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Bei meinen Recherchen zu historischen Kriminalfällen fallen mir hin und wieder Kuriositäten in die Hände, die ich stetig gesammelt und zusammengestellt habe. In dieser Auswahl sollen verschiedene historische und unterhaltsame Skurrilitäten aus der Vergessenheit geholt werden. Man staunt immer wieder, wie oft Gesetzesbrecher durch ihre eigene Dummheit, ihre Selbstverliebtheit, ihre Maßlosigkeit an Gier sich zu bereichern, oder sehr oft nur aus purem Geiz, manchmal aber auch aus der Not heraus, sich selber ein Bein stellen und sich somit, im wahrsten Sinne des Wortes, eigenhändig die Schlinge um den Hals legen. Sehr oft spielt auch die Lust, anderen Menschen - gelegentlich auch dem Staat oder seinen Institutionen - Schaden zuzufügen, eine Rolle. Viele Straftaten wären unaufgeklärt geblieben und zahlreiche Übeltäter - ihrer Geistlosigkeit und Einfältigkeit sei Dank - hätte man ansonsten nie zu fassen bekommen. Was für ein Glück für die Polizei ...
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Seitenzahl: 152
Veröffentlichungsjahr: 2025
Die grotesken Aktivitäten
der „feinen Gesellschaft“
Aus der Sammlung „ Kuriose Kriminalfälle“
„Wie Gesetzesbrecher sich selber erledigen.“
(Teil 2)
Allgemeines Vorwort:
Lieber Leser,
bei dieser E-Book-Reihe habe ich mich mal für eine völlig andere Richtung entschieden, und zwar die komische Seite der Kriminalität. Diese Gelegenheit möchte ich nutzen, um Ihnen Kuriositäten aus der Kriminalgeschichte aufzuzeigen, wie sie ab und an in verschiedensten Tageszeitungen auftauchen.
Das nachfolgende Vorwort gibt Ihnen dazu die nötige Einführung.
Vorwort:
Bei meinen Recherchen zu historischen Kriminalfällen fallen mir hin und wieder Kuriositäten in die Hände, die ich stetig gesammelt und zusammengestellt habe. In dieser Auswahl sollen verschiedene historische und unterhaltsame Skurrilitäten aus der Vergessenheit geholt werden. Man staunt immer wieder, wie oft Gesetzesbrecher durch ihre eigene Dummheit, ihre Selbstverliebtheit, ihre Maßlosigkeit an Gier sich zu bereichern, oder sehr oft nur aus purem Geiz, manchmal aber auch aus der Not heraus, sich selber ein Bein stellen und sich somit, im wahrsten Sinne des Wortes, eigenhändig die Schlinge um den Hals legen. Sehr oft spielt auch die Lust, anderen Menschen - gelegentlich auch dem Staat oder seinen Institutionen - Schaden zuzufügen, eine Rolle. Viele Straftaten wären unaufgeklärt geblieben und zahlreiche Übeltäter - ihrer Geistlosigkeit und Einfältigkeit sei Dank - hätte man ansonsten nie zu fassen bekommen. Was für ein Glück für die Polizei ...
Teilweise kann man über die Abartigkeit der jeweiligen Tatmotive nur noch den Kopf schütteln. Einige Fälle sind an Dreistigkeit und Frechheit kaum noch zu überbieten, doch manchmal bleibt einem auch das Lachen im Halse stecken. Die komplette Sammlung wurde durchweg in den jeweiligen Originaltexten übernommen. Dadurch ist auch die Einmaligkeit in der Wiedergabe, der oft sehr süffisant-spitzzüngig oder ironisch-verschmitzt niedergeschriebenen Artikel aus der damaligen Zeit, erhalten geblieben. Denn auch schon zu damaligen Zeiten wusste man seine Leser bestens zu unterhalten… Meistens mit einem hinweisenden Augenzwinkern auf die menschlichen Schwächen. In dieser Zusammenstellung wurden lediglich einige kleine Fehler aus den Zeitungstexten verbessert und gelegentlich eine Anmerkung im Anschluss zugefügt. Aber lesen Sie diese wahllose Zusammenstellung und urteilen Sie selbst… Ich wünsche Ihnen jedenfalls viel Vergnügen.
Anna Marie Bartho
Ist Armut die Mutter der Verbrechen,
dann ist Mangel an Verstand ihr Vater.
Jean de La Bruyère
(1645 - 1696), bedeutender Vertreter der französischen Moralisten und Aphoristiker.
Ein kurioser Fall, aber kein Kriminalfall.
Die Glücksserie eines Stiefelputzers.
In Nizza stand im Winter vorigen Jahres ein Stiefelputzer in einer Hauptstraße. Es war ein junger Bursche aus Savoyen mit Namen Pietro Bernardini. Gar mancher Blick aus holden Augen traf ihn, denn er war schön wie Rodolfo Valentino. Eines Tages hielt ein eleganter Rolls-Royce vor seinem Stand und eine schon sehr reife amerikanische Dame entstieg ihm. Die erstaunten Passanten sahen, dass Pietro seinen Stand im Stich ließ und mit der Dame ins Auto stieg.
Einige Wochen später traten Pietro Bernardini, nun inzwischen ein junger Dandy geworden, und die mit allen Künsten der Kosmetik verjüngte Amerikanerin vor den Standesbeamten in Nizza und ließen sich trauen. Pietros nunmehrige Gattin brachte ein Vermögen von 50 Millionen Dollar in die Ehe mit. Das war Glücksfall Nummer eins. Der Zweite war, dass Pietro und seine Frau eine Vergnügungsreise nach England unternahmen und dort ein Los der großen irischen Wohltätigkeitslotterie kauften. Auf das Los entfiel der zweite Haupttreffer von 800.000 Pfund, das sind 20 Millionen österreichische Schilling.
Vor einigen Wochen starb die Gattin Bernardinis. In ihrem Testament setzte sie ihn zum Alleinerben ihres Vermögens ein. Die launische Glücksgöttin scheint aber alle Gaben ihres Füllhorns über den ehemaligen Stiefelputzer ausschütten zu wollen. Amerikanische Zeitungen berichten, dass drüben ein großer Filmmanager dem bildschönen Multimillionär Pietro Bernardini das Anbot gemacht habe, mit einer Wochengage von 4000 Dollar die männliche Hauptrolle in einem Film zu spielen. Der Filmmanager will aus Pietro einen großen Filmstar und zweiten Valentino machen.
IKZ - 19341002
Inhaltsverzeichnis:
1.) Es war einmal ein Bettler.
2.) Wenn ein Fünfjähriger eine Zigarette raucht.
3.) Drei Liebhaber - welcher ist der Vater?
4.) Julius Gaetan - Der Bukarester Casanova im Gefängnis. 5.) Aus dem eigenen Haus delongiert.
6.) Der Kuchen aus Menschenknochenmehl.
7.) Ein glücklicher Fang.
8.) Vernunftheirat in der Strafanstalt.
9.) Eine Mutter verkuppelt ihr 12-jähriges Kind.
10.) Narr des Glücks.
11.) Es regnet Brillanten.
12.) Grauenhaftes Sexualverbrechen einer Familie. 13.) Wenn ein Heiratsschwindler wirklich heiratet.
14.) Strohwitwer-Abenteuer.
15.) Ein pathologischer Fall.
16.) Ein Haus gestohlen.
17.) Herbert Mey - Die Streiche eines 17-jährigen Berliner Taugenichts. 18.) Frau Andreas Timar - nicht die Jahre machen es aus… 19.) Viktor Stolzenberg, der Mann vom Polizeikommissariat. 20.) Doktor Bernhard Stark, „… ein Pferdestall ist ein Hotel.“ 21.) Leopold Rehart, der Abwesenheitsvater.
22.) Josef Löwenstein - Der feine Herr Verteidiger auf der Anklagebank. 23.) Milan Gavrilovic, alias Dr. Milan Bugarsky, alias Dr. Max Bach – Der… “Erzherzog“…
24.) Angelo Conte und seine „konkurrenzlose“ Trauung. 25.) Rosa M. - Die enttäuschte Witwe.
26.) Gottfried K. und sein Herrenklub „Glückliches Dasein“. 27.) Ignazio Torraca, der Lotterieprophet von Foggia. 28.) Kopal - Ein Häftling arrestiert die Polizei.
29.) Heinrich Held, oder… der nackte Heinrich. 30.) Nikolaus Erlanger - Der Kokainist und seine Freunde. 31.) Frau Agathe (71) - Die Ehestörungsklage gegen ihren Gatten Anton (73) und Frau Gisela (54).
32.) Schurschl - Ein Wiederholungstäter will endlich anständig werden. 33.) Teddy Meisels - Der „Totentanz“ in den Weihburg Katakomben. 34.) Leopoldine und Ludmilla - Bilder einer haarsträubenden Verwahrlosung. 35.) Stephan Sadak - Im Schweinestall gefangen gehalten. 36.) Louis Gouget - Wie der „Mansarden-König“ starb. 37.) Der Sohn des Gutsbesitzers und das böse Abenteuer eines Chauffeurs. 38.) Frau Donk und Frau Beuth - Das Mutterauge hat ihn erkannt. 39.) Harry Schmidt - Zyankali im Likör.
40.) Philomena Valle und ihr auserlesener Festwein zur Hochzeit. 41.) Madame Taillepied - Eine Hausbesitzerin lässt ihr Haus demolieren. 42.) Richard Hölbl - Die Verhaftung des Inkassanten aus Wien. 43.) Dr. Edwin Pye Turner Osbaldeston - Der Haftbefehl am 93. Geburtstag. 44.) Herr Mermin - Ein seltsames Doppelleben.
45.) Einquartierung im Totenhaus.
46.) Vieljähriger Vaterschaftsprozess.
47.) Die „Stammgäste“ in der Damenabteilung. 48.) Daniel Schwamm - „…ich bitte um eine Liebesanweisung“. 49.) Gloria de Casares - Ein Riesenvermögen, das niemand haben will. 50.) Die vergessene Leiche.
51.) Herr Habich - „Retten Sie mich vor meiner Frau!“ 52.) Der Regen vereitelt die Flucht eines Gefangenen. 53.) Ferdinand Langer - Einen Jux wollte er sich machen. 54.) Skandal in Laibach.
55.) Verhaftung eines Unholdes.
56.) Geständnis im letzten Augenblick.
57.) Elly, wo bist du?
58.) Das lebensgefährliche „Liebespulver“. 59.) Im Sarg seiner Frau erfroren.
60.) Die Könige der Lebensmittelfälscher.
61.) Der Pumpgraf von Berchtesgaden.
62.) Die „Todesbraut“.
Der traurige Schlussakkord.
Große Liebe - Der geliebten Kuh in den Tod gefolgt.
…………………………………………….
1.) Es war einmal ein Bettler.
In Preßburg hat sich am vergangenen Samstag folgendes zugetragen: Um die zehnte Vormittagsstunde kam ein Bettler vor die Tür einer im zweiten Stockwerk befindlichen Wohnung und läutete die Hausfrau heraus. Sagt sein gewohntes Sprüchlein, vom Stück Brot, einer kleinen Gabe und dem Segen des lieben Herrgotts. Erst slowakisch, dann deutsch, und schickt sich eben an, es auch auf Ungarisch herzusagen. Aber gleich nach der deutschen Ansprache fällt ihm die Hausfrau ins Wort und bedauert lebhaft, dass sie ihm, genauso wie seinen heutigen sechs Vorgängern, nichts geben könne, denn sie habe selbst keinen Heller im Haus, da ihr Mann seit mehreren Monaten abgebaut wurde und nichts verdiene. Sie weiß selbst nicht aus noch ein, denn um elf Uhr wird der Milchmann um sein Geld kommen und da soll sie ihm 20 Tschechen Kronen geben, sonst wird er die Milchlieferung einstellen. Was sie dann mit ihren Kindern machen werde, das wisse nur der liebe Herrgott.
„Ja, das ist eine verzwickte Geschichte“ meinte der Bettler, „aber wissen Sie was, gnädige Frau, Sie haben mir schon so oft etwas geschenkt und die Kinder müssen ihre Milch bekommen, das ist klar. Sie werden es mir schon zurückgeben, gnädige Frau, und wenn nicht, so werde ich doch nicht in die Donau springen.“ Sagt es, greift in die Tasche und steckt der verdutzten Frau eine 20 Tschechen Kronen-Note in die Hand. Noch bevor die so überraschend Beschenkte ein ablehnendes Wort oder einen Dank herausbringen konnte, war der Bettler auf der Treppe verschwunden.
Es war einmal ein Bettler…
IKZ - 19361008
2.) Wenn ein Fünfjähriger eine Zigarette raucht. Aus Bad Pyrawarth wird berichtet: Am 4. des Monats entstand im Hause der Landwirtin Therese Vock in Groß-Schweinbarth ein Schadenfeuer, durch das der Dachstuhl des Wohnhauses und des Stallgebäudes sowie eine Scheuer eingeäschert wurden. Die Gendarmerie hat auf Grund der Nachforschungen festgestellt, dass den Brand der fünfjährige Sohn der Geschädigten verursacht hat, der auf dem Dachboden des Stalles sich eine Zigarette angeraucht und dabei unvorsichtig hantiert hatte. Infolge des Funkenfluges waren die Nachbargehöfte in größter Brandgefahr, und beim Bürgermeister Walzl, den Landwirten Unger und Köpf waren bereits auf Stallungen und Scheuern Brandnester zu sehen, die durch die Ortsfeuerwehren von Groß-Schweinbarth und Raggendorf jedoch rechtzeitig erstickt werden konnten. Den Feuerwehren gelang es auch schließlich, den Brand bald zu lokalisieren.
IKZ – 19300507
3.) Drei Liebhaber - welcher ist der Vater?
Die unehelichen Mütter haben es nicht mehr so leicht wie früher. Bekam ein Mädchen ein Kind, dann ging sie hin und nannte einen Mann, mit dem sie in der möglichen Zeit etwas, gehabt hatte und die Sache war erledigt. Das Gericht machte nicht viel Federlesens mehr, es verurteilte den Mann zur Vaterschaft und damit, basta. Die moderne Wissenschaft, Blutprobe und „System Reche“, haben diesem schönen Zustand ein Ende gemacht. Aber die Männer sind zufrieden; denn das Vaterwerden ist doch nicht mehr so leicht wie bisher, gestern hat es wieder ein Prozeß gezeigt. Elisabeth klagte ihren gewesenen Freund, den Vertreter Leopold L. beim Bezirksgericht auf Anerkennung der Vaterschaft an ihrem unehelichen Kinde und Alimentation. Leopold behauptet, dass nicht er der Vater ist, sondern einer ihrer beiden anderen Freunde, die sie außer ihm noch gehabt hat. Dies hat er nämlich von ihrer guten Freundin Anna erfahren, der es Elisabeth beichtete. Er selbst könne schon aus zeitlichen Gründen nicht in Frage kommen. Ihn habe sich Elisabeth erst als Vater herausgesucht, als die beiden anderen die Flucht ergriffen. Elisabeth beteuerte, dass Leopold ihr einziger Freund gewesen ist, schließlich beschwor sie dies auch. Anna, ihre Freundin, hingegen, bestätigte als Zeugin die Angaben Leopolds. Das Gericht vernahm auch die beiden Männer, Franz und Hans, ein. Beide gaben sie zu, die Freunde Elisabeths gewesen zu sein. Der Vater des Kindes wollte freilich keiner sein. Angesichts dieser widersprechenden Aussagen beschloss der Richter, ein Sachverständigengutachten einzuholen. Mit der Überprüfung des Falles wurde Universitätsprofessor Dr. Otto Reche in Leipzig betraut, dessen System zur Ermittlung der Vaterschaft bereits großen Anklang gefunden hat. Nicht nur Leopold, sondern auch Franz und Hans sollten sich Dr. Reche zugleich mit dem Kinde zur Untersuchung zur Verfügung stellen. Leopold und Franz gingen tapfer hin, Hans aber schreckte im letzten Moment zurück. Es wurde nun zwischen Leopold und Franz einerseits, dem Kinde anderseits, eine Vergleichung der Blutgruppen, der Fingerabdrücke, sowie sämtlicher körperlicher Merkmale (Haarfarbe, Augen, Ohren und anderes) durchgeführt und hierbei festgestellt, dass weder Leopold noch Franz der Vater war.
Der Richter Dr. Rolleder wies hierauf die Klage Elisabeths ab.
IKZ - 19281023
4.) Julius Gaetan – Der Bukarester Casanova im Gefängnis.
Wie Julius Gaetan in der Untersuchungszelle lebte und liebte. Durch die Verurteilung Julius Gaetans zu einer achtjährigen Kerkerstrafe ist gewissermaßen amtlich beglaubigt worden, dass der vielgeliebte Don Juan von Bukarest ein Lump ist. Von der männlichen Bevölkerung der rumänischen Hauptstadt hat dies auch vor der Aburteilung kaum jemand bezweifelt. Manche Frauen aber hat der Umstand, dass ihr Angebeteter nunmehr ein wegen eines gemeinen Verbrechens abgeurteilter Sträfling ist, in ihren Liebesgefühlen nicht beirren können. Im Gegenteil, sie schwärmen, seit der Mann im Mittelpunkt eines Sensationsprozesses stand, mehr denn je für ihn. Über das Verbrechen, das Julius Gaetan verübt hat und über den Prozeß wurde schon ausführlich berichtet. Eine seiner Verehrerinnen hatte sehr viel Geld. Dies wußte Gaetan noch weit mehr zu schätzen als die Liebe der Frau Leonida. Der Don Juan zählt 38 Jahre, er fürchtete, dass es mit seinen Eroberungen unter den reichen Frauen Bukarests bald ein Ende haben würde. Der kluge Mann baut vor.
Um seine Zukunft zu sichern, hätte er sich gerne einen großen Teil des Vermögens der Frau Leonida angeeignet. Um den Widerstand, den er voraussetzen mußte, mit aller Gründlichkeit zu beseitigen, wollte der heimtückische Geselle seiner Geliebten den Lebensfaden abschneiden, indem er ihr mit einem schweren Hammer wuchtige Hiebe gegen den Kopf versetzte.
Frau Leonida kam mit dem Leben davon, Julius wanderte - ins Zuchthaus. Acht Jahre - werden seine liebesdurstigen Verehrerinnen auf ihn warten müssen. Bis dorthin dürfte aber der Don Juan all seiner Anbeterinnen schon überdrüssig geworden sein.
Die Liebe dringt durch Gefängnismauern.
Das er so und so viel reiche Bukarester Damen bis aufs Hemd auszog, indem er sie um viel Geld und Schmuck erleichterte, dass er einen Mordversuch verübte - dies wird, in Bukarest über kurz oder lang vergessen sein.
Nicht vergessen aber wird man die Begebenheiten, die sich während der Untersuchungshaft des Lieblings der Bukarester Damen ereigneten. „Ja, so ein Häftling, der hat's gut!“ So mag wohl mancher arme Teufel in Rumänien gedacht haben, als er hörte, wie wohl sich's Gaetan im Untersuchungsgefängnis sein ließ. Seine reichen Freundinnen schleppten ihn die feinsten Weine und die teuersten Delikatessen in die Zelle. Sie brachten ihm Caprice Polster, bequeme Hausschuhe, einen seidenen Hausrock und andere Dinge, die ein „Mann von Welt“ auch im Gefängnis nicht entbehren will. Nicht genug daran - sie holten ihn in ihren Privatautomobilen ab und führten ihn in die Freiheit.
Das geschlossene Auge des Gesetzes.
Freilich nur auf kurzen Urlaub. Bei diesen Ausflügen hatte der wackere Julius allerdings keine Möglichkeit, sich von den Strapazen der Haft zu erholen. Seine Freundinnen wollten halt für die Opfer, die sie dem heißgeliebten Manne brachten, auch entsprechend belohnt sein.
Wie aber konnte Solches geschehen? Tja, leicht ging's ja nicht, die schlauen Damen aber wussten die richtigen Mittel und Wege zu finden. Den gestrengen Gefängniswärtern wurde ständig Honig ums Maul geschmiert, sie bekamen verstohlen ein paar Geldnoten in die Hand gedrückt, sie durften den Wein trinken, der dem Häftling nicht schmeckte. Dadurch wurde es möglich, das Gaetan im Untersuchungsgefängnis so lebte, als sei er Gast eines komfortablen Hotels. Bis…, ja bis eines Tages der Skandal ruchbar wurde. Der Direktor des Gefangenhauses wurde seiner Stelle enthoben, gegen die Aufsichtsorgane das Strafverfahren eingeleitet. Nun hat sich ergeben, dass die Aufseher in demselben Gefängnis, in welchem sie früher den Bewachungsdienst versahen, selbst eingesperrt sind und bewacht werden. Die verliebten Weiber sind schuld daran.
IKZ - 19281006
5.) Aus dem eigenen Haus delongiert.
Der Leidensweg einer Neunundachtzigjährigen. Mit dem Bett aus der Wohnung getragen.
In den ersten Tagen des Juli spielten sich in der Parnhagengasse 4, im 21. Bezirk, wiederholt aufregende Szenen ab. Es handelt sich um die gewaltsame unrechtmäßige Delogierung einer 89-jährigen schwerkranken Greisin, die aus ihrer Wohnung, in ihrem eigenen Hause auf, die Straße gesetzt wurde, weil das Wohnungsamt diese Wohnung einem andern zugewiesen hatte.
Die 89-jährige taube und auch sonst gebrechliche Frau Anna König hatte ebenso wenig wie die Familie ihres Enkels in dem ihr gehörenden Hause Wohnung finden können. Sie hatte lange Zeit aus Mitleid bei Verwandten in einer Küche Unterkunft gefunden, während die Frau und das Kind ihres Enkels bei anderen Verwandten eine Schlafstelle erhielten und ihr Enkel bei seinen Eltern wohnen mußte.
Nun war aber in dem Hause der Greisin eine Wohnung freigeworden, in der Weise, das das Wohnungsamt einer in diesem Hause wohnenden Partei eine andere Wohnung in einem der von der Gemeinde Wien neu erbauten Häuser auf dem Fuchsenfeld zugewiesen hatte. Die Greisin, zog nun mit der Familie ihres Enkels in diese Wohnung ein.
Das war am 31. März. Am 2, d. M. hat aber das Wohnungsamt der Stadt Wien die 89-jährige kranke Frau aus dieser Wohnung delogieren lassen, weil es diese Wohnung einem Eisenbahner namens Paukert zuweisen wollte. Die Greisin wurde samt dem Bett auf den Gang hinausgetragen, nachdem die Wohnungstür aufgesprengt worden war. Auch die gesamte Einrichtung wurde auf den Gang hinausgetragen. Ebenso wurde die junge Gattin ihres Enkels mit ihrem Kinde, die bei ihr gewohnt hatte und die durch einen Straßenbahnunfall einen Fuß eingebüßt hatte, behandelt. Diese Delogierung erregte schon damals das größte Aufsehen, und der Rechtsanwalt der greisen Hausbesitzerin Dr. Hermann Rand hat gegen dieses gewaltsame Vorgehen die Beschwerde ergriffen. Über Einschreiten des Bundesministeriums wurde die Delogierung vorläufig sistiert. Die Frau wurde, wieder in ihre Wohnung zurückgebracht.
In den nächsten Tagen erschien wiederholt der Eisenbahner Paukert, welcher Anspruch auf die Wohnung erhob, in Begleitung von Freunden und anderen Personen, etwa hundert an der Zahl. Sie suchten gewaltsam in das Haus und in die Wohnung einzudringen. Dies konnte mehrere Tage verhindert werden, da stets ein größeres Aufgebot von Sicherheitswache das Haus besetzt hielt. In den letzten Tagen ist es jedoch dem Eisenbahner mit seinem Anhang gelungen, in das Haus gewaltsam einzudringen, die Wohnungstür aufzubrechen und die Greisin neuerdings zu delogieren. Die bewegungsunfähige Frau wurde wieder mit dem Bette auf die Straße heruntergetragen und auch die Einrichtungsgegenstände wurden auf die Straße gestellt. Der Eisenbahner bezog darauf die Wohnung. Die alte kranke Frau mußte wieder zu den Verwandten gebracht werden, die ihr schon früher aus Mitleid Unterkunft in deren Küche gewährt hatten.
Durch den Rechtsanwalt der delogierten Hausbesitzerin, wurde wegen dieses Vorganges eine Beschwerde beim Bundesministerium für soziale Verwaltung und den übrigen Aufsichtsbehörden erhoben.
IKZ - 19230710
6.) Der Kuchen aus Menschenknochenmehl.
Eine Giftmordbeschuldigung gegen die Gattin.
Frau Therese Kramarsch, die Gattin eines Gastwirtes in der Heinestraße bemerkte eines Tages mit Betrübnis, dass ihre früher so glückliche Ehe eine Trübung nach der anderen erfuhr. Ihr Gatte vernachlässigte sie und so glaubte sie Grund zur Annahme zu haben, dass er anderen Frauen die Gunst schenkte, die er ihr entzog. Das war noch lange nicht alles. Wenn sie ihm Vorstellungen machte, geriet er in Zorn und bekam nervöse Zustände. Die Frau glaubte nicht an deren Echtheit und so entstanden in der Ehe Streitigkeiten, Zankszenen folgten einander fast jeden Tag, die Eheleute beschimpften einander und hatten beide die Hölle auf Erden. Die Gastwirtin wußte sich keinen Rat. So wandte sie sich in ihrer Verzweiflung an eine ihr von einer Freundin rekommandierte Wahrsagerin, eine alte Frau, die damals in der Novaragasse wohnte und jetzt im Lainzer Versorgungshause ihr Heim hat.
