Verlag: Allegria Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2009

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E-Book-Beschreibung Die Hütte - William Paul Young

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E-Book-Leseprobe Die Hütte - William Paul Young

Das Buch

Vor Jahren ist Mackenzies jüngste Tochter verschwunden. Ihre letzten Spuren hat man in einer Schutzhütte im Wald gefunden – nicht weit vom Camping-Ort der Familie. Vier Jahre später, mitten in seiner tiefen Trauer, erhält Mack eine rätselhafte Einladung in diese Hütte. Ihr Absender ist Gott. Trotz seiner Zweifel lässt sich Mack auf diese Einladung ein. Eine Reise ins Ungewisse beginnt. Was er dort findet, wird Macks Welt und Leben für immer verändern.

Der Autor

William Paul Young arbeitete viele Jahre als Büroangestellter und Nachtportier in Hotels. Der gebürtige Kanadier wuchs als Sohn von Missionaren in Papua-Neuguinea auf, war selbst viele Jahre lang Mitarbeiter einer christlichen Gemeinde. Mit seiner Frau Kim und seinen sechs Kindern lebt er in Happy Valley im US-Bundesstaat Oregon.

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www.ullstein-taschenbuch.de

Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen,

wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung,

Speicherung oder Übertragung

können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.

Neuausgabe im Ullstein Taschenbuch

1. Auflage November 2011

6. Auflage 2012

© für die deutsche Ausgabe

Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2009

© für die Originalausgabe THE SHACK

by William Paul Young 2007

This edition published by arrangement

with Windblown Media, Inc.

Umschlaggestaltung: FranklDesign, München

Titelabbildung und Coverdesign wurden

von der Originalausgabe übernommen

und gestaltet von Marisa Ghiglieri,

Dave Aldrich und Bobby Downes.

Satz: Keller & Keller GbR

eBook-Konvertierung:

CPI – Ebner & Spiegel, Ulm

Printed in Germany

eBook ISBN 978-3-7934-9201-6

Diese Geschichte habe ich für meine Kinder geschrieben.

Chad – den sanften Tiefen

Nicholas – den zärtlichen Forscher

Andrew – die gütige Zuneigung

Amy – die fröhlich Wissende

Alexandra (Lexi) – die leuchtende Kraft

Matthew – das werdende Wunder

Und ich widme sie erstens

Kim, meiner Geliebten, danke, dass du mir das Leben gerettet hast,

und zweitens

»… uns durchs Leben Stolpernden,

die daran glauben, dass die Liebe regiert.

Steht auf und lasst sie leuchten«.

INHALT

Vorwort

1  Zusammenfließende Pfade

2  Die Dunkelheit wächst

3  Aus dem Gleichgewicht

4  Die Große Traurigkeit

5  Rate mal, wer zum Essen kommt

6  Ein Stück von π

7  Gott am Ufer

8  Frühstück für Helden

9  Vor langer Zeit, in einem weit, weit entfernten Garten

10  Über das Wasser gehen

11  Die Stunde des Richters

12  Im Bauch der Bestie

13  Ein Treffen der Herzen

14  Verben und andere Freiheiten

15  Ein Fest mit Freunden

16  Ein sorgenvoller Morgen

17  Herzensentscheidungen

18  Sich ringförmig ausbreitende Wellen

Nachwort

Danksagung

Christian Führer über William Paul Young und »Die Hütte«

Die Geschichte hinter DIE HÜTTE

Unser Bild von Gott – Ein Gespräch mit W. P. Young

VORWORT

Wer wäre nicht skeptisch, wenn jemand behauptet, er hätte ein ganzes Wochenende mit Gott verbracht, noch dazu in einer Hütte? Und es war jene Hütte.

Ich kenne Mack seit etwas mehr als zwanzig Jahren, seit dem Tag, als wir uns bei einem Nachbarn begegneten, dem wir beide bei der Heuernte helfen wollten. Seitdem haben wir häufig zusammen »herumgehangen«, wie die Kinder es heute nennen, und einen Kaffee zusammen getrunken – oder für mich einen Chai-Tee, extra heiß mit Sojamilch. Unsere Gespräche sind immer ein tiefes Vergnügen, es gibt viel zu lachen, aber auch hier und da eine vergossene Träne. Offen gesagt, je älter wir werden, desto mehr hängen wir herum, wenn Sie wissen, was ich meine.

Mit vollem Namen heißt er Mackenzie Allen Phillips, aber die meisten Leute nennen ihn Allen. Das ist eine Familientradition: Die Männer tragen alle den gleichen ersten Vornamen, sind aber unter ihren mittleren Namen bekannt, vermutlich um Zusätze wie I, II, III oder Junior und Senior zu vermeiden. Das funktioniert auch gut, um Telefonwerber zu identifizieren, besonders jene, die beim Anruf so tun, als seien sie dein bester Freund. Also tragen er und sein Großvater, sein Vater und nun sein ältester Sohn alle den Vornamen Mackenzie, werden aber anhand ihres mittleren Namens erkannt. Nur seine Frau Nan und nahe Freunde nennen ihn Mack (obwohl ich auch schon gehört habe, wie ein paar völlig Fremde schrien: »Hey, Mack, wo hast du denn deinen Führerschein gemacht?«).

Mack kam irgendwo im mittleren Westen zur Welt, ein Farmerjunge in einer irischstämmigen Familie, in der man etwas auf schwielige Hände und rigorose Regeln hielt. Sein überstrenger, als Kirchenältester aktiver Vater gab sich nach außen religiös, trank aber heimlich, besonders wenn es nicht regnete oder zu früh regnete und auch sonst fast immer. Mack spricht so gut wie nie über ihn, aber wenn er es doch einmal tut, schwindet jede Regung aus seinem Gesicht, wie eine plötzliche Ebbe, die nur Dunkelheit und leblose Augen zurücklässt. Aus den wenigen Geschichten, die Mack mir erzählt hat, weiß ich, dass sein Daddy nicht zu den friedlich einschlafenden glücklichen Alkoholikern zählte, sondern zu den bösartigen Säufern, die ihre Frau verprügeln und anschließend Gott um Vergebung bitten.

Die ganze Sache erreichte ihren Höhepunkt, als sich der dreizehnjährige Mack auf einer Jugendfreizeit zögernd einem Kirchenvorsteher anvertraute. Unter Tränen beichtete er, tatenlos zugesehen zu haben, wie seine Mutter vom Vater bei mehr als einer Gelegenheit bewusstlos geprügelt worden war.

Was Mack dabei nicht bedachte, war, dass dieser Kirchenvorsteher mit seinem Vater eng in der Gemeindeleitung zusammenarbeitete, und als Mack nach Hause kam, erwartete ihn sein Vater bereits an der Haustür. Die Mutter und seine Schwestern waren seltsamerweise nicht da. Später erfuhr Mack, dass der Vater sie zu seiner Tante May abgeschoben hatte, denn er wollte freie Bahn haben, um seinem rebellischen Sohn eine Lektion in Sachen Respekt zu erteilen. Fast zwei Tage lang wurde Mack, an die große Eiche hinter dem Haus gefesselt, mit einem Gürtel und mit Bibelversen geprügelt, jedes Mal wenn der Vater aus seinem Rausch erwachte und die Flasche für einen Moment wegstellte.

Zwei Wochen später, als Mack wieder halbwegs in der Lage war, einen Fuß vor den anderen zu setzen, machte er sich aus dem Staub. Doch vorher schüttete er Rattengift in jede Schnapsflasche, die er auf der Farm fand. Dann grub er die kleine Blechdose aus, die er in der Nähe des Plumpsklos vergraben hatte und die alle seine weltlichen Schätze enthielt: ein Foto der Familie, auf dem alle die Augen zusammenkniffen, weil sie in die Sonne schauen mussten (wobei sein Vater abseits von den anderen stand), eine Baseballkarte mit Luke Easter aus dem Jahr 1950, ein Fläschchen, das ungefähr eine Unze Ma Griffe enthielt (das einzige Parfüm, das seine Mutter je benutzt hatte), Garn und ein paar Nadeln, ein kleines silbernes Gussmodell eines F-86 Jets der U.S. Air Force und seine gesamten Ersparnisse – 15,13 Dollar. Er schlich ins Haus zurück und schob seiner Mutter einen kleinen Zettel unters Kopfkissen, während sein Vater wieder einmal laut schnarchend einen Rausch ausschlief. Darauf stand nur: »Ich hoffe, eines Tages wirst du mir verzeihen.« Er schwor sich, niemals zurückzuschauen, und das tat er auch nicht – jedenfalls für lange Zeit.

Dreizehn ist zu jung, um schon richtig erwachsen zu sein, aber Mack hatte keine Wahl und passte sich schnell an. Über die folgenden Jahre erzählt er nicht viel. Die meiste Zeit verbrachte er im Ausland, trieb sich in der ganzen Welt herum, schickte seinen Großeltern Geld, die es dann an seine Mutter weitergaben. In einem dieser fernen Länder kämpfte er sogar mit der Waffe in der Hand in irgendeinem schrecklichen militärischen Konflikt; seit ich ihn kenne, hasst er den Krieg mit einer dunklen Leidenschaft. Was damals auch geschehen sein mag, mit Anfang zwanzig landete er schließlich in einem Priesterseminar in Australien. Als Mack von Theologie und Philosophie genug hatte, kehrte er in die Staaten zurück, schloss Frieden mit seiner Mutter und seinen Schwestern und zog aufs Land nach Oregon, wo er Nannette A. Samuelson kennenlernte und heiratete.

In einer Welt voller Leute, die nur reden, ist Mack einer, der denkt und handelt. Er sagt nicht viel, solange man ihm nicht eine direkte Frage stellt, und die meisten Leute haben gelernt, das besser bleiben zu lassen. Wenn er dann nämlich zu reden anfängt, fragt man sich, ob er nicht vielleicht ein Außerirdischer ist, dessen Blick auf die Landschaft menschlicher Ideen und Erfahrungen sich völlig von der Sichtweise aller anderen Leute unterscheidet.

Es ist so, dass er mit einer beunruhigenden Vernunft diese Welt betrachtet, in der die meisten Leute immer nur hören wollen, was sie zu hören gewohnt sind, also meistens ziemlich wenig. Wer ihn kennt, findet ihn in der Regel recht sympathisch, vorausgesetzt, er behält seine Gedanken weitgehend für sich. Und wenn er redet, hören sie deshalb nicht auf, ihn zu mögen – nur sind sie dann weniger zufrieden mit sich selbst.

Mack erzählte mir einmal, dass er in jüngeren Jahren offener heraus seine Meinung gesagt hätte, aber er gab zu, dass dieses Gerede vor allem als Überlebensmechanismus gedient hätte, um seine seelischen Wunden zu überdecken; das hätte dann häufig damit geendet, dass er seinen Schmerz allen Leuten in seiner Umgebung ins Gesicht spuckte. Er sagte, er habe damals eine Art gehabt, den Leuten ihre Fehler unter die Nase zu reiben und sie zu demütigen, um sich selbst in einem Gefühl falscher Macht und Kontrolle zu wiegen. Nicht sehr liebenswürdig.

Während ich diese Worte aufschreibe, denke ich an den Mack, den ich kenne – ziemlich durchschnittlich und unauffällig, außer für jene, die wirklich vertraut mit ihm sind. Er wird jetzt bald sechsundfünfzig, ein kahl werdender, nicht sehr großer Weißer, eine Beschreibung, wie sie auf viele Männer in dieser Gegend zutrifft. Einmal in der Woche fährt er mit der MAX (der S-Bahn hier in der Region Portland) in die Stadt zu Geschäftsterminen. Wenn man dabei neben ihm säße, während er leise vor sich hin schnarcht, würde man sich nicht unwohl fühlen, und in einer Menschenmenge würde er nicht auffallen. Zum größten Teil erledigt er seine Arbeit daheim in seinem Haus in der Wildcat Road. Er vertreibt irgendwelche Hightech-Gerätschaften, und ich werde noch nicht einmal so tun, als verstünde ich etwas davon: irgendwelche Technospielereien, die alles noch schneller machen, als ob das Leben nicht sowieso schon schnell genug wäre.

Wie clever Mack ist, wird man erst merken, wenn man, so wie ich, zufällig eines seiner Gespräche mit Fachleuten miterlebt. Plötzlich erinnert die Sprache nur noch entfernt an Englisch, und ich habe Mühe, die Konzepte zu begreifen, die aus ihm hervorsprudeln wie ein reißender Fluss voller Edelsteine. Er kann sich intelligent zu nahezu jedem Thema äußern. Man merkt zwar, dass er starke Überzeugungen hat, aber zugleich ist er sehr sanft und lässt dir deine.

Seine Lieblingsthemen kreisen um Gott und die Schöpfung und darum, weshalb die Leute glauben, woran sie glauben. Dann beginnen Macks Augen zu leuchten, ein Lächeln umspielt seine Mundwinkel, und plötzlich, wie bei einem kleinen Kind, verschwindet all seine Müdigkeit, er wird alterslos, und die Worte wollen nur so aus ihm heraussprudeln, sodass er kaum an sich halten kann. Doch gleichzeitig ist Mack nicht sehr religiös. Eine Hassliebe scheint ihn mit der Religion zu verbinden, und vielleicht sogar mit Gott, den Mack verdächtigt, grüblerisch und unnahbar zu sein. Ab und zu sickern kleine sarkastische Bemerkungen durch die Risse seiner selbst auferlegten Zurückhaltung, spitze Pfeile, die mit Gift aus einem Brunnen tief in seinem Inneren getränkt sind. Zwar erscheinen wir beide manchmal sonntags zum Gottesdienst in der örtlichen Kirche (wir nennen sie gerne Unabhängige Vereinigung des Heiligen Johannes), aber man merkt Mack deutlich an, wie unwohl er sich dort fühlt.

Mack ist seit dreiunddreißig Jahren größtenteils glücklich mit Nan verheiratet. Er sagt, sie habe ihm das Leben gerettet und dafür einen hohen Preis bezahlt. Aus irgendeinem Grund scheint sie ihn heute mehr zu lieben denn je, obwohl ich den Eindruck habe, dass er ihr in den ersten gemeinsamen Jahren einmal sehr wehgetan haben muss. Ich glaube, dass die meisten unserer seelischen Wunden aus unseren Partnerschaften stammen, dass dort aber auch das größte Heilungspotenzial liegt. Und ich weiß, dass die Gnade für jene, die von außen darauf schauen, oft wenig Sinn ergibt. Wie dem auch sei, für Mack ist seine Ehe ein Segen.

Nan ist der Mörtel, der die Ziegelsteine ihrer Familie zusammenhält. Während Mack mit einer Welt gerungen hat, die viele Grauschattierungen aufweist, ist Nans Welt hauptsächlich schwarz und weiß. Nans gesunder Menschenverstand ist für sie selbst so natürlich und selbstverständlich, dass sie gar nicht erkennt, über welche Gabe sie damit verfügt. Die Kindererziehung hat sie davon abgehalten, ihren Traum, Ärztin zu werden, weiterzuverfolgen, aber als Krankenschwester ist sie exzellent und hat sich große Anerkennung für ihre Arbeit mit todkranken Krebspatienten erworben. Während Mack eine sehr weite Beziehung zu Gott hat, ist die von Nan tief.

Dieses merkwürdig zueinander passende Paar hat fünf außergewöhnlich schöne Kinder. Mack sagt gerne, dass sie ihr gutes Aussehen von ihm hätten, »… weil Nan ihres ja noch hat«. Zwei der drei Jungen sind bereits zu Hause ausgezogen: Jon, frisch verheiratet, arbeitet als Verkäufer für eine örtliche Firma, und Tyler hat gerade seinen College-Abschluss gemacht und arbeitet jetzt an einer Schule an seinem Master. Josh und eines der beiden Mädchen, Katherine (Kate), wohnen noch bei den Eltern und besuchen das örtliche College. Dann ist da noch die Nachzüglerin Melissa – oder Missy, wie wir sie alle gerne genannt haben. Missy… nun, Sie werden einen Teil der Familie auf den folgenden Seiten näher kennenlernen.

Die letzten Jahre waren, wie soll ich sagen, ziemlich ungewöhnlich. Mack hat sich verändert. Er ist heute noch außergewöhnlicher als zuvor. Solange ich ihn kenne, war er immer sanft und freundlich, aber seit seinem Krankenhausaufenthalt vor drei Jahren ist er … nun, noch netter. Er ist zu einem dieser seltenen Menschen geworden, die sich wirklich in sich selbst zu Hause fühlen. Und ich fühle mich in seiner Gegenwart so zu Hause wie bei niemandem sonst. Wenn wir auseinandergehen, habe ich jedes Mal das Gefühl, das beste Gespräch meines Lebens geführt zu haben, selbst wenn, wie meistens, es überwiegend ich war, der redete. Und was Gott angeht, hat sich Macks Beziehung zu ihm ganz wesentlich vertieft. Aber für diese Tiefe hat er einen hohen Preis bezahlt.

Heute ist es ganz anders als vor ungefähr sieben Jahren, als die Große Traurigkeit Mack befiel und er beinahe völlig zu sprechen aufgehört hatte. Damals verbrachten wir fast zwei Jahre lang so gut wie keine Zeit mehr zusammen, als hätte diesbezüglich eine unausgesprochene Übereinkunft zwischen uns bestanden. Ich traf Mack nur ab und zu beim Einkaufen oder, noch seltener, in der Kirche. Obwohl wir uns dann höflich umarmten, gingen unsere Gespräche nicht über einen kurzen Austausch von Belanglosigkeiten hinaus. Es fiel ihm sogar schwer, mir in die Augen zu schauen. Vielleicht fürchtete er, eine längere Unterhaltung könnte den Schorf von seinem verwundeten Herzen abreißen.

Aber das änderte sich alles nach einem scheußlichen Unfall, bei dem… Aber jetzt bin ich schon wieder versucht, der Geschichte vorzugreifen. Wir werden zur rechten Zeit darauf zu sprechen kommen. Hier möchte ich nur sagen, dass diese letzten Jahre Mack dem Leben zurückgegeben und ihm die Bürde der Großen Traurigkeit von den Schultern genommen haben. Was vor drei Jahren geschah, hat die Melodie seines Lebens vollkommen verändert, und ich kann es kaum erwarten, Ihnen dieses neue Lied vorzuspielen.

Obwohl Mack sich verbal ausgezeichnet auszudrücken versteht, besitzt er kein großes Zutrauen zu seinen schriftstellerischen Fähigkeiten – andererseits weiß er aber, dass das Schreiben meine große Leidenschaft ist. Also bat er mich, der Ghostwriter dieser Geschichte zu werden – seiner Geschichte »für die Kinder und Nan«.

Er wünschte sich, dass in dieser Erzählung nicht nur seine Liebe für seine Familie zum Ausdruck kommen sollte, sondern dass sie ihnen auch helfen sollte zu verstehen, was damals in seinem Leben vorgegangen war. Diesen Ort kennen Sie sicher auch: dort, wo es nur Sie allein gibt – und vielleicht Gott, wenn Sie an ihn glauben. Natürlich könnte Gott trotzdem da sein, auch wenn Sie nicht an ihn glauben. Das würde ihm durchaus ähnlich sehen. Schließlich wird er nicht ohne Grund »Der große Einmischer« genannt.

Das nachfolgende Buch ist ein Projekt, bei dem Mack und ich monatelang darum gerungen haben, es in die richtigen Worte zu kleiden. Es ist ein wenig, nun… nein, es ist sogar ausgesprochen fantastisch. Ob bestimmte Teile davon wirklich wahr sind oder nicht, darüber will ich mir kein Urteil anmaßen. Es genügt, darauf hinzuweisen, dass manche Dinge zwar vielleicht nicht wissenschaftlich beweisbar sein mögen, aber trotzdem wahr sein können. Ich möchte Ihnen aufrichtig sagen, dass es eine sehr tiefgreifende Wirkung auf mich hatte, Teil dieser Geschichte gewesen zu sein. Ich wurde dadurch an innere Orte geführt, wo ich nie zuvor gewesen war oder von deren Existenz ich überhaupt nichts wusste. Ich bekenne, dass ich mir verzweifelt wünsche, alles, was Mack mir erzählt hat, möge wahr sein. Meistens bin ich mir dessen sicher, aber manchmal – wenn die sichtbare Welt des Betons und der Computer die reale Welt zu sein scheint – verliere ich den Kontakt und dann überkommen mich Zweifel.

Ein paar abschließende Hinweise: Falls Sie auf diese Geschichte stoßen und sie schrecklich finden, soll ich Ihnen von Mack ausrichten: »Tut mir leid… aber sie wurde nicht in erster Linie für Sie aufgeschrieben.« Oder vielleicht wurde sie das doch. Was Sie lesen werden, ist Macks Erinnerung an die Ereignisse. Es ist seine Geschichte, nicht meine. An den wenigen Stellen, wo ich darin auftauche, werde ich von mir in der dritten Person sprechen – aus Macks Perspektive.

Die Erinnerung spielt uns manchmal seltsame Streiche, besonders wenn es sich um Unfälle handelt. Daher würde es mich nicht überraschen, wenn sich, trotz unseres gemeinsamen Bemühens um Genauigkeit, einige sachliche Fehler und falsche Erinnerungen eingeschlichen haben. Das war aber keinesfalls beabsichtigt. Ich kann Ihnen versichern, dass die Gespräche und Ereignisse so wahrhaftig aufgezeichnet wurden, wie Mack sich an sie erinnert, seien Sie also bitte ein wenig nachsichtig mit ihm. Wie Sie sehen werden, handelt es sich um Dinge, über die zu sprechen wirklich nicht einfach ist.

Willie

1

ZUSAMMENFLIESSENDE PFADE

Zwei Wege teilten sich in der Mitte meines Lebens, hörte ich einen weisen Mann sagen, ich wählte den Weg, der selten beschritten wird, und das machte den Unterschied bei Tag und bei Nacht.

Larry Norman (mit Entschuldigung an Robert Frost)

Nach einem ungewöhnlich trockenen Winter regnete es im März in Strömen. Dann brach aus Kanada eine Kaltfront herein. Dass sie nicht wieder abziehen konnte, lag an einem tosenden Wind, der aus dem östlichen Oregon durch die »Gorge« fegte– die weite Felsenschlucht des Columbia River. Obwohl der Frühling buchstäblich schon gleich um die Ecke wartete, war der Wintergott noch nicht bereit, seine hart erkämpfte Vorherrschaft widerstandslos aufzugeben. In den Cascades fiel Neuschnee, und draußen vor dem Haus gefror der Regen zu Eis. Mack hätte also gute Gründe gehabt, es sich mit einem Buch und Apfelglühwein am Kaminfeuer gemütlich zu machen.

Stattdessen verbrachte er den größten Teil des Vormittags damit, vom Home Office aus geschäftliche Dinge zu erledigen. In Schlafanzughose und T-Shirt saß er am Schreibtisch und tätigte Verkaufstelefonate, vor allem zur Ostküste.

Zwischendrin hielt er häufig inne, lauschte auf das kristalline Prasseln des gefrorenen Regens vor seinem Fenster und sah zu, wie sich draußen überall eine immer dickere Schicht aus Eiskörnern bildete. Unerbittlich wurde er zum Gefangenen des Eises in seinem eigenen Haus– worüber er sich wirklich freute.

Wenn die Alltagsroutine durch solche frostigen Unwetter unterbrochen wird, hat das etwas Erfreuliches. Schnee und gefrierender Regen erlösen uns von Erwartungen, Leistungsanforderungen und der Tyrannei unserer Termine und Zeitpläne. Und im Gegensatz zu einer Krankheit handelt es sich um ein gemeinschaftliches, nicht um ein individuelles Ereignis. Man kann geradezu hören, wie sich aus der Stadt und ihrem Umland ein vereinter Seufzer erhebt, wenn die Natur sich einmischt und dadurch den erschöpften Menschen eine Atempause verschafft. Alle so Betroffenen sind unter dem Banner einer gemeinsamen Ausrede vereint, und das Herz wird plötzlich und unerwartet ein wenig taumelig. Keine Entschuldigungen sind nötig, wenn jemand nicht zu einem Termin erscheint. Die plötzliche Aufhebung des Zwangs, produktiv sein zu müssen, sorgt für unverhoffte Freude.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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