Die Geschichte von England, Band 4 - Thomas B. Macaulay - E-Book

Die Geschichte von England, Band 4 E-Book

Thomas B. Macaulay

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Beschreibung

Dies ist Band 4 des mehrbändigen Werkes und behandelt die Geschichte Englands von Wilhelm von Oranien bis Sunderland. Aus dem Inhalt: Wilhelm, Prinz von Oranien. Sein Äußeres. Sein früheres Leben und seine Erziehung. Seine religiösen Ansichten. Seine militairischen Talente. Sein Vergnügen an Gefahren; seine schlechte Gesundheit. Kälte seines Benehmens und Heftigkeit seiner Gemüthsregungen. Seine Freundschaft für Bentinck. Marie, Prinzessin von Oranien. Gilbert Burnet. Beziehungen Wilhelm's zu den englischen Parteien. Seine Gesinnungen gegen England. Seine Politik durchaus consequent. Vertrag von Augsburg. Wilhelm wird das Oberhaupt der englischen Opposition. Unzufriedenheit in England nach dem Sturze der Hyde. Wycherley, Tindal, Haines. Dryden. "The Hind and Panther." In Schottland theilweise Duldung gewährt. Persönliche Bearbeitung Einzelner im königlichen Kabinet. Erfolglosigkeit der persönlichen Bearbeitung. Admiral Herbert. Die Indulgenzerklärung. Stimmung der protestantischen Dissenters. Stimmung der anglikanischen Kirche. Der Hof und die Kirche. "Brief an einen Dissenter." Benehmen der Dissenters. Einige von ihnen halten es mit dem Hofe. Lobb. Penn. Die Mehrzahl der Puritaner ist gegen den Hof. Baxter. Howe. Bunyan. Kiffin. Der Prinz und die Prinzessin von Oranien gegen die Indulgenzerklärung. Vertheidigung ihrer Ansichten bezüglich der englischen Katholiken. Jakob's Feindschaft gegen Burnet. Sendung Dykvelt's nach England. Unterhandlungen Dykvelt's mit englischen Staatsmännern. Danby. Nottingham. Halifax. Devonshire. Eduard Russell. Compton. - Herbert. - Churchill. Lady Churchill und die Prinzessin Anna. u.v.m.

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Seitenzahl: 354

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Geschichte von England – Band4

seit der Thronbesteigung Jakob’s des Zweiten

Thomas Babington Macaulay

Inhalt:

Thomas Babington Macaulay – Biografie und Bibliografie

Geschichte von England – Band 4

Siebentes Kapitel. Jakob II.

Wilhelm, Prinz von Oranien.

Sein Äußeres.

Sein früheres Leben und seine Erziehung.

Seine religiösen Ansichten.

Seine militairischen Talente.

Sein Vergnügen an Gefahren; seine schlechte Gesundheit.

Kälte seines Benehmens und Heftigkeit seiner Gemüthsregungen.

Seine Freundschaft für Bentinck.

Marie, Prinzessin von Oranien.

Gilbert Burnet.

Beziehungen Wilhelm’s zu den englischen Parteien.

Seine Gesinnungen gegen England.

Seine Politik durchaus consequent.

Vertrag von Augsburg.

Wilhelm wird das Oberhaupt der englischen Opposition.

Unzufriedenheit in England nach dem Sturze der Hyde.

Wycherley, Tindal, Haines.

Dryden.

„The Hind and Panther.“

In Schottland theilweise Duldung gewährt.

Persönliche Bearbeitung Einzelner im königlichen Kabinet.

Erfolglosigkeit der persönlichen Bearbeitung.

Admiral Herbert.

Die Indulgenzerklärung.

Stimmung der protestantischen Dissenters.

Stimmung der anglikanischen Kirche.

Der Hof und die Kirche.

„Brief an einen Dissenter.“

Benehmen der Dissenters.

Einige von ihnen halten es mit dem Hofe.

Lobb.

Penn.

Die Mehrzahl der Puritaner ist gegen den Hof. Baxter.

Howe.

Bunyan.

Kiffin.

Der Prinz und die Prinzessin von Oranien gegen die Indulgenzerklärung.

Vertheidigung ihrer Ansichten bezüglich der englischen Katholiken.

Jakob’s Feindschaft gegen Burnet.

Sendung Dykvelt’s nach England.

Unterhandlungen Dykvelt’s mit englischen Staatsmännern.

Danby.

Nottingham.

Halifax.

Devonshire.

Eduard Russell.

Compton. — Herbert. — Churchill.

Lady Churchill und die Prinzessin Anna.

Dykvelt kehrt mit Briefen von vielen angesehenen Engländern nach dem Haag zurück.

Zulestein’s Sendung.

Zunehmende Feindschaft zwischen Jakob und Wilhelm.

Einfluß der holländischen Presse.

Stewart’s und Fagel’s Correspondenz.

Castelmaine’s Gesandtschaft in Rom.

Achtes Kapitel.  Jakob II.

Consecration des Nuntius im St. Jamespalaste.

Sein officieller Empfang. — Der Herzog von Somerset.

Auflösung des Parlaments.

Gesetzwidrige Bestrafung militairischer Vergehen.

Verfahren der Hohen Commission.

Die Universitäten.

Verfahren gegen die Universität Cambridge.

Der Earl von Mulgrave.

Zustand Oxford’s.

Das Magdalenen-Collegium in Oxford.

Anton Farmer vom Könige als Präsident empfohlen.

Wahl des Präsidenten.

Parker zum Präsidenten empfohlen.

Die Karthause.

Rundreise des Königs.

Der König in Oxford.

Er giebt den Collegiaten des Magdalenenstifts einen Verweis.

Penn sucht zu vermitteln.

Hough’s Protest.

Einsetzung Parker’s.

Vertreibung der Collegiaten.

Groll der Geistlichkeit.

Jakob’s und Tyrconnel’s Plan, die Prinzessin von Oranien von der Erbfolge im Königreich Irland auszuschließen.

Schwangerschaft der Königin.

Allgemeiner Zweifel.

Stimmung der Wahlkörper und der Peers.

Jakob beschließt, ein bestochenes Parlament zusammenzusetzen.

Die Regulatoren.

Entlassung vieler Lordlieutenants.

Der Earl von Oxford.

Der Earl von Shrewsbury.

Der Earl von Dorset.

An die Obrigkeiten gerichtete Fragen, und Antworten darauf.

Scheitern der Pläne des Königs.

Liste der Sheriffs.

Character der katholischen Landgentlemen.

Stimmung der Dissenters.

Regulirung der Corporationen.

Untersuchung in allen öffentlichen Verwaltungszweigen.

Entlassung Sawyer’s.

Williams Generalprokurator.

Zweite Indulgenzerklärung.

Die Geistlichkeit erhält Befehl, sie von der Kanzel zu verlesen.

Die Geistlichkeit ist unschlüssig.

Patriotismus der protestantischen Nonconformisten Londons.

Berathung der Londoner Geistlichkeit.

Berathung im Palast zu Lambeth.

Die Londoner Geistlichkeit gehorcht dem königlichen Befehle nicht.

Unschlüssigkeit der Regierung.

Es wird eine gerichtliche Verfolgung der Bischöfe wegen Libells beschlossen.

Sie werden im Geheimen Rathe verhört.

Geburt des Prätendenten.

Die Bischöfe werden vor die Kings Bench gestellt und müssen Bürgschaft leisten.

Aufregung der Gemüther.

Sunderland’s Angst.

Er erklärt sich für einen Katholiken.

Prozeß der Bischöfe.

Das Verdict der Geschwornen; Freude des Volks.

Eigenthümlicher Zustand der öffentlichen Meinung zu jener Zeit.

Geschichte von England, Band 4, Thomas B. Macaulay

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

Loschberg 9

86450 Altenmünster

ISBN: 9783849631079

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

Thomas Babington Macaulay – Biografie und Bibliografie

Lord Macaulay of Rothley, berühmter engl. Geschichtschreiber, geb. 25. Okt. 1800 zu Rothley Temple in der Grafschaft Leicester als Sohn eines aus Schottland stammenden Kaufmanns, gest. 28. Dez. 1859, studierte in Cambridge, ward 1826 in London Rechtsanwalt, widmete sich aber fast ausschließlich der schriftstellerischen Laufbahn. Schon auf der Universität hatten seine Gedichte: »Pompeji« (Cambridge 1819) und »Evening« (das. 1821) Preise erworben. Seine Abhandlung über Milton in der »Edinburgh Review« (1825) und andre literarische und politische Porträts, von Bacon, Machiavelli, Lord Clive, Warren Hastings, den beiden Walpole, Lord Chatham u. a., machten M. schnell in den weitesten Kreisen bekannt. Sie erschienen gesammelt zuerst ohne seine Billigung u. d. T. »Critical and miscellaneous essays« (Philad. 1841) und dann von ihm selbst als »Critical and historical essays« (Lond. 1843, 3 Bde., u. ö.; neue Ausg. 1871, 4 Bde.; deutsch von Bülau, 1852–58, 5 Bde., und von Steger, Braunschw. 1853–60, 8 Bde.) herausgegeben. Ihnen reihten sich später die »Biographical essays« (Lond. 1851) an. 1830 verschafften ihm die Whigs einen Sitz im Unterhaus, und M. spielte in den Debatten, aus denen die Reformbill hervorging, eine hervorragende Rolle. Das Ministerium Grey ernannte ihn 1832 zum Mitglied des Indischen Kontrollamts und 1834 zum Mitglied des Hohen Rats in Kalkutta, in welcher Eigenschaft M. den Entwurf eines Strafgesetzbuches verfaßte, das 1838 publiziert wurde. Nach England zurückgekehrt, wurde er 1839 wieder ins Parlament gewählt und war 1839–41 im Ministerium Melbourne Kriegsminister und nach Melbournes Rücktritt während des zweiten Peelschen Ministeriums einer der hervorragendsten Redner der Whig-Opposition. 1842 gab er seine »Lays of ancient Rome« heraus, altrömische Legenden in Balladenform (deutsch von Erich, Berl. 1892; von W. du Nord, Wien 1903), die sich durch dramatische Handlung, malerische Schilderungen und Kraft des Stils auszeichnen. Vom Juli 1846 bis zum Ende 1847 bekleidete M. den Posten des Generalzahlmeisters. Bei den Wahlen von 1847 verlor er jedoch seinen Sitz im Parlament und zog sich darauf von der politischen Laufbahn zurück, um sich ungestört der Ausarbeitung seiner bereits 1841 begonnenen, bis 1702 reichenden »History of England from the accession of James II.« (Lond. 1848–55, Bd. 1–4; Bd. 5, 1861; später in sechs verschiedenen Ausgaben erschienen) zu widmen, die in sechs Monaten fünf Auflagen erlebte und sogleich in mehrere Sprachen übersetzt wurde (deutsch unter andern von Bülau, Leipz. 1849–1861, 11 Bde.; von Beseler, Braunschw. 1849–62, [2 Bde.], in verschiedenen Ausgaben; von Paret, Stuttg. 1850–61, 11 Bde.). Genaue Kenntnis der Tatsachen, unübertroffenes Talent in der Schilderung von Charakteren und geschichtlichen Begebenheiten, kunstvolle Anordnung des Stoffes und volle Herrschaft über alle sprachlichen Mittel machen dies Werk zu einem klassischen der englischen Literatur. M. besaß die meisten Vorzüge eines Geschichtschreibers: Kritik, Fleiß, Methode, Phantasie, Stil, politische Reise und philosophisches Urteil. Seine Auffassung von Ereignissen und Personen wird freilich durch seinen politischen Standpunkt, den eines konsequenten Whig, beherrscht und bisweilen getrübt. Im Herbst 1848 wählte ihn die Universität Glasgow zu ihrem Lord-Rektor, eine ihm 1849 angebotene Professur in Cambridge lehnte er ab. Im Juli 1852 ward er wieder ins Unterhaus gewählt, gab aber 1856 den Sitz wieder auf. Im September 1857 wurde er als Baron M. of Rothley zum Peer ernannt. Er ward 9. Jan. 1860 im »Poetenwinkel« der Westminsterabtei feierlich beigesetzt. Die Sammlung seiner Reden (in den »Miscellaneous writings and speeches«, drei verschiedene moderne Ausgaben) wurde 1854 (deutsch von Bülau, Leipz.; von Beseler, Braunschw.) veröffentlicht. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien London 1860 in 25 Bänden; neuere Ausgaben sind die 1866 von seiner Schwester Lady Trevelyan besorgte in 8 Bänden, die in 18 Bänden (1880) und die letzte Ausgabe in drei Formen: in 16, in 8 und in 12 Bänden (1902). Vgl. F. Arnold, Public life of Lord M. (neue Ausg., Lond. 1863); Otto Trevelyan, Life and letters of Lord M. (das. 1876 u. ö., 2 Bde.; deutsch von Böttger, 2. Aufl., Jena 1883); Morison, M. (Lond. 1882); Kinkel d. jüng., M., sein Leben und sein Geschichtswerk (Basel 1879); D. H. Macgregor, Lord M. (Lond. 1901); Jebb, Macaulay (1900); G. Bülow, Thomas Babington M., ein Gedenkblatt (Schweidnitz u. Leipz. 1901).

Geschichte von England – Band 4

Siebentes Kapitel.Jakob II.

Wilhelm, Prinz von Oranien.

Wilhelm Heinrich, Prinz von Oranien-Nassau, nimmt in der Geschichte Englands und der gesammten Menschheit eine so bedeutende Stelle ein, daß es wünschenswerth erscheint, die markirten Züge seines Characters mit einiger Ausführlichkeit zu zeichnen.

Sein Äußeres.

Er stand jetzt in seinem siebenunddreißigsten Lebensjahre, war aber körperlich und geistig älter als andere Leute in diesen Jahren. Man könnte fast sagen, er sei niemals jung gewesen. Sein Äußeres ist uns fast eben so gut bekannt, als seinen eigenen Heerführern und Räthen. Bildhauer, Maler und Münzschneider haben ihre ganze Geschicklichkeit aufgeboten, um seine Züge der Nachwelt zu überliefern, und diese waren von der Art, daß kein Künstler sie verfehlen und daß, wer sie einmal gesehen, sie nie vergessen konnte. Sein Name erinnert uns sogleich an eine schmächtige und zarte Gestalt, an eine hohe und breite Stirn, an eine wie der Schnabel eines Adlers gebogene Nase, an ein Paar Augen, die an Glanz und Schärfe mit denen des Adler wetteiferten, an eine gedankenvolle, etwas finstre Miene, einen festen und etwas mürrischen Mund, an eine bleiche, eingefallene und durch Krankheit und Sorgen tief gefurchte Wange. Dieses gedankenvolle, ernste und feierliche Aussehen konnte kaum einem glücklichen und lebensfrohen Manne angehört haben; aber es verräth in unverkennbarer Weise die Befähigung zu den schwierigsten Unternehmungen und einen durch kein Mißgeschick und durch keine Gefahren zu erschütternden Muth.

Sein früheres Leben und seine Erziehung.

Die Natur hatte Wilhelm mit allen Eigenschaften eines großen Herrschers reich ausgestattet und die Erziehung hatte diese Eigenschaften in nicht gewöhnlichem Grade entwickelt. Mit einem scharfen natürlichen Verstande und einer seltenen Willenskraft sah er sich, als sein Geist zu erwachen begann, als vater- und mutterlose Waise, als das Oberhaupt einer großen, aber unterdrückten und entmuthigten Partei und als den Erben ausgedehnter aber unbestimmter Ansprüche, welche die Furcht und die Abneigung der damals in den Niederlanden herrschenden Oligarchie erregten. Das gemeine Volk, das seit einem Jahrhundert seinem Hause treu ergeben war, bewies so oft es ihn sah, auf nicht zu verkennende Weise, daß es ihn als sein rechtmäßiges Oberhaupt betrachtete. Die geschickten und erfahrenen Minister der Republik, die seinen Namen tödtlich haßten, brachten ihm täglich ihre erzwungene Huldigung dar und beobachteten dabei die Fortschritte seines Geistes. Die ersten Regungen seines Ehrgeizes wurden sorgfältig bewacht, jedes unüberlegte Wort, das ihm entschlüpfte, wurde niedergeschrieben, und er besaß nicht einen einzigen Rathgeber, auf dessen Ausspruch Vertrauen gesetzt werden konnte. Er war kaum funfzehn Jahre alt, so wurden alle Diener, die seinem Interesse ergeben waren und die sein Vertrauen genossen, von der mißtrauischen Regierung aus seinem Hause entfernt. Er sträubte sich dagegen mit einer weit über seine Jahre hinausgehenden Energie, aber vergebens. Aufmerksame Beobachter sahen mehr als einmal Thränen in den Augen des jungen Staatsgefangenen. Seine von Haus aus zarte Gesundheit war eine Zeit lang durch die Gemüthsbewegungen, die seine traurige und vereinsamte Stellung erzeugte, ernstlich erschüttert. Eine solche Lage macht den Schwachen muthlos und bestürzt, dem Starken giebt sie eine verdoppelte Kraft. Von Schlingen umgeben, in denen ein gewöhnlicher Jüngling umgekommen sein würde, lernte Wilhelm vorsichtig und zu gleicher Zeit energisch auftreten. Schon lange bevor er das Mannesalter erreicht, verstand er es, Geheimnisse zu bewahren, die Neugierde durch trockene und wohlüberlegte Antworten abzutrumpfen und alle Leidenschaften unter dem nämlichen Scheine ernster Ruhe zu verbergen. In der feinen Weltbildung und in literarischen Kenntnissen machte er dagegen nur geringe Fortschritte. Dem Benehmen des holländischen Adels jener Zeit fehlte die liebenswürdige Anmuth, welche bei den gebildeten Franzosen in höchster Vollkommenheit zu finden war und in geringerem Grade auch den englischen Hof zierte; seine Manieren waren durchaus holländisch. Selbst seine eigenen Landsleute nannten ihn plump, und Ausländern erschien er oft noch mehr als dies. In seinem Verkehr mit der Welt im Allgemeinen schien er jene Fertigkeiten, welche den Werth einer Gunstbezeugung erhöhen und einer Verweigerung die Spitze abbrechen, nicht zu kennen oder sie zu verschmähen. Die Literatur und die Wissenschaften interessirten ihn wenig; er wußte nichts von den Entdeckungen eines Newton und Leibnitz, von den Poesien eines Dryden und Boileau; dramatische Darstellungen langweilten ihn und er war froh, wenn er den Blick von der Bühne abwenden und von öffentlichen Angelegenheiten sprechen konnte, während Orestes raste oder Tartüffe der Elmira die Hand drückte. Er besaß zwar einiges Talent zu Sarkasmen und entfaltete nicht selten ganz unbewußt eine sonderbar klingende, aber kräftige und originelle natürliche Redekunst, aber nach den Titel eines Schöngeistes oder eines Redners strebte er nicht. Seine ganze Aufmerksamkeit war auf diejenigen Studien gerichtet gewesen, welche einen tüchtigen und umsichtigen Geschäftsmann bilden. Von Kindheit an hörte er mit Interesse zu, wenn wichtige Fragen über Bündnisse, Finanzen und Krieg besprochen wurden. Von der Geometrie lernte er soviel als zum Bau einer Schanze oder eines Hornwerks nöthig war. Von fremden Sprachen lernte er mit Hülfe seines ausgezeichneten Gedächtnisses soviel als er bedurfte, um Alles, was mit ihm gesprochen wurde, und jeden Brief, den er empfing, verstehen und beantworten zu können. Das Holländische war seine Umgangssprache. Er verstand Lateinisch, Italienisch und Spanisch, sprach und schrieb Französisch, Englisch und Deutsch, zwar nicht elegant und grammatisch richtig, aber fließend und verständlich. Keine Fähigkeit konnte wichtiger sein für einen Mann, der dazu bestimmt war, große Bündnisse zu organisiren und Armeen zu commandiren, die aus verschiedenen Nationalitäten zusammengesetzt waren.

Seine religiösen Ansichten.

Eine Klasse von philosophischen Fragen war durch die Umstände seiner Aufmerksamkeit dringend empfohlen worden und scheint ihn mehr interessirt zu haben, als man es von seinem allgemeinen Character hätte erwarten sollen. Die Protestanten der Vereinigten Provinzen bestanden wie die unsrer Insel aus zwei großen religiösen Partein, welche zwei großen politischen Parteien fast genau entsprachen. Die Oberhäupter der städtischen Oligarchie waren Arminianer und wurden im Allgemeinen von der Menge als nicht viel besser denn Papisten betrachtet. Die Prinzen von Oranien waren gewöhnlich die Schutzpatrone der calvinistischen Theologie gewesen und verdankten keinen geringen Theil ihrer Popularität ihrem Eifer für die Lehren von der Gnadenwahl und dem endlichen Beharren, einem Eifer, der nicht immer durch Kenntnisse erleuchtet oder durch Humanität gemäßigt war. Wilhelm war von Kindheit auf in dem theologischen System, dem seine Familie anhing, sorgfältig unterrichtet worden, und betrachtete dieses System mit größerer Vorliebe, als man in der Regel für seinen ererbten Glauben hegt. Er hatte über die großen Probleme, welche auf der Synode von Dortrecht erörtert worden waren, nachgedacht und in der strengen, unbeugsamen Logik der genfer Schule etwas gefunden, was seinem Verstande und seinem Gemüth zusagte. Das Beispiel von Unduldsamkeit, das einige seiner Vorgänger gegeben, ahmte er jedoch niemals nach; er empfand gegen alle Verfolgung eine entschiedene Abneigung, die er nicht allein da aussprach, wo ein solches Eingeständniß offenbar staatsklug war, sondern auch in Fällen, wo es den Anschein hatte, daß sein Interesse durch Verstellung oder Stillschweigen hätte gefördert werden können. Gleichwohl waren seine theologischen Ansichten noch entschiedener als die seiner Vorgänger. Die Lehre von der Prädestination war der Grundstein seiner Religion. Er erklärte oft, daß wenn er diese Lehre aufgeben müßte, er zugleich mit derselben allen Glauben an eine waltende Vorsehung aufgeben und ein reiner Epikuräer werden müßte. Diesen einzigen Punkt ausgenommen, wurde die ganze Fülle seines kräftigen Geistes frühzeitig von dem Theoretischen ab und auf das Praktische gelenkt. Die Fähigkeiten, deren es zur Leitung wichtiger Geschäfte bedarf, gediehen bei ihm schon in einem Alter zur Reife, wo sie sich bei gewöhnlichen Menschen kaum erst zu entfalten begonnen haben. Seit Octavius hatte die Welt kein solches Beispiel frühzeitiger staatsmännischer Befähigung gesehen. Erfahrene Diplomaten erstaunten über die treffenden Bemerkungen, die der siebzehnjährige Prinz über öffentliche Angelegenheiten machte, und mit noch weit größerem Erstaunen sahen sie diesen Knaben in Lagen, wo man hätte erwarten sollen, daß er starke Leidenschaften verrathen werde, eine eben so unerschütterliche Ruhe bewahren, wie sie selbst. Mit achtzehn Jahren saß er bereits unter den Vätern der Republik, ernst, besonnen und einsichtsvoll wie der Älteste unter ihnen. Mit zweiundzwanzig Jahren ward er an einem Tage der Trauer und des Schreckens an die Spitze der Verwaltung gestellt. Mit dreiundzwanzig Jahren war er durch ganz Europa als Feldherr und Staatsmann berühmt. Er hatte innere Factionen niedergeworfen, war die Seele einer mächtigen Coalition und hatte im Felde gegen einige von den größten Generälen seiner Zeit mit Ehren gefochten.

Seine militairischen Talente.

Seine persönlichen Neigungen waren mehr die eines Kriegers als die eines Staatsmannes, aber wie sein Urgroßvater, der schweigsame Prinz, der die batavische Republik gründete, nimmt er unter den Staatsmännern einen viel höheren Rang ein als unter den Feldherren. Der Verlauf der Schlachten ist allerdings kein untrüglicher Prüfstein für die Talente eines Befehlshabers, und es würde ganz besonders ungerecht sein, wollte man diesen Prüfstein bei Wilhelm anwenden, denn das Schicksal wollte, daß er fast stets Feldherren, welche vollendete Meister in ihrer Kunst, und Truppen gegenüberstand, welche in der Disciplin den seinigen weit überlegen waren. Indessen läßt sich mit gutem Grunde annehmen, daß er als General im offenen Felde Manchem, der in geistiger Beziehung tief unter ihm stand, keineswegs gleichkam. Mit Leuten, die sein Vertrauen besaßen, sprach er über diesen Gegenstand mit der edlen Offenheit eines Mannes, der Großes vollbracht hat und der recht wohl auch einige Mängel eingestehen kann. Er sagte, er habe keine Lehrzeit für den militairischen Beruf bestanden; er sei schon als Knabe an die Spitze einer Armee gestellt worden, unter seinen Offizieren habe sich keiner befunden, der fähig gewesen wäre, ihn zu unterweisen; nur aus seinen eigenen Fehlern und deren Folgen habe er etwas lernen können. „Ich würde einen guten Theil meines Vermögens darum geben,“ rief er einmal aus, „wenn ich einige Feldzüge unter dem Prinzen von Condé mitgemacht hätte, ehe ich gegen ihn commandiren mußte.“ Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Umstand, welcher Wilhelm verhinderte, eine ausgezeichnete strategische Bildung zu erlangen, der allgemeinen Entwickelung seiner Geisteskräfte zu Gute gekommen ist. Bewiesen seine Schlachten auch nicht den großen Taktiker, so berechtigten sie ihn doch zu dem Titel eines großen Mannes. Kein Mißgeschick konnte ihn nur einen Augenblick seiner Festigkeit und des vollständigen Besitzes aller seiner Fähigkeiten berauben. Seine Niederlagen wurden mit einer so wunderbaren Schnelligkeit wieder gut gemacht, daß er, noch ehe seine Feinde das Tedeum gesungen hatten, schon wieder zum Kampfe gerüstet war; auch beeinträchtigten solche Schläge in keiner Weise die Achtung und das Vertrauen, dessen er sich von Seiten seiner Soldaten erfreute. Diese Achtung und dieses Vertrauen verdankte er in nicht geringem Maße seinem persönlichen Muthe. Den Grad von Muth, dessen der Soldat bedarf, um einen Feldzug ohne Schande zu bestehen, besitzen die meisten Menschen oder wenigstens können sie denselben in einer guten Schule erlangen. Ein Muth wie der des Prinzen Wilhelm aber ist in der That selten. Er wurde auf jede nur mögliche Weise geprüft, durch Krieg, durch Wunden, durch schmerzhafte und entnervende Krankheiten, durch Seestürme, durch die beständig drohende Gefahr, ermordet zu werden, eine Gefahr, die schon sehr starke Nerven erschüttert hat und durch welche selbst die eiserne Tapferkeit Cromwell’s einen harten Stoß erhielt. Aber Niemand konnte je etwas entdecken, was der Prinz von Oranien fürchtete. Seine Rathgeber konnten ihn nur mit Mühe dazu bringen, daß er einige Vorsichtsmaßregeln gegen die Pistolen und Dolche von Verschwörern ergriff. Alte Seeleute erstaunten über die kaltblütige Ruhe, die er inmitten tobender Brandungen an einer gefahrvollen Küste bewahrte. In der Schlacht zeichnete ihn seine Tapferkeit unter Zehntausenden tapferer Krieger aus, erweckte die hochherzige Anerkennung selbst der feindlichen Heere und wurde selbst von der Unbilligkeit feindlicher Factionen nie bestritten. Während seiner ersten Feldzüge setzte er sich der Gefahr aus, als ob er den Tod gesucht hätte, war beim Angriff stets der Erste, beim Rückzug der Letzte, kämpfte mit dem Schwerte in der Hand im dichtesten Gewühl, und mit einer Flintenkugel im Arm, den Harnisch von Blut überströmt, hielt er noch immer Stand und schwenkte im furchtbarsten Feuer seinen Hut. Seine Freunde beschworen ihn, er solle doch sein für das Vaterland unschätzbares Leben mehr schonen. Sein berühmtester Gegner, der große Condé, bemerkte nach der blutigen Schlacht von Seneff, der Prinz von Oranien habe sich in jeder Beziehung wie ein alter General benommen, nur in sofern nicht, als er sich wie ein junger Soldat ausgesetzt. Wilhelm leugnete, daß er sich der Tollkühnheit schuldig gemacht habe. Er stelle sich, meinte er, nur aus Pflichtgefühl und aus kalter Berechnung dessen, was das öffentliche Interesse erheische, immer auf den Posten der Gefahr. Die Truppen, die er befehlige, seien wenig an den Krieg gewöhnt und fürchteten ein Handgemenge mit den französischen Veteranen; es sei daher nöthig, daß ihr Anführer ihnen zeige, wie man Schlachten gewinnt. Und in der That wurde auch mehr als eine Schlacht, welche rettungslos verloren schien, noch durch die Kühnheit gewonnen, mit der er seine zersprengten Bataillone sammelte und eigenhändig die Memmen niederhieb, welche das Beispiel zur Flucht gaben. Zuweilen sah es jedoch ganz so aus, als ob er ein eignes Vergnügen daran finde, sein Leben zu gefährden. Es wurde bemerkt, daß er nie heiterer, freundlicher und liebenswürdiger war, als im blutigen Getümmel der Schlacht. Selbst bei seinen Zerstreuungen liebte er das Aufregende der Gefahr. Kartenspiele, Schach und Billard machten ihm kein Vergnügen; seine Lieblingserholung war die Jagd, und die gefährlichste war ihm die liebste. Er machte oft Sätze, daß seine kühnsten Begleiter nicht Lust hatten, ihm zu folgen. Selbst die verwegensten Sportvergnügungen Englands scheint er für weibisch gehalten zu haben, und im großen Parke von Windsor sehnte er sich nach dem Wilde, das er in den Forsten von Geldern zu jagen gewohnt war, nach Wölfen, Ebern und riesigen Sechzehnendern.

Sein Vergnügen an Gefahren; seine schlechte Gesundheit.

Seine Tollkühnheit war um so merkwürdiger, da er von ungemein zarter Körperconstitution war. Er war von früher Jugend an schwächlich und kränklich gewesen, und im ersten Mannesalter waren seine Leiden durch einen heftigen Pockenanfall noch verschlimmert worden. Er war engbrüstig und schwindsüchtig. Sein schwächlicher Körper wurde durch einen beständigen heiseren Husten erschüttert. Er konnte nicht schlafen, wenn sein Kopf nicht durch mehrere Kissen unterstützt wurde, und nur in der reinsten Luft konnte er ohne Beschwerden athmen. Dabei quälten ihn oft heftige Kopfschmerzen. Körperliche Anstrengungen ermüdeten ihn sehr bald. Die Ärzte pflegten die Hoffnung seiner Feinde dadurch aufrecht zu erhalten, daß sie einen Termin festsetzten, über den hinaus, wenn sich überhaupt irgend etwas in der Wissenschaft mit Sicherheit bestimmen lasse, sein zerrütteter Organismus unmöglich ausdauern könnte. Dennoch verließ seinen Geist während seines ganzen Lebens, das nur eine lange Krankheit war, bei keiner wichtigen Gelegenheit die nöthige Kraft, um seinen leidenden und siechen Körper aufrecht zu erhalten.

Kälte seines Benehmens und Heftigkeit seiner Gemüthsregungen.

Er war mit heftigen Leidenschaften und mit leichter Reizbarkeit geboren; aber die Welt hatte keine Ahnung von der Stärke seiner Gemüthsaffecte. Vor den Blicken der Menge verbarg er seine Freude und seinen Kummer, seine Zuneigung und seinen Groll unter einer phlegmatischen Ruhe, die ihm den Ruf des kaltblütigsten und gleichgültigsten Menschen verschaffte. Wer ihm eine gute Nachricht brachte, konnte selten ein Zeichen von Freude entdecken; wer ihn nach einer Niederlage sah, spähte umsonst nach einer Spur von Unmuth. Er lobte und tadelte, belohnte und bestrafte mit der kalten Gelassenheit eines Mohawkhäuptlings; aber wer ihn genauer kannte und ihn näher betrachtete, der bemerkte wohl, daß unter dieser Eisrinde beständig ein ungestümes Feuer brannte. Nur selten raubte der Zorn ihm seine Selbstbeherrschung; wenn er aber einmal in Wuth gerieth, so war der erste Ausbruch seiner Leidenschaft furchtbar. Es war dann in der That nicht rathsam, ihm zu nahe zu kommen. In diesen seltenen Fällen jedoch gab er, sobald er seine Selbstbeherrschung wieder erlangt hatte, Denen, die er beleidigt, so vollständige Genugthuung, daß sie sich fast zu dem Wunsche versucht fühlten, er möchte aufs neue in Wuth gerathen. Seine Liebe war nicht minder stürmisch als sein Zorn. Wo er einmal liebte, da liebte er mit der ganzen Kraft seiner starken Seele. Wenn der Tod ihn von einem geliebten Wesen trennte, fürchteten die wenigen Zeugen seiner Schmerzensausbrüche für seinen Verstand und für sein Leben. Einem sehr kleinen Kreise intimer Freunde gegenüber, auf deren Treue und Verschwiegenheit er sich unbedingt verlassen konnte, war er ein ganz andrer Mensch als der verschlossene und stoische Wilhelm, dem die Menge jedes menschliche Gefühl absprach. In ihrer Gesellschaft war er freundlich, gemüthlich, offenherzig, selbst gesellig und witzig, konnte Stunden lang bei Tische sitzen und vollen Antheil an einer heiteren Unterhaltung nehmen.

Seine Freundschaft für Bentinck.

Am höchsten in seiner Gunst stand ein Kavalier seines Hofstaates, Namens Bentinck, der aus einem edlen batavischen Geschlecht stammte und der Gründer eines der großen patrizischen Häuser Englands werden sollte. Bentinck’s Treue hatte sich in nicht gewöhnlicher Weise erprobt. Zu der Zeit, als die Vereinigten Provinzen gegen die Macht Frankreichs um ihre Existenz kämpften, wurde der junge Prinz, auf dem alle ihr Hoffnungen ruhten, von den Pocken befallen. Diese Krankheit hatte bei mehreren Mitgliedern seiner Familie einen tödtlichen Ausgang genommen und zeigte auch bei ihm anfangs einen sehr bösartigen Character. Die Bestürzung des Volks war groß. Von früh bis Abends waren die Straßen im Haag mit Leuten angefüllt, die sich ängstlich nach dem Befinden Seiner Hoheit erkundigten. Endlich nahm das Übel eine günstige Wendung. Seine Genesung wurde zum Theil seinem eignen Gleichmuth, zum Theil der unerschrockenen und unermüdlichen Freundschaft Bentinck’s zugeschrieben. Nur aus seinen Händen nahm Wilhelm Speisen und Arzneien an; er allein hob ihn aus dem Bette und legte ihn wieder hinein. „Ich weiß nicht, ob Bentinck während meiner Krankheit geschlafen hat oder nicht,“ sagte Wilhelm mit inniger Rührung zu Temple; „soviel aber weiß ich, daß ich in den sechzehn Tagen und Nächten nicht ein einziges Mal etwas verlangte, ohne daß Bentinck augenblicklich an meiner Seite gewesen wäre.“ Bevor der treue Diener seine Aufgabe ganz vollendet hatte, wurde er selbst angesteckt. Trotzdem überwand er noch immer Müdigkeit und Fieberschauer, bis sein Gebieter als Reconvalescent erklärt wurde. Jetzt endlich bat er um Erlaubniß, nach Hause gehen zu dürfen. Es war die höchste Zeit, denn seine Füße wollten ihn nicht mehr tragen. Er kam in die größte Gefahr, genas aber und eilte, sobald er das Bett verlassen konnte, zur Armee, wo er in vielen heißen Feldzügen immer dicht an Wilhelm’s Seite gefunden ward, wie er es in einer Gefahr andrer Art gewesen.

Dies war der Ursprung einer so innigen und reinen Freundschaft wie irgend eine, von der uns die alte oder neue Geschichte erzählt. Die Nachkommen Bentinck’s bewahren noch heute viele Briefe auf, die Wilhelm an ihren Ahnherrn geschrieben, und es ist nicht zuviel gesagt, wenn man behauptet, daß wer diese Briefe nicht gelesen hat, sich keinen richtigen Begriff von dem Character des Prinzen bilden kann. Der Mann, den selbst seine Verehrer in der Regel für den zurückhaltendsten und frostigsten Menschen hielten, vergißt hier jeden Rangunterschied und schüttet alle seine Gedanken mit der Offenherzigkeit eines Schulknaben aus. Ohne Rückhalt theilt er Geheimnisse von der höchsten Wichtigkeit mit und legt mit der größten Einfachheit umfassende Pläne vor, welche alle Regierungen Europa’s berührten. Mit seinen Mittheilungen über solche Dinge verbindet er Mittheilungen von ganz andrer, aber vielleicht nicht weniger interessanter Art. Alle seine Abenteuer, alle seine persönlichen Ansichten, seine langen Jagdritte nach gewaltigen Hirschen, seine Gelage am St. Hubertustage, das Gedeihen seiner Anpflanzungen, das Mißrathen seiner Melonen, der Zustand seines Gestüts, der Wunsch, einen frommen Zelter für seine Gemahlin zu erlangen, sein Verdruß, als er erfährt, daß einer seiner Kavaliere, nachdem er ein Mädchen aus guter Familie unglücklich gemacht, sich weigert, sie zu heirathen, seine Anfälle von Seekrankheit, sein Husten, seine Kopfschmerzen, seine andächtigen Stimmungen, seine Dankbarkeit für den göttlichen Schutz nach Errettung aus einer großen Gefahr, seine Anstrengungen, sich nach einem Unglücksfalle dem göttlichen Willen zu unterwerfen, dies Alles ist darin mit einer liebenswürdigen Redseligkeit geschildert, die man von dem verschwiegensten und ernstesten Staatsmanne jener Zeit kaum erwarten sollte. Noch auffallender sind die sorglosen Ergüsse seiner Zärtlichkeit und die brüderliche Theilnahme, die er an seines Freundes häuslichem Glücke nimmt. Als Bentinck ein Erbe geboren wurde, sagte Wilhelm: „Ich hoffe, er wird ein so braver Mann werden als Sie einer sind, und sollte ich einen Sohn bekommen, so werden unsere Kinder einander hoffentlich ebenso lieben, wie wir uns geliebt haben.“ Während seines ganzen Lebens blickte er mit väterlicher Liebe auf die kleinen Bentincks. Er ruft sie bei den zärtlichsten Diminutiven, er sorgt für sie in ihres Vaters Abwesenheit, und so schwer es ihm wird, ihnen ein Vergnügen zu versagen, so will er sie doch nicht an einer Jagdpartie teilnehmen lassen, wo ihnen die Gefahr droht, von einem Hirsche gestoßen zu werden, noch ihnen erlauben, bei einem Abendschmause bis spät in die Nacht hinein zu verweilen. Als ihre Mutter während der Abwesenheit ihres Gatten krank wird, findet Wilhelm inmitten der wichtigsten und dringendsten Staatsgeschäfte noch soviel Zeit, um an einem Tage mehrere expresse Boten mit kurzen Briefen abzuschicken, in denen er von ihrem Zustande Nachricht giebt. Einmal als sie nach einem heftigen Anfall außer Gefahr erklärt wird, ergießt sich der Prinz in die wärmsten Dankesbezeigungen gegen Gott. „Ich schreibe,“ sagt er, „mit Thränen der Freude in den Augen.“ Es liegt ein eigner Reiz in diesen Briefen von der Hand eines Mannes, dessen Alles überwältigende Energie und unbeugsame Festigkeit selbst seinen Feinden Achtung abnöthigte, dessen kaltes und unfreundliches Benehmen in den meisten seiner Anhänger keine innigere Zuneigung aufkommen ließ und dessen Geist beständig mit gigantischen Plänen beschäftigt war, welche die Gestalt der Welt veränderten.

Seine Güte ward keinem Unwürdigen zu Theil. Temple hatte frühzeitig Bentinck für den besten und treuesten Diener erklärt, den je ein Fürst zu besitzen das Glück hatte, und er verdiente diesen ehrenvollen Titel sein ganzes Leben hindurch. Die beiden Freunde waren in der That wie für einander geschaffen. Wilhelm bedurfte weder eines Führers noch eines Schmeichlers. Da er ein festes und wohlbegründetes Vertrauen in sein eignes Urtheil setzte, so war er kein Freund von Rathgebern, die ihn mit Vorschlägen und Einwendungen überhäuften. Zu gleicher Zeit besaß er eine zu scharfe Unterscheidungsgabe und einen zu edlen Sinn, als daß er an Schmeicheleien hätte Vergnügen finden können. Der Vertraute eines solchen Fürsten mußte ein Mann sein nicht von erfinderischem Genie oder von gebieterischem Character, aber bieder und treu, im Stande, jeden Befehl pünktlich zu vollziehen, Geheimnisse unverbrüchlich zu bewahren, Ereignisse umsichtig zu beobachten und treulich zu berichten. Und ein solcher Mann war Bentinck.

Marie, Prinzessin von Oranien.

Wilhelm war in der Ehe nicht weniger glücklich als in der Freundschaft. Anfangs hatte jedoch seine Ehe kein besonderes häusliches Glück versprochen. Seine Wahl war hauptsächlich durch politische Rücksichten bestimmt worden, und es sah nicht wahrscheinlich aus, daß zwischen einem hübschen sechzehnjährigen Mädchen, die zwar ein sanftes Gemüth und natürlichen Verstand besaß, im übrigen aber unwissend und einfach war, und einem Bräutigam, der, obwohl noch nicht ganz achtundzwanzig Jahr alt, doch seinem körperlichen Zustande nach älter war als ihr Vater, der ein kaltes, abstoßendes Benehmen hatte und dessen Kopf beständig mit Staatsgeschäften und Sportvergnügungen angefüllt war, eine innige Zuneigung würde entstehen können. Eine Zeit lang vernachlässigte Wilhelm seine Gemahlin, indem er durch andere Frauen von ihr abgezogen wurde, besonders durch eine ihrer Hofdamen, Namens Elisabeth Villiers, welche Talente besaß, die sie wohl geeignet machten, seine Sorgen zu theilen, obgleich sie aller persönlichen Reize entbehrte und sogar durch ein häßliches Schielen entstellt war. Er schämte sich zwar seiner Fehler und bemühte sich nach Kräften, sie zu verbergen, aber trotz aller Vorsicht wußte Marie wohl, daß er ihr nicht ganz treu war. Spione und Ohrenbläser thaten auf Anregen ihres Vaters ihr Möglichstes, um ihren Zorn zu entflammen. Ein Mann von ganz andrem Character, der vortreffliche Ken, der mehrere Monate lang im Haag ihr Kaplan war, wurde so aufgebracht durch die ihr widerfahrenden Kränkungen, daß er mit mehr Eifer als Besonnenheit drohte, ihren Gemahl ernstlich zur Rede zu setzen. Sie selbst ertrug jedoch alles Unrecht mit einer Sanftmuth und Geduld, welche ihr nach und nach Wilhelm’s Achtung und Dankbarkeit erwarben. Indessen war auch noch eine andre Ursache der Entfremdung vorhanden. Es kam ohne Zweifel eine Zeit, wo die Prinzessin, welche nur zu Stickereiarbeiten, zum Spinetspiel und zum Lesen der Bibel und der „Pflichten des Menschen“ erzogen war, das Oberhaupt einer großen Monarchie wurde und das Gleichgewicht Europa’s in ihrer Hand ruhte, während ihr ehrgeiziger, geschäftskundiger und beständig auf große Unternehmungen sinnender Gemahl bei der britischen Regierung keine vorausbestimmte Stelle für sich fand und nur durch ihre Güte und so lange es ihr gefiel Macht ausüben konnte. Es kann nicht befremden, daß ein Mann, der die Gewalt so liebte wie Wilhelm, und der sich seines Herrschergenies so bewußt war, in hohem Maße die Eifersucht empfand, die während eines Königthums von wenigen Stunden zwischen Guildford Dudley und Lady Johanna Zwietracht hervorrief und einen noch viel tragischeren Bruch zwischen Darnley und der Königin von Schottland herbeiführte. Die Prinzessin von Oranien hatte nicht die leiseste Ahnung von den Gefühlen ihres Gemahls. Ihr Lehrer, der Bischof Compton, hatte sie in der Religion sorgfältig unterrichtet und ihr Gemüth namentlich gegen die Künste der römisch-katholischen Theologen gestählt, sie aber in völliger Unkenntniß der englischen Verfassung und ihrer eignen Stellung gelassen. Sie wußte, daß ihr eheliches Gelübde sie zum Gehorsam gegen ihren Gemahl verpflichtete und es war ihr nie in den Sinn gekommen, daß dieses gegenseitige Verhältniß einmal umgekehrt werden könnte. Sie war bereits neun Jahre vermählt, ehe sie die Ursache von Wilhelm’s Verstimmung entdeckte, und von ihm selbst würde sie dieselbe auch nie erfahren haben. In Folge seiner ganzen Gemüthsart brütete er eher über die ihn niederdrückenden Sorgen, als daß er denselben einen Ausdruck gab, und in diesem speciellen Falle wurde sein Mund durch ein ganz natürliches Zartgefühl versiegelt. Endlich aber kam durch die Vermittelung Gilbert Burnet’s eine vollkommene Verständigung und Aussöhnung zu Stande.

Gilbert Burnet.

Burnet’s Ruf ist mit auffallender Böswilligkeit und Hartnäckigkeit angegriffen worden. Der Angriff begann schon frühzeitig in seinem Leben und wird noch jetzt mit unverminderter Heftigkeit fortgesetzt, obgleich er bereits über ein und ein Viertel Jahrhundert im Grabe liegt. Allerdings ist er auch für den Parteihaß und den muthwilligen Spott eine Zielscheibe, wie sie sich keine bessere wünschen können, denn die Mängel seines Verstandes und seines Characters liegen klar am Tage und können Niemandem entgehen. Es waren jedoch nicht die Fehler, welche man als seinen Landsleuten eigen zu betrachten pflegt. Er allein unter den vielen Schotten, die sich in England zu Auszeichnung und Wohlstand emporgeschwungen haben, hatte den Charakter, welchen Satiriker, Romanschreiber und Schauspieldichter allgemein den irischen Abenteurern zuschreiben. Seine physische Lebendigkeit, seine Ruhmredigkeit, seine unverhohlene Eitelkeit, seine Faseleien, seine herausfordernde Indiscretion und seine kecke Dreistigkeit boten den Tories unerschöpflichen Stoff zu Spötteleien. Auch unterließen seine Feinde nicht, ihm nebenbei über seine breiten Schultern, seine dicken Waden und sein Glück in Heirathsspekulationen auf verliebte reiche Wittwen mehr witzige als artige Complimente zu machen. Obwohl jedoch Burnet in vieler Beziehung dem Spott und selbst dem Tadel Blößen darbot, so verdiente er doch keineswegs eine solche Geringschätzung. Er besaß einen regen Geist, einen unermüdlichen Fleiß und eine vielseitige, ausgedehnte Belesenheit. Er war zu gleicher Zeit Geschichtsschreiber, Alterthumsforscher, Theolog, Prediger, Tagesschriftsteller, Polemiker und thätiger politischer Parteiführer, und in allen diesen Eigenschaften zeichnete er sich unter vielen geschickten Mitbewerbern vortheilhaft aus. Die vielen geistreichen Abhandlungen, die er über Tagesbegebenheiten schrieb, sind jetzt nur noch Forschern bekannt; aber seine History of his own Times, seine History of the Reformation, seine Exposition of the Articles, sein Discourse of Pastoral Care, sein Life of Hale und sein Life of Wilmot werden noch immer neu aufgelegt und fehlen in keiner guten Privatbibliothek. Gegen eine solche Thatsache vermögen alle Anstrengungen der Verleumder nichts. Ein Schriftsteller, dessen umfangreiche Werke in verschiedenen Zweigen der Literatur noch hundertdreißig Jahre nach seinem Tode zahlreiche Leser finden, kann große Fehler gehabt haben, muß aber auch große Vorzüge gehabt haben, und diese hatte Burnet: einen fruchtbaren und regen Geist und einen Styl, der allerdings von tadelloser Reinheit weit entfernt, doch stets klar, oft lebendig ist und sich zuweilen selbst zu feierlicher und glühender Beredtsamkeit erhebt. Auf der Kanzel wurde die Wirkung seiner ohne irgend welche schriftliche Notizen gehaltenen Predigten noch erhöht durch eine edle Gestalt und einen imponirenden Vortrag. Er wurde oft durch das Beifallsgemurmel seiner Zuhörer unterbrochen, und wenn die Sanduhr, die sich damals auf jeder Kanzel befand, abgelaufen war und er dieselbe emporhielt, forderte ihn die Gemeinde durch lauten Zuruf auf fortzufahren, bis der Sand noch einmal abgelaufen wäre. Die großen Mängel seines sittlichen Characters und seines Geistes wurden durch große Vorzüge mehr als ausgeglichen. Obgleich durch Vorurtheil und Leidenschaft oft auf Irrwege geführt, war er doch im strengsten Sinne des Worts ein Ehrenmann. Konnte er auch den Versuchungen der Eitelkeit nicht immer widerstehen, so stand sein Character doch hoch über den Einflüssen der Habsucht und der Furcht. Er war von Gemüth leutselig, hochherzig, dankbar und nachsichtig. Sein Glaubenseifer, obwohl stetig und glühend, wurde im Allgemeinen durch Humanität und durch Achtung der Gewissensfreiheit in Schranken gehalten. Trotz seiner unerschütterlichen Anhänglichkeit an das was er als den Geist des Christenthums betrachtete, war er doch gleichgültig gegen Gebräuche, Namen und Formen der kirchlichen Verfassung und war selbst gegen Ungläubige und Ketzer, deren Lebenswandel tadellos war und deren Irrthümer mehr die Wirkung falscher Begriffe als eines verderbten Characters zu sein schienen, durchaus nicht zur Strenge geneigt. Aber gleich vielen anderen braven Männern jener Zeit betrachtete er die Sache der römischen Kirche als eine Ausnahme von allen gewöhnlichen Regeln.

Burnet genoß schon seit mehreren Jahren eines europäischen Rufes. Seine Geschichte der Reformation war von allen Protestanten mit lautem Beifall aufgenommen und von den römischen Katholiken als ein gewaltiger Schlag gefühlt worden. Der größte Gelehrte, den die römische Kirche seit dem Schisma des sechzehnten Jahrhunderts hervorgebracht, Bossuet, Bischof von Meaux, war mit der Bearbeitung einer ausführlichen Erwiederung beschäftigt. Burnet war von einem der glaubenseifrigen Parlamente, welche während der durch das papistische Complot verursachten Aufregung tagten, mit einem Dankvotum beehrt und im Namen der Gemeinen von England ersucht worden, seine geschichtlichen Forschungen fortzusetzen. Er war von Karl sowohl als von Jakob in deren engere Unterhaltungszirkel gezogen worden, hatte mit mehreren ausgezeichneten Staatsmännern, besonders mit Halifax auf sehr vertrautem Fuße gestanden und war der Gewissensrath einiger sehr hochstehenden Personen gewesen. Er hatte ferner einen der glänzendsten Wüstlinge jener Zeit, Johann Wilmot, Earl von Rochester, von Atheismus und Ausschweifung zurückgebracht. Lord Stafford, das Opfer des Oates, war, obgleich Katholik, in seinen letzten Stunden durch Burnet’s geistlichen Zuspruch über diejenigen Punkte, in denen alle Christen übereinstimmen, erbaut worden. Wenige Jahre später begleitete Burnet einen noch erlauchteren Dulder, Lord Russell, vom Tower auf das Schaffot in Lincoln’s Inn Fields. Der Hof hatte nichts unversucht gelassen, um einen so thätigen und tüchtigen Theologen zu gewinnen. Weder königliche Schmeicheleien, noch die Verheißung einträglicher Stellen waren gespart worden. Aber Burnet war, obwohl in früher Jugend von den servilen Lehren angesteckt, denen der damalige Klerus durchgehends anhing, aus Überzeugung Whig geworden und er blieb seinen Grundsätzen durch alle Wechselfälle des Lebens treu. Er hatte jedoch keinen Antheil an der Verschwörung genommen, welche soviel Schmach und Unheil über die Whigpartei brachte und verabscheuete nicht nur die Mordpläne Goodenough’s und Ferguson’s, sondern war auch der Meinung, daß selbst sein geliebter und verehrter Freund Russell gegen die Regierung weiter gegangen sei, als es sich rechtfertigen ließ. Endlich kam eine Zeit, wo die Unschuld kein hinreichender Schutz war. Burnet wurde, obgleich er sich keiner Übertretung des Gesetzes schuldig gemacht, von der Rache des Hofes verfolgt. Er begab sich auf den Continent und nachdem er etwa ein Jahr auf jene Wanderungen durch die Schweiz, durch Italien und Deutschland verwendet, von denen er uns eine anziehende Beschreibung hinterlassen hat, ging er im Sommer 1686 nach dem Haag, wo er mit Freundlichkeit und Achtung aufgenommen wurde. Er unterhielt sich sehr freisinnig mit der Prinzessin über Politik und Religion und wurde bald ihr geistlicher Beistand und vertrauter Rathgeber. Wilhelm erwies sich als ein viel freundlicherer Wirth, als es zu erwarten gewesen wäre. Denn von allen Fehlern waren ihm Zudringlichkeit und Indiscretion am meisten verhaßt und Burnet war, wie selbst seine Freunde und Verehrer zugestanden, der zudringlichste und indiscreteste Mensch, den es geben konnte. Aber der scharfsichtige Prinz bemerkte sehr wohl, daß dieser vorlaute und schwatzhafte Theolog, der beständig Geheimnisse ausplauderte, naseweise Fragen stellte und unerbetenen Rath aufdrängte, bei alledem ein freimüthiger, furchtloser und kluger Mann war, der die Gesinnungen und Absichten der britischen Secten und Factionen genau kannte. Auch war der Ruf von Burnet’s Beredsamkeit und Gelehrsamkeit weit verbreitet. Wilhelm selbst war kein Freund vom Lesen, aber er stand jetzt seit vielen Jahren an der Spitze der holländischen Regierung zu einer Zeit, wo die holländische Presse eines der gewaltigsten Werkzeuge war, durch welche die öffentliche Meinung in Europa bearbeitet wurde, und obgleich er an literarischen Genüssen kein Vergnügen fand, war er doch viel zu klug und scharfsichtig, als daß er den Werth des literarischen Beistandes nicht hätte erkennen sollen. Er wußte sehr wohl, daß eine populäre Flugschrift zuweilen ebenso gute Dienste leistet als ein Sieg auf dem Schlachtfelde. Auch sah er ein, wie wichtig es sei, daß er immer einen Mann um sich hatte, der mit der bürgerlichen und kirchlichen Verfassung unsrer Insel vertraut war, und Burnet eignete sich vortrefflich dazu, als lebende Encyclopädie über britische Angelegenheiten benutzt zu werden, denn seine Kenntnisse waren, wenn auch nicht immer ganz zuverlässig, doch von erstaunlicher Vielseitigkeit und es gab in England wie in Schottland wenige ausgezeichnete Männer irgend einer politischen oder religiösen Partei, mit denen er nicht verkehrt hätte. Es wurde ihm daher die nämliche Gunst und das nämliche Vertrauen gewährt wie nur irgend Einem außer denen, welche den kleinen intimsten Kreis von Privatfreunden des Prinzen bildeten. Nahm sich der Doctor Freiheiten heraus, was nicht selten der Fall war, so wurde sein Gönner noch kälter und mürrischer als gewöhnlich gegen ihn und äußerte zuweilen eine kurze, beißende Bemerkung, die einem Menschen von gewöhnlicher Dreistigkeit für immer den Mund geschlossen haben würde. Trotz solcher Vorfälle aber dauerte die Freundschaft dieses sonderbaren Paares mit wenigen kurzen Unterbrechungen so lange, bis sie durch den Tod aufgelöst wurde. Es war in der That nicht leicht, Burnet zu kränken. Seine Selbstgefälligkeit, seine heitere Sorglosigkeit und seine Taktlosigkeit waren so groß, daß er wohl oft Anstoß gab, aber nie Anstoß nahm.

Beziehungen Wilhelm’s zu den englischen Parteien.