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Das Buch nimmt sie mit auf eine "Abenteuerreise" durch die 4 zentralen Dimensionen des Zeitumgangs. Sie lernen dabei die entscheidenden Methoden und Techniken kennen, um persönliche und berufliche Ziele zu erreichen, ohne dabei biologische Anforderungen zu vernachlässigen. Darüber hinaus erkunden Sie psychische Bedürfnisse und soziale Aspekte des Zeitumgangs. Dabei gelangen sie immer wieder an zentrale Fragestellungen für mehr Erfolg, Zufriedenheit und Selbstbestimmung in ihrem Leben. Die fundierten und umfassenden Fachinformationen, speziellen Literaturtipps, zahlreichen Zitate, praktischen Beispiele und Zeitlandkarten im MindMap-Format helfen ihnen bewußte Entscheidungen zu treffen und dauerhaft zu verfolgen.
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Seitenzahl: 287
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Dr. Michael Schnell
Die Kunst des Timings
Wie wir mit uns und unserer Lebenszeit umgehen
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Einführung
1. Zeit für die Zeit
1.1 Die vier Galaxien der Zeit
1.1.1 Die quantitative Galaxie der Zeit
1.1.2 Die qualitative Galaxie der Zeit
1.1.3 Die psychologische Galaxie der Zeit
1.1.4 Die soziale Galaxie der Zeit
1.2 Mit der Zeit leben
1.2.1 Erwartungen an die Zeit
1.2.2 Umgang mit der Zeit
2. Die quantitative Galaxie
2.1 Das Sternbild der Leistungskompetenzen
2.1.1 Die Welt der Ergonomie
2.1.2 Die Welt der Energie
2.1.3 Die Welt des Trainings
2.2 Das Sternbild der Belastbarkeitskompetenzen
2.2.1 Die Welt von Druck und Stress
2.2.1.1 Der physiologische Stressprozess
2.2.1.2 Stress und Zeitmanagement
2.2.1.3 Stressbewältigungstechniken
2.2.2 Die Welt der Belastbarkeit und die anderen drei Galaxien
2.3 Das Sternbild der Organisationskompetenzen
2.3.1 Die Welt der Effizienz
2.3.2 Die Welt der Ordnung
3. Die qualitative Galaxie
3.1. Das Sternbild der Wirkungskompetenzen
3.1.1 Die Welt der Ziele
3.1.2 Die Welt der Prioritäten
3.1.3 Die Welt der Delegation
3.2 Das Sternbild der Rhythmuskompetenzen
3.2.1 Die Welt der Gewohnheiten und Rituale
3.2.2 Die Welt des Wartens
3.3 Das Sternbild der Körperbewusstseinskompetenzen
3.3.1 Die Welt der Chronobiologie
3.3.2 Die Welt der Hirnforschung
4. Die psychologische Galaxie
4.1 Das Sternbild der Fühlkompetenzen
4.1.1 Die Welt der Gefühle
4.1.2 Die Parallelwelten der Gefühle
4.2 Das Sternenbild der Denkkompetenzen
4.2.1 Die Welt der Veränderungen
4.2.2 Die Welt der Gelassenheit
4.2.3 Die Welt des Systemischen Denkens
4.3 Das Sternbild der Selbstverwirklichungskompetenzen
4.3.1 Die Welt der Selbsterkenntnis
4.3.2 Die Welt der Selbstreflexion
4.3.3 Die Welt der Selbsttäuschungen
5. Die soziale Galaxie
5.1 Das Sternbild der Kommunikationskompetenzen
5.1.1 Die Welt der verbalen und nonverbalen Kommunikation
5.1.2 Die Welt der Kommunikationsmodelle
5.1.3 Die Welt der mediengestützten Kommunikation
5.2 Das Sternbild der Kooperationskompetenzen
5.2.1 Die Welt der Kooperation
5.2.2 Die Welt der Gruppenarbeit
5.2.3 Die Welt der Gemeinschaftsspannung
5.3 Das Sternbild der Synchronisationskompetenzen
5.3.1 Die Welt der Kommunikationssynchronisation
5.3.2 Die Welt der Informationssynchronisation
5.3.3 Die Welt der Prozesssynchronisation
5.4 Sozialzeit
Impressum neobooks
"Zeit hat man nur, wenn man sie sich nimmt." (Karl H. Waggerl)
Beschäftigt Sie „Zeit“? Dann ist es vielleicht an der Zeit, sich mit ihr zu beschäftigen! Dieses Buch wird Ihnen zeigen, womit es lohnt sich zu beschäftigen und welche praktischen Ratschläge wir direkt in unserem Leben nutzen können. Einfache und eindimensionale Patentrezepte liefert das Buch dabei nicht. Deshalb erwartet Sie eine umfassende und reichhaltige Fülle an Informationen von wissenschaftlichen Erkenntnissen bis zu subjektiven Wahrheiten. Lassen Sie sich an- und gerne auch einmal aufregen, denn je intensiver Sie Ihre Zeit erleben und je vertrauter sie Ihnen dadurch wird, umso bewusster können Sie den Umgang mit ihr in Ihrem Sinne gestalten. Zur Wahrheit wird dann, wie Sie es am Ende sehen und was Sie zu ihrem optimalen Weg machen.
Die Kunst des Timings bietet Ihnen deshalb sowohl einen umfassenden als auch einen vertiefenden Einblick in die zentralen Aspekte unseres möglichen Umgangs mit Zeit und eine besondere Reflektionsgelegenheit, wie wir unser persönliches Leben und unser Zusammenleben sinnvoll gestalten können. Dazu gehen Sie auf eine Entdeckungstour durch vier verschiedene Galaxien (Dimensionen des Zeitumgangs) und ihre jeweiligen Sternbilder (Größen oder Einheiten der Zeitdimensionen), mit deren Hilfe ich Ihre Reise zusammengestellt und organisiert habe. Die übersichtliche Gliederung nach vier Themenbereichen und in den meisten Fällen mit jeweils drei Unterkategorien wird es Ihnen über das Buch hinaus erleichtern, sich immer wieder gut an die Inhalte zu erinnern. Darüber hinaus erfahren Sie an vielen Reisestationen (Teilthemengebieten) wo und wie Sie mit welcher Literatur individuell weiterreisen können.
„Timing“ steht in diesem Werk als Synonym für „das Richtige zur richtigen Zeit“ und schließt die Vielschichtigkeit oder Komplexität der Zeit mit ein. So ist Timing in der Technik eng mit der Steuerung und Optimierung von Zeitabläufen verbunden. In der Musik hängt Timing eng zusammen mit dem Begriff des Rhythmus. Im Sport dagegen steht stärker der Aspekt der Koordination im Vordergrund und an der Börse geht es darum, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Zeit ist genauso wenig eindimensional und ein optimaler Zeitumgang setzt voraus, die vielschichtigen Aspekte klar vor Augen zu haben, um darauf aufbauend bewusste Entscheidung treffen zu können.
„Optimal“ in Sinne dieses Buches schließt ein, dass es keine standardisierten Ideallösungen oder eine objektive Wahrheit/Richtigkeit für alle gibt. Stattdessen kommt es darauf an, jeden Tag aufs Neue seinen Zeitumgang und seine Lebensführung bewusst zu gestaltet. Im besten Falle auf der Grundlage verschiedener Perspektiven, die gleichzeitig abgewogen werden und zu einem für uns gesunden und sinnvollen Ergebnis oder Kompromiss führen.
Von einer „Kunst“ spreche ich in diesem Zusammenhang, um den dazu notwendigen lebendigen und kreativen Prozess zu betonen (von der Wahrnehmung über den Wissensaufbau, das ständige praktisches Umsetzen und Üben, bis hin zur Nutzung der persönlichen Intuition), ohne den dieses Werk schnell wieder in Ihrem persönlichen schwarzen Loch verschwinden wird.
In diesem Sinne „Auch eine Reise von tausend Meilen fängt mit dem ersten Schritt an." (Laotse) und „Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Drum nähme ich den Stock und Hut und tät das Reisen wählen.“ (Matthias Claudius).
Viele interessante, spannende und wertvolle Erlebnisse wünsche ich Ihnen auf Ihrer Reise durch und mit der Zeit. Am Ende freue ich mich, wenn Sie Ihre persönliche Lebenszeit in ein für Sie gesundes Gleichgewicht bringen und Sie eine unserer wichtigsten Ressourcen immer wieder sinnvoll verbrauchen. Berücksichtigen Sie dabei, dass wir Zeit nicht ansparen, ausleihen oder zurückdrehen können während sie weiter verstreicht.
Ihr Dr. Michael Schnell
PS: „Die Kunst des Timings“ ist vor dem Hintergrund meiner beruflichen Tätigkeit als Trainer, Berater und Coach entstanden. Deshalb ist das Buch nicht frei von der Perspektive auf den Umgang und die Gestaltung von Arbeitszeit und dem Berufsleben. Ich danke allen meinen bisherigen und zukünftigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die mich durch ihre Fragen und Erfahrungsberichte aus der täglichen beruflichen Praxis inspiriert haben und es weiter werden. Auf weiterhin gute Zusammenarbeit.
„Was ist denn also die Zeit? Wer kann das leicht und schnell erklären? Wer kann das auch nur so weit denkend erfassen, dass er dann davon sprechen kann? Was kommt uns in unseren Reden vertrauter vor als das Wort Zeit? Wir wissen sogar, wenn wir das Wort aussprechen, was das ist; wir wissen es auch, wenn ein anderer darüber zu uns spricht. Was also ist Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich es. Wenn mich aber jemand danach fragt, dann kann ich es nicht erklären.“ (A. Augustinus 1993, Bekenntnisse, Buch XI, XIV.17.)
Dieses Zitat bringt auf den Punkt, was die meisten Menschen heute noch erleben, wenn wir mit Worten erklären wollen, was Zeit ist. Uns fehlen die Begriffe für eine Definition, so dass wir immer wieder auf den Begriff Zeit selbst oder Wortkonstruktionen mit ihm zurückgreifen. Darüber hinaus verschmelzen im Begriff Zeit die unterschiedlichste Aspekte, die es weiter erschweren, eine umfassende Formulierung zu finden. So wird ein Naturwissenschaftler Zeit als Messgröße definieren, ein Philosoph eher den konstruktiven Charakter des Begriffs betonen, der uns hilft die Welt zu verstehen und zu erklären und der Psychologe stärker die subjektive Wahrnehmung und das Empfinden in den Mittelpunkt seiner Erklärung stellen. Für den einen ist Zeit Geld, für den nächsten ein knappes Gut und ein dritter bezeichnet Zeit als ein Planungs- und Organisationsinstrument.
Wer im Einklang mit der Zeit leben will, braucht daher keine einheitliche oder einäugige Definition des Phänomens Zeit, sondern einen großen Weitblick und ein tiefes Bewusstsein dafür, dass wir die Zeit immer genau so sehen und erleben, wie wir über sie denken.
Sie bei der Entwicklung dieser Kompetenzen zu begleiten und Ihre Perspektive zu bereichern, ist das Ziel dieses Buches. Dazu wird zum einen eine überschaubare Strukturierung der Betrachtungsweisen von Zeit nach vier verschiedenen Galaxien vorgestellt, die Ihnen einen Gesamtüberblick gibt (Modell der Zeit). Darüber hinaus erhalten Sie die Gelegenheit Ihren Detail- und Feinblick zu schärfen, wenn wir in die Tiefe der Galaxien reisen, wo wir die jeweils bedeutsamen Sternbilder mit ihren verschiedenen Welten sowohl in theoretischer als auch praktischer Perspektive ausleuchten (in Form eines Zeitratgebers). Auf diesen Exkursen begegnen Sie wissenschaftlichen Betrachtungsweisen, den Anregungen von Fachleuten und den weiterführenden Gedanken des Autors. Auf ein ständiges Zitieren der Quellen wird verzichtet, weil sie oft an vielen verschiedenen Orten gleichzeitig entspringen. Außerdem sollen Sie im Mittelpunkt stehen und das, was Sie aus den auf Sie wirkenden Eindrücken machen. Zahlreiche Literaturtipps an den entsprechenden Reisestationen weisen Ihnen zusätzlich den Weg in die Zukunft, damit Sie sich über dieses Buch hinaus auf weitere Reisen begeben können.
Das Ende unserer Reise wird dann für Sie wieder zum Anfang:
„Zeit ist (auch) das, was wir daraus machen (Urheber unbekannt)!“
Ich wünsche Ihnen eine wertvolle Zeitreise.
Wie im vorangegangenen Abschnitt angekündigt, stelle ich Ihnen zunächst als Strukturierungshilfe die vier Galaxien der Zeit, d.h. mein Modell der Zeit vor. Sie bieten den besonderen Vorteil, dass Ihnen alle wesentlichen Zeitaspekte zugeordnet werden können. Auf diese Weise wird sowohl Klarheit erreicht als auch eine bewusste Wahrnehmung erleichtert. In unserem Leben treten die Galaxien und ihre jeweiligen Sternbilder bestimmt nicht so klar voneinander getrennt auf wie hier dargestellt. Sie sind eng miteinander verbunden und überlappen sich an der einen oder anderen Stelle.
Bitte berücksichtigen Sie darüber hinaus beim Lesen dieser Einführungen immer, dass aus meiner Sicht entscheidend ist, was Sie aus Ihrer Zeit machen wollen und wie Sie mit ihr in welchen Situationen oder Lebenslagen umgehen wollen. Alle Bewertungen und Zwischentöne, die Sie in meinen Ausführungen wahrnehmen, dienen in erster Line der Erklärung und Verdeutlichung der Inhalte zu Ihrem schnelleren und eindeutigerem Verständnis. Manchmal passt sicher das Motto: Übertreibungen veranschaulichen. Mein Ziel ist dabei nicht, Sie von einer bestimmten Haltung, Einstellung oder bestimmten Verhaltensweisen zu überzeugen, sondern Sie zu inspirieren, viele verschiedene Perspektiven und Haltungen einzunehmen, darüber nachzudenken und mit Ihrem bisherigen Denken und Handeln in Beziehung zu setzen, um in Zukunft Ihre Zeit immer bewusster nach Ihren Vorstellungen zu gestalten.
In diesem Sinne beginnt nun Ihre persönliche Reise durch und mit der Zeit. Stellen Sie deshalb jetzt Ihre Rückenlehne senkrecht, klappen den Tisch vor sich hoch, schalten alle elektronischen Geräte ab und schnallen Sie sich bitte an. Vielen Dank. Es warten die folgenden vier galaktischen Reisen mit jeweiligen planetarischen Zwischenstopps in ihren Sternbildern auf Sie. Ich wünsche eine gute Zeit!
(alle Mind Maps in diesem Buch sind mit dem MindManager der Firma Mindjet erstellt worden: www.Mindjet.com)
Um die erste Galaxie mit Leben zu füllen, ist zunächst der Begriff Quantität genauer zu bestimmen. Eine für die weiteren Ausführungen passende Definition lautet: „Quantität (lat. quantitas: Größe, Menge) meint die Menge oder Anzahl von Stoffen oder Objekten oder die Häufigkeit von Vorgängen. Quantität findet Ausdruck in numerischen Werten oder der Angabe von Ausmaßen oder Verhältnissen. Bsp.: ganz Deutschland, 30 Gramm, kleiner als.“ (Wikipedia 2009, http://de.wikipedia.org/wiki/Quantit%C3%A4t)
Als Bilder passen zur qualitativen Galaxie das Lineal, der Takt oder die Uhr. Zeit lässt sich exakt mit Zahlen messen, bestimmen und abstimmen. Der Leitgedanke eines quantitativen Umgangs ist, mehr Aufgaben, Tätigkeiten oder Termine in der Zeit unterzubringen. Diese Erwartung erlebe ich immer wieder in meinen Zeitmanagement-Seminaren: Wie schaffe ich mehr in der gleichen Zeit? Dabei lautet einer der Grundsätze des Zeitmanagements, sich stärker auf die richtigen bzw. wichtigen Dinge zu konzentrieren und diesen Dingen auch noch mehr Zeit zu widmen.
Die quantitative Galaxie der Zeit ist eng mit einer immer wieder in der Wirtschaft zu beobachtenden Haltung verbunden. Wie kann ich ein quantitatives Mehr erzielen (mehr Umsatz, mehr Marktanteile, mehr Gewinn)? Genauso wie ständiges quantitatives Wachstum das Denken beherrscht, soll auch die Zeit immer besser ausgenutzt werden, um eine Entwicklung lebendig zu halten, die wie in einer Spirale oder steilen Geraden ständig ansteigt. Ein Ende oder eine Grenze darf es nicht geben, sie wird daher oft konsequent ignoriert.
Wenn wir trotzdem an Grenzen der quantitativen Zeitnutzung stoßen, können wir die nächste Rakete zünden, indem wir die Dichte der Zeit erhöhen. Das bedeutet, wenn ich nicht weiß, wie ich weiter optimieren, rationalisieren oder effizienter sein kann, mache ich einfach mehr Dinge gleichzeitig (z. B. telefonieren, E-Mail schreiben und mit den Füßen Unterlagen sortieren). Neudeutsch sprechen wir von Multitasking-Fähigkeiten oder vom Simultantismus. In diesem Zusammenhang tauchen in der Literatur Schlagwörter wie 24-Stunden-Gesellschaft, Non-Stop-Gesellschaft oder Leitsätze wie „alles zu jeder Zeit“, „überall, sofort und gleichzeitig“ auf. Mit dieser Entwicklung im Einklang steht die Einführung einer Weltzeit, damit wir endlich die Nachteile von unterschiedlichen Uhrzeiten und Tagesrhythmen in einer globalisierten Welt abschaffen können.
Einen quantitativen Zeitumgang in Reinform kennzeichnet vor allem Maß- und Grenzenlosigkeit in allen Lebenslagen. Leider ohne dass viele Menschen gleichzeitig eine qualitative Entwicklung sehen und spüren. Folgende Nachricht (Verfasser unbekannt) beschreibt aus meiner Sicht auf wunderbar anschauliche Weise, wie wir mit Zeit umgehen, wenn allein Quantität dominiert:
Eine wunderbare Nachricht :
Wir bauen höhere Gebäude und haben weniger Beherrschung.
Wir besitzen größere Freiräume und sind engstirniger.
Wir geben mehr au und haben weniger.
Wir kaufen mehr und genießen weniger.
Wir haben größere Häuser und kleinere Familien.
Wir haben mehr Annehmlichkeiten und weniger Zeit.
Wir haben mehr Titel und weniger Verstand.
Wir haben mehr Wissen und weniger Urteilskraft.
Wir haben mehr Experten und trotzdem mehr Probleme.
Wir haben mehr Medizin und weniger Gesundheit
Wir trinken und rauchen viel und lachen zu wenig.
Wir haben unseren Besitz vervielfacht unsere Werte gleichzeitig reduziert.
Wir reden viel lieben zu selten und hassen zu oft.
Wir haben gelernt durch das Leben zu gehen und nicht zu leben.
Wir haben den Weltraum erobert und nicht unser Inneres.
Wir haben größere Dinge getan und nicht Bessere.
Wir haben die Luft gereinigt und die Seele verpestet.
Wir beherrschen das Atom und nicht unsere Vorurteile.
Wir schreiben mehr und lernen weniger.
Wir planen mehr und erreichen weniger.
Wir haben gelernt uns zu beeilen und nicht zu warten.
Wir bauen Computer, produzieren Kopien kommunizieren aber immer weniger.
Dies ist die Zeit von Fertiggerichten und langsamer Verdauung.
Die Zeit von großen Männern und kleinen Charakteren.
Die Zeit von steilem Gewinnzuwachs und seichten Beziehungen.
Dies sind die Tage von zwei Einkommen und mehr Scheidungen.
Die Tage von phantastischen Häusern und einem zerbrochenen Heim.
Dies sind die Tage der schnellen Reisen, Wegwerfwindeln, Wegwerfmoral,
Sex für eine Nacht, übergewichtigen Körpern und Pillen die alles können,
von Aufputschen bis Ruhigstellen, bis töten.
Es ist eine Zeit, in der mehr im Schaufenster liegt und weniger im Lager.
Eine Zeit, in der die Technik diesen Brief zu dir bringt und die Zeit,
in der du wählen kannst, diese Ansichten zu teilen oder einfach zu löschen.
Ein quantitativer Zeitumgang kann sich genauso in der Sprache widerspiegeln. So sprechen die wenigsten Menschen von freier Zeit sondern von Freizeit, was natürlich auch stimmig ist, weil wir ständig unsere freie Zeit verplanen und sie so zur Freizeit machen (8.00 Uhr Strandliege mit Handtuch reservieren, 9.00 Uhr Frühstück, 10.30 Wassergymnastik, 13.00 Uhr Mittagessen, 14.30 Uhr Strandvolleyball, 16.00 Uhr ...). Nichts tun, Müßiggang und Faulsein sind im Denken aller Anfang Laster und werden nicht wertgeschätzt. Ständig gilt es quantitativ produktiv zu sein und auch der Konsum spielt eine entscheidende Rolle in der quantitativen Zeitdimension. Wer den Wert des Müßiggangs wiederentdecken möchte, dem empfehle ich z. B. von Tom Hodgkinson, Anleitung zum Müßiggang.
Ein weiteres Beispiel für das beschriebene Zeit-, Denk- und Verhaltensmuster finden wir im Sternbild der Ernährung und Lebensmittelproduktion. Es ist gekennzeichnet von hochwertigem Geschirr, vielen Beschleunigungsgeräten, tollem Design und vielfältigen Varianten des legalen und illegalen Dopings. Qualität bei der Produktauswahl und bei der Verarbeitung spielen dagegen eher eine untergeordnete Rolle. Quantität, Optik und Schnelligkeit stehen klar im Vordergrund. Männer putschen ihre Leistungsfähigkeit, Frauen hellen ihre Stimmung auf und Lernende halten sich künstlich länger wach und konzentriert. Keine Zeit für natürliche Prozesse und Abläufe. Alles zu jeder Zeit aus der ganzen Welt günstig verfügbar zu haben und dabei viel mehr Wert auf Masse als Klasse legen, ist der Zeitgeist oder das Gespenst der Ernährungszeiten. Gleichzeitig führt ein ständiges Mehr an Nahrungsmittelaufnahme zu keinem Mehr an Gesundheit, was uns gerade in den Industrienationen drastisch vor Augen geführt wird. Eine weitere populäre Folge ist z. B. der Rinderwahnsinn oder ist der Verlust an Genuss. Der geht heute vielfach unter anderem durch den Trend "alles immer früher beginnen zu lassen" verloren (z. B. im August schon Weihnachtssüßigkeiten im Handel anbieten, die auch gekauft werden). Erster zu sein, hat enorm an Bedeutung gewonnen. Alles zu seiner Zeit dagegen an Wert verloren, dabei freuen wir uns doch speziell auf z. B. die Spargelzeit, oder ? Zur weiteren Erkundung der beschriebenen Zeitumgangsformen bietet sich z. B. an, das seit mehreren Jahrzehnten bestehende Reiseangebot von Erich Fromm „Haben und Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft“ zu buchen.
Der sprichwörtliche Wahnsinn im quantitativen Umgang mit unserer Zeit kann letztendlich in jedes Sternbild getragen werden. Genauso populär ist er, wenn es sich um unseren Körper und unsere Gesundheit dreht. Wenn Kopfschmerzen auftreten, werfen wir eine Pille zur schnellen Wiederherstellung unserer Leistungsfähigkeit ein. Der Schmerz ist weg, die Ursache sicher nicht. Kostet auch viel zu viel Zeit, seine Zeit dafür zu nutzen und nicht direkt wieder produktiv zu sein. Nun noch ein paar weitere verbreitete Beispiele.
Früher lautete die Weisheit „Ich denke, also bin ich“ und heute ist daraus „Ich hetze, also bin ich“ geworden. Auf der einen Seite unter Aufgaben- und Termindruck leiden, auf der anderen Seite beides zugleich als Bestätigung und Wertschätzung der Person empfinden. Kürzer formuliert: Wer viel zu tun hat oder es so aussehen lässt, ist ein besonders wichtiger Mensch und eben nicht nutzlos, faul, unproduktiv oder arbeitslos. Neudeutsch "busy sein" zählt zum Lebenszeitmotto. Getreu diesem Motto gehört es sich, möglichst laut über die E-Mail-Flut zu stöhnen, die uns täglich erreicht. So mache ich mich besonders wichtig. Zu dieser Zeitumgangsform gehört selbstverständlich auch der Hinweis auf die Anzahl der Handytelefonate, das Gejammer über fehlende Zeit und das Wetteifern, wer mit weniger Schlaf auskommt. In diesem Sinne gehört ständige Verfügbarkeit und Erreichbarkeit zum Zeitgeist. Dass ein Mensch, der ständig über das Telefon, Fax und Mailprogramm rund um die Uhr, sieben Tage die Woche im Büro erreichbar ist, nicht mehr zu seiner Arbeit kommt und schon gar nicht mehr dazu, Leistung zu bringen, ist in der quantitativen Galaxie kein wertvoller Gedanke. Wenn Sie Ihre Schreibtisch einmal aufräumen, um wieder einen Überblick zu gewinnen, um weniger zu vergessen, weniger zu suchen und sich wohler zu fühlen, dann stellen Sie sich in der Galaxie des quantitativen Zeitumgangs darauf ein, dass genau das der Grund dafür sein wird, dass Sie unter Druck kommen. Schließlich sieht Ihr Arbeitsplatz ja dann so aus, als gäbe es nichts zu tun. Wer noch mehr wissen oder lernen möchte, dem empfehle ich, sich bei nächster Gelegenheit im Internet auf die Suche nach dem Business Kasper von Michael Bully Herbig zu begeben.
Damit ich Ihren ersten Einblick nicht mit zu vielen Eindrücken auf einmal wieder verneble, endet nun unser erster Ausflug in die quantitative Zeitgalaxie. Später reisen wir erneut in diese Galaxie, um herauszufinden, wie wir unseren quantitativen Zeitumgang praktisch weiterentwickeln und gestalten können. Was Ihnen dabei sinn- und wertvoll erscheint und in welchen Lebenslagen, bleibt dann Ihre Aufgabe über das Lesen hinaus. Mein Beitrag kann zunächst sein, dass Sie nicht mehr sagen und denken können, dass war mir nicht bewusst oder das wusste ich nicht.
Mit den wesentlichen Punkten fasse ich diesen Abschnitt abschließend noch einmal zusammen:
In der quantitativen Galaxie stehen Anzahl und Menge im Vordergrund.
Zahlen, Mengenverhältnisse und linear-kausale Zusammenhänge (wenn A dann folgt B) charakterisieren diese Galaxie.
Das Denken und Handeln wird vor allem durch eine starke Maß- und Grenzenlosigkeit („Alles ist möglich“-Mentalität) geprägt.
Die wesentlichen Voraussetzungen und Bedingungen in der quantitativen Galaxie sind Flexibilität, Mobilität, Schnelligkeit und damit hohe Geschwindigkeiten, die oft eng mit einer hohen Flüchtigkeit, Kurzsichtigkeit und Oberflächlichkeit verbunden sind.
Als Symbole der qualitativen Galaxie dienen die Welle oder der Rhythmus, um zu unterstreichen, dass es innerhalb der Qualität auch ein auf und ab gibt und diese nicht immer auf einem gleichen Level existiert. Die Leitgedanken eines qualitativen Zeitumgangs lauten:
„Alles zu seiner Zeit.“
„Wenn die Zeit reif ist.“
In der qualitativen Galaxie stehen die Eigenzeit oder die eigenen Zeiten einer Sache, Aufgabe oder eines Lebewesens, im Vordergrund. Etwas passend machen, was nicht passt, wird in den einzelnen Sternbildern nicht zu finden sein. Stattdessen bestimmen ein Denken und Handeln, die davon ausgehen, dass es unterschiedliche Zyklen, Rhythmen und Pole gibt, zwischen denen Schwankungen existieren, die überall zu finden sind. Hier ein paar Beispiele, um dieses Naturgesetz der qualitativen Galaxie zu verdeutlichen:
Tag und Nacht
Ebbe und Flut
Plus und Minus
Gesundheit und Krankheit
Leben und Tod
An- und Entspannung
Hoch und Tief
Erfolg und Misserfolg
die Jahreszeiten
Biorhythmen/Leistungskurven
Es ist ein bekanntes Phänomen, dass wir zwar unsere Atmung immer weiter beschleunigen können, dadurch allerdings immer flacher atmen (reine Brustatmung), was ab einem gewissen Punkt trotzdem zu Sauerstoffmangel und zum Umkippen führt (das sogenannte Hyperventilieren). Das Gleiche ist mit unserem Herz möglich. Es immer und immer schneller schlagen zu lassen, führt irgendwann dazu, dass trotzdem nicht mehr Blut transportiert wird. Ähnliches wird für den Computer behauptet, der häufig als Sinn- und Vorbild für Schnelligkeit und Multitasking-Fähigkeit gilt. Dabei arbeitet er, eher sequentiell versetzt als gleichzeitig und dabei so rasend schnell, so dass es uns wie parallel erscheint. Sogar Auszeiten soll sich ein Computer gönnen. Ohne die käme ein Leistungssportler in seinem Training nicht weiter. Leistungsfähigkeit und Schnelligkeit der Muskeln entstehen nicht alleine dadurch, dass ich rund um die Uhr trainiere. Stattdessen ist unter anderem das ideale Verhältnis zwischen Ruhe- und Entspannungszeiten einerseits und Belastung und Training andererseits entscheidend. Bezeichnet wird es als Superkompensation:
„
Ist die Regenerationsphase zwischen Trainingsbelastungen zu groß, geht der Trainingseffekt wieder verloren. Wird hingegen zu viel oder/und zu intensiv trainiert, hat der Körper nicht genügend Zeit zur Regeneration und das Leistungsniveau sinkt ab (Übertraining).
Ziel ist nun, durch richtige Abstimmung von Trainingsbelastungen und Regeneration die Leistungsfähigkeit zu steigern und ein Übertraining zu vermeiden.“ (Wikipedia 2009, http://de.wikipedia.org/wiki/Superkompensation)
So prägt den Zeitumgang in der qualitativen Galaxie ein Leben nach den folgenden Weisheiten, die übrigens auch in der psychologischen Galaxie gut bekannt sind :
„In der Ruhe liegt die Kraft“ (Sprichwort).
„
Ich habe keine Zeit, mich zu beeilen.“ (I. Strawinsky)
„Dem Geduldigen laufen die Dinge zu, dem Eiligen laufen sie davon.“ (asiatische Weisheit, Urheber unbekannt).
„Alles wirklich Wertvolle lässt sich nicht kaufen. Es wird uns geschenkt.“ (P. Friebe)
„Man kann nur gut leben, indem man oft genug nicht macht, was man sich vornimmt.“ ( E. Canetti)
In der Zeitmanagement-Literatur finden sich in diesem Sinne Schlagwörter wie Entschleunigung, Simplify und Downsizing oder der Leitspruch „Wenn du es eilig hast, mach langsam.“ Till Eulenspiegel und der kleine Prinz können gerne als Vorbilder dienen. Ihre Zeitintelligenz wird gerne mit folgenden Beispielen beschrieben:
Till Eulenspiegel empfiehlt einem Kutscher, lieber langsam zu fahren, um schneller am Ziel zu sein. Erst nachdem die Achse durch Schlaglöcher gebrochen ist, versteht ihn auch der Kutscher.
Der kleine Prinz nach Antoine De Saint-Exupéry beantwortet die Frage, was man mit der durch durststillende Pillen eingesparten Zeit anfängt, auf seine Weise. Er würde die Zeit nutzen, um gemählich zum Brunnen zu gehen und genussvoll ein Glas Wasser zu trinken.
Wen die „Entdeckung der Langsamkeit“ weiter interessiert, dem empfehle ich den gleichnamigen Roman von Stan Nadolny. Wer gerne mit dem Medium Film reisen möchte und weitere Anregungen zum quantitativen und qualitativen Umgang mit Zeit sucht, besorge sich „Moderne Zeiten“ von Charles Chaplin oder die Verfilmung von „Momo“ nach dem Buch von Michael Ende. Wer jetzt schon ein paar praktische Anregungen wünscht, der probiere oder trainiere folgende Verhaltensweisen im Sinne eines qualitativen Zeitumgangs:
Langsam und ohne Ablenkungen oder Unterbrechungen essen. Die Weisheit des Dalai Lama „Wenn ich Tee trinke, trinke ich Tee.“ könnte den Genuss steigern, die Verarbeitung fördern und die Menge reduzieren.
Slow Food entdecken, statt ständig auf Fast Food zu setzen. Recherchieren, wer oder was Slobbys sind.
Statt der kürzesten und schnellsten Fahrstrecke sich eine angenehme, schöne wählen und auf keinen Fall andere überholen.
Sich in die längste Schlange am Schalter oder der Kasse stellen, statt die kürzeste und schnellste zu suchen.
Zum Abschluss fasse ich die wesentlichen Punkte noch einmal zusammen:
In der qualitativen Galaxie stehen Rhythmus und Eigenzeiten im Vordergrund.
Grenzen, Schwankungen, Wellenbewegungen, Zyklen und Pole charakterisieren diese Galaxie.
Das Denken und Handeln ist geprägt vom Prinzip „Weniger ist mehr“, eine Besinnung auf das Wesentliche, die Orientierung an naturgegebenen Gesetzmäßigkeiten und Weitsicht (eher mittel- und langfristiges Denken und Handeln als kurzfristig orientiertes).
Die wesentlichen Voraussetzungen in der qualitativen Galaxie sind Langsamkeit, Ruhe und Wartezeiten, die oft eng mit einer hohen Intensität und Tiefe verbunden sind.
Wie gewohnt, beginnen wir mit einer Definition, um zum ersten Mal gemeinsam in die dritte Zeitgalaxie aufzubrechen. „Psychologie ist eine empirische Wissenschaft. Sie beschreibt und erklärt das Erleben und Verhalten des Menschen, seine Entwicklung im Laufe des Lebens und alle dafür maßgeblichen inneren und äußeren Ursachen. Der Begriff stammt aus dem Griechischen, nach dem ursprünglichen Sinn von Psyche eigentlich Atemkunde oder Lebenslehre, üblicherweise jedoch mit Seelenkunde wiedergegeben, im Englischen dagegen study of the mind.“ (Wikipedia 2009, http://de.wikipedia.org/wiki/Psychologie)
In Sinne dieses Buches steht das Erleben von Zeit im Rahmen der Gefühlswelt im Mittelpunkt. Wir sprechen in der Regel von Zeitwahrnehmung oder Zeitgefühl. Als begleitende Bilder der psychologischen Galaxie bieten sich der Bauch, das Herz und unser Gehirn an. Neben der biologischen Zeit (wie Naturzeiten, Körperzeiten) existiert also auch eine geistige Zeit, die stark mit unserer Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Konzentration, Bewegung und unseren Gefühlen verbunden ist.
Zeit verläuft nicht nur linear und gleichmäßig im Takt, wie es uns die Uhrzeit vormacht. Wir können Zeit auch dehnen und stauchen, so dass sie uns wie eine Ewigkeit erscheinen kann oder wie im Fluge vergangen ist. In der psychologischen Zeit-Galaxie herrscht also ein subjektives Zeitempfinden und wir haben die Möglichkeit das Tempo unseres Zeiterlebens selber zu beeinflussen und zu gestalten. Dabei spielen sowohl innere als auch äußere Faktoren eine Rolle, die wir später noch einzeln und ausführlich beleuchten. Außerdem darf der noch zu erwartende Blick auf die bewusste und unbewusste Seite unserer Gefühle und Stimmungen Ihre Neugier auf mehr wecken.
In der psychologischen Galaxie existieren manchmal sogar weder Raum noch Zeit. Zu erleben ist das bei Aufgaben, die unsere Aufmerksamkeit und Konzentration durch ihren Schwierigkeitsgrad und unser Interesse optimal fordern. Bezeichnet wird dieses Phänomen auch als Flowgefühl. Andererseits ist auch bekannt, je hektischer und schneller wir unser Leben durch eine hohe Mobilität und Flexibilität gestalten (quantitative Galaxie), umso stärker entsteht in uns ein Gefühl der Zeitnot. Außerdem haben wir das Gefühl, dass die Zeit besonders schnell vergeht, wenn viel passiert. Sobald Ruhe und dadurch Langeweile aufkommt, entsteht dagegen ein Gefühl der Ewigkeit. Unser Gehirn gewöhnt sich schnell an ständige Reize und Unruhe, wordurch wir dann ungeduldig werden oder sogar negative Gefühle in reizarmen Zeiten entwickeln. Sich länger auf eine einzige Sache zu konzentrieren, erfreut unser Gehirn bald nicht mehr. Gut, dass es Handys, E-Mails usw. gibt, denn dann haben wir ja wenigstens einen guten Grund, uns der aktuellen Situation zu entziehen, wenn es auch in einen Teufelskreis führt. In der Medizin sprechen die Menschen in diesem Zusammenhang von Hyperaktivität oder dem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Sie können dann direkt zu Medikamenten greifen, um schnell wie bisher weitermachen zu können (so gehen wir mit unserer Zeit in der quantitativen Galaxie um) oder zeitaufwendiger an den Ursachen arbeiten. Eine spezielle psychologische Maßnahme ist der immer populärer werdende Weg ins Kloster, um Entspannungstechniken zu lernen oder ein Schweigeseminar zu besuchen. Hier ist nicht ausgeschlossen, dass Sie all-inclusive Ihre Sinne wieder schärfen (d.h. besser hören, riechen, schmecken können).
Zum Ende dieses Abschnittes führt uns unsere erste Erkundungsreise in die psychologische Galaxie noch einmal zur einführenden Definition zurück. In ihr ist die Entwicklung als ein Aspekt hervorgehoben. Für unseren Zusammenhang besteht die Parallele, dass unser Lebensalter unser Zeitempfinden beeinflusst. Jugendliche empfinden Zeit als deutlich langsamer als Erwachsene. Sie warten in der Regel noch wesentlich stärker auf die verschiedensten Dinge (z. B. Erwachsen werden) als Erwachsene und haben deutlich weniger Verpflichtungen (Dinge im Alltag zu erledigen). Eine weitere psychologische Erklärung lautet, dass Zeit an unseren Erinnerungen gemessen wird. Je mehr Erinnerungen wir haben, je größer die Vergangenheit wird, je älter wir werden, umso schneller vergeht für uns die Zeit.
Zusammenfassend sind für die dritte Galaxie folgende Punkte hervorzuheben:
In der psychologischen Galaxie stehen Zeitwahrnehmung und Zeitempfindungen im Vordergrund.
Der subjektive Charakter der Zeit kennzeichnet diese Galaxie.
Das Denken und Handeln wird stark durch bestehende Gefühle und Stimmungen geprägt.
Die wesentlichen Voraussetzungen und Bedingungen in der psychologischen Galaxie sind unsere Sinne und unsere Wahrnehmung (so kann z. B. der Verlust von Sinneswahrnehmungen und/oder Schäden am Gehirn zu gravierenden Einschränkungen oder dem vollständigen Verlust des Zeitempfindens führen).
In der vierten Galaxie wird das Leben vom gemeinsamen Umgang mit der Zeit oder dem anderer Lebewesen bestimmt. Es ist gekennzeichnet durch Kommunikation, Kooperation und Synchronisation. Als Symbole hierfür bieten sich die Sprechblase, der Handschlag oder der Funkmast an. Gerne können Sie sich natürlich für eigene Bilder entscheiden, die Ihnen einen stärkeren Gedächtnisanker bieten. An dieser Stelle bietet sich ergänzend eine orientalische Geschichte an, die von einer Sonnenuhr handelt. Als Geschenk brachte sie einem Volk Wohlstand, weil alle mit Hilfe der Zeitangabe pünktlicher, ordentlicher, zuverlässiger und fleissiger wurden. Mit dem Verlust der Sonnenuhr war auch der gemeinsame Orientierungspunkt verschwunden und das Reich zerfiel wieder.
Um einen weiteren Einblick in die soziale Galaxie zu bekommen, folgt zunächst, wie es sich für eine globalisierte Welt gehört, ein Rundflug um den Globus, um den Zeitumgang anderer Kulturen kennenzulernen. Weitgehend bekannt sind Zeitrituale wie die Brotzeit oder die berühmte Siesta, die in den südländischen Kulturen für eine lange Mittagspause und kürzere Nächte steht. Noch weniger bekannt ist die „amanhã“- oder „a mañana“-Haltung, die uns bei den Portugiesen bzw. Brasilianern und den Spanier begegnet und mir persönlich vor allem in der Karibik aufgefallen ist. Fällige Tätigkeiten werden dort gerne auf später oder morgen verschoben. Das am häufigsten gehörte Wort lautete „later“ (englisch: „später“). Temperatur und Klima beeinflussen das jeweilige Tempo und den Zeitumgang, was wiederum mit der Leistungsorientierung in Zusammenhang steht. Kulturen, die mehr Wert auf das Kollektive und die Zusammengehörigkeit legen, bewegen sich eher langsam. Aufschluss über den Zeitumgang anderer Menschen und Kulturen können z. B. das Sprechtempo, das Essverhalten, die Gehgeschwindigkeiten bis hin zum Fahrverhalten und der Umgang mit Wartezeiten geben.
Nun folgen ein paar weitere Gedanken aus aller Welt zum Umgang mit der Zeit, die den Berichten von Robert Levine in „Eine Landkarte der Zeit“ entnommen sind. Er beschäftigt sich intensiv und wissenschaftlich mit dem Thema und bietet in seinem Werk weiteren Zeitreisestoff an:
In Brasilien geht jede Uhr anders oder falsch, was allerdings niemanden stört. Pünktlichkeit wird nicht durch die Uhr bestimmt und hat in unserem deutschen Sinne keine große Bedeutung. Warten stört ebenso niemanden, wobei gleichzeitig klar geregelt ist, wer wen warten lassen darf. So darf ein Vorgesetzter oder Vermieter warten lassen, während es sich umgekehrt nicht gehört. Auf diesem Weg Macht zu demonstrieren, spielt bei dieser Art des sozialen Zeitumgangs eine wohl wesentlich geringere Rolle als in anderen Kulturen.
Slogan in einem Zug des Himalaya-Expreß: „Slow“ wird mit vier Buchstaben geschrieben wie „life“ und „speed“ mit fünf wie „death“.
Ärmere Länder gönnen sich heute noch im Durchschnitt mehr Feiertage als reichere. Gleichzeitig sind zeitsparende Erfindungen verantwortlich für das Ansteigen der Arbeitsbelastungen. Ein moderner Lebensstil und seine Erhaltung kostet insgesamt viel Zeit. Letztlich scheint es so, dass wir durch arbeitssparende Erfindungen doch keine Zeit sparen.
Auf Papua-Neuguinea sind die Menschen davon überzeugt, dass es nicht gut ist, an zwei aufeinander folgenden Tagen zu arbeiten. An anderen Orten wird zweieinhalb Tage pro Woche oder vier Stunden pro Tag gearbeitet.
Wer „Eine Landkarte der Zeit“ liest, wird immer wieder darauf stoßen, dass ein Leben nach der Uhr in weiten Teilen der Welt (und nicht nur bei den Naturvölkern wie auf Papua) unbekannt ist und weder den individuellen noch den gemeinsamen Zeitumgang prägen. Nicht die Uhrzeit oder ein Kalender bestimmt den Anfang und das Ende von Terminen oder Tätigkeiten, sondern die jeweilige Situation und ihr Verlauf, mit viel Raum für neue spontane Zeitpläne. Bezeichnet wird diese Art des Zeitumgangs als Leben nach der Ereigniszeit. Soziale Aktivitäten legen die Zeiten fest und nicht umgekehrt. Beispiele für diesen Umgang sind:
Als Zeitangabe wird mir keine Dauer oder Endzeit genannt, sondern der Hinweis: „Solange es eben dauert, es zu tun."
Steine aus dem Steinbruch werden erst geliefert, wenn der Besitzer wieder Geld benötigt.
Der Zug fährt nicht zu einer bestimmten Uhrzeit ab, sondern erst, wenn er voll besetzt ist.
In Mexiko gilt die Ereigniszeit sogar als Lebensphilosophie und wird sprichwörtlich durch die Redensart „Der Zeit Zeit geben“ ausgedrückt. In Afrika heißt es ganz ähnlich „Auch die Zeit braucht Zeit“.
Wir kommen nun nach unserem kurzen Ausflug in die unterschiedlichen Zeitkulturen wieder zurück zum Ausgangspunkt, der Einführung in die soziale Galaxie und fassen zusammen:
In der sozialen Galaxie steht der gemeinsame Umgang mit Zeit im Vordergrund.
Gesellschaft und Kultur bestimmen den Umgang mit Zeit und nicht die Uhr.
Das Denken und Handeln benötigt vor allem Einfühlungsvermögen und Verständnis für andere und ihre jeweiligen Zeitumgangsformen und Zeitwahrnehmungen.
Die wesentlichen Voraussetzungen und Bedingungen für das Leben in der sozialen Galaxie sind Kommunikation, Kooperation und Synchronisation.
