Die Geschichte von England, Band 3 - Thomas B. Macaulay - E-Book

Die Geschichte von England, Band 3 E-Book

Thomas B. Macaulay

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Beschreibung

Dies ist Band 3 des mehrbändigen Werkes und behandelt die Geschichte Englands zur Zeit Jakobs II. Aus dem Inhalt: Whiggistische Flüchtlinge auf dem Festlande. Ihre Correspondenten in England. Character der Oberhäupter der Flüchtlinge. Ayloffe. Wade. Goodenough. Rumbold. Lord Grey. Monmouth. Ferguson. Schottische Flüchtlinge. Der Earl von Argyle. Sir Patrick Hume und Sir Johann Cochrane. Fletcher von Saltoun. Unverständiges Benehmen der schottischen Flüchtlinge. Anstalten zu einem Unternehmen gegen England und Schottland. Johann Locke. Vergebliche Versuche, Argyle am Absegeln zu verhindern. Argyle's Abreise von Holland. Argyle landet in Schottland. Argyle's Zwistigkeiten mit seinen Begleitern. Stimmung der schottischen Nation. Argyle's Truppe zerstreut. Argyle gefangen genommen. Rumbold's Hinrichtung. Verwüstung von Argyleshire. Erfolglose Versuche, Monmouth's Abreise von Holland zu verhindern. Monmouth's Ankunft in Lyme. Seine Erklärung. Seine Popularität im Westen Englands. Zusammenstoß der Rebellen mit der Miliz in Bridport. Gefecht zwischen den Rebellen und der Miliz bei Axminster. Die Nachricht von dem Aufstande kommt nach London. Loyalität des Parlaments. Monmouth's Empfang in Taunton. Monmouth nimmt den Königstitel an. Sein Empfang in Bridgewater. Vorkehrungen der Regierung zum Widerstande. Sein Plan auf Bristol. Er giebt den Plan auf Bristol auf. Gefecht bei Philip's Norton. Monmouth's Verzagtheit. Seine Rückkehr nach Bridgewater. Die königliche Armee schlägt bei Sedgemoor ein Lager auf. Schlacht von Sedgemoor. Verfolgung der Rebellen. Militärische Hinrichtungen. Monmouth's Flucht. Seine Gefangennehmung. Sein Brief an den König. Er wird nach London abgeführt. Seine Unterredung mit dem Könige. Seine Hinrichtung. Wie das niedere Volk sein Andenken ehrte. Grausamkeiten der Soldaten im Westen. Kirke. Jeffreys reist zu den westlichen Assisen ab. Prozeß der Alice Lisle.

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Seitenzahl: 453

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Geschichte von England – Band3

seit der Thronbesteigung Jakob’s des Zweiten

Thomas Babington Macaulay

Inhalt:

Thomas Babington Macaulay – Biografie und Bibliografie

Geschichte von England – Band 3

Fünftes Kapitel. Jakob II.

Whiggistische Flüchtlinge auf dem Festlande.

Ihre Correspondenten in England.

Character der Oberhäupter der Flüchtlinge.

Ayloffe.

Wade.

Goodenough.

Rumbold.

Lord Grey.

Monmouth.

Ferguson.

Schottische Flüchtlinge.

Der Earl von Argyle.

Sir Patrick Hume und Sir Johann Cochrane.

Fletcher von Saltoun.

Unverständiges Benehmen der schottischen Flüchtlinge.

Anstalten zu einem Unternehmen gegen England und Schottland.

Johann Locke.

Vergebliche Versuche, Argyle am Absegeln zu verhindern.

Argyle’s Abreise von Holland.

Argyle landet in Schottland.

Argyle’s Zwistigkeiten mit seinen Begleitern.

Stimmung der schottischen Nation.

Argyle’s Truppe zerstreut.

Argyle gefangen genommen.

Rumbold’s Hinrichtung.

Verwüstung von Argyleshire.

Erfolglose Versuche, Monmouth’s Abreise von Holland zu verhindern.

Monmouth’s Ankunft in Lyme.

Seine Erklärung.

Seine Popularität im Westen Englands.

Zusammenstoß der Rebellen mit der Miliz in Bridport.

Gefecht zwischen den Rebellen und der Miliz bei Axminster.

Die Nachricht von dem Aufstande kommt nach London.

Loyalität des Parlaments.

Monmouth’s Empfang in Taunton.

Monmouth nimmt den Königstitel an.

Sein Empfang in Bridgewater.

Vorkehrungen der Regierung zum Widerstande.

Sein Plan auf Bristol.

Er giebt den Plan auf Bristol auf.

Gefecht bei Philip’s Norton.

Monmouth’s Verzagtheit.

Seine Rückkehr nach Bridgewater.

Die königliche Armee schlägt bei Sedgemoor ein Lager auf.

Schlacht von Sedgemoor.

Verfolgung der Rebellen.

Militärische Hinrichtungen.

Monmouth’s Flucht.

Seine Gefangennehmung.

Sein Brief an den König.

Er wird nach London abgeführt.

Seine Unterredung mit dem Könige.

Seine Hinrichtung.

Wie das niedere Volk sein Andenken ehrte.

Grausamkeiten der Soldaten im Westen.

Kirke.

Jeffreys reist zu den westlichen Assisen ab.

Prozeß der Alice Lisle.

Die blutigen Assisen.

Abraham Holmes.

Christoph Battiscombe.

Die Gebrüder Hewling.

Tutchin’s Strafe.

Deportation von Rebellen.

Confiscationen und Erpressungen.

Habgier der Königin und ihrer Hofdamen.

Verfahren gegen Grey,

Jeffreys zum Lordkanzler ernannt.

Cornish’s Prozeß und Hinrichtung.

Prozeß und Hinrichtung Fernley’s und der Elisabeth Gaunt.

Prozeß und Hinrichtung Bateman’s.

Grausame Verfolgung der protestantischen Dissenters.

Sechstes Kapitel. Jakob II.

Jakob’s Macht auf dem höchsten Gipfel.

Seine auswärtige Politik.

Das stehende Heer.

Pläne zu Gunsten der römisch-katholischen Religion.

Verletzung der Testacte.

Allgemeine Unzufriedenheit.

Verfolgung der französischen Hugenotten.

Eindruck dieser Verfolgung in England.

Zusammentritt des Parlaments, Rede des Königs.

Es bildet sich eine Opposition im Hause der Gemeinen.

Ansichten auswärtiger Regierungen.

Comité der Gemeinen wegen der Thronrede.

Niederlage der Regierung.

Zweite Niederlage der Regierung.

Der König giebt den Gemeinen einen Verweis.

Coke wird wegen Verletzung der dem Könige schuldigen Achtung von den Gemeinen mit Gefängnißstrafe belegt.

Opposition gegen die Regierung im Hause der Lords.

Der Bischof von London.

Viscount Mordaunt.

Prorogation des Parlaments.

Prozeß Lord Gerard’s und Hampden’s.

Delamere’s Prozeß.

Eindruck seiner Freisprechung.

Parteien am Hofe.

Veröffentlichung hinterlassener Papiere Karl’s II.

Stimmung der achtungswerthen Katholiken.

Castelmaine.

Jermyn.

White.

Tyrconnel.

Gesinnung der fremden Gesandten.

Spaltung zwischen dem Papste und der Gesellschaft Jesu.

Eides.

Der Jesuitenorden.

Pater Petre.

Stimmung und Ansichten des Königs.

Sunderland bestärkt den König in seinen Irrthümern.

Treulosigkeit Jeffreys’.

Godolphin und die Königin.

Liebeshändel des Königs.

Katharine Sedley.

Intriguen Rochester’s zu Gunsten der Katharine Sedley.

Sinken von Rochester’s Einfluß.

Castelmaine wird nach Rom gesandt.

Das Dispensationsrecht.

Absetzung widerspenstiger Richter.

Prozeß Sir Eduard Hales’.

Römische Katholiken werden zum Besitz geistlicher Pfründen ermächtigt.

Die Dechanei von Christchurch wird einem Katholiken verliehen.

Besetzung von Bisthümern.

Entschluß Jakob’s, sein kirchliches Supremat gegen die Kirche zu gebrauchen.

Die ihm entgegenstehenden Schwierigkeiten.

Er errichtet einen neuen Gerichtshof der Hohen Commission.

Verfahren gegen den Bischof von London.

Die öffentliche Schaustellung römisch-katholischer Gebräuche und Trachten erregt Unzufriedenheit.

Tumulte.

Es wird bei Hounslow ein Lager gebildet.

Samuel Johnson.

Hugo Speke.

Eifer der anglikanischen Geistlichkeit gegen den Papismus.

Streitschriften.

Die römisch-katholischen Theologen besiegt.

Zustand Schottlands.

Queensberry.

Begünstigung der katholischen Religion in Schottland.

Aufstände in Edinburg.

Zorn des Königs.

Seine Pläne in Betreff Schottlands.

Eine Deputation schottischer Geheimräthe begiebt sich nach London.

Ihre Unterhandlungen mit dem Könige.

Zusammentritt der schottischen Stände.

Sie werden vertagt.

Willkürherrschaft in Schottland.

Irland.

Feindseligkeit der Stämme.

Das eingeborne Landvolk.

Der eingeborne Adel.

Zustand der englischen Kolonie.

Verfahren, welches Jakob hätte beobachten sollen.

Seine Fehlgriffe.

Clarendon’s Ankunft in Irland als Lordlieutenant.

Seine Kränkungen.

Schrecken unter den Colonisten.

Tyrconnel’s Ankunft in Dublin als General.

Seine Parteilichkeit und Willkür.

Er sucht die Ansiedlungsacte aufzuheben.

Er kehrt nach England zurück.

Der König ist unzufrieden mit Clarendon.

Angriff der jesuitischen Cabale gegen Rochester.

Jakob’s Versuche, Rochester zu bekehren.

Rochester’s Entlassung.

Entlassung Clarendon’s.

Tyrconnel Lordstellvertreter.

Besorgnisse der englischen Ansiedler in Irland.

Eindruck des Sturzes der Hyde.

Geschichte von England, Band 3, Thomas B. Macaulay

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

Loschberg 9

86450 Altenmünster

ISBN: 9783849631062

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

Thomas Babington Macaulay – Biografie und Bibliografie

Lord Macaulay of Rothley, berühmter engl. Geschichtschreiber, geb. 25. Okt. 1800 zu Rothley Temple in der Grafschaft Leicester als Sohn eines aus Schottland stammenden Kaufmanns, gest. 28. Dez. 1859, studierte in Cambridge, ward 1826 in London Rechtsanwalt, widmete sich aber fast ausschließlich der schriftstellerischen Laufbahn. Schon auf der Universität hatten seine Gedichte: »Pompeji« (Cambridge 1819) und »Evening« (das. 1821) Preise erworben. Seine Abhandlung über Milton in der »Edinburgh Review« (1825) und andre literarische und politische Porträts, von Bacon, Machiavelli, Lord Clive, Warren Hastings, den beiden Walpole, Lord Chatham u. a., machten M. schnell in den weitesten Kreisen bekannt. Sie erschienen gesammelt zuerst ohne seine Billigung u. d. T. »Critical and miscellaneous essays« (Philad. 1841) und dann von ihm selbst als »Critical and historical essays« (Lond. 1843, 3 Bde., u. ö.; neue Ausg. 1871, 4 Bde.; deutsch von Bülau, 1852–58, 5 Bde., und von Steger, Braunschw. 1853–60, 8 Bde.) herausgegeben. Ihnen reihten sich später die »Biographical essays« (Lond. 1851) an. 1830 verschafften ihm die Whigs einen Sitz im Unterhaus, und M. spielte in den Debatten, aus denen die Reformbill hervorging, eine hervorragende Rolle. Das Ministerium Grey ernannte ihn 1832 zum Mitglied des Indischen Kontrollamts und 1834 zum Mitglied des Hohen Rats in Kalkutta, in welcher Eigenschaft M. den Entwurf eines Strafgesetzbuches verfaßte, das 1838 publiziert wurde. Nach England zurückgekehrt, wurde er 1839 wieder ins Parlament gewählt und war 1839–41 im Ministerium Melbourne Kriegsminister und nach Melbournes Rücktritt während des zweiten Peelschen Ministeriums einer der hervorragendsten Redner der Whig-Opposition. 1842 gab er seine »Lays of ancient Rome« heraus, altrömische Legenden in Balladenform (deutsch von Erich, Berl. 1892; von W. du Nord, Wien 1903), die sich durch dramatische Handlung, malerische Schilderungen und Kraft des Stils auszeichnen. Vom Juli 1846 bis zum Ende 1847 bekleidete M. den Posten des Generalzahlmeisters. Bei den Wahlen von 1847 verlor er jedoch seinen Sitz im Parlament und zog sich darauf von der politischen Laufbahn zurück, um sich ungestört der Ausarbeitung seiner bereits 1841 begonnenen, bis 1702 reichenden »History of England from the accession of James II.« (Lond. 1848–55, Bd. 1–4; Bd. 5, 1861; später in sechs verschiedenen Ausgaben erschienen) zu widmen, die in sechs Monaten fünf Auflagen erlebte und sogleich in mehrere Sprachen übersetzt wurde (deutsch unter andern von Bülau, Leipz. 1849–1861, 11 Bde.; von Beseler, Braunschw. 1849–62, [2 Bde.], in verschiedenen Ausgaben; von Paret, Stuttg. 1850–61, 11 Bde.). Genaue Kenntnis der Tatsachen, unübertroffenes Talent in der Schilderung von Charakteren und geschichtlichen Begebenheiten, kunstvolle Anordnung des Stoffes und volle Herrschaft über alle sprachlichen Mittel machen dies Werk zu einem klassischen der englischen Literatur. M. besaß die meisten Vorzüge eines Geschichtschreibers: Kritik, Fleiß, Methode, Phantasie, Stil, politische Reise und philosophisches Urteil. Seine Auffassung von Ereignissen und Personen wird freilich durch seinen politischen Standpunkt, den eines konsequenten Whig, beherrscht und bisweilen getrübt. Im Herbst 1848 wählte ihn die Universität Glasgow zu ihrem Lord-Rektor, eine ihm 1849 angebotene Professur in Cambridge lehnte er ab. Im Juli 1852 ward er wieder ins Unterhaus gewählt, gab aber 1856 den Sitz wieder auf. Im September 1857 wurde er als Baron M. of Rothley zum Peer ernannt. Er ward 9. Jan. 1860 im »Poetenwinkel« der Westminsterabtei feierlich beigesetzt. Die Sammlung seiner Reden (in den »Miscellaneous writings and speeches«, drei verschiedene moderne Ausgaben) wurde 1854 (deutsch von Bülau, Leipz.; von Beseler, Braunschw.) veröffentlicht. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien London 1860 in 25 Bänden; neuere Ausgaben sind die 1866 von seiner Schwester Lady Trevelyan besorgte in 8 Bänden, die in 18 Bänden (1880) und die letzte Ausgabe in drei Formen: in 16, in 8 und in 12 Bänden (1902). Vgl. F. Arnold, Public life of Lord M. (neue Ausg., Lond. 1863); Otto Trevelyan, Life and letters of Lord M. (das. 1876 u. ö., 2 Bde.; deutsch von Böttger, 2. Aufl., Jena 1883); Morison, M. (Lond. 1882); Kinkel d. jüng., M., sein Leben und sein Geschichtswerk (Basel 1879); D. H. Macgregor, Lord M. (Lond. 1901); Jebb, Macaulay (1900); G. Bülow, Thomas Babington M., ein Gedenkblatt (Schweidnitz u. Leipz. 1901).

Geschichte von England – Band 3

Fünftes Kapitel.Jakob II.

Whiggistische Flüchtlinge auf dem Festlande.

Gegen das Ende der Regierung Karl’s II. hatten einige Whigs, welche in das ihrer Partei so verderblich gewordene Complot verwickelt waren und wußten, daß man ihnen den Untergang geschworen, in den Niederlanden eine Zufluchtsstätte gesucht.

Diese Flüchtlinge waren größtentheils Leute von heißblütigem Temperament, aber schwachem Urtheile, und überdies waren sie von der sonderbaren Täuschung befangen, die ihrer Lage eigen zu sein scheint. Ein Politiker, welcher durch eine feindliche Partei in die Verbannung getrieben wurde, erblickt die Gesellschaft, die er verlassen, in der Regel in einem falschen Lichte. Jeder Gegenstand erhält durch den Schmerz, durch die Sehnsucht und durch den Haß eine andre Gestalt und Färbung. Jede kleine Unzufriedenheit scheint ihm eine Revolution zu verkünden, jeder Tumult dünkt ihm ein Aufstand. Er ist nicht davon zu überzeugen, daß sein Vaterland sich nicht eben so schmerzlich nach ihm sehnt, wie er sich nach demselben sehnt, er bildet sich ein, daß alle seine alten Gesinnungsgenossen, die noch in der Heimath und im ungestörten Genusse ihres Vermögens sind, von den nämlichen Gefühlen gequält werden, welche ihm das Leben zu einer Last machen. Je länger seine Verbannung dauert, um so größer wird diese Täuschung. Die Zeit, welche den Feuereifer der zurückgelassenen Freunde dämpft, schürt den seinigen nur noch mehr an. Mit jedem Monate wird sein sehnsüchtiges Verlangen nach der Heimath stärker, und mit jedem Monate denkt sein Vaterland seltener an ihn und vermißt ihn weniger. Diese Täuschung wird fast zum Wahnsinn, wenn viele Verbannte, die um der nämlichen Sache willen leiden, an einer fremden Küste beisammenwohnen. Ihre Hauptbeschäftigung ist, davon zu sprechen, was sie einst waren und was sie vielleicht noch einmal werden können, einander zum Hasse gegen den gemeinschaftlichen Feind aufzustacheln und sich gegenseitig mit überspannten Hoffnungen auf Sieg und Rache zu nähren. So werden sie reif zu Unternehmungen, welche Jedermann, den die Leidenschaft nicht der Fähigkeit beraubt hat, die Wahrscheinlichkeiten zu berechnen, von vornherein für hoffnungslos erklären würde.

Ihre Correspondenten in England.

In dieser Stimmung waren viele der Verwiesenen, die sich auf dem Continent gesammelt hatten. Der Briefwechsel, den sie mit England unterhielten, diente größtentheils nur dazu, ihre Gefühle noch mehr aufzureizen und ihr Urtheil irre zu führen. Ihre Nachrichten von dem Zustande der öffentlichen Meinung erhielten sie hauptsächlich von den schlimmsten Mitgliedern der Whigpartei, von Männern, welche Verschwörer und Pasquillanten von Profession waren, die von den Gerichten verfolgt wurden, die nur verkleidet durch abgelegene Gassen schleichen und sich zuweilen Wochen lang auf Böden oder in Kellern versteckt halten mußten. Die Staatsmänner, welche die Zierden der Vaterlandspartei gewesen waren, die Staatsmänner, welche später die Berathungen des Convents leiteten, würden ganz andere Rathschläge gegeben haben, als Männer wie Johann Wildman und Heinrich Danvers sie gaben.

Wildman hatte vierzig Jahre früher im Parlamentsheere gedient, sich aber in dieser Stellung mehr als Wühler, denn als Soldat ausgezeichnet, und hatte das Waffenhandwerk bald wieder aufgegeben, um andere Zwecke zu verfolgen, die seinem Character mehr zusagten. Sein Haß gegen die Monarchie hatte ihn angetrieben, sich in eine lange Reihe von Verschwörungen einzulassen, zuerst gegen den Protector und dann gegen die Stuarts. Wildman verband jedoch mit seinem Fanatismus eine zärtliche Sorge für seine persönliche Sicherheit. Er besaß eine seltene Geschicklichkeit darin, die Schwelle des Hochverraths nicht zu überschreiten. Niemand verstand es besser als er, Andere zu verzweifelten Unternehmungen durch Worte anzureizen, welche vor Gericht unschuldig, oder schlimmsten Falls doch nur zweideutig erscheinen konnten. Seine Verschlagenheit war so groß, daß er, obgleich er beständig complotirte, obgleich er von jeher als Verschwörer bekannt war und obgleich ihn eine rachsüchtige Regierung lange Zeit mit feindseligem Argwohn beobachtete, doch immer jeder Gefahr entging und ruhig in seinem Bette starb, nachdem er zwei Generationen seiner Mitschuldigen am Galgen hatte enden sehen. Danvers war ein Mensch von gleichem Schlage, heißblütig, aber kleinmüthig, durch glühende Begeisterung fortwährend bis an den Rand der Gefahr getrieben, durch die Feigheit aber immer wieder an diesem Rande zurückgehalten. Er hatte unter einem Theile der Baptisten großen Einfluß, hatte viel zur Vertheidigung ihrer sonderbaren Ansichten geschrieben und sich durch den Versuch, das Verbrechen des Matthias und Johann von Leyden zu beschönigen, den strengen Tadel der ehrenwerthesten Puritaner zugezogen. Hätte er ein wenig Muth besessen, so ist es wahrscheinlich, daß er in die Fußtapfen der Elenden getreten wäre, die er vertheidigte. Er mußte sich damals vor den Beamten der Justiz verbergen, da wegen einer grobverleumderischen Schrift, als deren Verfasser die Regierung ihn entdeckt hatte, Verhaftsbefehle gegen ihn erlassen waren.

Character der Oberhäupter der Flüchtlinge.

Man kann leicht denken, welcher Art die Mittheilungen und Rathschläge waren, die solche Männer den Geächteten in den Niederlanden zukommen ließen. Nach einigen wenigen Proben wird man sich eine Vorstellung von dem allgemeinen Character der Letzteren bilden können.

Ayloffe.

Einer der hervorragendsten unter ihnen war Johann Ayloffe, ein Jurist, der mit den Hyde, und durch die Hyde wieder mit Jakob verwandt war. Er hatte sich schon frühzeitig durch eine sonderbare Beleidigung der Regierung bemerkbar gemacht. Zu der Zeit nämlich, als der Einfluß des Hofes von Versailles allgemeinen Unwillen erregte, hatte er einen hölzernen Schuh, bei den Engländern das feststehende Sinnbild der französischen Tyrannei, auf den Präsidentenstuhl des Hauses der Gemeinen gelegt. Später hatte er an dem whiggistischen Complot Theil genommen, aber man hat keinen Grund zu der Vermuthung, daß er um den Plan, die königlichen Brüder zu ermorden, gewußt habe. Er war ein Mann von Talent und Muth, sein moralischer Charakter aber stand auf keiner hohen Stufe. Die puritanischen Theologen raunten einander zu, daß er ein gewissenloser Gallio oder etwas noch Schlimmeres sei und daß bei all seinem Eifer für die bürgerliche Freiheit die Heiligen wohl daran thun würden, jeden Umgang mit ihm zu vermeiden.

Wade.

Nathaniel Wade war ebenfalls Jurist, wie Ayloffe. Er hatte lange in Bristol gewohnt und war in seiner Umgebung als ein heftiger Republikaner gepriesen worden. Einmal hatte er sich vorgenommen, nach New-Jersey auszuwandern, wo er Institutionen zu finden hoffte, die seinem Geschmacke besser zusagten als die englischen. Seine Thätigkeit bei den Parlamentswahlen hatten die Aufmerksamkeit einiger vornehmen Whigs auf ihn gelenkt, sie bedienten sich seiner als Anwalt und zogen ihn endlich zu ihren geheimsten Berathungen. Er war bei dem Insurrectionsplane stark betheiligt und hatte es unternommen, sich in seiner eignen Stadt an die Spitze eines Aufstandes zu stellen. Ebenso war er in das verwerflichere Complot gegen das Leben Karl’s und Jakob’s eingeweiht gewesen, aber er erklärte stets, daß er zwar davon gewußt, es aber durchaus verabscheut und sogar versucht habe, seine Mitverschwornen von der Ausführung ihres Planes abzubringen. Für einen zu bürgerlichen Berufsgeschäften herangebildeten Mann besaß Wade in seltenem Maße die Umsicht und Energie, welche die Haupterfordernisse eines guten Soldaten sind. Leider aber erwiesen sich seine Grundsätze und sein Muth nicht stark genug, um ihn nach beendetem Kampfe, als er im Gefängniß zwischen Tod und Schande zu wählen hatte, aufrecht zu erhalten.

Goodenough.

Ein andrer Flüchtling war Richard Goodenough, der früher Untersheriff von London gewesen war. Diesen Mann hatte seine Partei lange zu Dienstleistungen nicht sehr ehrenwerther Art benutzt, besonders wenn es darauf ankam, Geschworne zu wählen, von denen man hoffen durfte, daß sie bei politischen Prozessen nicht allzu gewissenhaft sein würden. Er war tief verwickelt gewesen in die schwarzen und blutigen Anschläge des Whigcomplots, welche vor den achtungswertheren Whigs sorgfältig geheim gehalten wurden. Bei ihm konnte man nicht als mildernden Umstand anführen, daß er durch übergroßen Eifer für das Gemeinwohl irre geleitet worden sei, denn wir werden später sehen, daß er, nachdem er eine edle Sache durch seine Verbrechen geschändet, sie schließlich verrieth, um der wohlverdienten Strafe zu entgehen.

Rumbold.

Ein ganz andrer Character war Richard Rumbold. Er war Offizier in Cromwell’s Leibregiment gewesen, hatte am Tage der großen Hinrichtung das Schaffot vor dem Bankethause bewacht, bei Dunbar und Worcester gefochten und stets in hohem Grade die Eigenschaften gezeigt, durch welche sich das unbesiegbare Heer, in dem er diente, auszeichnete: einen unerschütterlichen Muth, eine glühende Begeisterung, sowohl in politischer als in religiöser Hinsicht, und neben dieser Begeisterung doch die ganze Kraft der Selbstbeherrschung, welche Männern eigen ist, die in wohldisciplinirten Lagern befehlen und gehorchen gelernt haben. Nach erfolgter Auflösung der republikanischen Armee wurde Rumbold Mälzer und betrieb sein Geschäft unweit Hoddesdon in dem Hause, von dem das Ryehousecomplot seinen Namen hat. Bei den Berathungen der Heftigsten und Rücksichtslosesten unter den Mißvergnügten war vorgeschlagen, doch nicht definitiv beschlossen worden, daß bewaffnete Männer in das Roggenhaus gelegt werden sollten, um die Eskorte anzugreifen, welche Karl und Jakob von Newmarket nach London begleitete. An diesen Berathungen hatte Rumbold einen Antheil genommen, von dem er mit Abscheu zurückgebebt sein würde, wäre nicht durch den Parteigeist sein heller Verstand umnebelt und sein männliches Herz verdorben gewesen.

Lord Grey.

Hoch erhaben über die bis jetzt angeführten Verbannten war Ford Grey, Lord Grey von Mark. Er war ein eifriger Exclusionist gewesen, hatte Antheil an dem Insurrectionsplane gehabt und war in den Tower gesperrt worden, wo es ihm jedoch gelang, seine Wächter betrunken zu machen und auf das Festland zu entkommen. Er besaß hervorragende Talente und gewinnende Manieren, aber ein großes häusliches Verbrechen warf einen Flecken auf sein Leben. Seine Gattin war eine Tochter des edlen Hauses Berkeley, und ihre Schwester, Lady Henriette Berkeley, durfte mit ihm, als mit einem Blutsverwandten, verkehren und correspondiren. So entstand eine verhängnißvolle Zuneigung. Der lebhafte Geist und die heftige Leidenschaft der Lady Henriette durchbrach alle Schranken der Tugend und Schicklichkeit und eine skandalöse Entführung enthüllte dem ganzen Königreiche die Schande zweier vornehmen Familien. Grey nebst einigen von den Helfershelfern, die ihm bei seinem Liebeshandel gedient hatten, wurden unter der Anklage einer Verbindung zu gesetzwidrigem Zwecke vor Gericht gestellt und es ereignete sich vor den Schranken der Kings Bench eine in den Annalen unsrer Justiz ohne Beispiel dastehende Scene. Der Verführer erschien mit frecher Stirn in Begleitung seiner Geliebten, und selbst in diesem unerhörten Falle wichen die großen whiggistischen Lords nicht von der Seite ihres Freundes. Die, welche er beleidigt, standen ihm gegenüber und wurden durch seinen Anblick zu Zornesausbrüchen gereizt. Der alte Earl von Berkeley überhäufte die unglückliche Henriette mit Vorwürfen und Verwünschungen. Die Gräfin gab unter häufigem Schluchzen ihre Zeugenaussage ab und fiel endlich in Ohnmacht. Die Geschwornen sprachen das „Schuldig“ aus. Als der Gerichtshof die Sitzung aufhob, forderte Lord Berkeley alle seine Freunde auf, daß sie ihm beistehen möchten, seine Tochter zu ergreifen; die Anhänger Grey’s schaarten sich um Letztere, auf beiden Seiten wurden Schwerter gezuckt, es entspann sich ein Gefecht in Westminster Hall und nur mit Mühe gelang es den Richtern und Gerichtsdienern, die Streitenden zu trennen. In unsrer Zeit würde ein solcher Prozeß den Ruf eines der Öffentlichkeit angehörenden Mannes schänden; damals aber war der Maßstab der Moralität unter den Großen so niedrig und die Parteiwuth so heftig, daß Grey nach wie vor bedeutenden Einfluß hatte, wenn auch die Puritaner, welche einen ansehnlichen Theil der Whigpartei bildeten, ihm mit einiger Kälte begegneten.

Eine Seite von dem Character, oder man sollte vielleicht eher sagen von dem Schicksale Grey’s verdient besondere Erwähnung: man mußte zugestehen, daß er überall, auf dem Schlachtfelde ausgenommen, einen hohen Grad von Muth bewies. Mehr als einmal zwang sein würdevolles Benehmen und die vollkommene Beherrschung aller seiner Fähigkeiten in schwierigen Lagen, wo sein Leben und seine Freiheit auf dem Spiele standen, selbst Diejenigen zu lobender Anerkennung, die ihn weder liebten noch achteten. Als Soldat jedoch zog er sich, vielleicht weniger durch eigne Schuld als durch unglücklichen Zufall den entehrenden Vorwurf persönlicher Feigheit zu.

Monmouth.

In dieser Beziehung war er ganz verschieden von seinem Freunde, dem Herzoge von Monmouth. Monmouth war tapfer und unerschrocken auf dem Schlachtfelde, sonst aber überall weibisch und zaghaft. Seine Geburt, sein persönlicher Muth und sein einnehmendes Äußere hatten ihm eine Stellung verschafft, für die er sich durchaus nicht eignete. Nachdem er den Untergang der Partei, deren nominelles Oberhaupt er gewesen war, mit angesehen, hatte er sich nach Holland zurückgezogen. Der Prinz und die Prinzessin von Oranien erblickten nicht mehr einen Nebenbuhler ihn ihm, und sie gewährten ihm daher eine gastliche Aufnahme, denn sie hofften, sich durch freundliche Behandlung des Herzogs Anspruch auf den Dank seines Vaters zu erwerben. Sie wußten, daß die väterliche Zuneigung noch nicht erloschen war, daß Monmouth noch immer im Geheimen Geldunterstützungen von Whitehall erhielt und daß Karl es sehr ungnädig aufnahm, wenn Jemand von seinem Sohne Übles sprach, in der Hoffnung, sich dadurch bei ihm beliebt zu machen. Man hatte den Herzog in der Erwartung bestärkt, daß er, wenn anders er keine neue Veranlassung zu Mißfallen gab, bald in sein Vaterland zurückgerufen und in alle seine Ehrenstellen und Befehlshaberposten wieder eingesetzt werden würde. Von solchen Erwartungen beseelt, war er während des verflossenen Winters der Lebensnerv des Haags gewesen. Auf einer Reihe von Bällen in dem prächtigen Oraniensaale, dessen Wände in dem herrlichsten Farbenreichthum eines Jordaens und Hondthorst prangen, hatte er die hervorragendste Figur gespielt. Er hatte die holländischen Damen mit dem englischen Contretanz bekannt gemacht und seinerseits von ihnen auf den Kanälen Schlittschuh laufen gelernt. Die Prinzessin hatte ihn bei seinen Ausflügen auf dem Eise begleitet, und es hatte oft die Verwunderung und die Heiterkeit der auswärtigen Gesandten erregt, wenn sie dort, in kürzeren Röcken, als sie in der Regel von so vornehmen, das strengste Decorum beobachtenden Damen getragen wurden, auf einem Beine dahinglitt. Der Einfluß des bezaubernden Engländers schien den düstern Ernst, der den Hof des Statthalters characterisirte, verscheucht zu haben, und selbst der finstre, gedankenvolle Wilhelm wurde heiterer gestimmt, wenn sein glänzender Gast erschien.

Inzwischen vermied Monmouth sorgfältig Alles, was an dem Orte, von woher er Schutz erwartete, Anstoß erregen konnte. Er verkehrte überhaupt mit wenigen Whigs und gar nicht mit den heftigen Männern, welche in den schlimmsten Theil des Whigcomplots verwickelt gewesen waren. Daher beschuldigten ihn seine ehemaligen Gesinnungsgenossen laut der Unbeständigkeit und Undankbarkeit.

Ferguson.

Von keinem der Verbannten wurde diese Anklage mit größerer Heftigkeit und Bitterkeit erhoben, als von Robert Ferguson, dem Judas in Dryden’s großer Satire. Ferguson war ein Schotte von Geburt, aber er hatte lange in England gelebt. Zur Zeit der Restauration bekleidete er eine Pfarrstelle in Kent. Er war als Presbyterianer erzogen, die Presbyterianer aber hatten ihn aus ihrer Mitte gestoßen und er war zu den Independenten übergegangen. Dann war er Vorsteher einer von den Dissenters in Islington errichteten Akademie gewesen, welche mit der Westminsterschule und dem Charterhouse concurriren sollte, und hatte bei einer Versammlung in Moorfields vor einem großen Zuhörerkreise gepredigt. Auch hatte er einige theologische Abhandlungen geschrieben, die sich vielleicht noch in den staubigen Winkeln einiger alten Bibliotheken finden; aber obgleich er beständig Bibelstellen im Munde führte, so überzeugte sich doch Jeder, der in Geldangelegenheiten mit ihm zu thun bekam, sehr bald, daß er nichts als ein Schwindler war.

Endlich entzog er der Theologie fast ganz seine Aufmerksamkeit, um sie dem schlechtesten Theile der Politik zuzuwenden. Er gehörte zu der Klasse, die ein Geschäft daraus machen, erbitterten Parteien in unruhigen Zeiten Dienste zu leisten, vor denen der Rechtschaffene aus Abscheu, der Kluge aus Furcht zurückschreckt, zur Klasse der fanatischen Schurken. Er war heftig, bösartig, unempfänglich für die Wahrheit, ohne Gefühl für die Schande, von unersättlicher Ruhmsucht erfüllt, fand an Intriguen, Aufruhr und Unheil lediglich um ihrer selbst willen Vergnügen und arbeitete viele Jahre in den dunkelsten Minen des Parteiwesens. Er lebte unter Pasquillanten und falschen Zeugen, verwaltete eine geheime Kasse, aus welcher Agenten besoldet wurden, die zu schlecht waren, als daß man sie hätte anerkennen dürfen, und war Vorsteher einer geheimen Druckerei, aus der fast täglich anonyme Pamphlets hervorgingen. Er rühmte sich, daß er Schmähschriften um die Terrasse von Windsor herum ausgestreut und selbst unter das Kopfkissen des Königs gebracht habe. Bei solcher Lebensweise mußte er zu allerhand Listen seine Zuflucht nehmen, mußte mehrere Namen führen und hatte einmal in vier verschiedenen Stadttheilen Londons vier verschiedene Wohnungen. Bei dem Ryehousecomplot war er stark betheiligt und man hat Grund zu der Vermuthung, daß er der erste Urheber der blutigen Anschläge war, welche die ganze Whigpartei so sehr in Mißcredit brachten. Als die Verschwörung entdeckt war und seinen Genossen bange wurde, nahm er lachend Abschied von ihnen, indem er ihnen sagte, sie wären Neulinge, er sei an Flucht, Verstecke und Verkleidung gewöhnt und werde Zeit seines Lebens nie aufhören, zu conspiriren. Er entkam auf den Continent, aber selbst dort schien er nicht sicher zu sein. Die englischen Gesandten an den auswärtigen Höfen waren angewiesen, ein scharfes Auge auf ihn zu haben, und die Regierung versprach Demjenigen, der ihn ergreifen würde, eine Belohnung von fünfhundert Pistolen. Es war ihm auch nicht leicht, unbemerkt zu bleiben, denn sein breiter schottischer Accent, seine lange und hagere Gestalt, seine hohlen Wangen, seine beständig von der Perrücke beschatteten stechenden Augen, sein von einem Hautausschlage geröthetes Gesicht, sein gekrümmter Rücken und sein eigenthümlich wiegender Gang machten ihn überall, wo er sich zeigte, zu einer auffallenden Erscheinung. Aber obgleich er anscheinend mit ganz besondrem Eifer verfolgt wurde, so raunte man sich doch im Stillen zu, daß dieser Eifer eben nur scheinbar sei und daß die Gerichtsbeamten geheimen Befehl hätten, ihn nicht zu sehen. Es läßt sich kaum bezweifeln, daß er wirklich ein erbitterter Unzufriedener war, aber man hat starken Grund, zu vermuthen, er habe für seine Sicherheit dadurch gesorgt, daß er in Whitehall vorgab, ein Spion gegen die Whigs zu sein und daß er der Regierung eben nur so viele Mittheilungen zukommen ließ, als zur Aufrechterhaltung seines Credits genügten. Diese Annahme erklärt auf die einfachste Weise das, was seinen Gesinnungsgenossen als eine unnatürliche Sorglosigkeit und Tollkühnheit erschien. Da ihm selbst nichts geschehen konnte, stimmte er jedesmal für den gewaltthätigsten und gefährlichsten Weg und lächelte mitleidig über den Kleinmuth von Männern, welche die schmachvolle Vorsichtsmaßregel, auf die er sich verließ, nicht getroffen hatten, und die sich daher zweimal besannen, ehe sie ihr Leben und Alles, was ihnen noch theurer war als das Leben, auf eine Karte setzten.

Sobald er in den Niederlanden angekommen war, begann er über neue Pläne gegen die englische Regierung zu brüten und fand unter seinen Mitverbannten Männer, die seinen bösen Rathschlägen ein geneigtes Ohr liehen. Monmouth hielt sich indeß beharrlich fern von ihm, und ohne Beihülfe der ausgedehnten Popularität des Herzogs war unmöglich etwas auszurichten. Aber die Ungeduld und Tollkühnheit der Verbannten waren so groß, daß sie sich nach einem andren Führer umsahen. Sie schickten eine Gesandtschaft an den einsamen Ort am Ufer des Genfer Sees, wo Edmund Ludlow, einst ein ausgezeichneter Anführer in der Parlamentsarmee und ein hervorragendes Mitglied des hohen Gerichtshofes, sich schon seit vielen Jahren vor der Rache der wiedereingesetzten Stuarts verborgen hielt. Der ernste greise Rebell weigerte sich jedoch, seine Einsiedelei zu verlassen. Er habe das Seinige gethan, sagte er; wenn England noch zu retten sei, so müsse es durch jüngere Männer geschehen.

Die unerwartete Erledigung der Krone veränderte die Gestalt der Dinge. Jede Hoffnung auf friedliche Rückkehr in ihr Vaterland, welche die verbannten Whigs vielleicht noch hegten, wurde durch den Tod eines sorglosen und gutmüthigen Fürsten und durch die Thronbesteigung eines in jeder Beziehung, ganz besonders aber in der Rache ungemein hartnäckigen Prinzen vernichtet. Ferguson war in seinem Elemente. So vollständig ihm altes Talent als Schriftsteller und Staatsmann fehlte, in so hohem Grade besaß er dagegen die nicht beneidenswerthen Eigenschaften eines Versuchers. So eilte er jetzt mit der tückischen Geschäftigkeit und Gewandtheit eines bösen Geistes von einem Verbannten zum andren, flüsterte jedem etwas ins Ohr und erregte in jeder Brust rachsüchtige Wuth und wilde Begierden.

Jetzt hoffte er auch von Neuem, daß es ihm doch noch gelingen werde, Monmouth zu verführen. Die Lage dieses unglücklichen jungen Mannes war eine ganz andre geworden. Während er im Haag tanzte und Schlittschuh lief und jeden Tag die Einladung zur Rückkehr nach London erwartete, stürzte ihn die Nachricht von seines Vaters Tode und von seines Oheims Thronbesteigung plötzlich ins tiefste Elend. Die in seiner Nähe Wohnenden konnten in der Nacht nach der Ankunft dieser Schreckensbotschaft seine Seufzer und sein lautes Jammergeschrei hören. Er verließ am folgenden Tage den Haag, nachdem er sowohl dem Prinzen als auch der Prinzessin von Oranien sein Ehrenwort gegeben, daß er durchaus nichts gegen die englische Regierung unternehmen werde, und nachdem sie ihn mit Geld zur Bestreitung seiner dringendsten Bedürfnisse versehen hatten.

Monmouth’s Aussichten waren nicht glänzend. Es war nicht wahrscheinlich, daß er aus der Verbannung zurückgerufen werden würde, und auf dein Festlande konnte er nicht länger inmitten des Glanzes und der Festlichkeiten eines Hofes leben. Seine Verwandten im Haag scheinen ihn wirklich zugethan gewesen zu sein, aber sie konnten ihn fernerhin nicht offen beschützen, ohne ernste Gefahr, einen Bruch zwischen England und Holland dadurch herbeizuführen. Wilhelm machte ihm einen gutgemeinten und verständigen Vorschlag. Der Krieg zwischen dem Kaiser und den Türken, welcher damals in Ungarn wüthete, wurde von ganz Europa mit fast eben so großem Interesse verfolgt, als fünfhundert Jahre früher die Kreuzzüge. Viele tapfere Edelleute, Protestanten sowohl als Katholiken, fochten als Freiwillige für die gemeinschaftliche Sache des Christenthums. Der Prinz rieth Monmouth, sich in das kaiserliche Lager zu begeben, und versicherte ihn, daß es ihm dann nicht an Mitteln fehlen solle, um mit dem eines vornehmen Engländers würdigem Glanze aufzutreten. Dies war ein vortrefflicher Rath; der Herzog aber konnte sich nicht dazu entschließen. Er begab sich nach Brüssel, begleitet von Henriette Wentworth, Baronesse Wentworth von Nettlestede, einem Fräulein von hoher Geburt und großem Vermögen, die ihn leidenschaftlich liebte, ihm ihre jungfräuliche Ehre und die Aussicht auf eine glänzende Verbindung aufgeopfert hatte, ihm in’s Exil gefolgt war und die er vor Gott als seine rechtmäßige Gattin betrachtete. Unter dem wohlthuenden Einflusse der weiblichen Freundschaft heilten auch bald die Wunden seines zerrissenen Herzens. Es schien, als hätte er in der stillen Zurückgezogenheit das Glück gefunden und vergessen, daß er einst die Zierde eines glänzenden Hofes und das Oberhaupt einer mächtigen Partei gewesen war, daß er Armeen befehligt und selbst nach dem Besitze eines Thrones gestrebt hatte.

Doch man gönnte ihm die Ruhe nicht. Ferguson wendete alle seine Versuchungskünste an. Grey, der nicht wußte, woher er noch eine Pistole nehmen sollte und der daher zu jedem, wenn auch noch so verzweifelten Unternehmen bereit war, unterstützte Ferguson. Man ließ seinen Kunstgriff unversucht, um Monmouth aus seiner Zurückgezogenheit hervorzulocken. Auf die ersten Einladungen, die er von seinem ehemaligen Bundesgenossen erhielt, antwortete er ablehnend. Er erklärte die Schwierigkeiten einer Landung in England für unüberwindlich, versicherte, er sei des öffentlichen Lebens überdrüssig, und bat darum, daß man ihn im ungestörten Genusse seines neugefundenen Glücks lassen möge. Doch er war nicht der Mann, der geschicktem und anhaltendem Drängen lange widerstehen konnte. Auch sagt man, daß er durch den nämlichen mächtigen Einfluß, der ihm seine Zurückgezogenheit so angenehm machte, überredet worden sei, dieselbe wieder aufzugeben. Lady Wentworth wollte ihn als König sehen. Ihre Einkünfte, ihre Juwelen und ihr Credit wurden ihm zur Verfügung gestellt, und obwohl Monmouth’s Verstand nicht überzeugt war, so hatte er doch nicht die Kraft, solchen Bitten zu widerstehen.

Schottische Flüchtlinge.

Die englischen Verbannten empfingen ihn mit großer Freude und erkannten ihn einhellig als ihr Oberhaupt an. Allein es gab noch eine andre Klasse von Emigranten, welche nicht gemeint waren, seinen Befehlen zu gehorchen. Regierungsfehler, wie der südliche Theil unsrer Insel sie nie gekannt, hatte viele Flüchtlinge, deren maßloser politischer und religiöser Eifer im Verhältniß zu den Bedrückungen stand, die sie erduldet, aus Schottland auf den Continent getrieben. Diese Männer aber hatten keine Lust, einem englischen Anführer zu folgen. Ihr engherziger Nationalstolz verleugnete sich selbst in Armuth und Verbannung nicht, und sie wollten es nicht zugeben, daß ihr Vaterland in ihrer Person zu einer Provinz erniedrigt würde.

Der Earl von Argyle.

Sie hatten einen eignen Anführer in ihren Reihen: Archibald, neunten Earl von Argyle, der als Oberhaupt des großen Stammes der Campbell bei der Bevölkerung der Hochlande unter dem stolzen Namen Mac Callum More bekannt war. Sein Vater, der Marquis von Argyle, war das Haupt der schottischen Covenanters gewesen, hatte viel zum Sturze Karl’s I. beigetragen, und die Royalisten waren der Meinung, daß er dieses Verbrechen dadurch noch nicht gesühnt habe, daß er seine Einwilligung dazu gab, Karl II. den leeren Königstitel und ein Staatsgefängniß in der Form eines Palastes zu gewähren. Nach der Rückkehr der königlichen Familie wurde der Marquis hingerichtet und sein Marquisat erlosch, aber sein Sohn erhielt die Erlaubniß, das alte Earlthum zu erben, und er gehörte so noch immer zu dem höchsten Adel Schottlands. Die politische Haltung des Earl während der zwanzig Jahre, welche auf die Restauration folgten, war, wie er später meinte, sündlich gemäßigt gewesen. Zwar hatte er in einigen Fällen der Regierung, unter deren Joch sein Vaterland seufzte, opponirt; aber sein Widerstand war schwach und vorsichtig gewesen. Seine Nachgiebigkeit in kirchlichen Dingen hatte strenge Presbyterianer verdrossen, und er war so weit entfernt gewesen, irgend eine Neigung zu gewaltsamem Widerstand zu zeigen, daß, als die Covenanters durch Verfolgung zum Aufstande getrieben wurden, er eine starke Truppe von Unterthanen ins Feld stellte, um die Regierung zu unterstützen.

Dies war seine politische Laufbahn gewesen, bis der Herzog von York, mit der ganzen Autorität eines Königs bekleidet, nach Edinburg kam. Der despotische Vicekönig überzeugte sich bald, daß er von Argyle keine ungetheilte Unterstützung zu erwarten hatte. Da der mächtigste Edelmann des Königreichs nicht gewonnen werden konnte, hielt man es für nöthig, ihn aus dem Wege zu räumen. Zu dem Ende wurde er auf Verdachtgründe hin, welche so unhaltbar waren, daß der Geist der Parteilichkeit und Chikane selbst sich ihrer schämte, wegen Hochverraths in Untersuchung gezogen, überführt und zum Tode verurtheilt. Die Anhänger der Stuarts versicherten später, man habe nie beabsichtigt, dieses Urtheil zu vollziehen, und die Anklage habe nur den Zweck gehabt, um ihn durch die Angst zur Abtretung seiner ausgedehnten Jurisdiction in den Hochlanden zu bewegen. Es läßt sich jetzt nicht mehr bestimmen, ob Jakob, wie seine Feinde argwöhnten, die Absicht hatte, einen Mord zu begehen, oder nur, wie seine Freunde behaupteten, durch die Androhung eines Mordes ein Zugeständniß zu erpressen. „Ich kenne das schottische Recht nicht“, sagte Halifax zum König Karl; „soviel aber weiß ich, daß wir hier in England aus Gründen wie die, auf welche hin Mylord Argyle verurtheilt worden ist, keinen Hund hängen würden.“

Argyle entkam verkleidet nach England und begab sich von da nach Friesland. In dieser entlegenen Provinz hatte sein Vater ein kleines Gut gekauft, das der Familie in bürgerlichen Unruhen als Zufluchtsort dienen sollte. Unter den Schotten hieß es, daß dieser Ankauf in Folge der Prophezeiung eines celtischen Sehers geschehen sei, dem die Offenbarung geworden, daß Mac Callum More dereinst von seinem alten Stammsitze in Inverary vertrieben werden würde. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß der kluge Marquis mehr durch die Zeichen der Zeit als durch die Visionen eines Propheten gewarnt wurde. In Friesland lebte Earl Archibald einige Zeit so ruhig, daß es nicht allgemein bekannt wurde, wohin er geflohen war. Er unterhielt an seinem Zufluchtsorte einen regelmäßigen Briefwechsel mit seinen Freunden in Großbritannien, nahm Theil an der Whigverschwörung und entwarf mit den Oberhäuptern dieser Verschwörung den Plan zu einem Einfall in Schottland. In Folge der Entdeckung des Ryehousecomplots gab er diesen Plan auf; nach der Erledigung der Krone aber wurde derselbe wieder ein Gegenstand seines Nachdenkens.

Während seines Aufenthalts auf dem Continent hatte er über religiöse Fragen mehr nachgedacht, als in den vergangenen Jahren seines Lebens. Dieses Nachdenken hatte in einer Beziehung verderblich auf seinen Geist eingewirkt. Seine Vorliebe für die synodalische Form der Kirchenverfassung stieg jetzt bis zur Bigotterie. Wenn er bedachte, wie lange er sich dem eingeführten Gottesdienste unterworfen hatte, ward er von Scham und Reue ergriffen und zeigte sich nur zu sehr geneigt, seine Abtrünnigkeit durch Gewaltschritte und Unduldsamkeit wieder gut zu machen. Bald fand er indeß Gelegenheit zu beweisen, daß seine Furcht vor einer höheren Macht und seine Liebe zu derselben ihn zu den furchtbarsten Kämpfen gestählt hatte, durch welche die menschliche Natur geprüft werden kann.

Für seine Leidensgefährten war sein Beistand vom höchsten Gewicht. Obgleich geächtet und geflüchtet, war er doch in gewissem Sinne noch der mächtigste Unterthan des britischen Reiches. An Reichthum stand er wahrscheinlich, selbst vor seiner Verurtheilung, nicht nur dem hohen englischen Adel, sondern auch manchem begüterten Squire von Kent und Norfolk nach. Aber sein patriarchalisches Ansehen, ein Ansehen, das kein Reichthum geben und keine Verurteilung entziehen konnte, machte ihn als Oberhaupt eines Aufstandes wahrhaft furchtbar. Kein südlicher Lord hätte darauf rechnen können, daß wenn er es wagen würde, sich der Regierung zu widersetzen, auch nur seine Wildhüter und Jäger treu zu ihm gestanden wären. Ein Earl von Bedford oder ein Earl von Devonshire konnte sich nicht anheischig machen, zehn Mann ins Feld zu stellen. Mac Callum More dagegen konnte, obgleich ohne Mittel und seines Earlthums beraubt, jeden Augenblick einen ernsten Bürgerkrieg hervorrufen. Er brauchte sich nur auf der Küste von Lorn zu zeigen und binnen wenigen Tagen hatte er eine Armee um sich versammelt. Die bewaffnete Macht, die er unter günstigen Verhältnissen ins Feld stellen konnte, belief sich auf fünftausend Streiter, die ihm unbedingt gehorchten, an den Gebrauch des Schildes und des breiten Schwertes gewöhnt waren, einen Kampf mit regulären Truppen selbst im offenen Felde nicht scheuten und solchen Truppen vielleicht in den Eigenschaften überlegen waren, welche zur Vertheidigung in Nebel gehüllter und von reißenden Gießbächen zerklüfteter rauher Gebirgspässe erforderlich sind. Was eine solche Macht bei umsichtiger Leitung selbst gegen kriegserfahrene Regimenter und geschickte Anführer auszurichten vermochte, das zeigte sich wenige Jahre später bei Killiecrankie.

Sir Patrick Hume und Sir Johann Cochrane.

So großen Anspruch aber auch Argyle auf das Vertrauen der verbannten Schotten hatte, gab es doch eine Partei unter ihnen, die ihn nicht mit wohlwollendem Auge betrachtete und sich nur seines Namens und seines Einflusses bedienen wollte, ohne ihn mit einer wirklichen Gewalt zu betrauen. Das Oberhaupt dieser Partei war ein Edelmann aus dem schottischen Niederlande, der in das Whigcomplot verwickelt gewesen und nur mit Mühe der Rache des Hofes entgangen war: Sir Patrick Hume, von Polwart in Berwickshire. Gegen seine Rechtschaffenheit sind starke Zweifel erhoben worden, aber ohne haltbaren Grund. Soviel kann man jedoch nicht in Abrede stellen, daß er seiner Sache durch Verkehrtheit eben so viel schadete, als es durch Verrath hätte geschehen können. Er war eben so unfähig zum Führen wie zum Folgen, eingebildet, streitsüchtig und launenhaft, ein endloser Schwätzer, zaghaft und langsam bei Unternehmungen gegen den Feind, und nur thätig gegen seine eigenen Verbündeten. Mit Hume eng verbunden war ein andrer schottischer Verbannter von hohem Ansehen, der viele von den nämlichen Fehlern hatte, wenn auch nicht in gleichem Grade: Sir Johann Cochrane, zweiter Sohn des Earl von Dundonald.

Fletcher von Saltoun.

Eine weit höhere Stufe gebührte Andreas Fletcher von Saltoun, einem Manne, der sich ebensowohl durch wissenschaftliche Bildung und Beredtsamkeit, als durch Muth, Uneigennützigkeit und Gemeinsinn auszeichnete, aber ein reizbares und unlenksames Temperament besaß. Gleich vielen seiner berühmtesten Zeitgenossen, wie Milton, Harrington, Marvel und Sidney, hatte auch ihm die schlechte Regierung mehrerer aufeinanderfolgenden Fürsten einen entschiedenen Widerwillen gegen die erbliche Monarchie eingeflößt. Jedoch war er kein Demokrat. Er war das Oberhaupt eines alten normännischen Hauses und stolz auf seine Abkunft, war ein feiner Redner und Schriftsteller und bildete sich auf seine geistige Überlegenheit etwas ein. Als Gentleman wie als Gelehrter blickte er mit Geringschätzung auf das gemeine Volk herab und war so wenig geneigt, demselben eine politische Macht anzuvertrauen, daß er es sogar unfähig für den Genuß der persönlichen Freiheit hielt. Merkwürdig ist der Umstand, daß dieser Mann, der rechtschaffenste, furchtloseste und unbeugsamste Republikaner seiner Zeit, der Urheber eines Planes war, welcher dahin zielte, einen großen Theil der arbeitenden Klassen Schottlands zu Sklaven zu machen. Er hatte große Ähnlichkeit mit jenen römischen Senatoren, die, während sie den Königstitel haßten, doch mit unbeugsamem Stolze ihre Standesvorrechte gegen die Eingriffe der Menge vertheidigten und ihre Sklaven und Sklavinnen durch Block und Peitsche regierten.

Amsterdam war der Ort, wo sich die schottischen und englischen Führer der Emigranten versammelten. Argyle kam aus Friesland, Monmouth aus Brabant dahin. Es zeigte sich sehr bald, daß die Flüchtlinge kaum etwas Andres gemein hatten als den Haß gegen Jakob und den ungeduldigen Drang, aus der Verbannung in die Heimath zurückzukehren. Die Schotten waren eifersüchtig auf die Engländer, die Engländer eifersüchtig auf die Schotten. Monmouth’s hohe Ansprüche verdrossen Argyle, der, stolz auf seinen alten Adel und auf seine legitime Abstammung von Königen, durchaus nicht geneigt war, dem Sprossen einer flüchtigen und unedlen Liebe zu huldigen.

Unverständiges Benehmen der schottischen Flüchtlinge.

Doch von allen Mißhelligkeiten, welche die kleine Schaar der Geächteten entzweiten, war die ernsthafteste das Zerwürfniß, welches zwischen Argyle und einem Theile seiner eigenen Begleiter ausbrach. Durch den lang andauernden Widerstand gegen die Tyrannei war der Geist und das Gemüth einiger der schottischen Verbannten in einen Zustand krankhafter Gereiztheit versetzt worden, der ihnen auch die vernünftigste und nothwendigste Beschränkung unerträglich machte. Sie wußten, daß sie ohne Argyle nichts vermochten. Aber sie hätten auch wissen sollen, daß sie, wenn sie nicht kopfüber ins Verderben stürzen wollten, entweder ihren Führer volles Vertrauen schenken, oder jedem Gedanken an ein militairisches Unternehmen entsagen mußten. Die Erfahrung hat zur Genüge bewiesen, daß im Kriege jede Operation, von der größten bis zur kleinsten, unter der unumschränkten Leitung Eines Geistes stehen und daß jeder ihm Untergeordnete in seiner Stellung blindlings und willig, ja sogar solchen Befehlen anscheinend freudig gehorchen muß, die er nicht gutheißen kann oder deren Beweggründe vor ihm geheimgehalten werden. Repräsentative Versammlungen, öffentliche Discussionen und alle die anderen Hemmungsmittel, durch welche die Herrscher in bürgerlichen Angelegenheiten am Mißbrauch der Gewalt verhindert werden, sind in einem Feldlager nicht angewandt. Macchiavell schrieb viele von den Unfällen, welche Venedig und Florenz trafen, mit Recht der eifersüchtigen Einmischung dieser Republiken in alle Schritte ihrer Generäle zu. Die holländische Sitte, zu einer Armee Abgeordnete zu senden, ohne deren Einwilligung kein entscheidender Schlag geführt werden durfte, war fast eben so verderblich. Allerdings ist es keineswegs ausgemacht, daß ein Anführer, der im Augenblicke der Gefahr mit dictatorischer Gewalt bekleidet worden ist, diese Gewalt nach errungenem Siege ruhig wieder niederlegt, und dies ist einer von den zahlreichen Gründen, warum die Menschen so lange als möglich zögern sollten, ehe sie sich entschließen, die öffentliche Freiheit mit dem Schwerte zu vertheidigen. Haben sie sich aber einmal entschlossen, das Kriegsglück zu versuchen, dann werden sie auch, wenn sie klug sind, ihrem Führer die unumschränkte Gewalt übertragen, ohne welche ein Krieg nicht gut geführt werden kann. Möglich daß er sich, nachdem sie ihm diese Gewalt anvertraut haben, als ein Cromwell oder ein Napoleon erweist; aber es ist so gut als gewiß, daß, wenn sie ihm seine Autorität vorenthalten, ihre Unternehmungen enden werden, wie die Unternehmung Argyle’s endete.

Einige von den schottischen Emigranten boten, erhitzt von republikanischer Begeisterung, und des zur Führung großer Angelegenheiten erforderlichen Geschicks gänzlich bar, ihre ganze Thätigkeit und ihren ganzen Scharfsinn auf, nicht um Mittel zu dem Angriffe zu sammeln, den sie gegen einen furchtbaren Feind beabsichtigten, sondern um Beschränkungen der Macht ihres Führers und Bürgschaften gegen seinen Ehrgeiz zu ersinnen. Die selbstgefällige Beschränktheit, mit der sie darauf beharrten, eine Armee so zu organisiren, wie eine Republik, würde unglaublich erscheinen, wäre sie nicht von einem der Ihrigen selbst offen und sogar rühmend geschildert worden.

Anstalten zu einem Unternehmen gegen England und Schottland.

Endlich wurde aller Zwist geschlichtet und beschlossen, daß unverweilt ein Angriff auf die Westküste Schottlands versucht werden und daß demselben eine Landung in England auf dem Fuße folgen sollte.

Argyle sollte in Schottland nominell das Commando führen, wurde aber der Controle eines Ausschusses untergeordnet, der sich die Anordnung der wichtigsten militairischen Maßregeln vorbehielt. Dieser Ausschuß war ermächtigt zu entscheiden, wo die Expedition landen sollte, Offiziere zu ernennen, die Oberaufsicht über die Truppenaushebungen zu führen und Proviant und Munition zu vertheilen. Dem General blieb somit weiter nichts überlassen als die Leitung der eigentlichen Kriegsoperationen im Felde, und er mußte versprechen, daß er selbst im Felde, außer bei unerwarteten Überfällen, nichts ohne die Zustimmung eines Kriegsrathes thun werde.

Monmouth sollte in England commandiren. Sein weiches Gemüth hatte, wie gewöhnlich, Eindrücke von der ihn umgebenden Gesellschaft angenommen. Ehrgeizige Hoffnungen, welche anscheinend erloschen gewesen waren, regten sich aufs neue in seiner Brust. Er erinnerte sich der Liebe, mit der er jederzeit in Stadt und Land von dem Volke begrüßt worden war, und er erwartete, daß sie sich zu Hunderttausenden erheben würden, um ihn willkommen zu heißen. Er gedachte der Zuneigung, welche die Soldaten stets für ihn gehegt hatten, und schmeichelte sich mit der Hoffnung, daß sie regimenterweise zu ihm übergehen würden. Ermuthigende Zuschriften kamen ihm in rascher Aufeinanderfolge von London zu. Man versicherte ihm, daß die Gewaltthätigkeit und Ungerechtigkeit, mit der bei den letzten Wahlen verfahren worden war, die Nation empört, daß nur die Besonnenheit der Whighäupter mit Mühe einen blutigen Aufstand am Krönungstage verhindert habe und daß alle die vornehmen Lords, welche die Ausschließungsbill unterstützt, es kaum erwarten könnten, sich um ihn zu schaaren. Wildman, der gern in Gleichnissen Verrath predigte, ließ ihm sagen, daß gerade vor zweihundert Jahren der Earl von Richmond mit einer Handvoll Leuten in England gelandet und wenige Tage später auf dem Felde von Bosworth mit dem von Richard’s Haupte genommenem Diademe gekrönt worden sei. Danvers unternahm es, die City aufzuwiegeln. Man machte den Herzog glauben, daß sobald er sein Banner aufgepflanzt, Bedfordshire, Buckinghamshire, Hampshire und Cheshire zu den Waffen greifen würden. In Folge dessen konnte er es nicht erwarten, das Unternehmen zu beginnen, vor dem er noch wenige Wochen vorher zurückgeschreckt war. Seine Landsleute legten ihm keine so unsinnigen Beschränkungen auf, wie die schottischen Emigranten sie ausgeklügelt hatten, man verlangte nichts weiter von ihm als das Versprechen, daß er den Königstitel nicht eher annehmen wolle, als bis seine Ansprüche dem Urtheile eines freien Parlaments unterbreitet worden seien.

Es ward beschlossen, daß zwei Engländer, Ayloffe und Rumbold, den Earl von Argyle nach Schottland begleiten und daß Fletcher mit Monmouth nach England gehen solle. Fletcher hatte dem Unternehmen von vornherein einen unglücklichen Ausgang prophezeit, aber sein ritterlicher Sinn gestattete ihm nicht, ein Wagstück abzulehnen, nach welchem seine Freunde begierig zu verlangen schienen. Als Grey die Äußerungen Wildman’s in Bezug auf Richmond und Richard beistimmend wiederholte, bemerkte der wohlbelesene und denkende Schotte sehr richtig, es sei ein großer Unterschied zwischen dem fünfzehnten und dem siebzehnten Jahrhundert. Richmond war des Beistandes von Baronen gewiß, deren Jeder ein Heer von Lehnsleuten ins Feld stellen konnte, und Richard hatte nicht ein einziges Regiment regulärer Soldaten.

Es gelang den Verbannten, theils aus eigenen Mitteln, theils durch Beiträge von Freunden in Holland eine für beide Expeditionen genügende Summe aufzubringen. Von London erhielten sie nur sehr wenig. Sie hatten von dort sechstausend Pfund erwartet; anstatt des Geldes aber kamen Entschuldigungen von Wildman, welche Allen, die nicht blind sein wollten, die Augen hätten öffnen sollen. Der Herzog deckte den Ausfall, indem er seine eigenen Juwelen und die der Lady Wentworth verpfändete. Es wurden Waffen, Munition und Proviant gekauft und mehrere in Amsterdam liegende Schiffe damit befrachtet .

Johann Locke.

Es ist merkwürdig, daß gerade der ausgezeichnetste und am gröblichsten beleidigte Mann unter den britischen Verbannten sich von allen diesen übereilten Beschlüssen fern hielt. Johann Locke haßte Tyrannei und Verfolgung als Philosoph, aber sein Verstand und sein Character bewahrten ihn vor der Heftigkeit eines Parteigänger. Er hatte mit Shaftesbury auf vertrautem Fuße gestanden und sich dadurch das Mißfallen des Hofes zugezogen. Locke war jedoch so klug und vorsichtig gewesen, daß es wenig genützt haben würde, wenn man ihn vor die damaligen Gerichte gestellt hätte, so verderbt und parteiisch diese auch waren. Nur in einem Punkte war er verwundbar. Er war Mitglied des Christchurch-Collegiums der Universität Oxford. Es ward beschlossen, von diesem berühmten Collegium den größten Mann zu vertreiben, dessen es sich je zu rühmen gehabt hatte. Dies war aber nicht leicht, denn Locke hatte sich in Oxford sorgfältig gehütet, irgendeine Meinung über die Tagespolitik zu äußern. Man hatte ihn mit Spionen umgeben. Doctoren der Theologie und Magister der Philosophie hatten sich nicht geschämt, den schimpflichsten aller Dienste zu leisten, den Mund eines Collegen zu bewachen, um etwaige Äußerungen zu seinem Verderben zu hinterbringen. Das Gespräch in der Halle war absichtlich auf verfängliche Themata gelenkt worden, wie auf die Ausschließungsbill und auf den Character des Earl von Shaftesbury, aber vergebens. Locke ließ sich weder ein unbesonnenes Wort entschlüpfen, noch verstellte er sich, sondern er beobachtete ein so beharrliches Schweigen und eine so gleichgültige Ruhe, daß die Werkzeuge der Gewalt zu ihrem Ärger gestehen mußten, nie habe ein Mann es verstanden, seine Zunge und seine Leidenschaften so vollkommen zu beherrschen. Als man sah, daß man mit Verrath nichts ausrichtete, brauchte man willkürliche Gewalt. Nachdem die Regierung es umsonst versucht hatte, Locke zu einem Fehler zu verleiten, beschloß sie, ihn ohne einen solchen zu bestrafen. Es kam Befehl von Whitehall, ihn seines Amtes zu entsetzen, und der Dechant und die Canonici beeilten sich, diesem Befehle nachzukommen.

Locke reiste zu seiner Erholung auf dem Continent, als er erfuhr, daß er ohne Untersuchung und selbst ohne Benachrichtigung seiner Heimath und seines Unterhalts beraubt worden sei. Die Ungerechtigkeit, mit der man gegen ihn verfahren war, würde es entschuldigt haben, wenn er zu gewaltsamen Mitteln gegriffen hätte, um sich Recht zu verschaffen. Aber persönlicher Groll konnte ihn nicht verblenden. Er erwartete nichts Gutes von den Plänen Derer, die sich in Amsterdam versammelt hatten, und er zog daher in aller Stille nach Utrecht, wo er sich mit der Abfassung seines berühmten Briefes über die Toleranz beschäftigte, während seine Unglücksgefährten auf ihr eignes Verderben hinarbeiteten.

Vergebliche Versuche, Argyle am Absegeln zu verhindern.

Die Gesandten waren berechtigt, dieses Vertrauen auszusprechen. Der Prinz von Oranien sowohl als die Generalstaaten wünschten damals sehnlichst, daß ihre Gastfreundschaft nicht zu Zwecken gemißbraucht werde, über welche die englische Regierung sich mit Recht beschweren könnte. Jakob hatte neuerdings eine Sprache geführt, welche der Hoffnung Raum gab, daß er sich nicht geduldig dem Einflusse Frankreichs unterwerfen werde. Es war daher wahrscheinlich, daß er sich zu einem engen Bündnisse mit den Vereinigten Provinzen und mit dem Hause Österreich bestimmen lassen werde, und man vermied deshalb im Haag mit ängstlicher Sorgfalt Alles, was irgend Anstoß bei ihm erregen konnte. Auch vereinigte sich bei dieser Gelegenheit Wilhelm’s eigenes Interesse mit dem Interesse seines Schwiegervaters.

Aber die Lage war von der Art, daß sie rasches und kräftiges Einschreiten erforderte, und die Natur der batavischen Institutionen machte ein solches Einschreiten fast unmöglich. Die Union von Utrecht, welche unter blutigen Revolutionskämpfen und zu dem Zwecke, den dringendsten Bedürfnissen zu genügen, flüchtig entworfen worden, war niemals in ruhiger Zeit sorgfältig revidirt und vervollständigt worden. Jede von den sieben Republiken, weiche diese Union mit einander verbunden hatte, besaß fast noch alle Souverainetätsrechte und behauptete diese Rechte beharrlich der Centralregierung gegenüber. Gleichwie die Bundesgewalt nicht die Mittel hatte, die Provinzialgewalten zu pünktlichem Gehorsam zu zwingen, so hatten auch diese nicht die Mittel, die Municipalbehörden zu pünktlichem Gehorsam zu zwingen. Holland allein enthielt achtzehn Städte, von denen jede in vieler Beziehung einen unabhängigen und keine Einmischung von Außen duldenden Staat bildete. Wenn die Behörden dieser Städte vom Haag einen Befehl erhielten, der ihnen nicht gefiel, so ignorirten sie denselben entweder ganz, oder kamen ihm doch nur langsam und zögernd nach. Bei einigen Stadträthen vermochte allerdings der Wille des Prinzen von Oranien Alles; unglücklicherweise aber war der Ort, wo sich die britischen Verbannten gesammelt hatten und wo ihre Schiffe ausgerüstet worden waren, das reiche und stark bevölkerte Amsterdam, und die Magistratsbeamten von Amsterdam waren die Oberhäupter der gegen die Bundesregierung und gegen das Haus Nassau feindlich gesinnten Partei. Die Marineverwaltung der Vereinigten Provinzen war in den Händen fünf verschiedener Admiralitätsbehörden; eine dieser Behörden hatte ihren Sitz in Amsterdam, wurde theilweis von der städtischen Behörde ernannt und scheint ganz von deren Geiste beseelt gewesen zu sein.

Alle Bemühungen der Bundesregierung, Jakob’s Wünsche zu erfüllen, wurden durch die Ausflüchte der Amsterdamer Beamten und durch die Fehlgriffe des Obersten Bevil Skelton, der eben als Gesandter Englands im Haag angekommen war, vereitelt. Skelton war zur Zeit der englischen Unruhen in Holland geboren und man hatte ihn daher als besonders geeignet für diesen Posten gehalten; allein er war weder für diese noch für irgend eine andre diplomatische Stellung befähigt. Leute, die einen Character gut zu beurtheilen verstanden, erklärten ihn für den seichtesten, unbeständigsten, leidenschaftlichsten, anmaßendsten und geschwätzigsten Menschen, den es geben könne. Er kümmerte sich nicht ernstlich um die Schritte der Flüchtlinge, als bis drei für die Expedition nach Schottland ausgerüstete Schiffe bereits glücklich aus der Zuydersee ausgelaufen, sämmtliche Waffen, Munition und Mundvorräthe an Bord gebracht waren und die Passagiere sich eingeschifft hatten. Anstatt sich nun, wie er hätte thun sollen, an die Generalstaaten zu wenden, welche dicht neben seiner Wohnung ihre Sitzungen hielten, schickte er einen Boten an den Magistrat von Amsterdam mit dem Ersuchen, die verdächtigen Schiffe nicht abfahren zu lassen. Der Magistrat von Amsterdam antwortete, daß der Eingang der Zuydersee außer dem Bereiche seiner Jurisdiction liege, und verwies ihn an die Bundesregierung. Es lag auf der Hand, daß dies eine bloße Ausflucht war und daß durchaus keine Schwierigkeiten gemacht worden wären, wenn man im Amsterdamer Stadthause den ernsten Willen gehabt hätte, Argyle am Absegeln zu verhindern. Jetzt wendete sich Skelton an die Generalstaaten. Sie zeigten sich vollkommen geneigt, seinem Ansuchen zu willfahren, und da die Zeit drängte, wichen sie von dem Verfahren ab, das sie sonst in ihrem Geschäftsgange zu beobachten pflegten. Noch denselben Tag, an welchem der Oberst sich an sie gewendet, wurde ein in genauer Übereinstimmung mit seinem Gesuch abgefaßter Befehl der Admiralität von Amsterdam zugefertigt. In diesem Befehle aber war in Folge unrichtiger Andeutungen von Seiten Skelton’s die Lage der Schiffe nicht genau bezeichnet. Es hieß darin, sie lägen im Texel, während sie sich bei Vlieland befanden. Die Admiralität von Amsterdam nahm diesen Fehler zum Vorwand, um nichts zu thun, und bevor er berichtigt werden konnte, waren die drei Schiffe abgesegelt.

Argyle’s Abreise von Holland.