Die Genies im Hause Habsburg - Sigrid-Maria Größing - E-Book
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Beschreibung

Große historische Persönlichkeiten ganz privat Es ist hinlänglich bekannt, dass die Habsburger ein mächtiges Herrschergeschlecht mit großen politischen Ambitionen darstellten. Dass sie darüber hinaus aber auch überaus feinsinnig und künstlerisch begabt waren, schildert Sigrid-Maria Größing kenntnisreich und wie gewohnt packend in ihrem neuen Buch. Abseits von Regierungsgeschäften, politischem Alltag und ausgeklügelten Heiratsplänen beschäftigten sich einige Habsburger mit den "bellas artes" - sie förderten Künstler und Wissenschaftler und versuchten sich selbst als Komponisten und Maler. Sie ließen pompöse Barockopern inszenieren und veranstalteten gemeinsame Musikabende. Aber auch auf den Gebieten des Bildungswesens und der Naturwissenschaften zeigten sich Angehörige des Kaiserhauses als große Reformer. Der Autorin gelingt es, ein neues Bild des höfischen Alltags zu entwerfen und ein neues, lebendiges Kapitel unserer Geschichte aufzuschlagen. Aus dem Inhalt: Ein junger Mann bewirkte Großes - Rudolf IV. Kaiser und Künstler - Maximilian I. Reformerin aus Intuition - Maria Theresia Der beliebte Großherzog in der Toskana - Kaiser Leopold II. Der steirische Prinz - Erzherzog Johann

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Seitenzahl:265


Sigrid-Maria Größing

Die Genies im Hause Habsburg

Sigrid-Maria Größing

DIE GENIESIM HAUSEHABSBURG

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© 2011 by Amalthea Signum Verlag, WienAlle Rechte vorbehaltenSchutzumschlaggestaltung: Kurt Hamtil, verlagsbüro wienUmschlagabbildung: Kaiser Leopold II./© ImagnoLektorat: Carina KerschbaumsteinerHerstellung: studio e, Josef EmbacherGesetzt aus der 12/14,5 pt CaslonGedruckt in der EUISBN 978-3-85002-739-7eISBN 978-3-902998-79-8

Inhalt

Vorwort

Ein junger Mann bewirkte Großes

RUDOLF IV.

Kaiser und Künstler

MAXIMILIAN I.

Kaiser wider Willen

LEOPOLD I.

Reformerin aus Intuition

MARIA THERESIA

Der beliebte Großherzog in der Toskana

KAISER LEOPOLD II.

Der steirische Prinz

ERZHERZOG JOHANN

Der ungekrönte König von Mallorca

LUDWIG SALVATOR

Der Kaiser von Brasilien

DOM PEDRO

Danksagung

Literaturverzeichnis

Meiner Familie gewidmet

Vorwort

Ein Vorwort zu schreiben ist immer mit einer gewissen Schwierigkeit verbunden, denn wie kann man in einer kurzen Abhandlung umreißen, welche Ziele und Aspekte für den Autor relevant, welche Blickwinkel von Bedeutung und welche Einflüsse zu beachten sind?

Besonders für vorliegendes Buch ist ein Geleitwort aber unerlässlich, denn es wird die Frage auftauchen, warum ich unter den zahlreichen habsburgischen Persönlichkeiten, die in der Geschichte eine außergewöhnliche Rolle gespielt haben, gerade diese gewählt habe. Der eine oder andere Leser wird Männer und Frauen vermissen, die sicherlich ebenfalls Anspruch darauf hätten, in diesem Buch als hochbegabte und zukunftsorientierte Mitglieder des österreichischen Kaiserhauses Eingang zu finden.

Um den Rahmen nicht zu sprengen, war ich gezwungen, unter den habsburgischen Familienmitgliedern eine Auswahl zu treffen, die durchaus auch als subjektiv zu bezeichnen ist. Dennoch waren für mich bestimmte Kriterien entscheidend: Im Mittelpunkt meiner Betrachtung steht der Aspekt der Einzigartigkeit. Welche Fähigkeiten und Talente heben die Persönlichkeit von ihren Zeitgenossen ab, wenngleich diese – wie bei Kaiser Maximilian I. – häufig nicht zur Gänze ausgeschöpft werden konnten.

Als unermüdlich reisender Kaiser hatte Maximilian kaum die Chance, sein herausragendes dichterisches Talent zur Vervollkommnung zu bringen. Seine künstlerischen Ambitionen führten allerdings dazu, dass er die Maler und Bildhauer seiner Zeit finanziell unterstützte und förderte, obwohl er selber keineswegs in volle Kassen greifen konnte. Daher ist es in meinen Augen unerlässlich, den Kaiser in die Riege der hochbegabten Habsburger aufzunehmen; wie auch Herzog Rudolf IV., den Stifter, der in den wenigen Jahren, die ihm vergönnt waren, Großes vollbrachte. Er gründete nicht nur die Alma Mater in Wien, sondern schuf auch soziale Einrichtungen für Lehrer und Studierende, die für die kulturelle Entwicklung der österreichischen Länder von höchster Bedeutung waren. Natürlich war der junge Mann, der schon mit 25 Jahren starb, kein Mensch ohne Tadel, aber dies scheint in Anbetracht dessen, was er für die Zukunft bewirkte, eher vernachlässigbar.

Die Bedeutung von Kaiser Leopold I. – einer der am längsten regierenden Habsburger – wird erst durch die Forschungen heutiger Musikwissenschaftler entdeckt. Der Kaiser, der viel lieber Geistlicher geworden wäre, spielte nicht nur mehrere Instrumente und war – wie viele andere Habsburger – Musikliebhaber, er komponierte auch selbst meisterlich Hunderte Musikstücke. Mit Fug und Recht kann man sagen, dass Leopold, der geschmähte »Türkenpoldl«, der aus Angst um Leib und Leben Wien vor der zweiten Türkenbelagerung verlassen hatte, zwar politisch keineswegs ein Kaiser mit Durchschlagskraft war, aber in jedem Fall ein bedeutender Musiker und Komponist auf dem Habsburgerthron.

Die Kritiker der großen Herrscherin Maria Theresia ziehen alle Register, um am Image der bedeutenden Frau zu kratzen. Dabei kann die Politikerin und Reformerin durchaus als Wegbereiterin des aufgeklärten Zeitalters gelten, in dem später ihre beiden Söhne ihre Vorstellungen zu verwirklichen suchten. Mag sein, dass Maria Theresia in den ihr aufgezwungenen Kriegen keine glückliche Figur gemacht oder dem persönlichen Glück ihrer Kinder bei der Verheiratung zu wenig Beachtung geschenkt hat, ihre Sozialmaßnahmen und zukunftsweisenden Handlungen auf innenpolitischem Gebiet machen sie jedoch zu einer außergewöhnlichen Regentin. Ohne ihre Neuerungen wären die weiterführenden Reformen eines Joseph II. nicht möglich gewesen.

Und hier stellt sich nun für den Leser die berechtigte Frage, warum ich Joseph II. nicht in die Reihe der genialen Habsburger aufgenommen habe. Gewichtige Gründe sprächen natürlich dafür, diesen reformfreudigen Kaiser in diesem Zusammenhang zu portraitieren. Aber die Kompromisslosigkeit, mit der Joseph seine Ideen in die Tat umzusetzen suchte und durch die er schließlich viele Neuerungen wieder zurücknehmen musste, hat mich veranlasst, nicht ihn in diesem Buch zu berücksichtigen, sondern seinen moderateren Bruder Leopold, der heute noch in der Toskana als der große Reformer gilt. Wahrscheinlich waren es die gegensätzlichen Temperamente, die die beiden zweifellos genialen Brüder unterschieden. Leopold konnte, zumindest als Großherzog der Toskana, Veränderungen herbeiführen, die bis heute Gültigkeit haben. Die Mäßigung, die Leopold zu eigen war, fehlte seinem Bruder Joseph II.

Es war in der Geschichte der Habsburger verhängnisvoll, dass die Gesetze der Primogenitur absolut bindend waren. Denn so weitblickend und visionär Kaiser Leopold II. auch war, so wenig gelang es seinem erstgeborenen Sohn Franz die Gedanken und Vorstellungen seines Vaters fortzusetzen. Dabei hatte er Söhne wie Erzherzog Johann oder Erzherzog Carl, die für die hohe Position sicherlich wesentlich besser geeignet gewesen wären als Franz II. (I.). Und da dieser wahrscheinlich seine eigene Schwäche erkannte, versuchte er, dem genialen Bruder Johann Schwierigkeiten bei der Umsetzung seiner fortschrittlichen Ideen, die vor allem für die Steiermark von allergrößter Bedeutung waren, zu machen. Mit großer Mühe, vielen Enttäuschungen und persönlichen Einschränkungen gelang es dem Erzherzog doch, die Modernisierung des Landes auf allen Gebieten durchzusetzen. Johann hatte einen unglaublich weiten Geist – er wäre ein Herrscher gewesen, der die Monarchie in eine bessere Zukunft geführt hätte!

Auch Erzherzog Ludwig Salvator nimmt unter den Habsburgern eine Sonderstellung ein. Der Schriftsteller und Maler, Seemann und Geograf, Historiker und Weinbauer, Parvenü und Weltenbummler hatte niemals eine Chance auf den Thron. In seiner schrulligen Art schuf er aber Bleibendes für die Nachwelt, sodass ihm selbst ein in den strengen Regeln der Tradition verhafteter Kaiser Franz Joseph Achtung entgegenbrachte.

Der letzte überragende Habsburger in diesem Buch ist nicht auf den ersten Blick als Habsburger zu erkennen, hatte er doch einen portugiesischen Vater, der alles andere als genial war. Aber die habsburgische Mutter Maria Leopoldine, eine Tochter von Kaiser Franz, vererbte Dom Pedro ihre Intelligenz, ihre künstlerischen Neigungen und vor allem ihren Reformgeist. Leopoldine hatte nicht nur das Kaiserreich Brasilien gegründet, sie hatte auch begonnen, grundlegende Reformen zum Wohle der Bevölkerung durchzusetzen. Dom Pedro setzte das Werk seiner Mutter, die nicht einmal dreißig Jahre alt wurde, fort und übernahm viele ihrer Ideen. Er machte aus Brasilien einen modernen Staat. Wie es aber oft passiert, wurden seine Visionen nicht verstanden, sodass er am Ende seines Lebens Schiffbruch erlitt. Ein Schicksal, das er mit manch anderem genialen Menschen teilt.

Das vorliegende Buch will keineswegs Anspruch auf Vollständigkeit erheben und es sei daher jedem Leser selbst überlassen, die dargestellten Personen und ihre überzeitlichen Handlungen zu beurteilen. Es soll zur Diskussion beitragen.

Sigrid-Maria Größing

Ein junger Mann bewirkte Großes

Rudolf IV.

War er nun der Sohn des habsburgischen Herzogs Albrecht II., oder war er es nicht? Rätsel um Rätsel gab seine Geburt schon seinen Zeitgenossen auf, denn sein Vater, der verschiedene Beinamen wie Albrecht der Lahme oder Albrecht der Weise im Laufe der Zeit führte, galt ab dem dreißigsten Lebensjahr als gelähmt. Von ungewöhnlicher Weitsicht, aber auch gebildet war Albrecht auf alle Fälle. Ob er wirklich seit seinem dreißigsten Lebensjahr gehbehindert war, darüber sind auch heute noch die Experten geteilter Meinung. Denn seit dem Jahre 1330 war die Mär im Umlauf, dass man dem jungen Mann bei einem Fest vergiftete Speisen vorgesetzt habe, was zu schweren Krämpfen geführt haben soll. Als Albrecht, der jüngste Sohn von König Albrecht I., die zunächst lebensbedrohlichen Komplikationen überwunden hatte, konnte er weder Arme noch Beine bewegen. Sein Zustand besserte sich auch in Zukunft nicht, sodass er sich bis zu seinem Tode im Jahre 1358 in einer Sänfte tragen lassen musste. Wahrscheinlich litt er in dieser Zeit an einer schweren Polyarthritis, die ihm jede Bewegung zur Qual machte.

Dass Albrecht überhaupt Chancen auf ein Regierungsamt hatte, verdankte er dem Zufall, denn seine Brüder Friedrich, Leopold und Otto, von denen Friedrich als Gegenkandidat zu Ludwig dem Bayern zum König gewählt worden war und der im Grunde ein unglückliches Leben geführt hatte, waren alle vom Tod heimgeholt worden, sodass am Ende nur er als Herzog in den österreichischen Gebieten, die den Habsburgern unterstanden, übrig geblieben war. Albrecht hatte jahrelang ein Schattendasein nach der Ermordung seines Vaters König Albrecht im Jahre 1308 geführt, seine Brüder hatten mehr oder weniger sein Leben bestimmt, auch als es darum ging, für ihn eine Braut zu suchen. Es war sein dynamischer Bruder Leopold, der die Fäden nach Basel gezogen hatte, als er in Erfahrung gebracht hatte, dass der letzte Graf Ulrich III. von Pfirt 1324 überraschend die Augen für immer geschlossen hatte. Denn jetzt war die Chance groß, auf dem Weg über das Brautbett wichtige Gebiete im Elsass für das Haus Habsburg zu erwerben, da Ulrich nur zwei Töchter hinterließ, die beide erbberechtigt waren. Da man aber landauf, landab wusste, dass in der Pfirtfamilie ein gutes Einvernehmen herrschte, hoffte Leopold, dass sich die Erbschaftsangelegenheiten gütlich würden regeln lassen. Und er sollte recht behalten! Denn einerseits wollte der Vormund von Johanna und Ursula, Papst Johannes XXII., keinen Konflikt mit den Habsburgern, andererseits war die Mutter der beiden Mädchen Johanna von Mömpelgard politisch so klug, einen Vertrag mit den Töchtern zu schließen, in dem die jüngere mit einem Batzen Geld abgefunden wurde, sodass es innerhalb der Familie zu keinen Streitigkeiten kommen konnte. Johanna aber brachte interessante Gebiete für Albrecht mit in die Ehe, denn nicht nur der Sundgau, auch die südlichen Vogesen, die Burgunder Pforte und Teile des Jura waren vielleicht begehrenswerter als die Braut!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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