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Die »Holocaust-Industrie« – das bedeutet für Norman Finkelstein die moralische und finanzielle Ausbeutung jüdischer Leiden. Seine Analyse ist zugleich eine leidenschaftliche Anklage: Er wendet sich gegen die Interessenverbände, die den Holocaust für eigene Zwecke nutzen, häufig auf Kosten der Opfer. Er kritisiert die Verkitschung des Gedenkens, die die Würde der Opfer beleidigt. Außerdem wirft er den USA und Israel vor, den Holocaust zu instrumentalisieren, um von eigenen Problemen abzulenken. Mit seinen provokanten Thesen hat Finkelstein eine erbitterte Debatte ausgelöst.
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Veröffentlichungsjahr: 2016
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Mit einem Vorwort zur deutschen Taschenbuchausgabe
Übersetzung aus dem Amerikanischen von Helmut Reuter
Januar 2016
ISBN 978-3-492-96846-1
© 2000, 2002 Norman G. Finkelstein
Titel der englischen Originalausgabe:
»The Holocaust Industry«, Verso, London 2000
Deutschsprachige Ausgabe:
© Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2001
Covergestaltung: semper smile, München, nach einem Entwurf von Zeichen & Wunder, München
Datenkonvertierung: abavo GmbH, Buchloe
Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.
Mir scheint, der Holocaust wird verkauft –
er wird nicht gelehrt.
Rabbi Arnold Jacob Wolf [in: Michael Berenbaum, After Tragedy and Triumph, Cambridge, 1990, Seite 45. Wolf ist Hillel-Direktor an der Yale University.]
Die Holocaust-Industrie stützt sich auf zwei zentrale Thesen. Erstens liegt es in der Verantwortung der Deutschen – und zwar der Deutschen allein –, mit ihrer Vergangenheit ins reine zu kommen. In Die deutsche Katastrophe merkt Friedrich Meinecke an, daß Nazideutschland insofern nicht der alleinige Bösewicht war, als das »amoralische Element«, das seinen Kern ausmachte, die gesamte westliche Zivilisation befiel. »Eine Rechtfertigung für uns«, warnt er dennoch, »darf das aber nicht sein ... Ethische wie auch historische Erwägungen [erfordern], ... auch vor der eigenen Tür zu kehren und den besonderen Anteil Deutschlands zu erfassen.«1 In der Umkehrung gilt das ebenso: Ethische und historische Erwägungen erfordern, daß beispielsweise die Vereinigten Staaten vor ihrer eigenen Tür kehren sollten. Doch obwohl die Amerikaner nur allzu bereit sind, die nationale Selbstabrechnung Deutschlands zu überwachen, sind sie weder gewillt noch imstande, selbst eine vergleichbare Verantwortung zu entwickeln. In ihrer Rede zum Abschluß der Verhandlungen mit Deutschland über die Zwangsarbeiter erklärte Außenministerin Madeleine Albright, es liege »im außenpolitischen Interesse der Vereinigten Staaten, Schritte hinsichtlich der Folgen der Nazizeit zu unternehmen, die Welt über dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte zu unterrichten, die Lektionen daraus zu lernen und sich darum zu bemühen, daß so etwas nie wieder geschieht.«2 Nun läge es in der Tat auch im »außenpolitischen Interesse« des größten Teils der Menschheit, daß die Vereinigten Staaten die »dunklen Kapitel« ihrer Vergangenheit untersuchten. Während die Deutschen sich täglich mit ihren historischen Verbrechen auseinandersetzen, müssen die Amerikaner den Großteil ihrer eigenen überhaupt erst noch zur Kenntnis nehmen. In der Debatte des amerikanischen Mainstream über Vietnam lautet die einzige Frage, wann die Vietnamesen wohl anerkennen, was sie uns angetan haben.3 Was die Fähigkeit zu kritischer Selbstreflexion angeht, befinden wir Amerikaner uns auf dem moralischen Niveau von Himmlers Posener Rede.
Die zweite zentrale These von Die Holocaust-Industrie lautet, daß jüdische Eliten Amerikas die Judenvernichtung durch die Nazis ausbeuten, um daraus politischen und finanziellen Gewinn zu ziehen. Wie Karl Jaspers in Die Schuldfrage vorbringt, könne die »Anklage ... nicht wahrhaftig sich vollzieh[en]«, wo sie »im Dienst anderer, etwa politischer oder wirtschaftlicher Zwecke als Waffe benutzt wird ...«4. Auch wenn die Deutschen ganz klar verpflichtet sind, sich den Schrecknissen der Naziherrschaft zu stellen, haben sie dennoch ein Recht, sich der Ausbeutung dieser Verbrechen zu widersetzen.
In Die Holocaust-Industrie berichte ich, wie amerikanische jüdische Organisationen, Institutionen und einzelne Prominente die Judenvernichtung der Nazis instrumentalisiert haben, um Israel gegen Kritik abzuschirmen und, in jüngerer Zeit, Europa zu erpressen. Als hauptsächliche Kritik gegen das Buch wurde nicht etwa vorgebracht, ich hätte die Fakten falsch dargestellt, sondern mit der Beschreibung dieser koordinierten Unternehmung eine »Verschwörungstheorie« konstruiert. In Der Wohlstand der Nationen meint Adam Smith, Kapitalisten kämen »selten, selbst zu Festen und zur Zerstreuung, zusammen, ohne daß das Gespräch in einer Verschwörung gegen die Öffentlichkeit endet oder irgendein Plan ausgeheckt wird, wie man die Preise erhöhen kann«. Wird Adam Smiths Klassiker dadurch auch zu einer »Verschwörungstheorie«?5
Seit dem Erscheinen von sind meine wesentlichen Aussagen durch neue Entwicklungen bestätigt worden. Im Oktober 2001 hat das Claims Resolution Tribunal (), das über Ansprüche auf nachrichtenlose Konten in der Schweiz seit Ende des Zweiten Weltkriegs zu entscheiden hatte, seine Ergebnisse hinsichtlich einer vorläufigen Liste von 5570 ausländischen Konten bekanntgegeben. Demnach belief sich der heutige Wert der Konten von Holocaust-Opfern einschließlich der aufgelaufenen Zinsen auf insgesamt 10 Millionen Dollar. Auch nachdem die Ansprüche auf die verbleibenden 21 000 nachrichtenlosen und geschlossenen Konten der Holocaust-Ära abgelöst sein werden, wird dieser Betrag wahrscheinlich nie auch nur annähernd die 1,25 Milliarden erreichen, die man in dem abschließenden Vergleich aus den Schweizer Banken herausgeholt hat (ganz zu schweigen von den 7 bis 20 Milliarden, die man zunächst verlangt hatte).
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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