Die Kunst des Humors - Helge Schönhusen - E-Book

Die Kunst des Humors E-Book

Helge Schönhusen

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Beschreibung

Wer Humor hat, ist eindeutig im Vorteil. Wer keinen hat, kann sich welchen zulegen – oder ausdenken. Denn spätestens ab jetzt, mithilfe dieses Buchs, wird es möglich, Humor wahrhaft zu begreifen, seinen Wert für unser Leben zu erkennen. Viel zu wenig wissen wir über ihn, über Scherze, Witze und Gags, über Komik, Comedy und Satire. Trifft es zu, dass die Deutschen sich mit ihrem Humor noch immer schwertun, dass Männer, wenn überhaupt, die Scherze machen, während Frauen darüber lachen? Was sollte sich ändern daran, wie passt Humor in den Zeitgeist, und was tut sich in sozialen Netzwerken? Weshalb ist Humor ausgerechnet jetzt ein Thema? Weil die Welt verrücktzuspielen scheint? Weil das Leben uns überrennt und wir neue Strategien für unsere seelische Verfassung brauchen? Oder weil es mit echten, nachhaltig wohltuenden Kontakten zu unseren Mitmenschen zunehmend schwieriger wird? Nach Behandlung solcher Fragen kommt der Autor in beispielloser Weise einem großen, längst überfälligen Rätsel auf die Schliche, und zwar der Formel, die ganzheitlich erklärt, wie jeder Humor funktioniert, in seinem Kern aufgebaut ist, gezielt erdacht werden kann. Eine Riesenmenge treffender Sprüche und amüsanter Beispiele sorgt darüber hinaus für originelle Anschaulichkeit und Spaß vom Feinsten.

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Seitenzahl: 250

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Helge Schönhusen

Die Kunst des Humors

Für mehr Gelassenheit, Beziehungsglück und seelische Gesundheit

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Was Sie erwartet

Teil I: Wunderwerk Humor

Einführung

Vier Irrtümer entsorgen

Humor ist eine ernste Angelegenheit

Ist unser Humor noch zu retten?

Haufenweise Online-Spaß

Haben Sie genug Humor? Oder nur genug von Comedy?

Niemand sehnt sich nach humorlosen Leuten

Was ist Humor?

Erstaunliche Effekte

Risiken und Nebenwirkungen

Teil II: Die Welt ist verrückt – werden Sie es nicht auch. Warum Sie Ihren Humor jetzt dringend brauchen

Alles wird gut? Träumen Sie weiter!

Die Medien saugen uns Humor ab

Sind wir noch bloß komisch oder längst neurotisch?

Warum unser Humor uns glücklich macht

Wer später stirbt ist kürzer tot

Geschlechteralarm

Neueste Technik, aber Steinzeitkommunikation

Teil III: Von der Vielfalt zum universellen Kern

Ein Chamäleon namens Humor

Frauen, Männer und Humor

Humor der Völker

Globaler Humor

Die Praktiker müssten es wissen

Allmählich gleiche Muster erkennen

Ein Modell für jeden Humor: Die Komikeinheit

Impressum neobooks

Was Sie erwartet

Wer Humor hat, ist eindeutig im Vorteil. Wer keinen hat, kann sich welchen zulegen – oder ausdenken. Denn spätestens ab jetzt, mithilfe dieses Buchs, wird es möglich, Humor wahrhaft zu begreifen, seinen Wert für unser Leben zu erkennen. Viel zu wenig wissen wir über ihn, über Scherze, Witze und Gags, über Komik, Comedy und Satire. Trifft es zu, dass die Deutschen sich mit ihrem Humor noch immer schwertun, dass Männer, wenn überhaupt, die Scherze machen, während Frauen darüber lachen? Was sollte sich ändern daran, wie passt Humor in den Zeitgeist, und was tut sich in sozialen Netzwerken? Weshalb ist Humor ausgerechnet jetzt ein Thema? Weil die Welt verrücktzuspielen scheint? Weil das Leben uns überrennt und wir neue Strategien für unsere seelische Verfassung brauchen? Oder weil es mit echten, nachhaltig wohltuenden Kontakten zu unseren Mitmenschen zunehmend schwieriger wird? Nach Behandlung solcher Fragen kommt der Autor in beispielloser Weise einem großen, längst überfälligen Rätsel auf die Schliche, und zwar der Formel, die ganzheitlich erklärt, wie jeder Humor funktioniert, in seinem Kern aufgebaut ist, gezielt erdacht werden kann. Eine Riesenmenge treffender Sprüche und amüsanter Beispiele sorgt darüber hinaus für originelle Anschaulichkeit und Spaß vom Feinsten.

Das menschliche Gehirn ist sich bewusst gewordene Materie. Den Humor braucht es, um mit dieser Enttäuschung fertigzuwerden.

Teil I: Wunderwerk Humor

Gemeinhin verstehen wir unter Humor eine besondere Fähigkeit, einen Gemütszustand, eine Lebenseinstellung, die jedem Menschen auf etwas andere Art eigen ist. Neben diesem Verständnis als nach innen gerichtetem Persönlichkeitswert stellt Humor darüber hinaus eine aktive Äußerungsform in der zwischenmenschlichen Kommunikation dar. Der geistig und seelisch weitgehend intakte Mensch würzt seinen täglichen Informationsaustausch bisweilen mit scherzhaften, komischen, witzigen Einlagen – so der Idealzustand. Wie aber sieht die Wirklichkeit aus? Während die einen ihren Humor als Teil der Kommunikation wie selbstverständlich lustvoll ausleben, sehen sich andere während ihres geschäftigen Alltags durch Humor gestört, aus dem Konzept gebracht, verunsichert, missverstanden, nicht ernstgenommen und entwickeln dadurch verhängnisvolle Vorbehalte und Berührungsängste.

Ein erster Schritt, das Phänomen Humor zu entzaubern, kann darin bestehen, ihn nicht als genetisch ein für alle Mal festgelegtes Merkmal eigenwilliger Witzbolde zu missverstehen, stattdessen als ein normales, gesundes, typisch menschliches Geistesprodukt zu begreifen, das erkennbaren Regeln unterliegt. Mit diesen Regeln lässt sich der eigene Humor tatsächlich anregen, vermehren, verbessern, neu erfinden. Denn wer sich nicht andauernd ärgern, nicht verzweifeln, grübeln, sich hetzen, verunsichern oder herabsetzen lassen, wer am Ende nicht depressiv werden will, sollte etwas unternehmen, um verträglicher mit den psychischen Anforderungen des heutigen, meist unbequem sich verändernden Daseins zurechtzukommen.

Noch weit vor der beruflichen Leistung rangierend gilt es deshalb, nicht nur an den Wochenenden oder im Urlaub, sondern ebenso im Alltag regelmäßig Lebensfreude zu erfahren, seelisch stabil und authentisch zu bleiben, sich in der Gemeinschaft vollkommen unterschiedlicher Menschen wohlzufühlen, seine Selbstsicherheit, Partnerschaftstauglichkeit und Sozialkontakte zu stärken. Ansonsten besteht die Gefahr, dass wir zu absonderlichen Gestalten mutieren, staubtrocken und todlangweilig dahinvegetieren, andere nerven oder neurotisch, ungenießbar, einsam und zum Spottopfer, letztendlich krank werden.

Mit Blick darauf erfahren Sie im Folgenden etwas über das komplexe Gebilde Humor und unsere Probleme mit ihm, aber auch über seine erstaunlichen Effekte und wie weitreichend er unser Leben positiv zu beeinflussen vermag. Denn selbst wir durchökonomisierten Dichter und Denker könnten es schaffen, im Alltag endlich oder wieder humorvoller zu werden: mit dem richtigen Wissen, mit Köpfchen und Methode – genau das entspricht unserer Stärke.

Wer sich zu ernst und zu wichtig nimmt, hat keinen Humor. Und wer keinen Humor hat, macht sich schnell lächerlich.

Einführung

Humor ist für die meisten Menschen das, was sie von anderen erwarten, was gut von ihnen stammen könnte oder was ihnen einfällt, nachdem die anderen längst weg sind.

Vor allem Comedians und Kabarettisten, Autoren, Redner und Moderatoren sollen immer schön witzig und humorvoll sein. Nicht zu vergessen all die notorischen Scherzkekse und Spaßvögel, denen der Humor in die Wiege gelegt worden zu sein scheint.

Aber Sie? Haben Sie genug Humor? Verstehen Sie Spaß? Verstehen Sie Humor, wie er funktioniert? Bringen Sie Ihre Mitmenschen zum Lachen? Auch gezielt, bewusst, stets dann, wenn Sie es wollen, die Situation es erfordert, also nicht nur in jenen seltenen Momenten, in denen Sie mal zufällig witzig oder unfreiwillig komisch sind?

Möchten Sie Ihren Humor gern verbessern oder wiederfinden, neu erfinden, überhaupt erst entdecken? In diesen Fällen sind Sie hier richtig. Und daher gleich die gute Nachricht: Humor lässt sich, Unkenrufen zum Trotz, durchschauen, erlernen, üben, entwickeln. Aktiver Humor ist keine unveränderliche, genetisch zementierte Gabe – er ist eine Kunst, deren Handwerk auch auf Wissen basiert. Nur fehlt den meisten an Humor Interessierten dieses Wissen, und das, obwohl sich die Erkenntnisse der Menschheit alle fünf bis zwölf Jahre verdoppeln, die Medien uns mit Informationen überfluten, Ratgeber fast jedes Thema etliche Male wiederkäuen, die Welt immer transparenter wird.

Ein Wunder ist das nicht: Mit Humor verhält es sich ganz anders als mit Themen wie etwa Glück, Gesundheit, Partnerschaft, Ernährung, Kinder, Auto, Reisen, Fußball, Computer, Politik oder Geld. Was haben wir nicht schon gehört und gelesen darüber, selbst erlebt, durchdacht und ausprobiert, was könnten wir erzählen, den Leuten alles raten? Aber Humor? Da hört’s auf, hört man die immer selben Floskeln: „Lachen ist gesund“, „Humor hat man oder hat man nicht“, „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“, „Der Partner sollte humorvoll sein“ und so weiter und so gut und so wenig hilfreich.

An das Thema Humor gehen selbst Philosophen, Psychologen, Anthropologen und Medienexperten nur selektiv, nie ganzheitlich heran. Einzelne Erscheinungen wie das Lachen, Witze oder Comedy werden einseitig betrachtet, Vielfalt und Unterschiede der Humorformen ermüdend beschrieben, Spuren von Komik in klassischen Werken literaturwissenschaftlich zerredet oder Wirkungen des Humors allein für die Psychotherapie geschildert. Für ein umfängliches Wissen der Allgemeinheit jedoch zwecks praktischer Anwendung im täglichen Leben wurde bislang kaum etwas erreicht.

Noch weniger zu erwarten haben wir von den professionellen Anwendern des Humors in Gestalt der Comedians, Kabarettisten und Gagschreiber: Die lassen sich entweder, ähnlich Zauberern mit ihren Tricks, nur ungern in die gewinnbringenden Karten schauen oder wissen selbst nicht so genau, wie ihr kreatives Talent eigentlich funktioniert.

Deshalb bildet Humor nach wie vor einen mächtigen weißen Fleck auf der Landkarte unserer bewussten Lebensgestaltung. Humor, dieses begehrte Gut menschlicher Kommunikation, dieser hoch angesehene Persönlichkeitswert, mit dem wir täglich zu tun haben, zu tun haben sollten, ist ein Phänomen: Damit er spontan gelingt, bedarf es einer originellen Inspiration zum perfekten Zeitpunkt mit den richtigen Leuten in der passenden Stimmung und Situation. Leider bietet unser Alltag solche Bedingungen viel zu selten: Der Ernst des Lebens mit all seiner Hektik und Unsicherheit, seiner Betroffenheit, Angst und Erschöpfung, all dem wichtigtuerischen, gleichgültigen oder rücksichtslosen Gebaren vieler Mitmenschen funkt ständig dazwischen, dass einem der Spaß auf Dauer vergehen möchte. Setzen wir uns dann aber hin, um uns in Ruhe Humor auszudenken, gezielt zu erfinden, ist er gleich gar nicht mehr zu fassen, wird er zu einer so flüchtigen wie verflixten, kopfzerbrechenden Angelegenheit.

Haben Sie in solchen Fällen nicht auch das Gefühl, über Humor genauso viel zu wissen wie über Quantenkryptografie, also nichts? Ich hatte es, verspürte den Drang, das Phänomen Humor endlich derart ergiebig und ganzheitlich zu entschlüsseln, dass man begreift, was Humor tatsächlich bedeutet, was er bewirkt, wie er funktioniert, wie man ihn bewusst und gezielt herleiten kann, jederzeit, nach einem leicht verständlichen Muster, einer praktischen, einheitlichen Formel.

Denn nicht mal in den Bergen von Artikeln und Ratgeberbüchern über Kommunikation, Moderation, Präsentation und Erziehung, über Rhetorik, Schreiben, Erfolg und Schlagfertigkeit, über Glück, Partnersuche und Partnerschaft, über Gesundheit, Selbstwert, Selbstbestimmung, Gelassenheit und Kreativität wird Näheres über Humor geschrieben, geschweige denn darüber informiert, wie er funktioniert.

Dazu kommt es einem so vor, als suchten die Menschen ihr Glück heutzutage in Tausenden möglichen wie unmöglichen, teuren wie abenteuerlichen Dingen und Handlungen nur als halbherzigen Ersatz für eine angenehme, anregende, empathische und humorvolle Kommunikation mit netten Leuten.

Was den Humor dabei betrifft, wollen das vorliegende Buch sowie zwei weitere Bücher aus der Reihe „Eine Formel fürs Leben“ diesen Mangel mithelfen zu beheben. Am Ende werden Sie damit über sämtliche Informationen verfügen, um witziger und humorvoller sein zu können: Anfangs noch mit Einsicht und Verstand, systematisch anhand gezielter Methoden. Aber schon nach kurzer Zeit wird Ihnen das Witzige und Humorvolle immer häufiger auch intuitiv gelingen, spontan, schlagfertig, fast wie von selbst.

In diesem ersten Buch erwartet Sie zunächst ein ungeschminkter Blick auf unser angespanntes Verhältnis zum Humor. Denn trotz ihrer vielfältigen, meist positiven Wirkungen vernachlässigen wir wohl keine andere menschliche Äußerungsform dermaßen sträflich wie den Humor. Und findet das Thema ausnahmsweise nähere Beachtung, scheiden sich quälend daran die Geister, werden althergebrachte Vorbehalte, Irrtümer und Missverständnisse sichtbar.

Die hierzu mit einem Augenzwinkern präsentierten Wahrheiten sollen Sie in Ihrem Eifer aber nicht bremsen, auch wenn sie noch so ernüchternd anmuten mögen: Im Gegenteil, sie sollen Sie beflügeln, humorvoller zu werden, etwas zu wagen, weil Sie nur so gewinnen, sich seelisch beleben, stärken, schützen, unabhängiger machen können, und zwar in fast jeder Situation unseres oft so gezwungenen Daseins.

Anzeichen eines verheißungsvollen Wandels, etwa in Form des neuen Online-Humors, finden wir allemal; Sie werden staunen, was da alles geht und passiert. Darüber hinaus gewährt Ihnen das Buch neue Einblicke in die Wunderwirkungen des Humors auf unser Alltagsleben. Von denen gibt es deutlich mehr, als Sie sich vermutlich jemals bewusst waren. Entweder verkennen, unterschätzen und vernachlässigen wir diese Wirkungen regelmäßig, oder sie fallen den berühmten Risiken und Nebenwirkungen zum Opfer, die gefährlich hinter jedem unserer Humorversuche lauern. Als Medizin ist Humor zwar nicht verschreibungspflichtig, doch kann er wie eine Droge leicht glückstaumelig bis süchtig machen, voll daneben gehen, peinlich übers Ziel hinausschießen. Daher bekommen Sie die Packungsbeilage für einen maßvollen, geschickten Gebrauch gleich mitgeliefert.

Anschließend zeigt Ihnen der zweite Teil, inwiefern Sie auf Ihren Humor und dessen Entfaltung dringlich angewiesen sind, heutzutage mehr denn je. Erfahren werden Sie etwas über unsere zwiespältige Natur, die wir im Interesse einer intakten seelischen Gesundheit – von kindlich blödelnd über selbstironisch scherzend und geistreich witzelnd bis fantasievoll verrückt – intensiver ausleben sollten. In den meisten Fällen können wir die Widersacher unseres Wohlbefindens nicht einfach ausschalten, wir können aber schlauer mit ihnen umgehen, im besten Fall als Steilvorlage nehmen, um sie zu unserem Vorteil zu verwandeln.

Humor spielt dabei eine Schlüsselrolle, weshalb es auch um die Frage gehen wird, wo dieser ganze im Alltag fehlende Humor geblieben sein könnte: Haben die Medien ihn uns abspenstig gemacht, der wachsende Leistungsdruck der Arbeitgeber ihn erstickt, die Krisen und Ungerechtigkeiten unseres Lebens ihn geraubt? Was richten die rasanten Veränderungen in der Welt überhaupt mit uns an, wie schlimm ist es bereits um unsere Seelenschieflagen bestellt? Sind wir noch bloß komisch oder längst neurotisch? Und was haben das Glück und ein Glaube mit unserem Humor zu tun? All die Faktoren, die uns täglich den Spaß verderben, fordern unseren Humor eigentlich erst richtig heraus. Daher sollten wir nicht wie gelähmt unter ihnen leiden, stattdessen als wertvollen Rohstoff und beliebte Zielscheibe für Humor begreifen.

In Zukunft wird zudem nicht nur das bisweilen recht verzwickte Verhältnis der Geschlechter zueinander vermehrt auf Humor angewiesen sein: Unsere gesamte so hysterische wie abgeflachte bis leere Kommunikation, ob herkömmlich analog oder mit dem neuesten digitalen Technikzauber aufgerüstet, hat dringend mehr Humor nötig. Ein Umgang zwischen den Menschen, dem es an Humor mangelt, ist nicht nur anfälliger für frostigen Stress, empfindungslose Monotonie oder lähmende Langeweile, sondern ebenso für Fremdheit, Voreingenommenheit, Wichtigtuerei und Intoleranz. Mit der Zeit erweist sich ein Manko in Sachen Humor als regelrecht asozial und psychisch riskant. Solange wir halbwegs zufrieden, ausgeglichen, gesund, friedlich, erfolgreich und sozial eingebunden leben möchten, können wir uns gerade das nicht mehr leisten.

Deshalb führt Sie der schließlich dritte Teil über die zahllosen Erscheinungsformen des Humors, den ungleichen Umgang der Geschlechter mit Humor sowie den vermeintlich unterschiedlichen Humor der Völker hin zu dem einheitlichen Modell der Komikeinheit. Anhand dieses Modells werden Sie Humor allmählich verstehen, wie er konstruiert ist, wie er funktioniert und gezielt erdacht werden kann. Absolut jeder gelungene Humor, jeder Witz, jeder Scherz zeigt ein gleiches Muster, setzt sich aus regelmäßig vier Bausteinen der Komikeinheit zusammen: dem typisch menschlichen Gegenstand, der Doppeldeutung, dem ungewissen Spott und dem intuitiven Stil mit Pointe. Sobald Sie diese vier Bausteine durchschauen, werden Sie sich mit Ihrem Humor deutlich leichter tun.

Weiterführend behilflich sein können Ihnen dabei auch das zweite und dritte Buch „Der Bauplan des Humors“ sowie „Humor kreativ“, für das Ihnen die hier erste Beschreibung der Komikeinheit als Vorgeschmack dienen soll. Falls Sie allerdings noch immer nicht beabsichtigen, Ihrem Humor eine neue Chance zu geben, dadurch selbstsicherer, seelisch stabiler, amüsanter, beliebter und attraktiver zu werden, lassen Sie sich eben nur informieren und zusätzlich gut unterhalten von den Einblicken in die faszinierende Welt des Humors.

Humor beseitigt nicht die Minuszeichen des Lebens, aber er setzt sie in Klammern mit einem Plus davor.

Vier Irrtümer entsorgen

Humor ist eine Lebensformel, die wir für viele Bereiche des Alltags erst wiederentdecken müssen. Dass die Deutschen und andere Völker insgesamt weniger Spaß miteinander haben, liegt nicht oder nicht nur an deren Tradition, Geschichte oder Mentalität, auch nicht allein an dem fehlenden Wissen über Humor: Ein weiterer Grund sind verbissen sich haltende Vorurteile und Irrtümer:

Mit der weit verbreiteten Auffassung fängt es an, entweder man habe Humor, oder man habe keinen. Vergessen Sie diesen Trugschluss: Jeder seelisch einigermaßen gesunde Mensch besitzt Humor, einen angeborenen Sinn für Komik zumindest, und der lässt sich entwickeln, was übrigens für alle Geschlechter gleichermaßen gilt. Der Humor wird uns höchstens ausgetrieben: von Langweilern und Druckmachern, Wichtigtuern und Spaßbremsen. Bereits die Schule leistet ganze Arbeit, in der Erwerbswelt setzt sich das fort. Auch die abgenutzte Distanzlosigkeit innerhalb vieler Partnerschaften lässt dem spontanen Humor oft wenig Raum. Sie können aber etwas tun dagegen, sich von der eigenen Humorlosigkeit erlösen und gegen die der anderen immunisieren, indem Sie Humor durchschauen, beherrschen, gezielt entwickeln, sich ein Stück weit von den fremdbestimmten Idealbedingungen für spontanen Humor befreien und dadurch die Stimmung, den Spaß, die Situation selbst in die Hand nehmen.

Wer keinen Humor hat, kann sich immerhin welchen ausdenken.

Ein zweiter Irrtum folgt der Auffassung, wonach Humor, Witz und Komik, da in endloser Vielfalt existierend, kein durchweg einheitliches Muster zeigen: So stünden die Volksgruppen, Regionen, sozialen Schichten, Dialekte, Altersgruppen und Geschlechter für einen unterschiedlichen Humor, überhaupt jeder Mensch habe einen etwas anderen Humor. Dem folgend hat sich die Humorforschung tatsächlich mehr den Unterschieden zwischen den Humorformen gewidmet, anstatt ebenso konsequent die eine, generelle Funktionsweise aufzudecken. Dieses Buch geht anders vor, sucht und findet das Gemeinsame.

Wenn jemand keinen Humor hat, muss man ihn deswegen nicht gleich ernst nehmen.

Damit verbunden ist der dritte Irrtum: Humor sei weder ausreichend zu ergründen noch bewusst beherrschbar. Sobald man über Komik, Witze, Scherze oder Selbstironie tiefer nachdenke, sei die lustige Wirkung verflogen, zerplatzt wie eine Seifenblase. Humor sei eine rein spontane Angelegenheit, könne nicht durchschaut und nicht nach Plan konstruiert werden. Mit diesem Argument ziehen sich ansonsten kluge Köpfe offenbar aus der Schlinge, sich mit dem so komplexen wie unterschätzten Metier des Humors tiefergehend beschäftigen zu müssen. Dem aber steht die Frage entgegen, wo die unendlichen Mengen an Witzen, Sketchen, Cartoons und Gags, vor allem in den Medien, herkommen, wenn nicht aus der arrangierten Denkretorte. Gerade der Mensch ist das einzige Wesen, das Phänomene erforschen, unbegrenzt zu Einsichten gelangen, sich bewusst anpassen und verschiedene Fähigkeiten, einschließlich schöpferischer, auch ohne großes Talent systematisch entwickeln kann.

Nichts ist so ungewiss und so wenig genau umrissen wie unsere Anschauungen über den Humor. – Henry Fielding

Ein vierter Irrtum: Seitdem der Mensch fühlt und denkt, ist Humor zwar sein täglicher Begleiter. Schon als Säugling kommuniziert er instinktiv über das Lachen mit seiner Umwelt. Für Kinder und Jugendliche ist Humor eine grundlegende Eigenschaft und Verhaltensweise, gehört er zur spielerischen Bewältigung des Alltags. Mit Humor haben wir gemeinschaftlichen Spaß, beherrschen wir Situationen, erfreuen und gewinnen wir unsere Mitmenschen, behaupten uns, verschaffen uns und anderen Momente der Auflockerung, Unterhaltung und Entspannung.

Trotzdem werden Witz und Humor in der Kommunikation des geschäftigen Alltags nach landläufiger Meinung oft als oberflächlich, absurd oder unangebracht abgetan, kaum als wirkliche, immer gern gesehene Kunst gewürdigt. Humor und Witzigkeit werden bestenfalls für kurze Zeit akzeptiert, um sogleich mit der kalten Dusche „Spaß beiseite“ zur strengen Tagesordnung zurückzukehren, damit das heilige Pensum noch zu schaffen ist, der Lehrplan, der Terminplan, der Auftrag, das Umsatzziel, der Aktenberg. Oder um den sachdienlichen Anschein zu wahren und sich bloß nicht dem Verdacht auszusetzen, die vielen Probleme, Herausforderungen und tragischen Geschehnisse zu verharmlosen und dadurch Pflichten, Respekt, historisches Schuldbewusstsein und Leistungsbereitschaft zu verweigern.

Hinzu kommen so vage Erscheinungen wie Ironie, Zynismus, Spott und Sarkasmus, für die wir leicht anfällig sind, die uns jedoch nie ganz geheuer waren, da sie verunsichern und verletzen können, leicht missverstanden oder gar nicht erst erkannt werden. Viele Menschen fühlen sich genervt von der Comedy-Flut in den Medien oder dem schrill bunten, alljährlich sein närrisches Unwesen treibenden Karneval. Vom zusammenhangslosen Abspulen hochbetagter Witze ganz zu schweigen.

Deshalb stehe Humor wesentlichen Dingen unserer Kultur und Zivilisation entgegen, die uns mühevoll auf dem Weg zum mündigen Bürger eingetrichtert werden: Logik, Vernunft, Moral und Bildung zählen dazu, ein geistiger und künstlerischer Anspruch und vor allem: die so oft angemahnte Ernsthaftigkeit, Etikette, Pietät und Political Correctness. In dem einen oder anderen Fall spielt ein religiöser, todernster Glaube eine Rolle. Insofern vereine sich Humor nur bedingt mit unseren täglichen Aufgaben und geforderten Attributen wie fleißigem Arbeiten, sachlicher Geschäftigkeit, dem Lernen, Lehren und Erziehen, mit Autorität, Disziplin, Seriosität und Kompetenz.

Der Witz am Humor besteht darin, sich selbst und anderen die versteckte Komik in der eigenen Tragik und der des Lebens zu offenbaren.

Eine Menge Hürden auf dem Weg zu mehr Humor haben sich da aufgebaut. Viele dieser Vorurteile und Empfindungen gehören schlichtweg in den Müll. Aus der Luft gegriffen sind sie absolut nicht, die Realität spricht für sich: An der großen Zahl humorloser Menschen und Situationen im Alltag erleben wir es andauernd. Und in Ratgebern ist tatsächlich nachzulesen, man solle sparsam mit seinem Humor umgehen, wenn man als charismatisch und vertrauenswürdig gelten, man Karriere machen will.

Abgesehen davon, dass längst nicht alle Menschen als vermeintlich charismatische Karrieristen in hoch vertrauenswürdiger Position abzustumpfen gedenken, dürfte dieser Ratschlag auch ansonsten nur bedingt stimmen, allenfalls für die wenigen, wirklich ernsthaften, tragischen, dramatischen oder pathetischen Situationen, in denen Humor absolut nicht angebracht ist. In allen anderen Lebenslagen sollte man sich keinen Zwang antun, zumal hier nicht von Humor im Sinne von Kinkerlitzchen und Dummblödelei die Rede ist.

In unserem Arbeitsalltag verdrängen wir bereits zu viele Dinge in ungesundem Ausmaß, jetzt bloß nicht auch unseren Humor. Unterdrücken können wir mal ein Kichern, wie damals in der Schule, wenn es stören, missachten oder herabsetzen würde. Jetzt aber sind wir erwachsen, unser Humor ist Bestandteil der eigenen Souveränität. Wie die anderen mit unserem Humor umgehen, bleibt denen überlassen: ob sie offen herzhaft lachen, sich lieber innerlich amüsieren oder ihn einfach ignorieren. Wir sollten jedenfalls keine der wertvollen Chancen vertun, uns als aufmerksam beteiligt und dabei als empathisch und gelassen, erfrischend lässig, überraschend originell und attraktiv zu präsentieren. Denn auch das macht echtes Charisma aus.

Humor ist eine ernste Angelegenheit

Wenn Sie spontan an Humor denken, haben Sie als erstes bestimmt die Lebenseinstellung im Sinn, mit der Sie sich nicht zu wichtig nehmen, nicht hilflos leiden und vor Angst erstarren, stattdessen heiter und entspannt auf verunglückte, peinliche und brenzlige Situationen reagieren oder jene unangenehmen Dinge locker hinnehmen, die Sie ohnehin nicht ändern können. Als nächstes fällt Ihnen sicher Ihre Freizeit ein: entspannte Treffen mit Freunden, gesellige Runden, Hobbys, Partys, Small Talk oder unbeschwerte Stunden mit der Familie am Abend, an Wochenenden, im Urlaub. Dort scherzen, albern, schmunzeln, gackern oder kichern Sie ab und zu, sofern sich die Gelegenheit ergibt und der Humor der Leute kompatibel zueinander ist. Man könnte sagen: Humor als ebenso geglückter wie glücklicher Ausnahmezustand.

Humor geht aber weit darüber hinaus, ist eine ernste Angelegenheit, mit der man nicht allein spaßen sollte. Denn Humor ist ein elementares Bedürfnisse in nahezu allen Bereiche des menschlichen Lebens, ähnlich unserem natürlichen Verlangen nach Essen, Trinken, Schlaf, Gemeinschaft und Kommunikation, nach Kleidung, Hygiene, Bildung, Erfolg, Kunst, Unterhaltung, Bewegung, Sex, Spaß und Sicherheit. Dieses beim Menschen so wacklige Geflecht aus Körper, Geist und Seele braucht Humor, um halbwegs im Lot zu bleiben. Humor stabilisiert die Beziehungen zwischen den Menschen und hilft, Druck aus ihrer Kommunikation zu nehmen, die Gemüter zu entspannen und zu erfreuen, in Harmonie anzugleichen, in guter Erinnerung zu bleiben.

Humor ist ein Rezept, mit dem ich mir einen bekömmlichen Tag bereite.

Von nett bis nützlich macht sich Humor daher in unseren E-Mails, Briefen, Glückwunsch-, Urlaubs- und Einladungskarten, ebenso in Reden, Vorträgen und Präsentationen oder beim Flirten, bei der Partnersuche, in der Partnerschaft. In heiklen Situationen kann uns Humor regelrecht retten: im Umgang mit Kollegen, Kunden, Vorgesetzten, Nachbarn, Schwiegermüttern, Fremden oder Ex-Beziehungen. Eventuell kommunizieren Sie im Internet über Chats, Foren, WhatsApp und Twitter, präsentieren sich bei YouTube, in sozialen Netzwerken, mit Blogs oder auf der eigenen Website mit Texten, Bildern und Videoclips. Mehr denn je ist eigener Humor dort gefragt. Vielleicht reden, schreiben oder moderieren, lehren, betreuen, verkaufen oder therapieren Sie berufsbedingt und sind immer auf der Suche nach lustigen Ideen und heiteren Pointen.

Manchmal ist ein Lächeln auch zu wenig, reicht Fröhlichkeit nicht aus, ist pure Freundlichkeit zu schlicht, wirkt naiv, zu defensiv, wird als Schwäche interpretiert, gegen uns ausgenutzt. Dann müssen wir punkten: mit ansprechenden Effekten, um Leute zu locken, uns wirkungsvoller zu verkaufen, in der Gemeinschaft zu behaupten, neue Kontakte zu knüpfen oder um uns pfiffig zu schützen, elegant zu wehren. Schon insofern hätte wohl jeder gern gewusst, was Humor zu leisten vermag, wie man ihn entwickeln und verbessern kann, wie er funktioniert.

Angesichts all dieser Gelegenheiten und Erfordernisse des gewagten Treibens, trüben Leidens und ewigen Scheiterns, genannt Leben, müssen wir Humor längst nicht als Ausnahmezustand hinnehmen. Ein sonniges Gemüt können wir auf Knopfdruck zwar nicht bestellen, da es stets mehrerer Knöpfe dazu bedarf, auf die wir nicht immer Zugriff haben, gute Laune lässt sich selten erzwingen. Und spontaner Humor gedeiht eben nur unter genannten komplexen Bedingungen, die erst mal zusammentreffen müssen. Das Wissen allerdings, wie Humor funktioniert, verbunden mit der Fähigkeit, ihn systematisch zu erzeugen, bietet uns deutlich mehr Möglichkeiten und Spielräume. Zurück wirkt das wiederum auf unsere Stimmung, auf die der anderen, auf deren Urteil, Einstellung und Verhalten und damit letztlich auf die jeweilige Situation.

Leider sieht unser Alltag meist anders aus: Mehr denn je hat er uns im Würgegriff, dass wir glauben, uns beim eigenen Humor bis an die Ohren zugeknöpft zeigen zu müssen. Immer kleinere Lücken zum Scherzen lässt uns das leistungsverdichtete Leben. Sollen wir tatsächlich zum Lachen in den Keller flüchten, wenn überhaupt Zeit dafür bleibt? Weil wir andernfalls nicht kompetent und seriös genug wirken, unsere freudlosen Mitmenschen weiter verunsichern, scheue Kunden vielleicht verschrecken, unzufriedene Chefs zusätzlich reizen oder all die mächtig ranklotzenden Kollegen von der gelobten Arbeit abhalten?

Mein Chef ist ein Tierfreund. Jeden Tag macht er uns zur Sau.

Vorgesetzte sind nicht selten der Meinung: wer lacht, habe noch Reserven. Und selbst diese gelte es auszuschöpfen: für wichtigere, ausschließlich wirtschaftliche Belange des gelobten, stets leistungshungrigen Arbeitgebers. Nur sollten wir bedenken, dass wir die überwiegende Zeit unserer wertvollen Wachphase des Tages mit den nicht immer geliebten Belastungen im Job zu verbringen gezwungen sind. Und dass wir währenddessen trotzdem leben, entspannt atmen, uns einigermaßen gut fühlen und mit Menschen angenehm kommunizieren sollten. Humor und Lachen sind dabei wesentliche Merkmale eines normalen, geistig und seelisch gesunden Lebens. Bislang zumindest und gerade während der Arbeit, ob im Homeoffice oder in der Bürokäfigmassenmenschhaltung. Alles andere wäre ein tragischer Irrtum, eine gefährliche Falle – Unsicherheit, Ängste, Depression und Burn-out lassen grüßen.

„Schon gehört? Untersuchungen haben ergeben, dass teure Espressomaschinen Blei freisetzen.“ „Ach daher diese bleierne Müdigkeit, sobald ich morgens im Büro meinen Kaffee trinke.“

Ist unser Humor noch zu retten?

Vor einiger Zeit tat ich es anderen Passanten gleich und flüchtete vor dem Regen in eine Weinhandlung. Der Verkäufer, von dem niemand wusste, ob er diesen Ansturm patschnasser Leute begrüßen sollte, blieb gelassen und gab sogar einen Gag zum Besten: „Wenn hier jemand seinen Wein auch trocken mag, ich habe Handtücher da!“

Nicht der Knaller, nicht ganz neu, deshalb kein Grund, dass sämtliche Leute im Laden, kaum zu glauben, schwiegen, keine Miene verzogen. Ich lachte – als einziger – und fühlte mich nicht wohl dabei.

Diese Leute sind sicher nett ansonsten, zuverlässig und fleißig vielleicht, ungewöhnlich klug, kultiviert und beruflich erfolgreich sogar. Aber menschlich haben sie sich in dem Moment eine Menge verschenkt, nicht reagiert, sich nicht amüsiert, weder etwas Lustiges entgegnet noch gelacht, gelächelt oder geschmunzelt. Schade, peinlich.

Wer nicht mehr lachen kann, wird immer komischer. Und wer komisch ist, muss noch lange nicht lustig sein, erst recht nicht humorvoll. Ein Teufelskreis mit Abwärtsspirale, wofür die heute wachsende Zahl von Menschen mit psychischen und psychosomatischen Leiden steht.

Ob trocken schmecken oder trockenreiben – eine humorvolle oder witzige Reaktion muss nicht anspruchsvoll, nicht der vermeintlichen Vernunft und strengen Logik folgen. Sie muss nur passen, irgendwie, ein bisschen originell sein. Und auch wenn sie einer flüchtigen Unterhaltung dient, so entspannt sie die Atmosphäre, überwindet Fremdheit mit einem guten Gefühl von Gleichheit und gemeinschaftlicher Geborgenheit.

Unser Humor macht uns umgänglicher. Wir haben es uns verdient, und wir haben es nötig.

Die Kunden der Weinhandlung hätten genau das gebraucht. Warum? Weil fast jeder in den meisten Lebenssituationen auf irgendeine Form menschlicher Nähe angewiesen ist, die zwar eine gewisse körperliche Distanz wahrt, dennoch für ein gutes Gefühl sorgt. Uns gegenseitig in den Armen liegen und tätscheln, lieben oder loben geht schließlich nicht ohne Weiteres. Blickkontakt, ein Lächeln, ein paar Worte helfen hingegen eine Menge – Humor und der gemeinsame Spaß darüber noch viel mehr. Sie sind ein einfaches und zugleich hochwirksames Instrument auch dort, wo Menschen, die sich nicht kennen, für kurze Zeit auf engem Raum zusammentreffen.

Man kennt diese Erscheinung von Wartezimmern, Warteschlangen, Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln oder – immer wieder hübsch peinlich – von Aufzügen, in denen jeder halb verlegen nach unten, standhaft geradeaus oder nervös auf die Anzeige starrt und sich kaum zu atmen traut, um nur nicht den Blick anderer Menschen zu treffen, nicht womöglich noch gefällige, originelle Worte wechseln zu müssen. Was gehen mich die Leute an, die sollen mir nett gestohlen bleiben, solange ich sie nicht kenne, sympathisch und attraktiv finde. Ähnlich haben die Weinkunden, warum auch immer, auf jegliche menschliche Verbindung verzichtet, haben sich eingeigelt mit ihrer gedankenlosen Unaufmerksamkeit, lustlosen Hektik, steifen Bedeutsamkeit oder höheren Anspruchshaltung.

Niemand muss heutzutage gleich einen Witz erzählen. Der Witz ist halbtot, vor allem in der mündlichen Welt, mit Ausnahme allenfalls dieses konservierten Biotops stets knallgeselliger, einsam reisender männlicher Handelsvertreter an abendlichen Hotelbars. Ansonsten ist ein reines, zusammenhangsloses Witzeabspulen kaum gefragt, weder zu Hause noch im Job oder auf Partys. Leute, die es dennoch tun, nerven oft mehr als sie unterhalten, beweisen nicht gerade, witzig und humorvoll zu sein.

Wenn aber gar niemand mehr, wie in der Weinhandlung geschehen, amüsant reagiert, lacht oder lächelt, fühlen sich am Ende alle unsicher, misstraut einer dem anderen, kann jeder weiterhin seine Hemmungen, Vorurteile und Ängste ausleben, seinen Ärger, seine Trägheit, Coolness oder Überspanntheit pflegen und damit unzufrieden bleiben.

Deutscher Humor ist, wenn man trotzdem nicht lacht. – Sigismund von Radecki

Stimmen denn die alten Vorurteile überhaupt, die andere Völker gegen uns Deutsche hegen? Zumindest im Alltag konnten wir Deutschen es schon immer gut ertragen, auf Lässigkeit, Genuss und Lebensfreude zu verzichten. Außerdem gibt es keine Dienstanweisung, humorvoll zu sein. Und wer mit unbegrenzter Geschwindigkeit über die Autobahnen seines Landes rast, kann schnell mal unter einem witzlosen Tunnelblick leiden, mehr Adrenalin und aggressives Verdrängungsgebaren als Humor für seine Mitmenschen übrig haben. Das zeigt sich bereits an den häufig verwendeten Floskeln wie „Das war nur ein Witz“ oder „Spaß muss sein.“ Ebenso an solchen zwar ironischen, deswegen aber längst nicht lustig gemeinten Sätzen wie: „Das kann ja heiter werden“, „Sehr witzig“, „Schon lange nicht mehr so gelacht“ oder „Witz komm raus, du bist umzingelt“.

Historisch gesehen ist der Deutsche, schaut man auf seine bestimmende kulturgeschichtliche Epoche, eher der romantische Künstler mit pathetischem Hang zur Natur. Ob das jedoch den modernen Durchschnittsdeutschen betrifft, ist die Frage. Von der Last einer historischen Humorschwäche in Literatur, bildender Kunst, Musik und Philosophie ist jedenfalls heute noch einiges zu spüren. Und seine Sehnsüchte hegt der Deutsche entweder im Stillen oder hängt sie an schnulzige Volksmusik- und Schlagerstars, während er den eigentlichen Humorauftrag an Comedians der elektronischen Medien oder an in Vorgärten platzierte Gipskitschgartenzwerge delegiert.

Achtung, Durchsage: Wer in Deutschland zur Arbeit geht, dem wird dringend empfohlen, um allseits Vertrauen zu schaffen, am Eingang sein griesgrämiges Gesicht aufzusetzen.