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Bei meinen Recherchen zu historischen Kriminalfällen fallen mir hin und wieder Kuriositäten in die Hände, die ich stetig gesammelt und zusammengestellt habe. In dieser Auswahl sollen verschiedene historische und unterhaltsame Skurrilitäten aus der Vergessenheit geholt werden. Man staunt immer wieder, wie oft Gesetzesbrecher durch ihre eigene Dummheit, ihre Selbstverliebtheit, ihre Maßlosigkeit an Gier sich zu bereichern, oder sehr oft nur aus purem Geiz, manchmal aber auch aus der Not heraus, sich selber ein Bein stellen und sich somit, im wahrsten Sinne des Wortes, eigenhändig die Schlinge um den Hals legen. Sehr oft spielt auch die Lust, anderen Menschen - gelegentlich auch dem Staat oder seinen Institutionen - Schaden zuzufügen, eine Rolle. Viele Straftaten wären unaufgeklärt geblieben und zahlreiche Übeltäter - ihrer Geistlosigkeit und Einfältigkeit sei Dank - hätte man ansonsten nie zu fassen bekommen. Was für ein Glück für die Polizei ...
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Seitenzahl: 166
Veröffentlichungsjahr: 2025
Die grotesken Aktivitäten
der „feinen Gesellschaft“
Aus der Sammlung „ Kuriose Kriminalfälle“
„Wie Gesetzesbrecher sich selber erledigen.“
(Teil 1)
Allgemeines Vorwort:
Lieber Leser,
bei dieser E-Book-Reihe habe ich mich mal für eine völlig andere Richtung entschieden, und zwar die komische Seite der Kriminalität. Diese Gelegenheit möchte ich nutzen, um Ihnen Kuriositäten aus der Kriminalgeschichte aufzeigen, wie sie ab und an in verschiedensten Tageszeitungen auftauchen. Das nachfolgende Vorwort gibt Ihnen dazu die nötige Einführung.
Vorwort:
Bei meinen Recherchen zu historischen Kriminalfällen fallen mir hin und wieder Kuriositäten in die Hände, die ich stetig gesammelt und zusammengestellt habe. In dieser Auswahl sollen verschiedene historische und unterhaltsame Skurrilitäten aus der Vergessenheit geholt werden. Man staunt immer wieder, wie oft Gesetzesbrecher durch ihre eigene Dummheit, ihre Selbstverliebtheit, ihre Maßlosigkeit an Gier sich zu bereichern, oder sehr oft nur aus purem Geiz, manchmal aber auch aus der Not heraus, sich selber ein Bein stellen und sich somit, im wahrsten Sinne des Wortes, eigenhändig die Schlinge um den Hals legen. Sehr oft spielt auch die Lust, anderen Menschen - gelegentlich auch dem Staat oder seinen Institutionen - Schaden zuzufügen, eine Rolle.
Viele Straftaten wären unaufgeklärt geblieben und zahlreiche Übeltäter - ihrer Geistlosigkeit und Einfältigkeit sei Dank - hätte man ansonsten nie zu fassen bekommen. Was für ein Glück für die Polizei ...
Teilweise kann man über die Abartigkeit der jeweiligen Tatmotive nur noch den Kopf schütteln. Einige Fälle sind an Dreistigkeit und Frechheit kaum noch zu überbieten, doch manchmal bleibt einem auch das Lachen im Halse stecken. Die komplette Sammlung wurde durchweg in den jeweiligen Originaltexten übernommen. Dadurch ist auch die Einmaligkeit in der Wiedergabe, der oft sehr süffisant-spitzzüngig oder ironisch-verschmitzt niedergeschriebenen Artikel aus der damaligen Zeit, erhalten geblieben. Denn auch schon zu damaligen Zeiten wusste man seine Leser bestens zu unterhalten… Meistens mit einem hinweisenden Augenzwinkern auf die menschlichen Schwächen.
In dieser Zusammenstellung wurden lediglich einige kleine Fehler aus den Zeitungstexten verbessert und gelegentlich eine Anmerkung im Anschluss zugefügt. Aber lesen Sie diese wahllose Zusammenstellung und urteilen Sie selbst… Ich wünsche Ihnen jedenfalls viel Vergnügen.
Anna Marie Bartho
Ist Armut die Mutter der Verbrechen,
dann ist Mangel an Verstand ihr Vater.
Jean de La Bruyère
(1645 - 1696), bedeutender Vertreter der französischen Moralisten und Aphoristiker.
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Inhaltsverzeichnis:
1. Der Delinquent, der dem Henker gefährlich wird.
2. Henkersmahlzeit – Hochzeitsmahl.
3. Sonderbare Diebe (1).
4. Sonderbare Diebe (2).
5. Sonderbare Diebe (3).
6. Der Mann mit 50 Bräuten.
7. Der Mann mit den elf Bräuten.
8. Für 1,50 Mark unsichtbar.
9. Nacktkultur schädigt die Arbeitslust - der anderen.
10. Tragisches Los.
11. Eine Tote steht auf.
12. Der Kassenschränker als Liebling der Polizei.
13. Eine Kirchturmspitze gestohlenen.
14. Der Strafgefangene i. V.
15. Die unternehmungslustige Greisin.
16. Der etwas andere Fleischeinkauf.
17. Um Hilfe rufende Diebe.
18. Die Lasterhöhle der Frau Professor.
19. Die Auswahl: „Messer oder Strick“?
20. Seltsames Ergebnis einer Diebstahlsaffäre.
21. Ein irrsinniges Ehepaar verschanzt sich.
22. Die lustige Witwe und der Landonkel.
23. Das Hemd als Bankdepot.
24. Der Hochzeitsschatz an der Kirchenmauer.
25. „Das Wunder von Kürtös“.
26. Freche Gauner.
27. Ein Schwiegervater als Schwiegermutter.
28. Ein fideles Gefängnis.
29. Der Haftentlassungstrick.
30. Das „Begräbnis“ seiner lebenden Schwester.
31. Über Nacht zum Millionär.
32. Gräfin Wartensleben zu 66.000 Mark Geldstrafe verurteilt.
33. Der Fall Hackbusch.
34. Ein schwerer Junge verhaftet.
35. Eine Nacht unter Irren.
36. Die billigen Eisbeine.
37. Verhafteter Bettelschwindler.
38. Der zehnmalgescheite Meisterschmuggler in der Falle.
39. Den Liebhaber zwei Jahre lang gefangen gehalten.
40. Die missglückte Zuckerschiebung.
41. Die Morphinistin mit dem Jagdschein.
42. Sie werden nicht klug.
43. Ein Warenlager als Indizienbeweis.
44. Die Abenteuer des Zopfabschneiders.
45. „Tante Lieschen.“
46. Frische Hörnchen.
47. Die „Direktors“ - Gattin in Verlegenheit.
48. Vom Tode auferstanden.
49. Erpressung an der Mutter.
50. Das Geheimnis der Zelle Nummer 7.
51. Der entlarvte Salonlöwe.
52. Wenn man im Kaffeehaus schnarcht.
53. Der alte Bettler.
54. Der Riesenschatz des Bettlers.
55. Bettlers Glanztag.
56. Ein bettelnder Hausbesitzer.
57. „Mit dem Pfeil, dem Bogen…!“ - Der 82-jährige Scharfschütze.
58. Ehebruch mit der Schwiegermutter.
59. Ein Millionär, der nicht lesen und schreiben kann.
60. Verwegener Heiratsbetrug mit Hilfe eines Ärztemantels.
61. Der Hausgehilfinnen - Trost sitzt wieder!
62. Eine sonderbare Trauung.
63. Poldl unter der haute vole‘e.
64. Beim Schmuggel mit 40 kg Seidenstrümpfen ertappt.
65. Der Hüterbub als Falschmünzer.
66. Schreckliche Unvorsichtigkeit.
67. Verhaftung eines „Wunderdoktors“.
68. Um den Vater zu ärgern.
69. Wo Frauen neugierig sind.
70. Vier Jahre lang als Dienstmädchen verkleidet.
71. Ein Irrsinniger „enterbt“ seine Frau.
72. Ein Drama vor 25 Jahren.
73. Wenn Häftlinge Rummy spielen.
74. Im Hotel „Zum Zuchthaus“.
75. Heiratsschwindler und Heimwehrorganisator.
76. Eine Heiratsschwindlerin und ihre siebenhundert Opfer.
77. Kettenhandel mit Zement.
78. Wozu die Polizei Zeit hat.
79. Ein sechsjähriger Mörder.
80. Der lebende Leichnam.
81. Ein Irrsinniger will einen Eisenbahnzug zur Entgleisung bringen.
82. „Ich lehne das ganze Gericht ab“.
83. Rudolf Balauch, der originelle Betrüger.
84. Dr. Witzhoff, der Mann mit den dreißig Frauen.
85. Die Bettlerin vor den Kirchentüren.
86. Alfred Swoboda, der notorische Heiratsschwindler.
87. Lisa Maria Mayer und ihr großes Berliner Krawallkonzert.
88. Anton Dobrohruschka, der Feind des Finanzministers.
89. Florian Huber und sein Studium an der „Diebsakademie“.
90. Ferrucio Chebat, der Spezialist im Entwischen.
91. Boris Toltschew, der Mann der um seinen Leichnam kämpft.
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1.) Der Delinquent, der dem Henker gefährlich wird. Ein seltsamer Prozess vor den Warschauer Gerichten. Die Warschauer Gerichte beschäftigen sich zurzeit mit einem Prozess, den der offizielle polnische Henker gegen den Staat führt. Die Vorgeschichte des Prozesses ist interessant genug, um hier wiedergegeben zu werden: Vor kurzem sollte ein zum Tode Verurteilter hingerichtet werden. Der Henker hatte den Galgen errichtet und harrte des Delinquenten, um seines Amtes zu walten. Als dieser endlich erschien, wartete er keineswegs darauf, dass ihm der Scharfrichter in der üblichen Weise den Strick um den Hals legte, um ihn zu exekutieren, sondern er stürzte sich selbst auf den überraschten Scharfrichter, um ihn an seiner Statt zu hängen.
Bei dem sich entwickelnden Handgemenge, in dessen Verlauf es dem Delinquenten gelang sich zu befreien und schleunigst aus dem Staub zu machen - er konnte bis heute noch nicht wieder gefasst werden - , wurde der Scharfrichter so schwer verletzt, dass er einem Krankenhaus zugeführt werden musste. Er erlangte erst nach drei Tagen das Bewusstsein zurück. Auch nach seiner völligen Wiederherstellung wurde er nicht wieder „voll berufsfähig“, sondern er musste sich pensionieren lassen. Seine Klage gegen den polnischen Staat geht jetzt dahin, dass der Staat für die ausreichende Bewachung der Delinquenten verantwortlich sei. Demzufolge müsse er ihm für den durch den Zwischenfall bei der misslungenen Hinrichtung erlittenen Schaden - vorzeitige Pensionierung - haften.
Bei dem eingeklagten Betrag handelt es sich um etwa 150.000 Mark.
Neuigkeit-Welt-Blatt - (19321213)
2.) Henkersmahlzeit - Hochzeitsmahl.
Zehn Minuten vor der Hinrichtung getraut.
Aus Warschau wird berichtet: Einer der gefährlichsten Banditen Polens, Gregor Wiekowski, wurde jetzt dem Henker überliefert.
Dabei hat sich ein in der Kriminalgeschichte vereinzelt dastehender Fall ereignet. Am Morgen der Hinrichtung äußerte der Bandit seinen letzten Wunsch und erklärte, dass er seine langjährige Lebensgefährtin, mit der er ein zweijähriges Kind habe, heiraten möchte.
Dem Brauch der Erfüllung des letzten Wunsches eines Todeskandidaten entsprechend, wurde daraufhin von der Gefängnisverwaltung die Abhaltung der Heiratszeremonie angeordnet. Die Lebensgefährtin des Verurteilten wurde herbeigeholt und die blonde, an allen Gliedern zitternde Frau, erklärte sich damit einverstanden, die Gattin eines Mannes zu werden, dessen Kopf in wenigen Minuten vom Rumpf getrennt werden sollte.
Die Trauung wurde rasch vom Gefängnisgeistlichen vollzogen und nachher erklärte die Frau: „Für mein Kind wäre es besser gewesen, dass es nie erfahren hätte, wer sein Vater gewesen ist und welche Schande er über seine Frau gebracht hat. Aber ich habe nicht die Kraft gehabt, Gregor diesen Wunsch zu versagen. Ich vergebe ihm alles!“ Zehn Minuten nach seiner Trauung fiel der Kopf Wiekowskis unter dem Beil des Henkers.
IKZ - (19380311)
3.) Sonderbare Diebe (1).
Gewehre als Heiratsgut.
In der Nacht zum 3. Februar hatte der Wehrmann Johann Hermann, noch nicht ganz 20 Jahre alt, im Radfahrerbataillon Nr. 4 in der Trostgasse Ganginspektionsdienst. Am nächsten Morgen fehlten sechs Karabiner.
Wie sich später herausstellte, hatte Hermann, ein hochgewachsener Mensch, im Laufe der Nacht dreimal je zwei Karabiner zu seiner Geliebten, der 26-jährigen Anna Z., hinausgetragen. Sie sollten, wie Hermann angab, dass Heiratsgut sein, das er in die Ehe mitbrachte. Anna fühlte sich nämlich schon als Mutter und sie wollten bald heiraten.
Die Gewehre wurden später in der Wohnung der Eltern der Anna gefunden. Ihr Wert wurde in der gestrigen Verhandlung vor dem Einzelrichter Doktor Kubesch mit zusammen vier bis sechs Millionen angegeben.
Hermann wurde zu sieben Monaten schweren Kerkers, Anna Z. zu zwei Monaten strengen Arrests bedingt verurteilt.
Neues 8 Uhr Blatt - (19230228)
4.) Sonderbare Diebe (2).
Mit dem gestohlenen Pelz auf dem Blitzableiter.
Ein kleiner verwachsener Mensch, der 22-jährige Hilfsarbeiter Alois Hofstädter, ist schon wiederholt wegen Bodeneinbrüchen abgestraft und hat seiner Mutter Rosalie, die sich als Bedienerin fortbringen muss, oft übel mitgespielt, indem er insbesondere seine Diebereien in Wohnungen beging, wo sie bedienstete war. Am 2. Jänner dieses Jahres wurden die Passanten am „Tiefen Graben“ durch einen merkwürdigen Anblick überrascht. Sie sahen nämlich in den Vormittagsstunden ein Männchen den Blitzableiter des Hauses Nr. 10 hinaufklettern. Man verständigte die Polizei, da man gleich vermutete, es handle sich um einen Einbrecher, und fand Alois Hofstädter, der einen „Besuch“ bei dem im selben Hause wohnenden Kaufmann Oskar Weinstein gemacht hatte, in einem Klosett versteckt. Nicht ohne Humor ist es, dass Hofstädter diesen Geschäftsmann schon zweimal vorher bestohlen hatte, und dass an eben diesem Vormittag gegen ihn die Hauptverhandlung wegen des letzten Diebstahls stattfinden sollte. Aber anstatt auf der Anklagebank, saß Hofstädter auf dem Blitzableiter, während der Privatbeteiligte geduldig im Gerichtskorridor wartete und Hofstädter seinen Pelz entführte. Mit diesem Pelz belastet, kletterte Hofstädter über den Blitzableiter und wurde so dingfest gemacht. In der gestrigen Verhandlung unter dem Vorsitz des Hofrates Wüstinger wurde der Angeklagte zu achtzehn Monaten schweren Kerkers verurteilt, wobei seine Eignung zur Abgabe in eine Zwangsarbeitsanstalt ausgesprochen worden ist.
Neues 8 Uhr Blatt - (19230228)
5.) Sonderbare Diebe (3)
Die Schatzkammer einer Bettlerin.
Im Juni des Jahres erstattete die Altersrentnerin Cäcilie Ablinger bei der Polizei eine Anzeige, dass bei ihr verschiedene Gegenstände gestohlen worden seien. Den Kriminalbeamten kam die Geschichte schon von allem Anfang an mysteriös vor und es wurde daher bei der Anzeigerin, die als arme Frau bekannt war, eine Hausdurchsuchung vorgenommen. Dabei fand man 100 Paar Schuhe, einen ganzen Lastwagen voll Kleider, Möbel und verschiedene Gebrauchsgegenstände, sowie drei Sparkassenbücher, die auf 20.000 Schilling lauteten. In einem besonderen Versteck standen sieben Koffer mit wertvollen Gegenständen aus dem Besitz eines verstorbenen Aristokraten, darunter Geschirr mit dem Familienwappen. Frau Ablinger erzählte, dass das Geschenke wohltätiger Leute seien. Die Erhebungen ergaben freilich, dass die Eigentümer dieser Dinge nichts von den Geschenken an Frau Ablinger wussten. Die Frau war als Bettlerin bekannt. Sie schlich sich mit Vorliebe in Familien von Aristokraten und hoch angestellten Beamten, manchmal auch in Pfarrhöfe ein. Sie erklärte immer, dass sie sich nichts schenken lasse, sondern, dass sie sich die Almosen gewissermaßen durch Arbeit verdienen werde. So wurde sie für kleinere Hilfsarbeiten verwendet und sie benahm sich dabei so zurückhaltend und bescheiden, dass man ihr bald das größte Vertrauen schenkte. Die Gelegenheiten, die sich ihr dann boten, benützte sie, um alles Mögliche zu stehlen. Merkten die Bestohlenen das Fehlen manches Gegenstandes, so verstand es Frau Ablinger geschickt, den Verdacht auf andere Hausgenossen abzulenken. Wenn sie aber die Diebstähle zugeben musste, dann versprach sie Besserung. Die Bestohlenen glaubten ihren Versicherungen und erstatteten aus Mitleid keine Anzeige. Die raffinierte Frau ist nun durch ihre eigene Diebstahlanzeige ins Netz gegangen. Cäcilie Ablinger wurde des Gewohnheitsdiebstahls schuldig erkannt und zu einem Jahr schweren, verschärften Kerkers verurteilt.
Das Kleine Blatt - (19371127)
6.) Der Mann mit 50 Bräuten.
Verhaftung eines Heiratsschwindlers.
Als Arzt oder Pfleger im Virchow-Krankenhause trat ein Heiratsschwindler auf, der nach den bisherigen Feststellungen binnen einigen Wochen 50 Witwen und Mädchen bestohlen hat. Unter dem Namen Weber oder Menzel erließ er in hiesigen Zeitungen ein Heiratsinserat, nach dem ein Mann in mittleren Jahren die Bekanntschaft einer Witwe mit einem Kinde, womöglich mit einer größeren Tochter, oder auch ein junges Mädchen zur Frau suchte. Er erhielt viele Angebote. Auf schriftlichen Verkehr ließ sich der angebliche Arzt oder Pfleger nicht weiter ein.
Der Mann hatte ein so einschmeichelndes Wesen, dass die Bewerberinnen sofort Vertrauen zu ihm fassten und ahnungslos seinen Besuch annahmen. Dabei wusste er es in der Regel so einzurichten, dass er den letzten Straßenbahnwagen versäumte und wohl oder übel über Nacht bleiben musste, weil er angeblich am entgegengesetzten Ende der Stadt wohnte und so weit nicht zu Fuß gehen könnte. So verschaffte er sich Gelegenheit, auszukundschaften, wo die Wert- und Schmucksachen lagen, und steckte sie heimlich ein. Frühmorgens erbot er sich, vom Bäcker frische Semmeln zu holen und verschwand mit der Beute. Bisher hatte er sich nicht getraut, die Briefe der Bewerberinnen selbst vom Postamt abzuholen. Gestern aber erschien er persönlich, um neue Eingänge in Empfang zu nehmen. Jetzt wurde er festgenommen und als ein 41 Jahre alter Friseur Wilhelm Wohlfahrt entlarvt, der sich ohne feste Wohnung bald in Berlin, bald in irgendeinem Vorort aufhielt.
Bei ihm fand man noch viele Briefe von heiratslustigen Witwen und Mädchen, auch einen Gepäckschein vom Schlesischen Bahnhof. Hier hatte er einen Reisekorb in Verwahrung gegeben, indem er seine Beutestücke zunächst verschwinden ließ, um sie später zu Geld zu machen. Der Korb enthielt noch allerlei gestohlene Wertsachen, goldene Ringe, Uhren, Ketten, Stickereien usw.
Wie viele Mädchen und Witwen der Verhaftete bestohlen hat, weiß er selbst nicht mehr. 50 wurden bereits festgestellt.
Berliner Volkszeitung - (19230301)
7.) Der Mann mit den elf Bräuten.
Der „Vermögende“ mit der bevorstehenden Erbschaft. “Älteres Fräulein, tüchtige Hausfrau, mit kleinen Ersparnissen, sucht passenden Lebensgefährten, auch Witwer, mit gutem Herzen und etwas Vermögen“. Unter „Womöglich mit eingerichteter Wohnung“.
So oder ähnlich lautet der Stoßseufzer vieler einsamer Frauen, den sie in der nimmermüden Hoffnung auf eine bessere Zukunft in Form einer Zeitungsannonce in die Welt hinaussenden.
Pünktlich erscheint dann der vom Schicksal Auserkorene, stellt sich als wohlbestallter Beamter oder Werkmeister vor und erzählt von seinem guten Einkommen oder einer bevorstehenden Erbschaft. Nach wenigen Tagen befindet er sich zufällig in Geldverlegenheit, worauf ihm die vom kommenden Glück träumende Eheanwärterin bereitwilligst aushilft. Damit ist der Traum gewöhnlich zu Ende, der „passende Lebensgefährte“ ist weg.
Mit einem gefährlichen Schwindler dieser Art hatte sich gestern ein Schöffensenat unter Vorsitz des OLGR. Doktor Kahler zu befassen. Die durch Staatsanwalt Dr. Lindermann vertretene Anklage gegen den 39-jährigen arbeitslosen Kutscher Franz Schuster nennt eine ganze Reihe von Frauen, die den Betrügereien des Angeklagten zum Opfer gefallen sind. Schuster ist wegen verschiedener Heiratsschwindeleien bereits wiederholt vorbestraft und hat seine letzte, vierzehnmonatige Kerkerstrafe erst im vorigen Sommer verbüßt. Trotzdem warf er sich kurz nach seiner Freilassung wieder eifrig auf den Heiratsschwindel. Besonders tüchtig erwies sich der Betrüger in den letzten Monaten seiner Tätigkeit, innerhalb welcher kurzen Zeit er nicht weniger als elf Frauenbekanntschaften in betrügerischer Absicht einging. Der verwitweten Bedienerin Karoline Fernmüller stellte sich Schuster als Werkmeister vor und macht ihr einen Heiratsantrag. Nach wenigen Tagen kam er auf seine geliebte Frau zu sprechen, die angeblich anlässlich der Juli-Demonstrationen ums Leben gekommen war und erzählte, wie er durch die Kosten für das Leichenbegängnis derart in Schulden gekommen ist, dass er seinen ganzen Schmuck versetzen musste. Die gutgläubige Bedienerin lieh dem Schwergeprüften 200 Schilling, worauf Schuster auf Nimmerwiedersehen verschwand.
Dann machte sich der Betrüger an die Kaffeehausköchin Anna Leeb heran. Diesmal gab er sich für eine Monteur aus, der sich von seiner Frau hatte scheiden lassen. Er trat als ernstlicher Bewerber auf, berichtete nach einigen Tagen, dass er bereits die Möbel gekauft habe und wies als Beweis dafür, einen sich auf 1500 Schilling belaufenden Posterlagschein vor. Im Laufe der nächsten zwei Wochen borgte er sich von der Angebeteten erst 30, dann 40 und schließlich 100 Schilling aus, für die er angeblich noch das Küchengeschirr kaufen wollte. Die betrogene Köchin wartet seither vergeblich auf ihren Freier.
Das nächste Opfer war die Hilfsarbeiterin Marie Hannes. Vor ihr gab er sich als städtischer Obermonteur mit 600 Schilling Monatseinkommen und einem Vermögen von 7000 Schilling aus, der außerdem noch einen Verkaufsstand am Naschmarkt besitzt. Er setzte die Hochzeit fest und begab sich mit seiner Braut zu einem ihrer Bekannten, den er bat, bei der Feier als „Beistand“ mitzuwirken. Diesmal trug Schuster das ganze Manöver bloß wenige Schilling ein.
Der Hausgehilfin Anna Fenz machte Schuster ebenfalls einen Heiratsantrag, fuhr mit ihr zu ihren Eltern nach Obernalb bei Retz und ließ sich dort neun Tage lang aushalten. Die entzückten Leute schlachteten dem Bräutigam zu Ehren ein Schwein und ließen ihm nichts abgehen. Das war auch ganz begreiflich, denn der künftige Schwiegersohn hatte erzählt, dass auf dem Pratergasthaus seiner verstorbenen Frau 50.000 Schilling für ihn sichergestellt sind, von denen er den Eltern der Fenz einen Teil für den Umbau ihres Hauses vorstrecken wollte. Dem Vater versprach er außerdem noch ein Pferd, das er von Wien holen wollte. Die Hin- und Rückfahrt hatte das Mädchen inzwischen vorgestreckt, aber der Liebhaber kam weder mit dem Pferd noch zu Fuß wieder. Der geschiedenen Bedienerin Theresia Schleglhofer machte Schuster vor, dass er eine Wohnung und ein Milchgeschäft kaufen wolle, damit sie eine gesicherte Zukunft haben. Die Bedauernswerte lieh ihm daraufhin 800 Schilling. Nach drei Tagen rief sie der Brautwerber telefonisch an und berichtete ihr, dass er einen Unfall erlitten hat und im Spital der Barmherzigen Brüder liege. Dort habe er sofort 100 Schilling zu erlegen, sei aber augenblicklich nicht in der Lage, sich das Geld zu beschaffen. Die brave Bedienerin lieh auch diesen Betrag her. Das war das letzte, was sie von ihrem verletzten Liebling erfuhr.
Die nächste Braut war die Hilfsarbeiterin Helene Kronawetter. Wieder ließ sich Schuster den Eltern vorstellen und führte abermals einen Schwindel auf. Dass das Geld, das er dem fleißigen Mädchen herausgelockt hatte, ihr gesamter Wochenlohn war, bekümmerte den hilfsbereiten Menschenfreund wenig. Der Betrüger ließ sich nun zum Turbinenmonteur mit 800 Schilling Monatsgehalt avancieren und fand in dieser Rolle das Vertrauen der Hilfsarbeiterin Hedwig Herf. Auch hier hatte er angeblich schon die Heiratsausstattung besorgt, stellte sich dem Vater des Mädchens vor und verschwand, nachdem er Geld herausgelockt hatte. Damit schien aber für Schuster eine wenig günstigere Zeit angebrochen zu sein. Verschiedene Frauen, die er aufgrund von Heiratsannoncen aufsuchte, schöpften, infolge seiner Großrednerei Verdacht und seine Bemühungen, ihnen Geld zu entlocken, blieben erfolglos. Er verlegte sich auf andere Betrügereien, wurde aber angezeigt und verhaftet. Damit fand das Wirken des heiratslustigen Kutschers ein Ende und es blieb nur der vorbestrafte arbeitslose Kutscher Schuster, dessen bedauernswerte Gattin, eine brave Hausbesorgerin, sich durch ehrliche Arbeit fortbringt und sich überdies noch bemüht, den durch ihren Mann angerichteten Schaden wieder gutzumachen.
Der Schöffensenat verurteilte Schuster zu 18 Monate Kerkers.
Illustrierte Kronen-Zeitung - (19290203)
8.) Für 1,50 Mark unsichtbar.
Übertriebenes Vertrauen zu einer angepriesenen Erfindung. Ein erfindungsreicher Mann kündigte in mecklenburgischen und pommerschen Orten eine von ihm hergestellte Tarnkappe „Mefi“, einen Scherzartikel in Form einer grauslich anzusehenden Gesichtslarve, an. Dass es sich um einen Scherz und eine Larve handelte, war in den Anpreisungen allerdings nicht zu lesen. Zwei harmlose Bauern und ein Gutsinspektor, die sich aus ihrer Schulzeit noch dunkel an Siegfrieds Tarnkappe erinnerten, bestellten nun gegen Einsendung von 1,50 Mark die „Mefi“, in der Überzeugung, es handle sich um eine wirkliche Tarnkappe, die sie unsichtbar mache. Das hatten alle drei nämlich nötig, da sie unentwegt bestohlen wurden und die Diebe nie fassen konnten. Auch durch das Tragen der neuen Tarnkappe änderte sich nichts daran. Die drei Männer blieben so sichtbar wie vorher und die Diebstähle nahmen womöglich noch zu.
Damit schien den Käufern die Unwirksamkeit der Kappe genügend bewiesen. Sie erstatteten Anzeige wegen Betrugs gegen den geschäftstüchtigen Erfinder, der seinerseits beteuert, an einen Betrug nicht gedacht zu haben. Das Gericht wird zu entscheiden haben, wie weit die Gutgläubigkeit eines Käufers und die Verschmitztheit eines Erfinders gehen darf.
Berliner Lokalanzeiger - (19261219)
9.) Nacktkultur schädigt die Arbeitslust - der anderen. Gröbliche Verletzung der öffentlichen Sittlichkeit.
