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Die Notenbanken haben in den letzten Jahren so viel Geld gedruckt wie nie zuvor. Die Zinsen stehen weltweit auf absurd tiefen Niveaus, negative Renditen sind Realität. Viele fürchten sich vor Hyperinflation und dem totalen Systemzusammenbruch. Doch Währungsexperte Gerhard Massenbauer sieht das völlig anders: Der Untergang des Finanzsystems steht nicht bevor. Es liegt – im Gegenteil – überraschend eine chancenreiche Zeit vor uns! Der epochale Konflikt zwischen China und dem Westen wird ein wirtschaftliches Wettrüsten zur Folge haben, das Schulden und Wachstum sowie Innovation um jeden Preis steigern wird. Infrastruktur und Green-Economy und die fortschreitende Digitalisierung sind weitere Antriebsfaktoren, welche die Märkte in den nächsten Jahren prägen werden. Das Buch zeigt vor diesem Hintergrund den Weg für die kommenden drei bis fünf Jahre auf und beantwortet praktische Fragen, die sich jeder Anleger jetzt stellen sollte: Wie lässt sich trotz Minuszinsen Rendite erzielen? Wie identifiziert man Wachstumsmärkte? Wie werden sich die wichtigsten Währungen in den nächsten Jahren entwickeln? Wie erreicht man aktientypische Erträge mit deutlich geringerem Risiko? Wie nutzt man ein breites Spektrum an Anlageklassen zu seinem Vorteil? Und wie schafft man es am Ende, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, um Gewinne zu realisieren?
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Seitenzahl: 210
Veröffentlichungsjahr: 2021
Gerhard Massenbauer
Das Konzept für den Börsenerfolg imneuen Investitionsboom
FBV
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen
Originalausgabe, 1. Auflage 2021
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Redaktion: Judith Engst
Korrektoratt: Anne Horsten
Umschlaggestaltung: Pamela Machleidt
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Satz: Röser MEDIA GmbH & Co. KG, Karlsruhe
eBook: ePUBoo.com
ISBN Print 978-3-95972-508-8
ISBN E-Book (PDF) 978-3-96092-964-2
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Vorwort
Am Anfang steht: Der Mensch
1. Die Notenbanken liquidieren das System
Die Zinsen stagnieren – aber Geld wird weiter gedruckt
2020 brachte einen globalen Liquiditätsüberfluss
Was bedeutet die Erhöhung der Schulden und die Ausweitung der Bilanzen?
Die gemäßigten Notenbanken
Die logische Folge – geht es immer so weiter?
2. Crypto Tulips und andere Spekulationsblüten
Ganz besonders fanatisch ist der Run auf Bitcoin und andere Cryptos
Geld ist, was gesetzliches Zahlungsmittel ist
3. Der Aufstieg Chinas
Veränderungen in der Politik
Die Entwicklung Chinas in den beiden letzten Jahrzehnten
Die Herausforderung durch China ist vielfältiger und bedrohlicher
Noch ist der Yuan nicht frei (konvertierbar)
Wichtige Grundthesen, die sich auf Basis des fundamentalen Befundes ergeben
Die USA werden freundlicher und zugleich dominanter
Die Notenbanken werden es richten (müssen)
4. Inflation ist die Folge von Geldmengen- und Preissteigerung
5. Steigen die Zinsen – wo und wie stark?
Ursache für Börsenschwankungen
6. Folgen für die Währungsentwicklung
7. Folgen für die Emerging Markets
8. Sind wir auf dem Weg in die Star Treconomy?
9. Meine Erwartungen für die Kapitalmärkte
Die Kapitalmärkte und -ströme der frühen 2020er
10. Überlegungen zur Umsetzung einer praktischen Anlagestrategie
Was wurde aus dem KANZ-Ansatz? Kapitalanlage im Nullzinsumfeld
Edelmetallinvestments
Aktieninvestments
Anleiheninvestments
Alternative Investments
11. Die Schweiz steht vor dem nächsten Frankenschock
12. Grafiken
Glossar
Zum Autor
Als ich im Spätherbst 2016 mein Buch Nie wieder Zinsen zu schreiben begann, welches im Jahr 2017 im Finanzbuchverlag München erschienen ist, erwartete ich für die Börsen eine längere Phase der volatilen Seitwärtsschwankungen. Damals formulierte ich die Grundthese, dass es bei einem Zins von 0 Prozent oder darunter recht unwahrscheinlich sei, dass ein positiver Ertrag erwirtschaftet werden könne. Ja, ich war so skeptisch in dieser Hinsicht, dass ich es auch der Anlageklasse der Aktien nicht zutraute, positive Erträge zu erwirtschaften, die geeignet gewesen wären, die Inflationsrate zu schlagen.
Diese Entwicklung traf auf die europäischen Börsen und bis 2020 auch auf viele Börsen in den Emerging Markets zu. Nur in den USA und China war in den letzten beiden Jahren eine erfolgreiche Börsenentwicklung zu verzeichnen. In China setzte das Börsenwachstum jedoch auch erst 2020 mit der erfolgreichen Bewältigung der Pandemie ein.
Ich habe 2017 auch ein Konzept zur Bewältigung eines volatilen Seitwärtsmarktes entwickelt, den KANZ-Ansatz. Dieser Ansatz bedarf ein- bis zweimal jährlich einer Rekalibrierung. Das Konzept hat sich in den letzten Jahren in der Wirklichkeit der Vermögensverwaltung bewährt. Es hat sich gezeigt, dass die Umsetzung der Überlegungen wirksam war und bei mäßiger Volatilität zu einem guten Gesamtertrag führte. Bei hoher Volatilität waren Übererträge realisierbar. Lesen Sie dazu bitte die Ausführungen im Absatz: Was wurde aus dem KANZ-Ansatz? – Kapitalanlage im Nullzinsumfeld?
Ich darf schon an dieser Stelle anmerken, dass die Überlegung hierzu im Rückblick nicht nur recht einfach erscheint, sondern vor allem sehr erfolgreich war. Die Investition folgte der Überlegung, und wenn auch nicht jede Investition ein Bombenerfolg war, brachte die Zusammenstellung eine relativ ruhige und auch sehr ertragreiche Portfolioentwicklung mit sich.
Vor vier Jahren war der Buchtitel Nie wieder Zinsen eine Ansage, die viele als absurd ansahen. Mittlerweile ist es auch bis in den letzten Winkel der Eurozone vorgedrungen: Es gibt keine Zinsen mehr, und die Aussichten auf positive Zinserträge sind düster. Dabei stelle ich heute wie vor vier Jahren die ernst gemeinte Frage: Wünschen Sie sich wirklich steigende Zinsen? Ich meine, es spricht mehr dafür als dagegen, sich keine nachhaltig steigenden Zinsen zu wünschen (mehr dazu in den Kapiteln 4 und 5).
Mit diesem Buch will ich dazu beitragen, unsere Zukunft nicht als Bedrohung wahrzunehmen, sondern als Gelegenheit zur persönlichen und wirtschaftlichen Entwicklung und als Anregung, die eigene Freiheit der Entscheidung nicht gering zu schätzen, sondern zu pflegen – nämlich die Entscheidung darüber, was einem guttut.
Das Ziel dieses Buches: Ein Wegweiser für wahre Werte zu sein
Alle Menschen sind gleich – sagt das Gesetz. Doch gibt es verschiedenste Begabungen sowie Spezialisierungen in unterschiedlichsten Disziplinen. Selbst wer es beruflich in einer Disziplin zu etwas gebracht hat, etwa als Skilehrer am Arlberg, wird ohne Weiteres zur Kenntnis nehmen, dass es Spezialisten-Rennläufer gibt, die in Sachen Geschwindigkeit und Technik weitaus besser sind.
Woran es liegt, dass bei Finanzfragen oft nicht genauso gedacht wird, ist mir nach so vielen Jahren in diesem Metier noch immer nicht klar. Es fällt Menschen bei Finanzfragen schwer, einzusehen, dass es Profis gibt, die besser im Umgang mit Geld, Wertpapieren oder Derivaten sind, als die eigene Person. Offenkundig ist die Selbsteinschätzung in Finanzfragen entweder von Hoffnungslosigkeit, massivem Misstrauen oder von ebenso übertriebener Selbstüberschätzung geprägt.
Die Spezialisten haben nicht einfach Glück, sondern sie sind hochtrainierte Marktteilnehmer, die Entwicklungen akribisch verfolgen, sich selbst laufend schulen, Geld in Hilfssysteme investieren und ständig auf der Suche nach Einsicht in ihrem Spezialgebiet sind. Der wirtschaftliche Erfolg dieser Marktteilnehmer ist also die Folge von Fleiß und Können in sehr spezieller Ausprägung. Diese Spezialisten werden daher folgerichtig früher als die meisten anderen Marktteilnehmer erkennen, dass es zu Ungleichgewichten kommt. Daher werden diese Spezialisten von Entwicklungen weniger häufig überrascht als die Mehrheit der Marktteilnehmer.
Wenn Amateursportler sich mit Profis messen, werden sie kaum je gewinnen und vermutlich auch nicht böse auf den Profi sein, sondern eher einsichtig, dass ein Spezialist einfach mehr kann.
Neben den Spezialisten gibt es fraglos noch eine weitere Kategorie von Marktteilnehmern, die gegenüber der Mehrheit ihrer Mitstreiter im Vorteil ist: die gut Vernetzten, die sich mit eleganten Mitteln – und nicht durch Fleiß und Geist – Vorteile verschaffen. Ich sehe diese Clique als real existentes Phänomen in der menschlichen Gesellschaft an, der Korruption in keiner Ebene fremd ist.
Interessanterweise ist es vor allem diese Clique, die eine Bedrohung in der Gemeinde der tatsächlich begabten Spezialisten sieht, weil diese ihr Primat bedrohen. Diese Clique ist oft staatsnah organisiert und greift daher auf legalistische Mittel zurück, um der Bedrohung durch begabte Privatleute Herr zu werden. Wer die Entwicklung der Regulatorik der letzten zwölf Jahre betrachtet, erkennt unzweifelhaft, dass kleinere Institutionen mit Regularien erdrückt werden, die sie zunehmend schwierig umsetzen können. Der zeitliche Aufwand und das dafür benötigte Kapital sind enorm hoch.
Die Folge sind immer größere, von oben gut lenkbare Großinstitutionen, die eng miteinander vernetzt kooperieren.
Meiner Einschätzung nach sind es vor allem diese Cliquen, denen ein negatives Image für Marktentwicklungen zuzuschreiben ist. In der Realität haben die Spezialisten durch die Machtverhältnisse aber das schlechte Image – und nicht die Cliquen. Das zeigte sich zuletzt in den USA, als Millionen Kleinanleger einen Wall Street Hedgefonds attackierten, der ein Beispiel für solche Spezialisten ist.
Sportler stehen in der Öffentlichkeit und leben von einer oft irrationalen Identifikation ihrer Fans mit ihrer Person und ihren sportlichen Erfolgen. Finanzmarktspezialisten scheuen die Öffentlichkeit eher, als sie zu suchen, denn sind sie erfolgreich, sind sie oft (wenn auch nicht immer) sehr wohlhabend. Dies zieht das Interesse von Verbrechern an; und am Ende handelt es sich auch bei diesen Spezialisten nur um Menschen mit Familien, die unbehelligt leben wollen. Die Scheu vor der Öffentlichkeit ist es, die diese Spezialisten vielen Menschen suspekt erscheinen lässt. Zudem sind ihre Handlungen nicht live nachvollziehbar, und nach außen erscheint die Beauftragung eines Derivatehandels oder eines Aktienkaufs auch vollkommen unspektakulär.
Was die Mitglieder der Cliquen, aber auch der Finanzmarktspezialisten, zum Ziel von Feindseligkeit macht, ist nicht primär ihr Erfolg. Es ist eher der Eindruck, dass ihr Erfolg darin besteht, dass sie anderen etwas wegnahmen, die weniger gut vernetzt oder tüchtig sind. Dem kann man ja kaum entgegnen, es wäre nicht wahr.
Am Finanzmarkt geht es in erster Linie darum, bessere Entscheidungen zu treffen als der Durchschnitt der anderen Marktteilnehmer. Dabei ist es oft nur möglich, etwas zu gewinnen, was andere gleichzeitig verlieren. Das zu kritisieren, wäre aber genauso geistreich und richtig, wie zwei Bauern miteinander zu vergleichen, bei dem einer jeden Tag zur Arbeit geht, während der andere nichts tut. Beide werden am Ende ihren Ertrag einfahren: Warum sollte der Nachlässige etwas anderes erreichen als den Verlust des Saatguts, das er zu Beginn ausgebracht hat? Der fleißige Bauer wird vom nicht so fleißigen vermutlich aber dennoch beneidet werden.
Oft besteht der Gewinn von Spezialisten darin, Entwicklungen früher korrekt einzuschätzen als andere, die auf den fahrenden Zug aufspringen. Wer preiswert kauft, wird erfolgreich sein. Dieses Geschick neidet kaum jemand, weil in der Folge alle anderen auch etwas verdienen können.
Die Spezialisten sehen aber nicht nur Aufwärtsentwicklungen früher als die Masse der Investoren, sie können auch das Ende einer Entwicklung früher erkennen. Und hier beginnt sich dann die Abneigung zu regen, weil es den Spezialisten gelingt, Verluste zu vermeiden. Sie schlagen sogar Kapital daraus, während die Masse der Investoren verliert. Aber warum ist das verwerflich?
Wenn es nach mir geht, müsste vor allem den Cliquen ein Riegel vorgeschoben werden. Die Clique erlangt durch unfairen, nicht immer legalen Informationsfluss Vorteile und nutzt ihre großen Geldvolumina dazu, andere Marktteilnehmer zu scheren, die über diesen Vorteil nicht verfügen.
Ist es realistisch, dass die Cliquen beschränkt werden? Nein, dies ist unwahrscheinlich und würde radikale Änderungen in der Gesellschaft erfordern – wie etwa während der Französischen Revolution. Weder wünsche ich mir eine solche gesellschaftliche Radikalisierung, noch erwarte ich sie noch zu erleben.
Ich habe mein Leben lang daran gearbeitet, ein Spezialist zu werden. Wenn ich meine Vita betrachte, habe ich mehr richtiggemacht als falsch. Die Fehler sind wichtig, weil sie Demut lehren und die Einsicht vermitteln, wie wichtig es ist, zwischen Angst und Vorsicht ehrlich zu unterscheiden.
Ehrlichkeit ist vermutlich die wichtigste Eigenschaft eines Spezialisten wie eines jeden Anlegers, vor allem die Ehrlichkeit zu sich selbst. Die Ehrlichkeit ist wichtig, wenn zwischen Wissen und Einbildung zu unterscheiden ist. Weiß ich um die Sicherheit meiner Analyse oder bilde ich sie mir ein? Wer hier nicht sicher beurteilen kann, wie ehrlich er gerade zu sich selbst ist, ist kein Spezialist, sondern ein Träumer.
Ich betrachte mich selbst als Spezialisten. Viele Menschen sehen sich als Spezialisten am Markt, sind aber doch nur Träumer. Es wäre sinnvoll, ehrlicher zu sich selbst zu sein und Spezialisten zu suchen, welche die Gefahr reduzieren, als Laie Geld zu verlieren. Dummerweise muss man Spezialisten bezahlen, davor scheuen viele zurück und bleiben daher Träumer, die mangels spezialisierter Einsicht am Markt sehr viel mehr liegen lassen als die vergleichsweise niedrigen Beträge, die der Spezialist fordert.
Wenn ich als Spezialist andere Marktteilnehmer als Träumer bezeichne, werden das manche anmaßend finden. Ehrlichkeit ist eine Tugend. Wer nicht zur Kenntnis nimmt, selbst mangels Cliquen-Verbindung oder Spezialwissen ein Träumer zu sein, wird fortgesetzt verlieren. Meine Haltung ist also alles andere als verächtlich, ich betrachte sie als offen und zugewandt. Es geht darum, den Einfluss der Spezialisten und der »Geber« zu stärken. Die Cliquen bleiben wohl dominant, aber ein bisschen spürbare Konkurrenz schadet nie. Es steht Ihnen frei, zum Spezialisten zu werden. Es erfordert aber volle Passion und Kapital, um diesen Status nach einigen Jahren zu erreichen. Zeit für einen Brotberuf bleibt dann keine mehr!
Ich beginne meine einführenden Grundüberlegungen für mein Buch mit Gedanken zur geldpolitischen Hyperventilation der globalen Notenbanken, bei denen in der Corona-Krise ein hoher Grad an gegenseitiger Abstimmung zu beobachten war.
Das Jahr 2020 brachte den schnellsten und stärksten Einbruch der Börsen im Frühjahr. Die darauf einsetzende Erholung brachte bis zum Jahresende eine vollständige Erholung an den meisten Börsenplätzen – in vielen Fällen führte dies sogar zu neuen Jahreshöchstständen oder Allzeithochs.
Die Hauptursache dafür war das marktmanipulative Eingreifen der Notenbanken in den Markt durch eine extreme Ausweitung der Geldmenge und des Liquiditätsangebots.
Zu beachten ist, dass die Notenbanken, unter Führung der amerikanischen Federal Reserve (Fed), diesen Eingriff seit 1987 in wiederkehrender Form geübt haben. Die Dimensionen der Eingriffe sind dabei von Mal zu Mal enorm angestiegen. Die Notenbanken rechtfertigen ihre Eingriffe mit dem Argument, dass die Märkte dysfunktional seien und ihr Eingreifen daher alternativlos sei. Dieses Narrativ kann nur funktionieren, weil Notenbanken Machtinstitutionen sind, deren Glaubwürdigkeit gesetzlich verankert ist. Eine Betrachtung, die das ignoriert, wird zu falschen Schlüssen führen.
Wären Notenbanken an der Vernunft eines ordentlichen Kaufmanns zu messen oder aus der Perspektive der Naturwissenschaft zu beurteilen, so wäre ihr Verhalten aus kaufmännischer Sicht nicht tragfähig, weil begrenzte Mittel beziehungsweise eine begrenzte Kreditfähigkeit durch Kredit unbegrenzt »aufgeblasen« werden. Notenbanken brauchen keine Kreditfähigkeit wie ein Kaufmann, und daher agieren sie auch anders.
Aus naturwissenschaftlicher Perspektive erscheint es fragwürdig, mit immer der gleichen Versuchsanordnung unterschiedliche Ergebnisse erzielen zu wollen. Die Notenbanken scheitern seit mehr als 30 Jahren offenkundig daran, mit ihren Eingriffen einen nachhaltig funktionalen Markt herzustellen. Die Notenbanken senkten bei Marktkrisen laufend die Zinsen. Als das nicht mehr in ausreichendem Umfang möglich war, druckten sie Geld, um die Märkte mit Liquidität zu fluten. Es ist unsinnig, mit Liquiditätsausweitung allein (sei es durch Zinssenkung oder durch Gelddrucken) ein nachhaltig stabiles Marktumfeld herstellen zu wollen. Albert Einstein definierte ein solches Verhalten, mit derselben Versuchsanordnung unterschiedliche Ergebnisse zu erwarten, als Irrsinn.
Im Unterschied zu Notenbanken greifen Kaufleute (= Marktteilnehmer) nicht auf unbegrenzte Macht oder Liquiditätsschöpfung zurück und verhalten sich daher kaufmännisch vorsichtig.
Kommt es zur Wahrnehmung einer Marktkrise, verhalten sich Marktteilnehmer entsprechend risikoavers und vorsichtig; sie ziehen verfügbare Liquidität an sich. Dadurch kommt es bei raschen Anpassungsprozessen zu einer Liquiditätsverknappung bei den schwächeren und Liquiditätshortung bei den robusten Marktteilnehmern. Üblicherweise ist dieser Vorgang ein Bereinigungsprozess, der in der Wirtschaft zu einer Trennung zwischen überlebensfähigen und absterbenden Unternehmen führt.
In den 1970er- und 1980er-Jahren hat dieser Prozess noch weitgehend funktioniert. Seit aber Alan Greenspan 1987 die Funktion des Notenbankpräsidenten in den USA eingenommen hat, haben sich die Verhältnisse zu ändern begonnen. Spätestens mit der Finanzkrise 2008 war klar, dass der oben skizzierte Bereinigungsprozess nicht mehr stattfinden kann, weil er verhindert wird.
Das Finanzsystem hat nach einer Phase der Hochzinsentwicklung und daraus folgender Austerität mit Thatcherismus und Reaganomics zu einem System immer größerer Volumina im Derivatemarkt geführt, den etwa Warren Buffett schon Anfang des neuen Jahrtausends als Atomwaffenarsenal bezeichnet hat. Der Finanzsektor bietet Unmengen von Derivaten, sei es über die Börsen, über Schattenbörsen oder OTC (die Abkürzung steht für »over the counter«, gemeint ist der Direkthandel mit Banken). Mittlerweile gibt es auch sehr viel mehr Indizes und ETFs, die diese replizieren, als zugrundeliegende Assets.
Auch für diese Finanzinstrumente gilt, dass sie von Marktteilnehmern gehalten werden, die dazu neigen kaufmännische Vorsicht walten zu lassen, weil sie nicht über unendliche Feuerkraft verfügen.
Wenn die Notenbanken in unerschöpflicher Menge Liquidität schöpfen, erweitert das die Gestaltungsmöglichkeit der Marktteilnehmer, die in der Geldmengenerweiterung durch die Notenbanken zusätzliche Mittel erhalten und rational richtig eine Gelegenheit zum Investieren erkennen. Schränken die Notenbanken später die Liquiditätsversorgung ein, erkennen die Marktteilnehmer, dass sie in ihrem Verhalten vorsichtiger werden müssen. Sie ziehen Liquidität an sich, gerade weil sie ja als Kaufleute nicht über unendliche Feuerkraft verfügen.
In den letzten 40 Jahren sind die Zinsen weltweit – unter Schwankungen – massiv gesunken. In den USA von 18 Prozent auf aktuell 1,6 Prozent für Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit.
Diese Zinssenkung hat sowohl einen Börsen- und Immobilienboom als auch einen Anleihen-Boom verursacht. Die Aufschwünge wurden noch verstärkt durch die immense Ausweitung der Geldmenge M2 in dieser Zeit. Interessant ist, dass es diese Geldmengenausweitung ist, die das Immobilienpreiswachstum in guten Lagen am besten beschreibt (London oder die Stadt Salzburg erlebten in den vergangenen 20 Jahren ein Immobilienpreiswachstum von rund 6,25 Prozent p. a., was auch der durchschnittlichen Aufwertung guter Immobilienlagen entsprach – während die Inflation nur knapp bei 2 Prozent lag, was für Peripherieliegenschaften eine naheliegende Preissteigerungsrate war).
Geldmenge M2 USA: Die Dynamik erhöhte sich mit dem Quantitative Easing bereits in den 2010er-Jahren. Die Corona-Krise erhöhte die Dynamik noch in erheblichem Umfang. (Quelle: www.themarket.ch)
Diese Annahme habe ich bereits in meinem Buch Nie wieder Zinsen, FBV 2017, vertreten. Tatsächlich sind die Zinsen weltweit gesehen seitwärts gelaufen, wobei einzelne Märkte sich erst in den letzten Jahren auf japanisches oder europäisches Niveau abgesenkt haben. Nun ist aber Schluss, und wir dürfen davon ausgehen, dass die Zinsen global ihr tiefstes Niveau erreicht haben.
Die Notenbanken haben in der Corona-Krise die Liquidität im Markt massiv ausgeweitet. Wie schlecht es den Märkten bekommt, wenn die Notenbanken ihnen Liquidität entziehen, hat die Fed 2019 gelernt, als es im amerikanischen Repomarkt zu gravierenden Verspannungen gekommen war. Die Fed hatte ab Mitte 2018 bis September 2019 die Liquidität, die sie nach der Finanzkrise 2008/2009 in den Markt injiziert hatte, teilweise und langsam wieder entnommen.
Die Corona-Krise ließ die Maßnahmen der Fed in den folgenden Monaten von September 2019 bis Februar 2020 aber fast schon lächerlich erscheinen. Die Fed fügte in diesen fünf Monaten die gesamte Liquidität wieder hinzu, die sie zuvor über 15 Monate hinweg dem Markt entzogen hatte. Dann kam Corona, und die Fed injizierte allein im März 2020 3.000 Mrd. US-Dollar ins System und damit sechsmal so viel, wie in den fünf Monaten davor.
Die Fed hatte auch die Zinsen im Laufe des Jahres 2019 bereits gesenkt, mit der Corona-Krise sanken auch die amerikanischen Geldmarktzinsen auf 0,00 bis 0,25 Prozent, und da werden sie nun lange bleiben.
Gleichzeitig betonte die Fed, sie werde unbeeindruckt von der mittelfristigen Inflationsentwicklung daran festhalten, Geld zu drucken (ich benutze vereinfachend diese Terminologie, wenn auch Quantitative Easing irgendwie flotter klingt). Die Fed allein brachte jeden Monat nach dem März 2020 120 Mrd. frische Liquidität in den Markt. Das sind 1.440 Mrd. US-Dollar oder 6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der USA, die bis auf weiteres, Monat für Monat und Jahr für Jahr ins System gepumpt werden.
Die Fed hat auch betont, sie werde daran nichts ändern, wenn die Inflationsrate steigen würde. Ja, sie werde auch dann noch untätig bleiben, wenn die Inflationsrate, die nun so lange so tief gelegen hatte, über das Inflationsziel von 2 Prozent hinaus ansteige. Sie würde dann so lange warten, bis die Inflationsrate im langfristigen Schnitt (inklusive der Jahre schwacher Inflationsentwicklung in den vergangenen zehn Jahren) über 2 Prozent ansteigen würde. Im Ergebnis kann das bedeuten, dass die Fed die Zinsen in den kommenden zehn Jahren nicht anheben muss und auch das Gelddrucken fröhlich fortsetzen wird.
Ich hebe hier das Verhalten der amerikanischen Notenbank vor allem deshalb so hervor, weil die Fed der Schrittmacher für alle anderen Notenbanken rund um die Welt ist. Was die Fed macht, wird von diesen in der Regel nachvollzogen – nur China und Russland richten sich nicht danach, sondern machen, was sie für richtig halten.
Wir befinden uns in einer bemerkenswerten Zeit. Selbst die amerikanische Notenbank Fed hat eingestehen müssen, dass sie im Frühjahr 2020 einige rote Linien überschritten hat. Das klingt nicht harmlos. Vielleicht war es tatsächlich alternativlos. Mit diesem Kapitel möchte ich einen Rundblick über das Wirken der Notenbanken rund um die Welt vornehmen und deren Auswirkungen beleuchten.
Der März 2020 brachte den rasantesten Absturz der Börsen in der Geschichte der Börsenkrisen. Vor allem bei der amerikanischen Notenbank entstand Angst davor, die Finanzmärkte der USA könnten nachhaltig Schaden nehmen. Daher entschloss sich die Fed, ihre ohnehin schon aufgeschwollene Bilanz von allen Schranken zu befreien. Die Marktreaktion im März 2020 war heftig – das war der schnellste Absturz der Börsengeschichte. In Anbetracht eines globalen Lockdowns, des absehbaren Einbruchs der Weltwirtschaft, möglicher Massenarbeitslosigkeit und der neuerlich aufflammenden Spannungen zwischen den ölproduzierenden Ländern sowie zwischen den USA und China schien das auch eine angemessene Marktreaktion zu sein.
Ohne die Liquiditätsflut, die sich über Aktien- und Anleihenmärkte ergoss, wären die Kurse zweifelsohne noch tiefer gesunken. Unternehmen, deren Anleihen 2020 ausliefen, hätten vielleicht keine Möglichkeit gefunden, sich zu refinanzieren. Eine Reihe von Insolvenzen wäre dann abzuwickeln gewesen. Dies hätte die Märkte, aber auch das gesamte Finanzsystem, noch stärker unter Druck gesetzt, und damit wären auch die Börsenkurse wohl noch tiefer gesunken.
Wir müssen heute froh sein, dass die Notenbanken eingegriffen haben. Es ist allerdings bedauerlich, dass dies nur notwendig wurde, weil die Notenbanken und Staaten seit mehr als 30 Jahren ständig in das Marktgeschehen eingreifen und bestehende Probleme in die Zukunft verlagern. Das ist diesmal nicht anders. Doch wird dadurch jedes Mal das Nachfolgeproblem vergrößert.
Über unsichere Zeiten zu jammern bringt nichts. In der aktuellen Lage sollten Sie bestimmen, wo Sie sich selbst sehen und wo die nähere Umgebung, Ihre Märkte, Ihre Kunden und die Gesellschaft. Haben Sie dies geschafft, können Sie die Lage analysieren und einen Weg für sich finden, der Ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten entspricht. Wo Sie feststellen, dass Ihnen das allein nicht gelingt, holen Sie sich Unterstützung. Wenn diese nicht kostenlos zu bekommen ist, ist eine Kosten-Nutzen-Analyse anzustellen. Diese hat das Ziel zu evaluieren, ob Sie als Investor allein nach Abzug der Kosten besser klarkommen oder ob das nicht wahrscheinlich ist. Benötigte Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Klugheit.
Ich analysiere monatlich rund 30 Währungen. Dazu gehört es auch, die Entwicklung der Notenbankbilanzen zu beobachten. Ich habe 2009 damit begonnen, der Entwicklung der Notenbankbilanz der SNB zu folgen, noch bevor sie 2011 eine feste Kursschwelle zum Euro bei 1,20 EUR/CHF etablierte und zu verteidigen begann. Der damalige Notenbankpräsident Hildebrand und sein Nachfolger, der heutige Notenbankpräsident Dr. Jordan, haben bis 2015 immer wieder betont, dass das Arsenal der Schweizer Nationalbank ausreichend sei und die SNB gewillt sei, die Schwelle bei 1,20 EUR/CHF unter allen Umständen zu halten. Dies ist die Urform des Whatever it takes, die Mario Draghi zugeschrieben wurde, als er diese Wendung 2012 am Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise benutzte.
Wie wir heute wissen, war das Versprechen der SNB leer. Sie ließ die Schwelle ohne Ankündigung am 15. Januar 2015 fallen. Dies führte zum stärksten Kursanstieg einer Währung in der Geschichte. Binnen 30 Minuten sank der Euro von 1,20 auf 0,82 EUR/CHF ab – eine Veränderung um fast 50 Prozent. Dagegen war der Kurssturz an den Börsen im März 2020 ein Kinderspiel. Ich hatte im September 2014 erkannt, dass die Notenbankbilanz der Schweiz enorm angeschwollen war. Der Franken konnte sich jedoch nicht mehr von der Schwelle bei 1,20 EUR/ CHF distanzieren. Meine Analyse ergab damals, dass ein Versagen der Notenbank zu erwarten sei, ihr Versprechen durchzuhalten. Ich schrieb damals davon, dass »der Franken über den Jordan ginge«. Tatsächlich hat Präsident Dr. Jordan die Entscheidung verkündet und damit begründet, dass die Notenbank nicht mehr gewillt sei, in dem unglaublichen Ausmaß darin fortzufahren, Devisen anzukaufen. Der Bestand an Devisen der Schweiz hatte sich seit 2008 von 100 Mrd. CHF auf 470 Mrd. CHF im Jahr 2015 gesteigert. Sollte man nun annehmen, dass die SNB diesmal ihr Wort hielt und mit ihrer Intervention aufhörte? – Weit gefehlt! Die SNB hat 2015 nicht etwa aufgehört Devisen zu kaufen, sie hat richtig in die Vollen gegriffen. Heute ist die Bilanzsumme der SNB auf knapp 1.000 Mrd. CHF angeschwollen. Die SNB hat ihre Bilanzsumme in den vergangenen fünf Jahren also nochmals um 115 Prozent gesteigert!
Notenbanken sprechen nicht (immer) die (vollständige) Wahrheit im Hinblick auf das aus, was sie denken.
Wahr ist, was Notenbanken tun, und das widerspricht oft dem, wie wir ihre Worte verstehen (sollen).
Es gilt, aufmerksam zu bleiben und stets zu überprüfen, was Notenbanken sagen und was sie tatsächlich beabsichtigen.
