Die Geschichte von England, Band 2 - Thomas B. Macaulay - E-Book

Die Geschichte von England, Band 2 E-Book

Thomas B. Macaulay

0,0

Beschreibung

Dies ist Band 2 des mehrbändigen Werkes und behandelt die Geschichte Englands von 1685 bis zur Zeit Jakobs II. Aus dem Inhalt: Große Veränderung in dem Zustande Englands seit 1685. Bevölkerung Englands im Jahre 1685. Die Zunahme der Bevölkerung im Norden größer als im Süden. Staatseinkünfte im Jahre 1685. Das Militairsystem. Die Seemacht. Die Artillerie. Kosten der Civilverwaltung. Große Einkünfte der Minister und Höflinge. Zustand des Ackerbaues. Mineralreichthum des Landes. Zunahme der Grundrente. Die Landgentlemen. Die Geistlichkeit. Die Freisassen. Wachsthum der Städte. Bristol. Norwich. Andere Provinzialstädte. Manchester. Leeds. Sheffield. Birmingham. Liverpool. Die Badeorte. Cheltenham. Brighton. Buxton. Tunbridge Wells. Bath. London. Die City. Der vornehme Theil der Hauptstadt. Die Londoner Polizei. Beleuchtung von London. Whitefriars. Der Hof. Die Kaffeehäuser. Schwierigkeiten des Reisens. Schlechter Zustand der Landstraßen. Die Diligencen. Straßenräuber. Die Gasthöfe. Die Briefposten. Zeitungen. Die Neuigkeitsbriefe. Der "Observator." Seltenheit von Büchern auf dem Lande. Weibliche Erziehung. Literarische Bildung der Gentlemen. Einfluß der französischen Literatur. Unsittlichkeit der schönen Literatur Englands. Zustand der Wissenschaft in England. Zustand der schönen Künste. Lage des niederen Volks. Löhne der Feldarbeiter. Löhne der Fabrikarbeiter. Arbeit der Kinder in den Fabriken. Löhne verschiedener Klassen von Handwerkern. Zahl der Armen. Welchen Nutzen die Fortschritte der Civilisation dem gemeinen Volke brachten. Täuschung, welche die Menschen verleitet, das Glück früherer Geschlechter zu überschätzen. Tod Karl's II. Rede Jakob's II. an den Geheimen Rath. Ausrufung Jakob's. Stand des Ministeriums. Neue Anordnungen. u.v.m.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 351

Veröffentlichungsjahr: 2012

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Geschichte von England – Band2

seit der Thronbesteigung Jakob’s des Zweiten

Thomas Babington Macaulay

Inhalt:

Thomas Babington Macaulay – Biografie und Bibliografie

Geschichte von England – Band 2

Drittes Kapitel. England im Jahre 1685

Große Veränderung in dem Zustande Englands seit 1685.

Bevölkerung Englands im Jahre 1685.

Die Zunahme der Bevölkerung im Norden größer als im Süden.

Staatseinkünfte im Jahre 1685.

Das Militairsystem.

Die Seemacht.

Die Artillerie.

Kosten der Civilverwaltung.

Große Einkünfte der Minister und Höflinge.

Zustand des Ackerbaues.

Mineralreichthum des Landes.

Zunahme der Grundrente.

Die Landgentlemen.

Die Geistlichkeit.

Die Freisassen.

Wachsthum der Städte.

Bristol.

Norwich.

Andere Provinzialstädte.

Manchester.

Leeds.

Sheffield.

Birmingham.

Liverpool.

Die Badeorte.

Cheltenham.

Brighton.

Buxton.

Tunbridge Wells.

Bath.

London.

Die City.

Der vornehme Theil der Hauptstadt.

Die Londoner Polizei.

Beleuchtung von London.

Whitefriars.

Der Hof.

Die Kaffeehäuser.

Schwierigkeiten des Reisens.

Schlechter Zustand der Landstraßen.

Die Diligencen.

Straßenräuber.

Die Gasthöfe.

Die Briefposten.

Zeitungen.

Die Neuigkeitsbriefe.

Der „Observator.“

Seltenheit von Büchern auf dem Lande.

Weibliche Erziehung.

Literarische Bildung der Gentlemen.

Einfluß der französischen Literatur.

Unsittlichkeit der schönen Literatur Englands.

Zustand der Wissenschaft in England.

Zustand der schönen Künste.

Lage des niederen Volks.

Löhne der Feldarbeiter.

Löhne der Fabrikarbeiter.

Arbeit der Kinder in den Fabriken.

Löhne verschiedener Klassen von Handwerkern.

Zahl der Armen.

Welchen Nutzen die Fortschritte der Civilisation dem gemeinen Volke brachten.

Täuschung, welche die Menschen verleitet, das Glück früherer Geschlechter zu überschätzen.

Viertes Kapitel. Jakob II.

Tod Karl’s II.

Rede Jakob’s II. an den Geheimen Rath.

Ausrufung Jakob’s.

Stand des Ministeriums.

Neue Anordnungen.

Sir Georg Jeffreys.

Erhebung der Kroneinnahmen ohne Parlamentsacte.

Einberufung eines Parlaments.

Verhandlungen zwischen Jakob und dem König von Frankreich.

Churchhill als Gesandter nach Frankreich geschickt.

Seine Geschichte.

Stimmung der Regierungen des Continents in Bezug auf England.

Innerer Kampf Jakob’s II.

Schwankungen seiner Politik.

Öffentliche Ausübung des katholischen Ritus in Jakob’s Palaste.

Jakob’s Krönung.

Enthusiastische Adressen der Tories.

Die Wahlen.

Prozeß gegen Oates.

Prozeß gegen Dangerfield.

Prozeß gegen Baxter.

Zusammentritt des schottischen Parlaments.

Gesinnungen Jakob’s gegen die Puritaner.

Grausame Behandlung der schottischen Covenanters.

Stimmung Jakob’s gegen die Quäker.

Wilhelm Penn.

Besondere Bevorzugung der Katholiken und Quäker.

Zusammenkunft des englischen Parlaments.

Trevor zum Sprecher gewählt.

Seymour’s Character.

Rede des Königs an das Parlament.

Debatte bei den Gemeinen. — Rede Seymour’s.

Bewilligung des Einkommens.

Verhandlungen der Gemeinen hinsichtlich der Religion.

Bewilligung nachträglicher Steuern.

Sir Dudley North.

Verhandlungen der Lords.

Bill zur Aufhebung der Verurtheilung Stafford’s.

Geschichte von England, Band 2, Thomas B. Macaulay

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

Loschberg 9

86450 Altenmünster

ISBN: 9783849631055

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

Thomas Babington Macaulay – Biografie und Bibliografie

Lord Macaulay of Rothley, berühmter engl. Geschichtschreiber, geb. 25. Okt. 1800 zu Rothley Temple in der Grafschaft Leicester als Sohn eines aus Schottland stammenden Kaufmanns, gest. 28. Dez. 1859, studierte in Cambridge, ward 1826 in London Rechtsanwalt, widmete sich aber fast ausschließlich der schriftstellerischen Laufbahn. Schon auf der Universität hatten seine Gedichte: »Pompeji« (Cambridge 1819) und »Evening« (das. 1821) Preise erworben. Seine Abhandlung über Milton in der »Edinburgh Review« (1825) und andre literarische und politische Porträts, von Bacon, Machiavelli, Lord Clive, Warren Hastings, den beiden Walpole, Lord Chatham u. a., machten M. schnell in den weitesten Kreisen bekannt. Sie erschienen gesammelt zuerst ohne seine Billigung u. d. T. »Critical and miscellaneous essays« (Philad. 1841) und dann von ihm selbst als »Critical and historical essays« (Lond. 1843, 3 Bde., u. ö.; neue Ausg. 1871, 4 Bde.; deutsch von Bülau, 1852–58, 5 Bde., und von Steger, Braunschw. 1853–60, 8 Bde.) herausgegeben. Ihnen reihten sich später die »Biographical essays« (Lond. 1851) an. 1830 verschafften ihm die Whigs einen Sitz im Unterhaus, und M. spielte in den Debatten, aus denen die Reformbill hervorging, eine hervorragende Rolle. Das Ministerium Grey ernannte ihn 1832 zum Mitglied des Indischen Kontrollamts und 1834 zum Mitglied des Hohen Rats in Kalkutta, in welcher Eigenschaft M. den Entwurf eines Strafgesetzbuches verfaßte, das 1838 publiziert wurde. Nach England zurückgekehrt, wurde er 1839 wieder ins Parlament gewählt und war 1839–41 im Ministerium Melbourne Kriegsminister und nach Melbournes Rücktritt während des zweiten Peelschen Ministeriums einer der hervorragendsten Redner der Whig-Opposition. 1842 gab er seine »Lays of ancient Rome« heraus, altrömische Legenden in Balladenform (deutsch von Erich, Berl. 1892; von W. du Nord, Wien 1903), die sich durch dramatische Handlung, malerische Schilderungen und Kraft des Stils auszeichnen. Vom Juli 1846 bis zum Ende 1847 bekleidete M. den Posten des Generalzahlmeisters. Bei den Wahlen von 1847 verlor er jedoch seinen Sitz im Parlament und zog sich darauf von der politischen Laufbahn zurück, um sich ungestört der Ausarbeitung seiner bereits 1841 begonnenen, bis 1702 reichenden »History of England from the accession of James II.« (Lond. 1848–55, Bd. 1–4; Bd. 5, 1861; später in sechs verschiedenen Ausgaben erschienen) zu widmen, die in sechs Monaten fünf Auflagen erlebte und sogleich in mehrere Sprachen übersetzt wurde (deutsch unter andern von Bülau, Leipz. 1849–1861, 11 Bde.; von Beseler, Braunschw. 1849–62, [2 Bde.], in verschiedenen Ausgaben; von Paret, Stuttg. 1850–61, 11 Bde.). Genaue Kenntnis der Tatsachen, unübertroffenes Talent in der Schilderung von Charakteren und geschichtlichen Begebenheiten, kunstvolle Anordnung des Stoffes und volle Herrschaft über alle sprachlichen Mittel machen dies Werk zu einem klassischen der englischen Literatur. M. besaß die meisten Vorzüge eines Geschichtschreibers: Kritik, Fleiß, Methode, Phantasie, Stil, politische Reise und philosophisches Urteil. Seine Auffassung von Ereignissen und Personen wird freilich durch seinen politischen Standpunkt, den eines konsequenten Whig, beherrscht und bisweilen getrübt. Im Herbst 1848 wählte ihn die Universität Glasgow zu ihrem Lord-Rektor, eine ihm 1849 angebotene Professur in Cambridge lehnte er ab. Im Juli 1852 ward er wieder ins Unterhaus gewählt, gab aber 1856 den Sitz wieder auf. Im September 1857 wurde er als Baron M. of Rothley zum Peer ernannt. Er ward 9. Jan. 1860 im »Poetenwinkel« der Westminsterabtei feierlich beigesetzt. Die Sammlung seiner Reden (in den »Miscellaneous writings and speeches«, drei verschiedene moderne Ausgaben) wurde 1854 (deutsch von Bülau, Leipz.; von Beseler, Braunschw.) veröffentlicht. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien London 1860 in 25 Bänden; neuere Ausgaben sind die 1866 von seiner Schwester Lady Trevelyan besorgte in 8 Bänden, die in 18 Bänden (1880) und die letzte Ausgabe in drei Formen: in 16, in 8 und in 12 Bänden (1902). Vgl. F. Arnold, Public life of Lord M. (neue Ausg., Lond. 1863); Otto Trevelyan, Life and letters of Lord M. (das. 1876 u. ö., 2 Bde.; deutsch von Böttger, 2. Aufl., Jena 1883); Morison, M. (Lond. 1882); Kinkel d. jüng., M., sein Leben und sein Geschichtswerk (Basel 1879); D. H. Macgregor, Lord M. (Lond. 1901); Jebb, Macaulay (1900); G. Bülow, Thomas Babington M., ein Gedenkblatt (Schweidnitz u. Leipz. 1901).

Geschichte von England – Band 2

Drittes Kapitel. England im Jahre 1685

In diesem Kapitel gedenke ich eine Schilderung des Zustandes zu geben, in welchem sich England zu der Zeit befand, als die Krone von Karl II. auf seinen Bruder überging. Eine solche Schilderung kann allerdings nur sehr unvollkommen sein, da sie aus spärlichem und zerstreutem Material gebildet ist; indessen wird sie doch vielleicht zur Berichtigung mancher falschen Ansichten dienen, welche das Verständniß oder das Interesse der nachfolgenden Erzählung beeinträchtigen würden.

Wenn wir die Geschichte unserer Vorfahren mit wirklichem Nutzen studiren wollen, müssen wir uns stets sorgfältig vor dem Irrthume hüten, den die wohl bekannten Namen von Familien, Orten und Ämtern sehr leicht hervorrufen, und dürfen nie vergessen, daß das Land, von dem wir lesen, ganz verschieden war von dem, in welchem wir leben. Wie jede Erfahrungswissenschaft die Tendenz zur Vervollkommnung in sich trägt, so liegt auch in jedem menschlichen Wesen der Wunsch, seine Lage zu verbessern. Diese beiden Prinzipien waren oft hinreichend zum raschen Fortschreiten der Civilisation, selbst wenn derselben große öffentliche Calamitäten und schlechte Einrichtungen hindernd im Wege standen. Kein gewöhnliches Unglück, keine, gewöhnlichen Regierungsfehler können in gleichem Maße das Sinken einer Nation herbeiführen, wie die unterbrochenen Fortschritte der Naturwissenschaften und das stete Streben jedes Einzelnen nach Verbesserung seiner Lage das Emporblühen einer Nation befördern. Man hat viele Beispiele davon, daß verschwenderischer Aufwand, hohe Abgaben, verkehrte Handelsbeschränkungen, verderbte Gerichtshöfe, unglückliche Kriege, Aufstände, Verfolgungen, Feuersbrünste und Überschwemmungen nicht im Stande waren, das Kapital so rasch zu vernichten, wie die Thatkraft einzelner Bürger es zu schaffen vermochte. Es ist nicht schwer zu beweisen, daß in unserem Lande der Nationalreichthum seit mindestens sechs Jahrhunderten in fast ununterbrochenem Wachsen begriffen ist; daß er unter den Tudors größer war als unter den Plantagenets; daß er unter den Stuarts größer war als unter den Tudors; daß er trotz Kriegen, Belagerungen und Confiscationen zur Zeit der Restauration größer war als beim Zusammentritte des Langen Parlaments; daß er trotz schlechter Verwaltung und Verschwendung, trotz öffentlichen Bankerotts, trotz zweier kostspieligen und unglücklichen Kriege, trotz verheerender Seuchen und Feuersbrünste beim Tode Karls II. größer war als bei seiner Wiedererhebung auf den Thron. Dieser Fortschritt erhielt, nachdem er bereits mehrere Jahrhunderte gedauert, um die Mitte des achtzehnten einen ungeheuren Aufschwung und hat seine Schnelligkeit während des neunzehnten verdoppelt. Wir haben es theils unserer geographischen, theils unserer sittlichen Lage zu danken, daß wir mehrere Menschenalter hindurch von Übeln verschont geblieben sind, welche anderwärts die Anstrengungen des Gewerbfleißes hemmten und die Früchte desselben zerstörten. Während der ganze Continent, von Moskau bis Lissabon, der Schauplatz blutiger und verheerender Kriege war, sah man bei uns kein feindliches Banner, außer als Trophäe. Während rund um uns her Revolutionen stattgefunden haben, ist unsere Regierung niemals gewaltsam gestürzt worden. Seit hundert Jahren hat unsere Insel keinen Tumult gesehen, der so bedeutend gewesen wäre, daß man ihn einen Aufstand hätte nennen können. Nie ist bei uns das Gesetz, weder durch die Volkswuth, noch durch königliche Tyrannei mit Füßen getreten worden. Der öffentliche Credit ist heilig gehalten worden und die Rechtspflege stets rein gewesen. Selbst in Zeiten, welche der Engländer mit gutem Grunde schlimme Zeiten nennen kann, haben wir noch immer die bürgerliche und religiöse Freiheit in einem Maße genossen, das fast jede andere Nation der Welt als ein reichliches betrachtet haben würde. Jedermann hatte die vertrauensvolle Überzeugung, daß der Staat ihn im Besitze dessen was er sich durch Betriebsamkeit erworben und durch weise Sparsamkeit gesammelt, schützen werde. Unter dem wohlthätigen Einflusse des Friedens und der Freiheit blühten die Wissenschaften und wurden in einem vorher nicht gekannten Umfange zu praktischen Zwecken angewendet.

Große Veränderung in dem Zustande Englands seit 1685.

Die Folge davon ist, daß in unserem Lande eine Veränderung stattgefunden, von der die Geschichte der alten Welt kein ähnliches Beispiel aufzuweisen hat. Könnte das England von 1685 durch einen Zauberprozeß vor unsere Augen gebracht werden, so würden wir nicht eine Gegend unter Hunderten, nicht ein Haus unter Tausenden erkennen. Der Gutsbesitzer würde seine eigenen Felder, der Städter seine eigene Straße nicht wieder erkennen. Alles hat sich verändert bis auf die großen Hauptzüge der Natur und einige wenige dauerhafte Werke der menschlichen Kunst. Den Snowdon und Windermere, die Cheddar-Klippen und Beachy-Head würden wir wohl finden, auch hier und da einen normännischen Dom oder ein altes Schloß erkennen, das die Kriege der Rosen mit angesehen; aber mit wenigen solchen Ausnahmen würde uns Alles fremd sein. Viele Tausend Quadratmeilen, welche gegenwärtig reiche Getreidefelder und Wiesen sind, durchschnitten von grünen Hecken und Zäunen und besäet mit freundlichen Dörfern und reizenden Landsitzen, würden sich unseren Blicken als mit Ginsterbüschen bedeckte Moore oder den wilden Enten überlassene Sümpfe darstellen. Wo wir jetzt große Fabrikstädte und Seehäfen erblicken, deren Name und Ruf bis an die äußersten Enden der Welt reicht, würden wir nur einzelne hölzerne Hütten mit Strohdächern finden. Selbst die Hauptstadt würde zu einem Umfange zusammenschrumpfen, welche den ihrer heutigen Vorstadt am südlichen Themseufer nicht übersteigen dürfte. Nicht minder auffallend würden uns Tracht und Sitten des Volks, Geräthschaften und Equipagen, so wie die innere Einrichtung der Läden und Wohnungen erscheinen. Eine solche Veränderung in dem Zustande einer Nation hat gewiß mindestens eben so gegründeten Anspruch auf die Beachtung des Geschichtsschreibers, wie ein Wechsel der Dynastie oder des Ministeriums.

Bevölkerung Englands im Jahre 1685.

Für den Forscher, der sich einen richtigen Begriff von dem Zustande eines Staates zu einer gegebenen Zeit bilden will, muß es eine der ersten Aufgaben sein zu untersuchen, wieviel Bewohner derselbe damals hatte. Leider kann man die Volkszahl Englands im Jahre 1685 nicht mit vollkommener Genauigkeit bestimmen, denn zu jener Zeit hatte noch kein großer Staat die weise Einrichtung einer periodischen Volkszählung angenommen. Man überließ das der Schätzung jedes Einzelnen und da solche Schätzungen gewöhnlich ohne gründliche Untersuchung und unter dem Einflusse von Leidenschaften und Vorurtheilen angestellt wurden, so war das Ergebniß derselben oft widersinnig und lächerlich. Selbst verständige Londoner gaben die Bevölkerung der Hauptstadt zu mehreren Millionen Seelen an. Viele behaupteten allen Ernstes, die Einwohnerzahl habe sich während der fünfunddreißig Jahre zwischen der Thronbesteigung Karls I. und der Restauration um zwei Millionen vermehrt. Selbst unmittelbar nach den Verheerungen, welche Pest und Feuer angerichtet, pflegte man zu sagen, daß London noch immer anderthalbe Million Einwohner zähle. Dagegen verfielen einige Andere, denen solche Übertreibungen zuwider waren, in das entgegengesetzte Extrem. So behauptete Isaak Vossius, ein Mann von unbestreitbaren Talenten und Kenntnissen, daß in England, Schottland und Irland zusammengenommen nicht mehr als zwei Millionen Menschen lebten.

Es fehlt uns indessen nicht an den nöthigen Quellen, um die lächerlichen Irrthümer, zu denen Einige durch Nationaleitelkeit und Andere durch eine krankhafte Sucht nach Paradoxen verleitet wurden, zu berichtigen. Es existiren drei verschiedene Berechnungen, welche vorzugsweise Beachtung verdienen, da sie völlig unabhängig von einander, nach ganz verschiedenen Prinzipien angestellt wurden, und doch in ihren Resultaten nur wenig von einander abweichen.

Eine dieser Berechnungen wurde im Jahre 1696 von Gregor King, Lancaster Herold, einem Statistiker von großem Scharfblick und treffendem Urtheile, vorgenommen. Die Grundlage seiner Schätzungen bildete die Häuserzahl, wie sie im Jahre 1690 von den Beamten, welche die letzte Heerdsteuer erhoben, angegeben ward. Er gelangte dadurch zu dem Resultate, daß sich die Bevölkerung Englands auf nahe an fünf und eine halbe Million Seelen belief.

Um die nämliche Zeit wünschte König Wilhelm III. die Mitgliederzahl der verschiedenen religiösen Secten zu erfahren, in welche die Gesammtbevölkerung zerfiel. Zu dem Ende wurden genaue Forschungen angeordnet und ihm aus allen Kirchspielen des Reichs Berichte vorgelegt, aus denen sich ergab, daß die Zahl der englischen Unterthanen ungefähr fünf Millionen und zweimalhunderttausend betragen mußte.

Endlich hat in unseren Tagen Mr. Finlaison, ein Beamter von großer Einsicht und Geschäftstüchtigkeit, die alten Gemeinderegister den Prüfungen unterworfen, zu denen ihn die Fortschritte der Neuzeit in der Statistik in den Stand setzten, und seine Ansicht geht dahin, daß zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts die Bevölkerung Englands etwas unter fünf Millionen und zweimalhunderttausend Seelen betrug.

Von diesen drei Schätzungen, welche ganz unabhängig von einander durch verschiedene Personen und nach verschiedenen Materialien aufgestellt wurden, übersteigt die höchste, die von King, die niedrigste, die von Finlaison, noch nicht um ein Zwölftel. Wir können daher zuversichtlich behaupten, daß unter der Regierung Jakobs II. England zwischen fünf und sechsthalb Millionen Einwohner zählte. Nimmt man die höchste Schätzung an, so hatte es damals weniger als ein Drittel der gegenwärtigen Bewohnerzahl und nicht ganz dreimal so viel als jetzt seine riesige Hauptstadt allein enthält.

Die Zunahme der Bevölkerung im Norden größer als im Süden.

Die Zunahme der Bevölkerung ist zwar in allen Theilen des Landes stark gewesen, im Durchschnitt aber in den nördlichen Provinzen viel bedeutender als in den südlichen. Ein großer Theil des Landes jenseit des Trent befand sich in der That bis zum achtzehnten Jahrhunderte in einem Zustande von Rohheit. Physische und moralische Ursachen verbanden sich, um die Ausbreitung der Civilisation in diesen Gegenden zu hemmen. Das Klima war rauh, der Boden im Allgemeinen von solcher Beschaffenheit, daß er einer geschickten und mühsamen Pflege bedurfte, und in einer Gegend, welche häufig der Schauplatz von Kriegen war und selbst in nominellen Friedenszeiten beständig durch schottische Räuberbanden beunruhigt wurde, konnte man wohl kaum viel Gewerbfleiß und Betriebsamkeit erwarten. Vor der Vereinigung der beiden britischen Kronen und noch lange nachher war ein eben so großer Unterschied zwischen Middlesex und Northumberland als heutzutage zwischen Massachusetts und den Austeilungen jener Squatters im fernen Westen des Mississippi, welche mit Büchse und Dolch eine rohe Justiz ausüben. Noch unter der Regierung Karl’s II. waren die Spuren, welche jahrhundertelange Metzeleien und Plünderungen zurückgelassen, viele Meilen südlich vom Tweed, an dem Aussehen des Landes und an dem gesetzlosen Treiben des Volks deutlich zu erkennen. Um diese Zeit gab es dort noch eine Menge Straßenräuber, welche davon lebten, daß sie die Wohnungen plünderten und ganze Viehherden forttrieben. Bald nach der Restauration hielt man es für nöthig, sehr strenge Gesetze zu erlassen, um diesem Unwesen zu steuern. Die Behörden von Northumberland und Cumberland wurden ermächtigt, zur Vertheidigung des Eigenthums und der Ordnung bewaffnete Mannschaften zu errichten, und zur Deckung der Kosten, welche die Aushebung und der Unterhalt dieser Truppen verursachten, wurden örtliche Abgaben auferlegt. Die Gemeinden wurden angewiesen, Bluthunde zu halten, um damit auf die Freibeuter Jagd zu machen. Um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts konnten sich viele alte Leute noch sehr gut der Zeit erinnern, wo diese fürchterlichen Hunde in Gebrauch waren. Doch selbst mit diesen Hülfsmitteln war es oft unmöglich, die Räuber bis in ihre Schlupfwinkel im Gebirge und in den Sümpfen zu verfolgen, denn die topographische Kenntniß jener Gegenden war damals noch sehr unvollkommen. Selbst nach dem Regierungsantritte Georg’s III. war zum Beispiel der Weg von Borrowdale nach Ravenglas über das Gebirge noch ein Geheimniß, das von den Thalbewohnern, von denen einige in ihrer Jugend wahrscheinlich auf diesem Wege den Verfolgungen der Justiz entronnen waren, sorgfältig bewahrt wurde. Die Landsitze des Adels und die größeren Pachthöfe waren befestigt; die Rinder wurden des Nachts unter den Wetterdächern des Hauses angebunden, was man „Peel“ nannte; die Bewohner schliefen nur mit den Waffen zur Seite; man hielt beständig große Steine und kochendes Wasser in Bereitschaft, um den Räuber, der es etwa wagte, die kleine Besatzung anzugreifen, zu zerschmettern und zu verbrühen. Kein Reisender wagte sich in diese Gegend, ohne vorher sein Testament zu machen. Die Richter, welche auf ihrer Rundreise begriffen waren, ritten bewaffnet und von einer starken Bedeckung unter dem Commando der Sheriffs begleitet, mit der ganzen Schaar der Anwälte, Schreiber und Diener von Newcastle nach Carlisle. Man mußte sich mit Lebensmitteln versehen, denn diese Gegend war eine Wildniß, in der nichts zu bekommen war. Der Platz unter einer riesigen Eiche, wo die Cavalcade Halt zu machen pflegte, um das Mittagsmahl einzunehmen, ist heutigen Tages noch nicht vergessen. Die ungewöhnliche Strenge, mit der die Strafrechtspflege dort gehandhabt wurde, machte einen erschütternden Eindruck auf solche Beobachter, welche bis dahin in ruhigeren Distrikten gelebt hatten. Wer bei einem Einbruche oder einem Viehdiebstahle ergriffen wurde, den verurtheilten die von Haß und dem Gefühle der gemeinsamen Gefahr erfüllten Geschwornen mit der summarischen Schnelligkeit eines Kriegsgerichts bei einer Meuterei, und die Verurtheilten wurden zu Zwanzigen an den Galgen geschickt. Noch zu einer Zeit, deren sich manche Leute der jetzigen Generation erinnern können, fand der Waidmann, den die Verfolgung des Wildes zu den Quellen des Tyne führte, die Haiden in der Umgegend von Keeldar Castle von Menschen bewohnt, die kaum weniger wild waren, als die Indianer von Kalifornien, und hörten mit Erstaunen halb nackte Weiber einen wilden Gesang anstimmen, während die Männer mit geschwungenen Dolchen einen Kriegstanz aufführten.

Langsam und mit großer Mühe wurde endlich die Ruhe in dem Grenzgebiete hergestellt, und mit derselben fanden sich auch Gewerbfleiß und alle Künste des Lebens ein. Mittlerweile machte man die Entdeckung, daß die Gegenden nördlich vom Trent in ihren Kohlenlagern eine reichere Quelle des Wohlstandes besaßen, als die Goldgruben von Peru, und man überzeugte sich bald, daß in der Nähe dieser Lager fast jede Fabrik mit großem Vortheil betrieben werden konnte. In Folge dessen begann eine anhaltende Auswanderung nach dem Norden. Aus den Bevölkerungslisten von 1841 ergab es sich, daß die ehemalige erzbischöfliche Provinz York zwei Siebentel der gesammten Einwohnerzahl Englands enthielt, während man zur Zeit der Revolution annahm, daß nur ein Siebentel der Gesammtbevölkerung auf diese Provinz komme. In Lancashire hat sich die Einwohnerzahl um das Neunfache vermehrt, während sich dieselbe in Norfolk, Suffolk und Northamptonshire kaum verdoppelt hat.

Staatseinkünfte im Jahre 1685.

Von dem Ertrage der Steuern können wir mit größerer Sicherheit und Genauigkeit sprechen als von der Bevölkerung. Die öffentlichen Einnahmen Englands waren klein im Verhältniß zu den Hilfsquellen, die es schon damals besaß, oder im Vergleich mit den Summen, welche von den Regierungen der Nachbarländer erhoben wurden. Sie hatten sich zwar seit der Restauration fast beständig vermehrt, betrugen aber doch wenig mehr als drei Viertel von denen der Vereinigten Provinzen und kaum ein Fünftel von denen Frankreichs.

Der bedeutendste Einnahmeposten war die Accise, welche im letzten Jahre der Regierung Karl’s einen Reinertrag von fünfhundertfünfundachtzigtausend Pfund Sterling abwarf. Der Nettoertrag der Zölle belief sich in demselben Jahre auf fünfhundertdreißigtausend Pfund. Diese Abgaben lasteten nicht schwer auf der Nation. Die Heerdsteuer erregte ein viel lauteres Murren, obgleich sie bei weitem weniger eintrug. Allerdings steht auch die Unzufriedenheit, welche durch directe Steuern hervorgerufen wird, fast immer in keinem Verhältniß zu der Menge des Geldes, das sie dem Staatsschatze einbringen, und die Heerdsteuer war selbst unter den directen Steuern noch eine ganz besonders drückende, denn sie konnte nur durch Besichtigung der Wohnungen festgestellt werden, und derartige Besuche sind den Engländern von jeher in einem Grade verhaßt gewesen, von dem sich andere Ländern nur einen schwachen Begriff machen können. Die ärmeren Einwohner waren oft nicht im Stande, ihr Heerdgeld zur rechten Zeit zu bezahlen, und wenn dieser Fall eintrat, wurden sie ohne Gnade ausgepfändet, denn die Steuer war verpachtet, und der Steuerpächter ist sprichwörtlich der habgierigste und unerbittlichste Gläubiger. Die Einsammler wurden laut beschuldigt, daß sie ihre mißliebige Pflicht mit anmaßender Härte ausübten; man sagte, daß, sobald sie auf der Schwelle eines Hauses erschienen, die Kinder zu weinen begannen und die alten Weiber eiligst ihr Küchengeschirr versteckten. Ja das einzige Bett einer armen Familie ward zuweilen weggenommen und verkauft. Der jährliche Reinertrag dieser Steuer belief sich auf zweimalhunderttausend Pfund.

Rechnen wir zu den eben erwähnten drei Hauptquellen der Staatseinkünfte die königlichen Domänen, welche damals viel bedeutender waren als gegenwärtig, die Naturalleistungen und Zehnten, welche noch nicht der Kirche überwiesen waren, die Herzogthümer Cornwall und Lancaster, sowie die Geldstrafen und Geldbußen, so finden wir, daß das gesammte Jahreseinkommen der Krone recht gut auf ungefähr eine Million viermalhunderttausend Pfund geschätzt werden kann. Ein Theil dieses Einkommens war erblich, das übrige war Karl auf Lebenszeit gesichert, und er durfte ganz nach Belieben darüber verfügen. Was er an dem Aufwande für die verschiedenen Departements der Verwaltung ersparen konnte, war ein Beitrag zu seiner Privatchatulle. Von dem Postwesen, dessen Erträgnisse das Parlament dem Herzoge von York zugetheilt hatte, werden wir nachher ausführlicher sprechen.

Auf den Einkünften des Königs lastete — oder hätte vielmehr lasten sollen, — die jährliche Ausgabe von achtzigtausend Pfund als Zinsen für die Summe, welche die Cabale betrügerischer Weise im Staatsschatze zurückgehalten hatte. So lange Danby an der Spitze der Finanzverwaltung stand, hatten die Gläubiger ihre Zinsen erhalten, wenn auch nicht mit der strengen Pünktlichkeit der neueren Zeit; seine Nachfolger im Schatzamte aber hatten es weniger verstanden oder es weniger für nöthig erachtet, den öffentlichen Credit aufrecht zu erhalten. Seit dem Siege, den der Hof über die Whigs davongetragen, war nicht ein Farthing bezahlt worden, und die darunter Leidenden hatten keine Aussicht, eher etwas zu erhalten, als bis eine neue Dynastie und mit dieser ein neues System zur Herrschaft gelangte. Es kann keinen größeren Irrthum geben, als wenn man glaubt, die Erfindung, die Bedürfnisse des Staatshaushaltes durch Anlehen zu decken, sei durch Wilhelm III. auf unserer Insel eingeführt worden. Schon seit undenklichen Zeiten haben alle englischen Regierungen Schulden gemacht. Die Revolution brachte nur den Gebrauch mit, dieselben ehrlich zu bezahlen.

Durch Beraubung der Staatsgläubiger wurde es möglich, mit einem Einkommen von ungefähr vierzehnhunderttausend Pfund, nebst einigen gelegentlichen Zuschüssen aus Frankreich, die nothwendigen Ausgaben der Regierung und den verschwenderischen Aufwand des Hofes zu bestreiten. Denn die Last, welche am schwersten auf den Finanzen der großen Staaten des Continents lag, wurde bei uns kaum gefühlt. In Frankreich, in Deutschland und in den Niederlanden wurden mitten im Frieden Armeen unterhalten, wie Heinrich IV. und Philipp II. sie in Kriegszeiten nicht verwendeten. Allenthalben erhoben sich Bastionen und Schanzwerke, welche nach Systemen angelegt waren, die Parma und Spinola nicht gekannt hatten. Es wurden Vorräthe von Geschützen und Kriegsbedarf aufgehäuft, welche selbst Richelieu, den die vorhergehende Generation als einen Schöpfer von Wunderwerken betrachtet hatte, fabelhaft genannt haben würde. Man konnte in diesen Ländern nicht viele Meilen weit reisen, ohne den Trommelwirbel eines auf dem Marsche begriffenen Regiments zu hören oder von den Schildwachen auf der Zugbrücke einer Festung angerufen zu werden.

Das Militairsystem.

Auf unsrer Insel hingegen konnte man lange leben und weite Reisen machen, ohne ein einziges Mal durch irgend einen kriegerischen Anblick oder Ton daran erinnert zu werden, daß die Vertheidigung der Nationen eine Wissenschaft und ein Beruf geworden war. Die meisten jungen Engländer unter fünfundzwanzig Jahren hatten vielleicht noch nie eine Compagnie regulärer Truppen gesehen, und von den Städten, welche zur Zeit des Bürgerkrieges feindliche Heere tapfer zurückgeschlagen hatten, war kaum eine jetzt im Stande, eine Belagerung auszuhalten. Die Thore waren Tag und Nacht geöffnet, die Gräben waren ausgetrocknet und die Wälle hatte man verfallen lassen oder sie nur in so weit erhalten, damit sie den Bewohnern an schönen Sommerabenden zu einem angenehmen Spaziergange dienen konnten. Von den alten Stammburgen der früheren Barone waren viele durch die Kanonen Fairfax’ und Cromwell’s zerschmettert und lagen jetzt in Trümmerhaufen, auf denen Epheu wucherte. Die verschont gebliebenen hatten ihren kriegerischen Character verloren und waren jetzt ländliche Paläste des hohen Adels. Die Wallgräben waren in Behälter für Karpfen und Hechte verwandelt, die Mauern waren mit duftenden Sträuchern und Gebüschen bepflanzt, zwischen denen sich gewundene Pfade zu reizenden Lusthäusern schlängelten, die mit Spiegeln und Gemälden reich geschmückt waren. Auf den Vorgebirgen der Seeküste und auf vielen Anhöhen des Binnenlandes sah man noch hohe Pfähle mit leeren Fässern auf den Spitzen derselben. Diese Fässer waren einst mit Pulver gefüllt gewesen. In Zeiten der Gefahr wurden hier Wachen aufgestellt, und wenige Stunden nachdem ein spanisches Segel im Kanal entdeckt oder nachdem ein Schwarm schottischer Räuber über den Tweed gegangen war, loderten funfzig Meilen in der Runde Signalfeuer empor und ganze Grafschaften traten unter die Waffen. Doch viele Jahre waren verflossen, seit die Lärmfeuer geleuchtet hatten, und sie wurden nur noch mehr als merkwürdige Erinnerungszeichen an alte Sitten, denn als Theile einer für die Sicherheit des Staates nöthigen Einrichtung angesehen.

Die einzige Armee, die das Gesetz anerkannte, war die Miliz. Diese Streitmacht war durch zwei kurz nach der Restauration erlassene Parlamentsacte umgestaltet worden. Jeder, der aus Grundeigenthum ein jährliches Einkommen von fünfhundert Pfund bezog oder ein bewegliches Vermögen von sechstausend Pfund besaß, war verpflichtet, auf seine Kosten einen Reiter zu liefern, zu equipiren und zu unterhalten, und wer funfzig Pfund jährlich von Grundbesitz bezog oder sechshundert Pfund bewegliches Vermögen hatte, mußte in gleicher Weise einen Lanzknecht oder einen Musketier stellen. Kleinere Grundbesitzer wurden zu einer Art Societät verbunden, für welche unsre Sprache keinen besonderen Namen hat, die aber ein Athenienser eine Synteleia genannt haben würde, und jede solche Societät war gehalten, je nach ihren Mitteln einen Reiter oder einen Fußsoldaten zu liefern. Die Gesammtzahl der auf diese Weise zusammengebrachten Reiterei und Infanterie wurde gewöhnlich auf hundertdreißigtausend Mann geschätzt.

Kraft der alten Verfassung des Reichs und durch die neuere feierliche Anerkennung beider Parlamentshäuser war der König der einzige Generalcapitain dieser starken Streitmacht. Die Lord Lieutenants und ihre Stellvertreter befehligten unter ihm und bestimmten die Zusammenkünfte zur Waffenübung und Musterung. Diese Übungen und Musterungen durften jedoch nicht mehr als vierzehn Tage im Jahre Zeit wegnehmen. Die Friedensrichter waren ermächtigt, für Disciplinarvergehen leichte Strafen zuzuerkennen. Die Krone trug zu den gewöhnlichen Kosten nichts bei; wenn aber die Miliz gegen den Feind aufgeboten wurde, so fiel ihr Unterhalt den allgemeinen Staatseinkünften zur Last und sie war dann der äußersten Strenge der Kriegsgesetze unterworfen.

Von Vielen wurde jedoch die Miliz nicht mit freundlichem Auge betrachtet. Leute, die oft auf dem Continent gereist waren und die trotzige Entschiedenheit bewundert hatten, mit welcher in den von Vauban erbauten Festungen jede Schildwache sich bewegte und sprach, die die gewaltigen Heere gesehen hatten, die sich auf allen Straßen Deutschlands dahin wälzten, um den Osmanen von den Thoren Wiens zu verjagen, und die über die wohlgeordnete Pracht der Haustruppen König Ludwigs gestaunt hatten, machten sich bei jeder Gelegenheit darüber lustig, wie die plumpen Bauern von Devonshire und Yorkshire marschirten, sich bewegten und ihre Gewehre oder Piken trugen. Die Feinde der Freiheiten und der Religion Englands blickten mit entschiedener Abneigung auf eine Streitmacht, welche nicht ohne die größte Gefahr gegen diese Freiheiten und gegen diese Religion verwendet werden konnte, und sie benutzten jede Gelegenheit, um das ländliche Kriegsvolk zu verspotten. Und selbst aufgeklärte Patrioten mußten bei Vergleichung der ungeübten Truppen mit den wohl disciplinirten Bataillonen, welche in Kriegszeiten binnen wenigen Stunden an die Küste von Kent oder Sussex gelangen konnten, eingestehen, daß, so gefährlich auch die Unterhaltung eines stehenden Heeres sein könne, es am Ende doch noch weit gefährlicher sei, die Ehre und Unabhängigkeit des Landes in einem Kampfe zwischen Bauern unter der Anführung von Friedensrichtern, und langgedienten Kriegern unter dem Commando der Marschälle Frankreichs aufs Spiel zu setzen. Im Parlament mußte man jedoch solche Ansichten mit einiger Vorsicht aussprechen, denn die Miliz war eine außerordentlich populäre Institution. Jede tadelnde Bemerkung gegen dieselbe erregte den Unwillen beider großen Parteien im Staate und ganz besonders derjenigen, die sich vorzugsweise durch ihren Eifer für die Monarchie und für die anglikanische Kirche auszeichneten. Das Aufgebot der Grafschaften wurde fast ausschließlich durch Tories vom Adel und von der Gentry befehligt, und diese, stolz auf ihren militairischen Rang, betrachteten jede Beleidigung des Dienstes, dem sie angehörten, als eine Beleidigung ihrer selbst. Auch erkannten sie recht gut, daß Alles was gegen die Miliz gesagt wurde indirect für ein stehendes Heer sprechen sollte, und der bloße Name eines stehenden Heeres war ihnen schon verhaßt. Eine solche Armee hatte bereits einmal in England geherrscht und unter dieser Herrschaft war der König ermordet, der Adel seiner Ehren und Titel beraubt, die bürgerlichen Grundbesitzer ausgeplündert und die Kirche verfolgt worden. Es gab kaum einen Landedelmann, der nicht eine Geschichte von Beschimpfungen und Unbilden zu erzählen wußte, die er oder sein Vater von Seiten der Soldaten des Parlaments zu ertragen gehabt hatte. Jener alte Cavalier hatte es mit ansehen müssen, wie die Hälfte seines Stammschlosses in die Luft gesprengt ward; einem Andern waren seine uralten Ulmen umgehauen worden; ein Dritter konnte nicht in die Kirche seines Sprengels gehen, ohne durch die verstümmelten Wappen und Standbilder seiner Ahnen daran erinnert zu werden, daß Cromwells Rothröcke einst diese Räume zum Stall für ihre Pferde benutzt hatten. In Folge dessen waren gerade die Royalisten, welche am bereitwilligsten persönlich für den König gekämpft haben würden, die Letzten, von denen er die Mittel zur Werbung regulärer Truppen zu verlangen wagen durfte.

Gleichwohl hatte Karl einige Monate nach seiner Wiedereinsetzung angefangen, eine kleine stehende Armee zu errichten. Er fühlte, daß ohne einen besseren Schutz als den der Miliz und seiner Leibwächter sein Palast und seine Person in der Nähe einer großen Stadt, in der es von eben erst entlassenen kriegslustigen Männern der fünften Monarchie wimmelte, kaum sicher sein würden. Trotz seiner Sorglosigkeit und Verschwendungssucht beschloß er daher, seine Ausgaben für Vergnügungen in soweit zu beschränken, daß er die zum Unterhalt einer Leibgarde erforderliche Summe ersparte. Mit der Zunahme des Handels und des öffentlichen Wohlstandes vermehrten sich auch seine Einkünfte, und er wurde dadurch in den Stand gesetzt, trotz des gelegentlichen Murrens der Gemeinen, seine reguläre Streitmacht nach und nach zu verstärken. Noch wenige Monate vor dem Ende seiner Regierung erhielt dieselbe einen ansehnlichen Zuwachs. Die kostspielige, nutzlose und ungesunde Besitzung Sanger, wurde den umwohnenden Barbaren überlassen und die aus einem Regiment Reitern und zwei Regimentern Fußvolk bestehende Garnison nach England zurückgebracht.

Die kleine Armee, welche Karl II. auf diese Art gebildet, war der Keim zu seinem großen und berühmten Heere, das in dem gegenwärtigen Jahrhundert siegreich in Madrid und Paris, in Canton und Kandahar eingezogen ist. Die Leibgarden, welche jetzt zwei Regimenter bilden, bestanden damals aus drei Abtheilungen, von denen jede ohne die Offiziere zweihundert Carabiniers zählte. Dieses Corps, dem die Bewachung des Königs und der Königlichen Familie anvertraut war, hatte einen ganz eigenthümlichen Character. Selbst die Gemeinen wurden „Gentlemen von der Garde“ genannt; viele von ihnen waren von guter Familie und hatten während der Bürgerkriege Offizierstellen bekleidet. Ihr Sold war bedeutend höher als in unsrer Zeit der des bevorzugtesten Regiments und würde damals als ein ganz anständiges Einkommen für den jüngeren Sohn eines Landedelmanns betrachtet worden sein. Ihre schönen Pferde, ihre kostbaren Schabracken, ihre Brustharnische und ihre mit Bändern, Sammet und Goldtressen reich verzierten Wämser nahmen sich in St. James Park prächtig aus. Jeder Abtheilung war ein kleines Corps Grenadier-Dragoner beigegeben, welche von niederer Herkunft waren und auch geringeren Sold erhielten. Eine andere Truppe Leibcavallerie, die sich durch blaue Röcke und Mäntel unterschied und daher noch jetzt „die Blauen“ genannt wird, lag gewöhnlich in der Umgegend der Hauptstadt in Garnison. Eben so stand in der Nähe der Hauptstadt das Corps, welches gegenwärtig als das erste Dragonerregiment bezeichnet wird, damals aber das einzige derartige Regiment der englischen Armee war. Dieses Regiment war erst kürzlich aus der von Tanger zurückgekehrten Reiterei gebildet worden. Ein besonderer Zug Dragoner, der keinem Regiment angehörte, stand unweit Berwick, um die Räuber des Grenzgebiets im Schach zu halten, denn zu diesem Dienste wurde der Dragoner als besonders geeignet betrachtet. Später ist er ein bloßer Reitersoldat geworden; im siebzehnten Jahrhundert aber beschrieb ihn Montecucculi genau als einen Fußsoldaten, der sich des Pferdes nur dazu bediente, um schneller an den Ort zu gelangen, wo es militairischen Dienst zu verrichten gab.

Die Gardeinfanterie bestand aus zwei Regimentern, welche damals, wie noch jetzt das erste Regiment Fußgarden und die Coldstreamgarden genannt wurden und in der Regel um Whitehall und St. James Palast Dienste thaten. Da es damals noch keine Kasernen gab, nach der „Petition um Recht“ aber Militair in Privatwohnungen nicht einquartirt werden durfte, so waren alle Alehäuser in den Stadttheilen Westminster und Strand mit Rothröcken angefüllt.

Außerdem gab es noch fünf andere Infanterieregimenter. Eines davon, das sogenannte Admiral’s-Regiment, war speciell für den Dienst auf der Flotte bestimmt, und die vier übrigen werden noch jetzt als die vier ersten Linienregimenter bezeichnet. Zwei davon repräsentirten zwei Brigaden, welche auf dem Continente lange Zeit den Ruf der britischen Tapferkeit aufrecht erhalten hatten. Das erste oder Königliche Regiment hatte unter dem großen Gustav zur Befreiung Deutschlands wesentlich beigetragen, und das dritte Regiment, das sich durch fleischfarbene Aufschläge unterschied, welche ihm den allbekannten Namen der „Buffs“ (Rothgelben oder Büffelhäute) verschafften, hatte unter Moritz von Nassau nicht weniger tapfer für die Befreiung der Niederlande gefochten. Diese beiden wackeren Truppen waren endlich nach langen, wechselvollen Kämpfen von Karl II. aus dem fremden Dienste zurückgerufen und auf den englischen Militairetat gesetzt.

Die beiden Regimenter, welche gegenwärtig als das zweite und vierte Linienregiment bezeichnet werden, waren 1685 eben erst aus Tanger zurückgekehrt und hatten von dort grausame und ausschweifende Gewohnheiten mitgebracht, die sie während ihres langjährigen Krieges mit den Mauren angenommen. Außerdem lagen noch einige Compagnien Fußvolk, welche noch keinem Regimente einverleibt waren, als Garnison in Tilburg’ Fort, Portsmouth, Plymouth und einigen anderen wichtigen Plätzen an oder unweit der Küste.

Seit dem Anfange des 17. Jahrhunderts war in der Bewaffnung der Infanterie eine wichtige Veränderung eingetreten. Die Lanze war nach und nach durch die Muskete verdrängt worden, und am Schlusse der Regierung Karl’s II. waren die meisten seiner Fußsoldaten Musketiere. Es befanden sich indessen noch immer eine bedeutende Anzahl Lanzenträger darunter. Jede Truppengattung wurde gelegentlich im Gebrauche der Waffe geübt, welche vorzugsweise der anderen Gattung angehörte. Der Fußsoldat war zum Gebrauch beim Handgemenge mit einem Seitengewehr versehen; der Dragoner war bewaffnet wie ein Musketier und trug ebenfalls noch eine Nebenwaffe, die im Laufe vieler Jahre nach und nach eingeführt wurde und welche die Engländer damals Dolch (dagger) nannten, für die aber seit unsrer Revolution der französische Name Bajonett angenommen ist. Das Bajonett scheint jedoch damals noch kein so furchtbares Mordwerkzeug gewesen zu sein, als es nachmals geworden ist, denn es wurde in der Mündung des Gewehres befestigt und der Soldat verlor viel Zeit mit dem Herausziehen des Bajonetts, wenn er feuern wollte, und mit dem Aufstecken desselben, wenn er im Sturm angreifen mußte.

Die reguläre Armee, welche zu Anfang des Jahres 1685 in England unterhalten wurde, bestand mit Einschluß der Offiziere aus etwa siebentausend Mann Fußvolk und ungefähr siebzehnhundert Mann Reitern und Dragonern. Die sämmtlichen Kosten ihres Unterhalts beliefen sich auf etwa zweihundertneunzigtausend Pfund jährlich, das heißt noch nicht ein Zehntel von dem, was das französische Heer damals in Friedenszeiten kostete. Der Tagessold eines Gemeinen von der Leibgarde war vier Schilling, bei den Blauen zwei und ein halber Schilling, bei den Dragonern achtzehn Pence, bei der Fußgarde zehn Pence und bei der Linie acht Pence. Die Disciplin war locker und sie konnte auch nicht anders sein. Das englische gemeine Recht wußte nichts von Kriegsgerichten und machte in Friedenszeiten keinen Unterschied zwischen dem Soldaten und jedem andren Bürger; auch durfte es die Regierung damals nicht wagen, selbst das loyalste Parlament um ein Aufruhrgesetz anzugehen. Wenn daher ein Soldat seinen Obersten zu Boden schlug, so traf ihn dafür nur die gewöhnliche, auf Thätlichkeiten und Mißhandlungen gesetzte Strafe, und wenn er einem Befehl nicht gehorchte, oder auf seinem Wachposten einschlief oder desertirte, so verwirkte er dadurch gar keine gesetzliche Strafe. Allerdings wurden unter der Regierung Karl’s II. ohne Zweifel militairische Strafen verhängt, aber doch nur selten und in einer Weise, daß sie die öffentliche Aufmerksamkeit nicht erregten und keine Berufung an die Gerichtshöfe von Westminsterhall veranlaßten.

Ein solches Heer war sicherlich nicht geeignet, fünf Millionen Engländer zu knechten; es würde kaum im Stande gewesen sein, einen Aufstand in London zu unterdrücken, wenn die Stadtmiliz sich den Aufrührern angeschlossen hätte. Auch konnte der König, im Fall ein Aufstand in England ausbrach, nicht erwarten, daß er aus seinen anderen Besitzungen Beistand erhalten würde, denn obgleich sowohl Schottland als Irland ein eignes Heer unterhielten, so war dieses doch eben nur hinreichend, um die puritanischen Unzufriedenen des ersteren Landes und die papistischen Unzufriedenen des andren im Schach zu halten. Indessen hatte die Regierung eine andre bedeutende militairische Hülfsquelle, die nicht unberücksichtigt bleiben darf. Im Dienste der Vereinigten Provinzen standen sechs schöne Regimenter, welche früher der tapfere Ossory befehligt hatte. Von diesen Regimentern waren drei in England und drei in Schottland ausgehoben und ihr Landesfürst hatte sich das Recht vorbehalten, sie zurückrufen zu können, sobald er ihrer Hülfe gegen einen auswärtigen oder einheimischen Feind bedürfe. Inzwischen wurden sie unterhalten, ohne daß sie ihm selbst das Geringste kosteten, und standen unter einer vorzüglichen Disciplin, der er sie zu unterwerfen nicht hätte wagen dürfen.

Die Seemacht.

Wenn aber das Mißtrauen des Parlaments und der Nation es dem Könige unmöglich machten, ein achtunggebietendes stehendes Heer zu unterhalten, so stand ihm kein ähnliches Hinderniß entgegen, England zur ersten Seemacht zu erheben. Whigs und Tories waren gleich bereit, jeden Schritt beifällig aufzunehmen, der darauf hinzielte, eine Macht zu verstärken, welche gegen die bürgerliche Freiheit nichts vermochte, während sie der beste Schutz für die Insel gegen auswärtige Feinde war. Die größten von englischen Soldaten verrichteten Heldenthaten, deren sich die damalige Generation erinnern konnte, waren im Kampfe gegen englische Fürsten ausgeführt worden. Unsere Seeleute dagegen hatten ihre Siege über fremde Feinde erfochten und den vaterländischen Boden vor Verwüstung und Plünderung bewahrt. Der Schlacht von Naseby erinnerte sich mindestens die Hälfte der Nation mit Abscheu, und selbst der von Dunbar nur mit einem Stolze, der nicht frei war von schmerzlichen Gefühlen; an die Niederlage der Armada aber und an die Seeschlachten Blake’s gegen die Holländer und Spanier dachten alle Parteien mit ungetrübter Begeisterung zurück. Seit der Restauration hatten sich die Gemeinen, selbst in Zeiten, wo sie höchst mißvergnügt und geizig waren, stets bis zur Verschwendung freigebig gezeigt, sobald es das Interesse der Seemacht galt. Während Danby Minister war, hatte man ihnen vorgestellt, daß viele Schiffe der königlichen Flotte alt und nicht mehr seetüchtig seien, und obgleich das Haus damals eben nicht in freigebiger Stimmung war, so bewilligte es doch eine Summe von nahe an sechsmalhunderttausend Pfund zum Bau von dreißig neuen Kriegsschiffen.

Die Freigebigkeit der Nation war jedoch durch die Sünden der Regierung fruchtlos gemacht worden. Die Liste der königlichen Kriegsfahrzeuge sah zwar ganz stattlich aus; sie zählte neun Linienschiffe ersten, vierzehn zweiten, neununddreißig dritten Ranges und viele kleinere. Allerdings waren die Linienschiffe erster Größe damals kleiner als in unseren Tagen die des dritten Ranges, und die der dritten Größe würden gegenwärtig nicht mehr für sehr große Fregatten gelten. Dessen ungeachtet würde diese Flotte, wenn sie wirklich vorhanden gewesen wäre, von den größten Machthabern als eine furchtbare betrachtet worden sein. Aber sie existirte nur auf dem Papiere. Gegen das Ende der Regierung Karl’s war seine Flotte in einem so schlechten, verfallenen Zustande, daß man es kaum glauben würde, wäre es nicht durch die ganz von einander unabhängigen und übereinstimmenden Aussagen von Zeugen bestätigt, deren Zuverlässigkeit über jeden Zweifel erhaben ist. Pepys, damals der ausgezeichnetste Admiral Englands, entwarf im Jahre 1684 für den König eine Denkschrift über den Stand seines Verwaltungszweiges. Einige Monate später legte Bonrepaux, der fähigste Kopf in der französischen Admiralität, der eigens zu dem Zwecke nach England gekommen war, um die Stärke seiner Seemacht zu untersuchen, Ludwig das Resultat seiner Nachforschungen vor. Beide Berichte stimmen im Wesentlichen mit einander überein. Bonrepaux erklärte, er habe Alles in Unordnung und in jämmerlichem Zustande gefunden, die Überlegenheit der französischen Seemacht werde in Whitehall mit Beschämung und Neid anerkannt und der Zustand unsrer Marine und unserer Schiffswerften biete schon an sich hinreichende Bürgschaft dafür, daß wir uns in die europäischen Streitigkeiten nicht mischen würden.