Die geheimnisvolle Patientin - Marietta Brem - E-Book

Die geheimnisvolle Patientin E-Book

Marietta Brem

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Beschreibung

Jenny Behnisch, die Leiterin der gleichnamigen Klinik, kann einfach nicht mehr. Sie weiß, dass nur einer berufen ist, die Klinik in Zukunft mit seinem umfassenden, exzellenten Wissen zu lenken: Dr. Daniel Norden! So kommt eine neue große Herausforderung auf den sympathischen, begnadeten Mediziner zu. Das Gute an dieser neuen Entwicklung: Dr. Nordens eigene, bestens etablierte Praxis kann ab sofort Sohn Dr. Danny Norden in Eigenregie weiterführen. Die Familie Norden startet in eine neue Epoche! "Warum tust du so etwas, Patricia? Genügt dir Alexander denn nicht mehr? Er tut alles für dich, doch du weißt es einfach nicht zu schätzen. " Die ältere Frau mit den liebevoll gestylten grauweißen Löckchen stand schwer atmend an der Wohnungstür und beobachtete missbilligend das Treiben der jungen Frau, die ihr Sohn vor drei Jahren ins Haus gebracht hatte. Er hatte Patricia kennengelernt, als er für den Geburtstag seiner Mutter ihr Lieblingsparfüm kaufen wollte. Patricia hatte ihn damals beraten, und von da an hatte Amalie Lehnert mindestens einmal in der Woche ein kleines aber feines Mitbringsel bekommen, das er in dieser Parfümerie erstand. Nur wenig später kam die Erklärung. Er würde Patricia über alles lieben, hatte er gesagt, und ihr würde es genauso ergehen. Sie wollte ihn sogar heiraten und eine Familie gründen. Das war jetzt gut drei Jahre her. Alexander war noch immer nicht verheiratet und von Kindern wurde nicht einmal mehr gesprochen. Inzwischen war es soweit, dass sie nicht einmal mehr stritten. Sogar diese Phase lag nun weit hinter ihnen. Jetzt schwiegen sie sich nur noch an, selbst wenn Amalie die Dritte im Bunde war, meist bei einem kleinen Abendessen, das Patricia in höchster Eile zubereitete. Sie konnte gut kochen, das musste man ihr lassen, doch mit Liebe war sie mit Sicherheit nicht bei der Sache. Das konnte sie an ihrem Gesicht ablesen. Inzwischen waren auch Alexander wohl Zweifel daran gekommen, ob seine fast schon überstürzte Entscheidung eine gute Entscheidung gewesen war. Amalie merkte es daran, dass er immer länger im Büro blieb und er öfter Aufträge im Ausland annahm, die ihm meist mehr als eine Woche von zuhause fern hielten. Dafür jedoch fanden die Unternehmungen mit Patricia kaum mehr statt. Dennoch ließ er sich nichts anmerken, deshalb durfte auch seine Mutter nichts sagen, was ihr nicht leicht fiel.

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Seitenzahl: 109

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Chefarzt Dr. Norden – 1275 –Die geheimnisvolle Patientin

Unveröffentlichter Roman

Marietta Brem

„Warum tust du so etwas, Patricia? Genügt dir Alexander denn nicht mehr? Er tut alles für dich, doch du weißt es einfach nicht zu schätzen.“ Die ältere Frau mit den liebevoll gestylten grauweißen Löckchen stand schwer atmend an der Wohnungstür und beobachtete missbilligend das Treiben der jungen Frau, die ihr Sohn vor drei Jahren ins Haus gebracht hatte. Er hatte Patricia kennengelernt, als er für den Geburtstag seiner Mutter ihr Lieblingsparfüm kaufen wollte. Patricia hatte ihn damals beraten, und von da an hatte Amalie Lehnert mindestens einmal in der Woche ein kleines aber feines Mitbringsel bekommen, das er in dieser Parfümerie erstand.

Nur wenig später kam die Erklärung. Er würde Patricia über alles lieben, hatte er gesagt, und ihr würde es genauso ergehen. Sie wollte ihn sogar heiraten und eine Familie gründen. Das war jetzt gut drei Jahre her. Alexander war noch immer nicht verheiratet und von Kindern wurde nicht einmal mehr gesprochen. Inzwischen war es soweit, dass sie nicht einmal mehr stritten. Sogar diese Phase lag nun weit hinter ihnen. Jetzt schwiegen sie sich nur noch an, selbst wenn Amalie die Dritte im Bunde war, meist bei einem kleinen Abendessen, das Patricia in höchster Eile zubereitete. Sie konnte gut kochen, das musste man ihr lassen, doch mit Liebe war sie mit Sicherheit nicht bei der Sache. Das konnte sie an ihrem Gesicht ablesen.

Inzwischen waren auch Alexander wohl Zweifel daran gekommen, ob seine fast schon überstürzte Entscheidung eine gute Entscheidung gewesen war. Amalie merkte es daran, dass er immer länger im Büro blieb und er öfter Aufträge im Ausland annahm, die ihm meist mehr als eine Woche von zuhause fern hielten. Dafür jedoch fanden die Unternehmungen mit Patricia kaum mehr statt. Dennoch ließ er sich nichts anmerken, deshalb durfte auch seine Mutter nichts sagen, was ihr nicht leicht fiel.

Nachdenklich blickte sie die junge Frau an, die ihr auch nach all den Jahren fremd geblieben war. „Wenn dir was fehlt, dann rede mit meinem Sohn.“ Ihre Stimme schwankte ein wenig. „Ich wünsche mir so sehr, dass ihr eine glückliche Familie werdet.“ Sie kämpfte einen Moment lang mit den Tränen.

„Wenn wir das nicht sind, dann liegt das nicht allein an mir“, antwortete sie mit harter Stimme. Patricia Sommer warf ihr Handy in die elegante Handtasche, nahm ihre Jeansjacke von der Garderobe und wollte an Amalie vorbei. „Es hilft nichts, Amalie, wenn du mir den Weg versperrst“, fauchte sie zornig. „Außerdem ist Alexander nicht mein Mann. Wir leben nur zusammen. Und eigentlich nicht mal mehr das. Er ist ständig unterwegs, und ich hocke zuhause, weil er damals nicht erlaubte, dass ich weiter arbeite. Er wollte mich ganz für sich. Das war anfangs auch für mich wundervoll. Inzwischen jedoch sehe ich ihn meist nur zwischen Tür und Angel. Er kommt spät in der Nacht, und um mich nicht zu stören, sagt er, schläft er in seinem Arbeitszimmer auf dem Sofa. Jetzt suche ich seit Monaten einen Job, aber ich finde keinen. Dieses eintönige Leben in euren vier Mauern macht mich wahnsinnig.“

„Andere Frauen wären glücklich und dankbar, wenn sie nicht arbeiten gehen müssten. Du weißt, dass mein Sohn dich sofort heiratet, wenn du schwanger wirst. Es kann also nur an dir liegen. Geh endlich zum Arzt, Patricia, damit das geklärt ist.“ Jetzt wurde auch Amalie zornig. Dabei merkte sie nicht, dass sie Patricia damit nur noch mehr vertrieb.

Erschrocken zuckte Patricia zusammen. „Ich bin nicht krank, und an mir kann es ganz bestimmt nicht liegen“, antwortete sie mit zitternder Stimme. „Hat er dir gesagt, dass er mich nicht mehr begehrt? Warum nicht? Was ist an mir, dass er mir aus dem Weg geht? Was hat er dir erzählt? Gibt er mir die Schuld?“ Mit Grausen dachte sie daran, dass er womöglich mitbekommen haben könnte, dass sie sich seit einiger Zeit auch für andere Männer interessierte. Der eine oder andere war dabei gewesen, der ihr durchaus gefährlich hätte werden können. Einer von ihnen war es dann gewesen, und sie hatte in ihrer Dummheit Alexander alles gestanden. Sie wusste, dass dies der Anfang gewesen war, der ihre Trennung eingeleitet hatte. Dabei hatte Alex ihr versichert, dass er ihr verziehen hatte. War es Langeweile oder Einsamkeit gewesen oder beides? Sie wusste es nicht, doch sie merkte, dass dieses eintönige Leben sie nicht mehr befriedigte. Sie wollte einen Menschen, der mit seinem Lächeln ihr Herz berühren konnte.

„Alex hat es mir nach einer halben Flasche Wein gestanden, dass du dich so sehr verändert hast. Er vermutet, dass du Freunde hast. Er war sehr verzweifelt, weil sich alles anders entwickelt hat als er dachte.“ Verachtung schwang in der Stimme der älteren Frau mit. „Du wusstest von Anfang an, auf was du dich einlässt. Ich hatte dich einige Male gewarnt, doch du hast mich bei meinem Sohn verraten. Er hat mir daraufhin verboten, über dieses Thema mit dir zu reden. Er wollte unbedingt, dass es von selbst funktioniert, ohne Einmischung von anderen. Ist was dran an seinen Befürchtungen?“ Amalie hätte im nächsten Moment diese Frage am liebsten zurückgeholt, doch das war natürlich nicht möglich. Sie konnte nur hoffen, dass ihr Sohn nichts davon erfuhr.

„Da war nichts und wird nichts sein“, antwortete Patricia abfällig. Es war ihr nicht einmal peinlich, dass ihre Lüge so offensichtlich war. „Es ist halt alles anders gelaufen. Als ich hier eingezogen bin, merkte ich auf einmal, dass mein Traum von einer eigenen Familie eine Illusion ist. Ich bin einfach nicht dafür geschaffen, ein kleines Kind aufzuziehen, selbst wenn es mein eigenes ist. Ich hab genug mit mir zu tun. Jetzt will ich nur einkaufen, denn Alexander hat sich mal wieder zum Abendessen angesagt. Mal sehen, ob er wirklich kommt. Ich würde mich jedenfalls sehr wundern.“ Sie atmete schwer.

„Wie meinst du das?“

„So wie ich es sage. Wie oft hat er mich in der letzten Zeit mit dem Essen sitzen gelassen, weil ihm ein anderer dringender Termin dazwischen gekommen ist? Ich weiß es nicht genau, aber eigentlich kann ich eher damit rechnen, dass er nicht kommt, kann mir diesen Weg in die Stadt auch sparen.“ Verbitterung klang in ihrer Stimme mit. „Ich halte es nicht mehr aus, den ganzen Tag nur in dieser Wohnung zu hocken mit dir als einzige Gesellschaft, und darauf zu warten, dass mal das Telefon läutet oder du mit deiner Kaffeetasse ankommst und dich über Gott und die Welt unterhalten möchtest.“

Frau Lehnert trat demonstrativ zur Seite. „Dann geh einkaufen, wenn es deine Seligkeit ist. Ich denke, du wirst Leute finden, mit denen du dich besser unterhalten kannst als mit mir. Ich will dich nicht aufhalten und dir womöglich ein Gespräch aufdrängen, das du gar nicht haben willst.“ Patricias Ausspruch hatte sie tief getroffen. Immerhin hatte sie selbst sich bemüht, ihrem Sohn zuliebe ein gutes Verhältnis zu ihr aufzubauen.

„So war das doch nicht gemeint. Es tut mir Leid.“ Es war Patricia sichtlich unangenehm, dass ihr die Worte so unbedacht herausgerutscht waren. Doch sie waren leider die einzige Wahrheit, die sie zu bieten hatte. „Kannst du denn nicht verstehen, dass ich noch nicht am Ende meines Lebens angekommen bin, auch wenn ich mich manchmal so fühle?“ Jetzt schwang Müdigkeit in ihrer Stimme mit. „Wenn ich immer nur in dieser Wohnung bleibe mit dem Fernseher als meiner einzigen Gesellschaft, dann werde ich bald nicht mehr in der Lage sein, mich überhaupt noch mit jemandem zu unterhalten. Kannst du mich denn nicht ein bisschen verstehen, Amalie?“, wiederholte sie ihre eindringliche Frage. Sie schluckte hastig das Schluchzen hinunter, das ihr plötzlich die Kehle zuschnürte. Sie drehte hastig das Gesicht zur Seite, damit sie nicht die Tränen sehen konnte, die ihr in die Augen gestiegen waren.

„Natürlich kann ich dich irgendwie verstehen, Patricia.“ Amalie Lehnert war bereits wieder ein bisschen versöhnt. „Keiner konnte ahnen, dass ihr euch so schnell auseinander leben würdet. Wir wussten beide, dass Alexander mehr oder weniger mit seinem Beruf verheiratet ist. Damit verdient er sehr gut und kann dir ein exklusives Leben bieten. Ich weiß, dass dieses dich anfangs sehr gereizt hat.“

„Das war ja der Grund, weshalb wir nicht geheiratet haben. Zuerst wollten wir alles wunderschön für unsere gemeinsame Zukunft vorbereiten, und als endlich Zeit dafür war, da war die Luft raus. Anfangs hatten wir Pläne, Träume, die wir verwirklichen wollten, sonst wäre ich gar nicht erst hier eingezogen. Ich will nicht bei ihm an zweiter Stelle stehen. Ich bin eine junge, lebendige Frau, Amalie, und ich denke, du würdest lügen, wenn du jetzt behauptest, dass dir ein Mann, der sehr gut verdient, nicht ebenfalls mehr imponieren würde als ein kleiner Büroangestellter, der jeden Morgen mit Aktentasche ins Büro geht, abends todmüde nach Hause kommt und nur noch in den Fernseher starrt. Alex ist ein Mann von Format, und ich bewundere ihn noch immer. Aber ich weiß nicht, welche Rolle ich in seinem Leben spielen darf. Bis jetzt habe ich keinen Platz gefunden.“

„Das mag alles seine Richtigkeit haben, doch du wusstest es vorher, worauf du dich einlässt. Du hättest deine Arbeit nicht aufgeben oder dir eine andere suchen sollen, die dir besser gefällt. Auch wenn mein Sohn dich zuhause sehen wollte, dann hätte das noch immer Zeit gehabt, wenn ihr eine richtige Familie geworden wäret. Aber im Nachhinein weiß man immer alles besser.“

„Es war zwar nicht mein Traumberuf, doch ich habe meine Arbeit wirklich gern gehabt. Leider hatte ich irgendwann große Schwierigkeiten mit den vielen vermischten Gerüchen, die es in einer Parfümerie nun mal gibt. Aber das war nicht der Grund, weshalb ich aufgehört habe zu arbeiten. Alex hat es sich so sehr gewünscht, dass ich zuhause bleibe. Er würde mehr als genug verdienen, sagte er. Ich wollte eigentlich gar nicht, doch meine Liebe zu Alex war so groß, dass ich auf fast alles verzichtet hätte, nur um zu ihm gehören zu dürfen. Jetzt ist alles kaputt.“ Hastig wischte sie sich das Gesicht ab. Ihre Tränen waren echt, das war deutlich zu sehen.

„Du bist also der Meinung, dass das allein an Alexander liegt, dass er so viel arbeitet. Ist dir noch nie der Gedanke gekommen, dass du nichts tust, um ihm den Feierabend schön zu machen?“ Frau Lehnert war nicht bereit, Patricia von aller Schuld frei zu sprechen. Sie war so gefangen in ihrer Ratlosigkeit, dass sie nicht mehr aufhören konnte. „Ich war auch verheiratet, doch mein Mann kam immer gern zurück. Wir hatten ein sehr gutes Leben.“ Sie unterdrückte die aufsteigenden Tränen, denn der Gedanke an ihren viel zu früh verstorbenen Mann tat noch immer weh. „Du sprichst über die Dinge, die in eurer Beziehung nicht gut sind. Wie wäre es, wenn du einmal anfangen würdest, ein bisschen was zu ändern. Du bist eine erwachsene Frau und kein kleines Mädchen mehr. Doch genau das stellst du dar. Du solltest die Mutter seiner Kinder sein, die er sich so sehr wünscht.“

Patricia begann zu lachen, doch in ihrer Stimme lag keine Freude sondern eher Verbitterung. „Was schlägst du vor, was ich tun soll? Ich bin schließlich kein Regenwurm, der sich mit sich selbst vermehren kann. Ein bisschen etwas muss mein Partner auch beisteuern, sonst hätte ich in Frankfurt bleiben können. Da hatte ich wenigstens einen großen Freundeskreis.“

Das war ein Argument, dem Amalie nichts entgegnen konnte. Dennoch war sie nicht einig mit der Freundin ihres Sohnes. Natürlich wollte sie, dass die beiden endlich heirateten und eine Familie gründeten, damit endlich Ruhe in ihr Leben kam. Doch so wie sich diese Beziehung in der Zwischenzeit entwickelt hatte, war dieser Traum in weite Ferne gerückt. „Ich weiß, dass Alexander im Grunde seines Herzens ein Familienmensch ist. Erst seit er seine eigene Kanzlei hat, hetzt er nur noch durch sein Leben.“

„Ich wollte nicht, dass er sich selbstständig macht“, konterte Patricia heftig. „Vielleicht hab ich damals schon geahnt, dass das nicht gut gehen kann. Da fingen unsere Probleme an.“ Dass sie selbst der Auslöser war, konnte sie Amalie ja schlecht sagen. Es war nur fast gleichzeitig passiert, und das machte ihre Lüge gefühlt ein wenig leichter.

„Er fühlt sich verantwortlich für seine beiden Angestellten, und ich weiß, dass er dir ein schönes Leben bieten möchte, deshalb hat er diesen Sprung ins Ungewisse gewagt.“ Sie drehte sich um und ging die Treppe wieder hinunter, über die sie zuvor gekommen war. „Es tut mir Leid, wenn ich dich aufgehalten habe.“

„Du hast mich nicht aufgehalten“, widersprach Patricia hastig. „Ich wollte doch nur einkaufen gehen. Aber das hat später auch noch Zeit. Magst du einen Kaffee mit mir trinken? Ich habe auch von dem Gebäck da, das du so liebst. Komm herein, und wir setzen unsere Unterhaltung in einer bequemeren Haltung fort. In den Supermarkt kann ich später auch noch.“