Die Fleischfresser Diät - Shawn Baker - E-Book

Die Fleischfresser Diät E-Book

Shawn Baker

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Beschreibung

Der Arzt, Spitzenathlet, Ex-Soldat und Gründer von Meat RX erklärt Fleisch zur gesunden Allzweckwaffe für Ihren Körper Ernährung mit Fleisch, Eiern, Fisch, Milch (& etwas Wasser) kann gesünder als jede Diät sein, den Körper heilen und das Risiko von Diabetes und Krebs senken Spricht alle Bedenken zur karnivoren Ernährung an, argumentiert auf Basis der Evolutionswissenschaft Baker plädiert für eine reflektierte Ernährungsweise und liefert neue Argumente zu Umweltfragen Bereichert um eigene Erfahrungsberichte über legendäre Rekorde

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Seitenzahl: 381

Veröffentlichungsjahr: 2021

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DR. SHAWN BAKER

DIE

FLEISCH-FRESSER

DIÄT

Das Carnivoren- Ernährungsprogramm für Fleischliebhaber

IMPRESSUM

Dr. Shawn Baker

Die Fleischfresser-Diät

Das Carnivoren-Ernährungsprogramm für Fleischliebhaber

1. deutsche Auflage 2021

ISBN 978-3-96257-201-3

© Narayana Verlag 2021

THE CARNIVORE DIET

Copyright ©2020 by Dr. Shawn Baker

All Rights Reserved

Published by arrangement with the original publisher, Victory Belt Publishing Inc. c/o Simon & Schuster, Inc.

Übersetzung aus dem Englischen: Simone Fischer

Coverlayout: Charisse Reyes

Coversatz: Narayana Verlag

Autorenfoto: ©Jasmine Forbes

Herausgeber: Unimedica im Narayana Verlag GmbH

Blumenplatz 2, D-79400 Kandern

Tel.: +49 7626 974 970–0

E-Mail: [email protected]

www.unimedica.de

Alle Rechte vorbehalten. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags darf kein Teil dieses Buches in irgendeiner Form – mechanisch, elektronisch, fotografisch – reproduziert, vervielfältigt, übersetzt oder gespeichert werden, mit Ausnahme kurzer Passagen für Buchbesprechungen.

Sofern eingetragene Warenzeichen, Handelsnamen und Gebrauchsnamen verwendet werden, gelten die entsprechenden Schutzbestimmungen (auch wenn diese nicht als solche gekennzeichnet sind).

Die Empfehlungen dieses Buches wurden von Autor und Verlag nach bestem Wissen erarbeitet und überprüft. Dennoch kann eine Garantie nicht übernommen werden. Weder der Autor noch der Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch gegebenen Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen.

Für Jasmine, die mir in all den schweren Zeiten beigestanden hat. Ich danke dir!

Für meine Babys Saxon, Emmie, Nylah und Chouch. Daddy liebt euch!

Ich möchte den Tausenden von Menschen danken, die ihre Geschichten, wie die Fleisch-Diät ihr Leben verändert hat, mit mir geteilt haben. Die phänomenale Unterstützung durch die Gemeinschaft der Fleischfresser, die an tatsächliche Ergebnisse statt an Dogmen glaubt, war unglaublich inspirierend und hatte maßgeblichen Einfluss auf die Entstehung dieses Buches!

Finger weg vom Salat!

In den letzten 100 Jahren haben uns Ernährungsexperten geraten, fettreiches Fleisch zu meiden und lieber viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukte zu essen. Aber wohin hat uns diese Art der Ernährung geführt? Auf direktem Weg zu chronischen Krankheiten und Übergewicht!

Dr. Shawn Baker steht an der Spitze einer Bewegung, die all dies ändern will. Er setzt sich ein für die Fleischfresser-Diät – ein carnivorer Ernährungsplan, der den Essgewohnheiten unserer Vorfahren weitaus ähnlicher ist als den gängigen Ernährungspyramiden staatlicher Institutionen. Denn bevor wir zu sesshaften Bauern wurden, lebten wir als Jäger und Sammler vorrangig von der Jagd. Fleisch ist weitaus nahrhafter als Gemüse und Obst, weshalb unsere Vorfahren ihre Energie auch nicht damit verschwendet haben, nach einer Handvoll Beeren zu suchen, um ihre Bäuche zu füllen. Stattdessen jagten sie das Großwild, das die Erde durchstreifte, weil sie wussten, dass tierische Proteine ihnen alles gaben, was sie brauchten.

Wir haben vielleicht die Höhlen gegen Häuser und Wohnungen eingetauscht, die Ernährungsbedürfnisse unseres Körpers haben sich jedoch nicht geändert. Deshalb sollten wir die Komplexität moderner Ernährungskonzepte mit ihren Lebensmittelgruppen und unterschiedlichen Nährstoffzusammensetzungen hinter uns lassen. Statt uns Gedanken übers Kalorienzählen zu machen, sollten wir unsere Teller einfach mit nahrhaftem, leckerem Fleisch füllen. Fleisch ist und war schon immer der zentrale Bestandteil menschlicher Ernährung. Verzichten Sie deshalb auf Lebensmittel aus billigem Getreide, Zucker und ungesunden Ölen. Übernehmen Sie die Verantwortung für Ihre Gesundheit und geben Sie Ihrem Körper das, was er braucht: Fleisch!

INHALT

Einleitung

Kapitel 1: Meine Geschichte

Kapitel 2: Was haben wir falsch gemacht?

Kapitel 3: Evolutionäres Ratespiel

Kapitel 4: Klärung möglicher Fragen

Kapitel 5: Fleisch, das Superfood

Kapitel 6: Der Mythos der guten Pflanzen

Kapitel 7: Essen als Medizin

Kapitel 8: Erste Schritte der Fleischfresser-Diät

Kapitel 9: Charakterstudien und Anekdoten

Kapitel 10: Veganismus: Die falsche Hoffnung

Kapitel 11: Unerledigte Dinge und offene Fragen

Epilog

Anhang: Spickzettel für Fleischfresser

Quellen

Index

EINLEITUNG

Wenn Sie mich vor fünf Jahren gefragt hätten, ob ich plane, ein Buch zu schreiben, insbesondere ein albernes Ernährungsbuch, hätte ich Sie für verrückt erklärt. Und hier bin ich nun und schreibe einen Ernährungsratgeber, der alle Ernährungsratschläge, die wir seit mindestens 100 Jahren befolgen, auf den Prüfstand stellt.

Dieses Buch wird zweifellos sehr viele Leute verärgern. Ethisch motivierte Veganer werden es hassen, aber das ist natürlich nicht überraschend. Denn ich bin dafür, Fleisch zu essen – viel Fleisch. Ernährungswissenschaftler werden sich durch das Buch bedroht fühlen, weil meine Empfehlungen der konventionellen Sichtweise widersprechen, an der wir seit einem Jahrhundert festhalten. Außerdem werden sie den Mangel an gründlichen Studien zu diesem Thema anprangern. Am wütendsten werden jedoch die Menschen sein, die sich für die carnivore Diät entscheiden und dann feststellen, dass alles, was sie im Laufe der vorherigen Jahre zum Thema Ernährung gelernt haben, völliger Müll war.

Zu Beginn der Lektüre dieses Buches werden Sie vielleicht Zweifel haben. Die Fleischfresser-Diät? Was soll das denn? Wie kann man nur glauben, der Verzehr von Fleisch in rauen Mengen würde weder der eigenen Gesundheit noch der Erde enorm schaden? Genau das ist nämlich die Botschaft, die wir seit mehreren Generationen zu hören bekommen. In Wahrheit sieht es aber so aus: Diese Botschaft wurde bisher kaum infrage gestellt, und es gibt keine wirklichen Beweise für die Behauptung, dass der Verzehr von viel Fleisch schlecht für die Gesundheit ist.

In den letzten zweieinhalb Jahren habe ich mich ausschließlich von Fleisch ernährt. Ich habe überhaupt kein Gemüse und Obst und keinerlei Vollkornprodukte und Ballaststoffe gegessen. Keine Phytonährstoffe oder pflanzliche Antioxidantien sind in meinen Bauch gewandert. Und obwohl ich diese Dinge nicht gegessen habe, bin ich weder gestorben noch krank geworden. Im Gegenteil, ich bin so gesund wie noch nie zuvor. Die Probleme, von denen ich annahm, sie seien eine natürliche Folge des Alterns, sind nach und nach verschwunden. Meine sportliche Leistung hat sich dramatisch bis zu dem Punkt verbessert, dass ich drei Weltrekorde im Rudern brechen konnte und sich meine Kraft deutlich steigerte.

Mein Ziel mit diesem Buch ist es nicht, die ganze Welt davon zu überzeugen, dass wir alle eine carnivore Ernährung zu uns nehmen müssen. Ich bin sogar ein bisschen besorgt, dass mein Vorrat an saftigen Rib-Eye-Steaks schwindet, wenn zu viele Leute diese Ernährungsweise übernehmen. Ich sehe mich jedoch in der Pflicht, die Menschen auf diese Alternative und den Erfolg, den viele mit diesem Ansatz haben, aufmerksam zu machen.

In Bezug auf das Thema Ernährung werden viele Vermutungen angestellt, die mehr auf dem Glauben als auf soliden Beweisen basieren. Aus diesem Grund hat es im Laufe der Jahre immer wieder Versuche gegeben, das Wissen und die Daten auf diese tief verwurzelten Überzeugungen zuzuschneiden. Wenn Studien zu Ergebnissen führen, die diesen Überzeugungen zuwiderlaufen, werden sie einfach verworfen und abgelehnt. Glücklicherweise ändern sich die Zeiten jedoch, und die Menschen begreifen allmählich, dass Forschungsergebnisse weitaus aussagekräftiger sind als jede Theorie. Noch beruhen die Grundlagen der Ernährung auf Vermutungen. Doch wenn mehr Beweise vorgelegt werden, müssen wir unsere Überzeugungen anpassen.

Wie in jedem normalen Ernährungsratgeber üblich, untermauere auch ich meine Argumente mit einer Reihe wissenschaftlicher Studien, streue einige historische Berichte ein und nehme Sie auf eine Zeitreise mit, um auch die Evolution zu beleuchten. Einige Geschichten über lebensverändernde Erfahrungen und persönliche Erfolge, die ich ebenso aufschlussreich finde wie viele wissenschaftliche Studien, füge ich ebenfalls ein. Ich schreibe nicht für die Kritiker, von denen es garantiert jede Menge geben wird. Ich schreibe für Menschen, die ihre Gesundheit und ihr Leben im Allgemeinen grundlegend verändern wollen. Einige davon werden verstehen, wovon ich spreche, andere wiederum nicht (weil sie es vielleicht nicht können). Vor mir liegt daher zweifellos eine sehr schwierige Aufgabe, aber ich werde diese Arbeit mit Freude und viel Spaß angehen!

KAPITEL 1

MEINEGESCHICHTE

Bevor wir uns mit der Wissenschaft und den Grundprinzipien der Ernährung befassen, möchte ich Ihnen erzählen, wer ich bin, was mich geprägt hat, wie ich dazu kam, mit dieser Diät zu experimentieren, und warum ich heute ein ziemlich lautstarker Befürworter dieser Ernährungsweise bin. Wenn Sie keine autobiographischen Inhalte lesen möchten, blättern Sie einfach zum nächsten Kapitel weiter. Ich verspreche, ich werde darüber nicht sauer sein.

Okay, wo soll ich anfangen? Ich bin in den 1970er Jahren aufgewachsen und lebte hauptsächlich in der Umgebung von Chicago, Illinois. Als ich sah, wie Bruce Jenner bei den Olympischen Sommerspielen 1976 Gold im olympischen Zehnkampf gewann, inspirierte mich das dazu, Sportler zu werden. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich in meiner Nachbarschaft unsere ganz eigenen Olympischen Spiele organisierte. Die Sieger erhielten Medaillen, die ich herstellte, indem ich Pennys in Alufolie wickelte. Wir hatten einen „Marathon“, bei dem es vier Runden um den Block ging, Sprints, Hochsprung auf eine alte Matratze und Kugelstoßen, bei dem wir einen großen Stein als Kugel benutzten. Alle Kinder aus der Nachbarschaft nahmen daran teil.

Ich war schon immer von Leichtathletik besessen und habe mich immer bemüht, mein Bestes zu geben. Aus irgendeinem Grund wurde ich ziemlich groß, nämlich 1,95 m, obwohl meine Mutter nur 1,56 m und mein Vater nur 1,85 m groß sind. Groß zu sein hilft bei bestimmten Sportarten, aber bei anderen schränkt es ein. Für mich wäre es nie infrage gekommen, Turner, Jockey oder CrossFit-Athlet zu werden. Ich war als Heranwachsender ein ziemlich dünner Kerl. Als ich mit der Highschool anfing, war ich ungefähr 1,85 m groß und wog 61 Kilo, was man als leicht untergewichtig bezeichnen könnte.

Aber selbst bei diesem geringen Gewicht hatte ich etwas zu viel Bauch.

Was habe ich als Kind gegessen? So ziemlich dasselbe Zeug wie alle anderen. Zum Frühstück gab es zuckerhaltiges Müsli in den unterschiedlichsten Variationen mit Magermilch. Ich habe es einfach geliebt! Das Zeug schmeckte definitiv gut, und das Trinken der mit Zucker angereicherten Milch, die eine merkwürdige Farbe angenommen hatte, war immer das Beste daran. Das Mittagessen bestand oft aus einem Sandwich mit einem Fleischprodukt, manchmal auch etwas Obst, einem Müsliriegel und vielleicht ein paar Keksen. Zum Abendessen hatten wir oft ein Standardgericht aus Fleisch, einem stärkehaltigen Lebensmittel und Gemüse. Und ich bekam oft Nachtisch. Ich weiß noch gut, dass ich jede Woche literweise Magermilch herunterkippte, als ich älter wurde. Mein Vater fand es gar nicht lustig, wenn er von einem langen Arbeitstag nach Hause kam und die ganze Milch verschwunden war. Ich habe zudem jede Menge Kartoffelchips und Schokoladenkuchen mit Vanilleeis gegessen. Manchmal schnappte ich mir sogar eine Dose Kuchenglasur und einen Löffel und trabte durch die Gegend, bis ich das ganze Ding weggeputzt hatte. (Aber verraten Sie das nicht meiner Mutter!)

Mit vierzehn begann ich mich für Gewichtheben zu interessieren und versuchte, mich gesünder zu ernähren. Ich fing an, riesige Mengen Joghurt in mich zu stopfen, weil ich ein paar coole Fernsehspots gesehen hatte, in denen angedeutet wurde, dass russische Dorfbewohner aufgrund ihres großen Joghurtkonsums lange lebten.

“Natürlich war der Joghurt fettarm und enthielt Tonnen von zugesetztem Zucker, aber damals lautete die Botschaft der Experten, dass wir Nahrungsfett vermeiden sollten. Zucker empfand man als weniger besorgniserregend.

Mit zunehmendem Alter informierte ich mich vor allem durch Bodybuilding-Zeitschriften genauer darüber, wie man groß und stark wird. Ich beschäftigte mich mit Proteinpulver und Nahrungsergänzungsmitteln, von denen ich annahm, dass sie die Schlüsselzutaten dafür waren, warum diese unglaublich riesigen, muskulösen Typen so aussahen. Im Rückblick scheint es offensichtlich, dass Drogenmissbrauch ein wesentlicher Bestandteil des Bodybuildings war, aber damals wusste ich das noch nicht.

Als ich die Highschool in Texas abschloss, wog ich ungefähr 88 Kilo und hatte meine volle Erwachsenengröße erreicht. Laut dem Basketballtrainer war ich „das stärkste Kind in der Schule“. Nach der Highschool verbrachte ich zwei Jahre an einem örtlichen Junior College und ging danach an die University of Texas in Austin, um meinen Bachelor-Abschluss zu machen. Ich hatte ungefähr mit sechzehn beschlossen, Arzt zu werden, weil mich die Wissenschaft interessierte und mich der menschliche Körper faszinierte, also ging ich in die entsprechenden Vorbereitungskurse.

Während meiner Studienzeit waren neben dem Lernen die sozialen Kontakte für mich wichtig, außerdem arbeitete ich auch nebenbei als Lkw-Verlader bei UPS. Trotz dieses vollen Terminkalenders fand ich noch Zeit zum Trainieren. Ich entdeckte, dass ich ein Naturtalent dafür hatte, schwere Dinge hochzuheben und abzusetzen. Jerry, mein Chef bei UPS, war ungefähr so alt wie ich und ging in dasselbe Fitnessstudio. Er wettete mit mir darum, dass er meine Lastwagen beladen würde, wenn ich beim Kreuzheben 205 kg schaffen würde. Ich war damals neunzehn Jahre alt und hatte noch nie Gewichte gehoben, schon gar keine 205 kg, um die es bei dieser Wette ging.

Ich näherte mich der Stange, schnappte sie mir und zog daran, so fest ich konnte. Zu Jerrys und meiner Überraschung löste sich die Stange vom Boden, und ich bekam sie komplett hoch. Nach diesen ersten 205 kg entwickelte ich eine lebenslange Liebe zum Kreuzheben. Im Jahr 2000 hob ich schließlich 350 kg und stellte einen amerikanischen Rekord im drogenfreien Powerlifting auf. (Übrigens hat der dämliche Jerry diese Lastwagen nie für mich beladen).

Ich wechselte an die Universität von Texas, wo ich weiterhin hart trainierte und fleißig lernte. Ich erwarb meinen Abschluss in Biologie und wurde an der medizinischen Fakultät angenommen.

Beginn meiner medizinischen Laufbahn mit einem Umweg

Ich nahm mein Medizinstudium an der medizinischen Fakultät der University of Texas in Galveston auf. Kurz nach meiner Ankunft in Galveston fand ich ein großartiges Fitnessstudio – Sergeant Rock’s Gym –, das einem Typ namens Paul McCartney gehörte (nein, nicht der von den Beatles). Paul meinte scherzhaft, dass ich für das örtliche Rugby-Team spielen müsse, wenn ich bei ihm trainieren wollte. Rugby-Spieler zu werden, erwies sich für mich auf mehreren Ebenen als lebensveränderndes Ereignis.

Ich hatte vorher noch nicht einmal im Fernsehen Rugby angeschaut, doch es fiel mir direkt sehr leicht, weil ich athletisch, groß, stark und schnell war. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase war ich süchtig danach. Bald galt mein Hauptinteresse dem Rugby-Training, und die medizinischen Studieninhalte wurden zweitrangig. Ich bekam zwar immer noch gute Noten, aber meine Leistungen waren nicht auf dem Niveau, das ich hätte erreichen können, wenn das Studium mein Hauptaugenmerk gewesen wäre. Als ich im Rugby immer besser wurde, wurde ich in einige All-Star- und Auswahlmannschaften gerufen. Bald reiste ich durch das ganze Land und spielte für die All-Texas-Mannschaft und später für die Western U. S.-Mannschaft.

Aufgrund meiner Rugby-Reisen verpasste ich schließlich eine Übung für meinen Pharmakologie-Kurs. Zwar hatte ich die Gelegenheit, diese nachzuholen, rechnete aber nach, wie sich die Übung auf meine Note auswirken würde, und stellte fest, dass ich in dem Kurs immer noch leicht eine Eins bekommen konnte, selbst wenn ich für diese Übung keine Punkte erzielte.

Also sagte ich der Sekretärin der pharmakologischen Abteilung, dass es für mich in Ordnung sei, die Übung auszulassen. Anscheinend kam das nicht so gut an, denn nun stand ich unter akademischer Beobachtung. Etwa zur selben Zeit erhielt ich das Angebot, nach Neuseeland, dem Rugby-Mekka der Welt, zu gehen und für eine Mannschaft aus der Premier League zu spielen. Nach etwa fünf Minuten intensiver Überlegung sagte ich zu mir: „Verdammt, ja! Scheiß auf diesen Medizinstudienkram. Ich gehe ins Kiwi-Land“. Sehr zum Schock meiner Professoren zog ich mich also vom Medizinstudium zurück und machte mich auf den Weg nach Neuseeland.

Rugby ist kein Sport für Weicheier. Es kann brutal sein, aber es ist auch ein wunderschön künstlerischer Sport, wenn er gekonnt ausgeführt wird. Ich habe meine Zeit in Neuseeland sehr genossen und bereue meine Entscheidung, das Medizinstudium abzubrechen, um dorthin zu gehen, keine Sekunde lang. Während ich in Neuseeland war, hatte ich alle möglichen Gelegenheitsjobs, darunter Müllmann, Baggerfahrer für Gasleitungen, Schafscherer, Milchlieferant und Barkeeper. Als „amerikanischer Einwanderer“ wurde ich oft zum Abendessen bei den Leuten zu Hause eingeladen, wo es fast immer eine Art Lammgericht gab, das mit einer gebratenen Kumara serviert wurde, der neuseeländischen Version einer Süßkartoffel. Ich habe, während ich dort war, so viel Lamm gegessen, dass ein Jahrzehnt verging, bevor ich es wieder genießen konnte. (Ironischerweise esse ich als reiner Fleischfresser, der ich heute bin, jeden Tag Rindfleisch, und es kommt mir nicht zu den Ohren heraus. Ich mag mittlerweile auch wieder gerne Lammfleisch, wenn ich es bekommen kann.)

Nach Beendigung meines Aufenthalts in Neuseeland kehrte ich nachTexas zurück. Ich brauchte einen Job, und zu dieser Zeit hatte das Militär eines der besten Rugby-Programme des Landes, also trat ich der United States Air Force bei. Ich besuchte die Offiziersausbildungsschule, wo ich hervorragende Leistungen erbrachte und mit Auszeichnung abschloss.

Ich erhielt sogar ein Offizierspatent, was für Leute, die keinen Abschluss der Air Force Academy haben, ziemlich selten ist. Um Pilot zu werden, war ich jedoch zu groß und hatte keine ausreichende Sehkraft. Daher wurde ich darin ausgebildet, Interkontinentalraketen mit nuklearen Sprengköpfen zu starten. Ich musste eine Reihe von Persönlichkeits- und psychologischen Zuverlässigkeitstests bestehen, bevor ich für diesen Job zugelassen wurde und meine Sicherheitsfreigabe für die höchste Geheimhaltungsstufe erhielt.

Nach einem etwa sechsmonatigen Aufenthalt in Kalifornien auf der Vandenberg Air Force Base, wo ich alle Feinheiten des Minuteman-III-Nuklearwaffenkontrollsystems kennenlernte, wurde ich zur F. E. Warren Air Force Base nach Cheyenne, Wyoming, geschickt. Fünf Jahre lang arbeitete ich bis zu achtmal im Monat in 24-Stunden-Schichten, wo ich 150 Atomsprengköpfe betreute und regelmäßig für den Dritten Weltkrieg übte. Ich war ziemlich gut darin, so zu tun, als würde ich Atombomben abwerfen, und wurde zum Raketenkommandant des Jahres ernannt. Schließlich wurde ich Ausbilder.

Als ich Ende zwanzig war, wurde Rugby für mich immer uninteressanter. Während eines Spiels gegen ein Team aus Russland trat mich einer der russischen Sportler wiederholt an den Kopf, bis aus einem meiner Ohren Blut strömte. Nach diesem Vorfall beschloss ich, dass es für mich an der Zeit war, die Rugby-Schuhe an den Nagel zu hängen und mich um eine „richtige Berufslaufbahn“ zu kümmern. Überraschenderweise gab es im zivilen Sektor keine große Nachfrage nach Raketenkommandanten für Nuklearwaffen, doch glücklicherweise übernahm das Militär die Kosten für meine Wiederaufnahme des Medizinstudiums.

Dafür musste ich aber erst einmal an der medizinischen Fakultät aufgenommen werden, und leider kam mir hier meine Vergangenheit in die Quere. Da mein Notendurchschnitt während meines letzten College-Semesters so niedrig gewesen war, musste ich eine Unmenge an College-Kursen belegen, um ihn zu verbessern. Ich schrieb mich für ein Fernstudium an der Universität von Wyoming ein und absolvierte die Kurse in rasendem Tempo, wobei ich nur Einsen bekam. So konnte ich meinen Gesamt-College-Notendurchschnitt wieder in den „für das Medizinstudium akzeptablen Bereich“ bringen. Ich musste auch den MCAT wiederholen, den standardisierten Test für angehende Medizinstudenten. Glücklicherweise bestand ich diesen Test mit Bravour, was mich zu einem ziemlich starken Kandidaten für den Wiedereinstieg ins Studium machte und dazu führte, dass ich an der Texas Tech University aufgenommen wurde.

Als ich wieder an der medizinischen Fakultät war, war ich entschlossen, meine Sache richtig gut zu machen. Zu diesem Zeitpunkt wog ich ungefähr 130 bis 135 Kilo und war enorm gut im Powerlifting, hatte aber Probleme, im Unterricht wach zu bleiben. Rückblickend und mit meinem heutigen Wissen über Ernährung vermute ich stark, dass die klassisch ungesunde, kohlenhydratreiche Ernährung maßgeblich für meine Schläfrigkeit verantwortlich war.

Ich habe jedoch sehr gewissenhaft gelernt und bei den Tests routinemäßig eine der höchsten Punktzahlen erzielt, was entscheidend ist, wenn man Erfolg haben und sich sein Fachgebiet aussuchen will. Man muss auch während der Famulatur richtig Gas geben, sich enorm anstrengen und gute Arbeit abliefern. Die Tatsache, dass ich Sportler war, hat mir dabei sehr geholfen, weil ich wie ein Tier schuften konnte, ohne zu ermüden. Ich arbeitete auf ein ganz bestimmtes Ziel hin: die Facharztausbildung in orthopädischer Chirurgie. Am Ende meines vierjährigen Medizinstudiums schloss ich fast als Jahrgangsbester ab und sicherte mir dadurch die freie Wahl des orthopädisch-chirurgischen Facharztausbildungsprogramms. Dies führte mich an die University of Texas – genau an den Ort, an dem ich fast ein Jahrzehnt zuvor mein Medizinstudium abgebrochen hatte.

Meine chirurgische Facharztausbildung begann ich im pädiatrischen Verbrennungszentrum des Shriner Hospitals for Children, das eines der größten und bekanntesten Krankenhäuser für Verbrennungen in den Vereinigten Staaten ist. Es war einfach eine schreckliche Erfahrung! Ich war völlig ahnungslos, erschöpft und fragte mich, was ich hier tat und warum ich Chirurg werden wollte. Ich hatte jede dritte Nacht Bereitschaftsdienst, was bedeutete, dass ich für eine ganze Intensivstation mit kranken, schrecklich verbrannten Kindern verantwortlich war, von denen viele dem Tod nahe waren. Nur dank der Unterstützung der erfahrenen Krankenschwestern, die seit Jahren in diesem Bereich tätig waren, stand ich das durch, obwohl ich ein naiver, unerfahrener Arzt war. Nach dieser ersten Feuerprobe verbrachte ich den Rest meines Assistenzarztjahres abwechselnd in den verschiedenen chirurgischen Teilgebieten.

Nach vier Jahren Medizinstudium und fünf langen Jahren Facharztausbildung war meine Ausbildung endlich vorbei, oder zumindest dachte ich das. Ich hatte meine Facharztausbildung mit zahlreichen Auszeichnungen abgeschlossen und erhielt die Zulassung, die ich brauchte, um endlich loszulegen.

Es wäre nachlässig, nicht zu erwähnen, dass mein erstes Kind geboren wurde, als ich gerade meine Facharztausbildung beendete. Saxon Michael Baker kam in den frühen Morgenstunden des 26. März 2006 auf die Welt. Er war ein auffallend schöner, kleiner Junge, und seine Existenz veränderte mein Leben für immer! Erst als er etwa 18 Monate alt war, bemerkten wir, dass er nicht ganz so war wie andere Kinder. Mit drei Jahren wurde bei ihm Autismus diagnostiziert. Später wurde meine Familie um zwei wunderbare kleine Mädchen, Emmie und Nylah, bereichert, und schließlich wurde mein viertes Kind, Lucas, geboren.

Da Uncle Sam meine Studiengebühren für das Medizinstudium bezahlt hatte, forderte die Regierung nach meiner abgeschlossenen Ausbildung meinen Dienst ein. Anfang 2006 trat ich daher im Rang eines Majors wieder in die Luftwaffe ein und begann, für den Staat als Orthopäde zu arbeiten. Meine erste „Solo“-Operation war eine Knie-Operation – etwas, das ich während meiner Assistenzzeit hunderte Male gemacht hatte, und sie lief gut. Nachdem ich diese erste Operation hinter mir hatte, entwickelte sich eine gute Routine, und die Arbeit machte mir größtenteils sehr viel Spaß. Leider kam das einfache Leben der Betreuung von meist gesunden und jungen aktiven Militärangehörigen und ihren Familien im Januar 2007 abrupt zum Erliegen, als ich für sechs Monate nach Afghanistan geschickt wurde, um mich dort um Kriegsopfer zu kümmern.

Im Kriegsgebiet

Es heißt ja, der Krieg sei die Hölle, und ich muss Ihnen sagen, dass das stimmt. Während meiner chirurgischen Facharztausbildung hatte ich mich um die Opfer eines Zugunglücks und um die Opfer einer Raffinerieexplosion gekümmert. Diese Unfälle verblassen im Vergleich zu dem Ausmaß der menschlichen Zerstörung, die wir im Krieg anrichten. Es gab keinen einzigen Tag während meiner Zeit in Afghanistan, an dem wir nicht mit grausam Verletzten überschwemmt wurden. Wir haben tagtäglich pausenlos operiert, wirklich den ganzen Tag lang. Pausiert haben wir nur, um zu essen, uns ein wenig zu bewegen und zu schlafen, wenn nachts Waffenruhe herrschte.

Als ich in den Nahen Osten ging, hatte ich gerade einmal sechs Monate zuvor meine chirurgische Facharztausbildung abgeschlossen, und schon wurde ich an einen der schlimmsten Kampfplätze der Welt geschickt. Mein fantastischer orthopädischer Kollege, Dr. Tom Large (der ebenfalls frisch aus der Facharztausbildung kam), und ich waren die Spezialisten für orthopädische Traumata für das gesamte Kriegsgebiet in Afghanistan. Wir haben dort alles gesehen: frische Wunden von Menschen aus der Umgebung, Verletzungen, die einen oder mehrere Tage zuvor passiert und in aller Eile von den Stützpunkten vor Ort behandelt worden waren. Wir operierten Kinder, Erwachsene, US-Soldaten, Angehörige der NATO-Streitkräfte, der afghanischen Armee, die Guten, die Bösen, Kriegsgefangene, Taliban-Soldaten und hochrangige Agenten. Wenn wir Zeit hatten, leisteten wir sogar ein bisschen Missionsarbeit bei den einheimischen Erwachsenen und Kindern, die Gelenkfehlbildungen oder andere chronisch orthopädische Probleme hatten. Nie zuvor habe ich so viel gearbeitet wie zu dieser Zeit und werde es auch nie wieder tun. Ich würde gerne glauben, dass ich meine militärische Fronterfahrung ohne seelische Narben hinter mir gelassen habe. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es für mich jetzt enorm schmerzhaft ist zu sehen, wenn Menschen in Film und Fernsehen verletzt werden, was mich früher nie gestört hat.

Am Ende meines Einsatzes heftete mir ein Zwei-Sterne-General, den ich noch nie zuvor gesehen hatte und an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnern kann, eine Medaille an die Brust. Ich war erleichtert, nach Hause gehen zu können, und verdammt froh, von diesem Ort wegzukommen. Einer der anderen Chirurgen brachte es folgendermaßen auf den Punkt: „Es war eine Millionen-Dollar-Erfahrung, für die ich nicht einen einzigen Cent bezahlen würde.“ Ich kann ehrlich versichern, dass mich nach dieser Erfahrung nichts mehr erschüttern kann.

Der Krieg ist immer noch die Hölle, aber wenn ich etwas Gutes über ihn sagen kann, dann, dass er uns eine Menge über die Medizin lehrt, und ehrlich gesagt auch über das Leben im Allgemeinen.

Als ich nach Hause kam, war mein Sohn Saxon von einem winzigen Baby zu einem kleinen Jungen herangewachsen, der weinte, als er mich aus dem Flugzeug steigen sah. Es dauerte sieben Monate, bis ich mich wieder an das Leben zu Hause gewöhnt hatte, doch irgendwann begannen sich die Dinge zu normalisieren. Auf dem Luftwaffenstützpunkt, auf dem ich stationiert war, wurde ich zum Chef der Orthopädie ernannt, und dann wurde ich auf einen anderen Stützpunkt versetzt, wo ich ebenfalls die Leitung der Orthopädie übernahm. Als meine fünf Jahre bei der Luftwaffe beendet waren, beschloss ich, das Militär zu verlassen und in die zivile Medizin einzusteigen. Ich schied mit dem Rang eines Oberstleutnants aus dem Militärdienst aus.

Wieder Zivilist

Der Übergang vom militärischen zum zivilen Leben war eigentlich ziemlich einfach. Ich war etwa zwei Jahre lang von meiner Familie getrennt gewesen, sodass es nun schön war, wieder regelmäßig mit ihnen zusammen zu sein. Ich schloss mich einer kleinen, recht gemächlichen orthopädischen Praxis mit zwei weiteren Ärzten an. Nach einer kurzen Anfangsphase bat mich die Verwaltung, die Leitung der Praxis zu übernehmen. Ich nahm diese Verantwortung an und baute das Team schnell von einer Gruppe aus drei Chirurgen mit relativ geringer Produktivität zu einer größeren Gruppe mit zwölf Anbietern an zwei Standorten aus. Wir wurden zum führenden Ärztehaus unseres Stadtviertels und waren sehr erfolgreich.

Zusätzlich zu meinen Aufgaben als Praxisleiter hatte ich einen unglaublich vollen klinischen Zeitplan. Ich behandelte routinemäßig vierzig bis fünfzig Patienten pro Tag und beaufsichtigte mehrere Arzthelferinnen und Krankenschwestern. Auch mein Operationsplan war voll, sodass ich fast 600 Operationen pro Jahr durchführte, was ungefähr dem Doppelten des nationalen Durchschnitts eines allgemeinen Orthopäden entspricht. Ich hatte viel zu tun, aber meine Patienten waren durchgehend zufrieden, die Ergebnisse waren gut, und das Krankenhaus war mit den Einnahmen aus meiner Arbeit und der meiner Kollegen zufrieden.

Dunkle Zeiten und Ernährungsumstellung

Doch leider war nicht alles perfekt. Im Jahr 2012 musste ich eine Scheidung durchmachen und verlor den täglichen Kontakt zu meinen Kindern. Das war eine der schmerzhaftesten Erfahrungen meines ganzen Lebens; es tut mir bis heute weh. Ich litt im Stillen und ließ nur einige meiner engsten Freunde bei der Arbeit wissen, was vor sich ging. Und ich hielt mein aufreibendes Arbeitspensum ein und begann eine Art Selbsttherapie mit intensivem sportlichen Training.

Nach einer langen Zeit ging ich eine neue Beziehung ein mit einer wunderbaren und unglaublich unterstützenden Frau, Jasmine, die mir half, wieder auf die Beine zu kommen. Sie hält auch heute noch voll und ganz zu mir. (Interessanterweise ernährte sich Jasmine vorwiegend vegetarisch, als ich sie kennenlernte, was ich besonders seltsam fand, weil sie aus Frankreich stammt – dem Land von Chateaubriand, Butter und Sahne.)

Das Gute an meinen Problemen war, dass ich anfing, auf meine Gesundheit zu achten. Ich war fast Mitte vierzig, aber ich trainierte immer noch wie ein Irrer und war unlängst sogar Highland Games Masters World Champion geworden. Rückblickend kann ich jedoch feststellen, dass ich trotz meiner beträchtlichen Kraft und meiner Trainingsleistung ein metabolisches Syndrom entwickelte.

Kein Mensch hätte behauptet, dass ich dick war. Ich war ein großer Kerl, wog etwa 127 Kilo, aber mein Gewicht bestand hauptsächlich aus Muskeln – zumindest sagte ich mir das. Ich schlief nicht gut, schnarchte viel, war oft müde und hatte eindeutig Schlafapnoe. Mein Blutdruck stieg immer weiter an, und im Laufe der Zeit entwickelte ich immer mehr Schmerzen und Beschwerden. Als erfolgreicher Sportler und Chirurg fiel es mir schwer zu akzeptieren, dass ich zunehmend krank wurde. Meine Ernährungsphilosophie „Iss, was du willst, solange du hart genug trainierst“ hatte mich eingeholt. Wohlgemerkt habe ich nie Unmengen von Junkfood gegessen, aber von Zeit zu Zeit stopfte ich ziemlich viel Eiscreme, Pizza oder andere schmackhafte Nahrungsmittel in mich hinein. Ich habe viel Obst gegessen, viel magere Milchprodukte (immer noch massenweise Joghurt) und oft Müsli und Nudeln, um genug Vollkorngetreide zu mir zu nehmen. Ich liebte Fleisch, war allerdings kein großer Fan von Gemüse. Und ich aß enorm große Mengen.

Als mir klar wurde, dass ich mich nicht mehr ausschließlich auf Bewegung verlassen konnte, um gesund zu bleiben, beschloss ich, meine Ernährung umzustellen. Mein Wissen über Ernährung bestand bis zu diesem Zeitpunkt aus dem, was die meisten Ärzte wissen. Zudem hatte ich mir noch ein paar Sachen angelesen, die für mich als Sportler wichtig waren. Der erste Schritt auf meinem Weg war die Reduzierung der Kalorien, die ich zu mir nahm; ich reduzierte diese von etwa 6.000 Kalorien pro Tag auf etwa 3.000 Kalorien täglich. Ich verzichtete auf Junkfood und Zucker und aß viel grünes Blattgemüse, viele ballaststoffreiche Nahrungsmittel und nur wenig mageres Fleisch wie Huhn und Fisch. Außerdem steigerte ich mein Training und fing gleich morgens mit Seilspringen an – 1.000 Sprünge jeden Morgen. Mittags machte ich Krafttraining. Wenn ich abends nach Hause kam, machte ich nochmals 1.000 Seilsprünge. Mein Gewicht begann schnell zu purzeln – im ersten Monat nahm ich 14 Kilo ab. Ich reduzierte meine Kalorien noch weiter und erhöhte meine Springseilübung auf 2.000 und dann auf 3.000 Sprünge pro Durchgang. In den nächsten zwei Monaten nahm ich weitere 9 Kilo ab, sodass ich in drei Monaten insgesamt 23 Kilo an Gewicht verlor. Ich war schlank und sah viel besser aus (auch wenn die Krankenschwestern sagten, ich würde zu dünn). Allerdings hatte ich ständig einen Mordshunger und fühlte mich elend.

Zu diesem Zeitpunkt begann ich, mich mit der Paläo-Diät zu befassen und damit zu experimentieren, meine Essgewohnheiten gemäß diesen Richtlinien zu ändern. Ich fühlte mich besser. Mein Gewicht blieb ziemlich stabil, als ich anfing, nach Paläo-Rezepten zu kochen. Ich las mehrere Bücher über Ernährung und vertiefte mich in populäre Bücher zu diesem Thema. Irgendwann las ich Good Calories, Bad Calories von Gary Taubes und war überwältigt von den Fehlern in unserem Verständnis von Ernährung. Taubes’ Buch veranlasste mich dazu, viele der Dogmen infrage zu stellen, die ich zuvor ohne Weiteres akzeptiert hatte. Später las ich Nina Teicholz’ Buch The Big Fat Surprise und war massiv erstaunt davon, welche Korruption hinter den Ratschlägen steckt, was wir essen sollen. Daher vertiefte ich mich weiter in die Materie der kohlenhydratarmen Ernährung und las Bücher von Stephen Phinney, Jeff Volek, Jimmy Moore und Jason Fung. Schlussendlich begann ich dann eine ketogene Ernährung, und zum ersten Mal wusste ich, wie es ist, frei von Hunger zu sein.

Ich habe mich vollständig auf Keto eingelassen, Rezeptbücher gekauft und alle Arten von Gerichten zubereitet, einschließlich köstlicher Desserts. Ich fügte MCT-Öl zu meinem Essen hinzu, in der Hoffnung, dass es meinen Ketonspiegel erhöhen würde. Um meine sportliche Leistung zu verbessern, experimentierte ich sowohl mit der gezielten als auch mit der zyklischen Version der ketogenen Diät. An einigen der Tage, an denen ich viele Kohlenhydrate zu mir nahm, hatte ich wirklich Mühe, alles, was ich berechnet hatte und konsumieren sollte, zu vertilgen. Zuerst freute ich mich auf die kohlenhydratreiche Zeit. Im Laufe der Zeit merkte ich jedoch, dass ich sie zum einen überhaupt nicht genoss und dass sie zum anderen auch Probleme in meinem Magen-Darm-Trakt verursachte und meine Leistung im Fitnessstudio nicht merklich besser war.

Ich war ein absoluter Verfechter der ketogenen Ernährung, nahm Fleisch in meinen Speiseplan auf, und oft schleppte ich die ganze Praxis in den örtlichen Imbiss, wenn es freitags als Mittagsmenü Rippchen gab. Ich aß ständig Speck und Eier, aber auch riesige Salate aus Spinat mit Olivenöl, Nüssen, Eiern, Speck und etwas Beerenobst.

Als sich mein Gesundheitszustand weiter verbesserte, begann ich, mit einigen meiner adipösen Patienten über die ketogene Diät zu sprechen. Ich freute mich, ihnen ein Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen, das ihnen meiner Meinung nach helfen würde. Ich druckte Flyer mit Lektüre- und Videoempfehlungen, die die Wissenschaft hinter der Diät erklärten und praktische Ratschläge zur Umsetzung gaben. Bei einem hohen Prozentsatz der Patienten, denen ich die ketogene Diät empfahl, funktionierte sie.

Bald bemerkte ich, dass sich viele der orthopädischen Beschwerden, die ich bisher mit Medikamenten, Injektionen oder Operationen behandelt hatte, allein durch eine Ernährungsumstellung verbesserten. Ich wühlte mich durch die Literatur, um herauszufinden, was da vor sich ging. Leider gab es nicht viele Daten über den Zusammenhang zwischen Ernährung und gängigen orthopädischen Erkrankungen. Ich fand eine Handvoll Studien, die klinische Zustände untersuchten. Diese unterstützten im Allgemeinen das, was ich bei meinen Patienten beobachtete. Zudem entdeckte ich einiges an wissenschaftlicher Grundlagenforschung, das meine Hypothese stützte. Der kontinuierliche Erfolg, den ich beobachtete, beflügelte mich immer mehr. Ich verteilte Flyer an so gut wie jeden Patienten, der auch nur das geringste Interesse zeigte.

Ich konnte meine Begeisterung über die Ergebnisse dieser Ernährungsweise nicht zügeln. Obwohl ich es liebte, zu operieren, fand ich es nun wichtiger, dass sich die Gesundheit meiner Patienten in jedem Aspekt verbesserte, wenn sie ihre Essgewohnheiten änderten. Anstatt mich wie ein Rädchen im Getriebe zu fühlen, fühlte ich mich gestärkt. Ich erreichte das, was ich mir immer erhofft hatte, als ich als Sechzehnjähriger davon geträumt hatte, Arzt zu werden.

Ich sprach mit meinem Verwaltungschef über die Ergebnisse, die ich bei meinen Patienten sah, und er sagte mir höflich, dass es interessant sei, teilte aber meine Begeisterung nicht. Daraufhin deutete ich an, dass ich gerne etwas Zeit in der Klinik hätte, um einen neuen Ansatz der Lifestyle-Medizin zu praktizieren. Meine Andeutungen wurden weitgehend ignoriert. Ich war der Meinung, dass dieser Ernährungsansatz auch auf das Wellnessprogramm für die Angestellten anwendbar wäre, also vereinbarte ich ein Treffen mit der Programmleiterin. Als ich jedoch in ihr Büro kam und eine riesige Schüssel Pfirsiche auf ihrem Schreibtisch sah, wurde mir klar, dass sie voll und ganz auf die pflanzenbasierte Ernährung setzte. Ich kam also auch bei ihr nicht weiter.

Das Krankenhaus hatte gerade einen Adipositas-Chirurgen in Vollzeit angestellt, mit dem ich mich sehr gut verstand. Ein Teil des Adipositas-Programms sollte eine nicht-operative diätetische Praxis umfassen. Dieser Teil war jedoch nicht richtig angelaufen, wohingegen die Adipositas-Chirurgie gut vorankam. Daher fragte ich, ob ich den diätetischen Teil in Teilzeit durchführen könnte, und bekam als Antwort „Nein, danke“. Schließlich begann ich aus Frustration, meinen Zeitplan zu ändern. Statt der üblichen achtminütigen Untersuchungen verbrachte ich vierzig Minuten in der Beratung mit meinen Patienten. Anstatt jeden Tag eine Menge Operationen zu buchen, schlug ich vor, dass wir besser mit der Operation warten und es mit Ernährungs- und anderen Lebensstiländerungen versuchen sollten. Meine Krankenschwester musste ständig neue Flyer drucken, weil ich alle paar Tage einen ganzen Stapel verteilte. Die Krankenhausverwaltung teilte mir schließlich mit, dass dieser ganze Lebensstil-Kram in der Orthopädie nicht erwünscht sei. Aber als Leiter der Abteilung war es mir egal, was die Verwaltung dachte, also machte ich weiter.

Irgendwann wurde ein Treffen mit jemandem aus dem medizinischen Personalwesen anberaumt, der mich darüber informierte, dass sich die Richtlinien geändert hätten. Bei einer Überprüfung meiner Bürounterlagen aus den Jahren zuvor hatte der Gutachter festgestellt, dass ich in die Kategorie fiel, die ein Peer-Review-Verfahren rechtfertigen könnte. Mir wurde gesagt, dass ein Dutzend Fälle nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und von einem anderen orthopädischen Chirurgen überprüft werden würden.

Einige Monate später wurde ich wieder ins Büro gerufen und erfuhr, dass die Überprüfung meiner Fälle abgeschlossen sei und einige von ihnen als „unterdurchschnittlich“ eingestuft worden waren. Ich bat um einen Einblick in diese Fälle, aber mir wurde mitgeteilt, dass dies nicht gestattet sei. (Später fand ich heraus, dass diese Vorgehensweise nicht richtig war; es hätte mir erlaubt sein müssen, Klarstellungen zu den überprüften Fällen abzugeben.) Ich fand auch heraus, dass der Prüfer meiner Fälle zufällig bei unserer Konkurrenzpraxis am anderen Ende der Stadt beschäftigt war. Deshalb äußerte ich meine Besorgnis darüber, dass es einem direkten finanziellen Konkurrenten erlaubt wurde, meine Fälle zu überprüfen. Die Verwalter stimmten zu, dass ein möglicher Interessenkonflikt bestehen könnte und dass sie meine Fälle an ein unabhängiges externes Überprüfungsunternehmen schicken würden. Mir wurde mitgeteilt, dass die meisten der aufgezeigten Probleme die Dokumentation meiner Unterlagen betrafen, und mir wurde versichert, dass ich mir wahrscheinlich keine Sorgen zu machen brauchte. Ich ging wieder an die Arbeit und kümmerte mich um die Patienten.

Nach einigen Monaten erhielt ich eine Nachricht von der Klinikleitung, dass ich für den nächsten Tag meine Behandlungen und alle anstehenden Operationen absagen und mich am Nachmittag mit dem Verwaltungsleiter treffen sollte. Dieser überreichte mir eine Kopie des Berichts des externen Gutachters, der eine kurze Aufstellung der ausgewählten Fälle, jedoch keine weiteren Informationen oder Einzelheiten enthielt. Der Bericht listete mehrere Mängel in meiner Behandlung auf und stellte fest, dass ich mehrfach Operationen durchgeführt hatte, die nicht indiziert, schlecht dokumentiert oder anderweitig problematisch waren. Als ich den Bericht las, rutschte mir das Herz in die Hose, und ich verfiel in einen Schockzustand. Mir wurde mitgeteilt, dass meine Krankenhausprivilegien mit sofortiger Wirkung bis zur formellen Überprüfung durch einen Ausschuss ausgesetzt wurden.

Wie Sie sich vielleicht vorstellen können, ist eine solche Überprüfung unglaublich stressig und emotional anstrengend. Am nächsten Tag fragte mich der Personalleiter des Krankenhauses, der im Ausschuss sitzen und über mein Schicksal entscheiden würde, ob ich mich mit ihm zum Frühstück treffen und über meine Bedenken sprechen wolle. Er teilte mir mit, es sei auf der Grundlage dieses externen Überprüfungsberichts beinahe garantiert, dass ich suspendiert würde. Dann schlug er mir vor, einen Brief an den Ausschuss zu schreiben, in dem ich in der Hoffnung auf ein besseres Ergebnis die Verantwortung für meine Fehler auf mich nehmen sollte. Immer noch völlig benommen und geschockt willigte ich ein, den Brief zu schreiben, und tat, was er vorschlug, da ich dachte, er wolle nur mein Bestes.

Völlig deprimiert fuhr ich zum Grand Canyon hinaus, um mich mit meiner Freundin zu treffen. Ich verbrachte die nächsten Tage in einem zombiehaften Zustand, während ich auf das Ergebnis des Komitees wartete. Wie erwartet verkündete der Ausschuss das Suspendierungsurteil. Mir wurde gesagt, dass es eine sehr schwierige Entscheidung gewesen sei, weil alle Mitglieder, die mich kannten und mit mir gearbeitet hatten, mich immer sehr sympathisch gefunden und nie Probleme mit meiner Patientenversorgung bemerkt hatten. Der Ausschuss setzte sich jedoch aus Ärzten verschiedener nichtorthopädischer Fachrichtungen zusammen, die sich ausschließlich an die Informationen im Bericht hielten. Per Konferenzschaltung hatte dem Ausschuss ein orthopädischer Berater zur Verfügung gestanden. Wie ich erfuhr, war dieser Berater aber ein weiteres Mitglied der konkurrierenden Praxis in unserer Stadt.

Zunächst akzeptierte ich mein Schicksal und teilte dem Krankenhaus mit, dass ich die Ergebnisse nicht anfechten würde. Die nächsten Wochen verbrachte ich zu Hause und versuchte herauszufinden, was zum Teufel ich mit meinem Leben anfangen sollte. Als mein Schockzustand jedoch nachließ, wurde ich langsam wütend. Ich beriet mich mit einem Anwalt und reichte einen Antrag auf eine faire Anhörung ein, um ohne den Einfluss direkter finanzieller Konkurrenten fortfahren zu können.

Mein Anwalt bat darum, uns Zugang zu allen Aufzeichnungen der Überprüfung zu gewähren, auf die sich der Suspendierungsbeschluss stützte. Als ich diese Aufzeichnungen und den Bericht endlich prüfen konnte, war ich schockiert, weil ich sofort erkannte, dass der unabhängige Gutachter zahlreiche eklatante Fehler gemacht hatte und eindeutig durch den ursprünglichen Bericht meines Konkurrenten aus der Stadt beeinflusst worden war. Dieser Bericht war keine unabhängige Prüfung. Ich war natürlich sehr verärgert, aber zumindest konnte ich nun darauf hinweisen, wo in dem Bericht Fehler gemacht worden waren.

Als der Tag meiner Anhörung endlich kam, hörte ich schweigend zu, als das Krankenhaus seinen Fall vorstellte. Sie spielten die Tatsache herunter, dass die externe Überprüfung das entscheidende Beweisstück gewesen war, das den Ausschuss letztlich dazu veranlasst hatte, mich zu suspendieren. Das Krankenhaus behauptete, ich hätte das Wort „Bullshit“ einmal in einer E-Mail verwendet, und daher würde die Verwaltung mich ungeachtet des externen Berichts suspendieren. Diese Behauptung stand in völligem Widerspruch zu dem, was mir die ganze Zeit gesagt worden war. Es schien, dass das Krankenhaus sehr wohl wusste, dass der Bericht totaler Müll war. Deswegen versuchten sie so zu tun, als sei er nur von minimaler Bedeutung. Ich war sehr frustriert von dieser Stellungnahme.

Als ich schließlich meine Sicht des Falls vortragen durfte, zerlegten mein Anwalt und ich die Integrität des Berichts des externen Gutachters. Am Ende der Anhörung wurde mir mitgeteilt, dass der Anhörungsbeauftragte bis Ende des Monats einen Abschlussbericht erstellen würde. Für den Rest des Monats überprüfte ich daraufhin jeden Tag ängstlich die Post. Als die Ergebnisse schließlich eintrafen, riss ich den Umschlag auf und begann zu lesen. Die Auswertung räumte ein, dass der Bericht des unabhängigen Gutachters falsch und problembehaftet war. Wir hatten gegen den Anhörungsbeauftragten Einspruch erhoben, weil er erst kurz vorher aus dem Arbeitsverhältnis mit meinem direkten finanziellen Konkurrenten ausgeschieden war. Genau dieser Mann erklärte nun, es sei klar, dass ich meinen Patienten „zu viel Entscheidungsfreiheit“ bei der Auswahl ihrer Behandlungsmöglichkeiten gelassen habe. Er kam zu dem Schluss, dass die Suspendierung durch das Krankenhaus rechtens sei. Ich bin immer noch völlig entgeistert über die Vorstellung, man könne einem Patienten „zu viel Entscheidungsfreiheit“ in Bezug auf seine medizinische Versorgung geben!

Es versteht sich von selbst, dass ich von diesem Ergebnis enttäuscht war. Kurze Zeit später wurde die staatliche Ärztekammer eingeschaltet, weil das Krankenhaus eine formelle Beschwerde eingereicht hatte. Nun hatte ich zwei Möglichkeiten. Die erste bestand darin, die Beschwerde anzufechten und eine Anhörung auf staatlicher Ebene durchzuführen. Bis zum Termin der Anhörung könnte jedoch ein Jahr oder mehr vergehen, und meine Verteidigung wäre wahrscheinlich sehr teuer. Ich hatte bereits fast zwei Jahre lang kein Einkommen mehr erzielen können, und meine Ersparnisse waren geschrumpft. Und mir war klar, dass das Krankenhaus weiterhin in seinem eigenen Interesse handeln würde und nicht an der Wahrheit interessiert war. Also entschied ich mich für die zweite Option, die in einer unabhängigen Bewertung bestand, für die ich vorher aber freiwillig auf meine Approbation verzichten musste.

Ich reiste nach Denver, Colorado, wo eine unabhängige Institution mehrere Tage damit verbrachte, mich zu bewerten. Hier wurden mit mir eine Reihe physischer, mentaler und neurokognitiver Tests durchgeführt; zudem hatte ich Gespräche mit mehreren orthopädischen Chirurgen und führte simulierte Patientenkontakte durch. Außerdem überprüfte die Agentur meine Patientenakten. Am Ende der Evaluierung wurde mir mitgeteilt, dass das Institut einen Bericht mit den Auswertungsergebnissen erstellen würde. Vier Monate später erhielt ich den Ergebnisbericht, in dem festgestellt wurde, dass ich voll und ganz in der Lage und befugt sei, so bald wie möglich wieder in die Praxis zurückzukehren. Ich wurde angewiesen, meine medizinische Fortbildung auf den neuesten Stand zu bringen, da ich seit weit über zwei Jahren nicht mehr praktiziert hatte. Natürlich war ich mit diesen Ergebnissen zufrieden und fühlte mich etwas bestätigt. Nach mehr als dreieinhalb Jahren Wartezeit erhielt ich meine Approbation zurück.

Mein endgültiger Weg zum Fleischfresser

Während all die Kontroversen über meine medizinische Praxis stattfanden, verschlang ich weiterhin Artikel und wissenschaftliche Literatur über Ernährung und Lebensstil. Ich experimentierte zudem auch weiter mit meiner eigenen Ernährung und diversen Lebensstilveränderungen. Anfang 2016 weckte eine Gruppe von Menschen mein Interesse, denen es scheinbar gut damit zu gehen schien, sich rein fleischlich zu ernähren. Ich hatte bei mir selbst in einigen Bereichen Verbesserungen beobachtet, seitdem ich mich ketogen ernährte, aber Leute, die diese verrückte reine Fleisch-Diät befolgten, berichteten von noch häufigeren und erfolgreicheren Besserungen. Wie konnte es nur sein, dass Menschen, die sich bereits kohlenhydratarm oder ketogen ernährten und sowohl Zucker als auch Samenöle und raffiniertes Getreide von ihrem Speiseplan gestrichen hatten, noch gesünder wurden, wenn sie auf Spinat, Brokkoli und Grünkohl verzichteten? Das ergab keinen Sinn. Alles, was ich jemals zuvor gelesen oder gehört hatte, war, dass genau diese Nahrungsmittel der Schlüssel zur Gesundheit seien. Und die Wahrheit dieser Weisheit stellte niemand infrage. Sicher, ich hatte von Gesellschaften (wie den Inuit und Massai) gehört, die sich hauptsächlich von Fleisch ernährten, aber diese Menschen taten das aufgrund ihrer ungewöhnlichen Lebensbedingungen. Natürlich wusste ich, dass diese Kulturen als außergewöhnlich gesund galten, aber ich war davon ausgegangen, dass ihre gute Gesundheit auf den Nicht-Verzehr von Junkfood und viel körperliche Aktivität zurückzuführen war.

Als mich dieses verrückte Phänomen der Menschen, die nur Fleisch essen, mehr und mehr faszinierte, begann ich, mich eingehender mit der verfügbaren Literatur zu befassen. Ich las die Schriften von Vilhjalmur Stefansson, der beschrieb, wie er mehr als ein Jahrzehnt unter den Inuit lebte und sich ausschließlich von Fleisch ernährte. Er behauptete, er habe sich nie besser gefühlt als in dieser Zeit. Ich durchforstete zahlreiche Peer-Review Studien, die angefertigt worden waren, nachdem Stefansson zugestimmt hatte, ein Jahr lang nur Fleisch zu essen, um der skeptischen wissenschaftlichen Welt zu beweisen, dass dies möglich ist. Die Schlussfolgerungen besagten, dass er und sein Studienpartner nach dem einjährigen Versuch bei ausgezeichneter Gesundheit waren; sie waren frei von jeglichen Mangelerscheinungen oder Krankheiten.

Ich erkannte eine erstaunliche Einfachheit in dieser Ernährungsweise und stellte fest, wie intuitiv verständlich sie war. Offenbar gab es eine wachsende Gemeinschaft, die die Komplexität, die Frustration und die Sinnlosigkeit satthatte, die bei anderen Ernährungsratschlägen so häufig vorkamen. Bei dieser Idee einer reinen Fleisch-Diät ging es darum, um der Ernährung willen zu essen, ohne Rücksicht auf sozialen Druck, Unterhaltungsaspekte, Abhängigkeiten oder Erwartungen. Natürlich hatten manche Menschen, die diese Umstellung versuchten, Schwierigkeiten damit, aber viele verbesserten ihren Gesundheitszustand und definierten ihre Beziehung zum Essen neu. Sich zu ernähren wurde zu etwas Einfachem, und die Ängste verschwanden. Zum ersten Mal in ihrem Leben erlebten die Menschen eine echte Ernährungszufriedenheit, und das war ansteckend. Ich wollte es ausprobieren. Ich hatte schon immer den Geschmack von Fleisch geliebt, aber im Hinterkopf hatte ich immer ein leichtes Schuldgefühl verspürt – nicht, weil ich ein Tier gegessen hatte, sondern weil mir gesagt worden war, dass es schlecht für mich sei, viel Fleisch statt reichlich Obst und Gemüse zu essen.

Im Laufe des Sommers 2016 führte ich rein carnivore Tage in meine Ernährung ein. Ich aß Eier, Speck, Meeresfrüchte, Steaks und Hamburger. Ich genoss es sehr und fühlte mich, ehrlich gesagt, verdammt gut. An manchen Tagen aß ich mehr „normale“ Lebensmittel, und an diesen Tagen fühlte ich mich nicht so gut. Ich begann, mich auf meine rein fleischlichen Tage zu freuen. Nach und nach ging ich von ein paar carnivoren Tagen auf eine ganze Woche über. Überraschenderweise vermisste ich die anderen Nahrungsmittel nicht. Dann wurden aus einer Woche zehn Tage, und dann dehnte ich den Fleischverzehr auf zwei Wochen aus. Während der ganzen Zeit fühlte ich mich großartig.