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Potsdamer Bürger wehren sich seit Jahren gegen die Absicht, die Garnisonkirche wieder aufzubauen. Sie war nicht nur ein historisch interessantes Bauwerk, sondern auch ein historisch belastetes. Hier reichten sich der preußische Militarismus und der deutsche Faschismus die Hände und schlossen einen Bund.
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Seitenzahl: 94
Veröffentlichungsjahr: 2012
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Impressum
spotless erscheint im Verlag Das Neue BerlinRedaktion: Frank Schumann
ISBN eBook 978-3-360-52004-3ISBN Print 978-3-360-02071-0© 2012 spotless im Verlag Das Neue Berlin, BerlinUmschlaggestaltung/Satz: edition ostCover: Unter Verwendung eines Plakats der Gegnerdes Wiederaufbaus der Garnisonkirche, 2009
Das Neue Berlin Verlagsgesellschaft mbHNeue Grünstr. 18, 10179 Berlin
Die Bücher von spotless und des Verlags Das Neue Berlinerscheinen in der Eulenspiegel Verlagsgruppe.
www.edition-ost.de
Frank Baier
Argumente gegen den Wiederaufbau
Es ist nicht Aufgabe der Denkmalpflege,einen verlorenen Bau wieder aufzurichten.Ich sehe das mehr als skeptisch. […]Schließlich haben wir 1164 Dorfkirchenund 700 Stadtpfarrkirchen in unserem Land.Dieser Bestand ist ernsthaft gefährdet.
Detlef KargDirektor des BrandenburgischenLandesamtes für Denkmalpflege,in der Märkischen Oderzeitung vom 29. Mai 2012
Iserlohn war eine Industriestadt in Nordrhein-Westfalen und in den 70er und 80er Jahren auch Garnisonstadt. 1933 bekam dort die NSDAP bei den Kommunalwahlen 42,5 Prozent, die CDU 1984 etwas mehr, nämlich 46,3. Hier wird, um Gottes Willen, nicht gleichgesetzt, sondern nur verglichen. Zumal die beiden Jahre für die Geschichte, die uns hier beschäftigt, von einer gewissen Bedeutung sind.
Im Jahr 1933 trafen sich in Potsdam der Reichskanzler und der Reichspräsident und reichten sich im Schatten der Garnisonkirche die Hände. Nazismus und Militarismus schlossen einen Pakt.
1984 gründete sich im rund 500 Kilometer entfernten Iserlohn der Verein »Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel e. V.«. Das Glockenspiel war am 14. April 1945 im Kriegsbrand vernichtet worden.
Drei Jahre später übernahm das Fallschirmjägerbataillon 271 der Bundeswehr das neu geschaffene Carillon der Potsdamer Garnison (»Üb’ immer Treu und Redlichkeit«), was irgendwie befremdlich wirkte. Iserlohn lag schließlich in der BRD, Potsdam in der DDR, und die Fallschirmjäger trugen Uniformen eines NATO-Mitgliedstaates.
Bei der Übergabe dieses Glockenspiels sprach General a. D. Ulrich de Maizière auf dem Paradeplatz in Iserlohn zum Thema »Tradition und Pflichten des deutschen Soldaten«. Das konnte er, schließlich hatte der Militär in der Reichswehr, in der Wehrmacht und in der Bundeswehr gedient. Sein Sohn Thomas ist übrigens der aktuelle Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland. Das konnte damals niemand wissen. Aber der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, Tradition ist eben Tradition.
1991 – die DDR war inzwischen gefallen und Potsdam wieder deutsch – machten die Westdeutschen den Ostdeutschen das Glockenspiel zum Geschenk.
Zehn Jahre später wurde auf Initiative von Oberstleutnant a. D. Max Klaar, Vorsitzender des Verbandes deutscher Soldaten, in München die Stiftung Preußisches Kulturerbe gegründet – man staune: in Bayern –, und Jörg Schönbohm, Generalleutnant a. D., und aktuell Innenminister des Landes Brandenburg, übernahm Schirmherrschaft über Stiftung und Wiederaufbau der Garnisonkirche in der Landeshauptstadt. Sodann konstituierte sich eine Fördergesellschaft für den Wiederaufbau, 2005 wurde der Grundstein gelegt und 2008 eine Stiftung Garnisonkirche Potsdam begründet. 2009 übernahm der Bundespräsident Horst Köhler die Schirmherrschaft über den Wiederaufbau …
Doch nicht erst mit Verschwinden des Schirmherrn schlugen die Wellen der Erregung hoch, wie der aufmerksame Beobachter der Gegenwart bemerkt. Darüber wird zu berichten sein.
Zunächst jedoch soll ein Blick auf die Vergangenheit geworfen werden, um den Anlass der begründeten Empörung besser zu verstehen.
In Potsdam wurde in den Jahren 1730-1735 von Philipp Gerlach, dem Architekten und Baumeister Friedrich Wilhelms I., ein Gotteshaus für die Soldaten des Soldatenkönigs errichtet – die Garnisonkirche. Sie sollte reichlich zwei Jahrhunderte später – wie fast die ganze Stadt – bei einem Bombenangriff der britischen Luftwaffe im Februar 1945 zerstört werden. 1968 wurde die Ruine abgeräumt, was umstritten war und bleibt. Jetzt soll sie wieder aufgebaut werden. Warum und warum gerade jetzt?
Der Wiederaufbau wird mit ihrer Bedeutung als Kunst- und Kulturdenkmal, als Hauptwerk des preußischen Barocks, als bedeutender protestantischer Kirchenbau und als bestimmende Dominante des historischen Stadtbildes begründet. Es heißt ferner, die Garnisonkirche sei so eng mit der preußisch-deutschen Geschichte verbunden, dass sie als Symbol für den Aufstieg der jungen Hohenzollern-Monarchie und den Untergang Preußens wahrgenommen werde. Sie gelte als Kristallisationspunkt preußischer Identität und stehe im Spannungsbogen von Religiosität und weltlichem Machtanspruch. Zwischen Missbrauch und Widerstand sowie Zerstörung und Neuanfang spiegele sie die Brüche und Aufbrüche deutscher Geschichte.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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