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Haferflocken von bieder zum Superfood
Schon lange vor der Entdeckung des Insulins waren die blutzuckersenkenden Eigenschaften von Hafer bekannt – und heute sind sie sogar wissenschaftlich gut belegt: Das Beta-Glucan macht die guten alten Haferflocken zu DEM Superfood schlechthin. Viele "schwergewichtige" Erkrankungen, die unsere heutige Ernährungsweise mit sich bringt, lassen sich durch Hafertage sanft, aber wirksam lindern.
So gelingt die neue Haferkur
Wirksam, einfach, ohne Nebenwirkungen – und so lecker!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 147
Veröffentlichungsjahr: 2021
Dr. med. Winfried Keuthage
1. Auflage 2022
30 Abbildungen
Ich möchte mich für die Unterstützung bei der Erstellung dieses Buches bei meiner Frau sowie meinem gesamten Team bedanken. Mein besonderer Dank für Recherche, Inspiration und Korrektur geht an Hannah Gehlmann, Theresia Godde, Lisa Gödecke, Diana Kornek, Annika Närdemann und Anastasia Tarassenko.
Unsere Lebensmittelauswahl ist bei diesem Überangebot eine schwierige Angelegenheit. Dieser Ratgeber kann mit diversen Rezeptideen dazu beitragen, dass speziell ein einziges Produkt, der Hafer, eine ganz besondere Rolle einnimmt. Die richtige Qualität herauszufiltern, bleibt eine tägliche Herausforderung.
(© baibaz/stock.adobe.com)
Der Fett- und Kohlenhydratgehalt und deren Qualität in Lebensmitteln entspricht nicht immer dem körperlichen Bedarf, gerade im Kontext von Übergewicht und Diabetes. Stellen Sie sich bitte vor, wenn Sie durch eben diesen Hafer mit unterschiedlichen Rezeptideen Einfluss auf die Insulinempfindlichkeit im Körper hätten UND eine verbesserte Sättigung erwirken könnten. Lassen Sie sich begeistern von der Vielfalt der Möglichkeiten.
Theoretische Hintergründe zu erfahren, um deren wissenschaftliche Bedeutung in den Alltag einfließen zu lassen, unterstützt Ihre Gesundheit. Wer in der praktischen Diabetologie arbeitet, kann den Gewinn dieses Buches sofort erkennen.
Viel Vergnügen beim Ausprobieren!
Dr. rer. medic. Nicola Haller, AugsburgDipl. Medizinpädagogin (Humboldt-Universität zu Berlin) Diabetesberaterin DDGVorsitzende des VDBD
Wurden Sie von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt auf Ihre Blutzuckerwerte aufmerksam gemacht? Auch die Cholesterinwerte sehen nicht gut aus und der Verdacht auf eine Fettleber liegt nahe? Hafer könnte Ihnen dabei helfen, Ihre Cholesterinwerte zu senken und den Blutzuckerspiegel auf eine sanfte Art und Weise in den Griff zu bekommen.
Der Anbau und der Verzehr des wertvollen Getreides haben bei uns bereits eine jahrtausendealte Tradition. In den letzten beiden Jahrzehnten begründeten Studien zu seinen gesundheitsfördernden Effekten den Ruf des Hafers als neues Superfood. Erstmals trat er in den Mittelpunkt des medizinischen Interesses, als der deutsche Diabetologe Carl von Noorden Anfang des 20. Jahrhunderts die positiven Effekte von Hafertagen, einer Kur, bei der ausschließlich eine Art Hafersuppe zu sich genommen wird, auf den Stoffwechsel bei Diabetes beschrieb. Mittlerweile empfiehlt die überwiegende Zahl der Diabetologen ihren Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes, regelmäßig solche Hafertage einzulegen, um die Zuckerwerte nachhaltig zu senken.
Hafer empfehle ich darüber hinaus für jeden Menschen als alltäglichen Nahrungsbestandteil. Immer mehr aktuelle Studien belegen Wirkungsweisen und Wirksamkeit von Hafer bei verschiedenen Erkrankungen. Als erste und bisher einzige Getreidesorte erhielt Hafer im Jahr 2017 sogar das Prädikat »Arzneipflanze des Jahres«. Im Mittelpunkt der Forschung steht dabei der einzig im Hafer enthaltene Ballaststoff Hafer-Beta-Glucan. Aufgrund der in Studien belegten Effekte soll dieses unter anderem zur Senkung von Zucker- und Cholesterinspiegel beitragen.
Dieses Buch bietet Ihnen zunächst einen Überblick über die einzelnen Bestandteile des Hafers. Dann lernen Sie mehr über seine breiten gesundheitsfördernden Effekte und wie Sie strenge und gemäßigte Hafertage durchführen. Probieren Sie sich aus und entwickeln Sie mithilfe der Anleitung in diesem Buch Ihre eigene individuelle Haferkur, bei der 5 Strategien zum Einsatz kommen, mit deren Hilfe Sie die Umsetzung der Hafertage verbessern und mehr Haferprodukte in Ihre tägliche Ernährung etablieren können.
Im zweiten Teil des Buches finden sich zahlreiche alltagstaugliche Rezepte rund um den Hafer. Diese ermöglichen Ihnen, jeden Tag mindestens eine Mahlzeit mit Hafer zu essen, ohne dass es geschmacklich eintönig wird. Sie finden Variationen bekannter Rezepte, aber auch neue Kreationen wie ein Hafer-Eiweiß-Brot oder Haferpizza. Die Rezepte eignen sich im Rahmen einer ausgewogenen, gesunden und vollwertigen Ernährung. Hierbei kommt es selbstverständlich nicht nur auf die Verwendung von Haferprodukten an, ebenso wichtig ist die Beachtung weiterer gesundheitsfördernder Zutaten und Zubereitungen.
Die meisten Rezepte eignen sich im Rahmen einer glutenfreien und/oder laktosefreien Ernährung, außerdem sind fast alle vegetarisch (bis auf die ▶ Lachs-Kartoffel-Suppe), zum Teil auch vegan.
Wenn Sie die meisten der in diesem Buch beschriebenen Ratschläge umsetzen, können Sie sich die vielfältigen gesundheitlichen Vorteile des Hafers zunutze machen. Insbesondere Menschen mit Typ-2-Diabetes werden von Hafertagen und Hafermahlzeiten profitieren. Integrieren Sie Hafer dauerhaft in Ihre Ernährung. Guten Appetit und bleiben Sie gesund!
Ihr Dr. med. Winfried Keuthage, Münster im Herbst 2021
Titelei
Danksagung
Liebe Leserin, lieber Leser,
Vom Klassiker zum Superfood
Die Kraft des Hafers
Das steckt im Hafer
Die Haferpflanze im Porträt
Die Inhaltsstoffe
Kohlenhydrate
Ballaststoffe
Hafer-Beta-Glucan
Eiweiß und Fettsäuren
Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente
Sekundäre Pflanzenstoffe und Antioxidantien
Was Hafer so gesund macht
Diabetes und Insulinresistenz
Hafertage bei Diabetes
Hafer in der täglichen Ernährung
Diabetesprävention
PCO-Syndrom
Fettleber
Fettstoffwechselstörung
Sättigungsgefühl
Bluthochdruck
Darmgesundheit
Hafer und seine Milliarden Freunde im Darm
Täglich 30 Gramm Ballaststoffe
Täglich drei Gramm Hafer-Beta-Glucan
Einfluss auf die Entstehung von Diabetes?
Unverträglichkeit gegenüber Gluten und Weizen
Zöliakie
Weizenallergie
Die Hafertage
Strenge Hafertage
Gemäßigte Hafertage
Individuelle Hafertage
Was ist zu beachten?
Bei Insulintherapie
Die individuelle Haferkur
1. Häufigkeit und Rhythmus
2. Brückentage
3. Hafertage variieren
4. Hafermahlzeit einplanen
5. Zutaten gegen Hafer austauschen
Meine Haferrezepte – gesund und lecker
Selbst schonend zubereiten
Backen und frittieren
Nachteile verarbeiteter Lebensmittel
Fehlende Transparenz für Verbraucher
Vorteile der eigenen Herstellung
Haferrezepte
Den »süßen Zahn« ziehen
Zuckeraustauschstoffe
Vorsicht bei Fruchtzucker
Die Süße in den Haferrezepten
Fünfmal am Tag frisches Obst und Gemüse
Obst und Gemüse in den Haferrezepten
Äpfel
Beeren
Eiweiß macht satt
Eiweißquellen
Eiweiß in den Rezepten
Die Fettsäuren entscheiden
Gesättigte Fettsäuren
Einfach ungesättigte Fettsäuren
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren
Schokolade ist gesund
Sekundäre Pflanzenstoffe
Welche Schokolade darf es sein?
Was die Milch macht
Laktosefrei genießen
Laktosefreie Milchprodukte
Hafermilch als Alternative
Andere Milchalternativen
Hafermilch in den Rezepten
Glutenfrei genießen
Kennzeichnung »glutenfrei«
Glutenfrei backen
Glutenfreie Haferrezepte
Von Nüssen, Samen, Saaten und Kernen …
Sonnenblumen- und Kürbiskerne
Lein- und Chiasamen
In den Haferrezepten
Zimt
Inhaltsstoffe
Zimt und Diabetes Typ 2
Mahlzeitentest
Blutzuckermessgerät
Gewebesensor
Lieblingsmahlzeit wählen
Durchführung des Mahlzeitentests
Nach den Hafertagen den Test wiederholen
Checkliste
Hinweis zu den Rezepten
Die Haferrezepte
Brot, Brötchen & Aufstriche
Frühstück
Warme Gerichte
Snacks – süß und salzig
Service
Quellenangaben
Autorenvorstellung
Sachverzeichnis
Impressum
Impressum
Hafer kann bei Diabetes, Fettleber und anderen Krankheiten förderlich sein. Entwickeln Sie Ihre individuelle Haferkur, mit der Sie Ihre Gesundheit aktiv unterstützen.
Hafer und Haferprodukte beinhalten verschiedene gesundheitsfördernde und nährende Bestandteile. Welche sind das und was bewirken sie?
(© fotolesnik/stock.adobe.com)
Bevor Sie mit den Hafertagen und der Entwicklung Ihrer individuellen Haferkur beginnen, betrachten wir das wertvolle Getreide einmal genauer. Wie, wann und wo wird es angebaut, welche Haferprodukte gibt es und welche Inhaltsstoffe zeichnen Hafer aus?
Der Hafer ist eine robuste Getreideart, die gemäßigtes Klima bevorzugt und wenig anspruchsvoll ist in Bezug auf die Bodenqualität. Hauptanbaugebiete sind Nord- und Mitteleuropa sowie Nordamerika. Der Anbau in Deutschland konzentriert sich auf die Mittelgebirge, das Alpenvorland und die Küstenregionen. Die Aussaat erfolgt meist Mitte bis Ende März und die Ernte Mitte Juli bis Anfang August. Das Getreide wird einjährig angebaut und wächst 60–150 cm hoch.
Hafer hat im Gegensatz zu anderen Getreidearten keine Ähren, sondern Rispen. Diese haben eine glockenähnliche Form und neigen sich im Laufe der Wachstumsphase leicht nach unten. Die einzelnen Haferkörner sind fest von der Schale, der sog. Spelze, umhüllt. Nach der Ernte wird das Korn von der Spelze getrennt (entspelzt).
Die Wurzeln der Haferpflanze reichen bis zu zwei Meter tief in den Boden, was den hohen Nährstoffgehalt des Hafers erklärt. Hafer wächst auch bei ungünstigen Bodenqualitäten und trägt so zur Erholung des Ackerbodens bei. Die Haferpflanze ist wenig anfällig gegenüber Krankheiten oder Schädlingen, dadurch ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bei Hafer gering.
Anhand der Größe des Kerns wird bei der Produktion zwischen kernigen und zarten Haferflocken unterschieden. Kernige Haferflocken werden aus ganzen großen Kernen ausgewalzt. Sie erhalten diese im Supermarkt auch unter der Bezeichnung »Großblattflocken«. Zur Herstellung der zarten Haferflocken werden kleine Haferkerne zunächst in noch kleinere Stücke – die sog. Grütze – geschnitten. Anschließend werden die Stücke zu Flocken gewalzt. Sie heißen auch Kleinblattflocken. Qualitätsmerkmale beider Haferflockensorten sind der typische Geruch des Haferkorns und eine helle arttypische Farbe des Kerns ohne dunkle Verfärbungen, ebenso ein Kern-Spelze-Verhältnis von 2:1.
Näheres zur Haferpflanze und den Produkten, die aus ihren Kernen gewonnen wird, finden Sie in der nachfolgenden ▶ Übersicht.
Im Hafer stecken viele wertvolle Nährstoffe und Vitamine. Welche das genau sind und wie sie sich auf Ihre Gesundheit auswirken, betrachten wir hier genauer.
Der Hauptbestandteil von Hafer besteht aus komplexen Kohlenhydraten (Stärke/Polysaccharide). Der Kohlenhydratgehalt von Haferflocken beträgt 58,7 g auf 100 g, davon sind 0,7 g Zucker. Im Vergleich dazu hat Weizen einen Kohlenhydratanteil von 70,9 g auf 100 g, davon sind 0,3 g Zucker.
Komplexe Kohlenhydrate bestehen aus langen Ketten von Zuckerbausteinen. Bei der Verdauung werden die Ketten in die einzelnen Zuckerbausteine (Glucose) aufgespalten. In der Folge kommt es – im Vergleich zur Aufnahme von kurzkettigen Kohlenhydraten – zu einer verzögerten Aufnahme des Zuckers in den Körper und damit zu einem langsameren Anstieg des Blutzuckerspiegels. Wir sind also länger mit Energie versorgt und fühlen uns länger satt.
Haferprodukte haben einen niedrigen glykämischen Index (GI) von lediglich ca. 40. Der GI ist ein anerkanntes Maß für die blutzuckersteigernde Wirkung von Lebensmitteln (als Referenz gilt Traubenzucker (Glucose) mit einem GI-Wert von 100). Das bedeutet also, dass eine Mahlzeit mit Hafer den Blutzuckerspiegel weniger rasch ansteigen lässt als etwa ein Gericht, das statt Hafer Reis enthält (weißer Reis hat einen GI von ca. 60).
Im Vergleich zu anderen Getreidearten hat die Stärke im Hafer einen hohen Anteil an Amylose und Amylopektin, welche besondere Klebereigenschaften besitzen. Wird bei der Zubereitung von Speisen der Hafer erwärmt, wird die Haferstärke aufgeschlossen und teilweise freigesetzt, was den typischen »schleimigen« Charakter hervorruft, den wir etwa von Haferschleim (Porridge) kennen. Die Schleimbildung bei der warmen Zubereitung von Haferflocken in Flüssigkeit erklärt auch die gute Verdaulichkeit von Haferschleim.
Der Ballaststoffgehalt von Hafer ist sehr hoch. Haferflocken enthalten 10 g Ballaststoffe auf 100 g. Ballaststoffe sind pflanzliche Nahrungsbestandteile, die nachweislich die Gesundheit fördern. Wahrscheinlich senkt ein hoher Verzehr von Ballaststoffen, die vor allem in Getreidevollkornprodukten vorkommen, das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Zusätzlich können Sie auch das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 sowie die koronare Herzkrankheit vermindern, indem Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung achten. Hafer enthält sowohl reichlich lösliche als auch unlösliche Ballaststoffe.
Unlösliche Ballaststoffe (»Füllstoffe«) werden zum überwiegenden Teil über den Darm wieder ausgeschieden, das heißt, sie werden nicht durch Bakterien abgebaut, die den Darm besiedeln. Diese Ballaststoffe erhöhen das Stuhlvolumen, aktivieren die Darmbewegung und beschleunigen Darmpassage und Ausscheidung der Nahrung. Kurzum: Sie halten Ihren Darmtrakt fit und aktiv.
Lösliche Ballaststoffe (»Quellstoffe«) stärken das Immunsystem und unterstützen eine gesunde Darmflora. Bei ihrem Abbau entstehen kurzkettige Fettsäuren, welche die Darmfunktion unterstützen. Das von den löslichen Ballaststoffen gebildete zähflüssige Gel wirkt zudem als Schutzbarriere für die Darmschleimhaut und bindet schädliche Substanzen (mehr dazu unter dem Punkt ▶ »Darmgesundheit«). Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht es als belegt an, dass ein hoher Verzehr an Vollkornprodukten sowie an löslichen Ballaststoffen die Konzentration von Gesamt- und LDL-Cholesterol im Blut senkt. Das trifft natürlich auch auf Hafer zu, wie wir uns später ▶ genauer ansehen.
Hafer-Beta-Glucan ist der Inhaltsstoff, der den Hafer so besonders macht. Denn allein Hafer hat einen hohen Gehalt dieses wasserlöslichen Ballaststoffs. Beta-Glucan kommt in der getreidetypischen spezifischen Form nur in Hafer und Gerste vor und speziell Hafer-Beta-Glucan zeigt vielfältige positive Wirkungen auf den Stoffwechsel des Menschen. An einem einzelnen Hafertag (Kapitel ▶ »Die Hafertage« und ▶ »Die individuelle Haferkur«) nehmen Sie 10 g Beta-Glucan auf.
Beta-Glucan-Gehalt von Haferprodukten
Hier ein Überblick, wie viel Beta-Glucan in Haferprodukten steckt:
Haferflocken: 4,5 g pro 100 g
Haferkleie-Flocken: 7,5 g pro 100 g
Haferfleks: 5 g pro 100 g
Hafer-Beta-Glucan bindet im Körper Flüssigkeit, wodurch im Magen-Darm-Trakt eine viskose (zähflüssige) Masse entsteht, welche die Darmschleimhaut schützt und einen langsameren Nährstoffabbau im Dünndarm zur Folge hat. Dies wirkt sich positiv auf unseren Blutzucker- und Cholesterinspiegel aus sowie auf das ▶ Sättigungsgefühl.
Eiweiß (Protein) braucht unser Körper zur Aufrechterhaltung des Stoffwechsels, zum Aufbau unseres Gewebes und der Muskeln. Der Großteil des benötigten Eiweißes nehmen wir dabei über die Nahrung zu uns. Zugleich sättigt Eiweiß (bezogen auf seinen Energiegehalt) sehr gut und ist daher im Rahmen einer angestrebten Gewichtsabnahme sehr geeignet.
Hafer-Eiweiß kann gut zur Bildung von Eiweiß im Körper verwendet werden. Die Menge des (biologisch hochwertigen) Eiweißes beträgt in Haferflocken beispielsweise 13,5 g pro 100 g. Der größte Teil dieses Eiweißes (ca. 6,9 g) besteht aus essenziellen Aminosäuren (Eiweißmolekülen), welche der Körper nicht selbst bilden kann und die daher mit der Nahrung zugeführt werden müssen. Essenzielle Aminosäuren unterstützen den Zell- und Gewebeaufbau im Körper und regen die Produktion lebenswichtiger Enzyme und Hormone an. Um eine optimale Zusammensetzung der Aminosäurezufuhr sicherzustellen, sollten Haferprodukte aber mit anderen Eiweißquellen kombiniert werden.
Hafer-Eiweiß enthält außerdem – anders als andere Getreidesorten – nur geringe Spuren des Eiweißbestandteils Gluten. Aus diesem Grund ist Hafer als Eiweißlieferant besonders geeignet, wenn Sie unter einer Glutenunverträglichkeit oder ▶ Zöliakie leiden.
Durch seinen hohen Gehalt an Fettsäuren (Lipiden) ist der Nährstoffgehalt von Hafer geringfügig höher als der von anderen Getreidesorten. Er versorgt den Körper mit wertvollen einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, bei gleichzeitig niedrigem Gehalt an eher ungünstigen gesättigten Fettsäuren (1,24 g pro 100 g) und ▶ Cholesterin. Hafer ist daher eine der fettreichsten Getreidearten. Die enthaltenen Fettsäuren sind überwiegend wertvolle ungesättigte Fettsäuren (76 Prozent).
Zusammensetzung ungesättigter Fettsäuren in Hafer
einfach ungesättigte Fettsäuren (2,79 g pro 100 g)
mehrfach ungesättigte Fettsäuren (2,55 g pro 100 g)
Ölsäure (Omega-9)
2,77 g
–
Palmitoleinsäure
0,02 g
–
Linolsäure (Omega-6)
–
2,46 g
Linolensäure
–
0,09 g
Hafer und Haferprodukte enthalten auch große Mengen an Mineralstoffen (Magnesium, Phosphor), Spurenelementen (Eisen, Zink, Kupfer, Mangan) und Vitaminen (Thiamin/Vitamin B1, Biotin/Vitamin H, Vitamin K, Folsäure/Vitamin B9). So decken beispielsweise 100 g Haferflocken mehr als die Hälfte des täglichen Bedarfs an Vitamin B1, Magnesium, Phosphor und Zink.
Im Vergleich zu anderen Getreiden hat Hafer einen hohen Anteil an sekundären Pflanzenstoffen und antioxidativ wirksamen Substanzen. Die Antioxidantien bieten Schutz vor sog. freien Radikalen. Diese wiederum werden für die Entstehung u. a. von Herz-Kreislauf- und Krebs-Erkrankungen mitverantwortlich gemacht. Zu den im Hafer reichlich vorkommenden Antioxidantien zählen Vitamin E sowie phenolische Verbindungen, wie Phytinsäure, Sterole und Flavonoide sowie das haferspezifische Avenanthramid.
Letzteres wirkt entzündungshemmend und unterstützt wie alle Antioxidantien unseren Körper beim Abbau freier Radikale. Es stimuliert die Bildung des gefäßerweiternden Stickstoffmonoxids und wirkt über verschiedene Wege einer Gefäßverengung entgegen. Studien zeigen bei Frauen schützende Effekte bei starken muskulären Belastungen. Durch sportliche Aktivität ausgelöste Entzündungsreaktionen lassen sich so eindämmen. Besonders Frauen nach den Wechseljahren mit einer geringeren Östrogenproduktion profitieren von der antioxidativen Wirkung der Avenanthramide.
Inhaltswunder Hafer auf einen Blick
Komplexe Kohlenhydrate sorgen für einen nur langsamen Anstieg des Blutzuckers und ein langes Sättigungsgefühl.
Ballaststoffe schützen den Darm. Das Risiko, an Diabetes Typ 2 und der koronaren Herzkrankheit zu erkranken, sinkt; der Cholesterinspiegel wird positiv beeinflusst.
Beta-Glucan wirkt sich positiv auf Blutzucker- und Cholesterinspiegel aus.
Eiweiß wird für den Gewebe- und Muskelaufbau benötigt.
Einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren haben einen positiven Effekt auf den Fettstoffwechsel.
Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente wirken sich vielfältig positiv auf den Organismus aus.
Antioxidantien schützen vor Herz-Kreislauf- und Krebs-Erkrankungen; Avenanthramid wirkt entzündungshemmend und Gefäßverengungen entgegen.
Die meisten antioxidativen Substanzen im Hafer sind hitzeresistent. Wenn Sie also Ihre Hafermahlzeit zubereiten, bleiben die Antioxidantien im Hafer erhalten und kommen so Ihrer Gesundheit zugute.
Hafer
Hafer kommt in verschiedenen Formen und Ausführungen daher. Hier ein Überblick über das Getreide und die verschiedenen Haferprodukte.
Haferrispe Die Haferpflanze trägt keine Ähren, sondern Rispen, in denen sich die Haferkerne befinden.
(© margo555/stock.adobe.com)
Haferkern Der ganze Haferkern ist sehr nährstoffreich und hat einen besonders hohen Gehalt an Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen sowie einen um 40–80 Prozent höheren Ballaststoffanteil als Haferflocken.
(© Tatiana/stock.adobe.com)
Hafergrütze Für die Hafergrütze werden Haferkerne in kleine Stücke geschnitten. Sie dient als Ausgangsprodukt für weitere Hafererzeugnisse.
(© Tatiana/stock.adobe.com)
Haferflocken Um Großblattflocken zu erhalten, werden große Haferkerne ausgewalzt, für Kleinblattflocken werden kleine Haferkerne zu Grütze geschnitten und dann zu Flocken gewalzt. Frische Haferflocken können übrigens mit der Quetsche bzw. Mühle aus Haferkernen selbst hergestellt werden.
Haferkleie Bei der Haferkleie wird der Mehlkörper entfernt. Übrig bleiben Keim und Randschichten.
(© dule964/stock.adobe.com)
Haferkleie-Grieß Randschichten und Haferkern werden für den Grieß grob gemahlen.
Lösliche Haferkleie-Flocken Diese in Flüssigkeit leicht löslichen Flocken werden über ein besonderes Verfahren aus gemahlenem Haferkleie-Grieß gewonnen.
Lösliche Haferflocken Leicht lösliche Haferflocken werden aus Hafervollkornmehl über ein besonderes Verfahren zu hauchdünnen Flocken gewalzt.
Hafermehl Für Hafermehl werden Haferflocken und/oder Hafergrütze fein vermahlen. Hafermehl kann aus Haferflocken auch leicht ▶ selbst hergestellt werden.
(© Coprid/stock.adobe.com)
Hafer-Cerealien Bei der Herstellung von Hafer-Cerealien gibt es zwei Varianten. Entweder werden Hafermehl und weitere Zutaten verkocht und anschließend gepresst oder ganze Haferkörner werden starkem Dampf und Druck ausgesetzt. Beim anschließenden Druckabfall verdampft das Wasser, die Stärke wandelt sich um und die Kerne werden fest.
(© Stanisław Błachowicz/stock.adobe.com)
Haferdrink Für Haferdrink werden Haferkerne gemahlen, dann werden Wasser und Ferment hinzugefügt, sodass die Stärke teilweise zu Zuckerbausteinen abgebaut wird. Die unlöslichen Bestandteile werden entfernt und der leicht süßliche Haferdrink bleibt übrig. Beim Haferdrink handelt es sich nicht um Milch. Da in der Umgangssprache die Begriffe Haferdrink und Hafermilch aber oft synonym verwendet werden, kommen in diesem Buch auch beide vor.
(© Moving Moment/stock.adobe.com)
