eigentlich alle Argumente stichhaltig sind und wirklich nichts dagegen spricht! Ja, ist das zu fassen? Haben wir wirklich ein Haustier gefunden, das zu uns passt? Und was sagt der Hausherr dazu, der sich bisher vehement jedem Tier verweigert hat? Auch er hat auf Anhieb keine schlagenden Kontra-Argumente, spekuliert sogar mit uns zusammen herum.

Zuhause angekommen nehmen wir direkt das Stück Vorgarten in Augenschein, das wir eben bei unseren Überlegungen zum potenziellen Hühnerauslauf erkoren haben. Ja, es ist zwar eher schmal, aber doch recht langgezogen und durch die Sträucher gut strukturiert. Der Weg ist dann die Grenze zum Haus, auf der anderen Seite steht bereits der Zaun zum Nachbargrundstück.

Wir gehen rein und wenden uns dem Wochenendprocedere zu: Hausaufgaben machen, etwas ausruhen und kulinarische Highlights zubereiten und zu sich nehmen. Dabei vergessen wir das Thema erst einmal. Aber es ist im Hinterkopf und taucht immer wieder auf.

In der folgenden Woche bin ich mal wieder bei der Wildvogelhilfe. Im Sommer gehe ich häufiger, denn es ist ja viel zu tun. Wie meistens mache ich die Außenrunde, das heißt ich versorge die Vögel in den Außenvolieren mit frischem Wasser und Futter und mache dort, wo es nötig ist, sauber. Das ist eigentlich täglich notwendig, aber wie im Haushalt gibt es eine tägliche Routine und dann mal den Großputz. Und wer läuft mir da über den Weg? Ein Huhn, gefolgt von drei Federbüschelküken. Wie süß!! „Ja, kommt mal her, lasst Euch angucken.“ Ich halte in der Arbeit inne und begebe mich in die Hocke, um die Hühner ein wenig zu beobachten. Das habe ich bisher noch nicht so intensiv getan. Aber mit unserer neuen Idee stehen die Hühner ja auf einmal für mich in einem ganz anderen Licht da. Die Küken bleiben dicht bei der Glucke und die passt gut auf sie auf. Ich halte still und strecke meine Hand aus, habe aber leider gerade keine Körner bei mir. Trotzdem guckt die Henne aufmerksam und kommt zwei Schritte näher. Doch dann wendet sie sich ab und hat wieder ihre Küken fest im Blick. Ich zücke mein Handy, um Fotos von der Henne und den Küken zu machen. So niedlich! Die Vorstellung, so etwas im eigenen Garten zu haben, macht mich ganz aufgeregt. Die Fotos sind gut gelungen und zuhause kann ich sie gleich zeigen.

4. Beschluss: Wir bekommen Hühner

„Guckt mal, die Wildvogelhilfe-Hühner haben Küken!“, begrüße ich meine Familienmitglieder bei deren Ankunft zuhause gleich. Katharina ist begeistert, Arne findet die Küken auch ganz cool und Klaus-Dieter so na ja. War nicht anders zu erwarten. Aber die Fotos bringen das Thema wieder auf den Tisch.

„Was ist denn nun, wollen wir uns Hühner anschaffen oder nicht?“, fragen die Kinder. Recht haben sie, eine halbe Entscheidung ist im Prinzip keine Entscheidung.

„Ja Papa, schau doch mal, wie niedlich die sind! Und sie legen Dir täglich ein Ei: Grundmaterial für die Zubereitung kulinarischer Highlights also frei Haus geliefert!“ Gemein von Katharina, könnte aber ein schlagendes Argument sein …

„Na, von mir aus schafft Euch Hühner an“, gibt das Familienoberhaupt eher beiläufig von sich. Das ist ja der Hammer! Das ist ein Placet, wenn es natürlich im Klartext heißt: „Ich habe nichts gegen die Anschaffung, drum kümmern tu ich mich aber nicht.“

„Du kümmerst Dich aber um den Stall, dann hast Du auch schon eine schöne Beschäftigung für die Sommerferien und zum Schulbeginn können die Hühner dann einziehen“, werfe ich in die Diskussion. Projekte solcher Art sind immer gut, damit kann Klaus-Dieter leben, das macht er ganz gern.

Und damit ist es wirklich beschlossene Sache, wir bekommen Hühner, haben damit gleich mehrere Haustiere, denn die kommen nicht allein daher. Auf so unspektakuläre Art und Weise kann eine jahrelang als unmöglich erscheinende Option plötzlich Realität werden! Das Leben ist immer wieder für Überraschungen gut. Doch greifbare Realität sind die Hühner damit noch nicht, nur gedankliche. Aber das ist die Voraussetzung und nun können die konkreten Planungen und Vorbereitungen ungehindert ihren Lauf nehmen.

5. Das Bauprojekt: Planungsphase

Wie vorausgesehen ist das Projekt Hühnerhaus bei Klaus-Dieter in den richtigen Händen. Solche Bauvorhaben hat er gern und setzt sich dann auch schnell daran, sie umzusetzen.

Im ersten Schritt gilt es, den genauen Standort des Hauses festzulegen; die für das gesamte Hühnerareal vorgesehene Fläche haben wir ja im Prinzip schon festgelegt. Bei näherer Überlegung ist der bei unseren ersten Überlegungen ins Auge gefasste Standort für ein „Gebäude“ aber nicht so günstig, weil das Gelände abschüssig ist, dann hat man keinen ebenen Untergrund. Außerdem verläuft genau dort die schmale Einflugschneise auf Nachbars Wiese - der mit dem unbebauten Grundstück mit Wildwuchs. Da muss man häufig mal drauf, um das schlimmste Chaos am Zaun mit der nicht vorhandenen Machete zu bearbeiten. Und dort entlang führt der Schleichweg „hinten rum“ ins Dorf. Es wäre also ungünstig, das zuzubauen.

Alternativ bietet sich aber das andere Ende des „Baugebiets“ an. Dort befindet sich unser Gemüsebeet. Die Bezeichnung stammt noch aus den Anfängen der Gartenplanung, als uns der Gärtner dort ein schönes Beet, circa 1,5 Meter mal 80 Zentimeter, mit Holzbalken eingegrenzt und mit Maschendraht unterlegt eingerichtet hat. Idee war, dort Gemüse und Salat küchennah anzubauen. Die Rechnung hatten wir allerdings ohne die Schnecken gemacht, die auch begeistert von unserer Idee waren. Und auch wenn ich begeisterte Hobbygärtnerin bin, zu so viel Lust und auch Zeit, wie ein Gemüsebeet sie erfordern, reicht es dann doch nicht. Sprich, das sogenannte Gemüsebeet beheimatet immerhin noch eine stattliche Rhabarberstaude; leider allerdings grüner Rhabarber mit dünnen Stangen. Den roten mit den dicken mag ich lieber. Weiterhin noch lieblos eingebuddelte Lauchzwiebeln, die eigentlich nie geerntet werden, und ansonsten Unkraut. Strafverschärfend kommt hinzu, dass irgendwann der Nachbar seinen Fahrradunterstand neben dem Beet errichtet hat, der dafür sorgt, dass das Beet fast nur im Schatten liegt - für Gemüse bekannterweise eher ungünstig. Lange haben wir daher schon vor, das umzugestalten.

Für das Hühnerhaus ist der Platz eigentlich ideal: es ist nicht abschüssig, der Maschendraht von unten verhindert von dort schon einmal das Eindringen von Ratten, Mäusen, Mardern, auf die Holzbalken kann das Haus gesetzt werden und steht so in der Waage. Der fürs Gemüse ungünstige Schatten kommt den Hühnern im Sommer zugute. Allerdings steht das Haus dann ziemlich direkt am Nachbarhaus und Geräusche aus dem Haus - z. B. Hahnengeschrei - dringt prima in Nachbars Schlafzimmer. Aber wenn wir kleine Hühner wie die Seramas nähmen, wären die ja gar nicht laut - kleiner Körperbau, kleines Organ, ist doch schlüssig. Und vielleicht gibt es ja auch gar keinen Hahn dazu - bis jetzt ist noch alles unbestimmt. Und mit dem Stück Land macht man sonst wirklich nichts anderes; bis jetzt ist uns noch kein zündender Gedanke gekommen. Gut, dann ist das beschlossene Sache: Das Gemüsebeet ist der Bauplatz fürs Hühnerhaus und wird endlich sinnvoll genutzt.

Schritt zwei ist die Recherche im Internet, denn es gibt ja sicher Bausätze für Hühnerhäuser aus Holz. Außerdem gibt es die mobilen aus Plastik, die muss man ja irgendwo kaufen können. Und im Internet findet man ja bekanntlich (fast) alles. Mal sehen, ob da etwas Brauchbares dabei ist.

Die Internetrecherche gehört ganz klar zum Bauvorhaben, sprich fällt in Klaus-Dieters Aufgabenbereich. Aber auch das macht er (relativ) gern. Stundenlang kann er am Rechner etwas gucken, zugegebenermaßen bevorzugt nach Ferienunterkünften. Da findet er dann die tollsten Luxusvillen und Katharina ist begeisterte Mitguckerin. Ich hasse das, schon nach kurzer Zeit werde ich ungeduldig und habe keine Lust mehr. Allein das Begutachten der von Klaus-Dieter getroffenen Vorauswahl dauert mir schon zu lange.

Und Klaus-Dieter begibt sich auch ohne Wort und Weise auf die Suche. Es gibt, wie vermutet, die Alternativen Holz(bausatz) oder Vollplastikhäuser. Für beide Alternativen gibt es Auswahl, jedoch überschaubar. Hühner sind halt erst noch im Kommen. Die Vollplastikhäuser schließt Klaus-Dieter nach gemeinsamem Beratschlagen schnell von der Suche aus. Erstens haben wir eh nicht die Möglichkeit, den Stall zu verstellen, zweitens halten wir nicht so viel von Plastik.

Der Fokus liegt nun also auf Holz, da sollte doch etwas Vernünftiges zu bekommen sein. Aber was ist eigentlich vernünftig, also was braucht ein Hühnerhaus alles? Nun, eine Tür zu einem erhöhten Eingang (Stichwort Hühnerleiter), ausreichend Platz (was heißt ausreichend?) und eine Stange (Stichwort Hühnerstange). Das ist noch höchst vage - wahrscheinlich sollte man sich vorher doch erst einmal schlau machen, was genau denn so ein Hühnerhaus benötigt. Auch hier verlasse ich mich auf meinen Mann, der das im Netz recherchiert und sich zum Hühnerhausexperten fortbildet.

Aber die Bausätze halten nicht, was sie auch nur zum Teil auf den ersten Blick versprechen. Einige kann man direkt, wenn man das Foto anguckt, ausschließen. Die sehen schon auf dem Bildschirm so aus, als würden sie schon vom Anpusten umkippen, geschweige denn Regen oder auch mal Schnee lange trocken überstehen, von stärkerem Wind gar nicht erst zu sprechen. Und auch für den Schutz vor Kälte mit Minusgraden im Winter oder vor Hitze mit Temperaturen über 30 Grad Celsius im Frühling, Sommer und Herbst sehen sie ungeeignet aus. Selbst bei den auf den ersten Blick tauglichen geben die Artikelbeschreibungen preis, dass der Bausatz nicht imprägniert ist, wie klein er tatsächlich ist, dass die Hühnerstange fehlt oder sonst ein Detail. Spätestens die Kundenbewertungen lassen einen zweifeln, wenn die Artikelbeschreibung noch ganz gut klang.

Gut, Kundenbewertungen im Netz traue ich nur bedingt; die sind natürlich so vielfältig wie die verschiedenen Typen Menschen auf Erden und man kennt die Leute ja auch nicht, die da ihre Meinung abgeben, weiß also nicht, ob sie auf der eigenen Wellenlänge schwimmen oder zu den „Meckerern und Nihilisten“ gehören. Aber wenn drei von fünf Kundenbewertungen undichtes Material anführen, wird schon was dran sein.

Und die konzentrierte Recherche zeigt auch, dass der Markt wirklich überschaubar ist, selbst wenn man Kaninchen- oder Meerschweinchen- und Hamsterunterkünfte für draußen mit in die Suche einbezieht: Schnell landet man wieder bei einem Produkt, das man schon gesehen hat. Was die Preise betrifft, so sind sie happig, dafür, dass man einiges noch verbessern muss. Alles nicht zufriedenstellend.

„Gibt es denn nicht Bauanleitungen für ein Haus?“, fragen wir uns. Wäre ja auch viel besser, es selbst zu bauen, dann kann man genau die Maße nehmen, die für den zur Verfügung stehenden Platz passend sind. Imprägnieren und zusammenschrauben müsste man ja sowieso selbst. Dann geht es eigentlich nur darum, das Material selbst im Baumarkt zusammenzustellen. Dann kann man auch vernünftig dickes Holz nehmen. Noch besser fände ich ja ein gemauertes Haus, aber das ist dann doch nicht so das Fach von unserem Hobbybastler.

Klar, Bauanleitungen gibt es, die kann man als „Anregung“ nutzen (das ist wie bei den Kochrezepten, alles nur Vorschläge, die man an die eigenen Bedürfnisse oder halt die vorhandenen Zutaten anpasst) und davon ausgehend das voll funktionstüchtige und alle Ansprüche von den späteren Bewohnern erfüllende Haus selbst planen.

Klaus-Dieter begibt sich also an die Arbeit. Mit Papier, Bleistift und Radiergummi sowie natürlich einem Zollstock bewaffnet begibt er sich zum Ort des Bauplatzes. Er misst und notiert, guckt und überprüft, schüttelt den Kopf und misst neu, radiert und schreibt neu. Eine Weile später kommt er wieder rein und setzt sich nun an den Tisch. Die Rohzeichnung ist nun an der Reihe, nachdem alle Maße vor Ort genommen sind.

Ich bin gespannt, welche Bauweise er anstrebt: einfache Unterkunft oder Luxusvilla mit Walmdach? Klaus-Dieter zeichnet und radiert, geht wiederholt raus und verwirft, zeichnet neu und ist schließlich zufrieden. Er ruft mich, jetzt darf ich den Bauplan begutachten. Eine Menge Zahlen, Striche und auch ein erkennbarer Kasten, der wahrscheinlich das Haus sein soll. Viel erkenne und verstehe ich auf Anhieb nicht; lässt sich wahrscheinlich dadurch erklären, dass ich in Kunst immer nur eine „Drei“ hatte. Klaus-Dieter ist allerdings auch kein Kunstgenie …, aber Hobbybauer und das hat ja auch eher mit Architektur denn mit Kunst zu tun.

„Schön“, sage ich, „das sieht ja gut aus.“ Vorsichtig fange ich an zu fragen: „Erklär doch mal.“

„Na, sieht man doch“, antwortet Klaus-Dieter (leicht konsterniert). Hier ist das Haus, es steht auf den Balken vom Gemüsebeet, da haben wir dann schon mal einen guten Untergrund. Da vorne kommt die Tür rein, hier an der kurzen Seite zum Rasen hin. Ein Fenster brauchen wir auch, nach vorne zum Weg, da knallt die Sonne nachmittags nicht drauf.“

„Hört sich gut an. Also ist das Haus im Prinzip so groß wie jetzt das Gemüsebeet.“ „Genau“, entgegnet Klaus-Dieter, „den Platz können wir ja gut nutzen.“

„Und was für ein Dach machst Du?“

„Das wird leicht geneigt, damit der Regen ablaufen kann. Die Neigung über die lange Seite nach hinten weg.“

„Wie, leicht geneigt, nach hinten weg?“, frage ich. Ein schönes Hausdach hat eine Spitze und damit zwei geneigte Seiten – mehr Vorstellungskraft habe ich im Moment nicht.

„Ja, halt etwas schräg, damit das Wasser nicht darauf stehenbleibt“, wiederholt Klaus-Dieter.

„Wie soll das Wasser darauf stehenbleiben? Ach, meinst Du ein Flachdach?“ Jetzt verstehe ich zumindest Teil eins.

„Ja sicher, ein Brett oben drauf.“

Klar Agnes, ein Spitzdach baut sich nicht mal so eben, dann vielleicht schon eher noch das Walmdach. Scherz beiseite. Das Haus wird also ein Kastenhaus. Aber wie kann das Dach eine Neigung haben, die Seitenwände sehen auf der Zeichnung alle gleich lang aus? Also muss ich wieder fragen: „So, jetzt noch einmal mit der Neigung, wie geht das, die Wände vom Haus sind doch alle gleich hoch, wenn da ein Deckel oben drauf kommt, hat der doch keine Neigung.“

„Da setze ich dann noch auf eine Längsseite des Dachs eine Holzleiste, und dann muss auf das Holzdach noch so ein Wellblech zum Beispiel, das dann auf der Leiste aufliegt. Die Leiste kommt hier vorne zum Weg hin, dann geht die Neigung nach hinten weg, so fließt das Wasser ins Beet, nicht zu uns.“

Okay, klar, gute Idee. „Und der Boden?“, wie machen wir den?“

„Dafür nehmen wir auch eine Platte, die auf den Balken des Gemüsebeets aufliegt“, erklärt Klaus-Dieter (noch) geduldig.

„Fängt die nicht an zu faulen, wenn die aus Holz ist und im Prinzip auf der Erde liegt bzw. darüber schwebt? Denn dann ist doch da ein Hohlraum, wenn die Außenwände auf den Balken aufliegen, die höher kommen als das Erdreich? Das ist doch nicht gut.“ Typisch, schon fängt frau an zu beanstanden. Klaus-Dieter beginnt trotzdem, mit mir gemeinsam neu zu überlegen. Da kommt mir eine Idee: „Wir haben doch noch die ganzen Steinplatten, die unsere Nachbarn uns mal geschenkt haben. Die können wir auf die Erde legen, haben damit einen stabilen Untergrund und die Feuchtigkeit von unten ist kein Problem, da die Steine sie abhalten.“

„Müssen wir mal gucken, wie viele das sind“, erwidert Klaus-Dieter. „Aber grundsätzlich geht das natürlich.“

Nächster Punkt: „Und wie kommen wir in das Haus, wir müssen es ja saubermachen.“

Darüber hat mein Hobbyhäuslebauer sich auch schon Gedanken gemacht. „Wir können eine Schublade einbauen, die kann man dann nach vorn zum Weg herausziehen, da ist dann der Dreck drin und man kann ihn einfach auskippen.“

Das klingt gut, muss ich zugeben. Aber natürlich habe ich noch mehr Einwände, das ist mein Job bei der ganzen Angelegenheit. „Wie kommen wir rein, um Futter und Wasser reinzustellen und um die Eierflut herauszuholen? Die Hühnertür wird da nicht groß genug sein. Und es ist ja auch unpraktisch, wenn wir dafür immer in den Auslauf müssen. Kann man das Dach aufklappen?“

„Das ist doof, das wird ja viel zu schwer. Und wenn es regnet, regnet es sofort rein. Und mit dem Wellblech oben drauf, könnte man das Dach auch schlecht aufklappen. Außerdem: So groß bist Du ja auch gar nicht, dass Du Dich von oben reinbeugen kannst. Wir müssen noch irgendwie eine große Tür oder Klappe einbauen.“ Klaus-Dieter überlegt. „Das kann man so machen: Zum Weg hin lässt sich die Hauswand aufklappen.“

„Ist das denn dann groß genug“, frage ich skeptisch. Wir müssen da ja reinpassen!“

„Das ist ja die Längsseite vom Haus, so breit bist Du ja nicht.“

Danke. „Ja, aber wie hoch ist das Ganze dann, man muss ja irgendwie reinkriechen. Wie hoch ist das Haus denn noch mal?“ Habe ich schon wieder vergessen. Es hat ca. einen Meter Höhe, dann kann die Klappe ca. 50 Zentimeter haben und da das Haus ja auch schon erhöht steht, ist das dann ausreichend, um ins Innere vom Haus zu kommen.“

Gut, hört sich plausibel an.

„Und in diese Hauswand kommt auch das Fenster“, ergänzt mein Mann. Denn Hühner benötigen Licht, sonst legen sie keine Eier. Die Internetseiten geben an, wieviel Fensterfläche relativ zur Hausgröße vonnöten ist. Klaus-Dieter hat das für unsere Maße berechnet und sich eine Lösung überlegt, bei der wir eine der im Keller lagernden, vor Zeiten mal von der Oma überlassenen Glasplatten nutzen können.

Jetzt fällt mir erst einmal nichts mehr ein. „Ja, sehr schön, hört sich gut an“, lobe ich meinen Göttergatten.

„Dann sollten wir bald die Sachen im Baumarkt holen“, beendet auch mein Mann die Unterredung, „damit wir zeitnah mit dem Projekt starten können.“

Das ist mir mehr als recht; und wir vereinbaren, das nötige Material am Wochenende zu erstehen.

5b. Das Bauprojekt: Es wird konkret