Die Kraft der Meditation - Peter Sedlmeier - E-Book

Die Kraft der Meditation E-Book

Peter Sedlmeier

0,0
9,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Meditation ist einfach und wirksam. Meditieren heilt. Meditation macht klüger und glücklicher. Meditation hilft gegen Stress - das ist nur eine kleine Auswahl von Schlagzeilen, mit denen uns die positive Wirkung von Meditation angepriesen wird. Aber was ist dran an diesen Aussagen? Welche Meditationsformen gibt es überhaupt? Wie wirken sie? Kann Meditation vielleicht auch schädlich sein? Und wie finde ich die passende Meditation, den richtigen Lehrer für mich? Peter Sedlmeier trägt die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammen, sodass eine spannende Einführung in die Welt der Meditation entsteht.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 312

Veröffentlichungsjahr: 2016

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Peter Sedlmeier

Die Kraft der Meditation

Was die Wissenschaft darüber weiß

 

 

 

Über dieses Buch

Meditation ist einfach und wirksam. Meditieren heilt. Meditation macht klüger und glücklicher. Meditation hilft gegen Stress - das ist nur eine kleine Auswahl von Schlagzeilen, mit denen uns die positive Wirkung von Meditation angepriesen wird. Aber was ist dran an diesen Aussagen? Welche Meditationsformen gibt es überhaupt? Wie wirken sie? Kann Meditation vielleicht auch schädlich sein? Und wie finde ich die passende Meditation, den richtigen Lehrer für mich? Peter Sedlmeier trägt die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammen, sodass eine spannende Einführung in die Welt der Meditation entsteht.

Impressum

Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, November 2016

Copyright © 2016 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg

Redaktion Bernd Jost

Umschlaggestaltung und Motiv HAUPTMANN & KOMPANIE Werbeagentur, Zürich

DejaVu Copyright © 2003 by Bitstream, Inc. All Rights Reserved.

ISBN 978-3-644-56401-5

 

Schrift Droid Serif Copyright © 2007 by Google Corporation

Schrift Open Sans Copyright © by Steve Matteson, Ascender Corp

 

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt, jede Verwertung bedarf der Genehmigung des Verlages.

 

Die Nutzung unserer Werke für Text- und Data-Mining im Sinne von § 44b UrhG behalten wir uns explizit vor.

Hinweise des Verlags

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

 

Alle angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Printausgabe.

 

Im Text enthaltene externe Links begründen keine inhaltliche Verantwortung des Verlages, sondern sind allein von dem jeweiligen Dienstanbieter zu verantworten. Der Verlag hat die verlinkten externen Seiten zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung sorgfältig überprüft, mögliche Rechtsverstöße waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar. Auf spätere Veränderungen besteht keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.

 

 

www.rowohlt.de

Vorwort: Was erwartet Sie in diesem Buch?

Sie wollen meditieren lernen? Wenn Sie dieses Buch lesen, werden Sie sehen, dass das aus vielerlei Gründen eine gute Idee ist. Systematische praktische Anweisungen finden Sie hier allerdings nicht, wohl aber Illustrationsbeispiele und Anregungen für die Praxis – eine dieser Anregungen wird sein, das Meditieren besser mit einem Lehrer und in einer Gruppe zu erlernen.

Sie sind einfach nur daran interessiert, was man macht, wenn man meditiert? Auch hierauf werde ich eingehen, und Sie werden sehen, dass es die Meditation nicht gibt, sondern eine große Vielfalt.

Sie meditieren bereits und wollen wissen, was Meditation alles bewirken kann? Ob auch unerwünschte Nebenwirkungen und Probleme auftreten können? Möglicherweise wüssten Sie nicht nur gerne, ob Meditation wirkt – sie wirkt, so viel kann ich an dieser Stelle schon verraten –, sondern auch, wie man sich die Wirkung erklären kann? Wenn Sie solche und ähnliche Fragen interessieren, dann halten Sie das richtige Buch in der Hand.

Ich habe hier den aktuellen wissenschaftlichen Stand zum Thema Meditation zusammengefasst. Mit «Wissenschaft» meine ich vorrangig die Psychologie, doch natürlich spielen auch Erkenntnisse aus angrenzenden Gebieten wie der Neurowissenschaft und der Medizin eine Rolle.

Wenn Sie das Wort «Wissenschaft» lesen, denken Sie vielleicht: «Das könnte schwierig werden.» Damit liegen Sie nicht ganz falsch: Manche Dinge sind eben komplexer. Ich habe mir jedoch Mühe gegeben, dieses Buch so verständlich wie möglich zu schreiben. Allerdings wollte ich das, was man über Meditation weiß, differenziert darstellen. Deswegen besteht das Buch nun gewissermaßen aus zwei «Ebenen»: Die erste richtet sich an den interessierten Laien. Die zweite, «richtig wissenschaftliche» Ebene werden Sie in eigenen Kästen und in den umfangreichen Anmerkungen am Ende des Buches finden – sie bieten darüber hinaus Erläuterungen und Hinweise auf weiterführende Literatur. Die Kästen können Sie beim ersten Lesen ohne weiteres überspringen. Das Wichtigste erfahren Sie auch, ohne sich die Anmerkungen anzusehen. Aber ein Blick zur Vertiefung lohnt sich in jedem Fall.

Im ersten Kapitel stelle ich die Vielfalt der Meditationstechniken dar. Anhand ausführlicher Beispiele zeige ich Ihnen, wie Meditation traditionellerweise in einen größeren Kontext – das heißt, in eine moralisch-ethische, spirituelle und religiöse Tradition – eingebettet ist. Bei der relativ jungen, aber schnell wachsenden säkularen Bewegung der «Achtsamkeitsmeditation» fehlt eine solche Einbettung allerdings bislang.

Im zweiten Kapitel gebe ich einen Überblick über die Wirkungen der Meditation. Mittlerweile liegen mehrere tausend Studien dazu vor, und es wäre unmöglich, sie alle in diesem Buch aufzuarbeiten. Deswegen habe ich mich auf die Ergebnisse zusammenfassender Studien, sogenannter Metaanalysen konzentriert. Um zu verstehen, wie das funktioniert, aber auch um nachvollziehen zu können, wie Studien in der Meditationsforschung generell durchgeführt werden, ist ein Mindestmaß an methodischem Wissen notwendig. Dieses Rüstzeug habe ich überwiegend in die bereits erwähnten Kästen und Anmerkungen eingebaut, die wichtigsten Grundlagen finden Sie jedoch direkt im Text. Das macht dieses Kapitel etwas komplexer und schwieriger zu lesen als die anderen. Lassen Sie sich jedoch nicht davon abschrecken: Wer herausfinden möchte, was die Wissenschaft über die Kraft der Meditation weiß, kann das besser wertschätzen, wenn er zumindest teilweise nachvollzieht, wie die Wissenschaftler denken und vorgehen.

Bisher sind die meisten Studien zu den Wirkungen von Meditation nach dem «Schauen-wir-mal»-Prinzip mit wenig theoretischen Vorannahmen durchgeführt worden. Viele Forscher haben offensichtlich angenommen, dass Meditieren positive Auswirkungen auf nahezu alle Aspekte des Lebens hat. Und tatsächlich ist das eine Vorhersage, die aus zwei zentralen indischen «Theorien» zur Meditation abgeleitet werden kann: der Theorie, die in den Yogasutras enthalten ist, und der Meditationstheorie des Theravada-Buddhismus. Beide beschreibe ich ausführlich im dritten Kapitel, in dem ich auch die wesentlichen westlichen Ansätze, die sich meist auf die Wirkungen der Achtsamkeitsmeditation beziehen, zusammenfasse.

In der letzten Zeit befasst sich die Forschung verstärkt mit Problemen und möglichen negativen Effekten des Meditierens. Das vierte Kapitel trägt hierzu den aktuellen Erkenntnisstand zusammen.

Und schließlich gebe ich im fünften und letzten Kapitel noch einige Anregungen, mit welchen Fragen sich Personen beschäftigen sollten, die mit dem Meditieren beginnen wollen.

 

Dieses Buch gäbe es nicht, hätten nicht Bernd Jost und Julia Vorrath vom Rowohlt Verlag mich dazu motiviert und auf dem Weg der Fertigstellung immer wieder ermuntert – herzlichen Dank dafür! Ich danke auch meinem Lehrer AMA Samy für alles, was ich von ihm und durch sein Beispiel gelernt habe.

Viele Inhalte dieses Buches sind mir erst dadurch so richtig klar geworden, dass ich sie mit anderen diskutiert habe. Für solche hilfreichen Diskussionen danke ich Britta Biedermann, Matthijs Cornelissen, William van Gordon, Srinivas Kunchapudi, Sonali Marwaha, Veerachart Nimanong, Ulrich Ott, Ramakrishna Rao und vielen anderen Meditationslehrern, Meditierenden und meditationsinteressierten Forschern.

Eine zentrale Rolle in der Wissenschaft spielen Kolleginnen und Kollegen, die einem kritische Rückmeldungen auf die eigenen Manuskripte geben. Glücklicherweise habe ich diese Hilfe in reichem Ausmaß für die erste Fassung des Manuskripts bekommen. Ohne diese Rückmeldungen enthielte das Buch deutlich mehr Ungereimtheiten, schwer verständliche Formulierungen und auch einige Fehler. Ich danke von Herzen allen Leserinnen und Lesern, die viel Zeit damit verbracht haben, große Teile des Buches oder sogar das ganze Buch durchzusehen und es zu kommentieren. Es sind dies: Manfred Hewer, Ulrich Ott, Maika Puta, Katrin Sedlmeier, Isabell Winkler, Wolfgang Sedlmeier, Juliane Eberth und, last but not least, Claire. Besonderen Dank verdienen zudem Maika Puta dafür, dass sie die Beschreibung eines Tages in einem Bhakti-Tempel (Kapitel 1) beigesteuert hat, und Guada Peralta Ramos für ihre Hilfe bei der Herstellung der Abbildungen.

Ein unabdingbares Merkmal wissenschaftlichen Wissens ist, dass alles belegt werden muss. Das hat dazu geführt, dass in den Anmerkungen zahlreiche Verweise auf Originalquellen enthalten sind: Sie können somit alles, was ich behaupte, nachprüfen. Ein großer Teil der Literatur ist auf Englisch. Wenn davon im Text etwas auf Deutsch übersetzt wurde, stammen diese Übersetzungen, soweit nicht anders erwähnt, von mir.

Nun wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Erforschen der faszinierenden Welt der Meditation!

Kapitel 1: Was ist Meditation?

Meditation ist einfach und wirksam. Meditieren heilt. Meditation verändert dein Gehirn auf positive Weise. Meditation macht dich klüger und glücklicher. Das ist nur eine kleine Auswahl von Schlagzeilen, die im Internet, in Illustrierten und in der Tagespresse nun schon seit einigen Jahren zu finden sind.

Im nächsten Kapitel werden Sie erfahren, dass diese Behauptungen nicht völlig aus der Luft gegriffen sind – allerdings muss man bei manchen Aussagen etwas genauer hinschauen.

Aber zunächst: Was ist Meditation überhaupt? Was machen Meditierende? Tun sie überhaupt etwas? Und wenn ja: Tun sie alle das Gleiche?

Tatsächlich ist das Wort «Meditation» ein Begriff, der vielen Techniken, die heute als Meditation bezeichnet werden, gewissermaßen «übergestülpt» wurde. Das Wort Meditation kommt aus dem Lateinischen (meditari: über etwas nachsinnen) und bezeichnete im Mittelalter das tiefe Nachdenken über spirituelle oder philosophische Probleme. Heutzutage versteht man das nur noch selten unter Meditation. Die meisten der gegenwärtig praktizierten Meditationstechniken stammen aus den spirituellen Traditionen Indiens, von denen ich einige in Kapitel 3 genauer beschreiben werde. Dort erläutere ich auch die zentralen Begriffe für diese Techniken, die ursprünglich meist aus den indischen Sprachen Sanskrit und Pali stammen und oft nur annähernd übersetzt werden können. Diese begrifflichen Schwierigkeiten könnten der Grund sein, dass es bis jetzt keine allgemein akzeptierte Definition für «Meditation» gibt. Deswegen habe ich mich für eine pragmatische Lösung entschieden: Ich biete Ihnen eine möglichst repräsentative Sammlung von Techniken, die in der Forschungsliteratur als «Meditation» bezeichnet werden. Meditation findet allerdings immer in einem Kontext statt: in einem bestimmten Rahmen, in einer Gruppe oder alleine, mit oder ohne Anleitung usw. Diesen Kontext sehen wir uns nun anhand dreier Beispiele genauer an, die einen Tag in verschiedenen Meditationseinrichtungen beschreiben.[1]

Ein Meditationstag: Drei Beispiele

Zum Erlernen, aber auch zur intensiven Praxis wird Meditation häufig nicht alleine, sondern in einer Gruppe ausgeübt. Wie das aussehen kann, illustrieren die folgenden Beispiele.[1]

Zen-Sesshin in einem süddeutschen Kloster

Am Montagnachmittag treffen die ersten Teilnehmer ein. «Eine ganze Woche schweigen – wie soll das gehen?», haben sich wohl manche gefragt und befürchten: «So lange meditieren? Das halte ich nie aus.» Manche der Neuangekommenen machen sich Gedanken über die Leute, mit denen sie nun eine Woche von morgens bis abends sehr eng zusammen sein werden. Die meisten haben schon meditiert, aber viele noch nie so lange und intensiv. Zunächst können sich alle einen Platz in der Meditationshalle und auch im Speisesaal suchen. Mit dem Abendessen beginnt das Sesshin – das ist der japanische Ausdruck für ein einwöchiges Meditationsretreat im Zen. Beim Abendessen ist Reden noch erlaubt: Einige kennen sich offenbar schon, beziehen jedoch die «Neuen» bereitwillig in die Unterhaltungen mit ein. Nach dem Abendessen findet die Einführungsveranstaltung statt, und die zwei Assistenten des Meditationslehrers erklären, was die Teilnehmer erwartet und wie sie sich in der Meditationshalle und in den anderen Bereichen des Klosters verhalten sollen. Danach beginnt die Zeit des Schweigens und Meditierens.

Morgens um 5.30 Uhr ertönt der Gong. Um 6 Uhr beginnt die erste Meditationssitzung. Die meist etwas älteren Teilnehmer des Sesshin sind schon früher vor der Meditationshalle, die nach dem Vorbild japanischer Zen-Klöster vor etwa 30 Jahren an das Franziskanerkloster angebaut wurde. Sie gehen – manche langsam, manche etwas schneller – auf einem überdachten, mit Sisal ausgelegten Rundgang um die Halle. Das fühlt sich an den Fußsohlen warm und angenehm an. Und tatsächlich ist dieses Gehen – Kinhin genannt – selbst ein Teil der Meditation im Zen. Üblicherweise wird Kinhin immer etwa fünf Minuten lang zwischen zwei Meditationssitzungen in der Zen-Halle praktiziert. Dort gehen dann alle in einer Reihe im gleichen, sehr langsamen Tempo. Die Meditierenden versuchen, ganz bei sich zu sein und sich auf die wechselnden Empfindungen an den Fußsohlen zu konzentrieren (und nicht etwa darauf, was die anderen Kursteilnehmer machen). Pünktlich um 6 Uhr beginnt, nach einigen Verbeugungen, die Sitzmeditation, die 25 Minuten dauert und dreimal hintereinander durchgeführt wird. Zwischen den einzelnen Meditationen wird Kinhin praktiziert.

Nach diesem ersten Meditationsblock gibt es ein wohlschmeckendes Frühstück – die Ernährung in dieser Woche ist rein vegetarisch. Während dieser Zeit, und am Nachmittag noch einmal, ist es möglich, mit dem Zen-Meister zu sprechen. Meist handelt es sich dabei um sehr kurze Gespräche zu den sogenannten Koans, die schon vor über tausend Jahren in chinesischen und später auch in japanischen Zen-Klöstern benutzt wurden, um die Mönche zu schulen. Diese Koans sind paradoxe Aussagen oder Rätsel, die nicht durch Logik gelöst werden können, zum Beispiel: «Wie klingt das Klatschen mit einer Hand?» oder «Ein Büffel geht am Fenster vorbei. Sein Kopf, seine Hörner und seine vier Beine gehen vorbei, aber warum nicht auch sein Schwanz?» Die intuitive Lösung des Koans führt zu Einsichten, die den Praktizierenden dem zentralen Ziel des Zen-Buddhismus, nämlich der Erleuchtung, näher bringen sollen. Die Meditierenden tragen ihre Koan-Lösung vor, der Zen-Meister reagiert darauf, und dann ist die Unterhaltung meist schon beendet. Es kann durchaus sein, dass sich jemand mit seinem Koan über längere Zeit (in Extremfällen über Jahre) beschäftigen muss, bis die intuitive Lösung aufblitzt.

Danach ist Zeit zur freien Verfügung, bevor die nächsten Meditationssitzungen stattfinden, meist in Zweier- oder Dreier-Blöcken, mit längeren Pausen für Mittag- und Abendessen. Insgesamt sitzen die Teilnehmer 12- bis 18-mal am Tag; nachmittags hält der Zen-Meister einen Lehrvortrag (Teisho). Kurz vor 21 Uhr endet der Tag mit einer kurzen Abschlusszeremonie, und die Meditierenden können sich schlafen legen oder selbständig weiter meditieren.

Dieser Tagesablauf wiederholt sich während der gesamten Woche. Außer in den Gesprächen mit dem Zen-Meister und beim gemeinsamen Rezitieren aus buddhistischen Schriften darf nicht gesprochen werden. Das Schweigen soll dabei helfen, sich zu sammeln und zu konzentrieren.

Was tun die Meditierenden während der Meditationssitzungen genau? Einige befassen sich mit ihren Koans und versuchen, durch eine möglichst permanente Konzentration darauf (z.B. indem sie das Koan innerlich wiederholen) die Lösung zu finden. Andere bedienen sich Techniken, die von den meisten Zen-Schulen vorgeschlagen werden. Eine besteht darin, sich die eigenen Körperempfindungen und insbesondere das Ein und Aus des Atems bewusst zu machen und dabei zu bleiben. Eine andere Übung, die oft für Anfänger empfohlen wird, die aber auch fortgeschrittene Meditierende (um solche handelt es sich in der Regel bei Sesshins) praktizieren, ist das Zählen von Atemzügen: Beim ersten Ausatmen denken sie innerlich «eins», beim zweiten «zwei» und so weiter, bis sie bei «zehn» angelangt sind. Dann fangen sie wieder von vorne an (wenn sie es überhaupt bis «zehn», ohne dass die Gedanken abgeschweift sind, geschafft haben). Man kann auch nur das Einatmen zählen oder die Ein- und die Ausatmung.

In einer weiteren Übung im Zen-Buddhismus geht es darum, Gedanken und Sinneseindrücke einfach wahrzunehmen, ohne daran festzuhalten, japanisch: Shikantaza (übersetzt: «nur Sitzen»). Ziel ist es, in bewusster Aufmerksamkeit ganz im gegenwärtigen Moment zu sein, ohne das, was man wahrnimmt, zu bewerten. Manchmal wird diese Methode auf körperliche Empfindungen beschränkt.

Natürlich kann das Sitzen sehr lang werden: Vor allem am frühen Nachmittag kommt nicht selten Schläfrigkeit auf; und die durch die meist ungewohnte Haltung ausgelösten Schmerzen sind treue Begleiter. Doch man kann ihnen auch etwas Positives abgewinnen: Einige Meditierende berichten, dass die Schmerzen, beispielsweise am Rücken, eine ausgezeichnete Hilfe beim Shikantaza sein können, um sich längere Zeit ohne große Anstrengung auf das jeweilige Körperteil zu konzentrieren.

Und wie ist das mit dem Schweigen? Die erstaunliche Erfahrung, die fast alle Meditierenden machen, die das erste Mal an einem solchen Sesshin teilnehmen: Schweigen erleichtert das Zusammenleben ungemein. Beim Frühstück steht die Marmelade vor mir, kaum habe ich daran gedacht. Wenn ich Schwierigkeiten beim Öffnen eines Fensters habe, dreht plötzlich eine helfende Hand am richtigen Hebel. Und obwohl die Meditierenden angehalten sind, nicht ohne Grund Augenkontakt aufzunehmen und auch sonst nicht miteinander zu kommunizieren, «kennen» sie sich nach einer Woche alle – die erhöhte Aufmerksamkeit, die geschärfte Wahrnehmung sorgen dafür. Die spannende Frage am letzten Tag beim Frühstück: Wird sich mein Eindruck von der Person, neben der ich nun eine Woche gesessen bin, verändern, wenn ich mit ihr spreche?

Nach einer Woche berichten die Teilnehmer über ein starkes Gefühl der Leichtigkeit, Gelöstheit und Gelassenheit, und viele haben sich vorgenommen, nächstes Jahr wiederzukommen.

Vipassana-Retreat in Nordthailand

Das kann schwierig werden: Der Mönch, der für die Betreuung der ausländischen Meditierenden zuständig ist, spricht kaum Englisch. Später stellt sich heraus, dass die anderen Mönche noch weniger Englisch können. Glücklicherweise ist jedoch auch ein junger Mönch in dem buddhistischen Kloster (Wat) in Nordthailand, der fließend Englisch und Deutsch spricht – seine Mutter ist Deutsche. Er dolmetscht zwischen den Meditierenden aus der ganzen Welt und dem Lehrer. Das Wat bietet für alle Interessierten, ohne irgendwelche Einschränkungen, Meditationsaufenthalte von entweder zehn oder 26 Tagen an.

Der Aufenthalt beginnt mit einer Zeremonie, bei der die Meditierenden einige Gelübde ablegen, ähnlich wie die Mönche selbst bei ihrem Eintritt ins Kloster. Darunter fallen der Verzicht auf Alkohol, Drogen und Sex, aber auch der auf Dinge wie Musik, Essen nach Mittag oder bequeme Betten. Außerdem erklären sich alle damit einverstanden, den Regeln des Klosterlebens zu folgen. Die sind für die meist noch recht jungen Teilnehmer zum Teil ziemlich hart: Sie dürfen keinen Kontakt mit den anderen Meditierenden aufnehmen, nichts lesen, dürfen das Kloster nur mit Genehmigung des Lehrers verlassen, keine anderen Praktiken üben außer denen, die der Lehrer vorgibt – und sie müssen ihre Handys abgeben. Nach der Zeremonie sind alle Teilnehmer Buddhisten und Mönche oder Nonnen auf Zeit.

Am ersten Tag gibt der Mönch, der für die Betreuung zuständig ist, eine Einführung in das Kloster und das Meditieren. Am nächsten Tag geht es dann früh los: Bereits um 4 Uhr läutet die Glocke auf dem Glockenturm, denn um 4.30 Uhr beginnen die Mönche mit der Rezitation buddhistischer Schriften in der altindischen Pali-Sprache (siehe hierzu auch Kapitel 3).

Die Gäste sind angehalten, möglichst bald nach dem Glockenläuten mit dem Meditieren zu beginnen. Manche wissen schon, was sie erwartet – meist aus Erzählungen von Freunden und Bekannten, andere aber haben noch keine klare Vorstellung davon. Viele der ersten Gruppe haben eigene Meditationsuhren mitgebracht, die anderen können sich welche im Kloster ausleihen. Die Meditationsuhr ist ein wichtiges Instrument, denn es gibt hier keine Gruppenmeditation: Jeder ist für sich selbst zuständig, und das Piepen der Meditationsuhr signalisiert, wann eine Meditationsperiode vorbei ist.

Kurz vor 5 Uhr ist es noch dunkel, aber die Lampen im Wat lassen jeden seinen Weg finden. Es darf überall im Kloster meditiert werden, die meisten Gäste gehen jedoch in die große Bibliothek. Alle suchen sich einen Platz, breiten ihre Meditationsmatten aus und führen eine genau vorgeschriebene Folge von Verbeugungen aus. Daran schließt sich eine Gehmeditation an. Auch hierfür gibt es genaue Instruktionen; jede Bewegung wird innerlich verbalisiert. Vor dem Losgehen sagt man sich beispielsweise «Absicht, loszugehen», am Ende der Halle angekommen zunächst «Stopp» und dann «Absicht, umzudrehen» und schließlich «drehen, drehen, drehen», während man sich um 180 Grad dreht. Der Gehvorgang selbst ist genau eingeteilt, insgesamt in sechs Phasen. Zunächst wird die Ferse gehoben, dann der ganze Fuß, dann wird der Fuß nach vorne bewegt, abgesenkt, nach vorne geneigt, sodass die Zehenspitzen den Boden berühren, und schließlich wird der ganze Fuß aufgesetzt. All diese Phasen werden innerlich benannt.

Die Gehmeditation dauert zu Beginn 15 Minuten und wird sukzessive auf eine Stunde gesteigert. Das Gehen wird durch dieses bewusste Durchführen sehr langsam, und es kann durchaus sein, dass die Meditierenden nach einer Stunde nur etwa 60 Meter zurückgelegt haben.

Welche Meditationsübungen die Meditierenden durchführen sollen, erfahren sie in einem täglichen kurzen Gespräch mit dem Abt des Wats, der zusammen mit der einzigen ordinierten Nonne die Meditierenden anleitet. Wenn die Meditationsuhr gepiept hat und damit das Ende der Gehmeditation anzeigt, folgt die Sitzmeditation, die genauso lange dauert wie die Gehmeditation. Auch hier signalisiert die Meditationsuhr das Ende. Das ist im Grunde der Tagesablauf: Gehmeditation und Sitzmeditation im kontinuierlichen Wechsel.

Um 6.30 Uhr läutet die Glocke zum Frühstück, das die Meditierenden zusammen mit einigen Mönchen und thailändischen Novizinnen und Novizen in einem gemeinsamen Speisesaal einnehmen – es gibt warme Reis- oder Nudelsuppe. Vor dem Essen werden einige Texte auf Pali und Thai rezitiert und ein Mönch hält eine Ansprache auf Thai. Danach folgen einige Verbeugungen, bevor alle ihre Suppe auf dem Boden sitzend essen. Nach dem Frühstück wird das Geschirr gespült, und dann geht es mit dem Meditieren weiter. Gegen 11 Uhr gibt es noch eine letzte Mahlzeit für den Tag. Trinken kann man allerdings beliebig viel.

Um 22 Uhr ist die Bibliothek meist wieder leer: Die Meditierenden sind schlafen gegangen. Anfangs machen sie noch größere Pausen zwischen den Meditationseinheiten, aber der Abt oder die Nonne, die die Meditierenden betreut, wenn der Abt nicht da ist, versuchen die Meditationsgäste in den täglichen Treffen zu motivieren, diese Pausen immer mehr zu verkürzen, sodass sie bald auf 12 bis 14 Stunden Meditationszeit pro Tag kommen. Während des Tages sollte man auf keinen Fall schlafen. Insbesondere die Meditierenden, die ihren Aufenthalt nicht nach zehn Tagen beenden, werden ermuntert, die Schlafenszeit in der Nacht Schritt für Schritt auf vier Stunden zu reduzieren. In den letzten drei der 26 vorgesehenen Tage sollte gar nicht mehr geschlafen werden.

Was passiert während der Sitzmeditation? Das ist bei dieser Form der Vipassana-Meditation sehr klar geregelt. Die Grundübung besteht darin, auf den Atem zu achten oder, genauer gesagt, auf einen Indikator des Atems. Jedes Mal, wenn sich die Bauchdecke hebt, sagt man innerlich «heben», und wenn sie sich wieder senkt, «senken». Es geht also darum, die Atmung zu beobachten, sie aber dabei nicht zu beeinflussen, was manchen Teilnehmern zumindest anfangs sehr schwerfällt.

Diese Basisübung wird sukzessive erweitert, indem man sich bei der Einatmung vorstellt, wie man sitzt, und dann innerlich «sitzen» sagt. Beim Ausatmen konzentriert man sich auf eine Körperstelle und sagt innerlich «berühren». Als Hilfestellung wird empfohlen, sich vorzustellen, wie eine 10-Baht-Münze (etwa drei Zentimeter Durchmesser) diese Körperstelle berührt. Die erweiterte Grundübung erstreckt sich also über zwei vollständige Atemzüge hinweg.

In der Endversion, nach etwa zwei Wochen, führen die Meditierenden diese Grundübung so durch, dass sie nach und nach 28 Punkte auf ihrem Körper in einer vorgeschriebenen Reihenfolge gedanklich berühren. Wenn sie mit diesem Zyklus fertig sind, geht er wieder von vorne los, bis die Meditationsuhr das Ende signalisiert.

Wenn die Meditierenden das Kloster verlassen, findet eine Abschlusszeremonie statt. Dabei werden die Mönche und Nonnen auf Zeit von den besonderen Gelübden und den Regeln des Klosters wieder entbunden. Nicht alle schaffen die zehn Tage, und nur wenige halten die 26-Tage-Periode durch. Bei einigen von denen, die durchgehalten haben, sieht man das stille Lächeln im Gesicht sofort. Vor allem bei den jüngeren Teilnehmern führt der Meditationsaufenthalt häufig dazu, dass sie ihr Leben nachhaltig verändern.

Ein Tag in Goloka Dhama, einem Bhakti-Yoga-Tempel in Westdeutschland

Um 4.30 Uhr finden sich die Gäste und Tempelbewohner im großen Tempelraum im Erdgeschoss ein – einige sind schon eher da und haben bereits mit ihrer individuellen Mantra-Meditation begonnen. Manchen Gesichtern der Meditierenden, die den Tempel das erste Mal zu einem längeren Retreat besuchen, sieht man an, dass es noch mitten in der Nacht ist. Trotzdem leuchten ihre Augen mit einer enthusiastischen Entschlossenheit. Sie freuen sich, diese stillen, zur Kontemplation anregenden Morgenstunden für ihre persönliche Entwicklung nutzen zu können. Von 4.30 bis 5.15 Uhr findet die erste Meditation statt, die hauptsächlich aus gemeinsam gesungenen Liedern besteht. Das Programm beginnt mit dem Öffnen des Altars – Figuren der indischen Gottheiten Radha und Krishna werden in ihrer Nachtbekleidung begrüßt. Auf dem Altar wurden Öllampen angezündet, die warmes Licht verbreiten, alle andere Beleuchtung ist ausgeschaltet. Eine Priesterin führt verschiedene Rituale auf dem Altar durch, und der angenehme Duft von Weihrauch, den die Priesterin Radha und Krishna darbringt, durchströmt den Raum. Ein älterer Tempelbewohner (manchmal auch ein Gast) leitet das erste Lied an und spielt leise Zimbeln dazu – die anderen wiederholen die Strophen, einer begleitet den Gesang auf einer zweiseitigen Tontrommel. Manche wippen mit der Melodie leicht hin und her. Neue Besucher halten ein kleines Büchlein mit dem Text in der Hand und murmeln ihn leise mit.

Im ersten Lied drücken die Singenden ihre Wertschätzung für die spirituellen Lehrer aus, welche sie im Prinzip überall und in jedem finden können, meist jedoch in einer/einem langjährig Praktizierenden. Danach wird im Sitzen ein Lied zu einer Löwenmenschform Krishnas gesungen, welche die Bhakti-Yogis vor äußeren und inneren Gefahren beschützen soll. Dann schließt sich der Altar, und einige der Lampen im Tempelraum werden eingeschaltet. Ein Tempelbewohner trägt zwei Tulasipflanzen (indisches Basilikum) hinein und stellt sie in größerem Abstand in die Mitte der zwei Raumhälften. Tulasi gilt als heilige Pflanze, die die Praktizierenden mit Bhakti, Liebe zu Krishna, segnet; ihre Blätter werden für die Rituale auf dem Altar verwendet. Je eine Frau und ein Mann gehen für ein kurzes Altarritual (arati) zu einer der Tulasipflanzen. Tulasi wird mit Repräsentationen der Elemente verehrt – Feuer (eine Öllampe), Wasser, Luft (ein Luftwedel), Erde (eine Blume und Räucherstäbchen) und Äther (der Klang eines Muschelhorns). Die restlichen Anwesenden singen erneut ein Lied.

Von 5.15 bis 7.15 Uhr meditiert jeder für sich im Schneidersitz mit einer Perlenkette in der Hand, die aus 108 Perlen aus Tulasiholz besteht. Dabei wiederholen sie das Maha-Mantra («großes» Mantra), das aus Namen von Radha («Hare») und Krishna («Krishna» und «Rama») besteht: Hare Krishna, Hare Krishna, Krishna Krishna, Hare Hare, Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare. Jede Wiederholung wird auf der Perlenkette gezählt. Wenn die ersten 108 Mantren geflüstert oder leise gesprochen wurden und eine Runde auf der Kette vollständig ist, wird sie auf einem kleinen, separaten Zähler gezählt. Er besteht aus Perlen auf einer Schnur, die von oben nach unten gezogen werden. Jeder Meditierende hat seine nach persönlicher Vorliebe festgelegte Rundenanzahl, welche die Dauer der täglichen Meditation bestimmt.

Bei der Mantra-Meditation konzentrieren sich die Praktizierenden darauf, ihre Aufmerksamkeit und ihre Gefühle der Liebe, Dankbarkeit und Wertschätzung dem Mantra bzw. den Personen, die in dem Mantra angesprochen werden, Radha und Krishna, zu widmen. Die Meditierenden gehen dabei völlig auf in der Hingabe an die liebevollen und mitfühlenden Gottheiten. Sie konzentrieren sich auf die Bedeutung der Namen – nicht so sehr in einem intellektuellen, sondern in einem erfahrungsbasierten Sinne – und erleben absolute Intimität zu den zwei Gottheiten.

Bei einigen Meditierenden läuft die Meditation sehr flüssig und geübt ab. Ihre Augen sind geschlossen, oder sie schauen abwesend auf den Fußboden oder einen anderen Punkt im Raum. Häufig sieht man ihre Lachfalten. Man kann erkennen, dass Herz und Gedanken in eine positive Erfahrung eingetaucht sind.

Bei anderen sind die Phasen der Vertiefung von längeren Phasen der Unaufmerksamkeit unterbrochen. Neue Besucher sind meist erst einmal damit beschäftigt, die Äußerlichkeiten der Meditation zu meistern: das Sprechen und Hören des Mantras und das gleichzeitige Zählen auf der Perlenkette. Ab und zu schauen sie sich um, um zu sehen, was die anderen machen. Wer Schwierigkeiten mit dem langen Sitzen hat, steht auf und geht am Rande des Raumes langsam hin und her oder umkreist leise die Tulasipflanzen.

Während der Meditationszeit schmücken einige Priester und Priesterinnen hinter verschlossenen Türen auf dem Altar die Figuren von Radha und Krishna.

Um 7.15 Uhr öffnet sich der Altar wieder und es wird bis 8 Uhr weiter gemeinsam für Radha und Krishna gesungen. Von 8.00 bis 8.45 Uhr liest eine ältere Praktizierende aus einer Bhakti-Schrift vor und kommentiert den Text. Anschließend können dazu Fragen gestellt werden. Von 9 bis 18.30 Uhr gestaltet jeder den Tag individuell. Einige arbeiten im Garten, andere kochen und wieder andere kümmern sich um das Haus. Auch während dieser praktischen Tätigkeiten achten die Bhakti-Yogis darauf, innerlich mit Radha und Krishna in Verbindung zu bleiben, indem sie ihnen das, was sie tun, mit Liebe widmen und das Maha-Mantra innerlich (manchmal auch laut) singen. Falls ein Retreat, Seminar oder Fest stattfindet, treffen sich alle während des Tages wieder im Tempelraum (oder bei schönem Wetter draußen auf der Wiese), um Vorträge zu hören und gemeinsam das Maha-Mantra zu singen.

An manchen Tagen im Jahr wird von 10 bis 22 Uhr das Maha-Mantra durchweg, ohne Unterbrechung, gesungen, begleitet vom Harmonium, von Tontrommeln, Flöten, Zimbeln und manchmal einem elektronischen Bass. Dabei wechseln sich die Vorsänger im Stundentakt ab. Zwischendrin werden individuell kürzere oder längere Pausen gemacht, um sich auszuruhen oder zu essen, aber jeder versucht an diesen Tagen so lange wie möglich mitzusingen bzw. zu meditieren.

An gewöhnlichen Tagen wird von 18.30 bis 19.15 Uhr noch einmal gemeinsam gesungen und anschließend bis 20 Uhr aus der Bhagavad Gita (die vielleicht wichtigste indische Schrift zu Yoga und Meditation) gelesen bzw. vorgetragen.

Meditationstechniken: ein Ordnungsversuch

Die drei Beschreibungen der Abläufe in verschiedenen Meditationszentren sollten deutlich machen, dass sich das, was Meditierende tatsächlich tun, sehr voneinander unterscheiden kann. Nachdem die Forschung anfänglich kaum Unterschiede zwischen den Meditationstechniken gemacht hat, besteht mittlerweile Einigkeit darüber, dass Meditation nicht gleich Meditation ist. Es reicht auch nicht, einfach Bezeichnungen wie «Zen-Meditation», «Vipassana» oder «Bhakti-Yoga» zu verwenden, weil sich dahinter, wie wir im vorangegangenen Abschnitt gesehen haben, oft mehrere unterschiedliche Techniken verbergen. So gibt es beispielsweise drei Hauptarten (und viele Unterarten) der Vipassana-Meditation, auch Einsichts-Meditation genannt, die sich deutlich voneinander unterscheiden.[1] Und selbst innerhalb eines Meditationsansatzes wie etwa «Rinzai Zen» oder «Soto Zen», den beiden Hauptrichtungen der Zen-Meditation, können durch die Vorlieben der jeweiligen Meditationslehrer recht unterschiedliche Aspekte betont werden. Das beeinflusst natürlich die Wirkungen, die man vom Meditieren erwarten kann.

Deshalb will ich versuchen, etwas Ordnung in die Vielfalt der Meditationstechniken zu bringen, indem ich sie zu Gruppen zusammenfasse. Hierbei gehe ich davon aus, was die Meditierenden tatsächlich tun, unabhängig davon, in welchem Meditationsansatz das geschieht. Gegen Ende dieses Kapitels versuche ich, die Meditationstechniken wieder in ihren Kontext zu stellen. Auf umfassendere Ansätze zur Meditation komme ich in Kapitel 3 zurück.[2]

Den Atem beobachten

Unser Atem ist immer bei uns, solange wir leben, und es ist leicht, ihn wahrzunehmen. Vermutlich auch deswegen ist das Beobachten des Atems eine Technik, die in allen Meditationstraditionen eine zentrale Rolle spielt. Eine Variante haben wir schon bei der Beschreibung eines Tages in einem thailändischen Kloster kennengelernt: zu beobachten, wie die Bauchdecke sich hebt und senkt. Auch das im Zen-Buddhismus praktizierte Atemzählen fällt in diese Kategorie. Manchmal ist es einfacher, sich auf den Atem zu fokussieren, wenn man, statt einmal den Atemzug zu zählen, die entsprechende Zahl so lange wiederholt, bis die Ein- oder Ausatmung vorbei ist. Statt beim Einatmen innerlich «eins» zu sagen, würde man also während der gesamten Einatmung «eins, eins, eins, …» wiederholen und bei der Ausatmung «zwei, zwei, zwei, …», bei der nächsten Einatmung dann «drei, drei, drei, …» usw.

Eine andere, in manchen buddhistischen Ansätzen praktizierte Möglichkeit besteht darin, Ein- und Ausatmung mit kurzen innerlich gesprochenen Sätzen zu verbinden, wie z.B. «Mögen alle Lebewesen glücklich sein» bei jeder Ausatmung und «Möge ihr Leiden sich auflösen» bei jeder Einatmung.

Manchmal nimmt man den Atemfluss selbst zu Hilfe. Wenn Sie sich auf Ihre Nasenlöcher konzentrieren, werden Sie bemerken, dass Sie den Luftstrom bei der Ein- und Ausatmung fühlen können. Besonders leicht fällt das, wenn wir etwa im Winter aus dem Haus gehen und die Luft, die in die Nase strömt, sehr kühl ist. Auch wenn wir uns körperlich anstrengen, ist der Übergang zwischen Ein- und Ausatmung sehr deutlich. Mit etwas Übung lassen sich der leichte Luftzug und die mit dem Atmen verbundenen Empfindungen in der Nase ebenso bei ruhigem Atmen wahrnehmen.

Wenn Sie Ihren Atem noch nie systematisch beobachtet haben, werden Sie vermutlich mit Ihren Gedanken zunächst immer wieder abschweifen. Selbst erfahrenen Meditierenden passiert das. Aber keine Sorge. Bringen Sie einfach Ihre Aufmerksamkeit sanft, aber bestimmt wieder auf den Atem zurück, ohne das Abschweifen zu bewerten oder sich darüber zu ärgern.

Körper, Gefühle und Gedanken beobachten

Der Atem ist natürlich auch ein körperlicher Vorgang, aber wegen seiner herausragenden Rolle hat er einen eigenen Abschnitt bekommen. Wenn es Ihnen nicht gelungen ist, beim Atem zu bleiben, und Sie sich darüber geärgert haben, können Sie eine weitere Technik einsetzen: Beobachten Sie den Ärger. Vielleicht bemerken Sie daraufhin, dass ein Druck in Ihrer Magengegend entsteht. In diesem Fall können Sie vom Ärger mental zu diesem Druck «gehen». Einfach dazusitzen und zu beobachten, welche Gefühle, Gedanken, Sinneseindrücke und Körperempfindungen auftauchen, ohne an ihnen festzuhalten, ist eine zentrale Meditationsübung im Zen, wird aber in Varianten in fast jedem Meditationsansatz benutzt. Diese Übung des «offenen Gewahrseins» fällt den meisten Meditierenden deutlich schwerer, als nur auf den Atem zu achten. Vermutlich deswegen schlagen einige Meditationslehrer vor, sich bei dieser Übung auf den Körper oder Teile des Körpers zu konzentrieren und zu beobachten, welche Empfindungen dort auftreten. Es gibt sogar Übungen, bei denen Meditierende darauf «warten», dass bestimmte Körpervorgänge auftreten (wie z.B. ein «Abkippen» aus einer Meditationsstellung), und diese dann registrieren, indem sie beispielsweise auf einer Gebetskette eine Perle weiter gleiten. Manche Meditationslehrer empfehlen, die Empfindungen innerlich zu benennen, zum Beispiel «Schmerz», «Kribbeln», «Angst», «Gedanke», etc. zu sagen.

Und wenn man bemerkt, dass man nicht mehr bei der Sache ist? Sie ahnen sicher die Antwort: Sehen Sie diese Wahrnehmung an und gehen Sie wieder zurück zur Übung des offenen Gewahrseins.[3]

Atem und Körper beeinflussen

Versucht man, den Atem zu beobachten, wird dieser manchmal kürzer, länger oder unregelmäßiger, allein dadurch, dass wir uns auf ihn konzentrieren. Der Atem kann aber natürlich auch willentlich gelenkt werden. Seit langem ist bekannt, dass bestimmte Meditationsarten den Atem sehr langsam und/oder kaum mehr wahrnehmbar werden lassen. Da liegt es nahe, derartige meditative Zustände durch entsprechende Atemübungen herbeizuführen. Oft hält man dabei den Atem an und kombiniert das mit entsprechenden Körperübungen (Asanas). Im klassischen Yoga-System (siehe Kapitel 3) gehört die Atemschulung (Pranayama) unbedingt dazu. Sie wird dort allerdings nicht als Meditation selbst, sondern als Hinführung darauf betrachtet.

Andere Meditationsansätze benutzen spezielle Atemübungen jedoch als festen Bestandteil der Meditation. Eine wichtige Funktion des Atems besteht darin, durch gezieltes Hinführen des Atemstroms die Konzentration auf Teile des Körpers oder auf Körperprozesse zu erhöhen und dort Veränderungen herbeizuführen. Außerdem spielt der Atem bei fast allen anderen Arten von kognitiven Meditationstechniken – wie etwa der innerlichen Wiederholung von Silben, Wörtern oder Sätzen oder der Konzentration auf Objekte (s.u.) – eine bedeutsame Rolle.

Viele Meditierende haben schon einmal die Erfahrung gemacht, dass Schmerzen nach einiger Zeit verschwinden oder sich zu einem anderen Körperteil verlagern, wenn man den Atemstrom bewusst auf sie lenkt. Wir können bestimmte Körpervorgänge dadurch beeinflussen und manchmal sogar willentlich steuern. Eine solche Steuerung wird bei manchen Meditationstechniken eingesetzt. Eine einfache Einflussnahme besteht darin, die Ausatmung im Vergleich zur Einatmung zu verlangsamen. Damit soll leichter ein Zustand der Entspannung und möglicherweise der Versenkung erreicht werden. Eine weitere Steuerungsmöglichkeit besteht darin, sich auf Körperstellen zu konzentrieren, von denen man in den jeweiligen spirituellen Richtungen annimmt, dass es sich um feinstoffliche, also mit herkömmlichen Analysemethoden bislang nicht messbare Energiezentren handelt. So konzentriert man sich in manchen Zen-Schulen auf den sogenannten Tanden, der sich direkt unter dem Nabel befindet. Auch im chinesischen Chigong sind solche Übungen zentral. Nach dieser Lehre verfügen wir alle über feinstoffliche Körperbahnen, durch die die «Lebensenergie» (Chi oder Ki) fließt. Dieser Fluss ist, davon geht man im Chigong außerdem aus, bei den meisten Menschen beeinträchtigt. Deswegen konzentrieren sich die Meditierenden auf die Zirkulation der Lebensenergie in den entsprechenden Bahnen.

Auch in vielen hinduistischen Meditationsrichtungen wird die Existenz mehrerer feinstofflicher Energiezentren, sogenannter Chakren angenommen, auf die man sich entweder einzeln oder in einer bestimmten Reihenfolge konzentriert. Im Zusammenhang mit diesen Chakren spielt das Konzept der Kundalini eine wichtige Rolle: Sie ist eine Form von Energie, die durch Meditation aktiviert werden kann. Diese Energie steigt über die Chakren bis zum Scheitelpunkt und kann eine tiefe innere Transformation auslösen.

Statt darauf zu warten, welche Körperempfindungen ins Bewusstsein treten (den Körper beobachten), gibt es die Möglichkeit, den ganzen Körper systematisch zu erkunden, eine Technik, die heutzutage häufig als «Body Scan» bezeichnet wird (z.B. im MBSR-Ansatz von Jon Kabat-Zinn), aber auch Teil von klassischen Yoga-Praktiken ist (Yoga-Nidra). Üblicherweise beginnt man damit, seine Aufmerksamkeit auf die Fußsohlen zu lenken, und «scannt» dann sukzessive den ganzen Körper von unten nach oben durch.

Bei manchen dieser Techniken kann man darüber streiten, ob sie selbst bereits als Meditation bezeichnet werden sollten oder lediglich als Vorbereitung auf diese. Angesichts der erwähnten Schwierigkeit, Meditation allgemeingültig zu definieren, und in Anbetracht der Tatsache, dass sich Ansätze finden lassen, in dem diese Techniken als Meditation bezeichnet werden, habe ich sie hier mit aufgenommen.

So oder so: Die aktiven Arten dieser gerade beschriebenen Techniken, wie beispielsweise das Anhalten des Atems oder das Beeinflussen von (feinstofflichen) Organen und Körperbahnen, können starke (und möglicherweise schädliche) Wirkungen hervorrufen. Sie sollten daher nie ohne Lehrer praktiziert werden.[4]

Wörter oder Sätze wiederholen

Die zentrale Technik in der sogenannten Transzendentalen Meditation (TM), die von dem hinduistischen Lehrer Maharishi (= großer Weiser) Mahesh Yogi in den Westen gebracht wurde (anfangs vor allem durch die Beatles popularisiert, die einige Zeit bei ihm verbracht haben), besteht darin, ein Mantra, ein heiliges Wort oder eine Wortgruppe, innerlich zu wiederholen. Dieses Mantra bekommen die Meditierenden von ihren Lehrern individuell zugewiesen. Die TM-Mantras haben für die Meditierenden selbst keine inhaltliche Bedeutung. Durch die regelmäßige Praxis wird es nach Ansicht der TM-Lehrer immer leichter, auf den inneren Klang des Mantras zu achten. Dadurch wird die Gedankentätigkeit kontrolliert und schließlich ein Zustand des «reinen Bewusstseins» (siehe Kapitel 3) erreicht.

Andere hinduistische Meditationsansätze schlagen vor, allgemein verfügbare und sinnvolle Mantras zu benutzen, um das gleiche Ziel zu erreichen. Das bekannteste dieser Mantras ist die heilige Silbe OM. Sie wird häufig kombiniert mit weiteren Wörtern wie etwa Om Namah Shivaya (Ehre dem Gott Shiva), einem zentralen Mantra in manchen Yoga-Formen. Andere bekannte Mantras sind das Hare Krishna-Mantra, das dem Hindu-Gott Vishnu und seiner Gefährtin gewidmet ist und das Sie oben im Zusammenhang mit Bhakti-Yoga schon kennengelernt haben, oder das Gayatri-Mantra, das im indischen Kulturkreis vielleicht bedeutsamste Mantra. Es wird wie das Hare Krishna-Mantra oft laut gesungen («gechantet»).

Der indische Meditationslehrer Eknath Easwaran, der vor seinem Tod 1999 lange in den USA lebte und lehrte, schlägt als zentrale tägliche Meditationspraxis die innere Wiederholung einer längeren Textpassage vor, die sich die Meditierenden frei aus den mystischen Traditionen der Religionen (Buddhismus, Christentum, Judentum, Hinduismus, Islam, Taoismus) wählen können. Er behauptet, dass das mit zunehmender Übung automatisch werdende Wiederholen solcher Passagen die Konzentration verbessert und außerdem der persönlichen Transformation, also dem Fortschritt auf dem spirituellen Weg dient. Als zusätzliche Praxis schlägt er vor, kürzere Mantras auch außerhalb der (Sitz-)Meditation zu verwenden.

Dieses ständige Wiederholen von Silben und Wörtern, wann immer es der Alltag zulässt, findet man nicht nur in hinduistischen Ansätzen (dort als Nama-Japa oder Japa-Yoga bezeichnet), sondern auch in der meditativen Form der Kabbalah (Judentum), des Sufismus (Islam) und in christlichen Meditationsformen.

In manchen Schulen des Sufismus wird beispielsweise der Name Gottes (Allah