Die Harmonie des Lebens - Franky Körber - E-Book

Die Harmonie des Lebens E-Book

Franky Körber

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Beschreibung

Bist du interessiert deinem Geist Tore zu öffnen, für das was war, für das was ist, für das was vielleicht sein wird? Hast du dich jemals gefragt, woher deine Seele kommt oder ob sie wirklich immer wieder inkarniert? Dann lass uns gemeinsam einige der Schwingungsfelder betrachten, in denen wir uns bewegen. Laus uns auf schamanische Weise in die Anderswelt reisen und dem morpho-ethischen Feld begegnen. Erlebnishorizonte und Wirklichkeiten möchten gesehen und durchlebt werden. Hole dir altes Wissen mit Hilfe von Visionssuchen zurück und schaffe dir eine Welt aus Liebe, Licht und Glück. Erlebe Visionen einer heilen, lichten Erde. In kleinen Episoden lade ich dich ein das kreative Universum zu erkunden. Ergänzt werden die Sedimente aus dem Fluss des Lebens durch meditative Aphorismen, sanfte Visionsreisen, deine Seele zu erfreuen.

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Seitenzahl: 295

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Allen Wesen

die wissen,

dass hinter dem Horizont

etwas auf sie wartet

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Das Konzept

~ Seelenwiesen ~

Mara

Zur anderen Seite der Welt

Die Aura des Werdenden

Die Verschmelzung der Seelen

Im nächsten Leben

Die Welten am Baum

Ley und Lavender

Der zweite Teil der Seele

Shasani

Der Engel Hilharion

Reiselust

Die Patenschaft

Geburt in eine neue Dimension

~ Sedimente ~

Reise, Reise

Deine Lehrer werden zu dir kommen

Lebensretter

Geisterstunde

Der Gesandte Buddhas

Was um Himmels Willen ist Erleuchtung?

Mahonas Reise

Geburt einer Seele

Die geänderte Zukunft

Daheim

Das Paradies auf Erden?

Beruf aus Berufung

Die Leben der anderen

Welcher denn …?

Vater, Mutter, ich als Kind

Verwirrte Seelen

Die heimliche Lenkung

Der freie Geist

Vision: Freie Geister überall

IQ ist relativ

Friede, Freude, Liebeslieder

Ode an den Frieden

Ode an die Freude

Ode an die Liebe

Die Seele des Indigs

Der Scheideweg

Bist du ein Spiegelmensch?

Ein Ziel - ein Bild

Lass die Bilder laufen lernen

Eine kleine Reise: Ich sehe, was ich denke

Vom astralen Reisen

Eine schamanische Reise

Der luzide Traum

Eine astrale Reise

Im astralen Licht

Vom Déjà-Vu

Freier Wille - Fehlanzeige

Energie für Leib und Seele

Energie!

~ Sanfte Visionen ~

Urvertrauen

Berge versetzen

Begleitung

Partielle Erleuchtung

Glücksgefühle

Das Paradies auf Erden

Anstelle einer kleinen Meditation

In meinem fernen Leben

Freundliche Sinne

Universelles Wissen

Freude im Alltag

Der Pfad der Stille

Der Weg ins Ich

Ich sehe mich

Formwandlung

Die Farbe deiner Welt

Die Wesen meiner Seele

Die sieben Blüten

Das Sternen-Chakra

Von der Krone zur Seele

Energie!

Vorwort

Das vorliegende Manuskript entstand in einem Zeitraum von etwa sieben Jahren. Es enthält neben der Vision von einer Erde, die zu erleben für uns durchaus möglich ist, meditative Gedanken und vor allem Themen aus dem Fluss des Lebens, die ich bewusst als Sedimente bezeichne.

Mit vielen der angesprochenen Puzzleteile habe ich mich über Jahre (oder auch mal ein ganzes Leben) beschäftigt. Dabei habe ich stets die Intuition über die Wissenschaft gestellt und den Geist über die Materie.

Ich freue mich sehr, dass die Gedanken einen Weg in den einen oder anderen Ereignishorizont finden.

Noch eins: Rechtschreibung, Schreibkonventionen und Grammatik sind im Wandel begriffen und ändern sich gefühlt fast täglich. So kann der vorliegende Text kaum frei von Fehlern sein.

Gleichermaßen führt die Orthografie zu Zwängen, die der Poesie wie auch der Prosa die feine Leichtigkeit des in sich schwingenden Wortes zu nehmen drohen.

Statt zu Gendern benutze ich wechselnd die männliche und die weibliche Form. Den Gedankenstrich tausche ich häufig gegen die Tilde ~ stellt sie doch viel schöner den schwebenden Gedanken dar.

Dafür bitte ich um Verständnis!

~ Ich wünsche dir eine gute Reise! ~

Das Konzept

Eine Reise durch ein kreatives Universum soll es werden. Eine Reise, die ohne Technik auskommt. Eine Reise der Seele, die uns an jenes Ziel führt, das gleichwohl unseren Ursprung, wie unsere letzte Ankunft einbezieht. Ich nenne es das All-Eine.

Am Anfang war so etwas wie ein Geistteilchen, eine Art Gedanke vielleicht. Der viel zitierte Urknall könnte die euphorische Explosion dieses ersten Gedanken gewesen sein. Er wurde aus seinem Kokon herausgeschleudert und begann durch das entstehende Multiversum zu reisen, durch die Höhen und Tiefen des inneren Ich, hin zu jenem wundervollen Sein, das uns alle im ersten und letzten Einen zeitlos eint.

In Fragmenten, einer Abenteuerreise gleich, öffnete sich mir Stück und Stück der Ereignishorizont, ließ mich eintauchen in die Sphären anderer, sehr realer Welten, begann meinen Geist mit Anteilen meiner Seele zu verbinden. Neben den Visionsreisen in eine parallele Welt, die ich gerne als die lichte Erde bezeichne, gebe ich anhand von Beispielen Einblicke in unterschiedliche Arten des Reisens. Die Fragmente mögen zunächst wirr und zusammenhanglos erscheinen, doch können sie ähnlich einem Puzzle zusammengefügt werden.

Lass uns die Regeln umkehren und gemeinsam eine Wirklichkeit durchleben, wie sie vor tausenden von Jahren aus Sicht unserer Ahnen erblühte und auch heute noch in anderen Sphären und Horizonten gedeiht.

Die Perspektiven, die sich aus unserer gemeinsamen Reise ergeben, sind unglaublich faszinierend und bedeutend für das Universum, für dich und für mich und für all die fantasiebegabten Wesen in einer Vielzahl wundervoller Welten!

~ Seelenwiesen ~

Die Lichte Erde

Gar nicht so fern von unserer Erde existieren Welten, deren Ursprung dem unseren recht ähnlich ist. Es herrschen dort vielleicht dieselben atmosphärischen und klimatischen Bedingungen wie bei uns. Auch mögen sich dort wie hier Ozeane gebildet haben, Kontinente mit Bergmassiven, Flüssen und Seen. Manche sind bevölkert von Tieren und Pflanzen und Wesen, die sich kaum von denen unseres Planeten unterscheiden.

Warum nicht?

Von einer dieser parallelen Welten erzähle ich im ersten Teil der Harmonie des Lebens . Mein Geist reist gerne und häufig zu den Bewohnern jener Welt, die ich dir als »die lichte Erde« vorstellen möchte.

Sie ist eine jener Welten, deren Tore weit offen stehen für Reisende aus den unterschiedlichsten Sphären.

Mara

Die Nacht neigte sich dem Ende. Sie hatte Reif auf Dächern und Gräsern hinterlassen. Die Straßen waren glatt. Winter eben!, in einer Region der lichten Erde, auf der die Jahreszeiten noch ihrer Namen Bedeutung kannten.

Mara sah aus dem Fenster, gönnte sich eine weitere Tasse Tee und freute sich auf den heutigen Tag. Nicht, dass es ein besonderer Tag werden sollte. Sie liebte jeden Tag als etwas Einzigartiges, ganz Spezielles. Seit sie denken konnte, wachte sie morgens mit dem Gefühl auf: Heute und genau heute den schönsten Tag ihres ganzen Lebens erleben zu dürfen. Und wow, ja, jeder Tag war der schönste Tag, war ein Geschenk, ein Wunder. So viel Liebe, Freude, Glück war auf dieser Welt, dass es ihr das Herz täglich aufs Neue erwärmte.

Als sie in den kühlen, klaren Morgen hinaussah, schlug dieses wunderbare Herz vor Aufregung und Erwartung laut und klar bis hinauf in den Hals. Eins ums andere Mal zog Mara den Odem des jungen Tages ein als seien die Welt und sie selbst gerade neu geboren. Auf eine gewisse Weise waren sie das auch. Ein herrliches Gefühl.

Mara hatte sich vorgenommen heute in der Bäckerei zu helfen. Das machte sie gerne, gerade in der kalten Jahreszeit. Da kamen die Kinder aus ganz Djalaba regelmäßig mit leuchtenden Augen und steifgefrorenen, roten Wangen vom Toben im Schnee in den Laden gesprungen und bettelten nach frischem Brot und heißem Kakao. Nicht, dass in dieser Welt irgendjemand an Hunger litt. Die Kinder liebten es, den Laden zu überfallen und die Thekenkräfte mit einem unordentlichen, liebevollen Chaos regelrecht zu überfluten. Es war ein Trubel, wie ihn Mara gut leiden mochte.

Im Frühling würde sie dann wohl wieder auf den Plantagen helfen. Sie liebte es, wenn die Welt erwachte, die Natur zu sprießen begann, wenn die Schösslinge zart und doch mit enormer Kraft durch den festen Boden drangen. Doch bis dahin würde es noch eine Weile dauern.

Während Mara vor sich hin träumte, öffnete sich der Himmel und eine Plattform senkte sich vor ihrem kleinen Haus herab. Es war für sie immer wieder ein überraschender Anblick. Noch nicht lange her, da hatte sie gelernt, die Plattformen selbst zu rufen und auch zu steuern. Jedes Wesen konnte natürlich diese Plattformen nutzen; dennoch war das Interesse an ihnen nicht sonderlich groß. Sie brachten zwar Mobilität, doch die war ein Gut, welches die meisten Wesen, und insbesondere die hier lebenden Menschen, wenig zu schätzen wussten. Sie liebten ihre Umgebung, die sie lieber zu Fuß erkundeten. Und sie hatten im Allgemeinen keinen Grund, die Welt von einer anderen Seite aus zu betrachten. Es war überall schön. Daheim jedoch war und blieb daheim.

Sicher waren die Plattformen fleißige Helfer, wenn es darum ging, das Saatgut auszubringen oder die Ernte einzufahren, aber ansonsten dienten sie eher als netter Zeitvertreib. Daher hatte Mara bislang kaum einen Blick für die Dinger gehabt. Erst, als ein paar Freunde begannen, einen kleinen Kult darum zu schaffen, hatten sie auch ihr Interesse geweckt. So unternahm sie ab und an eine kleine Reise zur nächsten Quelle oder in die Höhe, einfach nur um das Dorf von oben zu betrachten oder um auf einem dieser kleinen Himmelsflöße ein Lagerfeuer zu entzünden.

Einige ihrer Freunde übten seit geraumer Zeit das Reisen ganz ohne Plattform. Außerdem hatten sie ein altes Ritual ausgegraben. Sie waren Meister im Wünschen und das wollte Mara auch sein: »Eine Meisterin der Wünsche!«

Das zauberte ihr ein Lächeln in das wunderschöne Antlitz. Nur war Mara überhaupt nicht klar, was sie sich wünschen sollte. Vermutlich erschloss sich ihr nicht einmal der Sinn des Wünschens, so wie dieser eigenartige alte Begriff für die meisten Bewohner nicht mehr bedeutete, als ein dunkles Relikt aus einer unglaublich frühen, längst vergangenen Zeit.

»Das wäre so unglaublich, so wundervoll«, dachte sie trotzdem und freute sich auf den Tag, an dem sie ihre Meisterschaft feiern würde, sie, die Meisterin der Wünsche wäre ~ oder doch eher die Meisterin des Lichts? ~ ach egal, es würde eine wundervolle Zeit sein, so wie es immer eine wundervolle Zeit war.

Wie war das genau gewesen mit dem Wünschen?

Vor vielen tausend Jahren hatten die Menschen begriffen, dass alles Form annahm, was sie sich ersehnten. Anfangs hatten sie, so hieß es, sehr viel überflüssigen Blödsinn gewünscht und schnell damit begonnen, sich diesen Blödsinn wieder weg zu wünschen, weil er nur vollkommen sinnlos in der Gegend herumlag. Recht schnell hatten sie begriffen, dass die Sache mit dem Wünschen nur Freude bereitete und zu einem erfüllten Leben beitrug, wenn sie eine Art bedächtige Achtsamkeit walten ließen.

Aus der Achtsamkeit erwuchs das Zeitalter der Betrachtungen. Der Drang, ständig in Bewegung sein zu müssen, Neues zu erfinden, Dinge zu tun, wich schlichtweg der Freude am Betrachten.

In alten Schriften kannst du lesen, dass die Welten der Menschen, der Feen und Waldgeister vor Zeiten nahe zusammenstanden. Die feinen Dinge, Wellen, Vergeistigung, waren von großer Bedeutung gewesen. Die Welten waren leicht, zart, sensibel. Selbst die Menschen hatten damals den unglaublichen Reichtum der Sinne begriffen, hatten etwa erkannt, dass der Tau auf den Wiesen, die Nebelwälder, die Wellen der Ahnung hundertmal bedeutsamer waren, als alles, was sie an Dingen hätten anhäufen können. Jede Art von Eigentum hätte sie vom Wesentlichen abgehalten. Die Vorstellung von Besitz war nicht viel mehr, als eine Kindergeschichte.

So hatte sich das Wünschen bald verlagert. Materielle Dinge wünschte sich niemand mehr, Glück und Liebe inmitten einer wunderbaren Familie, eines wundervollen Ortes gab es im Überfluss. So waren es nur noch kleine Wünschereien, wie der Besuch eines lieben Wesens, das sie jederzeit willkommen hießen.

Das mit dem Ohne-Plattform-Reisen faszinierte Mara von dem Wünschen oder gedanklichen Steuern am meisten. Sie spürte, dass sie ganz kurz davor war, dank ihres Willens frei über den Planeten reisen zu können und vielleicht sogar weit darüber hinaus.

Geduldig wartete die Plattform, darauf, Mara zu der kleinen Bäckerei zu bringen. Ein Weg, den sie gut und gerne zu Fuß hätte bewältigen können. Es war eben eine Spielerei, nicht weniger und nicht mehr.

Die alte Dame von gegenüber lächelte weise und schüttelte unmerklich den Kopf. Auch sie war einmal jung gewesen und sie würde es wieder sein in ihrem nächsten Leben. Sie erinnerte sich an ihre Kindertage, wie sie die Plattformen kennengelernt hatte und Gerold, ihren besten, besten Freund. Viel zu lange hatte sie nicht mehr daran gedacht ...

… was für eine unglaubliche Zeit …

Sie hatten die Plattformen genutzt, um auf den Stromschnellen im Fluss zu reiten. Durchnässt bis auf die Haut und immer ein wenig näher dran, immer ein wenig riskanter, immer ein wenig verliebter …

… was für eine unglaubliche Zeit …

Eines Tages war sie erwacht und hatte bemerkt, dass die Jugend der Vergangenheit angehörte, wenigstens in diesem Leben. Sie waren erwachsen geworden. Ihre Wege hatten sie in unterschiedliche Richtungen geführt.

In den Hallen des Lichtes hatte Gerold seine Erfüllung gefunden, während sie einige Zeit bei den Feen in den Mooswiesen verbracht hatte. Später hatten sie sich ab und an bei der einen oder anderen Gelegenheit getroffen, angelächelt und geschwiegen.

Im nächsten Leben würde es wieder eine Jugend geben und einen besten, besten Gerold und vielleicht auch eine Plattform. Sie lächelte und winkte zu Mara hinüber, die gedankenversunken ihren Tee trank.

Mara stellte die Tasse in die Spüle, dann zog sie diesen wundervollen Mantel an, den Henry für sie genäht und bestickt hatte. Sie fragte sich, indem sie tief durchatmete, ob es der Zufall wohl für sie einrichten könne, Henry heute zu treffen.

Neugierig verließ Mara das Haus, zog die Tür hinter sich zu. Dann bestieg sie die Plattform. Für einen Moment musste sie sich konzentrieren. In Gedanken zeichnete sie ein Bild der kleinen Bäckerei. In ihrer Vision sah sie das Lädchen bald vor sich.

Und mehr noch: Die ersten Kinder warteten bereits ungeduldig auf sie. Mara roch den Schnee. Und auch der Duft aus der Backstube von frischem Brot, Kuchen und Kakao blieb ihr nicht verborgen.

Das schien genug Information für die Plattform zu sein, die sich unverzüglich in Bewegung setzte.

Zur anderen Seite der Welt

Manche Tage sind einfach nur WoW

José war kein Lehrer. Nie im Leben hätte er sich gewünscht andere zu unterrichten. Das lag nicht in seiner Natur. Er träumte gerne und viel, reiste in Meditationen an die unglaublichsten Orte in den unglaublichsten Welten, liebte das Tiefseetauchen hinein in die Gefühle.

Das war wirklich das Allergrößte, Allerschönste. Seine Neuronen ließen es zu, die Emotionen von Wesen der unterschiedlichsten Arten, seien es Pflanzen, Planeten oder Reisende, zu erspüren. Natürlich nur mit deren Erlaubnis.

Seit einiger Zeit kamen immer häufiger Leute zu ihm. Manche waren neugierig auf seine Fähigkeiten, andere bewunderten ihn von Herzen für sein Einfühlungsvermögen. Die meisten Besucher konnten jedoch nicht verstehen, dass nicht er diese Fähigkeit geübt, sondern vielmehr diese Begabung sich bei ihm geradezu niedergelassen hatte. Nur so konnte er sich die Dinge vorstellen, die sich durch ihn beziehungsweise in seiner Umgebung ereigneten.

Einige kamen zu ihm, weil sie sich über einen plötzlichen und unerwarteten Vulkan-Ausbruch ihrer eigenen Gefühle nicht im Klaren waren. So sollte es José sein, der einer jungen, braungebrannten Insulanerin von der Liebe ihres Leben berichtete, während sie instinktiv zwar längst davon wusste, diese Liebe jedoch vollkommen verdrängte.

Jemand hatte ihn aufgesucht, um Rat zu bekommen wegen einer Unruhe, die ihn seit einiger Zeit gepackt hatte. Es war eine Art Reisefieber, genauer gesagt, ein tief verwurzelter Drang, die astralen Welten zu erkunden, den José unvermittelt erkannte.

Auch hatte ihn eine der Gärtnerinnen um Hilfe gebeten, weil eine sehr eigenwillige Heilpflanze sich hartnäckig weigerte in ihrem Kräutergarten zu gedeihen; wohl eine Art Alraune, aber so genau kannte José sich nicht aus mit derlei Kräutern.

Das Problem jedoch begriff er sofort. Diese Pflanze liebte eine strukturierte Ordnung. Doch die fand sie in diesem Garten definitiv nicht vor. Also kümmerte sie unglücklich vor sich hin.

Du kannst dir vorstellen, wie peinlich es José war, der Gärtnerin von seiner Erkenntnis zu berichten. Sie war eine so liebenswerte alte Dame, dass er sie auf keinen Fall verletzen wollte; und dennoch verdiente sie es, die Wahrheit zu erfahren.

Wer einmal dem Einfühlen Josés erlegen war, den faszinierte diese Fähigkeit und natürlich auch sein sanftes Wesen, das bisweilen nicht von dieser Welt zu sein schien.

So kam es, dass er ohne eigenes Zutun eine Schar von lieben Menschen um sich scharte, die ihn zu ihrem Lehrer erkoren hatten. Er nahm es hin, allerdings ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, ihnen jemals etwas Sinnvolles beibringen zu können. Denn wie bereits beschrieben: Die Begabung hatte ihn ausgesucht und er hatte sich dieser Aufgabe lediglich bereitwillig geöffnet.

Dieser Morgen barg etwas ganz Spezielles, ganz Besonderes in sich. Das hatte José bereits gespürt als er die Nase aus dem Fenster gesteckt hatte. Es war ein fröhlicher, lächelnder Morgen, der eine Brücke schlug zu einem Ereignis, das in einer weit entfernten Sphäre geschehen war oder geschehen würde.

Vor dem Haus warteten bereits zwei junge Frauen, Isa und Ley, die er mit seiner unglaublichen Ausstrahlung längst für sich gewonnen hatte, was ihm gar nicht so klar war. Aber das ist wohl eine andere Geschichte.

Überglücklich sahen die zwei ihn an, als er endlich vor die Tür trat, um sie willkommen zu heißen. Nach einem herzlichen Gruß und Kuss unterbreitete José ihnen den Vorschlag, einen gemeinsamen Spaziergang zu unternehmen. Er ahnte, dass sie auf etwas treffen könnten, das so fern und doch so vertraut war, wie das Band, das die Welten am Baum zusammenhielt. Einen Moment lang versuchte er zu erklären, was er wahrgenommen hatte. Andererseits wusste er selbst nicht genau, wohin der Ausflug gehen sollte und was sie am Ende erwarten würde, so dass er schließlich mit der Feststellung endete, dass es eben eine Reise ins Ungewisse sei und er keine Ahnung habe, wie sie ausgehen würde.

Isa und Ley waren trotz der dürftigen Erklärung sofort einverstanden ihn zu begleiten und natürlich ziemlich begeistert, dabei sein zu dürfen, so wie sie immer von seinen Vorschlägen begeistert waren, zumal sie aufregende Abenteuer versprachen und die beiden Frauen für kaum etwas mehr zu faszinieren waren, als für aufregende Abenteuer, abgesehen vielleicht von einem gewissen Abenteurer selbst.

José schmeckte den Morgen. Ein Aroma frischer Obstblüte lag in der Luft. Ein Duft von Frühling, von Gras und ein wenig auch von feuchtem Moos. Er atmete tief ein und spürte den Frieden, der in die Dinge gewoben war.

»Die Schwestern haben eine feine Arbeit vollbracht in dieser Nacht«, dachte er und lächelte.

Dass der morgendliche Duft ihn leitete, kam wirklich, wirklich selten vor. Er hatte seine Neugier geweckt, wie auch der Gedanke an das, was irgendwo da draußen, hinter den Toren, in einer fernen Welt, auf die drei warten würde.

Händchen haltend, wie unbefangene Kinder, sprangen Isa, Ley und José über die yellow brick road des Lebens dahin, vorbei an Feldern, auf denen sich die ersten zarten Halme dem Licht entgegenreckten.

Sie hatten gerade einen Bach überquert und den Waldrand erreicht, als José aufhorchte.

¿ Ein Hase? ~ ¿ Ein Baum? ~ ¿ Ein Vogel?

Etwas hatte seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Es musste ganz in ihrer Nähe sein. Doch er konnte es nicht sehen, vielmehr nahm er es nur wahr, undeutlich, diffus, mehr ein Duft, ein Hauch, so flüchtig beinahe wie ein vertaner Augenblick.

Es fühlte sich wirklich gut an. Fröhlich, leicht, beschwingt. Ganz nah dran und doch weit, weit entfernt. Etwas Neues, ohne Zweifel. Und es verwirrte vollkommen seine Sinne.

Isa spürte es auch. Nicht so wie José, eher auf ihre ganz eigene Weise. Ihr war, als wehte ein angenehmer, kühler Hauch herüber aus einer Spalte im Raum.

Sicher hatte sie von solchen Phänomen gehört und sie wie jeder vernünftige Mensch für Kindergeschichten gehalten. Aber hier war etwas im Gange, das sie ernst nehmen sollte. Nicht dass es sie ängstigte. Es fühlte sich frisch an, weich und elektrisierend zugleich.

Während José und Isa eine Haltung der Achtsamkeit eingenommen hatten, pflückte Ley beschwingt und unbefangen Veilchen und Gänseblümchen. Sie ahnte nicht, dass sie damit genau das Richtige tat, um ein heimliches Tor zu öffnen, das unsichtbar direkt vor ihnen lag.

Sie pflückte die noch zarten Blümchen und summte gedankenversunken einen Reim vor sich hin, der ihr gerade in den Sinn gekommen war, so etwas wie:

Ich grüße dich ~ Tor, ich grüße dich ~ Welt,

ich knie vor dir, lass mich ein,

wenn es dir gefällt!

Es schien als würde das Tor ihr Summen und ihre Worte aufnehmen, die sie wiederholte wie ein Mantra. Das Tor beantwortete ihre Worte. Eine Melodie, ein Klang schien in der Luft zu schwingen, eine Sphäre, wie sie nur selten ein menschliches Ohr berührt. Und in diese Aura von Tiefe und Weite mischte sich ein Leuchten, so rein und freundlich wie der Ursprung der Mutterseele selbst.

José kniff verblüfft die Augen zusammen. Er lauschte, hörte das Flüstern des Windes in den Blättern des nahen Waldes. Und er nahm das Raunen von Wesen auf der anderen Seite des Tores wahr, die ihn und seine anmutigen, leichtfüßigen Begleiterinnen neugierig erwarteten.

Es waren gutmütige Wesen mit einem Reichtum von Gefühlen, wie sie selbst ein Strauß der prächtigsten Sommerblumen kaum beschreiben konnte. Gleichermaßen spürte er die Unsicherheit, wie sie Isas Geist verdunkelte.

Schon häufiger in der Vergangenheit hatte sie das Gefühl beschlichen, eines Tages von einer Reise nicht zurückkehren zu können, wenn sie einmal durch eines dieser Tore geschritten war, die sich in steter Regelmäßigkeit vor ihr auftaten. Aber gerade sie konnte dem Duft und dem Gesang der Sirenen am wenigsten widerstehen.

So war es Isa, die den ersten Schritt durch das Tor wagte und einen winzigen Moment später komplett dahinter verschwunden war.

Ley zuckte zusammen, schrie kurz auf. Mit großen Augen starrte sie José an, der ihr mit einem Nicken bedeutete, dass alles in Ordnung sei, dass alles gut und richtig war, so wie es war.

Seine Gefühle konnten ihn unmöglich täuschen. Die Dinge, die sich hinter diesem Tor verbargen, waren friedvoll und wie geschaffen für ein fantastisches Abenteuer.

Erst setzte er einen Fuß durch das Tor, dann den anderen. Eine Melodie erklang in seinen Ohren und er wusste, dass es jener Klang war, der das Universum von Anbeginn der Zeit liebevoll benetzte. Ein Lächeln erfüllte seine Seele.

Dann begann sich die Welt um ihn herum zu drehen, als würde er von einem Strudel erfasst. Ein Strudel aus den Farben des Regenbogens, gepaart mit dem Duft des Frühlings und dem Geschmack der Sehnsucht.

Sein Herz begann zu bersten. Nein nicht sein Herz. Es war seine Seele, die vor Freude tanzte. Sie wurde hineingezogen in diese wundervolle Strömung.

José wusste nicht, ob er dieses Abenteuer mit seinen beiden Freundinnen gemeinsam erleben durfte, ob sie sich auf der anderen Seite dieses Seins begegnen würden. Doch das war nicht von Belang. Abenteuer haben da ihre ganz eigenen Regeln.

José atmete tief ein, genoss den Sog, genoss den Klang des Universums, erfüllt von Ruhe und Freude, in Erwartung auf eine fantastische Reise.

Gerade wollte Ley hinterherspringen, als sie die lustig tanzenden Elfen auf der Wiese entdeckte. An den meisten Tagen waren die Silhouetten der zierlichen, fleißigen Blumenpflegerinnen kaum wahrzunehmen. Heute war das anders. Die Elfen waren deutlich zu erkennen. Kleine Wesen mit Flügeln, gehüllt in Kleider wie aus Glockenblumen.

Ley hockte sich vorsichtig ins Gras, streckte die Hand aus. Still verharrte sie. Und tatsächlich betrachtete eines dieser zarten Wesen ihre Handfläche und traute sich für einen winzigen Moment darauf Platz zu nehmen.

Ley hob die Hand vorsichtig an und sah dem Geschöpf liebevoll in die Augen.

»Ich grüße dich«, flüsterte sie, »Herrin der Blumen!«

Das winzige Wesen kicherte. Im nächsten Augenblick sprang die Elfe davon und kümmerte sich wieder um ein Gänseblümchen.

Die Aura des Werdenden

Es war bereits das dritte Mal, dass Henry auf dieses seltsame Ei gestoßen war. Nein, ein Ei war es eigentlich nicht. Es sah eher aus, wie ein beinahe eiförmiger, in sich geschlossener Regenbogen, gewoben aus dem Hauch eines Nebels. Nur, dass die Farben nicht so ganz denen eines Regenbogens entsprachen. Leicht über dem Boden schwebend, konnte er am unteren Ende eine rötliche Tönung erkennen, die nach oben hin von einem Orange in einen fast weißen Gelbton überging. Im Zentrum leuchtete eine grün schimmernde, langsam pulsierende Kugel. Zur Kuppe hin glitten die Farben von einem leichten Blau über ein tiefes Indigo zu einem weißgold reflektierenden Strahl, der von der Spitze herab das gesamte Ei einhüllte.

Eine Verbindung zur Erde schien zu bestehen, gezeichnet auf eine sehr feine, kaum wahrzunehmende Weise und eine zweite Verbindung zu den, hinter einem strahlenden Tageshimmel schlummernden, Sternen.

Das Ei war um einiges größer als Henry. Er schätzte es auf locker 5 bis 6 Ellen, bei einer Breite von 3 bis 4 Ellen. Es wiegte im Gesamten unmerklich hin und her, während die Hülle in sich zu fließen schien. Zahllose kreisende Schwingungen, die ineinander griffen, sich vermischten, sich von einander lösten. Ein vieldimensionales Muster, dessen Phrasen derart umfangreich und komplex ein System erkennen, sich jedoch unmöglich vollständig beschreiben ließen.

Henry liebte die Gedanken an Engel und eine Vielzahl anderer Wesen, die bisweilen mehr in der Fantasie oder in Träumen, als in der Wirklichkeit existierten. Er malte sie, schnitzte sie und brachte sie auf allen Materialien auf, die sich ihm zur Darstellung darboten. Dass es Dinge gab, die außerhalb des vom Auge Wahrzunehmenden existierten, stand grundsätzlich außer Frage. Doch dieses Etwas war etwas sehr Spezielles und ganz Persönliches, das spürte er genau.

Dieses Dings schien in dem kleinen Wäldchen hinter der alten Hütte der Waldarbeiter zu wohnen. Jedenfalls hatte Henry es bereits zweimal dort gesehen ~ oder sollte er sagen: »Getroffen?«

Sicher, es gab an diesem verwunschenen Ort eine jener Quellen, die bereits in den alten Liedern besungen worden waren. Es hieß, die zwei weisen Frauen säßen im Innern des Berges und spännen die Schicksale der Menschen, nein, mehr noch, die Schicksale der neun Welten und aller Wesen. Aber das waren nur Geschichten. Nette, urige Geschichten. Die Alten erzählten sie am Lagerfeuer und freuten sich über die erwartungsvollen Augen der Kinder, die alles liebten, was irgendwie geheimnisvoll klang.

Niemand hatte den Ursprung dieser Quelle jemals genauer verfolgt. Das Wasser sickerte einfach kristallklar aus dem Boden. Das war schon alles. Kein Spalt. Nichts, das irgendwie nach einem Eingang ausgesehen hätte. Es war ohne Zweifel ein ganz besonderer Ort, an dem sich dieses Wesen aufhielt. Eines Tages würde er vielleicht derjenige sein, der den Legenden nachging und in den Berg hinter der Quelle vordrang. Dann würde Henry berichten können, was es damit auf sich hatte. Wenn dieses Ei mit der Quelle in Verbindung stand, dann würde er das ganz sicher herausfinden.

Dieses Wesen war recht groß. Doch Henry konnte sich gut vorstellen, dass es aus einer Art Gas oder anderen feinsten Stoffen bestand, die ihre Form und Größe jederzeit zu verändern in der Lage waren. Warum sollte es nicht eine Höhle im Innern des Berges geben, aus der es durch einen winzigen Spalt oder direkt durch die Quelle ins Licht getreten war. Alles war denkbar. Nur das Offensichtliche begriff Henry zunächst nicht.

Er hatte beschlossen Mara davon zu erzählen und sie zu fragen, ob sie ihn zu der Quelle begleiten würde, um es sich anzusehen. Mit etwas Glück würden sie auf das Wesen oder was immer es war, treffen.

Mara sah manchmal etwas tiefer in die Dinge hinein. Sie war eine wahre Künstlerin im Verstehen und der Deutung von seltsamen Ereignissen. Als sehe sie über die Welt hinaus in einen Raum jenseits der Zeit. So richtig erklären konnte sie es selber nicht. Es war ihr auch gar nicht wichtig. Sie sah etwas, sie deutete es und das war es dann auch schon. Einen tieferen Sinn mochten andere darin finden.

Der Tag war recht kalt. Der Schnee knirschte unter Henrys Schuhen. Er war froh, in die warme Geborgenheit des kleinen Ladens treten zu können, sehnte sich nach einem heißen Getränk, einem Tee oder einer Tasse Schokolade.

Kaum hatte er die Tür geschlossen, als ihn Mara entdeckte. Freudestrahlend ging sie auf ihn zu, umarmte ihn. Er ahnte, wie sehr sie sich gewünscht hatte, ihn heute zu sehen.

Als er diesen Mantel für Mara genäht hatte, da hatte er eine geheime Zutat eingewebt ~ einen Ozean angefüllt von Liebe. Davon konnte und sollte sie nichts wissen. Es wäre ihm echt peinlich gewesen. Andererseits wusste er, dass die Fäden ihre Wirkung nur bei jemandem entfalten würden, der ohnehin schon in Flammen stand.

Umso mehr genoss er die Umarmung, fühlte ihren warmen, weichen Körper, atmete so tief ein, dass seine Lungen zu platzen Anlauf nahmen. Gerade noch rechtzeitig ließ er den Atem wieder los. Ganz so, dass Mara es nicht merkte, glitt er mit seiner Wange an ihr Haar, nahm dessen Duft auf und wusste, dass ihn dieser Duft sehr lange begleiten sollte. Nur widerwillig löste er sich schließlich aus der innigen Umarmung, lächelte verlegen und steuerte auf einen Tisch am Fenster zu.

Während Henry sich an den Tisch am Kamin setzte, brühte Mara zwei Tassen Tee und drapierte einen kleinen Teller mit bunten Yulekeksen. Im Nu brachte sie die Getränke und Kekse an den Tisch und setzte sich zu ihm. Gerade noch, dass sie die Bäckerin über den vorzeitigen Feierabend informierte, den sie für sich beschlossen hatte.

Schweigend saßen Henry und Mara an dem kleinen Tisch, sahen einander an, spielten verlegen an den Henkeln ihrer Teetassen und spürten dieses unglaublich tiefe Gefühl der Liebe, fühlten, wie ihre Seelen weise lächelnd den Bund erfüllten, den sie so lange vor diesem Leben für sich beschlossen hatten.

Sanft und unscheinbar woben die Schwestern jenes Band zwischen den Auren, wie einen silbernen Streif, der erst als hauchdünner Faden aus dem reinen Licht der Zuneigung, später als steter Strom des Urvertrauens das Schicksal der Liebenden festigen sollte.

Die Welt hatte Henry und Mara ausgeblendet. Die Kinder, die nach dem Tollen im Schnee hungrig in den Raum strömten und ein wahres Chaos an Lebenslust verursachten, nahmen die Verliebten nicht wahr. Und selbst der freundliche alte Herr am Nachbartisch sah durch sie hindurch nach draußen, sah den Schnee leise niedersinken, träumte von der Wärme des Sommers, reckte die knorrigen Hände jener Wärme seiner Gedanken entgegen. Es sah putzig aus; doch niemand bemerkte es.

Die sprichwörtliche Insel der Glückseligkeit blendete Mara und Henry längst aus im Sein der lichten Erde, hielt gleichermaßen die zwei in der Blase eines unendlichen Augenblicks fest in sanfter Gleichmut. Stunden mussten vergangen sein, ohne ein Wort, und dennoch angefüllt mit einem Meer von Gefühlen.

Als Henry die kleine Bäckerei betreten hatte, war es gerade einmal früher Vormittag gewesen. Die Sonne stand längst am Horizont. Unnötig zu erwähnen, dass der Tee erkaltet war, als Henry aus dieser geistigen Liebkosung erwachte. Und auch Mara schälte sich sanft aus dieser liebevollen Traumweberei.

»Ich möchte dir etwas zeigen«, flüsterte Henry und musste sich erst einmal räuspern. Seine Stimme drohte ihm vollkommen zu versagen. Vor seinen Augen verschwamm der Raum. Er war benommen. Was war nur mit ihm geschehen?

»Ja«, versuchte Mara ihre Sinne zu ordnen, so wie manche Leute ihren Rock gerade streifen, nach einem wüsten Ritt, »sicher musst du das, sicher!«

»Es ist, ... ich habe es im Wald gesehen, zwei mal und später noch einmal hier in Djalaba, in der Nähe der Bäckerei. Mir ist, als würde es mich verfolgen. Ich weiß weder was es ist, noch was es von mir möchte. Ich dachte, du …«

Mara lachte auf. Sie hatte gerade an etwas vollkommen anderes gedacht. In dem Augenblick, da er darüber zu sprechen begonnen hatte, sah sie das Wesen vor sich.

»Soll ich es dir beschreiben?«, grinste sie, »es ist … recht groß, also etwas größer als du es bist. Es ist wie ein Körper, aber ohne eine richtige Form. Eher wie ein Ball oder ein Ei. Es strahlt in allen Farben. Manche leuchten etwas stärker, andere etwas schwächer. Und es scheint aus Nebel zu bestehen!«

Henry war verblüfft. Die Beschreibung ließ einzig den Schluss zu, dass Mara es ebenfalls gesehen hatte. Kein Wunder, bei ihrer Begabung. Doch so war es nicht!

»Du weißt wirklich nicht, was es ist?«, fuhr Mara fort.

Henry schüttelte den Kopf: »Nun mach es bitte nicht so spannend!«

Mara lächelte. Ein vielsagender Blick. Ein verliebter Blick. Ein Blick, dass Henry das Herz bis in die Schläfen sprang. Er taumelte. Wie betäubt. Nein, nur seine Sinne taumelten. Mara zog sie an sich, zog sie mit sich, zog seine Sinne in eine Welt, die plötzlich so unfassbar vertraut war. Ihre so unbeschreibbar unvergängliche, gemeinsame Ewigkeit.

Es raubte ihm den Verstand und den Atem gleichermaßen. Wenn er sie jetzt berührte, dann würden sie gemeinsam explodieren. Sie waren wie die Glut der Sonne, ein immerwährender Feuerball, der durch die Galaxie raste, alles verzehrend auf seinem unaufhörlich Weg ins Glück.

Mara konnte unmöglich seine Gedanken erraten haben. Und doch – sie lächelte weise:

»Henry, du hast wirklich keine Ahnung? Es hat sich dir gezeigt, immer wieder und du verstehst es nicht?

Ja, selbst ich hatte es vergessen. Mit dem Einzug in dieses Leben vergessen wir die Dinge, die unsere Seelen vereinbart haben. Das macht das Leben sicher aufregender. Aber schade ist es schon. Henry, es ist unser Kind!

Wir hatten uns verabredet. Ich wusste es nicht mehr, aber jetzt erinnere ich mich. Meine Seele spricht zu mir. Sie hat es mir erzählt. Etwas Derartiges habe ich noch nie verspürt. Nicht in diesem Leben. Es ist so spannend. Es ist wahrhaft unglaublich:

Wir werden ein Kind bekommen, ein wundervolles Kind. Das Band wurde für uns geknüpft. Es ist an der Zeit das Schicksal zu erfüllen!«

Henry strahlte über alle Maßen vor Freude. Aber er fragte sich gleichwohl, ob er mutig genug sein würde für dieses größte aller Abenteuer. Er nahm Mara in die Arme, streichelte ihre Wangen, küsste sie auf Augen, Nase, Mund.

Dass der Tag auf diese Weise verlaufen würde, daran hatte Mara im Leben nicht gedacht, als sie an diesem schönen Morgen aus dem Fenster gesehen hatte.

Die Verschmelzung der Seelen

Seit Wochen ließen Mara und Henry ihrer Liebe freien Lauf. Ihre Gefühle füreinander waren so riesig, dass sie das gesamte Universum ausfüllten und noch zwei, drei weitere Galaxien darüber hinaus. Es war ~ dieses Wunder des Leben ~ so unglaublich fantastisch, schon wenn sich nur ihre Handflächen berührten. Alles verschmilzt. Vereinigt sich. Friede, Freude, Harmonie und Ekstase. Ein Vulkan bricht aus und erschüttert das Sein. Wenn die Liebenden auch nur den Ansatz einer Ahnung hätten von jenem Feuerwerk, mit dem sie das gesamte Sein überschütten, manche würden sicherlich den Flossenschlag eines Delphins innehalten, nur um einmal in ihrem Leben den Glanz und die Pracht ihrer göttlichen, schöpferischen Kraft zu betrachten. Der Ausblick durch die Zeit hindurch in den Anbeginn gleichwohl in das Ende aller Dinge, die Multi-Sinfonie des Lebens.

Längst war der Frühling angebrochen, im Tal und in den Herzen sowieso. Henry und Mara beschlossen, der alten Tradition folgend, in die Halle des Lichtes zu gehen, um sich dort von den Lasten des bisherigen Lebens reinigen zu lassen und ihre Verbindung, die längst eine Verbindung der drei war, durch die Verschmelzung der Seelen zu festigen.

Natürlich handelt es sich nicht um die unabänderliche Vereinigung jener Mutter-Kind-Vater-Seele zu einer gemeinsamen Superseele. Es ist vielmehr das Einschwingen auf einen gemeinsamen Klang, eine gemeinsame Grund-Aura, eben jener Struktur, die es ermöglicht, das eigene Kind unter hunderten von Kindern mit verbundenen Augen zu erkennen. Mara, Henry und Isa ~ diesen Namen hatte sich die Seele des noch nicht geborenen Kindes erkoren ~ würden in der Halle des Lichtes aufeinander eingeschwungen werden.

Mara und Henry wanderten zur Halle des Lichtes. Sie hatten sich dafür einen besonders schönen Tag ausgesucht. In der vorausgegangenen Nacht hatte der volle Mond die Erde gestreichelt. Es war die erste Vollmondnacht im Frühling. Eine sagenumwobene, viel besungene Zeit, in der schon immer die wunderbarsten Dinge geschehen sind.

Die Sterne tränkten den Himmel mit sanftem Schimmer. Die Nacht war überraschend lau. Die beiden Liebenden hatten die Zeit gemeinsam an der kleinen Quelle verbracht, hatten das Wasser gegrüßt, das dort in einem zarten Rinnsal aus dem Fels in ein kleines Becken troff, hatten etwas tanzen sehen, winzige schemenhafte Geschöpfe, auf der klaren Oberfläche des Quellteiches, hatten geredet, hatten geschwiegen, hatten sich geliebt.

Kurz vor dem Morgengrauen waren sie eingeschlafen. Nun erst, nach Stunden, erwachten sie. Die Sonne erwärmte bereits den Laubboden sanft in hellem Licht.

Mara und Henry nahmen einen ehrfurchtsvollen Schluck von dem kristallklaren, eisigen Quellwasser, brachen das Brot; dann machten sie sich auf den Weg zur Halle des Lichtes, ihren Bund zu schließen für eine wundervolle Zeit. Fröhlich und ausgelassen sprangen sie über die feuchten Wiesen, tanzten der Vollendung ihres Glückes entgegen.