Die Kirchenväter und ihre Zeit - Hartmut Leppin - E-Book

Die Kirchenväter und ihre Zeit E-Book

Hartmut Leppin

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Beschreibung

Anregend, informativ und allgemeinverständlich erzählt Hartmut Leppin die Geschichte jener acht Kirchenlehrer, die die Grundlagen für die Entwicklungen des Christentums in Europa legten. Die Lebensläufe der Kirchenväter – ihr Wirken zwischen Glauben, Religions- und Machtpolitik – werden ebenso beschrieben wie die Grundzüge uns Wesensmerkmale ihrer Theologie.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Hartmut Leppin

DIE KIRCHENVÄTERUND IHRE ZEIT

Von Athanasius bis Gregor dem Großen

C.H.Beck

Zum Buch

Die griechischen und lateinischen Kirchenväter legten die Grundlagen für die Entwicklung des Christentums in Europa. Jene antiken Autoritäten der noch jungen Kirche, die in vielen späteren bildlichen Darstellungen eine unerschütterliche Glaubensgewissheit auszustrahlen scheinen, waren Menschen von Fleisch und Blut, die beständig um den wahren Glauben und seine Durchsetzung rangen – die gläubig, visionär und pragmatisch handelten, denen man vieles vorwerfen kann, nicht aber Erstarrung. Sie alle wählten einen ganz persönlichen Weg zum rechten Glauben, bei dem sie nicht selten auf Konfrontationskurs mit anderen geistlichen Würdenträgern, bisweilen auch mit der weltlichen Macht gerieten. Wer sie waren, worin ihre zentralen Lehren bestanden und weshalb sie noch heute für alle christlichen Konfessionen hohe Bedeutung haben, wird in diesem Buch anregend dargestellt und allgemeinverständlich erklärt.

Über den Autor

Hartmut Leppin lehrt als Professor für Alte Geschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Seine Hauptarbeitsgebiete liegen im Bereich der Spätantike und der Geschichte des Christentums. 2015 wurde er mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ausgezeichnet. Im Verlag C.H.Beck sind von ihm ferner erschienen: Das Erbe der Antike (2010), Einführung in die Alte Geschichte (22015) und Die frühen Christen. Von den Anfängen bis Konstantin (Historische Bibliothek der Gerda Henkel Stiftung, 32021).

Inhalt

Vorwort

Vorwort zur zweiten Auflage

Vorwort zur dritten Auflage

Einleitung

Griechische Kirchenlehrer

Athanasius

Basilius der Große

Gregor von Nazianz

Johannes Chrysostomus

Lateinische Kirchenlehrer

Ambrosius

Hieronymus

Augustin

Gregor der Große

Epilog

Literaturhinweise

Politische Daten

Kirchengeschichtliche Daten

Register

Vorwort

Wer über die Geschichte des Christentums schreibt, bewegt sich auf einem Gelände, das durch jahrhundertelange Kämpfe aufgewühlt ist. Überall eröffnen sich Gräben, aus vielen wird noch heute «geschossen». Als Autor steht man vor der Wahl. Man kann vorsichtig von Deckung zu Deckung schleichen, oder man wagt einen Parforceritt. Ich habe mich für die zweite Möglichkeit entschieden, im Bewusstsein, bisweilen eine ungeschützte Flanke zu bieten. Für den nicht spezialisierten Leser hat dies den Vorteil, dass der Ritt unnötige Umwege vermeidet und sein Verlauf besser erkennbar bleibt.

Das Buch geht auf eine Anregung Stefan von der Lahrs zurück, der seine Entstehung engagiert, klug und taktvoll begleitet hat. Zahlreiche Gespräche mit Historikern, Theologen und Kunsthistorikern haben mich weitergebracht, zumal mit Peter Stephan (Freiburg), in dem sich viele Kompetenzen vereinen. Mögen zumal die Theologen mir die Sprünge in ihr Territorium verzeihen!

Ursental, im Frühjahr 2000

Hartmut Leppin

Vorwort zur zweiten Auflage

Die zweite Auflage eines Werkes ist für den Autor stets eine heikle Sache. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Forschung und die Kompetenz des Autors sich weiterentwickeln. Alles im Einzelnen nachzutragen hieße, ein neues Buch zu schreiben; ich habe daher – abgesehen von der Entfernung der Untertitel – nur Kleineres korrigiert sowie das Literaturverzeichnis überarbeitet und hoffe, dass das Buch damit weiter seine Funktion, eine Hinführung zu den Kirchenvätern oder genauer: Kirchenlehrern aus historischer Sicht zu bieten, erfüllt.

Vorwort zur dritten Auflage

Erneut habe ich mich bei der Bearbeitung auf kleinere Korrekturen beschränkt. Angesichts des modernen Forschungsstandes ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass ich hier nur griechische und lateinische Kirchenlehrer behandele, während heutzutage sehr viel stärker auch die Beiträge von Autoren gewürdigt werden, die in syrischer oder koptischer Sprache geschrieben haben – etwa Ephrem der Syrer und Schenute von Atripe, die wirkungsmächtig waren, aber nicht in die westliche Tradition eingegangen sind.

Frankfurt am Main, August 2023

Einleitung

Wenn man das Baptisterium der Markuskirche zu Venedig betritt, gelangt man in einen reich mit Mosaiken ausgestatteten Raum, über den sich zwei Kuppeln erheben. Von den je vier Pendentifs, wo die Kuppeln auf den Säulen aufliegen, blicken acht würdige Gestalten herab: die großen griechischen und lateinischen Kirchenväter, Athanasius, Basilius der Große, Gregor von Nazianz, Johannes Chrysostomus einerseits, Ambrosius, Hieronymus, Augustin und Gregor der Große andererseits – ebenjene Männer, von denen das vorliegende Buch handelt. In der bildlichen Darstellung unterhalb der Kuppeln des Baptisteriums wird sinnlich fassbar, was man sich unter Kirchenvätern vorzustellen hat. Es sind Männer von tragender Bedeutung für den Bau der Kirche.

Und natürlich ist die Vorstellung der Kirchenväter kirchlich geprägt. Trotzdem darf man die Kirchenväter nicht allein aus theologischer Sicht betrachten. Es lohnt sich durchaus, den Blickwinkel der allgemeinen Geschichte einzunehmen. Wie immer man nämlich ihre Lehren beurteilt, wie immer man persönlich zum Christentum steht – man hat es mit Menschen zu tun, die in ihrer Zeit viel bewegten und die eine nachhaltige Wirkung ausübten. Deswegen ist ihre Kenntnis für jeden, den die Vergangenheit Europas interessiert, unerlässlich. Sieht man ihre Biographien zusammen, so ergibt sich ein Bild des Christentums während der Spätantike, das gewiss nicht vollständig, aber facettenreich ist. Damit wird jene Phase der Geschichte erschlossen, in der Entscheidungen fielen, die für alle christlichen Kirchen bis heute maßgeblich sind, im Westen wie im Osten Europas, aber auch im Vorderen Orient.

Obwohl für dieses Büchlein die traditionelle Auswahl der Kirchenlehrer, einer intellektuell bedeutsamen Gruppe unter den Kirchenvätern, aufgenommen worden ist, soll es daher gerade – in einem nur scheinbar widersprüchlichen Verfahren – von dem traditionsbestimmten, legendenhaften, bisweilen verfestigten Bild dieser Charaktere ablenken. Ihre Stellung in der eigenen Zeit zu beleuchten ist seine Aufgabe. Der Autor, ein Historiker und Protestant, zielt somit keineswegs darauf ab, die Heiligkeit und Wahrhaftigkeit der Kirchenlehrer vorzuführen. Er fühlt sich auch nicht berufen, ihre theologischen Verdienste zu bewerten. Er will sich andererseits nicht in überzogenen Polemiken ergehen, die die Geschichte der Kirche als die einer Verbrecherorganisation zeichnen. Angestrebt werden in diesem Rahmen lediglich Lebensbilder, die zum besseren Verständnis historischer Persönlichkeiten beitragen, die für die Tradition Europas von weitreichender Bedeutung waren und sind.

Das ist sicherlich einseitig, hat jedoch einen vielleicht nicht unerheblichen Vorteil. Die Kirchenväter können fassbarer werden, wenn sie dem Betrachter als Zeitgenossen entgegentreten. Denn die Gestalten, die in vielen späteren bildlichen Darstellungen eine unerschütterliche, unantastbare Glaubensgewissheit auszustrahlen scheinen, waren Menschen aus Fleisch und Blut, die beständig um den wahren Glauben und seine Durchsetzung rangen, die gläubig und machtbewusst, egozentrisch und fürsorglich, visionär und pragmatisch handelten, denen man vieles vorwerfen kann, nicht aber Erstarrung.

Wer aber galt als Kirchenvater? Wie formierte sich dieser Kreis? Schon frühzeitig, im Übergang von der Antike zum Mittelalter, hatte sich eine Gruppe von Gestalten der Alten Kirche herausgebildet, die eine allgemeine Hochachtung genossen. Die römisch-katholische Kirche führte klare Kriterien zur Bestimmung der Kirchenväter ein: rechtgläubige Lehre, heiliger Lebenswandel, Anerkennung durch die Kirche, Zugehörigkeit zum Altertum, und sie benannte diejenigen, die diese Kriterien erfüllten. Nach verbreiteter Meinung ragen unter den lateinischen Kirchenvätern vier heraus, die zugleich seit langem als Kirchenlehrer gelten und damit das zusätzliche Kriterium einer vorzüglichen Gelehrsamkeit erfüllen. Es sind die bereits Genannten: Ambrosius, Hieronymus, Augustin und Gregor der Große.

In der östlichen Orthodoxie hat sich das Dreigestirn der großen ökumenischen Lehrer, der «Drei Hierarchen», herauskristallisiert: Es handelt sich um Basilius den Großen, Gregor von Nazianz und Johannes Chrysostomus, die in der byzantinischen Kunst oft als Gruppe erscheinen. Wohl um die Analogie zum Westen herzustellen, wurde ihnen Athanasius als vierter christlicher Kirchenlehrer beigesellt.

Damit entstand jenes westöstliche (allerdings mehr vom Westen geprägte) Oktett, das sich im Baptisterium der Markuskirche wiederfindet. Die Bedeutung und das Ansehen dieser acht zeigt sich plastisch an der großen Zahl künstlerischer Darstellungen aus Mittelalter und Früher Neuzeit, von denen einige wenige Beispiele in diesen Band aufgenommen sind. Überwiegend erscheinen die Kirchenlehrer, in der Regel nach Ost und West getrennt, in Vierergruppen. Zumal an Orten westöstlicher Begegnung wie etwa Venedig trifft man jedoch auch auf alle acht gemeinsam; gemischte Vierergruppen kommen ebenfalls vor, etwa am Papstaltar des römischen Petersdomes. In diesen Gestalten aus der Frühzeit des Christentums als herrschender Religion verbinden sich seine beiden großen Traditionsstränge.

Wie die Kirchenväter einzuschätzen seien, ist zwischen den Konfessionen höchst umstritten. Die Unterschiede können hier nur angedeutet werden. Den Orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche, die sich ja erst im Mittelalter trennten, fällt es nicht schwer, den Kirchenvätern, die für die Kontinuität des Glaubens und der wahren Lehre stehen, Verehrung entgegenzubringen. Man kann hier in Glaubensfragen sogar einen «Väterbeweis» antreten. Im Katholizismus traut man den Kirchenvätern eine authentische Interpretation des Bibeltextes zu und betont ihre Bedeutung für den Lehrkonsens innerhalb der Kirche. In der Orthodoxie können die Kirchenväter gleichfalls als Überlieferungsautorität neben die Bibel treten und übrigens auch gegen die Ausschließlichkeitsansprüche des Papstes in Stellung gebracht werden. Ganz anders steht es um die evangelische Kirche, deren Angehörige den unverstellten Zugang zur Bibel suchen. Auch hier genießen indessen die Kirchenväter – zumal Augustin – Respekt; Gewissheit jedoch kann man allein durch die Bibellektüre gewinnen. Von allen Gruppen werden die Kirchenväter gerne herangezogen, um Gemeinsamkeiten der christlichen Konfessionen herauszustellen. Ihre fundamentale Bedeutung für die Geschichte der Christenheit und damit Europas will niemand bestreiten.

Einige Bemerkungen zur Anlage des Bandes seien gestattet. Die einzelnen Kapitel haben zwei, jeweils unterschiedlich scharf getrennte Teile. Der erste, ausführlichere verfolgt den Lebensweg der Kirchenväter. Im zweiten Teil werden ihre schriftlich überlieferten Werke gewürdigt, allerdings nicht mit dem Anspruch, diese vollständig aufzuzählen – schon die bloße Liste würde den Umfang dieses Bändchens sprengen. Vielmehr sollen das Œuvre in seiner Eigenart charakterisiert und herausragende Werke vorgestellt werden. Jede Skizze ist so angelegt, dass sie auch für sich gelesen werden kann. Kleinere Wiederholungen lassen sich daher nicht vermeiden, sind aber auf ein Mindestmaß reduziert.

Das Nachleben der Kirchenväter ist ein weites Feld und kann hier nur am Rande berührt werden. Alle acht Kirchenlehrer haben Künstler in vielfältiger Weise inspiriert. Einige Hinweise auf Darstellungstypen werden hier gegeben, aber sie können allenfalls an das Wichtigste erinnern. Ferner werden Gedenktage angeführt, und zwar solche, die die römisch-katholische Kirche unserer Breiten begeht. Doch muss der Leser im Auge behalten, dass ein Kirchenvater oft mehrere Festtage hat und dabei auch regionale Unterschiede zum Tragen kommen.

Heikel ist mitunter die Begrifflichkeit. Die Spätantike, in der die Kirchenväter wirken, ist die Epoche des Triumphs der Christenheit und zugleich die Zeit zerstörerischer innerer Kämpfe, die übrigens bis heute nicht alle ausgestanden sind. Die Benennung der beteiligten Konfessionen schwankt. Üblicherweise verwendet man folgende Ausdrücke: Die siegreiche Kirche, aus der die heutigen Konfessionen der Orthodoxie, des römischen Katholizismus und des Protestantismus erwachsen sind, hat sich die Bezeichnung als «orthodox» («rechtgläubig») bzw. als «katholisch» («allumfassend») gesichert. Die unterlegenen Widersacher erscheinen dann als «Häretiker» oder spezieller als «Arianer», «Pelagianer» und so fort, das heißt als Gruppen, die nur in der Nachfolge eines Mannes wie Arius oder Pelagius stehen und nicht das Ganze repräsentieren.

Eine solche Redeweise ist fragwürdig, denn sie zementiert die Sicht des Gewinners. Daher versuche ich in Anlehnung an jüngere theologische Forschungen, die allerdings noch im Fluss sind, andere, neutralere Begriffe einzusetzen. Statt «orthodox» oder «katholisch» sage ich gewöhnlich «nizänisch», weil diese Konfession sich nach einigen Verwirrungen konsequent auf das Konzil von Nizäa (325) berief, das Christus, den Sohn, und Gott, den Vater, als wesenseins bzw. -gleich (homooúsios) definiert hatte. Diese Wendung ließ unterschiedliche Interpretationen zu, und so entwickelte sich eine philosophisch besser unterfütterte, auf dem Konzil von Konstantinopel 381 sanktionierte Lehre, die hier als «neu-nizänisch» bezeichnet wird.

Der Begriff der Wesenseinheit musste Kritik provozieren, da er unbiblisch und missverständlich war. Es bildete sich jedoch keine geschlossene feindliche Front aus. Der polemische Begriff des «Arianismus» suggeriert eine Homogenität, die es nie gegeben hat. In Wirklichkeit existierten zahlreiche, untereinander zerstrittene Richtungen nebeneinander.

Von ihnen seien an dieser Stelle lediglich die sogenannten «Homöer» erwähnt, die während des 4. Jahrhunderts über Jahrzehnte hin die Haltung von Kaisern bestimmten. Sie erklärten, Christus und Gott seien gleich (hómoios) – ein scheinbar geringer, für die Zeitgenossen indes gewichtiger Unterschied zu der Formel von Nizäa. Die anderen Gruppen werden jeweils da eingeführt, wo sie in die Geschichte der Kirchenväter hineinspielen.

Gänzlich vermeiden lässt sich das Wort «Arianismus» trotz aller Differenzierungen nicht, da es als Kampfbegriff wichtig war und weiterhin den Glauben verschiedener germanischer Völkerschaften kennzeichnet. Auch Wendungen wie «Donatismus» und «Pelagianismus» sind noch nicht ersetzt. Um ihre Fragwürdigkeit zu verdeutlichen, werden solche Ausdrücke stets in Anführungszeichen gesetzt.

Noch eine zweite Bemerkung: Wenn ich im Folgenden den Bischof von Rom bereits als Papst bezeichne, so mache ich mich damit angreifbar, da die Idee des Papsttums sich erst in der Spätantike durchzusetzen begann. Hier dient der Begriff der Klarheit und der stilistischen Variation, so dass sein Gebrauch mir vertretbar erscheint.

Bereits diese Notizen zur Begrifflichkeit zeigen eines: Die Epoche der Kirchenväter war eine offene Zeit. Vieles, was die Kirchen heute prägt, war noch keineswegs ausgemacht, und vieles, worüber damals gestritten wurde, ist bis heute nicht entschieden. Ebendies sollen die biographischen Skizzen illustrieren.