Die Freien Wähler (FW) - Armin Grein - E-Book

Die Freien Wähler (FW) E-Book

Armin Grein

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Beschreibung

Die Freien Wähler (FW) sind heute ein fester Bestandsteil des bayerischen Landtages und streben auch in der Bundespolitik eine immer wichtigere Rolle an. Doch wer sind sie eigentlich? Woher kommen sie? Wohin werden sie gehen? In seinem Buch blickt Armin Grein, der langjährige Bundes- und Landesvorsitzende, nun auf die Geschichte der Freien Wähler (FW) in Bayern sowie auf sein politisches Leben als Kommunalpolitiker zurück und gibt dabei spannende, gelegentlich auch kritische, Einblicke in die Entwicklung einer demokratischen Bewegung - von ihren Anfängen bis zur Transformation zur Partei. Damit legt der heutige Ehrenvorsitzende und Altlandrat erstmals eine Geschichte der Freien Wähler (FW) vor, die nicht nur offene Lücken schließt, sondern der Nachwelt zugleich als Lehrstück für die Entfaltung von demokratischen Potentialen dienen kann.

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Seitenzahl: 134

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Widmung

Ich widme dieses Buch meiner Familie, die mir während meiner politischen Karriere stets unterstützend zu Seite stand. In den besten Momenten und auch in jenen, in denen die Arbeit den Tag diktierte. Ich danke daher meiner Frau Martha sowie meinen Kindern für ihr Verständnis und die Idee, das vorliegende Werk zu verfassen und noch einmal einen Rückblick auf Vergangenes zu wagen. Danke!

Armin Grein

Danksagung

Ich bedanke mich im Speziellen bei allen, im Besonderen bei meiner Tochter Gesine, die mich im Rahmen dieses Buchprojektes unterstützt und es daher ermöglicht hat, dass nunmehr erstmals eine Geschichte der Freien Wähler (FW) in Bayern als bleibendes Zeitdokument vorgelegt werden kann. Ein Anfang ist allerdings nicht das Ende und dem ersten Schritt mögen noch viele weitere folgen.

Mein Dank gilt darüber hinaus auch allen Wegbegleitern, Unterstützern und auch Wählern, ohne die ein solcher Erfolgsweg nicht hätte gegangen werden können. Die Grundlage der Demokratie wird immer durch den Willen des Einzelnen gelegt. Er ist daher zu achten und zu hören. Das gilt es niemals zu vergessen und ist immer wieder in Erinnerung zu rufen.

Armin Grein

Inhalt

Widmung

Vorwort Hubert Aiwanger

Vorwort Anna Stolz

Vorwort Andreas Herteux

Einleitung

Kommunalpolitische Situation nach dem 2. Weltkrieg

Der gemeinsame Weg zeichnet sich ab

Die Gründung

Wachstum und strukturelle Etablierung

Wachstum erfordert Grundsatzdiskussionen

Mein persönliches Verhältnis zur CSU

Mein Landratswahlkampf 1984

Durch Wald und Wiese mit Dieter Thomas Heck

Demokratische Knasterfahrungen

Landrat von Main-Spessart

Mehr Wachstum, mehr Diskussionen

Von politischen Wilderern zur Regierungsbeteiligung

Das Bildungswerk der Freien Wähler

Gewagte Wetterprognose

Ziel Landtag!

Plagiat einmal anders

Das Wahlprogramm der Freien Wähler

Mensch und Politiker

Moderne Wahlwerbung

Robin Hood im Schilderwald

Stetiger Organisationsaufbau

Eine Frau stürzt einen Oberbürgermeister

Zweiter Anlauf zur Landtagswahl 2003

Die Stichwahl muss bleiben!

Ein bisschen Spaß muss sein!

Vom Kreis- zum Landesschatzmeister

Platz für Jüngere machen

Von der organisierten Wählergruppe zum Parteienstatus

Das Ende und Papst Benedikt XVI.

Ein Ausblick in die Zukunft

Epilog: Die Lebenshilfe Marktheidenfeld

Anhang: Chronologie wichtige politische Stationen und Auszeichnungen Armin Greins

Anhang: Abbildungs-, Beitrags- und Rechteverzeichnis

Über den Autor

Herausgeber und Co-Autor

Verlag

Vorwort Hubert Aiwanger

Armin Grein ist ohne Zweifel eine absolut herausragende Persönlichkeit der Freien Wähler, quasi unser Gründervater.

Er hat den Grundstein für die Erfolge der Freien Wähler gelegt. Bereits 1972 wurde er zum Bürgermeister von Marktheidenfeld gewählt und dann 1984 zum Landrat des Landkreises Main Spessart. Er war der erste Landrat der Freien Wähler in Bayern und hat diese Position mit herausragenden Wahlergebnissen verteidigt, bis seine Dienstzeit aus Altersgründen 2008 endete.

Armin Grein war nicht nur als Kommunalpolitiker äußerst erfolgreich, sondern engagierte sich auch sehr in vielen Ehrenämtern.

Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Bayerischen Verdienstorden, das Verdienstkreuz am Bande, den Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und die Kommunale Verdienstmedaille in Gold. Seit 2008 ist Armin Grein Ehrenbürger von Marktheidenfeld.

Unsere Zusammenarbeit war stets vertrauensvoll sowie fruchtbar. Wir teilten immer die gleiche Grundüberzeugung, dass der Mensch in den Mittelpunkt zu stellen sei und der gesunde Menschenverstand über jeder Ideologie und jeder Parteivorgabe von oben stehen sollte. Den Willen der Bürger zu erkennen und zu artikulieren, war und ist immer das Bestreben der Freien Wähler. Es war eine große Aufgabe die unabhängigen Freien Wähler Gruppierungen in ganz Bayern davon zu überzeugen, das eigene demokratische Potential zu bündeln und als einheitliche politische Kraft aufzutreten.

Armin Grein war dabei die entscheidende Figur, welche die Grundlagen dafür gelegt hat, dass die weit verstreuten Freien Wähler eine Einheit bildeten und heute in geballter Stärke nicht nur eine wichtige Rolle in Bayern spielen, sondern auch in den Landtagen anderer Bundesländer und im Europaparlament vertreten sind. Der Bundestag wird früher oder später folgen.

Es ist, wie der Untertitel des Buches andeutet, eine demokratische Erfolgsgeschichte, die bislang noch nicht erschöpfend dokumentiert wurde. Wir Freien Wähler kümmern uns um die Belange der Menschen, da blieb bis jetzt wenig Zeit für unsere eigene Historie. An dieser Stelle ist Armin Grein ein Pionier. Er schließt diese Lücke mit seinem Buch und bietet erstmals einen Einblick in die Anfänge und in die Entwicklung unserer Organisation.

Die Freien Wähler haben ihm an dieser Stelle sehr viel zu verdanken. Ich wiederhole die Worte, die ich 2019 zu Armin Greins 80. Geburtstag ausgesprochen habe:

Ohne die großartigen Vorarbeiten Armin Greins wären die Freien Wähler heute nicht dort, wo sie sind. Er hat uns in den Sattel geholfen und reitet im Geiste noch immer mit.

Unserem Ehrenvorsitzenden ist daher nur zu gratulieren und wir hoffen, dass er unseren Einzug in den Bundestag noch in gewohnter Frische mit uns feiern wird. Armin Grein wünsche ich bis dahin nur das Beste, viel Gesundheit, zahlreiche schöne Momente mit seiner Familie und ein langes aktives Leben.

Hubert Aiwanger, MdL

Bundes- und Landesvorsitzender Freie Wähler (FW)

Vorwort Anna Stolz

Ich erinnere mich noch genau an die erste persönliche Begegnung mit Armin Grein. Er war mir aus meiner Kindheit und Jugend als Landrat für meinen Heimatlandkreis Main-Spessart natürlich wohl bekannt. Ich schätzte und achtete ihn schon damals sehr für seine großen Verdienste um unsere Heimat.

Als ich ihn dann als Bürgermeisterin der Stadt Arnstein als Ehrengast zum Neujahrsempfang der Stadt eingeladen hatte, kam er nach meiner Ansprache schmunzelnd auf mich zu mit den Worten: "Das haben Sie gut gemacht, ich werde Sie im Auge behalten".

Aus dieser Begegnung entwickelte sich im Laufe der Jahre eine tiefe Verbundenheit und Armin Grein wurde mein politischer Mentor und Vertrauter, was sich bis heute nicht geändert hat.

Armin Grein ist Vorreiter und Vorbild für alle Freien Wähler und hat seinen Ursprung, so wie ich auch, in der Kommunalpolitik.

Er war und ist bürgernah, pragmatisch und tief lokal verwurzelt – Eigenschaften, für die die Freien Wähler und dessen Mitbegründer stehen. Mit seiner Arbeit als hauptamtlicher Bürgermeister von Marktheidenfeld von 1972 bis 1984, sowie zugleich als Mitglied des Kreistags Main-Spessart hat er die lokalen Geschicke Marktheidenfeld souverän gelenkt. Von 1984 bis 2008 war er dann Landrat des Landkreises Main-Spessart. Außerdem gehörte er dem Bezirkstag von Unterfranken von 2003 bis 2018 an. Von 2008 bis 2013 war er stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, von 2013 bis 2018 weiterer Vertreter des Bezirkstagspräsidenten.

Mit seinem Engagement und Wirken hat er auch noch heute eine besondere Strahlkraft und prägt unsere Arbeit weiterhin entscheidend.

Wir Freien Wähler betreiben eine pragmatische Politik jenseits ideologischer Festlegungen. Politik nach dem gesunden Menschenverstand.

Das hat bereits unser Gründer Armin Grein getan und dies werden wir auch weiterhin auf kommunaler, Kreis-, Landes- und bald Bundesebene tun. Wir sind aber auch zutiefst basisdemokratisch und lassen uns in unseren Orts- und Kreisverbänden nichts aus der entfernten Parteizentrale diktieren. Wir sind eben frei und gerade deswegen eine demokratische Erfolgsgeschichte – wie der Buchtitel es auch treffend beschreibt.

Ich danke Armin Grein von Herzen, dass er uns den Weg geebnet und die Freien Wähler zur zweitstärksten bürgerlichen Kraft im Freistaat und in der Bundesrepublik gemacht hat.

Anna Stolz

Staatssekretärin im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, MdL Bayern

Vorwort Andreas Herteux

Wenn man, wie mir selbst einst geschehen, im Landkreis Main-Spessart in den 80er-Jahren geboren wurde und auch seine Kindheit, Jugend sowie das frühe Erwachsenenleben dort verbringen durfte, kannte man in der Regel für viele, viele Jahre nur einen einzigen Landrat: Armin Grein.

In dieser Eigenschaft und zuvor schon als Bürgermeister von Marktheidenfeld hat er viele weitreichende Entscheidungen getroffen; sei es bei den Anreizen zur betrieblichen Neuansiedlung, der Sanierung der öffentlichen Infrastruktur, der Weiterentwicklung der Sparkasse oder dem Neubau von Umgehungsstraßen – sie förderten die Entwicklung des Landkreises Main-Spessart nachhaltig und sind noch heute zu spüren.

Persönlich zeigte sich Armin Grein, auch das ist bekannt, volksnah, bodenständig und mit einem offenen Ohr für die Sorgen und Nöte der Menschen.

„Charmin‘ Armin“ taufte ihn die Presse einst und wer ihn im persönlichen Umgang erlebt hat, kann dies auch nachvollziehen. Ein weitsichtiger Kommunikator im Amt, aber zugleich auch ein Pionier der Demokratie, der sich um die Entwicklung der Freien Wähler (FW) verdient gemacht hat und heute als deren Gründervater gilt.

Ein solches Leben voller Einsatz für die Gesellschaft verdient eine entsprechende Aufbereitung und daher erschien die Anfrage Armin Greins an den Erich von Werner Verlag und meine Person, aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, höchst interessant. Am Ende konnte auf verschiedene Art und Weise an dem vorliegenden Buch mitgewirkt werden.

Dieses ist nun abgeschlossen und das fertige Werk liegt vor. Es ist, auf den ersten Blick betrachtet, ein informatives, aber auch unterhaltsames Buch über die Geschichte der Freien Wähler (FW) und über das politische Leben Armin Greins.

In der Tiefe beinhaltet es aber auch ein Lehrstück der Demokratie, das zeigt, mit welcher Ausdauer sowie Leidenschaft eine solch großes Ideal vertreten werden muss, um es zur Blüte zu führen Es ist im Grunde genommen die Frage danach, wie die gestalterischen Potentiale der Gesellschaft und des Einzelnen im besten Sinne genutzt werden können.

Und das erscheint gerade in schwierigen Zeiten, in denen sich das Vertrauen der Bürger in die Politik oft nicht oder nicht mehr positiv gestaltet und die Gesellschaft sich durch zunehmende Konflikte kennzeichnet, wichtiger denn je zuvor, denn besagte Potentiale sind überall noch vorhanden.

Sie liegen allerdings häufig brach, werden von einem steigenden Individualisierungsgrad verdeckt, sind in, teilweise egoistischen Milieuinteressen zersplittert und werden gelegentlich auch für Ideen zweckentfremdet, die eher weniger mit dem Allgemeinwohl und demokratischen Idealen zu tun haben.

Vielleicht, so ist zu hoffen, gibt das vorliegende Buch an dieser Stelle einen Anreiz, wie jene Kräfte doch noch für die Demokratie genutzt werden können. Der Gestaltungswille ist trotz allem zu spüren, nur die integrierende Kanalisierung oft fraglich. Unter Umständen mag das zu ändern sein. Das wäre zumindest, im Sinne unserer Gesellschaft, zu wünschen.

Andreas Herteux

Einleitung

„Aus kleinem Anfang entspringen alle Dinge“Markus Tullius Cicero

Alles nimmt irgendwann einen Anfang. So auch die Bewegung der Freien Wähler (FW) in Bayern, deren Weg ich lange begleiten sowie auch mitprägen durfte und auf deren Entwicklung ich nun zurückblicken möchte. Es war ein langer Weg, der auch noch nicht zu Ende ist. Manchmal steinig, aber schließlich steht dennoch eine demokratische Erfolgsgeschichte, die noch weiter, wenngleich auch von meinen Nachfolgern, fortgeschrieben werden wird. Für mich selbst bedeutete das vor allem die Übernahme von Verantwortung – beispielsweise als Bürgermeister, Landrat, Organisator, Wahlkämpfer oder auch Vorsitzender. Aufgaben, denen ich stets mit Freude nachkam. Dabei hatte ich immer sehr viele kompetente, engagierte und fähige Mitstreiter an meiner Seite, die nicht unerwähnt bleiben sollten und denen ich auch an dieser Stelle noch einmal meinen Dank aussprechen möchte. Nicht jeden werde ich namentlich benennen, aber keinen jemals vergessen.

Auch der politische Gegner im demokratischen Ringen verdient Respekt, wobei er diesen auf der menschlichen Ebene auch stets erfahren hat.

Es gibt daher viel zu erzählen und wie ich feststellen durfte, ist das Interesse daran bemerkenswert. Da ich Zeit meines Lebens lieber selbst gestaltend tätig war, denn mich gestalten ließ, habe ich mich entschlossen, meine Unterlagen nicht lediglich dem bayerischen Hauptstaatsarchiv, das immer wieder bei mir angefragt hat, zu übergeben, sondern meine Erfahrungen selbst mit den Lesern zu teilen. Dabei will ich es im Sinne des großen Historikers von Ranke halten und berichten, wie es gewesen ist und nicht wie es aus der Nachbetrachtung oder dem Zeitgeist heraus hätte gewesen sein sollen. Ein Hauch des Subjektiven ist aber wohl nie zu vermeiden und zu diesem bekenne ich mich auch offen und mit einem gewissen Schmunzeln.

Bevor ich jedoch in die Tiefe der Historie eintauchen werde, möchte ich für alle Leser, man verzeihe mir, wenn ich im weiteren Verlauf dieses Buches die allgemeine Form wähle, bei der allerding kein Geschlecht sich ausgegrenzt fühlen soll, die Natur des Freien Wählers umreißen:

Ein Freier Wähler ist ein Demokrat, der sein eigenes Umfeld gestalten und sich für das Gemeinwohl einsetzen will. Die Kommune ist sein ursprüngliches Tätigkeitsfeld. Er stellt Pragmatismus vor Ideologie und sucht stets die bestmögliche sowie sachorientierte Lösung für alle Bürger vor Ort. Kompromisse zieht er einem starren Dogmatismus vor. Er wird nahe bei den Menschen sein, da er aus ihrer Mitte stammt und dort auch seinen Lebensmittelpunkt besitzt. Fest verankert, immer bereit, Verantwortung zu übernehmen.

Letztes ist gerade in der heutigen Zeit nicht oft genug zu betonen, denn leider erfolgt politisches Engagement in Deutschland mehr und mehr aus anderen Gründen. In meinen Wahlreden pflegte ich zu sagen:

„In die Parteien gehen die Leute, die was werden wollen. Zu den Freien Wählern gehen die Leute, die schon was sind“.

Die Freien Wähler sind und bleiben eine basisdemokratische Bewegung und dabei fest verwurzelt in Mitte der Lebensrealität unserer Bürger in den Kommunen. Eine, die für alle offen steht.

Wenn ich daher in der Folge die Geschichte dieser Bewegung in Bayern, die zu großen Teilen auch meine eigene ist, näher beleuchte, so möchte ich doch immer darum bitten, diese Eigenschaften des Freien Wählers nicht aus dem Blick zu verlieren: Frei, pragmatisch, gestaltungs- sowie kompromissbereit und immer um das Gemeinwohl bemüht. Ein notwendiger Stabilisator unserer Demokratie auf verschiedenen Ebenen, die es jeden Tag zu verteidigen und zu sichern gilt.

Kommunalpolitische Situation nach dem 2. Weltkrieg

„Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen.“

Konfuzius

Die Demokratie hatte es in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in unseren Landen nicht leicht. Das Kaiserreich blieb, trotz einiger geplanter Feigenblätter zum Ende des 1. Weltkrieges, eine konstitutionelle Monarchie ohne echte Gewaltenteilung. Die Weimarer Republik war gescheitert und die nationalsozialistische Barbarei versuchte jede Freiheit auszutilgen und hinterließ dabei nur Leid und Trümmer. Und doch hatte der demokratische Gedanke, wenngleich nun durch die ehemaligen Kriegsgegner eingebettet, auch das überlebt, denn bereits ein Jahr nach Kriegsende fanden, 1946, die ersten demokratischen Wahlen in Bayern statt.

Bayern gehörte damals zur amerikanischen Besatzungszone. Die Amerikaner setzten zuvor Persönlichkeiten als Bürgermeister und Landräte ein, die am Terror des „Dritten Reiches“ nicht beteiligt waren. Augenscheinlich fand man dabei nicht genügend Personen, die, salopp ausgedrückt, eine „reine Weste“ hatten. Deshalb wurden oft die gleichen Männer für zwei unterschiedliche Positionen bestimmt. Es galt die Strukturen zu erhalten, erneut zu errichten und den Menschen einen Rahmen zu bieten.

Eine interessante Periode der Geschichte, über die ich mich auch mit dem späteren Verleger sowie Zeitzeugen Dr. Michael Meißner, der für kurze Zeit in Würzburg sowohl parteiloser Oberbürgermeister der Stadt als auch freier Landrat des Landkreises war, in aller Tiefe unterhielt und der mir ein sehr authentisches Bild der damaligen Zustände schilderte, für die aber auf die separate Spezialliteratur verwiesen werden soll. Für den Leser sei an dieser Stelle nur wichtig, die damalige Situation in der oft wenig beleuchteten Zwischenzeit nach dem 2. Weltkrieg einordnen zu können. Es handelte sich um einen demokratischen Neubeginn.

Die erste landesweite Wahl für den bayerischen Landtag – später auch für die Gemeinden, Städte und Landkreise - fand im 2. Halbjahr 1946 statt. Fünf Parteien bewarben sich mit unterschiedlichem Erfolg und diesen Ergebnissen:

Schon damals war die CSU führend und blieb es mit kurzer Unterbrechung bis heute. Dabei sollte erwähnt werden, dass die Christsozialen sich aus der Tradition der Bayerische Volkspartei (BVP) herleiteten, die bereits in der Weimarer Republik immer stärkste Partei und stets in den bayerischen Regierungen zu finden war. Die CSU konnte daher oft auf etablierte Strukturen zurückgreifen, die nicht selten nicht neu geschaffen, sondern lediglich reaktiviert werden mussten. Das gelang ihr mit großem Erfolg.

Die verfassungsgebende Landesversammlung erstellte innerhalb von drei Monaten die bayerische Verfassung, die am 01.12.1946 durch einen Volksentscheid angenommen wurde.

In den folgenden Jahren kümmerten sich die Parteien um den weiteren Aufbau der Demokratie. Sie haben sich dabei große Verdienste erworben, wenn auch die Rolle von manchen von ihnen, wie z.B. der Bayernpartei oder der Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten heute fast in Vergessenheit geraten ist.

Selbstverständlich bemühten sich die großen politischen Spieler aber auch darum, die kommunale Ebene zu vereinnahmen. Sie versuchten daher bei der Kommunalwahl möglichst viele Städte, Gemeinden und Landkreise mit ihren Kandidaten zu besetzen.