Die Große Mauer in den Köpfen - Xuewu Gu - E-Book

Die Große Mauer in den Köpfen E-Book

Xuewu Gu

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Beschreibung

Weder China noch der Westen kann die Folgen der Globalisierung allein bewältigen. Doch noch ist keine Seite bereit, von der anderen zu lernen. Die Große Mauer in den Köpfen zu überwinden, ist aber weniger eine Frage des kulturellen Goodwill als der praktischen und politischen Vernunft, erklärt der in Deutschland lehrende Politologe Xuewu Gu. Gu geht es um ein Lernen, das in die Tiefen der Wertvorstellungen reicht. Unversöhnlich stehen sich bisher das westliche Primat des Individuums und das chinesische Primat des Kollektivs gegenüber. Beide Haltungen stoßen heute an ihre Grenzen: Nach China weht der süße Duft der individuellen Freiheit, während der Westen erkennt, dass nur eine Orientierung am Gemeinwohl den gesellschaftlichen Zusammenhalt sichern kann. Gu plädiert für einen Ausgleich im Sinne von Aristoteles und Konfuzius: zhong yong - die goldene Mitte erreichen, ohne seine Grundsätze aufzugeben.

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Veröffentlichungsjahr: 2014

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Meinen Kindern

Weilong Michael und Weiting Melanie

Vorwort

China hat alle europäischen Mächte und Japan innerhalb des ersten Jahrzehntes dieses Jahrhunderts überholt. Und in schon absehbarer Zukunft könnte es die Vereinigten Staaten als größte Volkswirtschaft der Welt ablösen.

Sein Aufstieg zur Großmacht beunruhigt den Westen, überrascht aber auch das Reich der Mitte selbst. Er zwingt die Menschen hier wie dort, über vieles nachzudenken: über die Ursachen dieser phänomenalen Machtverschiebung, über deren Bedeutung in den westlichen und chinesischen Gesellschaften, über deren globale Auswirkungen und über die Frage der Anpassungsfähigkeit beider Seiten an die neu entstandenen Strukturen der Weltwirtschaft und Weltpolitik.

Paradoxerweise verstärkt sich die systempolitische Entfremdung zwischen China und dem Westen umso mehr, je intensiver sich ihre wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verbindungen verdichten. Es ist schon erstaunlich, dass sich die Situation nach mehr als 500 Jahren des Austauschs zwischen China und dem Abendland nicht wesentlich geändert hat. Das Ausmaß der chinesisch-westlichen Entfremdung, wie es in der kontroversen Beurteilung der chinesischen Entwicklung in China auf der einen und im Westen auf der anderen Seite offenbar wird, erweckt den Eindruck, als wären sich China und der Westen noch nie begegnet. Nach wie vor sind China und das Abendland nicht nur geografisch und politisch, sondern auch kulturell, psychologisch, materiell wie ideell, ja sogar mental unendlich weit voneinander entfernt.

So ist beispielsweise der Westen gar nicht begeistert von der Art und Weise, wie China seinen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernisierungsprozess politisch organisiert und vorantreibt; China hingegen ist permanent empört über die Art und Weise, wie der Westen es belehrt, seine Modernisierungshausaufgaben besser zu machen. Flankiert wird die unübersehbare politische Entfremdung durch weltanschauliches Auseinanderdriften, machtpolitische Rivalitäten und geoökonomischen Wettbewerb. Dabei wissen beide Seiten nur zu gut, dass sie schon längst im gleichen Boot sitzen – als eine »Schicksalsgemeinschaft« in der globalisierten Welt.

Woher rührt diese Entfremdung? Kann man sie durch gegenseitiges Lernen abbauen? Noch gibt es keinen philosophisch fundierten und politisch praktizierbaren Lernansatz, zumal keinen, der sich davon distanziert, dem »China-Phänomen« mit einem oberflächlichen Alarmismus oder mit grundlosem Optimismus zu begegnen.

Noch immer stehen plausible Antworten auf die Fragen nach der Notwendigkeit und Schwierigkeit, nach dem Sinn und Zweck sowie nach möglichen Wegen für ein gegenseitiges Lernen zwischen China und dem Westen aus. Der vorliegende Essay wagt sich daher an systematische Überlegungen zu den grundlegenden Fragen, um den Antworten mit quasi experimentellen Analysen zumindest ein Stück weit näher zu kommen.

Bonn-Bad Godesberg, im März 2014

Xuewu Gu

Kapitel 1: Bedeutet Chinas Aufstieg den Niedergang des Westens?

Die weltweit anerkannten Chinaexperten der Vereinigten Staaten David Shambaugh und Stefan Halper repräsentieren die beiden unterschiedlichen westlich-intellektuellen Reaktionen auf die Machtvergrößerung der Volksrepublik China. Während Shambaugh China als »einseitige« beziehungsweise »unvollständige Macht« betrachtet, sieht Halper in Chinas autoritärem Modell das Potenzial, das 21.Jahrhundert zu beherrschen. Ihm folgt der ZEIT-Reporter Matthias Naß mit den Worten: »So wie die Globalisierung die Welt schrumpfen lässt, so lässt China den Westen schrumpfen– indem es still und leise die Ausbreitung westlicher Werte begrenzt.«1 Letztere sind überzeugt vom definitiven Niedergang des Westens und einer Ablösung der Supermacht USA durch die Volksrepublik China. Entsprechend wird auch in deutschen Leitmedien die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von China räsoniert und deren Verschuldungshöchststände den welthöchsten Währungsreserven der Volksrepublik gegenübergestellt.

Die Ansicht, Europa sei als genuiner Bestandteil des Westens im Abstiegsprozess der USA inbegriffen, gehört zu dieser weitverbreiteten Niedergangsstimmung. Auch für Eberhard Sandschneider ist der »Abstieg Europas« bereits eine Tatsache. Nun komme es darauf an, wie dieser Abstieg erfolgreich zu managen sei.2 Für ihn startete das 21.Jahrhundert mit einem langen »Jahrzehnt des Schreckens für den Westen«3. Seine Liste der Schrecken, die allesamt den Abstieg des Westens unter der Führung der Vereinigten Staaten beschleunigt hätten, beginnt mit der Dotcom-Blase und endet mit der schweren Weltwirtschaftskrise– dazwischen die blutigen Kriege im Irak und in Afghanistan ebenso wie die Terroranschläge in New York, Bali, London, Madrid, Moskau und Mumbai.4

Dagegen räumt Sandschneider nüchtern ein, dass der Aufstieg neuer Mächte ein völlig normales Phänomen der Weltpolitik sei: »Katastrophen entstehen nur dann, wenn die alten Mächte nicht bereit sind, friedlich und konstruktiv Platz zu machen und auch für sich eine neue Rolle jenseits der alten Dominanz zu finden.«5 Daher soll die »eigentliche Aufgabe des Westens zu Beginn dieses Jahrtausends« nicht darin bestehen, »den eigenen Machtanspruch zu sichern oder gar den Aufstieg weiter zu betreiben, sondern den eigenen Abstieg so zu bewerkstelligen, dass ein neues globales Gleichgewicht zum Nutzen aller entstehen kann«. In diesem Sinne lautet die Empfehlung Sandschneiders: »Heute Macht abgeben, um morgen zu gewinnen.«

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