Nie wieder Zinsen - Gerhard Massenbauer - E-Book

Nie wieder Zinsen E-Book

Gerhard Massenbauer

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Beschreibung

Wir leben in einer Zeit der Superlative. Die Staatsverschuldung der entwickelten Industrieländer hat das höchste Niveau seit Ende des Zweiten Weltkriegs erreicht. Diese Entwicklung wird durch die aggressive Geldpolitik der größten Notenbanken begünstigt. Leitzinsen von null oder nahe null Prozent in Kombination mit Anleihenkäufen haben das Zinsniveau auf den niedrigsten Stand seit 5000 Jahren gedrückt. Dies entlastet zwar die Staatshaushalte, nimmt dem Sparen aber jeglichen Sinn und stellt Banken sowie Unternehmen vor existenzielle Herausforderungen. Banken verdienen zu wenig Zinsen, um sich das Risiko einer allzu offensiven Kreditvergabe leisten zu können. Gleichzeitig steigt der regulatorische Druck zum Aufbau ausreichender Eigenkapitalquoten. Die daraus resultierende Einschränkung der Kreditvergabe lässt die Unternehmen und deren Investitionsvorhaben auf der Strecke bleiben. Andererseits halten die Niedrigzinsen zu viele Zombie-Unternehmen und -Banken am Leben, was zu Überkapazitäten und Preisdruck führt. Niedrigere Margen sind die Folge. Es bleibt weniger Spielraum für Lohnerhöhungen. Stagnierende Einkommen wiederum beeinträchtigen den Konsum und somit das Absatzpotenzial der Firmen. Das Nullzins-Niveau legt Wirtschaft und Börse auf Eis, denn das Geldmengenwachstum kommt in der Realwirtschaft nicht an. Gerhard Massenbauers Kapitalmarktgleichung bringt das auf den Punkt: 0 % Zinsen + 0 % Investitionsneigung + 0 % Wirtschaftswachstum -> 0 % Anlageertrag - Kosten - Inflation Wer in diesem stagnierenden Wirtschaftsumfeld Geld anlegt, wird künftig keine sicheren Kapitalanlagen finden, in die er investieren kann. Aber auch die risikoreichen Kapitalanlagen werden auf längere Sicht keinen Ertrag abwerfen, obwohl sie stark schwanken können. In diesem Buch zeigt Gerhard Massenbauer deshalb erstmals neue Wege der Geldanlage auf, mit denen sich in der Nullzins-Eiszeit trotzdem noch Geld verdienen lässt.

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Seitenzahl: 254

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Gerhard Massenbauer

NIE WIEDER

ZINSEN

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

1. Auflage 2017

© 2017 by FinanzBuch Verlag,

ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Nymphenburger Straße 86

D-80636 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Die im Buch veröffentlichten Ratschläge wurden von Verfasser und Verlag sorgfältig erarbeitet und geprüft. Eine Garantie kann dennoch nicht übernommen werden. Ebenso ist die Haftung des Verfassers beziehungsweise des Verlages und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ausgeschlossen.

Redaktion: Judith Engst

Korrektorat: Desirée Šimeg

Umschlaggestaltung: Karen Schmidt, München

Umschlagabbildung: stone36/Shutterstock.com

Satz: inpunkt[w]o, Haiger (www.inpunktwo.de)

Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

eBook: ePubMATIC.com

ISBN Print: 978-3-95972-054-0

ISBN E-Book (PDF) 978-3-96092-088-5

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96092-089-2

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.finanzbuchverlag.de

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INHALT

Vorwort

Vorwort des Koautors Michael Kordovsky

Die Kapitalmarktgleichung

Kapitel 1 – Die Zinsen

1.1 Zinsen aus historischer Perspektive

1.2 Sogar die Schweizerische Nationalbank ist in Gefahr

1.3 Geldpolitisches Gift – mit zu niedrigen Zinsen in der Liquiditätsfalle

Kapitel 2 – Der Staat als letzte Stütze des Finanzsystems

2. Staaten schaffen ein Schuldenaufnahme-Monopol

Kapitel 3 – Wie Banken von der Liquiditätsausweitung durch die Notenbanken profitieren

3. Ein Kreditmarktzyklus im Überblick

Kapitel 4 – Die Folgen fehlgeleiteter Geldpolitik und einschränkender Regulierungen

4.1 Wie wird die Alltagssituation von Otto Normalverbraucher aussehen?

4.2 Wie kann man als Normalbürger hier auf die Überholspur wechseln?

Kapitel 5 – Gesunder gesetzlicher Rahmen versus schädliche Überregulierung

5.1 Wie funktionieren menschliche Gemeinschaften in der Vergangenheit und auch heute?

5.2 Woher kommt Geld? Wie erfolgt Wertschöpfung?

5.3 Die Aufgabe der Verwaltung und Regulatorik (= Staatsstellen, die Regeln schaffen)

5.4 Reine Verwaltung bietet keine Wertschöpfung

5.5 Wo gesetzliche Rahmenbedingungen nützlich sind

5.6 Umweltschutz versus Wettbewerbsfähigkeit

5.7 Kollektives Denken statt bürokratischer Selbstzweck

5.8 Wer sich mittels Bürokratie seine Pfründe sichert

5.9 Warum ist es schlecht, wenn die Unternehmensstruktur älter wird?

5.10 Unternehmen werden von Menschen gegründet, die eine Idee haben und diese verfolgen

5.11 Ordnungspolitische Grundausrichtung an der menschlichen Natur

5.12 Wie viel Staat ist optimal?

Kapitel 6 – Die Wachstumsbremsen der entwickelten Volkswirtschaften

6.1 Es fehlt an einer Kultur des Scheiterns

6.2 Zombiewirtschaft

6.3 Besondere Benachteiligung europäischer Unternehmen

6.4 Staatsausgaben nehmen überhand – private Kreditkonkurrenz wird zurückgedrängt

6.5 Kaputtsparen oder die Einführung sinnvoller Neuverschuldungskonzepte

6.6 Resümee: Wie lässt sich Verschuldung eindämmen?

Kapitel 7 – Schuldenkrise und Verteilungskonflikte – ein ernüchternder Blick auf die digitalisierte Zukunft

7.1 Große Zeitenwenden haben Ursachen und Folgen

7.2 Die Fronten beginnen sich zu verhärten

7.3 Verteilungsfragen werden an Bedeutung gewinnen

7.4 Welche Volkswirtschaften haben gute Voraussetzungen, die Zukunft zu bewältigen?

Kapitel 8 – Was Sie tun können, um künftig Ihr Vermögen zu sichern

8.1 Mit Expertise gegen das Nullsummenspiel

8.2 Gedanken zur Kapitalanlage

8.3 Grundlegende Überlegungen für Trader und Anleger

8.4 Die Welt ist in Bewegung

Kapitel 9 – Kapitalanlagen im Nullzinsumfeld

9.1 Schreckgespenst Zinswende

9.2 Warum beklagen Banken und Versicherungen die Nullzinsen?

9.3 Immobilien im Nullzinsumfeld

9.4 Was geschieht mit Anleiheninvestitionen, wenn die Zinsen steigen?

9.5 Was geschieht mit Aktieninvestitionen, wenn Zinsen steigen?

9.6 Was geschieht mit Edelmetallinvestitionen, wenn die Zinsen steigen?

9.7 Erfolgreiche Kapitalanlage in freien demokratischen und kapitalistischen Systemen des 21. Jahrhunderts

9.8 Die kommenden zehn Jahre

Kapitel 10 – »Nie wieder Zinsen« – ein bewusst gewählter Titel für das voraussichtliche Ausbleiben einer Inflation

10.1 Keine großen Kriege – Digitalisierung – Überalterung – Überschuldung der Staaten

10.2 Die Unwahrscheinlichkeit von Zinsen im Lichte der Keynesianischen Liquiditätsfalle

10.3 Was könnte in den kommenden Jahren eine Rückkehr zu Inflation und höheren Zinsen möglich machen?

10.4 Inflation und höhere Zinsen sind in den kommenden 10 bis 15 Jahren fast undenkbar

Anhang – Wie könnte ein zukunftsfähiges Wertpapierdepot aussehen?

Die KANZ-Strategie: Kapitalanlage im Nullzinsumfeld

Hier finden Sie ein diesem KANZ-Ansatz entsprechendes Erfolgsportfolio 2017

Zum Autor

Danksagung

Vorwort

Ich habe in den letzten 18 Jahren meiner trendanalytischen Tätigkeit so viel Klarheit über die derzeit aktuellen Entwicklungen und Fakten gewonnen, dass ich es wichtig finde, dieses Buch zu schreiben und dabei dem Satz treu zu sein: Si tacuisses philosophus mansisses (»Hättest du geschwiegen, wärst du Philosoph geblieben«, was so viel bedeutet wie: Sprich nur dann, wenn du weißt, dass du mit dem Gesagten höchstwahrscheinlich richtig liegst).

Ich treffe viele Menschen, die spürbare Unsicherheit beklagen. Es erscheint mir wichtig und möglich, einen Anker zu setzen, der eine Orientierung schafft, wo wir heute stehen. So lassen sich Zweifel hoffentlich reduzieren. Viele Ereignisse in der Vergangenheit konnten im Vorfeld auf logischer Basis eingeschätzt und beschrieben werden, bevor sie ihre Wirkung voll entfalteten. »Der Massenbauer-Ansatz« (http://www.gerhardmassenbauer.com/info/ansatz) hat dies in den Jahren 1998 bis heute konsistent ermöglicht. Der Massenbauer-Ansatz fußt auf folgender Annahme: Die Erkenntnis über Entwicklungen, die gerade beginnen und in der Folgezeit für alle erkennbar werden, ist möglich.

Ich setze dies seit 1998 um und stelle mit Freude und Verwunderung fest, dass eine neue philosophische Richtung – ein »Neuer Realismus« – diese Erkenntnis seit 2009 ins Gespräch bringt. Tatsächlich hat sich durch den Konstruktivismus, der in den letzten 100 Jahren in der Philosophie vorherrschte, eine unselige Denkweise etabliert. Sie erklärt es für aussichtslos, Entwicklungen korrekt zu beurteilen und ihre Ableitungen richtig einzuschätzen.

Ich beobachte seit 1998 eindeutig die Möglichkeit, Entwicklungen zu antizipieren, weil aus gewissen Parametern die zu erwartenden Folgen ganz logisch ableitbar sind! Zugegeben, der Massenbauer-Ansatz ist keine einfache Methode, die sich in mathematische Modelle pressen lässt, sondern eine situativ-reaktive, breit gefächerte Analysehaltung, die ein ungewöhnlich hohes Maß an Reflexion erfordert, eine wirklich breite Allgemeinbildung und im Moment der Herausforderung auch die Bereitschaft, eigene Erfahrungssätze über Bord zu werfen. Jede einzelne Eigenschaft ist dabei zwingend notwendig. Diese dürften nur wenige Menschen mitbringen. Es gibt weltweit nur wenige, die nachhaltig und überprüfbar dazu in der Lage sind.

Mein Buch enthält drei wesentliche Abschnitte:

Im ersten Teil (Kapitel 1–4) geht es darum, die Grundlagen/Prämissen der Analyse darzustellen, von der die darin zugrunde gelegten Annahmen ausgehen.

Im zweiten Teil (Kapitel 5–7) wird intensiv über Änderungsnotwendigkeiten nachgedacht, die ein erfolgreiches und positives Zukunftsszenario ermöglichen. Die Aussicht auf eine positive Zukunft ist gesellschaftlicher Kitt und hilft dabei, friedlich zu koexistieren.

Der dritte Teil (Kapitel 8–10) bietet eine konkrete Betrachtung der wesentlichen Anlageklassen und ihrer Funktionsweise im Zusammenhang mit der Kapitalmarktgleichung, die sich aus Nie wieder Zinsen ergibt.

Dankwort an meinen Koautor

Michael Kordovsky vereint Sachkenntnis mit Integrität – ein Umstand, der es mir leicht machte, ihn als Koautor auszuwählen. Dass er sich bereit erklärte, dieses Buch mit mir gemeinsam zu schreiben, ehrt und freut mich. Er komplettierte diese Arbeit mit inhaltlichen und formalen Einwänden und unterstützte mich maßgeblich bei der Recherche zu einigen wichtigen Fakten.

Wichtige Hinweise zum Lesen dieses Buchs

Die Passagen in der »Ich-Form« sind Aussagen des Autors, Gerhard Massenbauer. Michael Kordovsky lieferte indessen Beispiele, Zahlen, Daten und Fakten sowie diverse ergänzende Impulse aus seinem eigenen Erfahrungsschatz.

Wo stehen wir? Wo beginnen wir in diesem Buch?

Die heutige Lage ist nicht innerhalb weniger Jahre entstanden, sondern das Produkt einer jahrzehntelangen Entwicklung von Steuerung und Fehlsteuerung. In vielen wirtschaftlichen, rechtlichen und gesellschaftlichen Bereichen haben wir Extremzustände erreicht. Es entstehen laufend neue Faktoren, die auf diese Extremzustände treffen, diese noch extremer werden lassen, sie abschwächen oder zumindest für einige Zeit in den Hintergrund drängen.

Diese Faktoren zu erkennen und in ihrem Zusammenspiel einigermaßen korrekt zu beurteilen, ist möglich, entgegen dem weitverbreiteten, aber falschen Urteil, dass Entwicklungen nicht rechtzeitig korrekt eingeschätzt werden können.

Dieses Buch ist eine Hilfestellung für die Zukunft

Wir müssen akzeptieren, dass wir zumindest eine längere Pause in der Entwicklung und Ausdehnung unseres Wohlstands erleben könnten.

Es ist besser, zu wissen, womit man es zu tun hat, und keiner Überraschung zu unterliegen, als hilflos zuzusehen, wenn ein ungewollter Zustand sich manifestiert.

Einladung zur Widerlegung

Dieses Buch ist auf Grundüberlegungen aufgebaut, die ich zu Beginn offenlege. Wer meine Schlussfolgerungen kritisieren will, ist herzlich dazu eingeladen, das zu tun. Ich lerne gern dazu. Allerdings ist Kritik nur dann sinnvoll, wenn sie bei den Prämissen (Grundüberlegungen) ansetzt, da sie andernfalls zur Diskussion inhaltlich nichts beizutragen vermag. Nur das Ergebnis abzulehnen, weil es einem nicht gefällt, ist erkenntnistheoretisch wertlos. Es handelt sich dabei nicht um echte Kritik, sondern um eine Tirade.

Kritik nehme ich ernst, Tiraden amüsieren mich bestenfalls.

Verständlichkeit ist wichtiger als Wissenschaftlichkeit

Menschen, die nichts zu sagen haben, kleiden ihre Aussagen gerne in eine Form, die nicht allgemein verständlich ist. Mein Ziel ist es, so gut wie möglich verstanden zu werden. Dazu soll eine grundlegende humanistische Bildung verbunden mit einem Quantum an Aufmerksamkeit genügen. Komplexe Fachbegriffe versuche ich zu vermeiden. Manche Begriffe werden sich allerdings nicht vermeiden lassen. Diese erkläre ich so gut wie möglich direkt dort im Text, wo ich sie verwende. So möchte ich Ihnen auch mühseliges Blättern in einem Glossar ersparen.

In meinem beruflichen Leben habe ich mir bestimmte Leitlinien angeeignet, denen ich folge. Diese sind:

• Wer den Dingen auf den Grund gehen will, muss sich grundlegend mit ihnen auseinandersetzen. Wer glaubt, es genüge, sich nur oberflächlich damit zu befassen, täuscht sich gründlich.

• Einfache Schlussfolgerungen, die sich als richtig erweisen, gründen auf sehr vielen und zum Teil gewachsenen Grundüberlegungen. Am Ende sind es aber nur wenige Beweggründe, die Stein des Anstoßes sind.

• Wer einseitig denkt, kann die Vielfalt des Lebens nicht begreifen.

• Die Hoffnung ist das letzte Übel aus der Büchse der Pandora. Wer glücklich leben will, muss grundlegende Ziele formulieren und diese mit großem Eifer verfolgen. Wer scheitert, hat das falsche Ziel gewählt oder es auf ungeeignete Weise zu erreichen versucht. Seine Ziele alleine auf Hoffnung zu gründen, führt zum Scheitern.

• Wer nicht fragt, bleibt dumm.

• Menschliches Verhalten ist, wenn es um Geld geht, von Angst getrieben – Angst, Geld zu verlieren, oder Angst, eine Gelegenheit zu verpassen (= Gier). Weil Ängste nicht einfach entstehen, sondern auf Ereignissen gründen, die wir beobachten können, sind sie auch maßgeblich, um das Verhalten von Marktteilnehmern einschätzen zu können. Je extremer eine Ausgangslage ist, desto leichter ist es zu erkennen, in welche Richtung die Angst der Marktteilnehmer diese treibt.

• Erkenntnis ist möglich. Nur wer daran glaubt, wird Fortschritte erzielen können. Wer diese Einsicht verweigert, ist zu feige, zu faul oder einfach nicht klug genug. Jeder kann entscheiden, wo er steht und worin seine Motive liegen.

Welches Ziel verfolge ich mit diesem Buch?

Wie wir alle wissen, wurden in der Vergangenheit sehr viele Entwicklungen von der Masse der »Experten« entweder nicht vorhergesehen oder in katastrophaler Weise unterschätzt.

Manche Analysten trafen hin und wieder, nur sehr wenige immer wieder den Kern der Problematik oder auch der Chance, die eine Entwicklung in sich barg. Was für mich zudem fast schon ärgerlich ist, ist der Umstand, dass viele Experten ihre Schlussfolgerungen zum Besten geben, dies auch einigermaßen begründen, aber selten die Grundlagen aufschlüsseln, wie sie zu ihren Folgerungen kommen. Ich betrachte das nicht als sehr redlich, weil damit der Idealisierung Tür und Tor geöffnet sind. Vor allem aber kann man Ableitungen (logische Schlüsse) nicht hinterfragen, wenn die Grundannahmen, über die man dazu gelangte, nicht offengelegt werden. Ich habe mich bemüht, dies in meinem Buch anders zu machen. Sie lesen in den ersten sieben Kapiteln, worum es geht und woraus ich meine Aussagen ableite. Ich beziehe mich dabei auf belastbare Fakten, die, wie sich am Ende erweist, in einem Sinnzusammenhang stehen, der sich logisch nachvollziehbar ergibt. Ab Kapitel 7 komme ich dann zum Hauptteil des Buchs: Hier zeige ich Ihnen, wie Sie in der heutigen Zeit noch Rendite erzielen können.

Ich gehöre zu jenen, die immer wieder richtig auf Entwicklungen hingewiesen haben. Nach fast 20 Jahren konsistenter Arbeit in diesem Bereich erscheint es sinnstiftend, darauf besonders hinzuweisen und diese Analysearbeit auch zur Verfügung zu stellen:

• Es stehen uns sehr viele große Entwicklungen bevor, die nur dann zu meistern sein werden, wenn man entschlossen und zeitgerecht (nicht zu früh, nicht zu spät) handelt.

• Viele Informationsträger bringen nur Nachrichten, also Informationen, über die im Nachhinein (»hergerichtet«) ein passender Bericht gestrickt wird. Danach zu handeln, was man in der Zeitung liest oder im Fernsehen hört, ist demgemäß nicht nur nutzlos, sondern in bewegten Zeiten sogar schädlich, weil die Information aus diesen Medien mit einer deutlichen Zeitverzögerung beim Konsumenten eintrifft.

• Ich biete eine klare Grundlage für Entscheidungen, die in die Zukunft reichen: Die Nullzinsen und Negativzinsen sind die Basis für die Folgen von Investitionen, die ohne massiven Aufwand und Bewegung (Innovation) keinen positiven Ertrag erbringen können. Wer diese Prämisse nicht teilt und sich nicht ihr gemäß verhält, kann in Zukunft kein Geld verdienen. Diesen Zusammenhang – bei 0 % Zinsen kann man ohne Aufwand und Risiko kein Geld verdienen – zu erklären, ist die Hauptaufgabe dieses Buchs. Negative Zinsen führen logischerweise zu negativen Investitionserträgen. Im Grunde ist das gar nicht so schwer zu verstehen.

• Es geht mir darum, grundlegende Zusammenhänge aufzuzeigen und weitverbreitete Irrtümer zu beleuchten.

Warum ist das Zinsniveau nicht nur wichtig für die Wertentwicklung von Anleihen, sondern auch von Liegenschaften? Warum sind heute beide als sicher geltende Investitionsarten nur noch »zinsloses Risiko«?

Warum steigen Anleihenkurse, wenn die Zinsen fallen? Warum fallen sie, wenn die Zinsen steigen?

Warum steigen Immobilienpreise, wenn die Zinsen fallen? Warum fallen sie, wenn die Zinsen steigen?

• Wenn negative Zinsen negative Investitionserträge nach sich ziehen, ändert sich unglaublich viel. Eine ruhige Hand bei Investitionen (gründlich überlegen, entscheiden, investieren und sich nach einer gewissen Zeit über die Erträge freuen) ist Geschichte. Eigene Bewegung nach Überlegung und ständige Aufmerksamkeit im Hinblick auf die kleineren und größeren Erschütterungen im System werden die einzige Möglichkeit sein, Anlageerfolge zu erzielen.

• Ich möchte meine Leser dazu motivieren, die Augen offen zu halten und sich mit Fragen der Gesellschaft, der Wirtschaft und des Rechts aktiv auseinanderzusetzen. Wir werden sehr viele Veränderungen erleben, und viele davon werden uns mit falschen Motiven oder Begründungen nähergebracht werden. Nicht alle Institutionen wollen uns jederzeit die Wahrheit sagen! Diese Umbrüche werden in unser Leben eingreifen und dann auch Folgen zeigen. Sie haben es für sich in der Hand zu entscheiden, wie weit diese Folgen Sie treffen, wie sehr diese Veränderungen Ihr Leben günstig oder ungünstig beeinflussen können. Bewusstsein ist der Schlüssel zum persönlichen Erfolg. Logisch denken kann jeder – das Problem für die meisten ist die richtige Festlegung der Grundlagen (= Prämissen). Dieses Buch soll dabei helfen, mit (Vor-)Urteilen aufzuräumen, die ein realistisches Denken behindern.

Falls Sie bereits dieses Vorwort herausfordernd finden: Das Leben wird uns künftig sehr viel mehr abverlangen als ein bisschen Denkarbeit. Viel Freude beim Lesen dieses Buchs!

Vorwort des Koautors Michael Kordovsky

Ich kenne Gerhard Massenbauer seit 2007 persönlich. Schon damals fiel er durch eine Reihe von Aussagen jenseits des Mainstreams auf. Früh warnte er auch vor den Gefahren der Finanzkrise 2008/2009, und zur rechten Zeit riet er wieder zum Einstieg. Anfangs war ich sehr skeptisch gegenüber seiner unkonventionellen Denkweise. Doch ich habe seine Aussagen und Trendwechselsignale über einen mehrjährigen Zeitraum verfolgt und war positiv überrascht. Seine Analysen erschienen mir von Tag zu Tag plausibler. Ich fasste Vertrauen, investierte sogar in den von ihm gemanagten Fonds CENSEO Variabel und begann eine konstruktive Zusammenarbeit mit ihm.

Eines Tages kam er auf die Idee, seine These der Kapitalmarktgleichung als Konsequenz aus der Nullzinspolitik der Notenbanken in Buchform zu Papier zu bringen. Als langjähriger Finanzjournalist, Autor diverser Studien und Koautor mehrerer Fachbücher war ich von dieser Idee begeistert. Deshalb habe ich Gerhard Massenbauer bei der Umsetzung und Gestaltung der Publikation gerne aktiv unterstützt.

DIE KAPITALMARKTGLEICHUNG

Die Kapitalmarktgleichung ist eine einfache, aber treffende Beschreibung dessen, was wir in den letzten Jahren ohnehin festgestellt haben. Man spricht von »blutleerem Wachstum« oder beklagt: »Das Geldmengenwachstum kommt in der Wirtschaft nicht an.« »Die Geldschwemme schafft keine Arbeitsplätze.« Das sind Tatsachen. Die Kapitalmarktgleichung beschreibt die Ursachen und die darauf folgenden Entwicklungen!

0 % Zinsen + 0 % Investitionsneigung + 0 % Wirtschaftswachstum => 0 % Anlageertrag – Kosten – Inflation

Die Kapitalmarktgleichung in Worten

Wenn die Zinsen langfristig niedrig sind, geht die Neigung, Investitionen zu tätigen, in der Gesamtwirtschaft deutlich zurück oder behindert deren wirtschaftlichen Erfolg. Das wiederum schwächt das Wirtschaftswachstum. Wer in diesem Umfeld Geld anlegen will oder muss, wird vor diesem Hintergrund keine sicheren Kapitalanlagen finden, in die er investieren kann. Auch die risikoreichen Kapitalanlagen werden auf längere Sicht keinen Ertrag abwerfen, obwohl sie mitunter stark schwanken und dabei auch Ausschläge nach oben zeigen.

Wir haben einen Punkt in unserer Zivilisation und in unserem Wirtschaftssystem erreicht, der eine Grundlage für diese Gleichung bietet. Aus einer umfassenden Betrachtungsweise heraus ist kein anderer Schluss möglich als der, dass diese Aussage wahr ist. Wer kein Risiko eingeht und nicht dazu bereit ist, seine Vermögenswerte zu bewegen (zu kaufen und zu verkaufen), wird keine Erträge erzielen, wenn die Zinsen nicht noch tiefer sinken. Es gibt einfach keine nachhaltigen Gewinne zu erzielen, die mit einer Kaufen-und-Halten-Strategie zu erreichen sind.

KAPITEL 1

DIE ZINSEN

Das Zinsniveau liegt in allen westlichen Volkswirtschaften knapp über oder unter 0 %. In einigen Ländern (Deutschland, Dänemark, Schweiz, Japan) sind die kurz- und mittelfristigen Zinsen sogar negativ. Das ist nicht normal und verstößt gegen das jahrtausendealte Grundverständnis des Geldwesens. An dieser Stelle sollte man sich einmal fragen: Was bedeutet Zins?

Zins ist das Entgelt für das Ausleihen von Geld. Wer sich Geld leiht, zahlt also mehr zurück, als er ausleiht. Bei negativen Zinsen bekommt derjenige Geld, der sich welches ausleiht.

1.1 ZINSEN AUS HISTORISCHER PERSPEKTIVE

Bereits 1800 vor Christus existierte mit der Stele des Codex Hammurapi, einer Sammlung von Gesetzestexten aus dem alten Babylon, ein Dokument, das die Höhe der Zinsen regelte. Dieses setzte einen maximalen Zinssatz von 20 % für Silberkredite und 33 ⅓ % für Gerstenkredite fest. Voraussetzung für Kredite in der heutigen Form ist aber das Vorhandensein eines einheitlichen Zahlungsmittels (z. B. Münzen) als Wertmaßstab, sprich eines Geldwesens, das in der griechischen und römischen Antike erst im Aufbau war.

Im 6. Jahrhundert vor Christus führte in Athen der Staatsmann Solon eine neue Währung auf Silberbasis ein. Im 5. Jahrhundert vor Christus begannen weitere griechische Stadtstaaten, eigene Münzen zu prägen. Ein erster Schritt in der Entwicklung des Bankwesens war die Entstehung des Geldwechsler-Berufsstands. Da fremde Händler und reisende Kaufleute zum Einkauf von Waren die jeweils gültigen Münzen als Zahlungsmittel benötigten, waren Geldwechsler erforderlich. Das Einlagengeschäft beschränkte sich noch auf die sichere Verwahrung von Münzen, sodass die ersten Pfandleiher tätig wurden. Kredite waren noch äußerst selten, und aus antiken griechischen Dokumenten geht ein üblicher Zinssatz von 12 % hervor. Im Römischen Reich galten 12 % als Obergrenze. Zinssätze von 6 bis 10 % waren durchaus realisierbar. Diese hohen Zinsen lassen sich damit begründen, dass die Kreditverträge meist zwischen einem Geldverleiher und einer Person abgeschlossen wurden. In manchen Fällen vergaben die Verleiher auch Kredite an mehrere Personen. Im Gegensatz zu den heutigen Banken mit Tausenden von Kreditkunden waren die Ausfallrisiken sehr hoch, weshalb der hohe Zins als entsprechende Risikoprämie zu verstehen ist.

5000 Jahre lang herrschten höhere Zinsen

Im Mittelalter untersagte die Kirche die Einnahme von Zinsen. Doch man konnte im Prinzip nicht darauf verzichten. Im Gewerbe und Handel war es üblich, dass die Produzenten bzw. Verkäufer von Waren die dafür benötigten Rohstoffe als Kredit bekamen (Tischler erhielten beispielsweise Holz und Schneidern gab man Tücher und Garn). Erst nach dem Verkauf des Endprodukts erfolgte die Rückzahlung des Kredits. Aus Kapitalmangel fand häufig auch ein Warentausch statt. Echte Darlehensgeschäfte führten die Juden ein; im Spätmittelalter bzw. zu Beginn der Renaissance wurde dieses Vorgehen auch von den Lombarden (italienische Kaufleute, die als Bankiers am Niederrhein tätig waren) und dem Bürgertum übernommen. Aufgrund der geringen Verfügbarkeit von Krediten herrschte allerdings ein hohes Zinsniveau vor. 20 % waren um 1200 durchaus üblich, ehe im 14. Jahrhundert 5 bis 10 % folgten, als sich in Norditalien ein funktionierendes Bankwesen etablierte. Dieses ermöglichte in der Renaissance guten Schuldnern die Geldaufnahme zu nur 4 % Zinsen. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich bereits ein modernes Bank- und Börsenwesen. Die Zinssätze für Staatsanleihen stabiler Staaten lagen im 18. und 19. Jahrhundert zwischen 3 und 5 %, und das Bürgerliche Gesetzbuch (Deutschland) vom 8. August 1896 legte in § 246 den gesetzlichen Zinssatz auf 4 % fest.

Der Chefökonom der Bank of England, Andrew Haldane, erforschte die Entwicklung des Zinsniveaus über einen Zeitraum von 5000 Jahren hinweg und erstellte auf Basis des gefundenen Datenmaterials ein Zinsdiagramm ab 3000 vor Christus Dieses enthält die kurzfristigen Zinssätze im jeweils wichtigsten Finanzmarkt. Seine wichtigste Erkenntnis: »Niedriger als heute waren die Zinsen in den letzten 5000 Jahren noch nie.«

Quelle: DIE WELT

Wesentlich häufiger als heute gab es in vergangenen Jahrhunderten lange Perioden gleichbleibender Zinsen. Beispielsweise änderte die 1694 gegründete Bank of England in den ersten 128 Jahren ihres Bestehens ihren wichtigsten Leitzinssatz nur sechs Mal, und zwischen Mai 1719 und Mai 1822 blieb er sogar für 103 Jahre unverändert. Erst mit der Industriellen Revolution kam ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Bewegung ins Zinsgefüge. Die Zinsen blieben – trotz starker zyklischer Schwankungen – bis in die 1990er-Jahre hinein teils noch auf relativ hohem Niveau.

Die Nebenwirkungen fehlgeleiteter Geldpolitik aus anthropologischer Sicht

Negative Folgen der ultralockeren Geldpolitik kommen so sicher wie das Amen in der Kirche. Wann immer Menschen in der Vergangenheit unbekannte Maßnahmen ergriffen oder Neuerungen einführten, haben sie Erfahrung gesammelt. Erfahrung ist die Summe aller positiven und negativen Eindrücke zu einer neuen Maßnahme. Nachdem wir bislang fast ausschließlich positive Effekte aus der Einführung von Null- und Negativzinsen erlebt haben, ist die Erwartung, dass diese auch negative Entwicklungen zur Folge haben können, nur folgerichtig. Es ist definitiv zu erwarten, dass die Notenbanken die Folgen ihres heutigen Tuns nicht einschätzen können. Sie tun etwas, zu dem es keinerlei Erfahrungsschätze gibt. Daher muss man die weitere Entwicklung genau beobachten, um systematische Umbrüche rechtzeitig zu erkennen.

Null- und Negativzinsen auf breiter Front sind also ein Präzedenzfall der heutigen Zeit und können als Experiment mit schädlichen Folgen betrachtet werden. Doch auch früher schon gab es erste Vorboten stärkerer Abweichungen von den langjährig üblichen 3 bis 4 % an risikolosem Zins.

Wie kam es zur Entwicklung des Nullzinsniveaus?

Bereits in den letzten 50 Jahren kam es auf globaler Ebene zu ganz erheblichen Abweichungen von diesem jahrhundertelang währenden Zustand. Ursache dafür war unter anderem die Aufhebung von Systemen fester Wechselkurse (Ende der Bindung des US-Dollars an Gold 1971), in deren Folge die Mechanismen von Angebot und Nachfrage nicht reibungslos ineinandergriffen. In einzelnen Ländern (insbesondere in Deutschland in den 1930er-Jahren) gab es zum Teil auch früher schon erhebliche Abweichungen vom globalen Zins- und Inflationstrend.

Besonders in den 1970er-Jahren waren gesellschaftspolitische Neuerungen (Aufhebung der Goldbindung) und Auseinandersetzungen (Israel und arabische Staaten) nebst der Politik der Großmächte und der Ölmächte (OPEC) die Hauptursache für sehr große Preis- und extreme Zinssatzveränderungen weltweit.

Die Zinserhöhungen hatten erhebliche Auswirkungen auf nicht wettbewerbsfähige Industrien und Unternehmen (z. B. Krise der verstaatlichten Industrie in Österreich) und führten zu stark steigender Arbeitslosigkeit in jenen Regionen, in denen diese Industrien beheimatet waren.

Gesellschaftlich kam es zu einem deutlichen Radikalisierungsprozess, der vor allem in Deutschland (RAF) und Italien problematische Ausmaße annahm. Die Jugend brachte ihre Zukunftsängste in der Punkkultur zum Ausdruck, welche gegen Ende der 1970er-Jahre ihren Höhepunkt erreichte.

Seit Mitte der 1980er-Jahre verflachten sich die Zinsausschläge zusehends, da die Nationalbanken massiv in das System eingriffen und auf Krisen seit 1987 wiederholt mit sogenannten Liquiditätsspritzen und sehr schnellen Zinssenkungen reagierten. War eine Krise erst wirksam bekämpft, begannen die Notenbanken in der Regel nach einer gewissen Zeitverzögerung gegenüber dem Konjunkturzyklus mit Zinserhöhungen. Die Zinsanhebung erfolgte in der Regel etwas zu spät und setzte sich in Serie dann so lange fort, bis die nächste so durch Verzögerung geschaffene Blase mit Zinserhöhungen »angestochen« wurde. Es ist tatsächlich befremdlich, wie weit Notenbanken bestehenden Zyklen hinterherlaufen konnten.

Die heutige Lage hat keinen erkennbaren Exit. In den letzten drei Jahrzehnten sind immer wieder Zyklen aufgetreten. Doch mit jeder Krisenbewältigung wurde das erreichbare Tiefzinsniveau weiter nach unten gedrückt. Von Null weg nach oben zu kommen, wird entweder nicht gelingen, sehr lange dauern oder in einem Crash enden. Für keines dieser Szenarien gibt es heute zwingende Gründe. Noch können wir die Dinge beeinflussen. In einer Sache allerdings besteht Grund zu Bedenken: Die Menschen weigern sich heute, unangenehme Veränderungen in Angriff zu nehmen, die aber notwendig wären, um eine schlimme Entwicklung in der Zukunft zu vermeiden. Das ist psychologisch erklärbar: Ein kleiner Schmerz heute wiegt schwerer als ein abstrakter großer Schmerz in ferner Zukunft.

Von der »Greenspan-Bubble« zur Finanzkrise

Irritierenderweise haben Nationalbanken immer wieder Inflationstendenzen zugelassen und erst dann eingegriffen, als die Auswirkungen der vorangegangenen zu niedrigen Zinssätze bereits eine extrem übertriebene Blasenbildung zur Folge hatten.

1987 kam es zu einer sehr heftigen Börsenkorrektur. Der damals frisch eingesetzte Notenbankpräsident der USA, Alan Greenspan, begründete die Zinssenkung durch die US-amerikanische Zentralbank (Fed) – eine bis heute praktizierte »Feuerwehrpolitik« – mit der Absicht, mehr Liquidität in die Märkte schleusen zu wollen. Auf diese Weise beruhigten sich die Märkte rasch wieder, und der Optimismus kehrte an die Börsen zurück.

Diese Politik, echte Einschnitte in die Wirtschaft zu vermeiden, zog eine deutliche Erhöhung des Schuldenniveaus in den westlichen Industrieländern nach sich. Die Beweggründe für die Notenbanken lagen in der traumatischen Erfahrung der 1970er-Jahre. Ihre Bereitschaft, in das System einzugreifen, führte damals in der Folge bei vielen Wirtschaftstreibenden zu einer Vollkaskomentalität. Diese ermöglichte es, mehr Schulden aufzunehmen, als man sich andernfalls zugetraut hätte. Begründung: »Die Notenbanken boxen uns ohnehin wieder raus. Nicht dabei zu sein, verhindert Chancen und Wohlstand.«

Damit entstanden dann die unglaublichen Blasen in der Immobilien- und Finanzindustrie. Beispielsweise senkte die Fed von Anfang Januar 2001 bis zum 25. Juni 2003 ihren wichtigsten Leitzins von 6,50 auf 1,00 %. Dies löste jene Immobilienblase in den USA aus, die ab 2007 zur Subprime-Hypothekenkrise und in der Folge zur Finanzkrise 2008/2009 führte. Immobilien wurden häufig als Spekulationsobjekt zur Gänze auf Kredit erworben, und selbst Käufer mit schlechter Bonität bekamen Kredite (Subprime-Kredite zu höheren Zinsen). Die Immobilienpreise stiegen auf breiter Front: Der S&P/Case-Shiller 20-City Composite Home Price Index©, der Wohnimmobilien aus 20 US-Metropolen umfasst, stieg von Anfang Januar 2000 bis Ende April 2006 um 106,65 %, was einem ungewöhnlich starken Anstieg von 12,14 % p. a. entspricht. In einigen Gegenden, wie z. B. an der Küste Floridas, kam es zu einer Vervielfachung dieser Immobilienpreise. Es dauerte lediglich bis Mai 2009, bis dieser Immobilienpreis-Index 32 % an Wert verloren hatte. Bis Februar 2012 bröckelte er noch weiter ab, ehe danach ein erneuter Höhenflug einsetzte, angetrieben von noch tieferen Zinssätzen.

Der Immobiliencrash 2007 brachte damals zahlreiche Banken in Bedrängnis. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im September 2008 übernahm die US-amerikanische Aufsichtsbehörde, die Federal Housing Finance Agency (FHFA), die Kontrolle über die beiden staatsnahen Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac. Die staatliche Bankenrettung führte in den entwickelten Volkswirtschaften zu einem explosionsartigen Schuldenanstieg auf das höchste Niveau seit dem Zweiten Weltkrieg. Von 2008 bis 2014 stieg die Staatsschuldenquote der OECD-Länder von 79,9 auf 111,1 % des Bruttoinlandsprodukts (Quelle: Global Finance, IWF). Das macht die Staaten als letzte solide Schuldner, Kreditgeber der letzten Zuflucht (lender of last resort) und ultimative Stütze des Finanzsystems zunehmend verletzlicher im Hinblick auf Zinsanstiege.

Merken Sie sich aber: Die Finanzkrise war eine Schuldenkrise auf Basis von Immobilienfinanzierungen. Es waren weniger die Finanzinstitute, die freilich mithalfen, sondern vielmehr die schuldenwütigen Amerikaner, die die Welt fast ins Chaos stürzten und jedes Schuldenaufnahmeangebot annahmen. Ähnlich war es in Spanien vor 2008 und auch in Großbritannien oder Irland gelaufen. Immobilienkäufer nahmen Kredite auf in dem naiven Glauben, Immobilienpreise könnten nicht sinken, sondern immer nur weiter steigen (diese Ansicht hört man interessanterweise heute noch).

Je mehr Schulden im System bestehen, desto schwieriger ist deren Rückzahlung. Ist die Rückzahlung schwieriger, müssen die Notenbanken im Falle einer Krise noch tiefer in die Schatulle greifen und dementsprechend noch mehr Liquidität schöpfen als bisher. Weil Volkswirtschaften weltweit im Wettbewerb stehen, haben alle anderen Notenbanken die Geldpolitik der US-amerikanischen Notenbank Fed kopiert und damit zu einer Verbreitung der »Schuldenfettleibigkeit« der USA beigetragen.

1.2 SOGAR DIE SCHWEIZERISCHE NATIONALBANK IST IN GEFAHR

Selbst Notenbanken wie jene der soliden Schweiz konnten sich diesem massiven Druck nicht entziehen. Es ist kein Wunder, dass die Bilanz der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zu den expansivsten der Welt gehört. Das Land hat zwar im Vergleich zu anderen Staaten wenig Schulden, praktiziert dafür aber die aggressivste Verteidigung des Außenwerts der eigenen Währung. Es ist der Kampf gegen die Aufwertung des Frankens, der die SNB zum Ankauf von Devisen veranlasst. Das hat zur Folge, dass die Schweiz bereits mehr als doppelt so viele ausländische Staatsanleihen hält, wie sie selbst herausgegeben hat! Die Devisenreserven der SNB übertreffen mittlerweile im Wert sogar die Wirtschaftsleistung des kleinen Landes. Um eine weitere Aufwertung des Frankens zu unterbinden, investiert die SNB massiv in Euro-Anleihen. Das birgt ein hohes Verlustpotenzial für die Allgemeinheit – und das ist nicht nur von der Währungsseite her ein Problem. Denn steigende Renditen von Staatsanleihen, nicht zuletzt infolge sinkender Credit-Ratings, bedeuten zugleich auch Kursverluste. Diese fallen umso höher aus, je länger die Laufzeit der Papiere ist. Im Extremfall kann es sogar zu Zahlungsausfällen infolge von Staatspleiten kommen, weshalb das ganze »Schulden-Bonanza« selbst die grundsolide Schweiz eines Tages erschüttern könnte.

Was bedeutet dies für Franken-Kreditschuldner?